The most wonderful time of the year

von Aprilluna
GeschichteRomanze / P16
Michael "Mick" Brisgau Tanja Haffner
29.11.2015
23.12.2015
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29.11.2015 2.742
 
Mick saß bei Uschi an der Bar und trank sein Pils, als plötzlich sein Handy klingelte. Ein Blick auf das Display verriet ihm den Namen des Anrufers.
„Hallo mein Schatz“, meldete er sich erfreut.
„Hallo“, kam es nicht weniger erfreut zurück. „Was hältst du davon, morgen mit mir auf dem Weihnachtsmarkt essen zu gehen?“
„Ich weiß nicht“, zögerte Mick. Auf das Geschiebe und Gedränge hatte er eigentlich überhaupt keine Lust.
„Ach komm schon!“
„Na gut! Aber nur, weil du’s bist!“ Ungewöhnlich schnell hatte er sich überzeugen lassen. Vielleicht hätte er besser das letzte Bier nicht getrunken, dachte er. „Also, wann und wo?“, fragte er dann sich in sein Schicksal ergebend. Schnell waren die Infos ausgetauscht und auch das Gespräch beendet.
„Prima. Tschüss dann bis morgen. Ich freu mich schon!“
„Tschü tschü. Hab dich lieb!“ Seufzend legte Mick auf. Da hatte er sich wieder mal auf was eingelassen, was er eigentlich gar nicht wollte. Er konnte sich aber auch ein selbstironisches Schmunzeln nicht verkneifen.
Uschi, die das Gespräch hinter dem Tresen mitbekommen hatte, sah ihn neugierig an.
„Ich hab ‘n Date!“ Verschmitzt zwinkerte er ihr zu.
„Und sagst du mir auch mit wem?“
„Nö!“
Uschi, die sich jetzt über ihre so deutlich hörbare Ungeduld ärgerte, war klar, dass sie für heute nichts mehr aus ihm herausbekommen würde. Hätte sie doch nur nicht so plump gefragt.

Als Mick am nächsten Morgen herunter kam, traute er seinen Augen nicht. Auf einem der Tische lag eine rote Tischdecke. Darauf war für drei Personen gedeckt und auf dem Adventskranz war die erste Kerze angezündet. Aus der Küche kam frischer Kaffeeduft, zu dem sich jetzt auch noch der Duft von gebratenen Eiern und Speck mischte. Mick blieb am Treppenabsatz stehen und rieb sich verwundert die Augen.
„Morgen. Was stehst’n du hier so rum? Bist du hier festgewachsen?“ Martin gab ihm einen freundschaftlichen Klaps auf den Arm und schob ihn weiter. „Morgen Uschi!“, rief er fröhlich in die Küche.
„Guten Morgen mein Schatz!“,  rief es nicht weniger fröhlich zurück.
Mick stand immer noch staunend da, wo Martin ihn stehen gelassen hatte. Der hatte sich in Erwartung eines leckeren Frühstücks bereits an dem verlockend gedeckten Tisch nieder gelassen.
„Jetzt komm schon her und setz dich! Steh nicht da rum wie ne Ölgötze!“, lachte er Mick an und winkte ihn herbei.

Martins und Uschis Liebe hatte sich doch als beständig erwiesen. Micks Befürchtung, dass das eine Eintagsfliege werden würde, hatte sich nicht bewahrheitet. Die beiden schienen wie zwei Legosteine zu sein, die, egal an welcher Seite man sie ansetzte, immer das perfekte Gegenstück zueinander waren. Mick war nach wie vor ungebunden. In sein Leben war eine wohltuende Ruhe eingekehrt, nachdem Tanja und er beschlossen hatten, dass sie niemals mehr als nur Freunde sein konnten. Immerhin, das hatten sie auf die Reihe bekommen und heute konnten sie unverkrampft und herzlich miteinander umgehen. Sie lachten zusammen, trösteten sich und nahmen sich auch mal in den Arm, aber darüber hinaus passierte nichts. Sie waren einfach nur gute Freunde und das war auch gut so.

