The Spirit of Christmas

von Aprilluna
GeschichteRomanze, Fantasy / P18
Michael "Mick" Brisgau Tanja Haffner
29.11.2015
25.12.2015
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29.11.2015 687
 
„Na komm Uschi, noch einen zum Einschlafen“, bettelte Mick und hielt ihr sein leeres Schnapsglas unter die Nase.
„Brisgau, du hast so viel, dass du eine ganze Kompanie damit schlafen legen könntest!“ Entsetzt schob Uschi Micks Hand von sich weg.
„Macht nischts!“ Micks Aussprache trug hörbar seinem Flözfuselkonsum Rechnung. „Frohe Weih-nachten Uschi!“, grölte Mick und setzte das gefüllte Glas an.
Uschi sah irritiert, dass das Glas tatsächlich gefüllt war, obwohl sie die Flasche fest in ihrer Hand ge-halten hatte. „Martin!“ Drohend sah sie ihren Freund an, doch der erwiderte ihren Blick mit seinen unschuldigen Dackelaugen.
„Ja mein Schatz, isch liebe disch!“ Auch Martin hatte sich ganz offensichtlich redliche Mühe gegeben, ihren Flözfuselbestand, wenn nicht zu vernichten, so doch wenigstens zu reduzieren.
„Gute Nacht!“ Mick rutschte unsicher von seinem Barhocker hinunter und wankte in sein Zimmer, wo er, wie er war, auf sein Bett fiel und sofort einschlief.

„MICK!“
Unwirsch wollte der so rüde Angebrüllte sich umdrehen, doch jetzt wurde er auch noch kräftig durchgeschüttelt.
„Lass mich doch in Ruh! Hau ab!“, grummelte er.
„Das würde dir so passen! Aufgestanden wird! S O F O R T!“
Irgendetwas ließ Mick die Augen öffnen und sich der Stimme zudrehen. „Wer bist’n du?“, fragte er benommen. Vor Mick hatte sich eine Erscheinung aufgebaut, die wie eine Mischung aus Mick Jagger und Oliver Hardy aussah – kugelrund, wulstige Lippen und halblange Haare. So stand er vor Mick und streckte ihm die Zunge heraus. Statt einer Antwort griff der fremde Mann nun nach Micks Arm und riss ihn empor. „Mach mal halblang, Kum…“ Mick wollte dem Eindringling einen deftigen Haken verpassen, doch schlug seine Faust einfach durch die Gestalt hindurch, dass sein eigener Schwung ihn von den Füßen holte.
„Wie … Ich meine … Wer …“ Mick stammelte ein zusammenhangloses Kauderwelsch. Sein Schwung hatte ihn und seinen „Begleiter“ förmlich hinaus auf die Straße katapultiert.
„Micha, mein Kleiner!“
„Mama?“ Ungläubig drehte Mick sich abrupt zu der so lange nicht gehörten Stimme um. Der einzige Mensch, der ihn je so genannt hatte, war seine Mutter. Und jetzt stand sie neben ihm? Nein, das lag wahrscheinlich an Uschis Schnaps. Gleich morgen würde er Meisner eine Probe zur Analyse vorbei¬bringen.
„Ja, mein Schatz. Groß bist du geworden!“ Zärtlich sah sie ihren Sohn an, der nun fest davon über-zeugt war, ein Double seiner Mutter vor sich zu haben.
„Ich bin, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben, nicht mehr gewachsen. Solltest du eigentlich wissen, wenn du meine Mutter wärst“, erwiderte Mick ungehalten. Hinter diesem üblen Scherz konnte eigentlich nur Martin stecken. Er wollte sofort wieder nach drinnen stürmen und sich seinen Freund gehörig zur Brust nehmen und ihm dabei auch gleich die Freundschaft kündigen. Das ging nun wirklich zu weit. Doch kam er keinen Millimeter weiter. Dieser andere Typ hielt ihn immer noch fest am Arm.
„Micha“, zärtlich strich sie ihrem Sohn über die Wange, doch ihre Stimme war sehr eindringlich. Ob-wohl von ihrer Hand eine seltsame Kälte ausströmte, stand Mick nun gebannt und mit klopfendem Herzen vor seiner Mutter. Es war genau die Geste, die schon den kleinen, aufbrausenden Mick so oft besänftigt hatte. „Hör mir gut zu, mein Schatz. Du hast die letzte Chance, dein Leben wieder in Ordnung zu bringen. Lass dich darauf ein. Bis morgen Abend wirst du Besuch von drei Geistern bekommen. Ich konnte leider nicht früher kommen und dich warnen. Du sitzt ja nur noch auf diesem … deinem Hocker und …“, aufgebracht deutete sie in Uschis Kneipe. Traurig wendete sie sich wieder ihrem Sohn zu. „Du trinkst zu viel und redest nicht über das, was dich wirklich beschäftigt. Lieber läufst du vor den Menschen weg, denen du etwas bedeutest und die dir wichtig sind, stößt sie vor den Kopf und hörst nicht hin.“
„Aber …“
„schscht … dieses Mal wirst du zuhören und hinsehen. Das“, damit deutete sie auf den Mann, der ihn nach wie vor festhielt, „das ist schon der Geist der vergangenen Weihnacht. Folge ihm und sieh genau hin. Es ist deine Entscheidung! Nutze deine Chance! Ich hab dich lieb, mein Micha!“ Ihre Stimme wurde immer dünner und die Konturen ihres Körpers begannen sich aufzulösen.
„Mama“, flüsterte Mick.
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