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Puella Magi Honoka Magica

GeschichteDrama, Übernatürlich / P16 Slash
Homura Akemi Kyouko Sakura Madoka Kaname Mami Tomoe OC (Own Character) Sayaka Miki
01.12.2015
22.01.2017
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15.494
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26.08.2016 4.098
 
Ein kalter Windstoß wehte mir entgegen. Zog in meine Glieder, meinen ganzen Körper und brachte mich zum Zittern. Aber, war er wirklich kalt? Seitdem ich vor einem halben Jahr mit Fukujin das Abkommen geschlossen hatte, fühlte sich Alles kalt für mich an. Die Sonne, Essen, Berührungen anderer Menschen, einfach Alles. Ob es daran lag, dass das Element das ich kontrollieren konnte Eis war? Vielleicht war ich ja zu sowas wie einer menschlichen Eisskulptur geworden.

Selbst Schmerz konnte ich nicht mehr spüren. Vor ein paar Tagen hatte ich im Sportunterricht eine Bruchlandung auf dem Stufenbarren hingelegt. Meine Sportlehrerin meinte, dass ich mir eigentlich hätte das Genick brechen sollen, so wie ich gefallen war. Hatte ich auch- zumindest glaubte ich das. Ich konnte spüren, wie die Wirbel in meinem Hals brachen, nur um in nicht Mal einer Sekunde wieder völlig gesund in meinem Rückgrat zu liegen. Ein wirklich befremdliches, widerliches Gefühl. Aber noch schlimmer war es wahrscheinlich Nichts zu spüren, bis auf die Kälte, die sich um meinen Nacken legte. Wahrscheinlich die angenehmste Art von Kälte die ich je in meinem Leben erfahren hatte. Furchterregend. Das ausgerechnet Schmerz, oder speziell der Tod in diesem Fall, sich für mich am angenehmsten angefühlt haben.

Ich seufzte tief und trat gegen eine leere Getränkedose. Langsam bezweifelte ich, dass es wirklich so gut war, dieses Abkommen einzugehen. Ich hatte mein normales, manchmal vielleicht etwas beschissenes Leben, gegen ein Dasein getauscht, in dem Schmerz sich für mich am wohltuensten anfühlte, Zuhause nur noch eine Atmosphäre von Streit herrschte und ich überhaupt keine Freizeit mehr hatte, weil ich verdeckt gegen irgendwelche Monster kämpfen musste, von denen ich eigentlich nicht mal wusste, als ich ein normaler Mensch gewesen war, dass sie existierten.

Und mit der Gewissheit leben zu müssen, dass meine eine Mutter nur noch an Krücken gehen konnte, weil mein ''Herzenswunsch'' sie zu einem Krüppel gemacht hatte. Kyoko mag zwar manchmal echt ein Arschloch sein, vor allem wenn es um Lacrosse ging, aber das hatte sie nicht verdient.

Ob unsere Wünsche dazu verdammt waren ins Schlechte gezogen zu werden? Sayuri hatte sich gewünscht, dass Hitomi und Kyosuke endlich aufhören würden miteinander zu streiten und ihrer Ehe noch eine Chance geben würden. Die Beiden haben sich daraufhin wieder zusammengerafft, aber Hitomi war jetzt ständig mit ihm unterwegs- Sayuri war daraufhin folglicherweise so gut wie immer alleine zuhause. An dem Glück, was sie also für sich und ihre Famile gewünscht hatte, nahm sie also gar nicht Teil.

Natürlich könnten wir Fukujin die Schuld dafür geben, aber er sagte, dass er nur eine Art Vermittler wäre. Unsere Wünsche würden von etwas anderem erfüllt werden. Seiner Aussagen nach, befand sich dieses ''Wesen'' nicht einmal in unserem Universum, sondern in einer Parallelwelt davon. Ob die anderen Akira's, in den Parallelwelten, genau so blöd waren wie ich? Oder führten sie weiterhin ein unbeschwertes Leben ohne diesen ganzen Magiekram?

