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(4) Kleine Monster

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Kili OC (Own Character)
30.11.2015
23.12.2015
4
21.718
4
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Dieses Kapitel
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30.11.2015 5.947
 
Hallo, meine Lieben,

dies ist eine fluffige Kurzgeschichte. Daher vorab schon einmal eine kleine Warnung, dass es vielleicht für den Geschmack mancher Leser zu kitschig sein kann. Aber Weihnachtszeit ist Kitsch-Zeit ;-) Und nachdem ich die Extended Edition von BOTFA gesehen habe, brauche ich rosa Watte in Mittelerde…

Ich habe sie für alle Leser geschrieben, die sich ein Happy-End beim Hobbit wünschen. Ganz besonders aber für zwei Review-Schreiberinnen. Eine schreibt mir zu jedem Kapitel ein ganz liebes Review und hat sich schon mehrfach ein Happy-End gewünscht. Bei der anderen weiß ich nicht, ob sie noch dabei ist und diese Kurzgeschichte überhaupt lesen wird. Aber auch ihr möchte ich diese Geschichte widmen, da ich weiß, dass sie sich unseren braunhaarigen Prinzen nicht als Vater vorstellen kann^^ Zumindest war das noch im Sommer so, vielleicht ändert es sich ein wenig nach dieser Geschichte ;-)

Diese Geschichte kann völlig losgelöst von meiner Haupt-FF gelesen werden. Es werden auch hier keine Fragen beantwortet, die noch offen sind. Genauso wenig wird hier das Ende der eigentlichen FF vorweg genommen (da ich noch nicht einmal weiß, wie es werden wird) und ich werde auch nichts dazu schreiben, wieso sich Thorin und Amilia nun verstehen. Verfolger der anderen FF sowie Neulinge können diese Kurzgeschichte also mit ruhigem Gewissen lesen. Das Einzige, was ich übernommen habe, ist das Pairing, bei dem sich die beiden auch (hoffentlich) ein wenig „entwickelt“ haben. Leser der anderen FF werden vielleicht 2,3 kleine Anspielungen finden, die aber nicht für das Verständnis notwendig sind. Die entsprechenden Kapitel werde ich am Ende noch nennen, falls jemand nachlesen möchte. Auf Zeitangaben habe ich auch verzichtet, da es wie gesagt eine völlig losgelöste Geschichte mit einem möglichen Familienleben im Hause Durin ist. Um ein Happy End zu schreiben, habe ich mir quasi meinen eigenen OC „geliehen“.

Zum Verständnis vorab: ich stelle mir Amilia und Kíli von der Größe her zwischen 1,50m und 1,60m vor. Für Zwerge recht groß, für Menschen recht…. Ich darf nichts Falsches sagen, da eine Freundin von mir 1,48m groß ist^^ Ich denke aber, dass die Größe realistisch ist, da auch Thorin in Bruchtal bei Elrond bis zur Schulter reichte und Elben sehr groß sind.

Kategorien sind überwiegend Familie und Romanze. P-16 habe ich bewusst gewählt, da es explizit keinen aktiven Lemon geben wird. Falls jemand die Altersangabe als nicht angemessen ansieht, kann er sich gerne bei mir melden.

Außer meinen beiden OC gehören mir die Figuren nicht und ich schreibe nur, um hoffentlich einigen Lesern vielleicht ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern zu können, da auch ein wenig zum Schmunzeln dabei ist.

Viel Spaß und eine schöne Vorweihnachts- und Weihnachtszeit :-)

Eure Ela<3



Kleine Monster Teil 1



Es war mitten in der Nacht und der Erebor lag in tiefem Schlaf. Nur in wenigen Räumen brannten noch kleine Kerzenlichter, Öllampen und fast erloschene Kaminfeuerstellen. Kíli stand lediglich mit einem Bettlaken bekleidet in der Küche und war auf der Suche nach etwas Essbarem. Nicht nur, dass er auf der Suche nach etwas Essbarem war. Er suchte nach Leckereien. Mit einer Kerze leuchtete er die kleine Küche aus. Sie war nicht so groß, wie die Küche seiner Mutter. Aber der wenige Platz reichte aus, dass Amilia ihm und ihrer gemeinsamen Tochter, Tharja, viele Köstlichkeiten zubereiten konnte. Sie gehörten dem Königshaus an und hätten sich niemals selbst Essen kochen müssen. Aber nachdem Dís den Erebor erreicht hatte, hatte die Menschenfrau darauf bestanden, das Kochen zu lernen. Dís hatte diese Aufgabe sehr gerne übernommen. Ihr hatte der Gedanke gefallen, dass ihre Schwiegertochter ihrem Sohn und hoffentlich auch bald zahlreich folgenden Enkelkindern leckere Mahlzeiten zubereiten könnte. Zwerge waren generell ein stolzes Volk. Sie liebten gutes Essen und Zwerge und Zwerginnen waren daher gleichermaßen auf ihre Kochkünste stolz, sofern diese denn vorhanden waren. Da viele Zwerge alleine lebten, war der Großteil des Volkes darauf angewiesen, zumindest ein wenig kochen zu können. Bei Kíli war dies anders. Mahal war ihm gnädig gewesen und er lebte nun mit jener Menschenfrau glücklich zusammen, die er in Bruchtal kennengelernt hatte. Dís hatte es besonders gefreut, dass Amilia keine elbischen Kochkünste erlernt hatte, sodass sie ihr viele wohlschmeckende Zwergengerichte beibringen konnte. Dís hatte schon immer für ihre Söhne und ihren Bruder gekocht, als sie noch in den Ered Luin gelebt hatten. Nach ihrer Ankunft im Erebor tat sie dies wieder. Oftmals hatten sie zu fünft bei ihr am großen Küchentisch gesessen. Sie waren mit der blonden Menschenfrau zu einer größeren Familie zusammengewachsen und das gemeinsame Essen war zu einem Ritual geworden, bei dem über die Geschehnisse des vergangenen Tages geredet wurde. Einzig und allein Bombur war mit diesem Ritual nicht einverstanden gewesen. Während der ganzen Reise zum Erebor hatte Amilia seinen Eintopf nicht ein einziges Mal gerne gegessen. Bei Dís tat sie dies jedoch, ohne zu Murren. Bombur war niemals sehr gesprächig, aber dazu, dass Amilia seinen Eintopf und jenen von ihrer Schwiegermutter nicht verschmähte, hatte er Kíli stets seine Meinung sagen können. Nachdem der braunhaarige Zwergenprinz ihm mitgeteilt hatte, dass Bombur es einzig und allein ihm zu verdanken habe, dass er nicht während seiner Vermählung mit Amilia und der anschließenden Hochzeitsfeier von Thorin in den Kerker gesperrt worden war, hatte er sich wieder in Schweigen gehüllt. Bombur war über die Hochzeitstorte hergefallen, bevor das glückliche Brautpaar diese hatte anschneiden können. Thorin hatte natürlich vor Wut getobt, aber Kíli hatte beschwichtigend auf ihn eingeredet, dass er zuvor ein Stück Torte gesichert habe, welches sich aber bereits in ihren Gemächern befand. Dort hatten sie dann das Stück gemeinsam verspeist, nachdem sich das frisch vermählte Paar zurückgezogen hatte. Und wie sie es gegessen hatten, entsprach ganz und gar nicht dem königlichen Protokoll und wäre nicht für andere Augen bestimmt gewesen.

