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Puella Magi Honoka Magica

GeschichteDrama, Übernatürlich / P16 / FemSlash
Homura Akemi Kyouko Sakura Madoka Kaname Mami Tomoe OC (Own Character) Sayaka Miki
01.12.2015
22.01.2017
4
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22.01.2017 6.465
 
Ein leises, fast nur zu erahnendes, Geräusch drang in meinen Kopf und zerschnitt die wunderschönen Bilder vor meinem inneren Auge. Ich ignorierte es und konzentrierte mich wieder vollkommen auf die Bilder. Ich wollte nicht zurück in diese kalte Realität, die sich außerhalb meiner Träume befand. Das Geräusch, inzwischen konnte ich es als unsere Türklingel identifizieren, ertönte ein weiteres Mal. Ich grummelte kurz, öffnete dann aber doch widerwillig meine Augen. Ich streckte mich einmal kräftig, während die Klingel nun schon zum dritten Mal ertönte. „Ich komme ja schon!“ rief ich genervt. Konnten denn Kyoko oder Akira nicht die Tür aufmachen? Abrupt blieb ich stehen, ein kleiner Kloß bildete sich in meinem Hals. Kyoko war nicht hier, wir hatten uns gestern getrennt. War das also eine Strafe eben? Das ich von den ganzen schönen Dingen geträumt hatte, die wir zusammen erlebt hatten. Wieder klingelte es. Ich atmete tief ein, fuhr mit meinen Fingern über meine Augenwinkel um Tränen wegzuwischen. Als ich damit fertig war, setzte ich ein halbherziges, falsches Lächeln auf. Wer auch immer an der Tür war, würde mir das schon abkaufen können.

Ich hatte kaum die Klinke heruntergedrückt, da wurde die Tür auch schon aufgestoßen. Ich stolperte perplex ein paar Schritte zurück, sah kurz zu Boden und als ich aufsah, blickte ich direkt in Homura's besorgten Blick. „Ist Honoka hier?“ fragte sie völlig außer Atem. Ich schüttelte mit dem Kopf und ließ dann meinen Blick wieder durch die Tür gleiten. Katsumi, Madoka, Mami und Kyoko standen alle davor. In ihren Gesichtern lag Stress und Panik. „Was ist passiert?“ stammelte ich verwirrt, mied den Blick von Kyoko, während ich das fragte. „Akira, Honoka, Sayuri und Rei sind seit gestern Abend verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Ihre Handys sind aus und in der Schule weiß auch keiner Bescheid“ ergriff Katsumi das Wort. Ich ging wieder ein paar Schritte zurück, drehte mich schließlich um und lief die Treppe hoch. „Akira!“ rief ich und riss ihre Zimmertür auf. Ihr Zimmer war leer. „Wart ihr schon bei Sayuri zuhause?“ rief ich aufgebracht. „Da war auch keiner“ kam es nüchtern von Mami. Ich lehnte mich gegen die Wand und fuhr mir durchs Haar. Ich hatte zwar vollstes Vertrauen zu den Vieren und war mir sicher, dass sie nichts dummes anstellen würden, jedoch meldeten sie sich immer bei uns, falls sie noch irgendwas vorhatten. Dieses ''vom Erdboden verschwinden'' passte überhaupt nicht zu ihnen.

„Akira war gestern Abend hier. Sie muss also nochmal los sein“ sprach ich in Gedanken. „Und wieso hast du es nicht mitbekommen, als sie nochmal weg ist? Musstest wohl deinen Rausch ausschlafen!“ kam es bissig von Kyoko, die dem Weinglas auf dem Tisch einen missbilligenden Blick schenkte. Ich zuckte zusammen, legte eine wütende Miene auf, obwohl ich es gar nicht wollte. „Ich wüsste nicht, was das dich noch angeht! Außerdem, wo warst du gestern Abend?! Sollte man es seinem Kind nicht gemeinsam erzählen, dass man sich scheiden lässt?! Aber nein, du bist ja lieber abgehauen und hast mich alleine mit dieser Aufgabe zurückgelassen!“ schrie ich sie an. Kyoko knurrte leise und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. „Bist du verdammt nochmal immer noch besoffen?! Du hast mich rausgeschmissen! Ich wollte bleiben, bis Akira zurück kommt!“ fluchte sie lauthals und kam auf mich zu gehumpelt. Für einen kurzen Moment legte ich meinen Blick auf ihr verletztes Bein, fing mich aber schnell wieder und sah sie wieder fest an. Ein verächtliches Schnauben verließ ihre Lippen. „Siehst du, da war er wieder! Dieser beschissene mitleidige Blick! Ich habe dir doch gestern ausdrücklich gesagt, dass ich ihn nie wieder sehen will!“ „Jetzt hört doch auf, dass bringt doch Nichts!“ brach es nun aus Madoka hervor. Kyoko und ich seufzten tief. „Du hast ja Recht“ murmelte ich und setzte mich an den Küchentisch.

„Habt ihr die Polizei schon verständigt?“ „Sie machen Nichts, da sie noch nicht mehr als vierundzwanzig Stunden vermisst werden. Das Honoka ihre Medikamente unbedingt brauch, ist diesen Vollidioten scheiss egal“ antwortete Homura mit zitternder Stimme und ließ sich neben mir nieder. Madoka stellte sich neben sie, umarmte sie und flüsterte ihr mit beruhigender Stimme zu. „Hat Akira gestern irgendwas zu dir gesagt? Hat sie sich irgendwie anders verhalten?“ fragte Katsumi an mich gewandt. Sie sah zwar gestresst aus, jedoch strahlte sie immer noch eine unglaubliche Ruhe aus. Ob das daran lag, dass sie Ärztin war? Schließlich musste sie ja auch immer bei Notoperationen und ähnlichem einen kühlen Kopf bewahren. Bevor ich weiter in Gedanken abdriftete, griff ich ihre Frage wieder auf und dachte darüber nach. „Ehrlich gesagt war etwas anders. Sie hat mir gegenüber etwas getan, was sie vorher noch nie gemacht hat, aber ich wusste einfach nicht mehr, was genau sie getan hat“ antwortete ich und legte eine Hand an meine Schläfe. „Erinnere dich bitte“ kam es von Kyoko. Für einen Moment sah es so aus, als wollte sie ihre Hand auf meine Schulter legen, ließ es dann aber doch und vergrub besagte Hand in der Tasche ihrer Hose.