Ich atmete tief ein und blieb vor meiner Haustür stehen. Meine Gedanken verbannte ich in die letzte Ecke meines Hirns. Ich konnte nicht weiter daran denken, sonst könnte ich Kyoko überhaupt nicht mehr unter die Augen treten. Ich ließ mir Zeit beim herauskramen meiner Haustürschlüssel, lauschte der Stille, die aus dem Inneren des Hauses heraustrat. Moment, Stille? Stritten die Beiden etwa nicht? Das wäre das erste Mal seit fast vier Monaten.

Vorsichtig schloss ich auf, schloss die Tür leise hinter mir. Im Wohnzimmer brannte ganz schwaches Licht. Ich blieb stehen und sah zur Wohnzimmertür. Sollte ich wirklich reingehen? Ich wollte die Beiden nicht bei Irgendwas erwischen. Davon würde ich bestimmt irgendein Trauma davon tragen. Ich kicherte leise über meinen dümmlichen Gedanken.

„Akira? Bist du das?“ rief Sayaka plötzlich aus dem Wohnzimmer. Gut, also doch kein Trauma. Ich betrat das Wohnzimmer, grinste sie an. „Klar, wer sollte es sonst sein?“ meinte ich und sah mich im Zimmer um. „Wo ist Kyoko? Schläft sie schon?“ fragte ich. Die Blauhaarige presste ihre Lippen zu einem schmalen Strich zusammen, strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr. „Setz dich zu mir“ bat sie und nippte an dem Glas Wein, dass vor ihr auf unserem Esstisch stand. Verwundert sah ich das Glas für einen Moment an. Ich dachte, dass sie keinen Alkohol mehr anfasste? Schließlich tat ich wie mir gehießen wurde und setzte mich ihr gegenüber. Sie sah nicht von ihrem Glas auf.

„Kyoko ist nicht hier“ erwiderte sie knapp. Ihre Stimme klang irgendwie brüchig. „Und?“ sagte ich. Was sollte denn jetzt so schlimm daran sein? Endlich sah sie auf. Ich sah endlich die kleinen Tränen, die in ihren Augenwinkeln lagen. „Akira, Kyoko und ich haben uns getrennt“ „Was?“ fragte ich perplex. Ich hatte mich doch gerade nur verhört oder? „Es tut mir leid, aber es geht nicht mehr. Ich hab keine Kraft mehr. Jeden Tag diese ermüdenden Streits, wegen jeder Kleinigkeit“ versuchte sie sich rechtzufertigen. Ich wurde wütend, fast blind vor Wut. Jedoch nicht auf die Beiden, sondern auf mich. Das war meine gottverdammte Schuld, dass es jetzt so gekommen war.

„Ich dachte ihr liebt euch?!“ meinte ich schroff, biss mir aber im nächsten Moment auf die Zunge. Verdammt, wieso musste ich meine Wut jetzt auch noch an ihr auslassen? Wieder vermied sie meinen Blick. „Sie ist nicht mehr diesselbe. Seitdem Unfall... Sie ist einfach nicht mehr die Kyoko in die ich mich verliebt habe. Sie hatte so ein unglaublich starkes Wesen, weißt du? Davon ist Nichts mehr übrig“ murmelte sie gedankenverloren, während Tränen wieder begannen über ihre Wange zu laufen. „Es tut mir Leid, Akira“ flüsterte sie mit tränenerstickter Stimme.

Ich schüttelte mit dem Kopf. „Mir tut es Leid“ antwortete ich bedrückt. „Du kannst dafür nichts“ sagte sie, nahm wieder einen Schluck von dem Wein.

