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(4) Kleine Monster

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Kili OC (Own Character)
30.11.2015
23.12.2015
4
21.718
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09.12.2015 4.129
 
Hallo, meine Lieben,

erstmal vielen, vielen Dank für Eure Aufrufe im 3-stelligen Bereich. Das hatte ich bei diesem kleinen Gehirngespinst überhaupt nicht erwartet.

Ein großes Dankeschön für die Favo-Einträge und an Luise und Jenny für ihre lieben Kommentare <3

Und vielen lieben Dank für den Stern <3 Ich weiß nicht, von wem er ist. Daher an dieser Stelle vielen Dank :-)

Viel Spaß beim Lesen.

Eure Ela <3



***



Kleine Monster Teil 2



Bis auf das wenige Licht, für das die Kerze sorgte, lag die Küche im Dunkeln. Die kleine Lichtquelle spendete jedoch so viel Licht, dass Kíli erkennen konnte, wie verschreckt seine kleine Tochter war.

„Bei mir unterm Bett ist ein böser Ork und will mich fressen!“

Große blaue Kulleraugen schauten Kíli an und Tharjas dunkle Locken standen ihr alle zu Berge. Zunächst fiel dem Prinzen ein Stein vom Herzen. Er hatte sich schon Sorgen gemacht, dass seine Tochter krank werden würde oder Schmerzen hätte. Aber auch ein Ork im Kinderzimmer, den sie sich einbildete, konnte für ernsthafte Probleme sorgen, wie ihre vom Weinen geröteten Augen nur allzu deutlich zeigten.

Recht unbeholfen versuchte er, das Laken ein wenig fester um seinen Körper zu binden. Schnell ging er danach in die Hocke und schloss Tharja in seine starken Arme. Während er seiner Tochter über den Rücken streichelte, verbarg diese ihr nasses Gesicht an seiner Brust. Die Kleine war immer noch am Zittern und am Weinen. Normalerweise trug sie immer ihre Stoffpuppe mit sich, wenn sie aufstand. Sie hatte die Puppe von Dís geschenkt bekommen und nahm sie in ihrem Zuhause fast überall mit hin. Wenn sie Thorin oder ihre Oma besuchte, war die Puppe stets ihre treue Begleiterin. Tharja hatte die Puppe Tilda genannt, da König Bard öfter Unterredungen mit dem König unter dem Berge führte und seine Kinder dann mit in den Berg brachte. Der Erebor und Thal waren gemeinsam wieder aufgebaut worden und erstrahlten in neuem Glanze. Dass sie ihre Puppe nun nicht einmal fest an ihren Körper presste, sondern sie in ihren Zimmer liegen gelassen hatte, zeigte, wie verwirrt und ängstlich sie sein musste.

„Ist schon gut, meine kleine Prinzessin. Du hast einfach schlecht geträumt. Hier bei deinen Eltern bist du doch in Sicherheit“, redete er beruhigend auf sie ein.

Während er weiter durch ihre langen, dunkel gelockten Haare und über ihren Rücken streichelte, bemerkte er, dass ihr Schlafanzughemdchen regelrecht durchgeschwitzt war und an ihrem Körper klebte. Nicht einmal ihre Schuhe hatte sie angezogen.

„Wir sollten dir schleunigst etwas Neues anziehen und deine Schuhe holen, Tharja. Nicht, dass du dich erkältest.“

Mit noch größeren und angsterfüllten Augen schaute seine Tochter an ihm hoch und wimmerte:

„Nein Papa, ich will nicht wieder zurück. Der Ork wird mich fressen.“

Vorsichtig hob Kíli das Mädchen auf die Küchenarbeitsfläche. Zumindest würde sie dann nicht mehr mit bloßen Füßen auf dem kalten Boden stehen. Als er sie hochhob, bemerkte er, wie sie sich verspannte. Vermutlich hatte sie Angst, dass ihr Vater sie wieder zurück in ihr Zimmer tragen würde. Gegen ihren Willen würde er dies natürlich niemals tun. Jedenfalls nicht so lange, wie sie Angst hatte.