Was war es nur gewesen? Ich hatte ihr gesagt, dass Kyoko und ich uns getrennt hatten, dann war sie auf mich zugekommen... Ab da wurde Alles schwarz. Das Erste woran ich mich wieder erinnern konnte, war der Traum, aus dem ich dann letztendlich gerissen wurde. Ich schüttelte verloren mit dem Kopf. „Ich weiß es nicht mehr“ gab ich kleinlaut zu und stieß einen tiefen Seufzer aus. „Was machen wir jetzt?“ warf Madoka verloren in den Raum. Ich hatte keine Ahnung. Mitakihara war riesig, das würden wir niemals innerhalb eines Tages komplett durchsuchen können. Und woher sollten wir uns überhaupt noch sicher sein, dass sie sich in Mitakihara befanden? Ich sah sie und Homura an. Die Schwarzhaarige fixierte den Boden, Tränen lagen in ihren Augenwinkeln. Madoka hielt sie immer noch fest und auch wenn sie uns gerade eine Frage gestellt hatte, sah sie Niemanden von uns direkt an, sondern sah einfach stur, mit leeren Augen, zur Wand.

Für sie musste es so unglaublich schwierig sein. Die Beiden mussten immer irgendwie mit der Angst leben, dass sie Honoka verlieren könnten und jetzt schien diese Angst realer denn je.

„Ich könnte im Krankenhaus anrufen“ sagte Katsumi und holte mich so aus meinen Gedanken. Homura und Madoka zuckten darauf zusammen. Sofort hob Katsumi abwehrend ihre Hände. „Nur um nachzufragen. Macht euch erst mal keinen Kopf. Ich bin mir sicher, dass wenn wirklich etwas gewesen wäre, sie uns Bescheid gesagt hätten“ Sie nahm ihr Handy aus der Tasche und ging ein Stück von uns weg. Gespannt lauschten wir dem Gespräch. „Sie sind nicht im Krankenhaus“ sagte sie und packte ihr Telefon wieder weg. Homura atmete erleichtert auf, doch sofort wurde ihre Miene wieder ernst. „Wir sollten vielleicht die Hotels in der Umgebung besuchen. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass sie unter irgendeiner Brücke geschlafen haben, dafür ist es nämlich eindeutig zu kalt“ schlug sie vor. Kalt? Kalte Hände... Akira's kalte Hände...!

Ich sprang von meinem Stuhl auf. „Ich weiß wieder, was Akira gestern Abend getan hat!“ sprudelte es aus mir heraus. Schnell verschwand meine Aufregung jedoch wieder und ich ließ mich wieder auf den Stuhl fallen. Das konnte sie doch nicht wirklich getan haben, oder? Magie existierte in dieser Welt nicht. Es gab keine Magical Girls mehr. „Akira hat mich gestern verzaubert... Sie hat gesagt, dass es ihr leid tut und das ich von den schönen Dingen träumen soll, die ich mit Kyoko erlebt habe. Dann hat sie ihre Hand an meine Stirn gelegt und ich bin sofort eingeschlafen...“

Ungläubig starrten mich alle an. „Aber es existiert doch überhaupt keine Magie mehr in dieser Welt“ entfuhr es Mami. „Also doch“ kam es von Homura und sie stand auf. „Gestern Abend kam Honoka zu spät, was sowieso absolut untypisch für sie ist, und als sie dann bei uns saß, hat sie gefragt, ob wir einen Wunsch hätten, für den wir unser Leben aufgeben würden. Sie sagte, sie hätten das als Hausaufgabe bekommen und sollten einen Aufsatz darüber schreiben“ brachte sie gepresst hervor, ballte ihre Hände zu Fäusten.

Wieder klingelte es an der Tür. Sofort flammte in jedem der anwesenden Gesichter ein Hoffnungsschimmer auf. Katsumi ging zur Tür, da sie am nähten zu ihr stand. Keinen Augenblick später kam die Schwarzhaarige zurück, ihr Gesicht nun kreidebleich. „Was ist den...?“ fing Mami an, wurde jedoch von einer der Frauen unterbrochen, die nun ebenfalls das Wohnzimmer betraten. „Was ist denn hier los? Schmeißt ihr eine Party, weil ihr eure Kinder jetzt erst mal für einen Monat los seit?“ Lucienne und Jeanne. Mir stockte der Atem und fing mit zittern an. Das konnte doch nicht wahr sein! Sie sollten tot sein! Seit nun inzwischen sechshundert Jahren! Was wollten sie? Rache üben? Wenn ja, würde das etwa heißen, dass Akira und die Anderen... Ich konnte den Gedanken nicht weiterführen. Ich wollte nicht daran denken. Tränen sammelten sich in meinen Augen und diesmal legte Kyoko doch ihren Arm auf meine Schulter.

„Dafür, dass ihr euch scheiden lassen wollt, hängt ihr ja immer noch ziemlich aufeinander“ kam es belustigt von Lucienne. Homura setzte sich plötzlich in Bewegung und packte die Braunhaarige am Kragen. „Was habt ihr mit ihnen gemacht?“ schrie sie sie an. Die Angesprochene schnaubte kurz und ihr Blick wurde eiskalt. „An deiner Stelle würde ich mich loslassen. Ich hab dich schon einmal umgebracht und zögere nicht, es ein zweites Mal zu tun“ zischte sie. Homura ließ sie geschockt los und trat ein paar Schritte von ihr weg. Schließlich brach Lucienne in schallendes Gelächter aus. Ihr Lachen klang anders. Irgendwie klang es ehrlicher, lebhafter und nicht mehr so psychotisch wie damals. „Ich mach doch nur Spaß. Ob du es glaubst oder nicht, ich habe inzwischen meinen gesunden Menschenverstand wieder erlangt! Außerdem geht es ihnen gut, euren Kindern meine ich“ „Wo sind sie?“ rief Homura und ging wieder ein paar Schritte auf sie zu. „In Mitakihara. Aber nicht in diesem hier. In einer Parallelwelt, in der das Gesetz des allsehenden Auges noch gilt“ erklärte sie. „Das war eure Weltordnung, oder?“ fragte Madoka und stellte sich neben Homura. Jeanne nickte und sprach nun, anstelle von Lucienne weiter. „Jedoch nicht an dem heutigen Datum, bei ihnen ist es jetzt der fünfte April Zweitausendundelf“ Ich zuckte zusammen. Das war doch genau der zu der Zeit, wo wir Magical Girls gewesen waren!