Mick saß jetzt bei Martin an dem üppig gedeckten Tisch. „Sag mal, gibt’s was zu feiern?“
„Wie kommst du darauf?“
„So viel Aufheben ums Frühstück hat Uschi doch noch nie gemacht!“ Mick wurde das Ganze immer dubioser, auch wenn er sich durchaus an sowas gewöhnen könnte. „Normal ist das jedenfalls nicht.“
In diesem Augenblick kam Uschi mit einer Pfanne voll Rührei und gebratenem Speck und lenkte so die Aufmerksamkeit Micks von Martin ab auf den appetitlichen Inhalt. Mick lief das Wasser im Mund zusammen und so fiel sein Guten-Morgen-Gruß auch herzlicher aus als gewöhnlich.
„Uschi“, Mick kaute genüsslich bereits auf dem ersten knusprigen Speckteil herum und schob überaus zufrieden mit sich und der Welt schnell noch etwas Rührei hinterher, „du bist die Beste!“
„Ich weiß!“ Martin strahlte Uschi an, zog sie in seine Arme und gab ihr einen zärtlichen Kuss. Selbstvergessen sahen die beiden sich an.
„Ihr fallt jetzt aber nicht hier am Frühstückstisch übereinander her?“, sagte Mick mit vollem Mund. Aber er beobachtete amüsiert die beiden, die sich schließlich mit einem verliebten Grinsen voneinander lösten. „Sagt mal, seid ihr sicher, dass ihr dem alten Mick nicht doch was zu sagen habt?“
„Du erzählst mir ja auch nicht, mit wem du heute ein Date hast.“ Vergessen hatte Uschi das nämlich nicht, doch wurde ihr Gesicht von einer ganz feinen Röte überzogen, was man eventuell auch dem Kerzenschein hätte zuschreiben können.
„Och Uschiiiii, ich merk doch, dass hier was im Busch ist.“ Bei Mick war ein solch trivialer Versuch der Ablenkung wenig erfolgversprechend.
„Ähm?“ Hilfe suchend sah Uschi zu Martin, der ihr durch ein Blinzeln zu verstehen gab, die Bombe jetzt platzen zu lassen. „Naja“, Uschi atmete noch einmal tief durch, „wir haben uns verlobt!“
Jetzt war es raus. Gespannt warteten sie auf Micks Reaktion, der sie zunächst sprachlos anstarrte. Er schob sich erst einmal eine ordentliche Portion Rührei in den Mund, um so den ersten Überraschungsmoment verarbeiten zu können. Das verschaffte ihm etwas Zeit. Aber dann freute er sich für die beiden.
„Herzlichen Glückwunsch! Das müssen wir unbedingt feiern!“
„Das tun wir doch gerade!“, antworteten die zwei wie aus der Pistole geschossen.
„Aaaaha. Und wann genau hattet ihr die Absicht, mir das zu sagen? Ich meine, ihr könnt ja schlecht mit mir feiern, wenn ich gar nicht weiß, dass wir feiern!“
„Ja…so…also…dann..na, jetzt eben!“ Martin fuchtelte in seiner Nervosität so aufgeregt in der Luft herum, dass Uschi sicherheitshalber vor seinem Messer, denn warum sollte er auch das Besteck erst aus der Hand legen, von ihrem frisch Verlobten abrückte.
„Na dann.“ Mick zeigte Erbarmen, hob seine Kaffeetasse und sprach: „Auf euch! Ich wünsche euch alles Glück der Welt. Und du“, jetzt sah er Martin todernst an, „mach es dieses Mal besser!“ Die versteckte Warnung in seiner Stimme kam auch an. Martin musste hart schlucken, aber er hatte eh nichts anderes vor, so dass er auch sogleich wieder zu seiner Feierstimmung zurückkehrte. So beendeten sie fröhlich ihr Frühstück bzw. die für Mick doch sehr spontane Verlobungsfeier.