„Möchtest du Erdbeeren essen, Tharja?“

Doch seine Tochter schüttelte nur mit Tränen in den Augen ihren Kopf. Dies war wirklich verwunderlich und beunruhigend, da sie sonst immer am Essen war.

Erneut umarmte der Zwergenprinz sie und sprach leise zu ihr:

„Möchtest du mir denn erzählen, was passiert ist, damit ich dir helfen kann?“

Während Tharja sich fest an ihn schmiegte, konnte Kíli ihr lautes Herzklopfen spüren, da sie so aufgeregt war. Und obwohl er versuchte, sie zu beruhigen, hatte er selbst Mühe, nicht die Nerven zu verlieren. Dies lag aber nicht an seiner Tochter. Zuvor hatte sein Blut regelrecht zu kochen angefangen, da er es kaum hatte erwarten können, zu Amilia ins Schlafgemach zurückzukehren. Nun pulsierte das Blut immer noch durch seine Adern, aber nicht vor Erregung, sondern vor Wut. Tharja hatte niemals in ihrem kurzen Leben einen Ork gesehen und Kíli betete zu Mahal, dass dies auch niemals in ihrem weiteren Leben passieren würde. Daran, dass sie sich nun solch schreckliche Sachen einbildete, konnte nur Dwalin mit seinen haarsträubenden Geschichten Schuld sein.

Plötzlich sah er nicht mehr Tharja vor sich, die er wimmernd in seinen Armen hielt, sondern sich selbst als kleinen Zwergling.

***

Unter Zwergen herrschten durchaus eher rauere Sitten. Als er klein gewesen war, hatte er von den Geschichten, in denen es um Kämpfe und furchterregende Monster ging, nicht genug bekommen können. Fíli und er hatten stets alles gemeinsam unternommen. Sein großer Bruder war ihm 5 Jahre voraus gewesen. Wenn Dwalin ihm Geschichten für „große Zwerglinge“ erzählt hatte, hatte er immer dabei sein wollen. Einerseits hatte dies daran gelegen, dass er förmlich wie eine Klette an seinem Bruder gehangen hatte. Andererseits hatte er sich dadurch aber auch viel reifer gefühlt, da er schon Erzählungen hören konnte, die eigentlich nicht für sein Alter bestimmt gewesen wären. Während er sich tagsüber daran erfreut hatte, wie diese Ungeheuer auf jede erdenkliche Art und Weise niedergemetzelt wurden, hatten die Monster eines Tages oder besser gesagt eines Nachts zurückgeschlagen, um sich zu rächen. Später hatte er es auch begriffen, dass es nur Träume und kindliche Fantasien gewesen waren. Aber als ihn in jener Nacht diese Alpträume gepeinigt hatten, war es ihm unglaublich real vorgekommen. Schweißgebadet und mit Herzrasen hatte er sich in seinem Bett wiedergefunden und war sich sicher gewesen, dass sich unter seiner Schlafstätte alle Arten von Monstern befinden würden. Allerdings hatte er nicht nur an den Monstern aus Dwalins Geschichten zu knabbern gehabt. Als er dermaßen schlecht geträumt hatte, hatten Dís und Thorin kurz zuvor die Idee gehabt, dass jeder der Zwergenprinzen ein eigenes Zimmer beziehen sollte und diesen Entschluss auch in die Tat umgesetzt.

Vermutlich hätte Kíli sonst seinen großen Bruder geweckt, der ihm daraufhin gesagt hätte, dass er sich keine Sorgen zu machen bräuchte. Und er hätte sich mit in das Bett des Blondhaarigen gekuschelt, um die vertraute Nähe zu genießen. Aber Fíli hatte zu jenem Zeitpunkt höchst wahrscheinlich tief und fest in seinem eigenen Zimmer geschlummert, in dem es keine Monster gab. Und Kíli war viel zu aufgewühlt gewesen, um einen klaren Gedanken fassen zu können. Vielleicht hatte er auch im Unterbewusstsein daran gedacht, dass bei Monstern sein großer und starker Onkel Thorin helfen müsste und er Fíli schützen wollte.

