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Nimm meine Hand

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Hannibal Lecter
28.11.2015
15.12.2018
5
9.036
3
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Dieses Kapitel
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28.11.2015 1.669
 
Vorwort:
Ja, sie hat es wieder getan...
Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so schwer fallen wird "Fallende Blätter" gehen zu lassen, deswegen tröste ich mich jetzt hiermit.
Hoffentlich treffe ich damit den einen oder anderen Geschmack, bei meiner letzten Geschichte gingen die Meinungen ja sehr auseinander.
Über Reviews und Mails freue ich mich jedes Mal unglaublich, aber stille Leser sind selbstverständlich auch wilkommen!

Allerliebste Grüße, euer Fliederchen

Begegnungen

Baltimore war eine raue Stadt. Die Leute pflegten zu sagen, dass Baltimore selten etwas zurückgab, die Stadt verschlang die Menschen mit Haut und Haaren. Dennoch liebte Rosa Pareja ihre Heimatstadt. Baltimore war ihr immer ein Heim gewesen. Hier kannte sie jeden Stein, die Gerüche, ja selbst das Geschrei der Leute auf den nach Abgasen stinkenden Straßen gaben ihr das Gefühl von Heimat und Geborgenheit.
Aber etwas, was sie noch mehr liebte als Baltimore waren Blumen. Es hatte Rosa unheimliche Anstrengungen gekostet, ihren Vater davon zu überzeugen, ihre eine Ausbildung als Floristin zu erlauben.
„Deine Urgroßmutter war Schneiderin, deine Großmutter und ebenso deine Mutter und du willst Floristin werden? Rosa-Maria, das ist kein Beruf, oh dios, das ist Schwachsinn.“
Aber Rosa hatte sich durchgesetzt, als Latina war es schwer gewesen, aber sie hatte sich durchgebissen und schließlich hatte Mr. Wisham, bekannt für seine Exzentrik und gern gebuchter Florist und Dekorateur der wohlhabenden Baltimorer Hautevolee, sie eingestellt.
Lächelnd schloss Rosa die großzügige Tür auf, Mr. Wisham würde bald kommen und dann sollte er sein Geschäft perfekt vorfinden.

Doktor Hannibal Lecter hetzte durch die Straßen. Er hatte nicht mehr all zu viel Zeit. Für gewöhnlich plante er seine Abendgesellschaften lange im voraus, aber dieses Mal hatte er sich mit der Planung gründlich verschätzt. Er hatte gerade noch Zeit, sich um den Blumenschmuck zu kümmern, dann war seine Mittagspause auch schon wieder vorbei. Er hoffte, dass der alte Wisham noch geöffnet hatte, denn seine Anrufe heute Morgen hatte niemand angenommen. Beruhigt stellte er fest, dass Wisham tatsächlich geöffnet hatte, die altmodische Türglocke klingelte geräuschvoll, als er hereintrat. Es war allerdings niemand da, weder der grauhaarige Mr.Wisham, noch jemand anders. Er hörte nur leises Lachen aus einem hinteren Teil des Ladens.
„Mister, ich bin in einer Minute bei Ihnen.“ rief ihm, wahrscheinlich eine von Wishams Floristinnen zu. Eigentlich wollte Hannibal lieber von Wisham persönlich bedient werden, denn seine Gäste waren Wishams beste Kunden und Blumen waren eins der Gebiete, die Hannibal nicht wirklich geläufig waren.
Sein Blick wanderte über die vielen Auslagen. Er war sich noch unschlüssig, aber sein Blick wurde immer finsterer. Die hier ausgestellten Blumen waren ihm alle zu bunt, wild und nicht im Ansatz geeignet für eine abendliche Soiree. Anscheinend hatte Wisham sein Sortiment geändert, denn die klassischen weißen Callas und edlen Amarylis waren verschwunden und hatten Platz für Rosen und Orchideen aller Art gemacht.
Gerade als Hannibal an einer der Rosen riechen wollte, trat die Verkäuferin mit einem mehr als glücklich aussehenden Kunden in den vorderen Verkaufsraum und begleitete diesen dann zur Tür.
„Mr. Jackson, ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Freue. Beehren Sie uns bald wieder und grüßen Sie ihre Frau herzlichst von mir.“
„Rosa, ich versichere Ihnen, das werde ich. Bis nächsten Dienstag.“ er deutete eine Verbeugung an und war auch schon verschwunden.