„Wieso sind sie dort? Und wieso seit ihr hier?“ fragte Katsumi und legte einen Arm um die neben ihr stehende und zitternde Mami. „Wir sind unsterblich, ganz einfach. Das ihr in den Geschichtsbüchern lest, dass wir beide auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, liegt an unserem Wunsch. Wir haben uns gewünscht unseren eigenen Tod vorzutäuschen. Und das eure Töchter jetzt da sind, wo sie sind, liegt an dem Wunsch von Rei, Katsumi. ''Ich wünsche mir, dass wir, Akira, Sayuri, Honoka und ich, die Wahrheit über unsere Eltern erfahren und sie mit eigenen Augen zu Gesicht bekommen'', so lautete er. Akira und Sayuri sind übrigens schon seit einem halben Jahr Espiors, so werden Magical Girls in dieser Welt genannt, und kämpfen mit uns“ erklärte die Blonde. „Und nein, sie können nicht zu Hexen werden. Wir besitzen auch keine Soul Gems“ fügte Lucienne hinzu.

„Aber, das kann doch trotzdem nicht sein. Ich habe mir doch damals gewünscht, dass Magical Girls nicht existieren und auch keine Inkubatoren...“ murmelte Kyoko. „Ja, aber in deinem Wunsch kam nie vor, dass keine Magie mehr existieren würde. Trotzdem hast du Recht. Dieses Universum ist magiefrei. Eigentlich. Es gibt Kräfte, denen das egal ist. Kräfte, die jegliche Gesetze ignorieren“ erklärte Lucienne und setzte sich auf unser Sofa. „Aber diese Kräfte sind nicht böse, falls euch das etwas beruhigt“

Ich atmete tief ein. Wie konnte Kyoko und mir das nur entgangen sein, dass Akira ein Magical Girl geworden war? Wo wir doch selbst welche gewesen waren? Gab es überhaupt irgendwelche Anzeichen? Nicht, dass ich mich erinnern konnte. Akira kam sowieso immer spät nachhause, ging auch Abends öfters noch raus. Woher sollten wir also wissen, dass sie nun anstatt sich mit Rei, oder den anderen zu treffen, gegen irgendwelche Monster kämpfte, wie wir es damals getan hatten? Was wohl ihr Wunsch gewesen war?

„Kannst du uns zu ihnen bringen?“ fragte Homura an Lucienne gewandt, in ihrer Stimme lag ein flehender Unterton. „Selbst wenn ich das könnte, würde es nicht funktionieren. Wenn ein Mensch seinem Abbild aus einem anderen Universum gegenüber stehen würde, dann würde das zu einem Paradox führen, dass im schlimmsten Falle das komplette Universum zerreißen würde“ erwiderte sie, stand auf und ging zum Fernseher. „Was ich aber machen kann, ist eine Verbindung zu der Welt aufzubauen, in der sie sich befinden. Wir können uns ansehen, was sie tun, ungefähr wie in einem Spielfilm“ Sie fuhr mit ihrer Hand einmal quer über den Bildschirm. Er leuchtete kurz auf und im nächsten Moment erschien ein Bild. Es zeigte ein Hotelzimmer mit vier Betten. Akira, Honoka, Sayuri und Rei lagen in diesen Betten verteilt und schliefen seelenruhig vor sich hin. Ich seufzte erleichtert auf und setzte mich auf unser Sofa. Die anderen taten es mir schließlich gleich.

„Seht ihr, es geht ihnen gut. Also macht euch keine Gedanken“ sagte Jeanne lächelnd. „Vielleicht können wir euch auch zeigen, was gestern Abend noch passiert ist...“ murmelte Lucienne und hielt kurz inne, wie als würde sie auf eine Antwort warten. Schließlich legte sie ein kleines Lächeln auf ihre Lippen und fuhr abermals über den Bildschirm.


~Am Abend: Honoka's POV~

„... das sind grob gesagt die Unterschiede, die zwischen dieser Welt und eurer liegen“ beendete Fukujin seine Erklärung und sprang auf Akira's Schulter. Er hatte seine Gestalt verändert. Er sah jetzt nicht mehr wie ein Pudel aus, sondern eher wie ein Mischwesen aus Katze und Hase, seine schwarze Farbe hatte er jedoch behalten. Er meinte, dass er seine Form ändern müsse, sonst würde Kyuubey, wie sein Gegenstück in dieser Welt hieß, sehr schnell misstrauisch werden. „Vergiss es!“ sagte Akira und schmiss ihn von ihrer Schulter wieder herunter. Fukujin grummelte kurz, für einen Moment sah es fast so aus, als wollte er es nochmal probieren, ließ es dann aber doch und sprang stattdessen auf die Schulter von Rei. „Also wir besitzen keinen Soul Gem, richtig?“ fragte sie ihn, woraufhin er nickte. „Dann haben wir auch automatisch keine Verwendung für diese Grief Seed, die von besiegten Hexen fallen gelassen werden, oder?“ Wieder nickte Fukujin. „Ihr seit so was wie die perfekte Ergänzung, für die Magical Girls dieser Stadt. Ihr verbraucht keine Grief Seeds und habt so gesehen keinen Schwachpunkt, da ihr keine Soul Gems besitzt...“

