Der Hübsche

KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
30.11.2015
30.11.2015
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Es herrscht eine Leere, eine nie zuvor gekannte Leere. Sicher, viele haben schon einmal einen geliebten Menschen verloren...doch dieser Verlust ist wie ein Schlag ins Gesicht. Schmerzvoll und schnell, doch das Brennen nimmt kein Ende. Es ist eine Leere, die niemand zu füllen mag oder es vielmehr kann. Nichts kann so schrecklich und so schlimm sein, wie der Tod eines Freundes. Ein Tod, den niemand vorausgesehen hatte. Niemand...außer der Betroffene selbst.

Sie alle schauen sich an, niemand weiß was er sagen soll. Mit einem Satz war alles dahin. Die gute Stimmung, die bisher geherrscht hatte, die Musik, das Lachen...alles ist egal. Leo, Jonas und Emma waren zurückgekommen um Toni zu holen...doch vorgefunden hatten sie mich, Charlotte und einen leeren Platz. Alex Mutter war ganz in Tränen aufgelöst, sie war nicht in der Lage auch nur ein Wort zu meinen Freunden zu sagen. Sie versuchte eine neutrale Miene aufzusetzen und ihre Tränen zu verbergen. Sie verließ mit meiner Mutter das Zimmer, wofür ich ihr dankbar war. Sie sollten es nicht auf diese Weise erfahren, nicht so. Das Gelächter der Drei erstarb, als sie bemerkten, dass nur noch ein Bett im Zimmer stand...nämlich meines. Jonas war verwirrt, er war der Erste der sprach. "Wieso ist Alexs Bett nicht hier? Und wo ist er eigentlich?" "Keine Ahnung..Der kann doch unmöglich noch immer bei seiner Untersuchung sein", sagte Leo und Emma schüttelte langsam den Kopf. "Nein", flüsterte sie und sie blickten zu mir. Doch auch wie sehr ich es wollte...ich konnte es ihnen nicht sagen. Toni war der Einzige der in meinem Zustand mit mir kommunizieren konnte.