Der nächste Moment fühlte sich fast an, wie so eine Art außerkörperliches Erlebniss. Wie als würde ich... meinem Instinkt folgen? Ich hob meine Hand, legte sie meiner Mutter an die Stirn. Sie zuckte zusammen, wahrscheinlich weil sie überrascht wegen der plötzlichen Berührung war, oder weil meine Hand so eiskalt war. Sie starrte mich irritiert an. „Akira, ist alles in Ordnung?“ „Vielleicht solltest du schlafen. Und von den schönen Dingen träumen, die du mit Kyoko erlebt hast“ murmelte ich. Ihre Augen schimmerten kurz weißlich und im nächsten Augenblick war sie wirklich eingeschlafen.

Erschrocken zog ich meine Hand zurück. Hatte ich sie gerade ernsthaft mit meiner Magie beeinflusst? Solche Fähigkeiten besaß ich doch aber gar nicht! Plötzlich fiel mir ein, dass Fukujin einmal zu uns gesagt hatte, dass sich manche unserer Fähigkeiten erst nach Monaten zeigen würden, sie brauchten nur einen Auslöser, der sie erweckte.

Ich biss mir auf die Lippe. So wollte ich defintiv nicht von diesen Kräften erfahren. Ich legte Sayaka eine Decke um den Körper und ging dann hoch in mein Zimmer.

Ich setzte mich auf mein Bett und nahm mein Handy.

-Die Zwei haben sich getrennt. Ich hab es total verbockt-, schrieb ich an Rei.

-Was? Geht's dir gut? Soll ich vorbeikommen?- ,kam keine zehn Sekunden später die Antwort.

-Nein. Ich will schlafen. Der Tag soll einfach nur noch vorbei sein- ,schrieb ich zurück.

-Gut, bin in zwanzig Minuten da-

Ich grummelte, konnte mir aber ein kleines Lächeln nicht verkneifen. Dennoch legte ich mein Handy bei Seite und ließ mich auf mein Bett fallen. Ich war so unglaublich müde. Ich schloss die Augen und schlief auch gleich ein.

Das war das allererste Mal, dass ich davon träumte, wie eine riesige Meerjungfrau und eine von Flammen umgebene Kriegerin gegeneinander kämpften.


Rei POV:

Ich legte mein Handy zurück auf meinen Schreibtisch. Ich legte meinen Kopf in den Nacken und seufzte tief. Die Nachricht musste ich selber erstmal kurz sacken lassen. Ehrlich gesagt konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass Sayaka und Kyoko sich getrennt hatten. Ich konnte mir die Beiden einfach nicht ohne einander vorstellen. Noch weniger konnte ich mir ehrlich gesagt auch nur ansatzweise vorstellen, wie beschissen Akira es jetzt gehen musste. Sie gab sich doch bestimmt die Schuld an Allem. Ich wollte gerade aufstehen, da vibrierte mein Handy wieder.

„Ja?“ sagte ich, ohne vorher auf das Display zu sehen. „Rei? Ist Akira noch bei dir?“ ertönte Honoka's Stimme am anderen Ende der Leitung. Schon allein an ihrem Tonfall erkannte ich sofort, dass sie auch darüber Bescheid wusste. „Akira ist zuhause und weiß auch schon davon, falls du das wissen willst“ antwortete ich und verließ mein Zimmer. „Woher weißt du davon?“ fragte ich sie. „Kyoko ist hier“ antwortete sie knapp. „Ich will jetzt zu Akira. Möchtest du mit? Ich lauf auch den Umweg und hol dich ab, falls Homura zuviel Angst hat dich ganz allein so spät rauszulassen“ meinte ich und ein Grinsen legte sich auf meine Lippen. „Das wäre echt nett von dir“ erwiderte sie und ich konnte förmlich ihr Lächeln spüren. „Ist doch kein Problem. Außerdem würde ich mir doch niemals die Chance auf einen romantischen Spaziergang im Mondlicht mit dir entgehen lassen“ „Zieh nicht immer Alles ins Lächerliche, Blödmann. Bis gleich!“ sagte sie hastig. Ich kicherte kurz und packte mein Handy in meine Hosentasche.