Als Mick sich am Nachmittag auf den Weg zu dem verabredeten Würstchenstand durchschieben ließ, ging ihm das Frühstück wieder durch den Kopf. Dass die Verlobung noch gefeiert werden musste, da kamen die beiden nicht drum herum. Mick dachte so intensiv darüber nach, dass er beinahe sogar an dem Stand vorbeigelaufen wäre, hätte die Bratwurst nicht so intensiv gerochen. Suchend sah er sich um. Irgendwo hier sollte sie stecken.
„Papa! Hallo! Hier bin ich!“
„Isa-Schatz!“ Mick beeilte sich, zu seiner lebhaft winkenden Tochter durchzukommen.
Nach Bratwurst und Pommes machten Vater und Tochter sich auf, den Essener Weihnachtsmarkt zu erkunden. Überall glitzerte und funkelte es. Weihnachtlieder waren zu hören. Untergeärmelt schoben sie sich durch die vollen Gänge. Isa verdonnerte Mick zu einem leuchtenden Stern, den er sich zu Hause ins Fenster hängen musste.
„Und ich komme das kontrollieren, und zwar unangemeldet!“ Vor so viel töchterlicher Autorität musste er sich einfach geschlagen geben. Gut gelaunt zogen sie weiter, bis sie zu einem Stand mit Mützen und Handschuhen kamen. Mick sah schon wieder diesen begehrlichen Ausdruck in Isas Augen. „Nein! Denk erst gar nicht daran!“
„Och komm schon. Du kannst doch wenigstens mal aufprobieren!“ Und bevor Mick sich wehren konnte, hatte er bereits das erstes plüschige Kunstpelzteil auf dem Kopf. Das war wohl doch eher was für die Dame, entschied Isa. Eine Mütze nach der anderen probierten sie auf – mit Bommel, ohne Bommel, mit Zöpfen, ohne Zöpfe, bunt, einfarbig, was sie gerade in der Hand hielten. Sie hatten so viel Spaß, dass sogar einige Schaulustige stehen blieben, um ihrer ungeplanten Modenschau beizuwohnen. Am Ende waren sie so übermütig, dass jeder eine Pinguinmütze auf seinem Kopf sein Eigen nennen durfte und Isa noch die passenden Handschuhe dazu.
„Hast du noch Lust auf einen Glühwein?“, fragte Pinguin Isa.
Mick verzog das Gesicht. Aber er hatte heute schon zu Genüge Isas Überzeugungskraft kennen gelernt. Außerdem hatte er so viel Spaß wie schon lange nicht mehr gehabt. Also – „Warum nicht!“, fügte er sich wieder einmal mehr oder weniger bereitwillig in sein Schicksal. Fröhlich legte er einen Arm um sie und zog mit ihr weiter.

Mick und Isa hatten gleich in der Nähe eines Maronenmannes einen freien Stehtisch ergattert, wo ihnen jetzt aus den Tassen der heiße Dampf des Glühweins in die Nasen stieg. Sie knabberten an den heißen Maronen und ließen die tiefrote heiße Flüssigkeit ihre Kehlen hinunterlaufen. Eine angenehme Wärme durchflutete sie, zumal es in den letzten Tagen richtig kalt geworden war. Die heißen Maronen wärmten ihnen äußerlich ihre kalten Hände. Insbesondere Isas, die trotz der gerade erstandenen Pinguinhandschuhe eiskalte Finger hatte. Mick hatte gerade für sie beide noch mal die leeren Tassen füllen lassen, als eine Kinderstimme hinter ihm lauthals verkündete: „Papa, duck ma, da sin swei Pinduins!“
Die beiden mussten so lachen, dass man sie für „Pinduins“ hielt. Sofort hielten sie Ausschau nach ihrem begeisterten Fan. Der war gar nicht so schwer auszumachen, drohnte doch der stolze Entdecker auf den Schultern seines Vaters und deutete lebhaft in ihre Richtung. Bestens gelaunt winkten sie dem dick eingemummelten Kind zu.
„Mick?“, rief da jemand erstaunt.
Diese Stimme kannte er doch. Klein und zierlich wie sie aber war, konnte er sie in der Menschenmenge nur nicht sofort ausmachen. Doch dann sah er sie. Tanja! Die schüttete sich aus vor Lachen.
„Hallo Tanja! Warum lachst du so?“ Treuherzig sah er sie an und nahm sie zur Begrüßung in den Arm. Tanja selbst konnte noch nichts sagen. Stattdessen erwiderte sie herzlich seine Umarmung. Glucksend löste sie sich von ihm.
„Felix! Darf ich dir einen guten Freund vorstellen? Mick Brisgau mit seinem Pinguin…ich meine seiner Tochter Isa!“ Tanja gluckste immer noch, da sie mühsam oder eher vergeblich versuchte, ihr Lachen zu unterdrücken. Doch sich ihrer guten Kinderstube besinnend setzte sie die Vorstellung dann doch fort. „Mick, das ist mein Bruder Felix mit seiner Familie. Stell dir vor, wir haben sogar Andreas samt Familie hier getroffen.“ Tanja prustete wieder los. „Hallo Isa! Einfach toll ihr beiden!“ Sie konnte sich gar nicht satt sehen. Ob Andreas hier auch noch mal vorbei käme? Das musste er einfach gesehen haben.
„Wollt ihr auch einen Glühwein?“, fragte Mick, angesteckt von Tanjas Heiterkeitsausbruch, in die Runde. „Kinderpunsch gibt’s hier auch!“
„Warum nicht!“ Felix war sofort dabei und sein Sohnemann schien von den „Pinguins“ auch recht angetan zu sein. Dieser Mick hatte irgendetwas Besonderes an sich. Es wunderte ihn nur, dass Tanja das in keinster Weise zu bemerken schien. Vielleicht war er aber auch verheiratet, das würde natürlich alles erklären.
„Ist Ihre Frau noch mit Geschenke suchen beschäftigt?“, wollte Felix dann auch gleich in Erfahrung bringen.
„Hey, ich bin der Mick und ich habe keine Frau!“ Ohne dass er sich dessen bewusst war, schenkte er Tanja einen schrägen Blick. „Also, wer will jetzt was?“
„Glühwein!“ „Glühwein!“ „Glühwein!“ „Ich gehe mit den Kindern noch mal zum Kinderkarussell!“ Alle riefen durcheinander. Letztendlich blieben nur Felix, Isa und Mick übrig.