„So gesehen?“ unterbrach ihn Sayuri mit skeptischer Stimme. Er sprang von Rei's Schulter und blieb vor uns stehen. „Wie Jeanne euch eben schon erzählt hat, basiert eure Magie nicht auf eurem Wunsch, oder dem Soul Gem, der daraus entsteht. Sie liegt in euren Genen. Und da Magie sich in höchstem Maße parasitär verhält, denke ich, aber das ist nur eine Theorie, dass ihr sterben könntet, wenn euer jeweiliges Elternteil euch eine tödliche Verletzung zufügt. Sie würden dann die Magie, die euch immer sofort heilt, aussaugen und in ihre eigene Magie einfügen. Das heißt also, dass Akira nur von Sayaka und Kyoko getötet werden könnte und Rei nur von Mami oder Katsumi. Bei dir bin ich mir noch unsicher, aber ich denke, dass Sayaka diejenige ist, die dir Schaden zufügen könnte“ Irritiert sahen wir an. „Wieso Sayaka?“ „Dein Vater war der Gegenstand von Sayaka's Wunsch. Es war jedoch nicht direkt Sayaka's Magie, die ihn geheilt hat, deswegen könnte es auch durchaus sein, dass dich Niemand töten könnte“ erklärte er und setzte sich wieder in Bewegung. „Wir sollten uns nun endlich unsere erste Hexe suchen“

Akira und Sayuri folgten ihm schnellen Schrittes, doch Rei hielt mich noch ein wenig zurück und legte ihren Arm um mich. „Ich weiß, je mehr du davon hörst, umso verlockender wird die ganze Sache für dich. Wenn du unbedingt ein Abkommen schließen möchtest, dann bin ich der letzte Mensch der dich davon abbringen würde. Ich würde dich aber bitten damit zu warten, bis du dir hundertprozentig sicher bist, dass du es auch wirklich willst und das du wartest, bis wir mit Homura Frieden geschlossen haben. Fukujin hat eben ja gesagt, dass sie feindlich auf uns reagieren wird und wenn wirklich unsere jeweiligen Elternteile die Einzigen sind, die uns noch schaden können, dann will ich nicht, dass du dich unnötig in Gefahr bringst“ raunte sie mir zu, sah mir dabei tief in die Augen. Ein leichter Rotschimmer legte sich auf meine Wangen und ich wandte meinen Blick von ihr ab. Ich fing mich jedoch schnell wieder und setzte ein Lächeln auf. Rei machte sich immer nur Sorgen um andere Menschen, nie um sich selbst. Dabei hatte sie es doch selber gar nicht so einfach.

„Jetzt kommt! Homura ist nicht hier, ihr müsst also nicht mehr in irgendwelchen dunkeln Gassen rummachen!“ riss Sayuri's Stimme mich aus meinen Gedanken. Akira's Lachen ertönte. „Hey, das wäre doch normalerweise mein Text gewesen!“ rief sie leicht empört. Rei brummte irgendwas unverständliches vor sich hin. Ich stupste sie leicht in die Seite und ging ein paar Schritte von ihr weg. „Wenn du mich immer schön vor den bösen Hexen beschützt, brauch ich ja überhaupt kein Abkommen eingehen“ sagte ich breit grinsend und streckte ihr die Zunge raus. „Seh ich aus wie dein Bodyguard?“ rief sie empört, erwiderte mein Grinsen dann aber.

Wir gingen nun schon seit ungefähr fünfundzwanzig Minuten durch Mitakihara, waren aber noch auf Nichts gestoßen, was auf eine Hexe hindeuten könnte. Verlaufen hatten wir uns aber schon zweimal. Es war schon fast unglaublich, wie sehr sich diese Stadt in dreißig Jahren verändert hatte. Viele der Wolkenkratzer, die es jetzt noch gab, waren in unserer Zeit schon lange abgerissen. Ob es auch Welten gab, in denen sie in dreißig Jahren noch stehen würden? Wenn es wirklich unendlich viele Paralleluniversen gab, wie Fukujin gesagt hatte, wäre das doch durchaus möglich. Ob es auch unendlich viele Honoka Akemi's gab? Ob es wirklich in jeder Parallelwelt ein Exemplar von mir gab? Welten in denen ich schon lange tot war, weil keine Behandlung angeschlagen hatte? Welten, in denen ich vielleicht überhaupt gar nicht krank war? Irgendwie eine unwirkliche Vorstellung. Diese Herzkrankheit bestimmte soviele Teile meines Lebens. Sie war ein wichtiger, wenn auch unschöner, Aspekt der mich ausmachte. Ich seufzte leise. Ich hatte immer eine Tagesdosis meiner Tabletten bei mir, sie würden also noch genau für morgen reichen. Und dann? Ich war mir ziemlich sicher, dass kein Arzt mir einfach schnell Tabletten verschreiben würde, ohne mit meinen Eltern darüber gesprochen zu haben. Wobei ich wahrscheinlich nicht einmal überhaupt ins Behandlungszimmer kommen würde, da ich schon an der Anmeldung abgelehnt werden würde, sobald ich meine Gesundheitskarte zeigen würde, die im Jahr Zweitausendfünfunddreißig ausgestellt worden war. Das bedeutete, dass ich spätestens übermorgen das Abkommen mit Fukujin eingehen musste, wenn ich weiterleben wollte. Was sollte ich mir wünschen? Ich war glücklich, es gab Nichts, was ich mit magischen Kräften an meinem Leben ändern wollte. Die Krankheit, aber die würde ja sowieso automatisch geheilt werden. Vielleicht sollte ich mir einfach wünschen, ein Magical Girl zu werden. Dann würde ich aber den Wunsch sinnlos vergeuden. Eine einmalige Gelegenheit einfach so wegschmeissen. Ich musste darüber nochmal gründlich nachdenken.