Ich betrat die Küche. Mami saß über irgendwelchen Arbeiten und korrigierte diese, während Katsumi ihr, mit einem Kaffee in der Hand, gegenüber saß und sie lächelnd dabei beobachtete. „Ich geh nochmal zu Akira“ sagte ich. „Nein. Es ist schon viel zu spät“ entgegnete die Blonde, ohne von ihren Blättern aufzusehen. „Kyoko und Sayaka haben sich getrennt“ murmelte ich leise und sofort suchten die Beiden meinen Blick. „Was?“ entfuhr es ihnen gleichzeitig. „Was ist passiert?“ kam es noch von Katsumi. Ich zuckte mit den Schultern. „Ich hab keine Ahnung. Das Einzige was ich weiß ist, dass Kyoko gerade bei Madoka und Homura ist. Also, darf ich gehen?“ erwiderte ich mit ungeduldiger Stimme. Mami nickte nur.

Honoka wartete bereits draußen auf mich, als ich bei ihr zuhause ankam. Ich warf einen kurzen Blick durch das Fenster. Nur schemenhaft konnte ich die Sillhouetten von Madoka, Kyoko und Homura ausmachen. „Ist Madoka nicht bei Sayaka?“ fragte ich Honoka, als sie auf mich zu kam. Sie schüttelte mit dem Kopf. „Sie hat angerufen, aber Akira meinte, dass Sayaka schon schläft“

„Ich kann das Alles immer noch nicht glauben“ murmelte sie plötzlich, nachdem wir nun fast eine Viertelstunde schweigend nebeneinander hergelaufen waren. „Ich auch nicht. Klar, die Beiden waren öfters am Streiten, aber das hat irgendwie einfach zu ihrer Beziehung gehört“ erwiderte ich gedankenverloren. „Ich meine nicht nur das. Die ganze Sache mit diesen komischen Monstern und dem Abkommen...“ sprach sie weiter und blieb stehen. „Wieso gerade wir?“ Sie hob ihren Kopf etwas, sah zu den Sternen hinauf. „Weil Gott es vielleicht so wollte?“ antwortete ich ihr grinsend, stupste sie leicht in die Seite. „Gott existiert doch überhaupt nicht“ „Dann der Teufel?“ gab ich belustigt von mir. Sie stöhnte leicht genervt, lächelte mich aber dennoch an. „Ich hab dir doch eben gesagt, dass du nicht immer Alles ins Lächerliche ziehen sollst!“ lachte sie und stieß mich von sich weg. „Was denn? Hast du etwa Angst, dass ich dich nicht ernst nehme?“ lachte ich nun ebenso und griff nach ihren Händen, damit sie mich nicht wieder schubsen konnte.

„Du denkst ernsthaft darüber nach, oder? Wegen deinem Herzen, richtig?“ fragte ich nun wieder ernst. Sie sah mich einen kurzen Moment an, richtete ihren Blick dann aber schnell wieder auf den Boden. „Es wäre echt schön keine Medikamente mehr nehmen zu müssen. Beim Sportunterricht mitmachen zu können und nicht einmal im Monat diese unangenehme Ultraschalluntersuchung über sich ergehen zu lassen“ flüsterte sie bedrückt. „Und nicht immer mit der Angst leben zu müssen, dass es beim nächsten Herzstechen wahrscheinlich vorbei ist“ fügte sie noch ganz leise hinzu, ich musste mich sehr auf ihre Worte konzentrieren, damit ich sie überhaupt verstand. Ich legte ein kleines Lächeln auf meine Lippen und schlang meinen Arm um ihre Schulter. „Ich denke, dass du dir zuviele Sorgen machst“ sagte ich. Ihr Blick hellte sich auf, wieder lachte sie. „Und du machst dir eindeutig zu wenig Sorgen!“ Sie wollte mich wieder von sich wegstoßen, blieb aber mitten in der Bewegung stehen und sah plötzlich hinter mich. Ihr Gesicht verlor langsam jegliche Farbe und sie riss ihre Augen weit auf.

