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(4) Kleine Monster

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Kili OC (Own Character)
30.11.2015
23.12.2015
4
21.718
4
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8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
23.12.2015 6.838
 
Hallo, meine Lieben!

Vielen lieben Dank für Eure Aufrufe und Favos <3

Und ein ganz, ganz, ganz herzliches Dankeschön an meine fleißigen Review-Schreiber Luise, Jenny und Darth Mourth <3 Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich über Eure Reviews gefreut habe :-)

Und nun viel Spaß beim Lesen des letzten Teils.

Liebe Grüße

Eure Ela <3



***



Kleine Monster Teil 4



„Ich hab dich lieb, Khagam.“

Diese wundervollen Worte, die Tharja an ihn gerichtet hatte, hallten immer noch in Kílis Ohren wider und erfüllten sein Herz weiterhin mit einer unglaublichen Wärme, während er durch die Gänge schlich. Er konnte solche Sätze nicht oft genug hören. Vor der Reise zum Erebor hätte er es sich nicht träumen lassen, wie schön eine eigene Familie, die er gründen würde, sein könnte. Da er immer das Nesthäkchen gewesen war, hatte Thorin eher Fíli mit Aufgaben betraut. Schließlich würde mit einer großen Wahrscheinlichkeit der blonde Prinz eines Tages der König der Zwerge sein. Allerdings hatte Kíli es sich immer gewünscht, auch Verantwortung übernehmen zu dürfen. Dass er diese Erfüllung in seiner Familie finden würde, hätte er selbst nicht erwartet. Es war schließlich eine große Verantwortung, auf Frau und Kind Acht zu geben. Besonders, wenn jenes Kind ein kleiner Wildfang war. Aber er bekam so viel Wärme, Geborgenheit und Liebe von seinen Frauen zurück, sodass er gerne bereit war, diese Pflichten, sofern er überhaupt von Pflichten reden wollte, zu übernehmen.  

Doch auf die wohlige Wärme, die er zuvor um sein Herz verspürt hatte, folgte nun die Kälte der Räumlichkeiten. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie eiskalt seine eigenen Füße durch den Steinboden geworden waren. Ebenfalls hatte er seine Stiefel bei Tharja im Zimmer vergessen. Wenn er sich um die Kleine kümmerte, konnte es passieren, dass er in den gemeinsamen Gemächern alles um sich herum vergaß, da er dort auf keine Gefahren achten musste. Genauso wenig hatte er wahrgenommen, wie kalt der Steinboden trotz des Sommers war. Obwohl er nicht glaubte, dass er sich erkälten würde, da Zwerge zähe Gesellen waren, ging er nur auf den Fußballen in die Küche, um die restlichen Erdbeeren zum Schlafzimmer zu bringen. Aber Amilia würde das Bett sicherlich für ihn vorgewärmt haben. Zum ersten Mal fragte er sich, ob sich seine Frau jeden Morgen während ihres ersten Kusses, den sie nicht im Bett teilten, nicht nur aus Gründen der Verbundenheit auf seine Füße stellte. Vielleicht sollte er sie damit ein wenig necken und aufziehen, dass er sie durchschaut habe, wenn sie dies am nächsten Morgen wieder tun würde.

Als er das Schlafzimmer betrat und die Tür zuzog, sah er, dass Amilia aufrecht an einem Kissen gelehnt im Bett saß und sich eine seiner Tuniken angezogen hatte. Er hatte bereits damit gerechnet, dass sie noch wach wäre. Wenn Tharja krank war und jemand von ihnen an ihrem Bett wachte, bis sie eingeschlafen war und dann auch noch ein wenig blieb, konnte meistens der andere Elternteil nicht ruhig einschlafen und blieb ebenfalls wach.  

„Hat mein starker und tapferer Krieger das böse Monster aus dem Zimmer der kleinen Prinzessin verjagt? Du hast eine sehr interessante Rüstung an. Deine Stiefel hast du aber anscheinend vergessen“, begrüßte Amilia ihn schmunzelnd.

„Das einzige kleine Monster, welches mir in den Gängen über den Weg gelaufen ist, hatte blaue Kulleraugen und schwarze, langgelockte Haare, die zu berge standen. Aber das kleine Monster würde sich aufgrund der sehr großen Schuhe nun zumindest ankündigen, wenn es uns besuchen wollte.“

„Kíli! Du redest gerade von unserer Tochter!“, gab Amilia tadelnd von sich.

„Kinder…“, sagte Kíli daraufhin und rollte leicht mit den Augen.

„Wieso denn Kinder? Ich dachte, du hättest nur ein Kind. Muss ich mir etwa Gedanken machen?“, fragte sie mit einem gespielten Schmollmund und schloss die Decke wieder, da sie diese scheinbar nicht mehr mit ihrem Gemahl teilen wollte.

Und obwohl der Zwerg wusste, dass sie ihn nur ärgern wollte, kamen ihm die nächsten Worte doch voller Nachdruck über die Lippen:

„Bei Durin! Nein! Meine einzigen unehelichen Kinder werden eines Tages die Sprösslinge von Fíli sein. So wie Fíli bei Tharja nicht nur Onkel, sondern auch Patenonkel ist, würde auch ich bei seinen Kindern Pate sein wollen.“

„Na gut. Das kann ich akzeptieren und lass dich mit unter die warme Decke. Es wäre sogar eine sehr schöne Vorstellung, dass Fíli eine Frau findet, mit der er glücklich sein kann und die ihm viele Zwerglinge schenkt. Am besten so viele Zwerglinge, wie du Erdbeeren auf dem Teller hast.“

„Bei so vielen Zwerglingen müsste mein Brüderchen aber ganz schön fleißig sein und seine Pflichten als Thronerbe ein wenig lockerer sehen.“

„Wenn er mit Tharja unterwegs ist, schlägt sie ihm immer viele Zwerginnen vor, von denen eine hübscher ist, als die andere. Eines Tages wird die Richtige dabei sein. Sicherlich dann, wenn wir es am allerwenigsten erwarten.“

„Wenn wir schon von der Kleinen sprechen…Ich habe dir übrigens jene Erdbeeren mitgebracht, die ich vor ihr retten konnte.“

Es war schon seltsam, dass diese Worte nicht ganz der Wahrheit entsprachen. Er hatte sich zuvor kaum bremsen können, endlich die Früchte mit seiner Frau zu verspeisen. Aber nachdem er und seine Tochter damit begonnen hatten, die ersten Erdbeeren zu essen und Tharja recht schnell in das Schlafzimmer gestürmt war, hätte er sich doch eher gewünscht, dass ihre Tochter die Erdbeeren alleine aufgegessen hätte. Ihm wären dann einige peinliche Momente erspart geblieben. Amilia wirkte auf Kíli allerdings so, als ob sie sich bester Laune erfreute und tiefenentspannt war. Sicherlich war es auch der Tatsache geschuldet, dass sie bereits vor seiner kleinen Monsterjagd einen schönen Abend miteinander verbracht hatten.