Plötzlich blieb Sayuri stehen und sah ihr Armband an. „Es wird kälter“ murmelte sie. „Das heißt, dass eine Hexe in der Nähe ist!“ rief Fukujin aufgeregt und ließ seinen Blick durch die Gegend gleiten. „Spürt ihr das? Diese zwiegespaltene Aura? Auf der einen Seite strotzt sie gerade nur vor Glück und auf der anderen Seite ist sie total einsam“ Rei und die Anderen hielten kurz inne, nickten dann. „Das ist Mami! Los, kommt mit!“ sagte er und lief los. Wir folgten ihm und nach etwa fünf Minuten, standen wir vor dem städtischen Krankenhaus von Mitakihara. An der Wand vor uns befanden sich seltsame Schriftzeichen. Ich hatte sie noch nie vorher gesehen, jedoch konnte ich sie trotzdem lesen. ''Charlotte'' stand dort. „Hier ist es“ meinte er aufgeregt und sprang in die Wand. Wo die Zeichen waren, befand sich nun eine Art Portal. „Der Erste, der Angst kriegt, bezahlt morgen unser Frühstück!“ meinte Akira lachend und sprang ebenfalls in das Portal. „Vollidiot“ murmelte Sayuri daraufhin und folgte ihr. Schließlich traten auch wir durch das Portal, was sich danach schloss. Für einen Moment glaubte ich auch etwas zu spüren. Vielleicht auch eine Aura? Sie fühlte sich aber unglaublich gebrochen an.

Ich konnte nicht weiter meinen Gedanken nachhängen, da Fukujin schon wieder mit sprechen begann. „Bin ich vielleicht aufgeregt! Das ist auch meine erste Hexe müsst ihr wissen!“ Er sprang fröhlich durch die Gegend, sah sich genau um. Ich sah mich ebenfalls um. Das komplette Hexenlabyrinth bestand nur aus Süßigkeiten. Von der Art wie es aufgebaut war, unterschied es nicht von diesen Welten, in denen sich die Abnormalitäten versteckten. Rei schüttelte verständnislos den Kopf. „Wie kann man nur wegen so einem Ding so aufgeregt sein?“ „Da wo ich herkomme erzählt man sich viel über Hexen. Wie unglaublich viel Leid sie den Magical Girls bringen. Unzählige sind an ihnen gescheitert. Für mich fühlt es sich fast so an, als würde ich mein Lieblingsmärchen nun in Echt sehen“ erzählte er und seine Stimme bekam einen ernsten Tonfall. „Wo kommst du überhaupt her?“ fragte Rei ihn wieder. „Aus dem Gesetz der Vollkommenheit“ lautete seine Antwort.

Also aus einem anderen Universum. Oder besser gesagt aus dem Teil eines Universums, in dem diejenigen Wesen saßen, die das Universum überwachten und die Gegebenheiten dort bestimmten. Zumindest hatte uns Fukujin das eben so erzählt, als er den Begriff erklärte. Laut seiner Aussage galt in der Welt, in der wir uns gerade befanden, das Gesetz des allsehenden Auges. Welches Gesetz wohl in unserem Universum galt? Gab es so etwas überhaupt? Er meinte nämlich auch, dass die Gesetze sich vorrangig nur auf Magical Girls bezogen und für normale Menschen unbedeutend waren. Das es in unserer Welt Magie gab, war eigentlich gar nicht so vorhergesehen. Es war Alles ziemlich verwirrend. Wie als würde man nur ein halbfertiges Puzzel betrachten, in dem die wichtigsten Teile fehlten.

Man sah der Schwarzhaarigen an, dass sie ihn noch weiter mit Fragen löchern wollte, jedoch kam sie nicht dazu, da Akira einen lauten Schrei ausstieß, auf den aufgeregtes Quieken folgte. Aus der Wand war plötzlich ein kleines Wesen direkt vor Akira's Füße gefallen. Es bestand aus zwei ''Kugeln''. Die vordere Kugel war blau und hatte mehrere weiße Kreise darauf. Der hintere Teil des Wesens war schwarz und hatte ein paar rote Punkte. Die vier Beine des kleinen Wesens waren dunkelrosa. „Das ist ein Familiar. Sowas wie ein Hexendiener. Für Menschen gefährlich, für Magical Girls eher nicht. Ich glaube der Namen dieses Familars lautet Pyotr“ sagte Fukujin. Pyotr hatte sich einigermaßen beruhigt und schien nach irgendwas zu schnüffeln. Plötzlich drehte es sich zu mir und sah mich still an. Dann begann es wieder laut zu quieken und kam auf mich zu gelaufen. Rei stellte sich sofort schützend vor mich, doch ich schob sie weg. „Lass nur“ raunte ich ihr zu und ging in die Hocke. Pyotr drückte sich gegen meine Beine und quiekte unaufhörlich. Ganz vorsichtig hob ich meine Hand und legte sie sanft auf seinen Kopf um es zu streicheln. Es wurde einen Moment still, begann dann aber ein glücklich klingendes Quieken von sich zu geben.

Rei und Sayuri sahen sich das ganze mit skeptischen Blicken an, nur Akira hatte ein breites Grinsen im Gesicht. „Darf ich vorstellen? Honoka Akemi, die Monsterflüsterin!“ meinte sie lachend. Rei schnaubte kurz belustigt auf und klopfte der Rothaarigen auf die Schulter. „Denk dran, wer als Erster Angst hat, muss morgen das Frühstick bezahlen!“ Sofort verschwand das breite Grinsen aus ihrem Gesicht. „Hey, ich hab mich nur erschrocken!“ „Zählt trotzdem!“ rief ich nun lachend und stellte mich wieder aufrecht hin. Wieder quiekte das kleine Familiar aufgeregt und begann in eine bestimmte Richtung zu laufen. „Ich glaube, dass wir ihm folgen sollen“ sagte Sayuri und begann Pyotr nachzugehen. Wir taten es ihr gleich. Fukujin sprang währenddessen auf meine Schulter. „Das war ziemlich interessant gerade“ merkte er an. „Was es wohl an mir gefunden hat?“ fragte ich leise, eigentlich mehr mich selbst, als Fukujin. Er gluckste kurz. „Familiare wollen immer nur das Beste für ihre Hexe. Wahrscheinlich hat es die Hoffnung in dir gesehen“ murmelte er leicht nachdenklich, sprang von meiner Schulter und lief nach vorn, damit ich ihn nicht weiter fragen konnte. Hoffnung?