Vor Angst schlotternd hatte sich der Braunhaarige zunächst die Decke bis zum Kinn gezogen und vorsichtig und beinahe in Zeitlupe über den Bettrand geschaut. Doch außer der unheimlichen Dunkelheit hatte er nichts anderes erkennen können.

Irgendwann war er mit bloßen Füßen zu seinem Onkel in dessen Schlafgemach gestürmt, der mit seiner Schwester und seinen Neffen gemeinsam in einem Haus wohnte. Nach dem Tod ihres Vaters war Thorin sofort zu ihnen gezogen, da die junge Familie seiner Meinung nach dringenden Schutz benötigen würde. Schließlich waren sie die direkten Nachkommen Durins und die Thronerben. Aber auch, wenn es nicht die königliche Familie gewesen wäre, hätte Thorin ihnen sicherlich beigestanden. Zwergen war die Familie heilig und sie taten alles, was in ihrer Macht und Kraft stand, um diese zu beschützen.

Voller Schwung hatte er die massive Tür zu Thorins Schlafgemach geöffnet. Erst hatte Kíli noch Thorins Schnarchen gehört, welches aber abrupt aufgehört hatte, als der Erwachsene senkrecht im Bett saß und ihn verwirrt anschaute.

„Was in Durins Namen ist nur los mit dir, Kíli?“, hatte der Schwarzhaarige aufgebracht, aber auch mit Sorge in der Stimme, gefragt.

Der Zwergling hatte versucht, ein paar Worte herauszubringen. Jedoch war alles in stammelnden Worten untergegangen, da er viel zu aufgeregt und nervös gewesen war.

„Wenn du mir nicht sagen kannst, was mit dir los ist, dann kannst du auch wieder in dein Zimmer gehen und mich in Ruhe schlafen lassen!“, hatte Thorin gebrummt. Seine Stimme war nicht mehr sorgenverhangen gewesen, sodass er sich nun sicher gewesen sein musste, dass nichts Schlimmes passiert war. Im schwachen Licht der Öllampen hatte der Zwergling Müdigkeit, aber auch Ungeduld in den Augen seines Onkels gesehen.

„In meinem Zimmer sind Orks und andere gemeine Monster, die mich mit Haut und Haaren fressen wollen“, waren die Worte aus Kílis Mund gesprudelt.

„Bei Durin! In deinem Zimmer sind ganz gewiss keine Monster. Geh wieder zurück und überzeuge dich selbst davon!“

Kílis laut klopfender Herzschlag hatte beinahe auszusetzen gedroht, als Thorin ihm befohlen hatte, wieder in sein Zimmer zu gehen. Um diesem Befehl zu entgehen, hatte er seinem Onkel die folgende Frage gestellt:

„Darf ich heute Nacht bei dir schlafen, Onkel Thorin? Bei dir habe ich keine Angst.

Während er diese Frage gestellt hatte, hatte er seinen Onkel mit großen Augen angesehen. Kurze Zeit hatten Kíli erneut die Panik und Sorge beschlichen, dass sein Onkel ihm diesen Wunsch abschlagen würde und er wieder in sein dunkles Zimmer gehen und dort allein bleiben müsste, da Thorin mit einer Antwort auf sich warten ließ und regelrecht zu überlegen schien, was er seinem Neffen sagen sollte. Kíli hatte es nicht verstehen können, wieso sein Onkel so viel Zeit für eine Antwort benötigte.

Voller Erleichterung hatte er dann die folgenden Worte vernommen:

„Also gut, heute Nacht darfst du hier schlafen.“

Lächelnd hatte er bereits auf Thorins großes und weiches Bett springen wollen, wurde von seinem Onkel aber am Arm festgehalten.

„Nicht so schnell, Kíli! Vorher haben wir noch eine Aufgabe zu erledigen.“

Völlig verwirrt hatte er Thorin nach dessen Worten angeschaut.