Nun kochte Amilia für ihre eigene kleine Familie und konnte Dís, Thorin und Fíli zum Essen einladen, wenn diese ihre Enkeltochter oder Nichte besuchen wollten.

Die Kleine kam ganz nach ihrem Vater, was den braunhaarigen Zwergenprinzen mit Stolz erfüllte. Vom Äußeren her hatte sich aufgrund ihrer dunklen Locken eher der Großteil der Durinfamilie durchgesetzt, da sowohl Dís, als auch Thorin, dunkle Haare und blauen Augen besaßen. Und obwohl Tharja blaue Augen hatte, waren es allerdings die Augen ihrer Mutter. Sie war ein aufgewecktes Kind, welches ihre Familie oft auf Trab hielt und beinahe immer am Essen war. Sie konnte bei Bombur und dessen Frau immer eine kleine Leckerei abstauben, sodass der zuvor verschmähte Eintopf längst in Vergessenheit geraten war. Aber Tharjas gesegneter Appetit war auch nicht verwunderlich, da sie immer Hummeln im Hintern hatte und mit ihren 5 Jahren den Berg erkunden wollte. Wer sich viel bewegte, musste auch viel Nahrung zu sich nehmen. Und ansetzen tat sie auch nichts, obwohl sie zierlicher, als andere Zwerglinge war. Ihre Familie hatte dies aber nicht anders erwartet, da Kíli selbst eher schmaler gebaut und Amilia als Menschenfrau auch nicht so stämmig, wie andere Zwerginnen war.

Die Kleine war Kílis ganzer Stolz. Balin war nicht immer mit ihr zufrieden. Er hatte eher darauf gehofft, dass sie den Verstand ihrer Mutter geerbt hätte. Dies hatte sie auch, aber sie war nur zu faul, ihn zu benutzen. Wobei Kíli sich sicher war, dass es nicht nur die reine Faulheit war. Wenn sie es wollte, dann konnte sie alle Aufgaben lösen, die der weise Zwerg ihr stellte und war auch vielen Zwerglingen ihres Alters mehrere Schritte voraus, da Menschen schneller erwachsen wurden. Aber meistens hatte sie Dummheiten und Schabernack im Kopf. Ihr Großonkel Thorin ließ sie alles durchgehen. Die beiden waren ein Herz und eine Seele. Seltsamerweise konnte Tharja während Balins Unterrichtsstunden kaum auf dem Platz stillsitzen und rutschte unruhig umher. Hätte ein Kissen auf dem Stuhl gelegen, wäre dieses sicherlich schon längst aufgescheuert gewesen. Aber bei ihrem Großonkel durfte sie mit in das Arbeitszimmer, weil sie dort auf wundersame Art und Weise still saß, wenig plapperte und Thorin nur mit ihren großen blauen Augen anschaute. Scheinbar wusste sie ganz genau, wann sie sich wie zu benehmen hatte oder wollte ihren Großonkel beeindrucken, so wie Kíli es einst auch immer gewollt hatte. Tharja legte Verhaltensweisen an den Tag, welche ihr Vater aus seiner eigenen Kindheit nur allzu gut kannte.

Thorin liebte seine Großnichte von ganzem Herzen. Wenn er seine Arbeit erledigt hatte, setzte er sich gemeinsam mit ihr in seinen gemütlich gepolsterten Sessel und las ihr Geschichten vor. Diese gefielen ihr so viel besser, als jener Unterrichtsstoff, den ihr Balin allzu oft verzweifelt zu vermitteln versuchte. Oftmals wurde Tharja dann freudestrahlend von Thorin zu den Gemächern ihrer Eltern gebracht und erzählte voller Stolz, dass ihr Onkel Thorin wieder eine Geschichte vorgelesen habe, da sie sich zuvor brav und erwachsen benommen habe. Manchmal fragte sich Kíli, ob Thorin nicht auch jene Tochter in ihr sah, die er sich vielleicht so sehr gewünscht hätte.