Inzwischen waren wir vor einer großen Tür angelangt, vor der Familiar auf uns wartete. „Die Hexe muss dahinter sein, ich kann ihre Magie eindeutig spüren“ sprach Sayuri. Pyotr quiekte als Antwort, drückte sich nochmal kurz gegen meine Beine und lief dann davon. Akira öffnete ganz vorsichtig die Tür und sofort drangen die Geräusche eines Kampfes zu uns, ohne, dass wir etwas sehen konnten. Schließlich schlüpften wir alle hindurch und versteckten uns hinter einem riesigen Stück Erdbeerkuchen. Und da stand sie wirklich. Mami. In einem Magical Girl Outfit und mit zwei Musketen in der Hand. Um sie herum liefen immer wieder lauter Pyotrs herum, die sie anscheinend davon abhalten wollten, auf ihre Hexe zu schießen. Jedoch kassierten die armen kleinen Wesen nur Kugeln dafür. Was war eigentlich die Hexe? Dieses rosane Stofftier, was auf dem Stuhl saß? Irgendwie konnte ich mir das nicht vorstellen, da Fukujin gesagt hatte, dass Hexen den Abnormalitäten aus unserer Welt ähnlich sehen würden und dieses Ding da oben, sah definitiv nicht so furchteinflößend aus. Vielleicht war es ja nur ein weiteres Familiar und die echte Hexe versteckte sich irgendwo.

Ich ließ meinen Blick weiter durch den Raum gleiten. Rechts, fast gegenüber von uns, hinter einem mit rosafarbener Glasur überzogenen Donut, versteckten sich Sayaka und Madoka, meine eine Mutter. Sie schienen noch keine Magical Girls zu sein. Beide feuerten Mami wie wild an und schienen uns nicht zu bemerken. Ebenso wenig wie Mami, da diese total auf den Kampf fixiert war. Neben Sayaka, auf dem Donut, saß ein Wesen, dass genauso aussah wie Fukujin, nachdem dieser nun seine Form verändert hatte. Der einzige Unterschied, den ich auf die Ferne ausmachen konnte war, dass dieses Wesen weiß war. Das musste also Kyuubey sein, der Wünscherfüller in dieser Welt. Auf unerklärliche Weise, machte sich sofort Unbehagen in mir breit, als ich ihn sah.

„Wow, Mami hat es echt drauf“ meinte Akira, mit schon fast Ehrfurcht anmaßender Stimme. Rei lachte daraufhin. „Irgendwo muss ich die guten Gene ja herhaben“ antwortete sie grinsend. Sayuri schüttelte nur leicht genervt mit dem Kopf und wandte sich zu Fukujin. „Hast du nicht gesagt, dass Hexen unglaublich furchteinflößend wären?“ Der Angesprochene zuckte mit seinen kleinen Schultern. „Dieses rosane Kuscheltier, auf das Mami gerade wie wild ihre Kugeln abfeuert, ist sicherlich nicht die wahre Form dieser Hexe. Mami geht aber anscheinend fest davon aus, dass diese Hexe ihre Endform bereits erreicht hat und ist deswegen ziemlich unachtsam. Macht euch bereit, ihr zu helfen, sonst könnte sie noch ihren Kopf verlieren“ sagte er und ließ seinen Blick zu Mami gleiten. Rei hob skeptisch eine Augenbraue. „Das ist ziemlich spezifisch, mit dem Kopf verlieren“ Wieder zuckte Fukujin mit den Schultern. „Sagen wir einfach, ich weiß, wie es ausgehen würde, wenn keiner eingreift“ erwiderte er.

„Tiro Finale!“ hallte plötzlich Mami's Stimme durch den Raum. Sie feuerte mit einer riesigen Kanone auf die Hexe, jedoch war die Hexe nicht besiegt, sondern aus dem Mund des kleinen Stofftiers kam plötzlich ein riesiger Wurm, mit einem weißen Gesicht und einem großen, mit lauter spitzen Zähnen besetzten Maul. Die Blonde bewegte sich nicht, wie angewurzelt blieb sie stehen, während das Maul der Hexe ihr immer näher kam. „Scheiße!“ fluchte Rei lautstark, verwandelte sich blitzschnell und rannte zu Mami. Ihr Magical-Girl-Outfit war schon fast langweilig anzusehen. Ein langer, bis zu den Knien reichender schwarzer Mantel, eine schwarze Hose, schwarze Stiefel, die bis zu der Mitte ihrer Unterschenkel reichten. Einzig allein ihre Bluse war blütenweiß. Außerdem trug sie noch ein gelbes Tuch um ihre Hüfte, wie ein Gürtel. In ihm steckten zwei Macheten, jeweils eine auf der rechten und eine auf der linken Seite. Um ihren Oberkörper war auch noch ein Pistolenholster geschlungen, in dem zwei Flintlockpistolen steckten. Waffen, die sie anscheinend von Mami ''geerbt'' hatte. Es ertönte ein leiser Donner ertönte und Rei verschwand für einen Augenblick. Es war fast überhaupt nicht wahrnehmbar für mein menschliches Auge. Im nächsten Moment war sie wieder da, stand direkt vor Mami und nicht mehr fünfzig Meter hinter ihr. Das war wohl gerade Teleportation. Fukujin hatte eben angemaßt, dass Rei sie beherrschen würde, weil Katsumi es anscheinend auch gekonnt hatte. Sie packte an die Schultern von Mami, wieder ertönte ein leises Donnern, dass jedoch im nächsten Moment von einem großen Knall überschattet wurde, da die Hexe mit ihrem Gesicht auf den Boden aufschlug und ihren Mund wieder schloss.

