[Wichteln ~ Nebeldrabbels]  Kopfgeflüster

DrabbleAllgemein / P12
30.11.2015
30.11.2015
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30.11.2015 694
 
A/N: Dies ist mein Wichtelgeschenk für sally97 bei Nairalins Nebel-Drabbels.
Folgende Vorgaben hatte ich zu erfüllen:

Drabbleform: Ab 200 aufwärts alles, so wie es eben passt
Max. erwünschtes Rating: P18 Slash
Fandom: Supernatural, Jurassic Park, Das Lied von Eis und Feuer, Percy Jackson
Sonstiges: Der Nebel sollte "die Hauptrolle spielen", also auf jeden Fall besonders wichtig sein. Am liebsten möchte ich diese mystische, unvorhersehbare Stimmung haben, die sich natürlich auf den Ort, bzw. auf die Charaktere auswirkt. Es müssen übrigens nicht unbedingt Charaktere vorkommen, aber das ist dir überlassen. Nur bitte nicht mehr als drei Hauptchars.


Leider bin ich in keinem deiner Fandoms firm, allerdings wollte ich mich gerne der Herausforderung stellen und ich hoffe, dir gefällt, was ich so zusammengeschustert und gefeilt habe :) Fünf 111 Drabbels als freie Arbeit...



Kopfgeflüster



Still war es um ihn. Jedes Geräusch schien verschluckt in dieser unwirklich anmutenden Welt und seine Augen bohrten sich verzweifelt in den einheitlich grauen Brei, der alle Konturen auflöste und ihn wie eine einsam treibende Nussschale auf dem unendlichen, schwarzen Meer zurückließ. Zäh waberte der Nebel um seine Füße, seine Knöchel, schien sich in den Stoff zu krallen, ihn umschlingen und verschlucken zu wollen. Feine Gänsehaut krabbelte mit kleinen, kalten Fingern über sein Rückgrat, hinauf bis an seine Kopfhaut, ein unangenehmes Brennen hinterlassend.
Er war verloren. Verwirrt, verlaufen und verängstigt. Der Nebel schlich sich in sein Herz, als die Erkenntnis ihn traf und er schluckte schwer gegen die aufkommenden Gefühle an.


Schwarze, hohle Löcher starrten ihn an, schienen ihn einsaugen zu wollen und er setzte einen zaghaften Schritt zurück. Feuchter, morastiger Boden quietschte und schmatzte unter seinen dreckstarrenden Turnschuhen, während der Nebel höher und höher stieg, seine Knie umschlang und er verzweifelt seinen Blick über die bedrohlichen Schatten schickte, auf der Suche nach einem Ausweg. Herzklopfen dröhnte scheppernd und hektisch in seinen Ohren, unerträglich laut nach den betäubenden Momenten der allumfassenden Stille.
Etwas berührte seine Schulter und er schrie erschrocken auf, während er herumwirbelte und der dürre Ast, der sich so unverschämt in seine Haut gebohrt hatte, leise seufzend brach.
Erleichtert schloss er die Augen, versuchte seinen fliehenden, dampfenden Atem zu beruhigen.


Er versuchte die Beklemmung, die sich so rücksichtslos und selbstverständlich auf ihn gelegt hatte, wie der undurchdringliche Nebel über die Welt, abzuschütteln.
Kalte, klamme Finger streichelten über seine Oberschenkel, schoben sich unaufhaltsam höher und ein saures Gefühl stieg durch seine Kehle. Er hatte Angst. Er würde verschluckt werden, begraben, unwiderruflich verschlungen von dieser erbarmungslosen Naturgewalt. Sie griff zwischen die Falten seiner Kleidung, hauchte feuchtfrostige Küsse auf seine furchtnasse Haut und ein entferntes Geräusch ließ alle Alarmglocken durchdringend aufjaulen.
Panik schnürte seine Kehle zu, wie der Nebel, der sich immer enger um seinen Oberkörper zu winden schien.
Berstende Äste, achtlos fortgeschleudertes, modriges Laub, gierig hechelndes Schnaufen.
Ein Monster... er erstarrte zu Stein.


Seine Muskeln gefroren, während er mit aller Anstrengung sein Kinn hob, um noch Sekunden zu gewinnen, bevor der graudunstige Schleier in seine Nasenlöcher kriechen würde, wie ein glitschiger, zuckender Aal in einem viel zu schmalen, fast ausgetrockneten Flussbett.
Die Wucht des Aufpralls riss ihn von den Füssen. Unsanft landete er auf seinem Po, ächzte leise, als heißer, geifernder Atem sein vor Kälte und Angst taubes Gesicht traf.
Es hatte ihn erwischt. Angst, beißende Angst.
Aus der Tarnung des undurchdringlichen Nebels hatte sich das schwarze, zottelige Monster auf ihn gestürzt, das Maul aufgerissen, bereit ihn zu zerfleischen. Die Nebelfäden stoben empört auseinander, zogen sich schmollend zurück und wirbelten durch die tiefdunklen Schatten.


Ergeben schloss der Junge die Augen, als das warme Gefühl der puren Erleichterung seinen Körper durchflutete. Begeistertes Winseln durchbrach den Kreislauf seines Horrors und schien sich wie ein schmaler Sonnenstrahl durch die düstere Szene zu schieben. Die feuchte, rosa Zunge seines treuen Gefährten fuhr emsig und warm über sein kaltes, ängstliches Gesicht, während der Nebel weiter und weiter zurückwich und die friedliche Lichtung wieder dem sanften Tageslicht zugänglich machte. Die schwarzen, hohlen Löcher enthüllten sich in dunklem, saftigen Grün der Tannen, bekannt und vertraut seit den jüngsten Tagen seiner Kindheit. Die haltlose Panik im Kopf hatte ihn Gespenster sehen lassen.
Er war gefunden.
Der Nebel in seinem Herzen löste sich auf...


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