Aber in diesen Augenblicken, während er in der Küche herumwuselte, sollte es nicht um seine Tochter, sondern um die andere Frau in seinem Leben gehen. Aber schnell merkte er, dass er sich auf diesem Terrain nicht wirklich auskannte und das geringe Licht, welches die Kerze spendete, machte seine Lage nicht besser. Irgendwo mussten sie doch noch Süßspeisen in der Küche haben. Erdbeermarmelade würde ihm gefallen. Aber dann fand er etwas Besseres. Amilia und Dís waren in Thal auf dem Markt gewesen und hatten frische Erdbeeren mitgebracht. Vielleicht sollte er zu den Früchten besser keine Erdbeermarmelade mitnehmen. Sollte er Honig mitnehmen? Amilia liebte Honig und er wollte sie überraschen. Seine Liebste war eine Naschkatze. Dies hatte ihre gemeinsame Tochter durchaus von ihr mit in die Wiege gelegt bekommen. Zwerge liebten sonst eher deftigere Speisen. Zwerglinge aßen auch Süßigkeiten, aber er selbst hatte diese nicht in der Menge verputzt, wie es Tharja tat.

Wenn er an die Kleine dachte, huschte ihm immer ein Lächeln über das Gesicht, wie es dieses Mal auch passierte. Tharja war in dem noch andauernden Sommer 5 Jahre alt geworden. Als Kíli und Amilia Bilbo nach der Schlacht tränenreich am Tor des Erebors verabschiedet hatten, hatte der Hobbit davon gesprochen, dass sie ihr erstes Kind nach ihm benennen sollten, falls sie noch einen Kindernamen suchen und eines Tages Eltern werden würden. Bei der Hochzeit im folgenden Jahr hatte er es ihnen noch einmal angeboten, Namenspate für ihr erstes Kind zu werden. Kíli hatte ihn dann gefragt, was sie denn machen sollten, wenn Mahal ihnen ein Kind schenken würde, welches ein Mädchen sei. Der Auenlandbewohner hatte daraufhin unschuldig geschaut und verkündet, dass Bilbo auch ein Mädchenname sei. Sie hatten daraufhin alle herzlich gelacht, ihrem Freund aber klar und deutlich zu verstehen gegeben, dass sie ein Mädchen nicht nach Bilbo benennen würden.

Im folgenden Sommer war es dann endlich soweit gewesen und ihre Tochter hatte das Licht der Welt erblickt. Bereits nach der Geburt hatte sie die ersten dunklen Kopfhaare besessen. Sie war etwas ganz Besonderes. Dís liebte ihr erstes Enkelkind überschwänglich. Auch Thorin hätte ihr während der gesamten Zeit jeden Wunsch von den Augen ablesen wollen. Dwalin hatte bereits angeboten, sie im Schwertkampf zu unterrichten. Tharja war vor Freude jauchzend zu ihnen in die Gemächer gekommen und hatte sich zum fünften Geburtstag eine Waffe gewünscht. Nachdem diese Worte gefallen waren, war Kíli wutentbrannt aus den Gemächern gestürzt und  hatte daraufhin mit Dwalin ein lautstarkes Wortgefecht geführt. Er wollte es schließlich nicht hören, dass seine Tochter in ihrem zarten Alter Orks verprügeln wollte. Bei Mahal! Sie sollte niemals welche zu Gesicht bekommen müssen. Sie hatte keine Ahnung, um welch grausamen Bestien es sich bei der Art von Monstern handelte. Sie sollte daher nicht so leichtfertig davon reden. Aber auch Kíli selbst hatte als Kind viel Unsinn geredet und angestellt. Nicht nur als Kind, wenn er ehrlich zu sich selbst war. Aber viel mehr ging es darum, dass der Braunhaarige seinen größten Schatz in Sicherheit wissen wollte. Er hatte mit Dwalin lautstark in der Übungshalle gestritten. Er hatte seinem Waffenmeister vorgehalten, dass er Tharja ein falsches Bild von den Gefahren in Mittelerde vermittelte. Er hatte ihm sogar verboten, wieder vor ihr von Waffen oder Kämpfen zu sprechen. Dwalin seinerseits hatte ihm vorgeworfen, dass er seine Tochter verweichlichen und aus ihr so niemals eine anständige Zwergin werden würde. Der Streit hatte sich so weit hochgeschaukelt, dass sich Kíli beinahe auf seinen Lehrmeister gestürzt hätte und sich mit ihm prügeln wollte. Dwalin hatte schließlich keine Ahnung, welche Verantwortung mit einem Kind einherging. Bevor es aber in einem Handgemenge ausarten konnte, hatte Dwalin auf ihn eingeredet, dass sie sich einst während sie in den Gastschänken unterwegs gewesen waren, geschworen hatten, sich niemals wegen einer Frau zu schlagen. Auch nicht, wenn diese noch keine 5 Sommer zählen würde. Sie waren daraufhin ein Bier trinken gewesen und der Streit war vergessen. Sie waren sich auch einig gewesen, dass Tharja zunächst lieber mit dem Holzspielzeug spielen sollte, welches Bofur ihr zu gerne schnitzte. Als die beiden an dem Abend noch einigermaßen nüchtern gewesen waren, hatte Dwalin dem Prinzen aber noch angeboten, dass er jederzeit einen Platz für die kleine Prinzessin frei habe, um mit ihr das Kämpfen zu üben.