Der Raum wurde von einer Totenstille erfüllt. Hatten die Beiden es noch rechtzeitig geschafft? Ich sah mich suchend im Raum um. Ja, sie hatten es geschafft. Rei stand mit Mami nun bei Sayaka und Madoka. Sie fragte Mami wahrscheinlich, ob es ihr gut ging, doch die Blonde konnte nur geistesabwesend mit dem Kopf nicken. Die Hexe wandte ihr verwirrtes Gesicht zu Rei, was jedoch schnell zu einer wütenden Grimasse wurde. Nun verwandelten sich auch Akira und Sayuri und sprangen aus unserer Deckung hervor. „Hey! Wir sind auch noch da!“ rief die Rothaarige der Hexe zu, die daraufhin ihren Kopf zu ihr umwandte. Blitzschnell setzte der schwarze Wurm wieder zu einer Bissattacke an, der Sayuri und Akira aber blitzschnell auswichen. Rei  hatte inzwischen von Mami abgelassen und warf eine ihrer Macheten nach der Hexe, die auch trafen, jedoch von dem Monster einfach abgeschüttelt wurden. „Großartig“ murmelte Sayuri entnervt und seufzte tief, während sie eines weiteren Angriffes des Monsters auswich. Sie warf eins ihrer Beile nach der Hexe und schnitt ihr damit die Nase ab. Schwarzes Blut spritzte aus dem Stummel heraus, der noch von der Nase übrig geblieben war. Für einen Moment lief das Gesicht der Hexe rot an. Jetzt war sie anscheinend richtig wütend. Sie stürzte direkt auf Sayuri zu, die jedoch wieder nur müde lächelnd auswich. Akira nutzte den Moment aus, sprang auf die Hexe und rammte ihr Naginata in den Kopf des Monsters. Keine zwei Sekunden später war die komplette Hexe eingefroren. Doch anstatt Sayuri legte dieses Mal Rei ihre Hand auf den Körper der Hexe. Es bildeten sich kleine, violett-schwarze Blitze um ihre Hand, die sich schnell über den ganzen Körper der Hexe ausbreiteten und den Körper schließlich dazu brachten zu explodieren. Das war also das Element, dass Rei kontrollieren konnte. Elektrizität.

Das Labyrinth verschwand und wo die Hexe sich befanden hatte, lag nun eine kleine, schwarze Kugel. Rei hob diese auf und warf sie Mami zu, in deren Augen inzwischen wieder das Leben zurückgekehrt war. „Wir brauchen ihn nicht“ meinte Rei und verwandelte sich wieder zurück. Sayuri und Akira taten es ihr gleich. Fukujin und ich liefen schließlich zu ihnen und stellten uns neben sie. Mami und die anderen zwei waren immer noch sprachlos. Die Blonde sah sich Rei ganz genau an. Wahrscheinlich sah sie Katsumi in ihr. Vielleicht auch etwas von sich selbst. Fukujin hatte uns erzählt, dass Katsumi vor einem halben Jahr verschwunden war, wie vom Erdboden verschluckt. Für die Drei musste das Ganze gerade genauso komisch sein, wie es für uns war. Jeanne hatte Recht gehabt, wenn ich mir das vierzehnjährige Ich meiner Mutter betrachtete, sah ich ihr wirklich unglaublich ähnlich. Hoffentlich würden sie das aber einfach so hinnehmen und keine unnötigen Fragen stellen, wieso wir ihnen so ähnlich sahen.

Mami wollte gerade etwas sagen, da wurde sie aber auch schon unterbrochen. „Ich hatte es dir gesagt! Du konntest es nicht mit dieser Hexe aufnehmen!“ drang die wütende Stimme von Homura an mein Ohr. Ich fuhr um und konnte sehen, wie sie auf uns zugelaufen kam. Auch sie trug anscheinend ein Magical-Girl-Outfit. Ihr Gesicht war absolut emotionslos, so hatte ich sie noch nie gesehen. Ich nahm wieder diesen kleinen Hauch einer gebrochenen Aura war, dieselbe wie eben. Das war also sie gewesen? „Hey! Rede nicht so mit Mami-San! Wo warst du?! Wenn die Neuen nicht gewesen wären, dann wäre sie jetzt tot! Du hättest sie einfach sterben lassen!“ ging Sayaka die Schwarzhaarige wütend an. Homura schnaubte verächtlich. „Halt dich gefälligst daraus. Das ist eine Angelegenheit zwischen Magical Girls“ gab sie mit kalter Stimme zurück. Sayaka wollte wieder etwas sagen, doch Madoka legte ihr eine Hand auf die Schulter und schüttelte nur mir dem Kopf. „Vielleicht solltest du endlich lernen, dich nicht ständig selbst zu überschätzen und meine Warnungen auch einmal ernst nehmen!“ fuhr sie Mami weiter an und seufzte dann tief. Die Blonde war viel zu perplex um zu antworten. Homura wandte sich zu uns um, ihr kalter Blick ließ mich erschaudern. „Und wer seit ihr?“ fragte sie uns nun barsch. „Ich bin Asano Rei, das sind Sakurai Akira, Kojima Sayuri und Akagi Honoka. Wir sind Magical Girls aus Ichinomiya. Wobei Honoka noch kein Magical Girl ist“ stellte sie uns vor. Ich konnte die Angespanntheit in ihrer Stimme heraus hören, hoffentlich fiel es sonst keinem auf. Für einen kurzen Moment fragte ich mich, wieso sie andere Nachnamen für uns verwendete, jedoch fiel mir schnell ein, dass es Alles andere als förderlich wäre, wenn wir unsere echten Nachnamen benutzen würden. Homura sah sich jeden von uns genau an, als würde sie uns mit ihren Augen fotografieren. Als sie bei mir angekommen war, stockte sie jedoch, wandte ihren Blick schnell für einen ganz kurzen Moment zu Madoka um, betrachtete sich dann selber in einer spiegelnden Fensterscheibe. Das war nicht gut. Sollten wir jetzt schon auffliegen? Schließlich schüttelte sie aber leicht mit dem Kopf, tat das ganze wahrscheinlich als Hirngespinst ab und sah uns wieder mit emotionslosen Augen an. „Magical Girls seit ihr also? Dann verstehe ich aber nicht, wieso ihr den Grief Seed nicht benötigt. Womit wollt ihr sonst euren Soul Gem reinigen?“ Sie legte ihren Kopf leicht schief, sah Rei tief in die Augen, die ihrem Blick standhielt und ihre Augen nicht abwendete. Das war irgendwie ziemlich unglaublich, denn meiner Mutter Homura, der Homura unserer Welt, schaffte sie es nie länger als zehn Sekunden in die Augen zu blicken und das obwohl der Ausdruck in den Augen meiner Mutter viel sanfter war und nichts von diesen lilanen Eisbergen hatte, die bei der Homura aus dieser Welt hervorstachen.