„Beweg dich nicht. Ich glaube, wir sind schon wieder von einer dieser Abnormalitäten in ihr Reich geleitet worden“ raunte sie mir ängstlich zu. Schnell ließ ich meinen Blick über unsere Umgebung gleiten. Scheiße, sie hatte Recht. Wir befanden uns in einer Wüste, die kein Ende zu nehmen schien. Der Sand war pechschwarz. Der Himmel war jedoch unverändert. War es uns deswegen nicht schon eher aufgefallen?

„Was ist hinter mir?“ fragte ich sie leise. Die Kleinere zitterte am ganzen Körper. „Drei Pyramiden, genauso schwarz wie der Sand. Auf der größten Pyramiden sitzt eine riesige Schlange, eine Kobra glaube ich. Sie hat lauter komische Zeichen auf ihrer Haut. Ich glaube, dass es Hieroglyphen sind. Sie starrt uns direkt an. Weiter vorn steht ein Mensch, nein eher ein menschliches Wesen. Es trägt eine Rüstung, vielleicht eine römische? Das Wesen zielt mit einem Bogen auf uns.“ beschrieb sie, fing dabei unbewusst an, sich an meinem T-Shirt festzukralllen. „Wie weit sind sie noch von uns weg?“ bohrte ich weiter. Meine Stimme klang zwar total ruhig, aber in meinem Inneren tobte es. Verdammt hatte ich Angst. „Die Schlange gut hundert Meter. Der Römer vielleicht noch dreißig Meter“

Ich atmete tief ein. „Ich lenk sie ab. Du läufst weg und bringst dich in Sicherheit. Hinter dir ist eine umgestürzte Säule. Da kannst du Schutz suchen. Sayuri und Akira werden schon gleich hier auftauchen“ sprach ich mit fester Stimme. „Rei, nein! Das ist doch der reinste Selbstmord“ Honoka's Stimme war immer noch nur ein Flüstern. Ihre Augen blickten mich ganz verängstigt an. „Jetzt mach! Du kannst dir ja dann immer noch wünschen, dass ich wieder zum Leben erwachen soll!“ Ich stieß sie von mir weg und drehte mich um. Honoka sah aus, als wollte sie noch etwas sagen, ließ es dann aber doch. Vorsichtig begann sie zu der Säule zu laufen.

Ich rannte los, lief in die entgegengesetzte Richtung. „Los kommt her und fangt mich doch!“ schrie ich. Der Römer feuerte seinen Pfeil auf mich, ganz knapp wich ich aus. Manchmal fragte ich micht echt, woher ich die guten Reflexe hatte. Zehn Meter vor ihm änderte ich dann meine Richtung, rannte jetzt nach links. Ich musste in Bewegung bleiben, solange ich rannte war es schwer für ihn mich zu treffen. Immer wieder wanderte aber auch mein Blick zu der Kobra. Sie schien aber nicht eingreifen zu wollen, schien nur das Geschehen zu beobachten. Ich sah zu Honoka. Selbst auf diese Entfernung konnte ich das sorgenvolle Glitzern in ihren Augen sehen. Während mein Blick auf Honoka fixiert war, wurde ich unbewusst langsamer. Im nächsten Moment wurde ich von einem stechenden Schmerz in meinem linken Oberschenkel zu Boden gerissen. Ich hatte nicht aufgepasst und wurde von einem Pfeil getroffen.

Als wäre das nicht schon schlimm genug, begann die Wunde stark zu bluten und das obwohl der Pfeil noch drin steckte. Anscheinend hatte er eine Aterie getroffen. Verdammt.