„Möchte Herr Zwerg mich etwa bestechen?“, fragte Amilia angriffslustig.

„Wieso unterstellst du mir so etwas? Muss ich jetzt schon Gründe haben, um in meine Frau vernarrt zu sein?“, fragte er seinerseits, während er sich mit unter die Bettdecke legte, die Amilia nun wieder für ihn offen hielt.

„Du hast mir schon lange kein Essen mehr ans Bett gebracht. Ich hatte schon geglaubt, dass du mich zu irgendetwas verführen wolltest. Oder musst du wieder zu Kräften kommen?“

„Ein Zwerg muss nicht zu Kräften kommen. Und um dich zu verführen, brauche ich keine Erdbeeren. Da reichen ein paar Handgriffe.“

Bevor sie ihm Widerworte geben konnte, hatte er Amilia bereits eine Erdbeere an den Mund gehalten, die sie daraufhin auch brav verspeiste. Eigentlich hatte er es vorgehabt, die Früchte nicht allzu keusch zu essen, aber die blonde Menschenfrau beließ es dabei, lediglich an den Erdbeeren zu knabbern. Bei dem letzten Stück Obst wollte er Amilia allerdings ein wenig aus der Reserve locken. Bevor sie die Erdbeere kosten konnte, zog er sie spielerisch wieder zurück.

„Du wirst dich wohl ein klein wenig anstrengen müssen, wenn du noch mehr möchtest. Diese wirst du dir holen müssen“, sagte der Zwerg, bevor er sich die Frucht teilweise in den Mund steckte.

Schneller, als er es hätte erahnen können, hatte Amilia ihre Hände um seinen Nacken geschlungen und ihn näher an sich heran gezogen. Vor lauter Überraschung schaffte er es noch gerade so, sich abzustützen, um nicht auf ihr zu landen. Er hatte sie ein wenig necken wollen, aber dass sie so schnell in die Initiative ging, hätte er dann doch nicht erwartet, da sie die Erdbeeren zuvor recht scheu verspeist hatte. Beinahe hätte er die Frucht zwischen seinen Zähnen verloren, da er fast ein leises Seufzen von sich gegeben hatte, während Amilia mit ihren warmen Fingern über seinen Nacken streichelte. Als erstes teilte er das Obststück mit ihr, um dann zur nächsten Leckerei übergehen zu können. Bei der Erdbeere hatte sich Kíli noch zurückgehalten, da er gerne etwas anderes erobern wollte, und zwar die Lippen der Menschenfrau. Zunächst wollte er es aber ein wenig langsamer und verspielter angehen lassen. Wie er zuvor das Obst gekostet hatte, tat er dies nun mit ihren weichen Lippen und spürte ihren warmen Atem an seiner Haut. Während er mit seinem Mund ihre samtenen Lippen erkundete, genoss er das vertraute Gefühl und die Kälte, die er in den Gemächern verspürt hatte, war auf einen Schlag verflogen. Obwohl diese Lippen so vertraut waren, spürte er immer noch ein wohliges Kribbeln im Körper. Vielleicht lag es auch genau daran, weil sie so vertraut waren und er wusste, dass ihm alleine dieses Privileg gehörte, sie auf diese Art und Weise zu küssen.

Der Kuss schmeckte sowohl nach Amilia, als auch nach der Süße der Erdbeeren. Er war einfach fantastisch und hatte eine gar berauschende Wirkung auf den Zwerg. Ungeachtet der Tatsache, dass er Amilia bereits unzählige Male geküsst hatte, würde er immer süchtig danach bleiben. Obwohl sie sich während des Kusses nur ihren Lippen widmeten, hatte diese Liebesbekundung schon regelrecht seinen Verstand vernebelt, sodass Kíli nun reflexartig an die Verschnürung von Amilias Tunika griff, um an dieser ein wenig zu spielen. Seine Frau war allerdings noch mehr bei Verstand, hielt seine Hand schnell mit ihrer fest und schubste ihn sogar sanft von sich herunter. Obschon sie den Kuss erwidert hatte, war der Funken der Leidenschaft scheinbar nicht mit der gleichen Intensität auf sie übergesprungen, wie es bei Kíli der Fall war.

„Nicht, Kíli. Tharja schläft bestimmt noch nicht. Und wir sollten vielleicht den Teller aus dem Bett nehmen, damit es nicht scheppert und die Kleine wieder wach wird, falls sie doch schlafen sollte.“

Es passierte äußerst selten, dass Amilia ihn davon abhielt, sie aus ihren Kleidern zu schälen. Und obwohl sie ihn gebremst und dabei den Kuss gelöst hatte, sah er doch ein klein wenig Bedauern in ihrem Blick. Aber in diesem Moment hatte sie zweifellos Recht.

„Bald schläft die Kleine bestimmt tief und fest“, gab Kíli mit einem verschmitzten Lächeln von sich und stellte den Teller bereits vorsichtshalber mit seiner freien Hand auf das Nachtschränkchen.

„Du bist auch unverbesserlich, oder?“, fragte Amilia.

Daraufhin lehnte er sich an ein Kissen und legte den Arm um seine Frau. Schnell schmiegte sie ihren Körper an seinen und bettete den Kopf auf seine Brust

„Ich bin ein Zwerg und liebe meine Schätze sehr hingebungsvoll. Und ich habe geglaubt, dass du dir meine Tunika nicht ohne Grund angezogen hast. Vielleicht möchte ich sie wieder von dir zurück haben?“

„Dein Hemd war das Erste, was griffbereit war.“

Bevor Tharja auf die Welt gekommen war und sie schon gemeinsam in den königlichen Gemächern zusammen gelebt hatten, war es ein kleines Ritual gewesen, dass Amilia sich öfter nur eine Tunika des Braunhaarigen angezogen hatte. Wenn der Zwergenprinz von seinen Aufgaben nach Hause gekommen war, hatte er immer sofort gewusst, dass diese Bekleidung eine Einladung verkörperte und seine Frau nicht nur vor einem gemütlichen Kaminfeuer auf weichen Fellen kuscheln wollte. Sofern sie überhaupt bis zu den Fellen gekommen waren, nachdem Amilia ihre Zurückhaltung abgelegt hatte.