Kíli hatte zugeben müssen, dass er und Dwalin an jenem Abend wirklich ein wenig sehr tief in die Bierkrüge geschaut hatten und es recht spät oder früh war, als er die Gemächer im Königstrakt betrat, die er mit Amilia bezogen hatte. Aber dass sein Bett bereits belegt gewesen war, als er nach Hause kam, hatte er doch ein wenig unverschämt gefunden. Da hatte er sich dafür eingesetzt, dass seine Tochter vor Dwalins haarsträubenden Geschichten und waghalsigen Abenteuern geschützt werden sollte und zum Dank dafür hatte Tharja beinahe quer und friedlich schlummernd in seinem Bett gelegen, sodass für ihn selbst kaum noch Platz vorhanden war. Als er es dann endlich unter den größten Anstrengungen geschafft hatte, sich seiner Schuhe zu entledigen, Tharja sanft an die Seite zu schieben, damit diese nicht geweckt wurde und ein Stück seiner Bettdecke zu ergattern, hatte er sein warmes Bett immer noch nicht lange genießen können. Scheinbar hatte er für seine Tochter nach Bier und dem Rauch aus der Gastschänke gerochen, was diese selbst im Schlaf nicht besonders gut leiden konnte. Sie hatte sich daraufhin enger an ihre Mutter gekuschelt und das zuvor hart erkämpfte Stück Bettdecke von ihrem Vater regelrecht weggezerrt. In jener Nacht hatte Kíli den Worten seines Schwertmeisters Recht gegeben, dass es ein Zwerg mit den Frauen nicht leicht hatte. Dafür war er am nächsten Morgen über einen anderen Sachverhalt sehr erleichtert gewesen, da Waffen für Tharja vorerst kein Gesprächsthema mehr waren. Sie war zunächst Feuer und Flamme gewesen und hatte es am nächsten Tag bereits wieder vergessen, da sie bei Bombur in die Töpfe geschaut hatte und Köchin werden wollte. Die Kleine steckte immer wieder voller neuer Ideen.

Von Anfang an hatte sich der Bogenschütze eine kleine Tochter mit Amilia gewünscht. Dies hatte aber nicht daran gelegen, dass er ihr erstes gemeinsames Kind nicht nach Bilbo benennen wollte. Er hatte sich so sehr ein kleines Mädchen gewünscht, welches er verhätscheln und beschützen könnte und niemals in den Krieg ziehen müsste. Mahal hatte seine Bitten erhört und Amilia hatte ihm eines der seltenen Zwergenmädchen geschenkt. Streng genommen war Tharja kein reines Zwergenmädchen, da durch ihre Adern sowohl Menschen- als auch Zwergenblut floss. Amilia hatte ihn während der Schwangerschaft einmal gefragt, was er denn glaubte, welche Seite sich durchsetzen würde. Kíli hatte ihr daraufhin zu verstehen gegeben, dass dies völlig nebensächlich sei, da es sich um ihr Kind handeln würde und nichts anderes für ihn wichtig wäre. Damit war dieses Thema vom Tisch gewesen.  

Wenn es nach Kíli ging, hätte er auch nichts gegen ein weiteres kleines Familienmitglied einzuwenden gehabt. Noch heute konnte er sich daran erinnern, wie wundervoll es sich angefühlt hatte, als er nach der Geburt den kleinen Säugling in den Händen gehalten und gebadet hatte. In jenen Momenten hatte er den größten Schatz des Erebors in den Armen gehalten. Er hatte Tharja damals mit Thorin gemeinsam gebadet und darüber gestaunt, dass bei seinem Onkel nach so vielen Jahren noch jeder Handgriff zu sitzen schien. Kíli selbst hatte sich damals kaum getraut, dieses zarte Wesen zu berühren. Obwohl die Kleine lautstark geschrien hatte, als sie endlich das Licht der Welt erblickte und scheinbar ganz und gar nicht damit zufrieden war, den warmen Bauch ihrer Mutter verlassen zu müssen, hatte sie auf Kíli doch unglaublich zerbrechlich gewirkt. Aber Thorin hatte ihm gezeigt, wie er das kleine Köpfchen stützen und die weiche Haut der kleinen Prinzessin waschen musste. Im warmen Wasser und unter den Berührungen und Worten ihres Vaters und Onkels hatte sich die Kleine schnell beruhigt und nicht mehr mit Leibeskräften geschrien, dass eine ganze Orkmeute sicherlich geflohen wäre. Seine Tochter hatte nach der Geburt rosige Wangen gehabt. Kíli hatte sich gewünscht, dass diese nicht nur aufgrund der Strapazen der Geburt vorhanden waren und dauerhaft blieben, da Amilia eher zur Blässe neigte, was ihrer Schönheit aber keinen Abbruch tat. Der Zwergenprinz hatte damals nicht gewusst, worüber er mehr fasziniert sein sollte. Darüber, dass er endlich sein gemeinsames Kind mit der Frau seiner Träume in den Händen halten durfte oder darüber, wie stolz sein Onkel auf die kleine Nichte war. Streng hatte er die Handgriffe seines Neffen beobachtet, da er es schließlich selbst vor vielen Jahren gewesen war, der Kíli nach der Geburt gebadet hatte, da Fíli und Kílis Vater dies nicht mehr erleben durfte. Aber genauso hatte Thorin kaum den Blick von der Kleinen abwenden können. Nachdem der König seine Nichte in die weichsten und wärmsten Tücher gewickelt hatte, die er im Erebor auftreiben konnte, hatte Kíli ihm den Säugling beinahe entreißen müssen, da einen Raum weiter die müde, aber unendlich glückliche Mutter sicherlich sehnsüchtig darauf wartete, ihre Tochter wieder in die Arme schließen zu dürfen. Kíli seinerseits hatte sehnsüchtig darauf gewartet, endlich seine Frau und Tochter gemeinsam in die Armen zu nehmen. Und auch andere Zwerge der einstigen Gemeinschaft hatten ihre Glückwünsche überbringen und Neugierde stillen wollen.  