Als Tanja mit ihrer Schwägerin und den Kindern wieder zurückkam, waren die drei Zurückgebliebenen bereits ziemlich lustig.
„Hey Mick!“ Tanja deutete hinter sich. Im Schlepptau hatte sie nämlich Andi, Dana, Amelie und seine Mutter Gabi mit Meisner. Die Reaktion der Vier auf Micks Pinguin-Style ließ auch nicht lange auf sich warten.
„Was? Noch nie swei Pinduins gesehen?“, ahmte er mit den anderen um die Wette lachend Felix‘ kleinen Hosenmatz nach. Andreas holte sofort sein Handy hervor und machte ein Photo.
„Und wenn der Pinduin seinen Schreibtisch nicht ordentlich hält, mach ich davon ein großes Poster und häng es im Präsidium auf“, flüsterte er grinsend Dana ins Ohr.
„Hey Amigo! Hallo Dana! Gabi! Na seht euch das an. Auch das Vorzimmer unseres hochgeschätzten Zentrallabors ist da! Na los, kommt rüber!“Mick machte eine einladende Geste.
„Nee, lass mal. Wir müssen nach Hause. Die Kleine. Du weißt schon!“, lehnte Andi mit leichtem Bedauern ab.
„Quatsch, bleibt ihr mal hier! Oma liest Amelie heute ihre Gute-Nacht-Geschichte vor!“ Gabi Kringge ging offensichtlich voll in ihrer Oma-Rolle auf.
„Felix, wir sollten auch nach Hause gehen“, rief ihm dessen Frau zu. Der sah enttäuscht auf seine Uhr, aber seine Frau hatte Recht. Als Tanja mit ihnen gemeinsam aufbrach, sah ihr Bruder sie erstaunt an.
„Du willst doch jetzt nicht mit uns nach Hause gehen? Bleib doch noch hier!“ Da Felix seine Schwester nur allzu gut kannte, sagte er das absichtlich laut, damit auch die anderen es hören mussten. Proteststürme prasselten auf sie nieder, so dass ihr gar nichts anderes übrig blieb, als zu bleiben. Während Andi und Dana sich kaum von ihrer Kleinen trennen konnten, verabschiedete sich Isa von Mick. Einige Kommilitonen hatten ihr gesmst, ob sie nicht spontan Lust hätte, sich mit ihnen auf dem Weihnachtsmarkt zu treffen.
„Tschüss Papa! Mann, hatten wir heute Spaß zusammen! Ich wünsch dir jetzt auch noch viel Spaß!“ Isa drückte Mick ein wenig fester als gewöhnlich und ging dann mit einem fröhlichen Winken mit Gabi und Meisner, ihrem anderen Papa, den sie auch nach wie vor so nannte, fort.
„Tschüss mein Kleine!“ Strahlend schickte er ihr noch einen Luftkuss hinterher und dann war sie in der Menge untergetaucht. Mick drehte sich glücklich zu seinen Freunden um.
„Also, was wollt ihr?“ Er war in Spendierlaune. Uschi und Martin hatten sich verlobt, er hatte einen wunderschönen Nachmittag mit seiner Tochter verbracht, es war einfach der perfekte Tag.
Scherzend und lachend standen sie um den Stehtisch herum, wobei der Pinguin auf Micks Kopf einen nicht unerheblichen Anteil daran hatte. Tanja, die neben ihm stand, musste dem Pinguin andauernd über den Kopf wuscheln.
„Worauf wollen wir trinken?“ Andi hob seine Tasse und grinste breit in die Runde.
„Auf die Liebe!“, rief Mick und nahm Tanja in den Arm.
„Mick, bitte!“ Peinlich berührt schob sie seine Hand von ihrer Schulter.
