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Nimm meine Hand

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Hannibal Lecter
28.11.2015
15.12.2018
5
9.036
3
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
17.02.2016 2.162
 
Vorwort:
Entschuldigt ihr Lieben.
Ich habe mir sehr viel Zeit mit dieser Geschichte gelassen, denn ich wusste nicht im Ansatz, wo das alles hinführen sollte. Die Grundidee war da, aber ich war mir wegen des Endes nicht mehr wirklich sicher.
Großen Dank an meine Reviewschreiberinnen Abigail Collins und ilovehannibal.
Ebenso großen Dank an MewJacky und Hato-Chan für die Favoriteneintrage.
Und natürlich meine anonymen Leser: Vielen Dank!
Ich hoffe das 3. Kapitel gefällt euch, viel Spaß beim Lesen.

Allerliebste Grüße, euer Fliederchen



Abruptes Ende

Hannibal schaute nervös auf die Uhr. Sein zweiter Patient verspätete sich ungemein und das würde seinen eh schon sehr knapp kalkulierten Zeitplan durcheinander werfen. Heute wollte er auf keinen Fall zu spät kommen. Der Tisch im Balzac war reserviert und wenn er ehrlich zu sich selbst war, dann war er mehr als gespannt auf den Abend. Normalerweise mangelte es ihm nie an Begleitungen, und jede seiner Bekanntschaften hätte alles gegeben, den Valentinstag mit ihm verbringen zu dürfen, aber bei Rosa war das anders. Hannibal war sich nicht einmal sicher, ob sie überhaupt einverstanden war. Er traute ihr auch zu, dass sie ihn einfach stehen lassen würde. Aber auf der anderen Seite, konnte sie sehr charmant sein. Mr. Wisham schien furchtbar angetan von ihr zu sein. Hannibal konnte sich seine Faszination selbst nicht ganz erklären. Sicher, es gab einige Frauen, die schon sein Interesse geweckt hatten, aber Rosa hatte ihn schlicht in seinen Grundfesten erschüttert. Verlegen schob er ein Stück Papier über das kleine Buch auf seinem Schreibtisch. Er hatte sich aus der Universitätsbibliothek ein Buch über Zierpflanzen ausgeliehen, um sich vor Rosa nicht erneut die Blöße gebe zu müssen, dass die Flora absolut nicht zu seinem Fachgebiet gehörte. Die Peinlichkeit von ihrer letzten Unterhaltung wollte er nicht noch mal erleben, auch wenn die Bibliothekarin mehr als überrascht von der Auswahl war. Doch Hannibal war es egal. Er hoffte inständig, dass der Abend wie geplant verlaufen würde. Aber er brauchte nur an ihren wehenden Rock zu denken, dann überschlugen sich seine Gedanken und alles in ihm wirbelte herum. Sein streng geordnetes System flog schon bei ihrem Lächeln auseinander und er war nicht mehr der Herr seiner Gefühle.
Doch seine Gedanken wurden jäh unterbrochen, denn seine Sekretärin kündigte den nächsten Patienten an.
Entspannt lehnte Hannibal sich zurück. Bis zum Abend war es noch eine lange Zeit und zumindest hier in seinem Büro hatte er noch die Oberhand.