„Wieso habt ihr Asaji's eigentlich so einen riesigen Heldinnenkomplex? Ihr geht doch am Ende eigentlich immer drauf“ ertönte plötzlich eine Stimme aus dem Nichts. Ich raffte mich auf. Zwischen mir und dem Römer standen nun zwei junge Frauen. Die größere von Beiden sah mich leicht spöttisch an. Ihre längeren, braunen Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sie trug einen ärmellosen, langen braunen Mantel. Als ich in ihr Gesicht blickte, erkannte ich, dass sie Europäerin war, was auch den Akzent in ihrem Japanisch erklärte. Ich tippte, dass sie Französin war. An ihrem rechten Oberarm befand sich ein Tattoo, wahrscheinlich ihr Zeichen. Eine römische fünf, eingeschlossen in einem nach unten zeigenden Dreieck. Sie hob ihre Arme und plötzlich erschienen rote Klingen an ihrem Handrücken. Sie lief auf die Abnormalität, zu, während die andere junge Frau auf mich zu kam.

Sie war ebenfalls Europäerin. Ihre Haare waren blond und gingen ihr bis kurz über die Schulter. Ihre Kleidung war völlig weiß. Ein Kleid, das kurz über ihren Knien endete. An ihren Schultern, ihrer Brust und ihren Unterarmen befand sich eine Art Rüstung. An ihrem Gürtel war ein Schwert befestigt. Ihr Zeichen befand sich am Hals. Ein Dreieck, dessen Spitze nach oben zeigte. Darin befand sich wiederrum ein Auge. Hatte etwas von dem Illuminatenzeichen. Irgendwas an ihr erinnerte mich an einen Engel. Das könnte ich aber auch durchaus halluziniert haben, da mein Blutverlust inzwischen schon enorm war. Es kostete mich inzwischen all meine Kraft, dass ich ich nicht das Bewusstsein verlor.

„Geht es noch?“ fragte sie, als sie bei mir war. Ihr Japanisch war weitaus akzentfreier, als das von der Anderen. Ich nickte ganz leicht. Zum Sprechen war ich schon gar nicht mehr richtig im Stande. „Ich werde den Pfeil jetzt rausziehen und dich dann heilen, ja? Den Blutverlust müsste ich auch ausgleichen können“ erklärte sie mir. Ein Schmerzenslaut verließ meine Kehle, als sie den Pfeil mit ihren Fingern umschloss. „Wie geht es ihr?“ ertönte Honoka's besorgte Stimme neben mir. Sie ergriff sogleich meine Hand und kniete sich neben mich. „Sie ist gleich über den Berg“ Die Blonde sah Honoka einen kurzen Moment an, lächelte dann leicht. „Du siehst Homura ja fast überhaupt nicht ähnlich“ murmelte sie dann, mehr zu sich selbst.

Was? Die Andere hatte doch auch eben irgendwas gesagt, dass die Asaji's so einen großen Heldenkomplex hatten, oder so etwas in der Art. Kannten die zwei etwa unsere Mütter? Aber ich hatte die Beiden noch nie vorher in meinem Leben gesehen. Meine Gedanken wurden unterbrochen, da die Blonde den Pfeil ohne Vorwarnung rauszog. Sofort lief noch viel mehr Blut aus der Wunde und ich konnte spüren, wie mein Kreislauf noch mehr absackte. Aber ich hielt mich immer noch tapfer bei Bewusstsein. Schnell legte sie ihre Hand auf die Wunde und die Blutung stoppte sofort. Nach ein paar Minuten spürte ich auch, dass ich langsam wieder mehr Blut in meinem Körper hatte. Ich konnte mich sogar schon wieder aufrichten. Magie war schon was Tolles.