Fíli hingegen hatte sich für seine Verhältnisse eher weniger diplomatisch geäußert, als er seine frisch gebadete Nichte, welche sich in dicken Tüchern eingewickelt auf seinem Arm befand, das erste Mal ganz verzaubert betrachtet hatte. Der Blonde hatte nur zu seinem Bruder gesagt, dass er niemals geglaubt habe, dass er eine so hübsche Tochter zeugen könnte. Dwalin selbst hatte noch einen Spruch dazu beigesteuert und gefragt, ob Amilia sich in jener Nacht mehr angestrengt habe, als Kíli, wenn etwas so goldiges das Resultat sei. Es war einer der wenigen Augenblicke gewesen, in denen der Braunhaarige nicht auf Dwalins Sticheleien eingegangen war. Er hatte zu jenem Zeitpunkt nur Augen für das Bündel voll Glück gehabt und die anderen hätten reden können, wie sie wollten. Es wäre für ihn nicht von Belang gewesen.

Bald schon hatte er gemerkt, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit die Kleine in Anspruch nahm. Zu Beginn hätte er stundenlang vor der Wiege stehen können, die er für seine Tochter eigenhändig angefertigt hatte. An diesem Anblick hatte er sich kaum satt sehen können. Selbst, wenn die Kleine am Schlafen gewesen war, hatte Kíli dies unglaublich spannend gefunden. Schnell hatte er jedoch gemerkt, dass auch die Nächte unglaublich spannend, aber auch kurz, werden konnten. Zu Beginn hatte Tharja nachts noch recht oft geschrien. Aber selbst daran hatte Amilia etwas Gutes abgewinnen können, obwohl die Schatten unter ihren Augen nicht heller, sondern eher dunkler wurden. Entweder hatte Tharja gefüttert werden wollen oder die Windel war voll gewesen. Manchmal hatte aber beides nicht zutreffen wollen. Ein einziges Mal hatte Kíli sich dabei ertappt, dass er seine Frau ein wenig genervt gefragt hatte, warum die Kleine denn schreien würde, da sie keinen Hunger gehabt hatte und auch die Windel nicht voll gewesen war. Doch diese Frage war nicht nur aufgrund der vorhandenen Müdigkeit gefallen. Denn auf den ersten Blick hatte er sich nicht erklären können, wieso seine Tochter am Schreien war und hatte sich doch recht hilflos gefühlt. Amilia hatte ihm daraufhin gesagt, dass sie sich nach der Nähe ihrer Eltern sehnen würde und sie ihnen dies einfach nicht anders, außer durch schreien und weinen, mitteilen konnte. Und obwohl Kíli selbst unter Schlafmangel gelitten hatte, waren es doch wundervolle Momente der Liebe gewesen, wenn Amilia ihre Tochter in ihrem Bett gestillt hatte und sie nach einem Bäuerchen bei ihr oder bei Kíli auf dem Arm oder Bauch eingeschlafen war. Manchmal hatten sie die Kleine noch ein wenig auf ihren Bäuchen liegen gelassen, bevor sie wieder in die Wiege gelegt wurde. Kíli hatte dies seinerseits als Beweis dafür gesehen, dass Tharja wirklich das Bedürfnis ihrer Nähe verspürt hatte. Denn während die Kleine auf ihren Bäuchen gelegen hatte, hatte ihr Kopf an der Brust gelehnt und sie hatte die Herzschläge ihrer Eltern hören können. Bei dieser Wärme und Liebe, die von der Kleinen ausging, hatte Kíli sich selbst im Gedanken Vorwürfe gemacht, dass er sich zuvor aufgrund der Müdigkeit doch ein wenig gereizt gefragt hatte, wieso Tharja denn schon wieder die wohlverdiente Nachtruhe ihrer Eltern stören würde.

Und auch später hatte er es zu spüren bekommen, dass nicht immer alles so lief, wie er es sich gerne gewünscht hätte. Eigentlich war das erste kleine Missgeschick bereits nach dem ersten Stillen passiert. Völlig verliebt und fasziniert hatte er dabei zugesehen, wie Amilia ihre Tochter gestillt hatte. Und obwohl er unendlich froh darüber gewesen war, dass dies alles reibungslos zu funktionieren schien, war er sich selbst doch ein wenig unnütz vorgekommen, da nur Amilia alleine Tharja füttern konnte. Daher hatte er es sich sofort zur Aufgabe gemacht, dass die Kleine an seiner Schulter ihr erstes Bäuerchen verrichten sollte. Thorin hatte ihm zuvor noch gesagt, dass er ein Tuch unter das kleine Köpfchen legen sollte. Kíli hatte seinen Onkel daraufhin entsetzt angesehen und es nicht fassen können, dass er etwas unter sie legen sollte, als ob sie unrein wäre. Während er sanft über Tharjas Rücken gestreichelt und beinahe ungeduldig darauf gewartet hatte, dass sie ihr erstes Bäuerchen nach ihrer ersten Mahlzeit auf seinem Arm erledigen würde, hatte er doch schnell feststellen müssen, dass sein Onkel zweifellos Recht gehabt hatte. Später hatte er die Ratschläge seines Onkels eher zu schätzen und in die Tat umzusetzen gewusst.

