Sünde

von Avarantis
DrabbleThriller, Tragödie / P16
30.11.2015
01.06.2019
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30.11.2015 760
 
Anmerkung: Dies ist ab sofort die Drabblesammlung für die Nebeldrabbles von Nairalin, da ich gedenke, da jedes Jahr teilzunehmen und so ein bisschen gebündelter alles auf einen Blick haben. Also - es gibt nichts Neues, es wurde nur eine Geschichte, die einsam in diesem Archiv stand, hinzugefügt. Ich hoffe, dass jetzt niemand irritiert ist. :D


Dies hier ist mein Beitrag für Nairalins Nebel-Drabbles 2017 für Sprosse.

Vorgaben:
»Drabbleform: -
»Max. erwünschtes Rating: max. P16
»Fandom: Once Upon A Time, Sherlock, True Blood, Penny Dreadful
»FA: Fantasy, Drama, Historie, Thriller, Übernatürliches
»Sonstiges: Wenn möglich, hätte ich gerne etwas Gruseliges, vielleicht mit Geistern oder sowas in der Art. :D


Obwohl ich zuerst versucht habe, etwas zu Penny Dreadful zu schreiben, habe ich dann doch umgeschwenkt und bin fandomflüchtig geworden. :) Hoffentlich macht dir das nicht allzuviel aus. OH! Und das war wahrhaftig eine Challenge... mit dem gruselig. Vermutlich habe ich komplett versagt, ich bin sonst immer eher für süße Schneeküsse und ganz viel Liebe. :D


(Tod-)Sünde


Klack. Klack. Klack.

Sie trug rote Hackenschuhe. Bei jedem wohlgesetzten Schritt ihrer langen Beine klapperten sie auf dem Asphalt. Trotzdem schwankte sie nicht, schwebte fast neben den trauernden Mütterchen her, tätschelte hier einen Arm und reichte ein Taschentuch dort. Ich fragte mich, wie ich sie ansprechen sollte. Romantisch, knurrte es in mir.

Tock. Tock. Tock.

Der Pfad schien kein Ende zu nehmen. Ihre Schultern spannten sich plötzlich und sie drehte sich halb um sich selbst, das Lächeln verborgen in den Schatten der haftenden Nacht. Als wüsste sie etwas. Der kalte Kuss von Vorahnung zog mich vernichtend zu sich. Mit lockenden Lippen, die durch den Nebel bissen. Doch ich sah die blutige Wunde zu spät hinter ihrem schwarzen Spitzenschleier.

Gong. Gong. Gong.

Hallte es durch das Grauen des Morgens und ihre Silhouette war fast nicht mehr von den anderen zu unterscheiden. Sie stand an dem leeren Grab, wartete wohl auf den Priester. Sonderbar, dachte ich. Ich war nie ein besonders religiöser Mensch gewesen. Und doch. Manchem Drängen konnte man nicht widerstehen. Besonders, wenn einem die Furcht im Nacken saß.

Klick. Klick. Klick.

Sie hatte sich mit wiegenden Hüften zu mir gesellt. „Kanntet ihr sie gut?“, ihre Stimme wie Morgentau, zu plötzlich dem Frost zum Opfer gefallen und ich schrak zurück. Als wüsste sie etwas davon. Sie hielt meinen Arm wie der Schöpfer den ersten Mann gehalten hatte. Die Mundwinkel zupften grinsend an ihren Wangen. „Wie man seine Frau so kennt“, zuckte ich mit den Schultern.

Plitsch. Plitsch. Plitsch.

Es begann zu regnen, obgleich es eigentlich zu kalt dafür war. Sagte mir mein Verstand. Sie drängte sich näher an mich. „Komm“, ganz anders klang sie, warm und weich, fasste meine Hand und legte sie auf ihre Wange. Als wüsste sie, wie es geendet hatte. Kurz zuckten meine Finger, erinnerten sich und lauschten der wallenden Furcht in meinem Inneren. „Wir sollten warten“, beharrte ich, entzog mich ihrer Handschuhe. Einst war ich nicht so geduldig gewesen. Sie rutschte von mir, sah mir höhnisch in die Augen. „Ich werde dich gewarnt haben.“

Klonk. Klonk. Klonk.

Der Priester trug schwarzes Samt und eine schwere Bürde. Als ob er ihren pfeifenden Atem noch in den Ohren hatte. Die Kapuze war ihm ob des Regens weit über die Augen gezogen, sein Gesicht ein dunkler Schlund von Unbekanntem. Als ob er sich dem Rausch des mächtigen Zornes ergeben hätte. Metallisch blitzte es, wo der Weihrauchkessel hätte sein sollen. Als ob er das Messer in ihre Brust gesteckt hätte, als sie einmal mehr die Suppe versalzen hatte. Klamm schien mein Herz zu stehen.

Ihre Zunge schnellte schlangengleich über ihre Lippen. Die Messdiener schlugen im Takt auf das Eibenholz.

Poch. Poch. Poch.

Dumpfes Klopfen. Eins mit dem kalten Schlagen meines Herzens, das mir immer weiter die Kehle hinauf hüpfte. Als ob es wieder ihres wäre, mit ihrem gebrochenen Blick.
„Das ist kein Priester“, dünn zog sich meine Stimme aus dem Hals, fein riss ihr Ton in der Stille der drückenden Dunkelheit.

Ritsch. Ritsch. Ritsch.

Meine Füße klatschten auf den Boden. Der Atem stand dick in der Luft, schnürte sich eng um meine Kehle. Wie meine Hände um ihren Hals. Ihre Hand schraubte sich um meinen Arm, die Absätze tief in den schlammigen Grund gegraben. Die Maske war fort und der Teufel sah mir ins Gesicht.

Stocken.

Bleich schneite es von meinen Wangen. Als ob es ihre wären, mit den blauen Lippen. Die Fratze lächelte zahnlos, öffnete den Rachen für ein kehliges Lachen. Schock fuhr kreischend über mich, obwohl es längst zu spät war. Klauen gruben sich in meine Haut. Die Mütterchen starrten in atemlosem Schock.
Todgesündigt.“

Stille.
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