Langsam, immer noch mit ziemlich wackeligen Beinen, stand ich auf und sah mich um. Wir waren wieder in Mitakihara, von den Abnormalitäten war nichts mehr zu sehen. Die braunhaarige Europäerin stand noch etwas von uns weg,hatte sich aber schon wieder zurück verwandelt. Ich konnte gerade noch sehen, wie sie Fukujin eine vertrocknete Blume zu warf und dieser sie fraß. Sie wandte ihren Blick zu uns. „Ihr seit zu spät“ sagte sie dann und kam auf uns zu. „Halt den Mund. Das wissen wir selber“ertönte plötzlich Akira's Stimme hinter mir. Sie und Sayuri kamen angelaufen. Kaum waren sie bei uns, packte sie mich bei den Schultern, ihr Gesicht war vor Wut leicht gerötet. „Bist du bescheuert? Was sollte das? Du hättest draufgehen können!“ fuhr sie mich an, in ihrem Blick lag Verständnislosigkeit. Ich schnaubte kurz belustigt, als hätte sie nicht dasselbe getan. „Tut mir Leid, da hatte ich ja nun wirklich überhaupt nicht dran gedacht!“ gab ich sarkastisch von mir und stieß sie leicht von mir weg.

„Heldinnenkomplex, sag ich doch“ mischte sich nun die Braunhaarige wieder ein. „Und wer zum Teufel bist du?“ fragte ich sie, ging dabei ein Stück auf sie zu. Ich hätte schwören können, dass ihre Mundwinkel sich ganz kurz zu einem Lächeln verzogen, als sie das Wort ''Teufel'' hörte, jedoch war ich mir nicht ganz sicher, ob ich mir das nicht nur eingebildet hatte. „Ich heiße Lucienne und das ist Jeanne“, sie deutete auf die Blonde, „Wir beschützen diese Stadt genauso, wie Akira und Sayuri es tun“ antwortete sie und verschränkte die Arme vor der Brust. „Sie jagen Nachts die Abnormalitäten und wir dafür tagsüber“ fügte Sayuri hinzu.

Das erklärte mir aber immer noch nicht, woher die Beiden augenscheinlich unsere Eltern kannten. Wieder fixierte ich Lucienne, wollte sie danach fragen, jedoch ignorierte sie meinen Blick und sah Akira unschlüssig an. „Was ist los? Deine Aura ist so anders“ fragte sie die Rothaarige. „Alles Bestens“ erwiderte sie schroff, drehte sich von uns weg. „Sayaka und Kyoko haben sich getrennt“ kam es plötzlich von Fukujin, der sich schnell hinter Jeanne stellte, nachdem ihm Akira einen eindeutigen Blick zugworfen hatte. „Woher weißt du das schon wieder?“ keifte sie ihn an. „Du müsstest doch langsam wissen, dass ich über Alles bescheid weiß, was in euren Leben passiert“ antwortete er seelenruhig. Akira grummelte etwas Unverständliches vor sich hin und wandte ihren Blick wieder von ihm ab. „Wirklich? Wieso?“ fragte Jeanne vorsichtig, sah Akira eindringlich dabei an.

„Es ist meine scheiß Schuld. Mein Wunsch hat alles ausgelöst. Den Unfall, ihre Streits danach... Alles ist meine Schuld. Ich bin ein verdammtes Monster“ gab die Rothaarige gepresst von sich. Auch wenn sie gerade mit dem Rücken zu uns stand, war ich mir zu hundertprozent sicher, dass sich Tränen in ihren Augen gebildet hatten. „Bullshit“ kam es von Lucienne und sie schlug Akira leicht gegen die Schulter. Erschrocken wandte sie sich um, sah die Europäerin mit großen Augen an. „Du hast dir gewünscht, dass Kyoko's Bessesenheit für den Lacrossesport endet, richtig? Du hast dir niemals auch nur ansatzweise gewünscht, dass sie diesen Unfall hat, oder dass die Beiden sich trennen, oder? Du konntest nicht wissen, was für Konsequenzen deiIn Wunsch hat! Das kann keiner Wissen. Und ein Monster bist du schon mal gar nicht. Glaub mir, ich war ein Monster, bevor... Egal. Jedenfalls bist du keins. Monster haben nur schlechte Absichten. Du wolltest nur das Beste“

„Bevor was?“ meldete ich mich nun auch endlich wieder zu Wort. „Das ist echt ziemlich unwichtig“ erwiderte Lucienne gelangweilt und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Nein, Rei hat Recht. Bevor was?“ kam es von Akira.