„Wir werden zunächst diese Monster aus deinem Zimmer vertreiben.“

Angsterfüllt hatte Kíli sich an dem Ärmel von Thorins Nachtgewand festgeklammert und geschluchzt:

„Ich will nicht wieder zurück. Ich will nicht wieder in dem Zimmer alleine sein. Ich möchte bei dir bleiben!“

„Kíli mach dich nicht lächerlich und führ dich nicht so auf! Ein richtiger Zwerg hat vor nichts Angst! Erst recht nicht in seinem sicheren Zuhause!“

Thorins Worte waren für Kíli wie eine schallende Ohrfeige gewesen. Es war dem Braunhaarigen wie eine Ewigkeit vorgekommen, in der er voller Angst seine Decke bis zum Kinn gezogen hatte. In seiner kindlichen Vorstellungen hatte er zunächst ganz fest daran geglaubt, dass das warme und vertraute Bett ihm Sicherheit bieten würde. Aber vielleicht würden auch die Ungeheuer mit der Zeit mutiger werden und ihre Hände nach ihm ausstrecken? Diese Gedanken hatten für eine erneute Panikattacke gesorgt. Irgendwann hatte er seinen ganzen Mut zusammen genommen, sich einen Ruck gegeben und war mit schlotternden Knien und nicht weniger wackeligen Füßen über die kalten Fliesen gerannt. Trotzdem hatte er immer eine regelrecht lähmende Furcht verspürt, dass die Monster ihre schleimigen, warzigen, krummen und knochigen Hände nach ihm ausstrecken und ihm am Knöchel packen würden, um ihn kurzerhand unter das Bett zu ziehen und dort zu verspeisen. Bis er die wenigen Schritte zu seiner Zimmertüre geschafft hatte, war er erneut völlig durchgeschwitzt gewesen und die rettende Türe hatte beinahe unerreichbar gewirkt. Als er diese endlich erreicht hatte, hatte er die Zimmertür schnell fest zugeschlagen und ganz fest daran geglaubt, dass die Orks diese Barriere nicht überwinden könnten. Normalerweise hatte Kíli sich immer seinem Bruder anvertraut und mit ihm alle Geheimnisse geteilt. Aber in solchen gefährlichen Situationen hätte nur der mutigste Zwerg helfen können, den er kannte. Und das war sein Onkel gewesen. Nie hätte Kíli daran gedacht, dass Thorin geschlagen werden könnte. Aber nachdem er nun seinen Onkel erreicht hatte, von dem er sich Trost und Hilfe erhofft hatte, wurde er verbal grob zu recht gewiesen und von ihm angebrummt, dass er sich nicht wie ein richtiger Zwerg verhalten würde.  Er hatte sich daraufhin einfach nur noch missverstanden, alleine und elend gefühlt, was dazu geführt hatte, dass die Tränen, die er zuvor mühevoll versucht hatte zurückzuhalten, regelrecht wie Sturzbäche über seine erhitzten Wangen liefen.

Doch scheinbar hatte Thorin daraufhin auch ein Einsehen besessen und den Zwergling in seine Arme geschlossen.

Kíli hatte laut schluchzend seinen Kopf an Thorins starker Brust vergraben, während sein Herz unerbittlich gegen seinen Brustkorb geschlagen hatte.

Aufgrund der vertrauten Wärme seines Onkels hatte er sich nach einiger Zeit wieder beruhigt. Thorins Herzschlag hatte ebenso eine tröstende Wirkung auf den Zwergling ausgeübt, sodass die Tränen ebenfalls versiegt waren. Nie wäre es ihm in den Sinn gekommen, dass sich sein Onkel in Situationen, in denen seine Neffen weinten, unbeholfen fühlte. Thorin hatte für ihn immer Souveränität und Stärke ausgestrahlt.