Wie viele Rosen sie heute schon genau verkauft hatten, konnte Rosa nicht genau sagen, aber es waren unzählige. Auf der Fahrt zur Arbeit hatte sie die Karte immer wieder lesen müssen. Vielleicht erlaubte sich der Doktor einen schlechten Scherz mit ihr? Oder seine Begleitung war krank geworden und er hatte keinen besseren Ersatz gefunden. Je länger Rosa darüber nachdachte, desto mehr glaubte sie an ihren Verdacht. Obwohl, hätte er sich denn dann solche Mühe gemacht und den Strauß extra vorbeigebracht? Aber wahrscheinlich war es ihm nur zu peinlich, vor Mr. Wisham zuzugeben, dass der Strauß lediglich für seine Angestellte war. Was sollte ein so gebildeter Mann auch mit ihr? Erst vorletzte Woche war er mit einer angehenden Opernsängerin gesehen worden, wenn man dem Gerede von Sabrina glauben konnte.
Ihre Gedanken drehten sich, sie bekam nur am Rande mit, dass Sabrina ihr entsetzt die Schere aus der Hand nahm.
„Rosa, was zur Hölle tust du da? Du zerschneidest das ganze Seidenband. Wie soll ich das jetzt um die Tulpen wickeln?“
Rosa erwachte mit einem Ruck aus ihren Gedankenspielereien und blickte auf den Tisch vor sich. Sie hatte ca 1 Meter Seidenband in kleine, nicht mehr zu gebrauchende Stücke geschnitten.
„Sabrina, das tut mir leid, ich war ganz in Gedanken. Ich hole dir neues.“ Mit schlechtem Gewissen wollte Rosa die Überreste wegwerfen, doch ihre Kollegin hielt sie verschwörerisch am Arm fest.
Rosi, mir kannst du doch nichts vormachen, was ist los?“ Sie warf Rosa einen durchdringenden Blick zu. „Etwa doch ein geheimes Valentinsdate?“
Nervös spielte Rosa mit einer Haarsträhne. „Naja, ich bin mir da noch nicht so sicher.“
„Wie kann man sich da nicht sicher sein?“ hakte Sabrina misstrauisch nach. „Hast du jetzt ein Rendez-vous,oder nicht?“
Rosa seufzte auf. „Also hör zu. Rein theoretisch jetzt. Da hat dich jemand zum Essen eingeladen, den du nicht wirklich kennst und der naja, wie soll ich sagen, nicht wirklich zu dir passt.“
„Wieso ist er hässlich?“ Sabrina konnte ihr Lachen kaum verbergen.
„Nein, das meine ich nicht. Es passt halt einfach nicht.“
Sabrina zog die Augenbrauen hoch und stemmte die Arme in Hüften. “Rosa, die Wahrheit. Kennt man ihn?“
Rosa spürte,wie ihr Herz schneller klopfte. Konnte sie es wagen,Sabrina davon zu erzählen?
„Er...“ doch Rosas Stimme brach ab. „Sabrina, kümmere dich um deinen eigenen Kram.“
Beruhigend hob Sabrina ihre Hände. „Okay, dann nicht. Aber so geheimnisvoll wie du tust,muss er ja fantastisch sein. Ich leih dir meinen neuen Lippenstift und du erzählst mir morgen wie es war, einverstanden?“
Rosa nickte leicht, sie war Sabrina wirklich dankbar.

Erfolglos hatte Hannibal versucht, sich mit Gutachten und Patienten abzulenken, aber sein Blick wanderte alle paar Minuten zur Uhr und es schien ihm, als ob die Zeiger stillstehen würden.
„Doktor? Was sagen Sie? Doktor?“ Unsanft wurde Hannibal aus seinen Gedanken gerissen, denn sein Patient schaute ihn erwartungsvoll an.
„Sicher, wenn Sie das so sagen, wird das seine Daseinsberechtigung haben.“ Hannibal spürte,wie er den Faden verloren hatte, aber seinen Patienten schien das nicht zu kümmern, denn er verfiel sofort wieder in seinen langatmigen Monolog.
„Mr. Porter, das war sehr aufschlussreich. Ich danke Ihnen. Machen sie mit meiner Empfangsdame einen neuen Termin aus, ich denke das reicht für heute.“
Doch Hannibals Patient machte einen verwirrten Eindruck. „Dr. Lecter, mein Name ist Molin. Und meine Zeit ist noch nicht um.“
Hannibal spürte langsam wie er immer ungehaltener wurde. „Verzeihen Sie, Mr. Molin. Ja, Sie haben Recht. Aber ich denke, dass Sie heute so große Fortschritte gemacht haben, genießen Sie den Abend, Sie haben es sich verdient.“
Als Mr. Molin die Tür hinter sich schloss, lies sich Hannibal sich auf seinen Schreibtischstuhl fallen und massierte sich die Stirn.