„Wisst ihr, dass ist so eine Art von den Geschichten, die nicht dazu da sind erzählt zu werden. Ich finde eher, dass man sie erlebt haben muss“ antwortete die Braunhaarige ausweichend. „Aber lasst mich soviel sagen, Akira, Honoka und Rei, eure Mütter sind nicht das, was sie vorgeben zu sein. Sayuri ist etwas speziell, deswegen lasse ich sie erstmal außen vor“ sprach sie weiter und setzte sich auf den Bordstein. „Wovon redest du?“ fragte Honoka irritiert. „Ihr habt euch bestimmt schon gefragt, wieso ihr magisches Potenzial habt. Es liegt in euren Genen. Das gilt jetzt übrigens auch wieder für Sayuri“ beantworte Jeanne die Frage und ließ sich neben Lucienne nieder. Akira lachte kurz auf. „Du versuchst uns gerade allen ernstes weißzumachen, dass unsere Mütter also Espiors sind?“ Lucienne schüttelte daraufhin mit dem Kopf. „Nein Espiors nicht. Magical Girls- so nannten sie sich. Besser gesagt uns. Jeanne und ich waren auch Magical Girls. Aber im Grunde unterscheiden sich Magical Girls und Espiors nicht viel voneinander“ „Dann ist ''waren'' doch das falsche Wort oder? Ich meine man ist doch sein Leben lang ein Espior, dann müsste man doch folglicherweise auch sein ganzes Leben lang ein Magical Girl sein!“ „Stimmt, Sayuri, so war es auch. Bis das Universum neu geschrieben wurde“

Ich stöhnte genervt. „Was gibst du da für einen Bullshit von dir? Das Universum kann doch nicht einfach mal so neu geschrieben werden“ meinte ich und setzte mich den Beiden im Schneidersitz gegenüber. „Natürlich kann es das. Jeanne und ich haben es insgesamt fünfmal mit erlebt. Und ich muss ehrlich sagen, dass das hier defintiv das Schönste ist“ „Das ist völliger Scheiss den du hier von dir gibst“ Lucienne kicherte kurz. „Seht ihr? Ich habe euch doch gesagt, dass ihr mir nicht glaubt, wenn ich es euch erzähle“

„Ich glaube dir“ sagte Honoka gedankenverloren. „Eben, als ich nachhause kam, habe ich meine Eltern gefragt, was sie sich wünschen würden, wenn sie ihr Leben dafür aufgeben müssten. Die Beiden haben so heftig darauf reagiert, wie als hätte ich ihnen gesagt, dass ich morgen sterben müsste. Und Madoka hatte irgendwas gesagt von wegen ''ich dachte schon''“ Lucienne schnaubte belustigt. „Was für eine Überraschung, dass Homura so empfindlich reagiert hat“ Ich glaubte in ihrer Stimme eine leichte Spur von Sarkamus zu hören.

Ich atmete tief ein und stand auf. „Du wirst uns also Nichts weiter erzählen?“ „Nein, die Geschichte ist dafür zu langwierig und es ist zuviel passiert, als das ich es zusammen fassen könnte“ kam es knapp von ihr. Ich nickte, drehte mich um und ging auf Fukujin zu. „Ich bin bereit. Ich habe einen Wunsch“ Ich konnte spüren, wie sich die Blick der Anderen in meinen Rücken bohrten. „Dann erzähl ihn mir“ entgegnete er mir und kam noch ein Stück auf mich zu. Ich atmete noch ein weiteres Mal tief ein, bevor ich antwortete.

„Ich wünsche mir, dass wir, Akira, Sayuri, Honoka und ich, die Wahrheit über unsere Eltern erfahren und sie mit eigenen Augen zu Gesicht bekommen!“
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