Mit einer Sache hatte er aber ganz gewältig zu kämpfen gehabt. Tharja war schon in ihren ersten Monaten sehr mitteilsam gewesen und hatte lautstark vor sich her gebrabbelt und die Besucher regelrecht mit ihren blauen Augen angestrahlt. Nur leider hatte in den ersten Monaten nur sie selbst ihre Worte verstehen können. Sehnsüchtig hatten ihre Eltern auf ihr erstes richtiges Wort gewartet. Eines Tages war es dann völlig unvermittelt soweit gewesen und sie hatte zu Amilia Mama gesagt. Obwohl dies meistens das erste Wort von Zwerglingen war, hatte Kíli dennoch gehofft, dass sie als aller erstes Papa zu ihm sagen würde. Diese Hoffnungen waren dadurch zu Nichte geworden. Aber es hatte ihn auch nicht verwundert, da Amilia mehr Zeit mit ihrer Tochter verbrachte, da er selbst Aufgaben im Einsamen Berg bekleiden musste. Wenn zuvor seine Fähigkeiten als Bogenschütze belächelt worden waren, sollten nun doch einige Zwerge diese Fähigkeiten erlernen und ausgebildete Bogenschützen das Zwergenheer erweitern und die Festung schützen. Ihm war diese Aufgabe zuteil geworden, dafür Sorge zu tragen. Während der Schlacht der fünf Heere, in der sich Zwerge und Elben gemeinsam verbündet hatten, hatten doch einige der Zwerge anerkennen müssen, dass Bogenschützen durchaus wertvoll sein konnten. Und obwohl Kíli nach der Schlacht am liebsten niemals mehr eine Waffe in die Hand genommen hätte, hatte er seinem Onkel diese Bitte nicht abschlagen können. Schließlich war es auch ihm bewusst gewesen, welche Aufgaben er als Prinz in diesem Königreich zu bekleiden hatte. Umso mehr freute er sich, wenn er abends wieder zu seiner Familie gelangen konnte. Aber als Tharja als zweites ihren Großonkel mit Thor angesprochen hatte, war er doch sehr eifersüchtig gewesen. Amilia hatte ihm dies nur allzu gut anmerken können und hatte auf ihn beruhigend eingeredet, dass er dies Tharja nicht verdenken dürfe, da bei ihren Vornamen drei der ersten vier Buchstaben gleich seien.

Dafür war er kurze Zeit später von seiner Tochter wieder entschädigt worden. An den Händen ihrer Eltern hatte sie bereits ein paar Schritte gehen und scheinbar nie genug davon bekommen können. Eines Abends war es dann soweit gewesen, dass sie ihre ersten Schritte in Kílis Richtung getan hatte, damit er sie daraufhin in seine Arme schließen konnte. Amilia hatte ihm später gesagt, dass Tharja bestimmt den ganzen Tag gewartet habe, damit sie ihre ersten eigenen Schritte für ihren Vater machen könnte. Zu jenem Zeitpunkt war er über diese Worte unglaublich gerührt gewesen. Allzu schnell war er aber wieder in der Realität aufgewacht, da Tharja schnell das Laufen erlernte und ihre Eltern nun noch mehr auf Trab hielt, als sie es bereits während ihrer Krabbelphase getan hatte.

Und obwohl mit ihrer Tochter die Zeit ihrer Zweisamkeit deutlich geringer ausfiel und ein Kind eine enorme Verantwortung bedeutete, hätte Kíli überhaupt kein anderes Leben mehr führen wollen. Diese Verantwortung trug er nur allzu gerne, da er zuvor nach seinem Geschmack viel zu wenig Verantwortung von Thorin übertragen bekommen hatte. Der Braunhaarige freute sich bereits auf den Tag, an dem Fíli eine Frau finden und mit ihr eine Familie gründen würde. Denn dann wäre es zum ersten Mal sein kleiner Bruder, der ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen könnte. Und obwohl die gemeinsamen Momente, die nur Amilia und ihm gehören sollten, durch ihr kleines Mädchen geringer geworden waren, hatte ihre Tochter sie noch enger zusammen geschweißt, obwohl er dies überhaupt nicht mehr für möglich gehalten hatte, da sie ihre Liebe und das Zusammenleben nach den Ereignissen vor und nach der Schlacht nie als selbstverständlich angesehen hatten.

Tharja war wirklich ihr größtes Glück. Amilia hatte zu Kílis großer Freude im Erebor bleiben wollen. Aber lange Zeit hatte er die Sorgen in seinem Herzen getragen, dass sie nicht für immer im Einsamen Berg bleiben wollte. Zu Beginn hatte es viel zu tun gegeben. Der Erebor und Thal waren wieder aufgebaut worden und Amilia hatte Khudzul gelernt. Sowohl die Sprache, als auch die Runen. Aber mehr, als die Sprache und Bräuche der Zwerge zu lernen, hatte es für sie nicht gegeben, da sie ihre Verbindung bis zur anstehenden Hochzeit geheim gehalten hatten. Nach der Schlacht hatte Kíli bereits um sie geworben. Und obwohl er es kaum hatte erwarten können, sich endlich mit Amilia zu vermählen, hatte er dennoch dies erst tun wollen, nachdem Dís den Erebor erreicht hätte. Zu seiner großen Freude und Erleichterung hatte seine Mutter Amilia als die Frau an seiner Seite akzeptiert. Auch das Zwergenvolk akzeptierte die Menschenfrau. Es hätte auch niemand gewagt, dieser Verbindung zu widersprechen, da Thorin die Vermählung durchgeführt hatte und das Volk seinen König verehrte. Thorin hatte ihnen schließlich die verlorene Heimat zurückerobert und ein höheres Wort, als jenes des Königs, gab es nicht. Trotz dieser guten Entwicklung hatte Kíli dennoch immer die Furcht beschlichen, dass sich Amilia wie in einem goldenen Käfig fühlen würde, wie sie es bereits in Bruchtal getan hatte. Durch ihre gemeinsame Tochter hatte sie aber neue Aufgaben bekommen und war in der Mutterrolle gänzlich aufgegangen.    