Während Thorin immer noch zärtlich durch die braunen Haare seines Neffen gestreichelt hatte, sprach er die folgenden Worte:

„Du wolltest doch immer ein großer und starker Krieger an der Seite deines Onkels werden, Kíli. Das hast du mir zumindest erzählt. Dann darfst du auch keinen Monstern aus dem Weg gehen. Wir wachsen mit unseren Aufgaben und Taten, Kíli.“

„Ich möchte so groß, stark und mutig wie du werden, Onkel, hatte Kíli daraufhin gesagt und seinem Onkel in die Augen geschaut. Aufgrund der versiegten Tränen hatte er Thorin wieder ohne einen Schleier sehen können.

„Dann werden wir dafür heute den ersten Schritt tun und diese Ungeheuer aus deinem Zimmer verjagen, sodass sie nie wieder zurückkommen.“

Obwohl der Zwergling ganz und gar nicht wieder in sein Zimmer zurück gewollt hatte, hatte er dennoch tapfer seinem Onkel zugenickt, da er ihn nicht hatte enttäuschen wollen. Er war sich aber auch sicher gewesen, dass Thorin wusste, was er tun würde und ihm Sicherheit bieten würde.

Thorin war nun aufgestanden, aber Kíli hatte schnell nach dessen Hand gegriffen.

„Solltest du dich nicht besser bewaffnen, Onkel?“

„Na schön, Kíli. Mach aber kurz deine Augen zu.“

Voller Vertrauen in seinen Onkel hatte der Zwergling die Augen geschlossen. Als er diese nach nur einem Augenblick wieder hatte öffnen dürfen, hatte er voller Staunen und Verwunderung bemerkt, dass Thorin nun wie aus dem Nichts ein Schwert hervorgezaubert hatte. Später hatte er dann erfahren, dass Thorin in dem von ihm als so sicher bezeichneten Zuhause immer mit einem Schwert unter dem Bett geschlafen hatte, um vorbereitet zu sein. Allerdins hatte er nicht gewollt, dass der Zwergling dies sah.

„Komm, Kíli. Wir gehen jetzt.“

Sofort hatte Kíli erneut nach der Hand seines Onkels gegriffen. Sie war warm und rau gewesen, hatte sich aber dennoch unglaublich gut angefühlt. Je näher sie seiner Kinderzimmertüre gekommen waren, umso fester hatte er die Hand seines Onkels umklammert. Als sie seine Zimmertür erreicht hatten, hatte der Zwergling die Luft anhalten müssen.

„Falls die Monster noch nicht geflohen sein sollten, werden wir ihnen eine ordentliche Abreibung verpassen, sagte Thorin.

Kíli hatte schnell bemerkt, dass seine Hände wieder schweißnass wurden. Sicherlich hatte auch Thorin dies gespürt.

„Ich verspreche dir, dass dir nichts geschehen wird. Aber wir beide müssen nun zusammen arbeiten, in Ordnung?“, hatte Thorin im verschwörerischen Ton zu ihm gesagt, als er sich zu ihm herunterbeugte und aufmunternd auf die Schulter klopfte.

Der Zwergling hatte ein leichtes Kopfnicken angedeutet.

„Versprich mir, dass du nicht zittern wirst, da du die Kerze halten und das Zimmer ausleuchten wirst.“

„Ich verspreche es dir, Thorin.“

Thorin hatte daraufhin das Schwert an die Wand gelehnt und Kílis Hand losgelassen, um die Kerze, die er von seinem Nachttisch mitgebracht hatte, an einer der Öllampen zu entzünden, die sich im Gang befanden.

Nachdem Thorin seinem Neffen die Kerze gegeben hatte, hielt er diese fest in seiner rechten Hand.

Sein Onkel hatte daraufhin wieder seine linke Hand umfasst, um gemeinsam mit ihm das Kinderzimmer zu betreten. In der linken Hand hatte Thorin wieder sein Schwert gehalten.

„Komm Kíli, schau mit der Kerze unter deinem Bett nach.“

Dem Braunhaarigen war daraufhin ein Schauer über den Rücken gelaufen und sein Herz hatte wie wild geklopft. Es hatte beinahe gedroht, sich zu überschlagen.