Rosa spürte, wie ihre Aufregung immer stärker wurde. Nervös stand sie einige Meter von dem Laden entfernt, sie wollte auf keinen Fall so wirken, als würde sie auf ihn warten. Nervös warf Rosa einen Blick auf ihre Armbanduhr, es war noch 2 Minuten zu früh. Aber je länger Rosa in der untergehenden Sonne wartete, desto größer wurde ihre Angst.
Was wäre, wenn er nicht auftauchen würde? Wenn sich jemand einen üblen Scherz erlaubt hatte? Oder vielleicht wartete sie auch an der falschen Ecke?
Doch gerade als Rosa überlegte, einfach in die nächste Straßenbahn zu steigen und wieder nach Hause zu fahren, tauchte er auf.
Rosa kam nicht umhin seinen eleganten Gang zu Bewundern. Selbst sein Mantelknöpfe sahen teuer aus, so wie sie glänzten.
Schnell legte Rosa ihre vorderste Locke zurecht, ehe sie ein Lächeln aufsetzte.
„Rosa, verzeihen Sie meine Verspätung, es ist ja unmöglich hier einen Parkplatz zu finden. Ich hoffe Sie haben nicht allzu lange gewartet?“ Hannibal nahm ihre Hand und deutete einen Kuss an.
Rosa spürte, wie ihr Herz raste. „Oh machen Sie sich keine Gedanken, Doktor. Ich habe ein wenig die Abendsonne genossen.“
„Darf ich bitten?“ Hannibal bot ihr den rechten Arm an, den Rosa dankbar annahm, zumal ihre Absätze doch höher als gewöhnlich waren.

Rosa konnte es kaum glauben, selbst als der Kellner ihr den Stuhl zurecht gerückt hatte. Das Balzac war furchtbar elitär. Sie konnte sich nicht erinnern, jemals an einem so opulent gedeckten Tisch gesessen zu haben. Sonntags nach der Kirche lud ihr Vater die komplette Familie in Mizzy´s Dinner ein, aber dies war eine völlig neue Welt. Allein was sie mit den 3 verschiedenen Gläsern anfangen sollte, war Rosa schleierhaft und wenn sie ehrlich war, graute es ihr schon vor der Bestellung. Sie wusste nicht im Ansatz was sich hinter den hochtrabenden Namen er Speisen verbarg, geschweige denn wie man sie aussprach. Aber Hannibal lächelte ihr nur aufmunternd zu.
„Wenn Sie erlauben, lassen Sie mich das Menu aussuchen. Sie mögen doch Fisch?“
Rosa nickte nur schnell und nahm einen Schluck aus dem Wasserglas.
„Ich hoffe, es sagt Ihnen zu. Der Koch hat erst vor wenigen Wochen seinen zweiten Stern erkocht.“
Verlegen spielte Rosa an dem silbernen Serviettenring herum, doch dann gab sie sich einen Ruck. „Was halten Sie davon, wenn wir das Sie einfach lassen?“
In Hannibals Gesicht machte sich ein Lächeln breit. „Nur zu gern. Hannibal.“
„Hannibal... Ein seltener Name. Sie kommen nicht von hier?“
Hannibal zog die Augenbrauen hoch. „Rosa, das Du sollte immer auf Gegenseitigkeit beruhen. Aber ja, du hast Recht, ich komme ursprünglich aus Litauen.“
Rosa spürte wie Hitze in ihr aufstieg. „Macht der Gewohnheit, es tut mir leid. Litauen, wie schön. Meine Eltern kommen aus Mexiko.“ Sie schenkte ihm ein kleines Lächeln. „Aber sag mir, was genau tust du eigentlich als forensischer Psychiater? Das klingt furchtbar spannend.“
Doch Hannibal rutsche unruhig auf seinem Stuhl herum, ganz so, als wäre es ihm unangenehm. „Grob gesagt, befasse ich mich mit der Begutachtung von Straftätern. Aber das ist kein schönes Thema. Ich würde lieber mehr von dir erfahren. Wie bist du Floristin geworden?
Rosa musste auflachen. „Das war gar nicht so einfach. Eigentlich sollte ich Schneiderin werden, aber schon als Kind fand ich Blumen wesentlich lebendiger und schöner, als die Stoffe in der Näherei meiner Großmutter. Nach der Schule habe ich mich durchgesetzt und Mr. Wisham gab mir eine Chance.“
Je länger Rosa sich mit Hannibal unterhielt,desto selbstsicherer fühlte sie sich,anscheinend taute das Eis zwischen ihnen langsam. Mehr als einmal berührten sich sogar ihre Hände, aber ob es Zufall, oder Absicht war, konnte Rosa nicht genau sagen. Die Zeit verging wie im Flug und als Hannibal ihr in den Mantel half, war Rosa fast schon traurig, dass der Abend schon vorbei sein sollte.
Hannibal schien es ähnlich zu gehen.
„Hast du noch Lust auf einen Kaffee? Ich weiß wo es den Besten der Stadt gibt.“ zwinkerte Rosa ihm zu und hakte sich glücklich bei Hannibal ein, als er lächelnd einwilligte.