Kíli liebte seine beiden Frauen von ganzem Herzen, aber ein wenig männliche Unterstützung hätte er manchmal gut gebrauchen können. Die beiden wickelten ihn regelrecht um den Finger. Und wenn ihr zweites Kind wieder ein Mädchen werden würde, dann hätte er auch mit 3 Frauen umgehen können. Kíli hatte mit Amilia bereits darüber gesprochen, ob sie sich nicht noch ein weiteres Kind wünschen würde. Sie hatte ihm aber damals gesagt, dass sie lieber warten und Vorkehrungen gegen eine Empfängnis treffen würde, bis die Kleine aus dem Gröbsten heraus wäre. Er akzeptierte Amilias Entscheidung und würde sie nie zu etwas drängen, da es schließlich sie wäre, die mehrere Monate ihr gemeinsames Kind im Leib tragen und in den Wehen liegen würde. Aber was sprach eigentlich gegen ein Geschwisterchen für ihren kleinen Schatz? Tharja hatte sich prächtig entwickelt und Amilia hatte ihm damals gesagt, dass sie sich mindestens drei Kinder von ihm wünschen würde.

Der Zwerg erinnerte sich gerne an ihre erste Schwangerschaft zurück. Manchmal hatte er zwar nicht gewusst, wieso erst ein schnurrendes und liebebedürftiges Schmusekätzchen in seinen Armen lag, welches sich nach einem falschen Wort innerhalb kürzester Zeit in eine fauchende Raubkatze verwandeln konnte. Und auch sonst hatte Amilia in dieser Zeit seltsame Gelüste entwickelt. Nicht nur, dass sie nach der abgeklungenen Übelkeit über Speisen hergefallen war, die sie vorher nicht einmal angesehen hatte. Sie war auch an manchen Tagen regelrecht über ihren Gemahl hergefallen und hatte ihn ins Bett gezerrt. Nicht, dass er sich darüber beschwert hätte. Sie waren zu jenem Zeitpunkt frisch vermählt gewesen und Kíli hatte nur all zu gern seine ehelichten Pflichten sehr gewissenhaft wahrgenommen. Während ihrer Schwangerschaft hatte Amilia eine noch verführerische Wirkung auf ihn gehabt, als es sowieso bereits der Fall war. Sie hatte eine viel weichere Haut und noch viel seidigere Haare bekommen. Es waren wundervolle Momente gewesen, wenn sie gemeinsam ihre Hände auf Amilias wachsendem Bauch verhakt hatten. Als Kíli zum ersten Mal einen Tritt hatte spüren können, war dies einer der wenigen Augenblicke gewesen, in denen er die Freudentränen hatte wegblinzeln müssen. Zuvor war er sogar ein wenig neidisch gewesen, dass seine Frau angeblich schon etwas spüren konnte und ihm dies noch vorenthalten blieb. Daraufhin hatte er von Óin das Hörrohr ausgeborgt, um es Amilia auf den Bauch zu halten. Das Einzige, was er als Resultat gehört hatte, waren neben einem Gluckern in Amilias Bauch lediglich wütende Worte seitens des alten Heilers. Und dabei war Kíli einfach nur übereifrig gewesen und hatte vergessen, Óin um Erlaubnis zu bitten, dessen Trichter mitnehmen zu dürfen. Wenn es nach Kíli gegangen wäre, hätte der alte Zwerg überhaupt nicht einen solch großen Aufstand zu machen brauchen.      

Zu gern würde er diese Freuden wieder erleben. Nur dieses Mal würden sie auch Tharja mit ins Bett nehmen, damit sie ebenfalls über Amilias Bauch streicheln und mit dem Geschwisterchen reden könnte. Vielleicht müsste er bei Amilia einfach ein wenig Überredungskunst und Überzeugungskraft leisten? Oder sollte er es auf dem diplomatischen Wege versuchen? Nachdem Tharja bei Balin gemeinsam mit anderen Zwerglingen unterrichtet wurde, hatte die Menschenfrau ihm schließlich oft genug in den Ohren gelegen, dass ihre Tochter zuvor immer um sie herum gewesen und sie nun plötzlich tagsüber wieder alleine in den Gemächern war. Und er hatte Amilia nur allzu gut verstehen können. Während der Schwangerschaft und nachdem Tharja auf die Welt gekommen war, hatte er selbst nicht schnell genug wieder zu seiner Familie stoßen können, nachdem er seine Pflichten im Berg erledigt hatte.

Vielleicht konnte er Amilia mit den Erdbeeren bestechen? In ihrer jetzigen Situation würde sie sich sowieso nicht gegen ihn wehren können, da sie regelrecht von ihm gefesselt war. Bevor er das Bett verlassen hatte, um in der Küche nach Leckereien für seine Naschkatze zu suchen, hatte er mit einem weichen Schal vorsichtig ihre Handgelenke an dem Bett befestigt und ihr ins Ohr geraunt, dass er dies täte, damit sie nicht vor ihm weglaufen könnte. Während er sich immer noch über sie gebeugt, vorsichtig über ihre Arminnenseiten gestreichelt und ihre Gänsehaut betrachtet hatte, war Amilia jedoch frech geworden und hatte seine Unaufmerksamkeit genutzt, um ihm in eine Brustwarze zu beißen. Sein Vorhaben, das Bett kurzzeitig zu verlassen, war dadurch beinahe ins Wanken geraten. Sie war nicht mehr jene schüchterne Frau, die er vor einigen Jahren in sein Bett getragen hatte und die sich daraufhin völlig verschämt nach Bettdecken umsah, um ihre Blöße zu bedecken.