„Vertrau mir, Kíli. Falls da wirklich ein Monster sein und hervorkommen sollte, dann werde ich ihm den Kopf abschlagen, bevor es dich erreicht.“

Obwohl sich Kílis Magen wie ein schwerer Klumpen angefühlt hatte, hatte er aufgrund des Vertrauens in seinen Onkel unter das Bett geschaut. Im Kerzenschein hatte er nichts erkennen können.

„Da unten ist nichts“, hatte er voller Erleichterung gesagt.

„Siehst du. Es ist alles in Ordnung.“

„Vielleicht haben sich die Monster im Schrank versteckt, weil sie vor dir Angst haben.“

„Pass auf. Du öffnest die Schranktür von der Seite aus und ich stelle mich davor, falls ein Monster heraus kommen sollte.“

Plötzlich hatte sich der Zwergling sehr wichtig gefühlt, da er seinem Onkel bei der Monsterjagd helfen konnte. Die Angst war daher recht schnell verflogen. Nachdem sich auch der Schrank als keine Brutstätte für Monster erwiesen hatte, hatte Kíli noch selbstständig mit der Kerze in jede Ecke seines Zimmers geleuchtet, in der sich möglicherweise noch Orks hätten versteckt halten können.

„Siehst du Kíli. In deinem Zimmer sind keine Monster. Weder in den Ecken, noch im Schrank, noch unter dem Bett.“

„Und wenn die Monster morgen wieder kommen?“

„ Die Monster werden nicht wieder kommen. Sie sind feige und es wird sich schnell unter ihnen herumsprechen, dass wir beide sie das Fürchten lehren werden. In dieses Haus werden sich keine Monster mehr herein trauen, weil sie wissen, dass sie hier nicht lebend heraus kommen. Und nun schlaf, mein Kleiner. Dir drohen keine Gefahren.

„Ich möchte aber bei dir schlafen, Onkel. Du hast es versprochen und du hast immer gesagt, dass Durins Volk seine Versprechen hält. Bitte, Thorin. Ich möchte nicht alleine schlafen.“

Die Kiefer des Schwarzhaarigen schienen ein wenig aufeinander zu mahlen, doch dann war Thorins Blick gütiger und verständnisvoller geworden.

„Also gut. Aber morgen Abend schläfst du wieder in deinem eigenen Bett, einverstanden?“

Zum dritten Mal in dieser Nacht hatte Kíli seinem Onkel zugenickt. Genauso hatte er erneut nach Thorins Hand gegriffen, als sie sich auf dem Weg zu seinem Schlafgemach machten. Die Schatten im Flur hatten immer noch ein wenig unheimlich auf den Braunhaarigen gewirkt, sodass er unbedingt noch Thorins Hand hatte halten wollen, die ihm so viel Wärme und Geborgenheit spendete.

Zu seiner großen Freude hatte Thorin ihn in seinem großen Bett noch in den Arm genommen, nachdem er sein Schwert sicher weggeschlossen hatte. Womöglich hätte sich Kíli sonst in dessen Bett noch verloren gefühlt. Kaum hatte er eine bequeme Schlafposition gefunden, war ihm die folgende Frage über die Lippen gekommen:

„Darf ich morgen bei Fíli im Zimmer schlafen?“

„Wenn dein Bruder damit einverstanden ist, hatte Thorin eingelenkt, da er vermutlich auch wieder schleunigst den Schlaf der Gerechten schlafen wollte.

Zufrieden hatte sich Kíli daraufhin an seinen Onkel gekuschelt, da er es bereits gewusst hatte, dass Fíli am nächsten Tag nichts dagegen einzuwenden haben würde, dass er bei ihm im Bett schlief. Sie könnten sich erst noch im Dunkeln Geheimnisse erzählen und Schandtaten planen. Während sie bei ihren Plänen lachen würden, wäre auch die Dunkelheit nicht mehr so furchterregend. Seltsamerweise war die Dunkelheit in Fílis Nähe nicht Grauen erregend, sondern ein Verbündeter. Schnell hatte der Zwergling seine Augen geschlossen und Thorins leisem Atem gelauscht. Aber bevor er eingedöst war, war ihm doch noch etwas Wichtiges eingefallen.