Allerdings handelte sie momentan nicht so, als ob sie ihn zu mehr einladen wollte. Vorerst würde er sich damit begnügen, Amilia in seinem Arm zu halten, ihre Hand mit seiner zu verflechten und mit seinem Daumen über ihren Handrücken zu streicheln. Er hatte immer geglaubt, dass Zwerge nicht gerne schmusen würden. In der Öffentlichkeit wurden selten oder eher keine Zärtlichkeiten ausgetauscht. Er wusste nicht, ob er selbst anders, als andere Zwerge war. Oder ob es daran lag, dass Amilia als Mensch mehr Streicheleinheiten brauchte, als es Zwerginnen taten. Aber nichts desto trotz konnte Kíli es nicht leugnen, dass er die vertraute Nähe sehr genoss. Vielleicht war dies auch der Grund, wieso Zwerge angeblich nicht gerne kuschelten. Es waren unglaublich intime Momente und die Langbärte wollten sich nicht jedem derartig öffnen. Bevor er die Menschenfrau kennengelernt hatte, hätte er auch mit keiner Zwergin, die er bisher getroffen hatte, Arm in Arm einschlafen wollen. Vermutlich hätte er es stundenlang ausgehalten, Amilia in seinen Armen zu halten, während sie ihren Kopf auf ihr Lieblingskissen, seiner Brust, gelegt hatte. Aber aufgrund ihrer Vertrautheit und ein paar Berührungen, die auch manchmal unbewusst passierten, entwickelte sich aus den Kuscheleinheiten oftmals auch mehr.    

Ohne Vorwarnung schob der Zwerg  einen seiner Füße zwischen ihre Unterschenkel und die junge Frau gab einen Zischlaut von sich. Er selbst hatte seine Füße als überhaupt nicht mehr so kalt wahrgenommen. Erst recht nicht, nachdem sie sich geküsst hatten. Scheinbar sah Amilia dies anders. Kíli befürchtete, dass die Stimmung nun endgültig eingefroren war. Aber auch sonst hätten sie beide vermutlich in den nächsten Augenblicken ihre Gedanken weiterhin eher bei Tharja gehabt, nachdem Amilia ihn wieder in die Realität zurückgeholt hatte. Schließlich könnte sie es sich immer noch anders überlegen und doch bei ihnen schlafen wollen. Und in einer noch peinlicheren Situation wollte er ganz und gar nicht von seiner Tochter erwischt werden. Von einem Geschwisterchen für Tharja wollte er heute Nacht auch besser nicht mehr sprechen, obwohl die Kleine diesem Gedanken überhaupt nicht abgeneigt gewesen war.  

„Musstest du deiner Tochter sagen, dass wir gespielt haben und dass ich dich gefesselt habe?“

„Was hätte ich deiner Tochter denn sonst sagen sollen? Tharja hat gefragt, ob mich ein Ork gefesselt hat. Also hat sie damit etwas Negatives verbunden und das wollte ich gerne vermeiden. Nicht, dass sie noch andere Alpträume bekommt. Sie ist noch so klein und hat das sicherlich nicht verstanden. Außer, dass es nichts Schlimmes war und ihre Eltern sich lieb haben. Und das ist doch das Wichtigste. Und ich glaube, dass sie schnell vergessen wird, was sie gesehen hat. Sie hat es doch langweilig gefunden. Genauso wenig hat es sie interessiert, dass ihr Vater nur mit einem Bettlaken bekleidet bei ihr im Zimmer nach Orks gesucht hat.“

Da musste er seiner Frau Recht geben. Was ihm peinlich gewesen war, hatte Tharja überhaupt nicht wahrgenommen. Oder es war ihr egal gewesen. Sie hatte nur ihre Eltern gesehen, die sie über alles liebte. Es war für sie regelrecht normal gewesen, dass ihr Vater nur mit einem Bettlaken bekleidet durch die Zimmer ihres Zuhauses gegangen war. Zwar hatten sie ihre Tochter nicht verschreckt, jedoch bereitete ihm etwas anderes Sorgen. Was würden andere dazu sagen, wenn Tharja munter drauf los plappern würde, dass auch Erwachsene gerne Spiele spielten? Selbstverständlich wussten auch all ihre Freunde und Gefährten, was nachts oder tagsüber in zwergischen Schlafzimmern passierte. Genauso hatten es alle in ihrer kleinen Gemeinschaft gewusst, dass sie ihre Liebe nicht erst in der Ehe ausgelebt hatten. Nachdem sie sich mit Thorins Segen verlobt hatten, hatte er sie öfter mit Liebesmalen versehen. Manchmal bewusst, um allen zu zeigen, dass sie ihm allein gehörte. Manchmal unbewusst, weil er sich im Eifer des Gefechtes nicht immer unter Kontrolle hatte. Und falls noch jemand Zweifel daran gehegt hätte, dann war er mit Tharja eines Besseren belehrt worden, die das wunderbare Resultat ihrer Liebe war. Nur ein Zwerg war nach Tharjas Geburt regelrecht ins Fettnäpfchen getreten. Bofur hatte unkluger Weise davon gesprochen, dass Tharja aufgrund der schwarzen Haare und blauen Augen auch die Tochter des Königs sein könnte. Sie waren es gewohnt, dass der gütige Zwerg mit der Fellmütze öfter dazu neigte, unbedachte Worte von sich zu geben. Aber nachdem diese Worte gefallen waren, hatte Bofur die Gelegenheit, über diese eine ganze Nacht lang nachzudenken. Und zwar im Verließ. Obwohl sie es gewusst hatten, dass Bofur nur scherzte, waren sowohl mit dem Prinzen, als auch mit dem König, die Pferde durchgegangen, sodass sie ihn eigenhändig hinter Gitter befördert hatten. Bei der Familie hörte für einen Zwerg der Spaß auf.

Kíli hatte auch weniger ein Problem damit, dass seine Familie und Kameraden erfahren könnten, dass Amilia regelrecht von ihm gefesselt sein konnte. Er wagte es zu bezweifeln, dass viele Zwerginnen dazu bereit wären, da sie sich vermutlich in ihrem Stolz und ihrer Eigenständigkeit unterdrückt sehen würden. Wobei er es nicht tat, um Amilia zu zeigen, wer bei ihnen das Sagen hatte. Ihr gefiel es, ihm zu gehören und Kíli gefiel es, seine Frau zu verwöhnen. Sein Problem lag eher darin, dass ihre Tochter sie mehr oder weniger dabei erwischt hatte und er kein wirkliches Interesse daran hatte, dass dies seine Kameraden, geschweige denn sein Onkel, erfahren könnten.