Für diese Unverschämtheit würde er sie gleich jedoch noch zappeln lassen und auf eine süße Folter spannen. Langsam aber sicher hatte er es eilig, wieder ins weiche und warme Bett zu kommen. Dies war aber weniger der Tatsache geschuldet, dass er auf dem kühlen Steinboden kalte Füße bekam. Wenn er daran dachte, wie er Amilia in den Wahnsinn treiben könnte und mit welchen Lauten sie ihn dafür belohnen würde, würden bald sicherlich nicht nur seine Fußspitzen in Richtung der Schlafzimmertüre stehen. Amilia selbst würde es sicherlich gefallen, dass nur die Gedanken an sie ihn bereits so sehr erregten. Er hatte sich sowieso gefragt, ob sie die Bettdecke schon ein wenig weggestrampelt hätte und er sie in ihrer ganzen Pracht sehen könnte, wenn er das Zimmer betrat. Sie hatte ihm dies schon angeboten, als er sich noch im Schlafzimmer befunden hatte. Er hatte sie aber wieder behutsam bis zum Kinn zugedeckt, damit sie sich nicht erkälten könnte. Zwerge waren nicht sehr empfindlich, was Kälte und Zug anbelangte. In ihrem Schlafgemach herrschten auch keine eisigen Temperaturen, geschweige denn, dass in den Gemächern der Königsfamilie der Wind pfiff. Aber vor wenigen Augenblicken hatten sie sich gegenseitig gewaltig ins Schwitzen gebracht und Amilia war ein Mensch. Immer noch schmeckte Kíli das Salz auf der Zunge, welches daher rührte, dass er Amilia zuvor die Schweißperlen von der Haut geküsst hatte. Er konnte es kaum erwarten, diesen Geschmack mit der Süße der Erdbeeren zu vermischen, wenn er mit seiner Frau die Früchte auf eine sinnliche Art und Weise verspeisen würde. Danach würde er sie vernaschen. Ein Zwerg verliebte sich nur ein einziges Mal in seinem Leben. Da er nun diese eine Frau gefunden hatte, wusste er, dass er niemals genug davon bekommen könnte, ihre weiche Haut und Wärme an seiner zu spüren, sie zu schmecken und ihre Stimme zu hören. Angeheizt durch seine Gedanken, wurde er doch recht grob in die Realität zurückbefördert, als er eine Stimme hörte, die er auch über alles liebte, aber in diesem Moment ein klein wenig ungelegen kam.    

„Khagam?“, hörte er leise.

Vor Schreck hätte er beinahe die Schale mit den Erdbeeren fallen gelassen. Hatten sie die Kleine eben etwa geweckt? Hatten sie ein wenig zu laut ihre Liebe und Leidenschaft ausgelebt und genossen? Schnell setzte er Erdbeeren auf der Küchenarbeitsfläche ab und hielt das weiche Laken fest umklammern, welches er lediglich trug. Doch schnell fuhr ihm der nächste Schreck in die Glieder. Vor ihm stand nicht nur seine Tochter. Im Kerzenlicht konnte er erkennen, dass ihre Augen vom Weinen gerötet und die Wangen tränennass waren. Sie zitterte am ganzen Körper wie Espenlaub. Dieser Anblick versetzte ihm auch nach fünf Jahren noch einen Stich ins Herz, wenn es seiner Tochter nicht gut ging. Noch schlimmer war es allerdings, wenn es ihr offensichtlich schlecht ging und er den Grund nicht wusste.

„Tharja….was ist denn los?“, stammelte Kíli.

„Bei mir unterm Bett ist ein böser Ork und will mich fressen“, schniefte die Kleine.



***

So meine Lieben…. Ich hoffe, es hat Euch gefallen. Ich habe übrigens darauf verzichtet, immer Großonkel zu schreiben, weil ich Onkel irgendwie schöner fand. Lasst mir doch bitte ein paar Vorweihnachtsgeschenke in Form eines Reviews da, was Euch gefallen hat und was nicht. Eigentlich sollte es ein One-Shot werden. Aber ich hatte so viel Freude am Schreiben, dass es nun drei Kapitel werden.

In den nächsten werden dann die folgenden Fragen geklärt werden:

1) Wird es für Kíli und Amilia noch peinlich werden?

2) Wird Kíli das Monster aus dem Zimmer seiner Tochter verjagen und ihr die Ängste nehmen können?

3) Wird Kíli Amilia mit Erdbeeren füttern (bestechen ;-)) können?

(4) Hat Kíli nun mehr Bart? :D)

Hoffentlich überarbeitet sich Herr Zwerg nicht *.*

Es würde mich freuen, wenn Ihr auch bei dem zweiten Teil vorbeischauen würdet. Er wird höchstwahrscheinlich vor Weihnachten kommen, da bereits über 3.000 Wörter geschrieben sind.

Und dann hätte ich noch eine Bitte. Khagam heißt laut einem Forum Vater auf Khuzdul. Bei Mutter habe ich Khagan oder Khagun gefunden? Kann mir einer sagen, was richtig ist? Balin hat leider keine Zeit, um mit einem Adler zu mir zu fliegen und mir Nachhilfe zu geben….

Die Besuche in den Gastschänken habe ich in meiner „Haupt-FF“ in Kapitel 22 angerissen. Und dass Thorin seinen jüngsten Neffen nach der Geburt gebadet hat, steht in Kapitel 25 ;-) Wer noch einmal nachlesen möchte ;-)

Und vielleicht hatte der ein oder andere Sherlock-Fan auch ein Déjà-vu ;-)  

LG

Eure Ela
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