„Du hast tatsächlich nicht übertrieben.“ lächelte Hannibal Rosa über den Rand seiner Tasse hinweg. „Vielleicht sollte ich öfter hierherkommen, vor allem bei so einer netten Gesellschaft.“
Rosa strich sich verlegen die Haare aus dem Gesicht. „Ach Quatsch.“ Ihr Blick wanderte zur Uhr. „Oh Gott, schon so spät? Ich muss dringend nach Hause, meine Familie macht sich bestimmt schon Sorgen.“
Hektisch zog Rosa ihren Mantel an, warf Kleingeld auf den Tisch und lief in Richtung des 2. Einganges, welcher auf der anderen Seite des Cafes lag. Hannibal hatte Mühe Schritt zu halten, holte sie aber ein.
„Rosa, alles in Ordnung?“ Er musterte sie besorgt, doch Rosa nickte schnell.
„Ja, ich hab nur versprochen um 22 Uhr zu Hause zu sein. Es tut mir wahnsinnig leid, aber ich muss jetzt wirklich los. Vielen lieben Dank für den schönen Abend.Wenn du demnächst wieder Tisch-Gestecke brauchst, gebe ich mir besonders Mühe,versprochen.“
Bevor Hannibal noch etwas sagen, oder tun konnte, war Rosa in ein Taxi gesprungen und lies Hannibal völlig verdutzt auf dem Bürgerstein stehen.

Zu Hause angekommen schloss Rosa die Haustür auf, ihre Eltern hatten sie also nicht gesehen. Es war noch niemand zu Hause. Sie hätte vor Wut gegen die Tür treten können.Es gab hunderte Cafes und Restaurants, warum nur mussten ihre Eltern ausgerechnet in dieses kommen? Doch dann erinnerte sich Rosa: sie selbst hatte ihren Eltern von dem fantastischen Kaffee und ihren Geschwistern von dem Eis dort vorgeschwärmt, da hatte sich ihr Vater sich bereit erklärt, die Familie nach Marisols Ball dorthin einzuladen. Wie hatte sie das nur vergessen können?
Gerade als Rosa auf die Uhr an der Wand gesehen hatte, kamen ihre Eltern durch die Tür, sie hatte ihre Schwester erkannt, die gerade auf einen Tisch ganz in ihrer Nähe zusteuerte. Beinahe hätten sie sie gesehen und dann wäre alles herausgekommen.
Sie war so eine Idiotin gewesen. Hannibal dachte jetzt bestimmt, dass sie ihn nicht mochte, oder einfach nur eine hysterisch wäre. Es war aber auch furchtbar kindisch gewesen, ihn da stehen zu lassen, aber was blieb ihr übrig?
Wenn ihre Eltern herausfanden, dass sie sich mit einem Nichtmexikaner traf, würden sie sie hinauswerfen.
Was hatte sie sich auch dabei gedacht? Sie hätte sich niemals mit Hannibal treffen dürfen, eine Latina und ein Gringo. Wenn jemand das aus der Nachbarschaft erfuhr, würden alle mit dem Finger auf sie zeigen und sie wäre eine Schande für die Familie. Man würde ihr vorwerfen, dass sie die Familientradition mit Füßen treten würde.
Sie konnte sich nicht mehr mit Hannibal treffen, das Risiko entdeckt zu werden,war einfach zu groß.
Aber spätestens nach ihrer hastigen Flucht hatte sich das sowieso erledigt. Hannibal würde sie nie wiedersehen wollen. Es wäre am besten,wenn sie das Ganze einfach vergaß.
Langsam lies Rosa sich auf die Treppe sinken und fing an hemmungslos zu weinen.
Sie konnte Hannibal nicht mehr vergessen, dafür war es zu spät.
Sie hatte sich Hals über Kopf in ihn verliebt.
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