"Vielleicht weiß Toni etwas, wo auch immer er abgeblieben ist." Jonas hatte Recht, doch sie hatten noch keine Ahnung, was geschehen war. Sie waren sich zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, dass einer von uns für immer gegangen war... Das Quietschen eines Rollstuhls brachte sie dazu sich umzudrehen und Toni in der Tür zu erblicken. Sein Gesicht war neutral, er wusste nicht wie er seine Trauer zeigen sollte, doch fühlte er sie in seinem Herzen. So wie wir alle. "Da seid ihr ja, ich habe euch schon überall gesucht", rief er und konnte seine Aufregung nicht verbergen. Leo, Jonas und Emma waren verwundert, ich sah es in ihren Gesichter. "Ey, sag mal was los ist. Alexs Bett ist weg, du erscheinst nicht zur Party und unser Hübscher ist selbst nicht aufzufinden." Leo, unser Anführer hatte das Kommando übernommen. Er macht das wirklich gut. "Alex ist weg." "Weg? Wie weg?" Jonas war verwirrt, genau wie Leo und Emma. Sie konnten nicht ahnen, was erst vor wenigen Minuten geschehen war. "Weg", sagte Toni und kam zu mir. Er nahm meine Hand und starrte auf mein Gesicht. Die Anderen kamen ebenfalls zu mir, doch die Fragen standen noch immer in ihren Augen. "Toni, was meinst du mit weg?" "Er ist weg", erwiderte Toni einfach nur und wandte sich wieder zu mir. "Hugo sagt, dass es ihm Leid tut. Das er ihn sehr vermissen wird." "Alter, red mal Klartext. Wurde Alex für einen Tag entlassen oder was?" Leo war aufgebracht, er machte sich Sorgen um Alex Verbleib. Doch konnte er nicht wissen, dass seine Sorgen zu spät kamen. "Vielleicht ist er auch einfach nur bei seinen Eltern und kommt gleich zurück?" "Emma, wir haben eben seine Stiefmutter gesehen", wandte Leo ein und schüttelte den Kopf. Er fühlte, dass etwas nicht stimmte. "Vielleicht ist er auch einfach bei seinem Vater", entgegnete Jonas, doch er selbst schien von seinen Worten nicht überzeugt zu sein. Ein Klopfen ließ uns aufhorchen und Tietz betrat das Zimmer. Er konnte seine Trauer nicht verbergen und zeigte seine Traurigkeit und seine Betroffenheit offen. "Tietz, du kommst ja wie gerufen! Sag mal, weißt du was hier los ist? Toni spricht in Rätseln, Alexs Bett ist weg und er selbst.." "Alex wird nicht mehr wiederkommen, Leo." Leo verstummte und blickte unseren Pfleger fragend an. Jonas und Emma taten es ihm nach. "Was..? Er hatte doch nur eine Untersuchung, wie..." Tietz seufzte. Ihm fiel es schwer derjenige zu sein, der es ihnen sagen würde. "Alex ist tot." Eine Stille breitete sich im Zimmer aus, was ich von nun an nicht mehr mit unserem Freund teilen würde. Emma schlug ihre Hände vor den Mund und schüttelte den Kopf. Jonas und Leo sahen sich an, dann Tietz. Unglauben und Fassungslosigkeit zeichnete sich auf ihren Gesichtern ab. "W-Was hast du gerade gesagt?" Sie wollten und konnten es nicht glauben. Allen voran Leo, der vor ein paar Minuten noch unendlich glücklich gewesen war. Es ist schlimm, dass so etwas ausgerechnet am Tag seines Geburtstages passiert. Doch wir können uns nicht aussuchen, wann schlimme Dinge passieren. Sie geschehen einfach, ohne das wir Einfluss nehmen können. "Er wollte euch nichts erzählen. Heute hatte er eine Operation an seinem Herzen. Sie war lebensnotwendig für ihn..Seine Chancen war 50:50, die Ärzte konnte nichts mehr für ihn tun." Wenn man vom Tod eines geliebten Freundes erfährt, so ist dies vor allem der Schock. Die Traurigkeit und der Zorn über den Verlust kommen erst später. Die Erkenntnis, dass wir jemanden verloren haben kommt irgendwann danach, wenn man den Schock verdaut hat. Doch dies ist nicht der Fall. Emma wird von Jonas in den Arm genommen, Toni drückt meine Hand und Leo starrt aus dem Fenster. Er kann nicht fassen, dass wir jemanden verloren haben. Das Alex nicht mehr da ist und auch nie wieder zurückkommen wird. Auch wenn ich es nicht kann, so weine ich mit ihnen. Wir fühlen alle denselben Schmerz und halten uns gegenseitig fest. Es wird schwer werden, aber wir sind füreinander da und das ist das Wichtigste. Die Leere, die von heute an herrscht, wird und kann nicht wieder gefüllt werden. Doch wir können lernen mit ihr zu leben und sie zu akzeptieren.
Alex ist von uns gegangen, aber unsere Freundschaft bleibt bestehen.
Auch wenn wir ihn nie wiedersehen werden, so wird er immer ein Bestandteil des Clubs sein, der Hübsche.

Und sein rotes Band wird ewig währen.


Musste einfach was auf die Episode heute schreiben. Diese Sendung ist einfach der Hammer und so berührend!
Wie viele heute in den letzten Minuten heulen mussten, kann ich nur erahnen. Ich gehöre auch dazu. Ein kurzer Oneshot kann nicht dieser fantastischen Serie gerecht werden, doch musste ich meine Gefühle dazu einfach ausdrücken. Hugo eignet sich dafür perfekt.
Hoffe es hat euch gefallen.
Eure Mary :)
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