„Kann ich Ihnen helfen Mister?“ Strahlend wandte sich nun Rosa Hannibal zu, während sie sich ihre Hände an der Schürze über ihrem Kleid abwischte.
Hannibal nickte lächelnd. „Madame ich benötige für eine Abendgesellschaft drei Tischgedecke. In eher schlichten Farben.“
„Oh bitte.“ Rosa erhob die Hände. „Nennen Sie mich Rosa, das tun alle. Madame klingt so alt. Zudem bin ich nicht verheiratet. “
Hannibal musste wieder Willen lächeln. Selten war ihm eine solch fröhliche Person begegnet. „Sehr gerne.Rosa.“
„So, was hat sich denn ihre Frau vorgestellt? “ Geschickt hob Rosa eine Vase aus dem Regal und stellte sie auf den Tisch.
Hannibals Lächeln wurde immer breiter, Rosas kecke Art gefiel ihm durchaus. „Nein, ich habe keine Frau die mich schicken könnte. Sie Müssen wohl mit meinen Vorstellungen vorlieb nehmen
Rosa wurde leicht rot. „Oh entschuldigen Sie, aber die meisten Herren kommen entweder um zu Hause Abbitte zu leisten, oder sie werden geschickt. Nun dann, haben Sie irgendwelche Vorlieben oder Vorstellungen?“ Hannibal zögerte. „Nun, ich weiß nicht genau.Blumen sind nicht gerade mein Fachgebiet. Wissen Sie was? Überraschen Sie mich.“
Rosa nickte und schenkte ihm ein bezauberndes Lächeln. „Gerne.“
Schnell griff sie einige Blumen und Hannibal staunte wie geschickt sie diese miteinander verband. “Sind Sie zufrieden, oder wünschen Sie noch etwas mehr?“
Hannibal war überrascht. Das Gesteck war klassisch elegant, aber durchaus raffiniert gesteckt. „Fantastisch, könnten Sie sie an meine Privatadresse liefern?“
Rosa nickte. „Sehr gerne, ich werde gleich unseren Boten schicken. Ihr Name?“
„Lecter.“ Hannibal überlegte, ob er ihr eine Visitenkarte geben sollte, entschied sich jedoch dagegen. „Arbeiten Sie hier schon lange? Ich habe Sie hier noch nie gesehen.“
Rosa nickte lächelnd. „Ja, seit circa zwei Jahren. Dr. Lecter, dass liegt daran, dass Sie ihre Bestellungen immer telefonisch abwickeln. Ich habe schon oft ihre Gestecke gefertigt.“
Hannibal war mehr als überrascht. „Tatsächlich?“
„Ja, zu Weihnachten waren es die Weihnachtssterne. Ebenso habe ich mich um ihre Zimmerpflanzen während ihrer Europareise gekümmert.“
Nun fühlte Hannibal sich mehr und mehr wie ein kleiner dummer Schuljunge. Warum auch immer, es machte ihn furchtbar nervös, dass Rosa so viel über ihn zu wissen schien.
„Wenn dem so ist, dann schulde ich Ihnen meinen größten Dank, Sie haben meinen Ficus gerettet.“ lächelte Hannibal. „Und mein Kompliment, die Gestecke waren allesamt fantastisch. Sie machen einen hervorragende Arbeit.“
Rosa würde leicht rot und spielte mit einem Seidenband herum. „Ach, mit ein bisschen Fingerübung kann das jeder. Das ist ja nichts besonderes. Ich stecke die Blumen lediglich zusammen. Mutter Natur hat die meiste Arbeit.“
Doch Hannibal schüttelte den Kopf. „Seien Sie nicht so bescheiden.“ Ein kurzer Blick auf seine Armanduhr lies ihn aufseufzen.“Kann ich mich darauf verlassen? Stellen Sie die Sträuße einfach direkt vor meine Haustür.“
Als Hannibal den Laden verlies, konnte er nicht umhin, sich noch einmal nach Rosa umzudrehen.

„Oh Doktor, das sieht ja wieder fantastisch aus. Sie sind ein Künstler.“ schwärmte Mrs. Hawingsham, als Hannibal die Gesellschaft in sein Esszimmer bat.
Doch Hannibal winkte ab. „Ach nicht der Rede wert.“ Doch auch Mr. Lawson beugte sich vor. „Ah, Nigella er hat unser Geheimnis aufgedeckt.“ „Wie meinen?“ verwundert blickte Hannibal den Intendanten der Baltimorer Oper an, der seiner Frau belustigt zu zwinkerte.
„Sie haben die Gestecke von Rosa anfertigen lassen. Seit sie bei Wisham arbeitet, lasse ich meine Sträuße nur noch von ihr anfertigen. Sie schafft es immer wieder, mich zu überraschen. Aber mit den Rosen hier, hat sie mich überzeugt. Sie müssen wissen, eigentlich mag ich keine Rosen.“ Nigella musste lächeln.. „Gott, wie diese Teerosen duften, himmlisch. Ich sage Ihnen, die bekommen Sie nirgends anders. Das Mädchen wird es noch weit bringen.“