„Die Grundlage des Paktes, den ich mit ihnen geschlossen habe, besteht auf anderen Faktoren. Rei, Akira und Sayuri besitzen weder einen Soul Gem, noch müssen sie mit Grief Seeds irgendetwas reinigen“ antwortete nun Fukujin anstelle von Rei. Er hatte sich vor uns gestellt, seine Augen ebenfalls fest mit denen von Homura verankert. Für einen Moment brach ihr Pokerface und ein verwunderter Ausdruck schlich sich in ihr Gesicht. Jedoch war es für einen Moment und ich war mir nicht wirklich sicher, ob ich mir das vielleicht auch nur eingebildet hatte. „Was für Grundlagen?“ bohrte sie weiter. „Grundlagen, die außerhalb deines menschlichen Verstandes liegen“ antwortete er wieder knapp. Man konnte Homura ansehen, dass sie nach mehr Antworten verlangte, aber sie gab sich erst einmal zufrieden. „Was macht ihr dann hier? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr hierher gekommen seit, um mir oder Tomoe Mami Mitakihara wegzunehmen, wenn ihr überhaupt keine Grief Seeds braucht“ Ein kleines Lächeln legte sich auf Rei's Lippen. Wahrscheinlich vor Erleichterung. „Wir haben von Walpurgisnacht gehört, also, dass sie diesen Monat erscheint und möchten mit euch gegen sie kämpfen. Eine Allianz bilden, wenn man es so will. Ich glaube kaum, dass einer von euch alleine gegen sie bestehen kann“ erklärte Rei und verschränkte ihre Hände vor der Brust. „Walpurgisnacht kommt schon diesen Monat?“ rief Mami entsetzt. Sie wusste davon gar nichts? Homura wandte ihren Blick auf den Boden, biss sich auf die Lippe. Fukujin hatte gemeint, dass das auf jeden Fall bei ihr ziehen würde. Sie dazu bringen würde uns freundlich gesinnt zu sein. Walpurgisnacht war anscheinend so etwas wie Homura's Nemesis, ihre Erzfeindin. Und eine schreckliche Hexe, die so eine große Stadt wie Mitakihara nur mit ihrer Anwesenheit dem Erdboden gleich machen würde.

„Ich finde, dass sie Recht haben, Akemi-San. Wir können, wahrscheinlich noch nicht mal zu zweit, gegen sie gewinnen. Vielleicht sollten wir unser Kriegsbeil begraben und vergessen, was in der letzten Woche passiert ist und mit ihnen zusammenarbeiten!“ sagte Mami mit einem leichten Lächeln, nickte uns dabei zu. Homura atmete schließlich tief ein. „Gut, arbeiten wir zusammen. Aber ich setze voraus, dass meine Warnungen in Zukunft ernst genommen werden“ lenkte sie ein, warf einen eindeutigen Blick zu Mami. Die Blonde senkte ihren Blick kurz, nickte dann. „Okay, bevor wir jetzt Alle in Tränen ausbrechen und uns in die Arme fallen, weil wir jetzt Alle beste Freunde geworden sind: Wir müssen los, uns noch irgendein Hotel suchen. Ich schlafe nämlich bestimmt nicht unter einer Brücke“ gab Akira von sich und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Rei legte ein breites Grinsen auf ihre Lippen und kniff der Rothaarigen in die Wange. „Du willst nur weg, weil du die Erste wärst, die anfangen würde zu heulen, du Weichei“ lachte sie und Sayuri und ich stimmten in ihr Lachen mit ein. Akira knurrte nur und schlug die Hand weg. „Gut, wir machen uns dann. Wir sehen uns morgen!“ rief Rei und wir verließen das Krankenhausgelände.

„Verdammt, war Homura angsteinflößend!“ brach es aus Rei heraus, nachdem wir genug Abstand zwischen uns und die Anderen gebracht hatten. „Du hast es aber gut gemacht. Hat alles sehr vertrauenswürdig gewirkt. Wobei ich denke, dass uns Homura definitiv noch mit Fragen löchern wird“ lobte Fukujin die Schwarzhaarige und sprang auf ihre Schulter. „Wieso? Ich muss ehrlich zugeben, dass die Homura aus dieser Welt schon fast krankhaft paranoid ist“ merkte Sayuri an und warf Fukujin einen Seitenblick zu. „Sie hat schon unglaublich viel Leid gesehen und miterlebt. Irgendwann bricht man dann ein und wird so paranoid“ murmelte Fukujin nachdenklich. „Was für Leid?“ fragte ich ihn. Er schüttelte nur mit dem Kopf. „Wenn die Zeit reif ist, wird sie euch das selbst erzählen, denke ich“ antwortete er nur.

„Könnten wir uns jetzt endlich mal darauf konzentrieren einen Schlafplatz zu finden?“ gab Akira genervt von sich. „Wow, du hast echt schlechte Laune. Was ist los? Hast du Hunger?“ erwiderte Sayuri verschmitzt grinsend. Akira wollte protestieren, doch ihr Magen gab ein lautes Knurren von sich. Wir brachen in Gelächter aus. „Okay, okay. Wir können uns morgen noch genug den Kopf zerbrechen! Lasst uns jetzt erst mal Akira's primitive Gelüste befriedigen, bevor sie noch durchdreht“ neckte Rei die Rothaarige und wich schnell einem Schlag von ihr aus. Unser Gesprächsthema verebbte und wir begannen uns wieder über alltägliche Dinge zu unterhalten.

Trotzdem bekam ich einfach nicht die Gedanken davon los, was Homura so Schlimmes erlebt haben musste, dass sie so werden ließ.
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