„Und wenn sie zu Thorin geht und ihm erzählt, dass ihre Eltern seltsame Spiele spielen? Sie vertraut ihm doch sicherlich viele Geheimnisse an.“

„Glaubst du, dass Thorin nicht weiß, auf welchem Wege wir Tharja bekommen haben? Glaubt dein Onkel etwa, dass ich seine Großnichte durch einen von Gandalfs Zaubersprüchen empfangen habe, sie aus einem Erdloch geschlüpft ist oder sie ein Adler gebracht hat? Deinem Onkel wird es sicherlich egal sein, solange wir uns nicht auf seinem Königsthron vergnügen.“

„Sehr witzig“, brummte Kíli daraufhin.

Nachdem sie sich in Bruchtal kennengelernt hatten, hatte sie eher wenig gelacht. Wenn sie dies getan hatte, dann nur in der Gesellschaft von ihm, seinem Bruder und Bilbo. Neben ihrer neu gefundenen Fröhlichkeit hatte sie ebenfalls einen gewissen Humor entwickelt, seitdem sie nach der Schlacht der fünf Heere zusammen lebten. Obwohl er darüber sehr froh war, fand er es in diesen Augenblicken eher unpassend. Wobei ihm der Gedanke schon gefiel, den nächsten kleinen und königlichen Durin auf dem Königsthron zu zeugen. Aber bevor seine Fantasie mit ihm durchgehen konnte, ermahnte er sich dazu, diese Gedanken an die Seite zu schieben.

Zumindest war er darüber erleichtert, dass seine Tochter nicht ihn gefesselt vorgefunden hatte. Es reichte schließlich schon, dass Tharja ihrem Onkel brühwarm aufgetischt hatte, dass ihr Vater nicht einmal in den eigenen Gemächern Pfeife rauchen durfte, da Amilia dies verboten hatte. So fest sie darauf bestand, dass in ihrem Zuhause nur der Ofen rauchte, war sie in anderen Belangen scheinbar viel entspannter geworden. Früher hatte sie über alles nachgedacht und sich Sorgen gemacht. Wenn es um Tharjas Wohl ging, war sie immer sehr penibel, aber andere Dinge besorgten sie nach der Geburt weniger. Dass ihre Tochter sie in einer solch delikaten Situation ertappt hatte, nagte aber immer noch ein wenig an Kíli, sodass er Vorkehrungen treffen wollte, damit dies nicht noch einmal passierte.

„Sollten wir nicht das nächste Mal besser die Türe abschließen?“

„Nein, Kíli. Wir waren uns einig, dass die Tür für Tharja immer offen steht. Stell dir mal vor, sie hätte heute wegen den Alpträumen vor unserer verschlossenen Schlafzimmertüre gestanden und dann noch seltsame Geräusche gehört. Dann hätte sie sicherlich noch viel mehr Panik bekommen. Wer weiß, wie verstört sie dann vielleicht zu einem ihrer Onkel gerannt wäre, um Hilfe zu holen. Den Gedanken, dass Thorin, Fíli oder Dwalin die Schlafzimmertüre eintreten oder mit einer Axt einschlagen, weil sie glauben, dass etwas Schlimmes passiert ist, finde ich wenig verführerisch. Die Tür bleibt offen!“

Waren sie sich damals wirklich einig gewesen? Viel mehr hatte Tharjas Mutter dies beschlossen und Kíli hatte sich daraufhin gefügt. Aber er musste Amilia Recht geben. Seine Tochter hatte er nun wahrlich nicht aussperren wollen.  

„Glaubst du, dass das Monster Tharja wieder besucht?“, fragte Amilia, die sich aufgrund ihrer Worte eher um andere Dinge zu Sorgen schien.

„Das glaube ich kaum. Sie hat schon immer eine blühende Fantasie besessen und hat sich einfach in Dwalins Geschichten hineingesteigert. Ich werde Dwalin dafür noch die Glatze polieren oder einen Kopf kürzer machen!“

Obwohl Kíli unendlich froh darüber war, dass seine Tochter scheinbar nur wegen der Erzählungen des Kriegers schlecht geträumt hatte und sie keine anderen Sorgen oder Ängste quälten, machte es ihn doch wütend, dass seine kleine Prinzessin solche Ängste hatte ausstehen müssen. Letztendlich war dadurch auch die Zweisamkeit mit seiner großen Prinzessin unterbrochen worden. Dies würde er nicht allzu schnell vergessen.

Amilia strich ihm mit ihren weichen Fingern beruhigend über die Bartstoppeln und sagte:

„Lad ihn einfach auf ein Bier oder zum Essen ein und sag ihm, dass er vor Tharja nicht solche Geschichten erzählen soll. Oder wir lassen ihn von Tharja einladen. Dwalin wird kaum eine Einladung der königlichen Familie ablehnen, da dies sehr unhöflich wäre. Sie hat zum Geburtstag das neue Tongeschirr in Kindergröße bekommen. Dann backe ich vorab mit ihr Plätzchen und sie kann mit ihren Puppen und Dwalin ein Kaffeekränzchen abhalten. Ich glaube, dass es für ihn keine schlimmere Strafe gäbe, als wenn er brummig an dem kleinen Kindertisch sitzen und in einer Damengesellschaft Tee schlürfen oder Milch trinken müsste.“

Diese Vorstellung zauberte nun auch Kíli wieder ein Lächeln ins Gesicht. Das Bild, welches er gerade vor Augen hatte, war zu absurd. Vor seinem inneren Auge sah er Dwalin, der sich mit seinen langen Beinen an einen kleinen Tisch setzen würde und zwischen Tharjas Puppen Tee trinken musste.

„In diesem Fall würde ich mich sogar mit Tharja in die Küche stellen und Kekse oder Kuchen backen.“  

„Solange du dich nicht in unsere Küche stellst, ist mir das ganz gleich. Wobei ich glaube, dass auch deine Tochter kein Unschuldslamm ist. Sie wird ihn schon dementsprechend um den Finger gewickelt oder gereizt haben.“

Sofort saß Kíli kerzengerade im Bett und Amilia saß nun gezwungenermaßen ebenfalls aufrecht.