„Onkel Thorin?“

Was ist denn nun schon wieder? Jetzt sag bitte nicht, dass hier auch Monster im Zimmer sind, sagte Thorin, dessen Stimme nun wieder leicht aufgebracht wirkte.

„Du bist der Größte. Danke.“

Nachdem diese Worte gefallen waren, hatte er sich ein wenig gestreckt und seinem Onkel einen Kuss auf den Bart gegeben. Der Bart hatte ihn im Gesicht gekitzelt, aber es war nicht unangenehm, da er dies auch von seiner Mutter kannte.

„Vielleicht solltest du deiner Mutter auch mal wieder abends einen Gutenachtkuss auf ihren Bart geben. Sie würde sich bestimmt sehr darüber freuen.“

„Ist gut, Onkel. Versprochen.

„Du bist ein guter Junge, Kíli.“

In jener Nacht hatten den braunhaarigen Zwergenprinzen keine Monster mehr besucht. Auch in der darauf folgenden Nacht, die er im Zimmer seines Bruders verbracht hatte, war dies nicht passiert. Als er sich in der dritten Nacht heimlich bei Fíli ins Zimmer geschlichen hatte, hatten auch Dís und Thorin ein Einsehen gehabt, dass die beiden Brüder weiterhin zusammen in einem Raum schlafen sollten. Dies war für lange Zeit noch so geblieben.

***

Nun sah sich Kíli mit der gleichen Situation konfrontiert. Aber dieses Mal war es seine Tochter, die in ihren Träumen von Orks und anderen Monstern besucht wurde. Er hatte es sich fest vorgenommen, nicht den gleichen Fehler, wie sein Onkel, zu begehen. Obwohl Thorin letztendlich doch ein Einsehen gehabt hatte und mit ihm gemeinsam im Kinderzimmer nachgesehen hatte, würde Kíli dennoch nicht vergessen, wie verloren und ohnmächtig er sich gefühlt hatte, als sein Onkel ihn wieder alleine in das Zimmer schicken wollte. Tharja selbst sollte sich nicht mit ihren Ängsten auf die gleiche Art und Weise allein gelassen fühlen. Schwach hoffte er darauf, dass es lediglich ein Alptraum gewesen war, der aus Dwalins Geschichten resultierte. Bei ihm selbst war damals noch hinzu gekommen, dass er sich in seinem Zimmer einfach schrecklich einsam gefühlt hatte, als er und Fíli jeweils ein eigenes Zimmer bezogen hatten. Hoffentlich hatte seine Tochter nicht auch anderweitige Probleme, über die sie bisher mit ihren Eltern nicht hatte sprechen wollen und die sich nun einen Weg an die Oberfläche gebahnt hatten.

Ungeachtet der Tatsache, dass noch kaum Worte gefallen waren, hatte auch Tharja sich in der Umarmung ihres Vaters wieder beruhigt. Ihr Herzschlag hatte sich verlangsamt und ihre Tränen waren weitestgehend versiegt. Sie stellte sogar bereits wieder eine Frage, die nichts mit den Monstern in ihrem Zimmer zu tun hatte.

„Warum warst du im Dunkeln in der Küche? Hast du heimlich Erdbeeren genascht?“

Welche Antwort sollte er seiner Tochter darauf geben? Dass er ihre Mutter mit Erdbeeren bestechen wollte, damit Tharja vielleicht ein Brüderchen bekommen würde?

„Genau, meine Kleine. Du hast mich erwischt. Lass uns ein paar Erdbeeren essen.“

„Aber ihr sagt doch immer, dass ich abends nichts mehr naschen darf.“

„Das bleibt dann unser kleines Geheimnis, Tharja. In Ordnung? Wir stärken uns ein wenig und dann gucken wir gemeinsam in deinem Zimmer nach dem Rechten?“

Zunächst blickte Tharja ihn noch ein wenig verschüchtert an, da sie scheinbar immer noch nicht ihr Zimmer betreten wollte. Doch dann nickte sie eifrig.