„Warum nicht?“, fragte er. Seine verschmähte Hand ruhte jetzt auf ihrer Taille und machte es Tanja unmöglich, Abstand zwischen sie beide zu bringen, ohne den Tisch dabei umzuwerfen. Da ihr aber auch kalt war, ließ sie sich diese Nähe nicht ganz uneigennützig gefallen.
„Ja, auf die Liebe!“, stimmte Andi lebhaft mit ein, wurde dann aber doch stutzig. Wie kam ein Mick Brisgau, der seit einigen Monaten ein entspannter Junggeselle war, auf die Idee, auf die Liebe zu trinken? OK, er war der Pate seiner Tochter, aber das hielt er dann doch für leicht übertrieben. „Mick, hast du uns vielleicht irgendetwas mitzuteilen?“, hakte er mit hochgezogenen Augenbrauen nach.
„Wie meinst’n das?“ Mick war nun doch etwas verwundert.
„Du kannst auch ‘en Antarktispinguin in Sommerurlaub fahren lassen! Alsooooo?“
„Na jaaaa“, begann Mick gedehnt, „es gibt ne Verlobung zu feiern.“ Dabei zog er Tanja, deren Taille er nach wie vor umfasst hielt, unbewusst enger an sich, was die allerdings sehr bewusst wahrnahm.
Mit einem gedehnten: „Nein!“, schaltete sich Dana, die die nervenaufreibende Beziehung der beiden auch kannte, jetzt ein und sah ungläubig zwischen Mick und Tanja hin und her.
„Nein“, sagte Tanja noch um etliche Nuancen ungläubiger, sich Micks Hand auf ihrer Taille immer bewusster.
„Doch!“ Mick hatte gerade ein diebisches Vergnügen, erlöste dann aber doch alle aus ihrer Ahnungslosigkeit. „Uschi und Martin haben sich verlobt.“, ließ er schließlich die Bombe platzen, genauso unerwartet wie Uschi heute Morgen.
„Auf Uschi und Martin!“, riefen Dana und Andi gleichzeitig.
„Auf Uschi und Martin!“, pflichtete Mick den beiden lauthals bei.
„Auf Uschi und Martin!“, fiel auch Tanja in die Hochrufe ein.
Diese Neuigkeit war ein willkommener Anlass, noch eine Runde Glühwein zu holen. Die Erinnerung an Uschis Glück, der reichliche Zuspruch zum Glühwein und die Weihnachtsmusik ließen es Mick ganz warm ums Herz werden.

Jingle Bells war gerade aus dem Lautsprecher zu hören, als Tanja in den nächtlichen Himmel sah und plötzlich die Arme ausbreitete.
„Es schneit!“, jubelte sie.
Fasziniert beobachtete Mick ihre kindliche Freude über die in der kalten Luft tanzenden Schneeflocken. Einige der kristallenen Eissterne landeten in ihren dunklen Locken. Mick konnte einfach der Versuchung nicht widerstehen und fischte das ein oder andere Flöckchen heraus. Für einige Sekunden sahen sie sich tief in die Augen, doch war der Moment auch genauso schnell verflogen ebenso wie der Tag, zumindest empfand Mick das so. Es war 21 Uhr, der Weihnachtsmarkt leerte sich merklich und die Verkäufer hatten für heute Feierabend. Vergnügt leerten die vier noch ihre Tassen und verabschiedeten sich mit einer herzlichen Umarmung voneinander. Alle waren sich einig, dass sie sich nächsten Sonntag wieder hier treffen wollten.



Fortsetzung folgt (am2. Advent)

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Das Herz hat für so manches seine guten Gründe, die die Vernunft gar nicht kennt.
(Blaise Pascal)
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