Am nächsten Morgen musste Hannibal bemerken, dass sie Rosen einen wunderbaren Duft durch sein Haus trugen. Nigella hatte Recht, Rosa war etwas besonderes.
Wie sie lächelnd vor ihm stand, über dem korallfarbenen Kleid die Schürze und Hannibal war sich sicher, dass in ihren dunklen Locken eine Spange besetzt mit einer roten Rose gesteckt hatte.
Irgendetwas faszinierte ihn an dieser Frau, sie war so fröhlich, so natürlich. Vielleicht sollte er in Zukunft öfter ein paar Kleinigkeiten persönlich kaufen. Sein Büro könnte zum Beispiel etwas Grün gebrauchen.
Vielleicht sollte er Rosa in seiner Mittagspause noch einen Besuch abstatten, sein Büro konnte etwas Grün vertragen.

„Oh, Sie schon wieder. Womit kann ich helfen?“ Rosa, fröhlich wie gestern, lächelte Hannibal an.“Ich hoffe Sie sind mit den Gestecken zufrieden?“
Hannibal nickte rasch. „Sie waren der heimliche Star des Abends. Ich hatte mir gedacht, Sie könnten mir helfen. Mein Büro bräuchte dringend etwas Grün. Haben sie da etwas für mich?“
Rosa schien einen Moment zu überlegen. „Sonniger oder eher Schattiger Platz?“
Hannibal fühlte sich auf dem falschen Fuß erwischt, darüber hatte er nicht wirklich nachgedacht, zumal er nicht genau wusste, wohin er die Pflanze tatsächlich stellen sollte. „Sonnig schätze ich mal.“ Rosa musste auflachen. „Glauben Sie? Ohje, das ist aber wichtig, sonst geht die Pflanze sofort ein. Aber warten Sie, ich hätte da was für Sie.“ Rosa deutete auf eine grüne Rankpflanze mit weißen Blüten. „Was halten Sie davon? Braucht wenig Wasser und wenig Licht.“ Rosa warf Hannibal einen verschmitzten Blick zu. „Hält aber auch Sonne aus. Wenn Sie noch nicht genau wissen,wohin mit ihr.“
Hannibal fühlte sich leicht ertappt, daher bezahlte er schnell und machte sich auf den Weg zurück in sein Büro.

Die nächsten Tage musste Hannibal immer öfter an Rosa denken. Jeden Morgen und Abend nahm er nahm er den Umweg an ihrem Laden vorbei, nur um einen Blick auf sie werfen zu können. Er fühlte sich wie ein kleiner Junge, der gerade Äpfel stehlen wollte, wenn er sich wie jeden Tag an ihrem Laden vorbei stahl. Es war ganz und gar nicht Hannibals Art, aber dieses Mal konnte er nicht anders. Er war immer noch fassungslos, dass es eine Frau nur mit ihrem Lächeln schaffte, ihn so in den Bann zu ziehen.
Eines Morgens, Hannibal hatte die halbe Nacht durchgearbeitet und saß er in seinem Lieblingscafe, als Rosa eintrat.
Hannibal spürte, wie sein Herz anfing schneller zu schlagen. Verlegen lies er seinen Blick auf die vor ihm liegende Zeitung wandern, allerdings tanzten die Wörter vor seinen Augen auf und ab.
„Oh, Guten Morgen Dr. Lecter. Sie hier? Was für eine Überraschung.“ Lächelnd stand Rosa direkt vor ihm. Hannibal erstarrte. „Guten Morgen Rosa. Ja, ich frühstücke hier ab und an. Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten?“
Zu Hannibals Enttäuschung schüttelte Rosa den Kopf. „Liebend gern, aber ich bin viel zu spät dran. Ich wollte nur ein paar Bagels für meine Mittagspause kaufen, heute wird die Hölle los sein. Aber gerne vielleicht ein anderes mal.“ Schon wandte sie sich zum Gehen, drehte sich noch einmal um. „Vergessen sie nicht, ihre Pflanze zu gießen.“
Hannibal konnte sich nicht einmal mehr verabschieden, Rosa hatte ihn erneut sprachlos gemacht.
Lediglich ein Hauch ihres Parfums lag noch in der Luft.
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