„Was soll das denn heißen?“

„Ganz ruhig. Sie kann gerissen sein. Vermutlich hat sie ihm erst geschmeichelt und ihn angelächelt. Als dies keinen Erfolg hatte, hat sie ihm sicherlich gesagt, dass er womöglich keine Orks erledigt habe und ihr daher keine Geschichten erzählen kann. Und du weißt doch, wie stolz und stur Zwerge sind“, sagte Amilia, während sie den Braunhaarigen wieder sanft gegen das Kissen drückte, sich erneut an ihn kuschelte und beruhigend durch seine Brusthaare strich.

Zu seiner eigenen Schande musste Kíli gestehen, dass er das Verhalten seiner Tochter nur allzu gut kannte, wenn sie ihren Willen durchsetzen wollte. Wenn sie etwas wollte, konnte Amilia ihr viel besser einen Wunsch abschlagen, als er selber. Entweder kam Tharja gleich auf ihn zu oder tat dies, wenn sie bei ihrer Mutter auf taube Ohren gestoßen war. Wenn sie ihn mit ihren großen blauen Augen anschaute und dabei noch ihr süßestes Lächeln aufsetzte, kam ihm kaum ein Nein über die Lippen. Dafür folgte dann prompt von seiner Frau eine Standpauke. Er versuchte sich immer damit herauszureden, dass Tharja ihn mit den schönsten Augen in ganz Mittelerde, nämlich mit den Augen ihrer Mutter, anblickte und er folglich nur schwer standhaft sein konnte. Nur leider zeigte dieses Süßholzgeraspel bei der Menschenfrau nicht immer Wirkung. Thorin und Fíli hatten ihm schon mehrmals gesagt, dass Tharja ihren Vater nun mit dessen eigenen Waffen schlagen würde. Kíli konnte es beim besten Willen nicht glauben, dass er jemals so Erwachsene angesehen haben soll. Hoffentlich sah seine Tochter nicht allzu schnell andere Zwerge mit diesem Blick an. 10 oder 15 Jahre waren für Zwerge keine große Zeitspanne. Die Zeit würde viel zu schnell auf ihn zukommen.

„Hattest du etwa Angst, dass unsere fünfjährige Tochter Dwalin schöne Augen macht?“, gab Amilia leise kichernd von sich.

Kíli hatte sich selbstverständlich darüber keine Sorgen gemacht, als sie darüber gesprochen hatte, dass die Kleine Dwalin gereizt und um den Finger gewickelt habe. Allerdings hatte daran, dass sich seine Tochter so sehr gefürchtet hatte, bisher nur einer die Schuld getragen. Es war auch immer das Einfachste, sich einzureden, dass das eigene Kind nie Unfug anstellte. Vermutlich würde er nicht ganz die Augen davor verschließen können, dass auch Tharja regelrecht nach spannenden Geschichten gebettelt hatte. Vielleicht würde er Dwalin doch keinen Kopf kürzer machen, aber das Kaffeekränzchen sollte seiner Meinung nach schon stattfinden.

Aufgrund Amilias Worte waren ihm aber nun weitere Gedanken in den Sinn gekommen, dass Tharja durchaus als halber Mensch einigen Abenteuern nicht abgeneigt sein könnte. Zwerge waren ihrem einmal erwählten Partner ein Leben lang treu. Dies bedeutete aber nicht, dass sie sich nicht auch vorher in einige Abenteuer stürzten. Wie dies bei Menschen aussah, vermochte Kíli nicht zu sagen. Unter Zwergen hieß es immer, dass Menschen nicht treu wären. Aber bei Amilia war er sich ihrer bedingungslosen Liebe sicher.      

„Möge Mahal mir beistehen, wenn sich die ersten Männer in ein paar Jahren nach ihr umdrehen und sie diesen den Kopf verdrehen will.“

Mit Schrecken dachte Kíli daran, wie es sein würde, wenn sich sein kleines Mädchen für Männer interessierte. Jene würden sorgfältig und argwöhnisch von ihm, Thorin und Fíli beobachtet werden. Es lag nun einmal in der Natur der Zwerge, dass diese ihre Schätze beschützten. Und Tharja war sein größter Schatz. Aber sie war nicht nur sein Schatz. Auch ihr Großonkel war regelrecht in die Kleine vernarrt. Irgendwann hatte Dís zu ihrem jüngsten Sohn gesagt, dass sie ganz froh wäre, dass ihr erstes Enkelkind ein Mädchen sei und Thorin sich dazu berufen fühlte, auf sie genauso Acht zu geben, wie ihre Eltern es taten. Als ob Amilia seine Gedanken erraten hätte, sprach sie daraufhin:

„Möge Mahal jenen Männern beistehen, die sich für sie interessieren. Möge Mahal dafür sorgen, dass sie lediglich mit blauen Flecken davon kommen, wenn sie ihrer Leibgarde begegnen.“

Kíli rollte als Antwort mit den Augen. Noch hatte seine Frau sicherlich gut lachen. Wer weiß, wie das aussehen würde, wenn ihre Tochter zu einer regelrechten Schönheit herangewachsen war. Vielleicht sollte er Dwalin doch später darum bitten, Tharja ein paar Handgriffe beizubringen, damit sie sich gegen allzu aufdringliche Verehrer zur Wehr setzen könnte und sie es nicht sofort bemerken würde, dass ihr Vater dahinter steckte. Irgendwann würde er sich allerdings damit abfinden müssen, dass Tharja nicht nur Augen für ihren Vater oder ihre Onkel, sondern für andere Männer haben und diese auch mit anderen Augen betrachten würde, als sie es bei ihren Familienmitgliedern tat. Doch momentan wollte er es sich noch einreden, dass sie für lange Zeit sein kleines Mädchen bleiben würde.

„Wann sind für Menschenfrauen Männer interessant? Wann waren sie das für dich, Amilia?“

„Als ich dich kennenlernte.“

Seine Fragen kamen ihm gerade selten dämlich vor. Natürlich hatte sie in Bruchtal keine anderen Menschenmänner kennengelernt. Zumindest hatte sie ihm nichts Gegenteiliges erzählt. Genauso wenig war sie mit der menschlichen Kultur in Berührung gekommen. Selbstverständlich hatte sie sicherlich einiges über ihr Volk in Bruchtal gelernt. Aber ihr Leben hatte sie bisher nur in Bruchtal oder im Erebor verbracht. Mit Überheblichkeit versuchte er, über seine dummen Fragen hinweg zu täuschen.

