Warum ich Mathe nicht verstehe

von kweenron
KurzgeschichteHumor / P6
29.11.2015
29.11.2015
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Am Anfang dieser ausführlichen Erklärung möchte ich gerne eine Freundin von mir zitieren, die da sagte: „Ich habe die Klasse und das Internet gefragt, doch weiß nicht was die Aufgaben von mir wollen.“ Den so verbringe ich die meisten meiner Nachmittage, welche von unnützen Aufgaben geschmückt sind.
„Liebes Mathebuch, werde erwachsen und löse deine Probleme selbst.“, lautet meist die ernüchternde Ausbeute nach Stunden des Überlegens und des Durchstreichens falscher Rechnungen, in dem verzweifelten Versuch eine Formel richtig umzustellen. Vielleicht mag es an meiner eigenen Dummheit liegen, doch was ist mit dem Lehramt?
Ich erlaube es mir, mich an dieser Stelle selbst aus einem meiner One Shots zu zitieren: „Wenn Lehrer sich nur auf ein, oder zwei, Fächer spezialisieren, warum sollten wir dann alle beherrschen? Leute wie Sie studieren diese Fächer Jahre lang und wir sollen das Zeug in wenigen Wochen lernen? Ich verstehe das Lehramt nicht. Sie setzten und völlig unter Druck und erwarten viel zu viel.“ Ich vermute stark, dass ich nicht die Einzige mit dieser Auffassung bin. Manchmal frage ich mich, warum ich es nicht auf die Reihe bekomme die Mitternachtsformel anzuwenden und wie andere Menschen diese entwickeln konnten. Einen IQ von wie viel hatten diese Menschen, 200? Für mich erscheinen selbst die einfachsten Aufgaben zu schwer.
Für die fehlende Motivation sorgt, neben der Erkenntnis der eigenen Dummheit, auch die Frage, für was wir Terme und Lösungsformeln später einmal brauchen. Ja, für was? Alle Mathematiker und Wissenschaftler werden jetzt den Zeigefinger heben, doch wer sagt, dass jeder Schüler gerade solch einen Beruf erlernen will? Niemand, genau. Auch aus diesem Grund wird oft diskutiert und debattiert, ob man in den Schulen nicht zu viel unnützes Zeug lernt. Meiner klaren Meinung entsprechend würde ich bejahen.
Mathematische Berufe, Mathe studieren oder auch nur das Gymnasium weiter machen sind für mich keine Option – dafür bin ich viel zu dumm.

Warum ich Mathe nicht verstehe beinhaltet also mehr als nur den simplen Grund, dass ich zur dummen Delegation von Schülern gehöre.
Eventuell sollten wir Nach- und Vorteile beleuchten, doch leider fällt mir zu letztem nichts ein. Letzten Endes geht es hierbei ja auch darum euch alle da draußen von meinem Stellpunkt zu überzeugen und dieser dreht sich eindeutig um die negativen Punkte des Lehrfaches Mathematik.
Man kann nicht der gesamten Schülerschaft vorwerfen, sie sei dumm und schon gar nicht, dass sie sich die Frage stellen, wie Trigonometrie ihnen das spätere Leben erleichtert. Plus, Minus, Mal und Geteilt – bei den Grundrechenarten kann ich den Sinn und die Logik noch nachvollziehen und auch Prozentrechnungen erscheint mir noch entfernt nützlich, doch wozu Flächeninhalt und Volumen errechnen? Wiedereinmal kommen wir auf ein „Warum“ und „Wieso“ zurück.
Manch einer mag sich nun zynisch fragen, warum Schüler Gedankenkraft und Konzentration opfern um die Frage nach dem „Warum“ zu stellen, anstatt mathematische Gleichungen zu lösen.
„Das was ihr wollt, ist etwas anderes als das, was Unterricht will.“ sagt meine Deutschlehrerin just in diesem Moment – Na wenigstens eine nachvollziehbare Erkenntnis in meiner heutigen, vierstündigen und sicher nicht ganz sinnvollen Deutsch Periode.
Laut manch einem Lehrer dürfte das Motto der Schüler wohl wie folgt lauten: „Ich bin nicht dumm, ich bin nur zu faul um zu zeigen, dass ich schlau bin.“ Wie es einst Hotaru Oreki aus Hyoka aussprach, was meiner bescheidenen Meinung nach ein großes, wenn auch nicht sehr bekanntes Werk seines Faches ist. Doch kommen wir zurück zur nicht vorhandenen Motivation der Lernenden:
Würde man mich fragen, bräuchten Schüler nur zu wissen, für was sie das alles einmal brauchen. Man müsste ihnen brauchbare und reelle Beispiele vor Augen führen – Keine Erklärungsversuche an 50 Melonen und 30 Äpfeln; das Mathebuch ist wohl der einzige Ort an dem eine Person solch einen Großeinkauf verrichtet. Doch leider fragte mich keiner und für Schwachsinn gibt es bekanntermaßen keine Erläuterung, sonst würde er nicht Schwachsinn heißen. Binomische Formeln oder der Satz des Pythagoras sind nichts, was wir in unserem täglichen Leben brauchen. Und so werden Matheformeln weiterhin mit O = G + M beginnen und mit Opa = Grandpa + Milchtüte enden. Was auch anderes machen als seinen Frust über die eigenen Unfähigkeit in solch einen – mehr oder minder – philosophischen Text niederzuschreiben, wenn man keine Chance hat?
Lehrer kümmern sich um den Großteil der Schülerschaft, hier wird keine Rücksicht auf Verluste genommen – wer nicht mitkommt wird wie ein angeschossener Kamerad liegen gelassen um das eigene Überleben in diesem Gefecht aus Zahlen zu sichern. Kann man es ihnen verübeln? Diejenigen, die Mathematik begreifen würden wohl nein sagen, diejenigen, die verblutend am Boden liegen würden das Gegenteil entgegnen.
Ich gehöre zu den Verwundeten, inzwischen zu denen, die auf dem Sterbebett liegen. Nach der ersten Mathearbeit, welche in einer 4,9 ausartete, muss schon eine Wunderheilung eintreten um den dreier im Zehnerzeugnis noch zu retten – eine zwei scheint schon unmöglich. Doch leider ist der Terminkalender meines persönlichen Motivators vollgeschrieben und so bleibe ich weiterhin auf der Strecke. Das war es dann wohl.
Bye bye gute Note.
Bye bye gute Zukunft.
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