„Geheimnisse sind toll, Khagam“, sprach sie mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.

Kaum hatten sie die ersten Erdbeeren verspeist, hörten sie eine Stimme.

„Kíli?“, rief Amilia plötzlich aus dem Schlafzimmer, die sich sicherlich fragen musste, ob ihr Gemahl in der Küche eingeschlafen sei.

Blitzschnell war Tharja auf den Boden gesprungen.

„Der böse Ork hat sich an uns vorbeigeschlichen und ist nun bei Mama im Schlafzimmer!“, rief das kleine Mädchen aufgebracht.

„Warte Tharja, geh da jetzt bitte nicht rein“, gab Kíli beinahe flehend zur Antwort.

„Aber wir müssen doch Mama retten“, sagte Tharja ganz entrüstet.

Eigentlich hatte Kíli seine Tochter festhalten wollen. Aber sie war einfach zu schnell und entwischte seinen Händen. Aufgrund des Lakens, welches er eng um seinen Körper geschlungen hatte, kam er kaum hinter ihr her. Eben noch hatte sie Angst vor dem vermeintlichen Ork in ihrem Zimmer gehabt. Nun wollte sie ihre Mutter vor dem gleichen Ork retten. Der Zwergenprinz wusste es nicht, ob sie einfach übereifrig war, wie er es nur allzu gerne selbst war. Oder sie legte eine Verhaltensweise an den Tag, die tief in Zwergen verwurzelt war. Zwerge beschützten ihre Kinder mit allen Mitteln. Ebenso waren auch die Kinder ihren Eltern sehr verbunden. Vielleicht fühlte sich Tharja auch einfach an der Seite ihres Vaters viel mutiger und sicherer. Aber egal, woher dieser Heldenmut nun resultierte. Was sie im Schlafzimmer sehen würde, hätte sie nach Kílis Meinung niemals zu Gesicht bekommen sollen.  

Wieso bei Durins Barte hatte er heute Nacht Amilia fesseln müssen, bevor er die Erdbeeren holen wollte? Wäre es nicht mitten in der Nacht gewesen und wenn Tharja nicht sonst glücklicherweise einen solch festen Schlaf gehabt hätte, dann hätte er sich niemals dazu hinreißen lassen.

Nun konnte er nur hoffen, dass seine Tochter nicht allzu schockiert über das sein würde, was sie vermutlich zu sehen bekam. Amilia und Tharja badeten öfter gemeinsam in dem großen Badebecken in ihrem Bad. Dass Tharja ihre Mutter unbekleidet sah, war daher nichts Neues für sie. Aber gefesselt und unbekleidet war etwas ganz anderes. Kíli betete zu Mahal, dass seine Frau zumindest noch unter der Bettdecke liegen würde. Und er hoffte darauf, dass er vor seiner Tochter die richtigen Worte finden würde.

Wie sich herausstellte, hatte Mahal seine Gebete scheinbar nicht erhört, da Tharja stocksteif auf der Türschwelle stehen geblieben war.



***

Es tut mir leid, meine Lieben. Die Kurzgeschichte ist doch ein wenig länger, als geplant geworden. Daher werden die Fragen, die ich in Kapitel 1 geschrieben habe, nun in Teil 3 beantwortet, damit dieses Kapitel nicht so lang wird ;-)

Über Kommentare würde ich mich, wie immer, sehr freuen :-)

Dieses Bild, dass Kíli als kleiner Zwergling bei seinem Onkel schlafen möchte, hatte ich schon 3 Jahre vor Augen, da mich im Dezember 2012 mein Freund nach dem Kino gefragt hat, ob Kíli Thorins Sohn sei^^ Nach 3 Jahren habe ich dieses Bild mal aufgeschrieben ;-)

Aber so stelle ich mir Thorin vor. Harte Schale, weicher Kern <3

Teil 3 wird noch vor Weihnachten kommen. Ich wünsche Euch und Euren Familien bis dahin eine schöne Adventszeit :-)

Eure Ela <3
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