„Stimmt. In Bruchtal gab es zuvor auch keine richtigen Männer mit Bärten, da musstest du mir sofort verfallen. Oder besser gesagt auf mich drauf fallen, weil du bei meinem Anblick weiche Knie bekommen hast.“

Seine Worte trafen die Wahrheit nicht im Geringsten, aber ein Zwerg wurde nicht gerne von einer Frau von den Füßen gerissen, geschweige denn, darauf hingewiesen, dass er keinen vernünftigen Bart hätte. Die nächsten Worte seiner Frau zeigten ihm nur zu deutlich, dass sie die Ereignisse auf der Großen Oststraße bis heute nicht vergessen hatte.

„Das war dein Glück. Sonst hätte ich mich niemals mit einem Mann zufrieden gegeben, der nur Bartstoppeln hat.“

Diese Wortgefechte mit Amilia würde er niemals gewinnen können. Vielleicht sollte er doch einmal vorher nachdenken, bevor er sprach. Aber neckisch zurechtweisen wollte er sie dennoch. Zumindest wollte er es versuchen, dass sie nicht das letzte Wort haben würde. Oftmals scheiterte dies jedoch kläglich, da sie viel wortgewandter, als er selbst war.

Aber bevor er es geschafft hatte, seinen Mund zu öffnen, hatte Amilia sich vollständig über ihn gebeugt und seine Lippen mit ihren versiegelt, da sie dies hatte kommen sehen müssen. Für einen kurzen Moment umspielten sich ihre Lippen, bis Amilia den Kuss löste und ihn forsch anlächelte. Nach Kílis Geschmack war dieser Kuss viel zu schnell geendet, sodass er das Gesicht seiner Frau zärtlich umfasste und wieder an sich heran zog, um erneut ihre Lippen mit seinen sinnlich verschmelzen zu lassen. Er konnte es kaum erwarten, mit seiner Zunge über ihre Lippen zu streichen und ihre Mundhöhle in Besitz zu nehmen. Sie öffnete zwar bereitwillig ihre weichen Lippen, doch schnell bemerkte er, dass sie ihm heute nicht allzu leicht Einlass gewähren wollte, da sie kräftig mit ihrer eigenen Zunge dagegen hielt, sodass sie sich gegenseitig umspielten. Als sich ihre Zungenspitzen das erste Mal berührten, konnten sie beide ein heiseres Stöhnen nicht unterdrücken. Aus diesem Spiel wurde allerdings nach kurzer Zeit ein Kampf, den niemand von ihnen verlieren wollte. Obwohl es ein berauschendes Gefühl war, sich gegenseitig zu schmecken und sie sich auf diese Art und Weise immer leise Seufzer entlockten und sogar leicht keuchten, war Kíli ein Zwerg und wollte seine Besitzansprüche durchsetzen. Vor allem, nachdem sie ihn in dieser Nacht immer wieder leicht geärgert hatte, war der Wunsch beinahe übermächtig, sich aus seiner Position zu befreien und seine Frau in die Kissen zu drücken. Allerdings wollte er nicht so plump sein und die Menschenfrau aufgrund seiner Muskelkraft von sich herunter schieben, um sie weiter zu erobern. Er wollte sie regelrecht mit flammenden Küssen zum Rückzug in die Kissen drängen, was vielleicht möglich gewesen wäre, wenn er dies von Anfang an so leidenschaftlich getan hätte, dass sie sich gegen diesen Ansturm nicht hätte wehren können. Da Amilia scheinbar keine große Lust dazu hatte, klein bei zu geben und er selbst auch nicht warten wollte, bis sie den Kuss unterbrechen mussten, um zu Atem zu kommen, musste ein anderer Plan her. Geschwind begann er damit, ihren Nacken zu streicheln und Amilia reagierte sofort, sodass er das Duell, welches sie mit ihren Zungen ausfochten, gewann.    

„Ich sagte doch, dass ein paar Handgriffe ausreichen, um dich zu verführen und wehrlos zu machen“, sagte Kíli keck, während er allerdings selbst ein wenig um Atem ringen musste.

„Wehrlos vielleicht, aber ganz und gar nicht willenlos“, gab Amilia zur Antwort, die ebenfalls aufgrund der Leidenschaft ihrer Küsse ein wenig schwer atmete.

Viel zu spät bemerkte er, dass er mit seinen übereifrigen Worten den allzu schönen Kuss gelöst hatte. Als er erneut einen Versuch starten wollte, ihr einen weiteren Kuss zu stehlen, drehte Amilia seinen Kopf weg. Langsam aber sicher machte sich die Befürchtung in ihm breit, dass er die abermals aufkommende sinnliche Stimmung zerstört hatte, bevor sie überhaupt richtig hatte beginnen können. Anhand der Küsse war meistens bereits zu erahnen, wie der weitere Verlauf des Abends sein würde. Eben hatte es sehr vielversprechend begonnen, da Amilia ihm ihre eigenen Eroberungsansprüche nur allzu deutlich gezeigt hatte. Nun war das Triumphgefühl, welches sich über seinen angeblichen kleinen Sieg in ihm breit gemacht hatte, recht schnell wieder verflogen. Aber bevor er über sein tölpelhaftes Verhalten enttäuscht sein oder sich selbst darüber ärgern konnte, sah er die Ursache, warum die Menschenfrau seinen Kopf zur Seite gedreht hatte.  

„Schau mal, mein Liebster, wie weit die Kerzen heruntergebrannt sind und wie viel Zeit vergangen ist, seitdem du wieder hier bist. Scheinbar hast du das Monster wirklich überzeugend aus Tharjas Zimmer verbannt.“

„Hättest du dies deinem Gemahl etwa nicht zugetraut?“

„Ich traue dir alles zu. Men lananubukhs menu“, sagte Amilia, während sie ihre Nasenspitze gegen seine stupste.

„Habe ich es dir erlaubt, dass du in unserem Schlafgemach Khuzdul reden darfst?“

Obwohl Amilia ein Mensch war, und sie in Bruchtal Westron gelernt hatte, hatte sie als erstes von den Elben deren Sprachen vermittelt bekommen. Sie waren sich von Anfang an einig gewesen, dass sie ihre Beziehung auf Augenhöhe führen wollten. Aufgrund dieser Gleichberechtigung sprachen sie im Schlafzimmer Westron. Zumindest versuchte es Kíli, keine Worte in Khuzdul von sich zu geben. Seine Hand würde er jedoch nicht dafür ins Feuer legen, dass ihm seine Heimatsprache in Momenten der Leidenschaft nicht doch über die Lippen kam.

„Es ist nicht meine Muttersprache und du wirst es mich eh durchgehen lassen.“

Bevor er eine Antwort geben konnte, war Amilia erneut zum Angriff übergegangen, da sie sich nun einen Weg über seine Bartstoppeln küsste und dabei flüsterte:

„Ich liebe deine Bartstoppeln, wenn sie mich im Gesicht oder auf meinem Körper kitzeln.“

Während sich die Menschenfrau einen Weg über seine Bartstoppeln, seinen Unterkiefer und zum Ohr küsste, hatte er selbst die Augen genießerisch geschlossen.

„Und ich liebe deine großen Ohren, wenn sie aus den Haaren herausschauen. Sie sind einfach zum anbeißen und noch appetitlicher, als die Erdbeeren. Men eleneku menu“, sprach sie mit einer verführerischen Stimme.

Bereits Amilias Atem an seinem Ohr sorgte dafür, dass ihm Schauer durch den Körper liefen. Es blieb nicht nur bei wohligen Schauern. Auch ein Prickeln bereitete sich von seiner Kopfhaut bis zu den Zehenspitzen aus. Sie wusste, wie sie ihn wahnsinnig machen konnte und wollte es anscheinend auch unter Beweis stellen, da sie nun damit begann, mit ihrer Zunge leicht über seine Ohrmuschel zu lecken und in sein Ohrläppchen zu beißen. Amilia mochte solche Annäherungsversuche an ihren eigenen Ohren nicht besonders, aber ihn selbst erregte es nur allzu schnell, sodass er das aufkommende Verlangen nach seiner Frau bald nicht mehr unterdrücken könnte. Der Zwerg gab daraufhin ein warnendes Knurren von sich und brummte:

„Du weißt, dass du langsam aufhören und mich nicht weiter reizen solltest, wenn du deine Tunika im weiteren Verlauf der Nacht anbehalten willst. Wenn du damit weiter machst, dann garantiere ich heute Nacht für nichts mehr.“

Aber zu Kílis Freude wollte die Menschenfrau noch weitergehen, da sie ihre Liebkosungen nun mit Worten unterstrich und in ihren Augen ein blaues Feuer zu brennen schien:  

„Soll ich unter der Bettdecke einmal gewissenhaft nachschauen, ob sich dort auch Monster befinden? Oder vielleicht finde ich dort etwas, was meiner Aufmerksamkeit bedarf oder mir anderweitig gefällt? Ich könnte dich auch von dem Bettlaken befreien, da wir doch nur eine gemeinsame Decke oder gar keine brauchen.“

Obwohl diese Worte eine klare Ansage waren, wie sie sich den weiteren Verlauf der Nacht vorstellte, schwang noch ein anderer Unterton mit. Nach all den Jahren musste sie ihn immer noch mit den ungeschickten Worten aufziehen, die er an sie gerichtet hatte, als sie sich auf dem Carrock befanden. Ihm waren diese Worte einfach herausgerutscht, weil er seit Monaten keine Zwerginnen gesehen hatte. Aber der eigentliche Grund war der gewesen, dass er diese Menschenfrau einfach mehr, als jede andere Zwergin, die er zuvor gesehen hatte oder noch sehen würde, begehrte.

Langsam aber sicher begann es ihm zu dämmern, dass seine beiden Frauen ihm heute womöglich einen Strich durch die Rechnung gemacht hatten. Zunächst hatte seine Tochter ihn davon abgehalten, Amilia zu verwöhnen. Und nun schien sie den aktiveren Part übernehmen und ihn in den Wahnsinn treiben zu wollen, sodass nicht sie ihn später um Erlösung anflehen, sondern dass er es vermutlich tun würde. Aber er gab sich in diesem Moment gerne geschlagen. Ihm blieb auch nichts anderes übrig, da die Menschenfrau nicht einmal auf seine Antwort wartete.

Zuvor hatte sie noch beruhigend über seine Brust gestreichelt. Nun tat sie dies fordernder. Kíli spürte sofort, wie sich seine Brusthaare unter ihren Berührungen aufstellten. Beinahe schon bewundernd und andächtig fuhr sie mit ihren Fingern über die Konturen seiner festen Muskeln, die sich daraufhin anspannten. Nach 7 Jahren gefiel es ihr immer noch, was sie zu sehen bekam, daran bestand kein Zweifel. Alleine der Blick, mit dem sie ihn regelrecht zu verschlingen schien, sorgte schon dafür, dass sein Atem und sein Herzschlag sich beschleunigten und sein Blut durch die Adern pulsierte. Nachdem sie zuvor mit ihren Händen über seinen Oberkörper gewandert war, ersetzte sie diese nun mit ihrem Mund und ihrer Zunge. Ihre Hände brauchte sie auch, da sie sich an dem Laken zu schaffen machte, welches er immer noch nicht ausgezogen hatte. Stück für Stück bedeckte sie währenddessen seinen Hals, sein Schlüsselbein, seine Brust und seinen Bauch mit heißen und verlangenden Küssen, um ihn voller Hingabe zu schmecken. Er gab sich einfach den köstlichen Gefühlen hin, die Amilia nun in ihm auslöste und ihn immer wieder erzittern und aufseufzen ließen. Spätestens, als sie erst mit ihrer Zunge seinen Bauchnabel umspielte und dann mit dieser eintauchte, konnte er ein Stöhnen nicht mehr zurückhalten. Aber er wusste, dass Amilia ihn gerne hörte, wenn ihm etwas gefiel. Ihm selbst erging es nicht anders.

Voller Hoffnung und Vorfreude, dass sie sich bald an die noch empfindlichere Haut unter dem Bauchnabel und in andere Gefilde wagen würde, die langsam aber sicher ein Eigenleben entwickelt hatten, krallte er die Finger in das Bettlaken, während sein Atem immer schwerer wurde. Zu seinem Schrecken fuhr Amilia aber nicht weiter fort, was dafür sorgte, dass sein Atem ungewollt ins Stocken kam.

„Wieso hörst du einfach auf?“, fragte er sie regelrecht überrascht und auch ein wenig schockiert, nachdem sie erst in die Initiative gegangen war. Bei einer übereifrigen, aber unerfahrenen Frau hätte er dies nicht allzu verwunderlich gefunden, aber bei Amilia war dies nun seltsam. Vermutlich kannte sie seinen Körper viel besser, als er selbst. Zuvor war sie recht aufreizend mit ihren Händen durch sein dichtes Brusthaar gefahren. Jetzt tat sie dies beinahe ein wenig unkontrolliert. Es wirkte auch eher so, als ob sie nervös daran spielen würde, weil sie nicht wusste, was sie sagen sollte.

„Darf ich einen Wunsch an dich richten, bevor ich auf Monsterjagd gehe?“

Bei Durin! In diesem Moment war er sich sicher, dass sie ihn wirklich foltern und in den Wahnsinn treiben wollte. Anhand seiner eigenen Reaktionen musste sie doch spüren, was er sich in diesen Augenblicken wünschte und regelrecht begehrte. Und dann wollte sie einen Wunsch an ihn richten? In dieser Situation hätte er ihr beinahe alles versprochen, selbst den Arkenstein auf einem Mithriltablett, damit sie endlich mit ihren Berührungen weiter machte. Doch dann sah er, dass da noch etwas anderes in ihrem Blick war. Zuvor war alles so spielerisch und leicht gewesen. Nun schaute sie ihn recht ernst an, sodass er nicht wirklich wusste, was er davon halten sollte.

„Wenn es in meiner Macht steht, ihn dir zu erfüllen“, sagte Kíli heiser und versuchte, seine aufkommende Ungeduld und Erregung in der Stimme zu unterdrücken, damit er ihr nicht allzu deutlich zeigte, wie sehr sie ihn in der Hand hatte. Ebenso wollte er ihr aber auch zeigen, dass er ihre Wünsche ernst nahm.

„Du kümmerst dich so vorbildlich und fürsorglich um Tharja. Ich wünsche mir ein zweites Kind, Kíli. Versuch doch mal heute Nacht darüber nachzudenken.“

Bevor er ihr eine Antwort gab, hatte er sie schnell auf den Rücke gedreht und sich über sie gebeugt. Sie stieß zwar einen Laut der Überraschung aus, Widerwillen sah er jedoch nicht in ihren Augen und sie öffnete ihre Schenkel ein wenig weiter, damit er eine bequemere Lage zwischen ihnen einnehmen konnte. Einzig und allein die Tunika störte sie beide noch, da Amilia längst den leichten Knoten, mit dem er ein wenig unbeholfen sein Laken zusammengebunden hatte, gelöst hatte und er es während seiner letzten Aktion verloren hatte. Aber dieses Problem mit der Tunika würde er gleich beseitigen, damit er endlich ihre warme Haut auf seiner spüren konnte. Er war sich immer noch nicht schlüssig, ob er die Tunika langsam und genießerisch aufschnüren oder sie Amilia von dem für ihn perfekten Körper reißen sollte. Es wäre nicht das erste Kleidungsstück, welches durch die zwergische Leidenschaft in Mitleidenschaft gezogen würde. Allerdings hatte sie ihn auf die Folter spannen wollen, sodass er Gleiches mit Gleichem vergelten wollte. Kíli wusste, dass seine Frau nun jenen Schalk in seinen braunen Augen sehen konnte, den sie so sehr liebte. Er selbst verlor sich beinahe in ihren wundervollen Augen, als er seine Stirn an ihre legte und ihr tief in die Augen schaute. Während er ihren heißen Atem auf seiner bereits erhitzten Haut spürte, glaubte er, bald den Verstand zu verlieren und sein Entschluss, Amilia ein wenig zappeln zu lassen, geriet schon wieder ins Wanken. Aber nicht nur ihm schien es so zu ergehen. Langsam aber sicher sah er auch die Ungeduld in ihren blauen Augen hervor blitzen, die nicht nur daraus resultierte, dass sie eine verbale Reaktion von ihm erwartete. Sie verzehrte sich gleichermaßen nach ihm. Er hatte sich nun entschieden. Auf ihren Wunsch würde er ihr schnell eine verbale Antwort geben. Aber ihrer anderen Ungeduld würde er nur langsam Abhilfe schaffen. Zumindest würde er es versuchen.  

„Stets zu Euren Diensten, meine Prinzessin“, sprach er zu ihr, bevor er die Lippen von jener Frau, die er aufrichtig und aus tiefstem Herzen liebte, mit seinen versiegelte.



~~~ ENDE~~~

***

So meine Lieben,

hoffentlich hat es Euch gefallen. Schreibt mir doch bitte in einem kleinen „Weihnachtsreview“, was Euch gefallen und nicht gefallen hat, sofern Ihr nicht total im Weihnachtsstress seid. Es würde mich sehr freuen :-)

Die Kurzgeschichte ist damit abgeschlossen. Ich lasse sie aber noch kurzzeitig in diesem Jahr auf „in Arbeit“, da ich glaube, dass ich sie sonst nicht mehr bearbeiten kann?! Und bei Verbesserungsvorschlägen möchte ich schließlich noch „handlungsfähig“ sein.

Ein wenig unsicher bin ich bezüglich des Ratings. Ich habe es auf P-16 stehen lassen, da es nur Küsse bis zum Bauchnabel sind und der Rest der Fantasie der Leser überlassen wird ;-)  

Beim Schreiben dieser Kurzgeschichte hatte ich sehr, sehr viel Spaß. Ich werde mich aber nun wieder meiner Haupt-FF widmen, da dort noch viel zu tun ist. Aber es hat auch gut getan, mal ein wenig Abstand zu bekommen. Also wenn jemand eine Idee für eine kleine Kurzgeschichte oder einen One-Shot hat, darf er sich gerne bei mir melden. Vielleicht versuche ich dann, ihn umzusetzen, wenn es möglich ist.

Ich wünsche Euch und Euren Familien ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und viele Geschenke. Habt eine schöne Zeit :-)

LG

Eure Ela <3

PS: Wer gerne in meiner anderen FF ein paar Szenen nachlesen möchte:

Kapitel 22 nach den Sternen: brüderliche Verbindung zwischen Fíli und Kíli und ein kleiner Einblick in das Leben als Zwerglinge (das mit dem Spielzeug teilen habe ich ein wenig im 3. Kapitel dieser FF „eingebaut“)

Kapitel 14: Kílis verbaler Ausrutscher auf dem Carrock *.* kleiner Hitzkopf

Und wer hätte es gedacht: Zitate aus dem Herrn der Ringe (die Gefährten und die zwei Türme) waren auch dabei ;-) Obwohl nicht Ostern ist, könnt Ihr diese gerne suchen ;-)
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