Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die verschwundenen Reliquien

GeschichteMystery / P16 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne Rachel Corrigan
27.11.2015
27.11.2015
5
71.970
1
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
27.11.2015 22.679
 
Ohne groß nachzudenken, ganz offensichtlich, griff Metatron nach ihrer Hand und drückte sie aufmunternd, während er sich Belial zuwandte: „Also: Der Camerlengo macht im Vatikan Stimmung gegen den Papst. Er fragt hier und da mal ob ein Papst, dem wichtige Reliquien abhanden kommen, beziehungsweise unter dessen Regierung sie verschwinden, überhaupt noch den Segen des Himmlischen Vaters habe... So in der Art. Ich bin unbemerkt in seine Gedanken eingedrungen. Es ist wirklich so, wie du vermutetest: Er will der nächste Papst werden und dafür sorgen, dass der jetzige in Schimpf und Schande davongejagt wird oder abdankt oder ähnliches. Die Reliquien sind sicher in einem Tresor in seinem Elternhaus in Turin verschlossen. Offensichtlich denkt er in richtig großen Dimensionen. Er hat bereits ein Lagerhaus angemietet in denen er diverse größere Reliquien lagern will. Er plant um die zweitausend bis dreitausend Reliquien und Blutopferhostien in seinen Besitz zu bringen um sie dann mit großem Trara irgendwo zu „entdecken“. Daraufhin – so seine Vorstellung – würde man ihn als Retter der Kirche und ihrer kostbarsten Reliquien feiern und die „Entdeckung“ der Reliquien als Zeichen unseres Himmlischen Vaters ansehen, das ihn als neuen Papst – sozusagen ohne das Votum des Konklave – macht.“  „Verdammt!“ fluchte Belial. „Ich würde vorschlagen, dass wir das über Bischof Pasquieu regeln. Wenn sich die Kardinäle des nächsten Konklave dann daran erinnern welchen Anteil der an der Wiederbeschaffung hatte, dann wählen sie vielleicht ihn und damit wäre der nächste Papst jemand mit dem wir arbeiten können...“ „Na wunderbar! Und hier in Paris kriegen wir einen religiösen Eiferer der Gift und Galle gegen mich predigt!“ antwortete Belial säuerlich. „Als ob er hier so einen herschicken würde!“   Während sich in Belials Arbeitszimmer die Botschafter im Beisein von Cassandra unterhielten, bat Selvaggia in der Küche Euangelion um ein Gespräch. Der Sekretär hatte sich einen Tee holen wollen. Sofort stimmte der Engel zu und setzte sich. „Lucifer ist in letzter Zeit immer sehr... sehr...“  „...Erschöpft? Ja, ist mir auch aufgefallen. Ich habe ihm auch angeboten ihm bei der Höllenverwaltung zu helfen, aber das will er nicht.“ Selvaggia sah Euangelion nachdenklich an. „Dürftest du ihm dabei helfen? Ich meine, so rein von... von Himmlischer Seite?“ Der Sekretär zuckte mit den Schultern. „Ich bin Lucifer als Sekretär zugeteilt, auf ausdrücklichen Wunsch und ausdrückliche Anweisung von ganz, ganz Oben, vom obersten Chef höchstselbst, Selvi. Ich habe sogar selber um meine endgültige Versetzung gebeten – auch unter der Gefahr, dass ich... nun ja... vielleicht irgendwann kein... richtiger Engel mehr bin, sondern zu... sündenbeladen um in den Himmel zurückzukehren. Ich mag deinen Mann. Er ist der beste Chef den man sich wünschen kann. Er sieht nicht nur den Splitter im Auge des Anderen, sondern genauso gut den Balken im Eigenen.“ „Du könntest ihm also helfen? Auch bei der Höllenverwaltung?“ fragte Selvaggia neugierig. „An sich dürfte Höllenverwaltung nicht viel anders laufen als im Himmel die Verwaltung läuft. Einige Abläufe sind sicher anders, aber die Grundzüge dürften gleich sein.“ „Dann... ich möchte nicht, dass du deinen Platz im Himmel verlierst, Euangelion. Es wäre natürlich toll, wenn du... du dich einfach um diese Höllenverwaltung kümmern könntest und mein Mann wäre entlastet... Immerhin wird er ja auch bald Vater und nun ja...“ „Ich verliere nichts, Selvi – ich gewinne an sich nur. Mach dir keine Sorgen um mich.“ Selvaggia schluckte. „Ich... wir werden sicher Ärger von ihm kriegen, Euangelion, aber... wenn du dich in sein Arbeitszimmer schleichst wenn er wieder hierher kommt und dir die Unterlagen mal ansiehst...? Würde das gehen? Und mit mir wird er wohl nicht so böse werden, immerhin bin ich schwanger...“ Euangelion nickte. „Ich werde mich auch bei Gabriel absichern. Mach dir keine Sorgen. Ich tue was ich kann um zu helfen.“ Im Arbeitszimmer des höllischen Botschafters besprachen Belial und Metatron die weitere Vorgehensweise. „Wir warten also ab, bis die in Reims im Idealfall denjenigen erwischen, der die Monstranz zurückbringt.“ meinte der himmlische Botschafter. „Ja, und dann setze ich meine Spezialisten fürs Grobe auf denjenigen an. Wenn die beiden in ihrer höllischen Gestalt auftauchen, dann wird derjenige singen wie ein Chorknabe in der Sonntagsmesse.“ antwortete Belial mit sardonischem Grinsen. Cassandra musste schmunzeln. „Chef, damit machst du sogar mir Angst.“ meinte sie. Er lachte. „Ach Cassie, ich glaube da müsste schon mehr passieren bevor du dich ins Bockshorn jagen lässt. Aber nun haben wir so viel Zeit verplaudert und ich wollte eigentlich meine Buchführung machen. Bevor ich damit wieder anfange werde ich mir einen Kaffee genehmigen. Kommt ihr beide mit zurück zu Selvi und Tilly?“ Die Drei materialisierten sich in der Küche, Cassandra an Metatrons Hand, was Belial mit einem zufriedenen Lächeln zur Kenntnis nahm. Als sein Blick allerdings auf Selvaggia und Euangelion fiel, stutzte er. Seine Frau sah ein wenig schuldbewusst aus und Euangelion erhob sich mit einem Dank an Mathilde für den Tee. „Moment! Bevor du verschwindest, mein Freund... ich würde gern wissen, was hier abgelaufen ist während ich in meinem Arbeitszimmer war!“ sagte er streng. „Lucifer, ich... ich mache mir doch nur Sorgen...“ flüsterte Selvaggia. „Inwiefern?“ „Chef, bitte, das ist meine Schuld. Ich habe mich... ich habe meine endgültige Versetzung bei Fürst Gabriel beantragt und dem wurde stattgegeben. Ich bin also jetzt – sozusagen offiziell – der Sekretär des höllischen Botschafters und daher... ganz ehrlich Chef, ich mag dich und ich mache mir auch Sorgen um dich, nicht nur „die Chefin“. Wenn du Hilfe brauchst, verflixt und zugenäht, dann mach bitte den Mund auf! Ich habe im Himmel Verwaltungsarbeiten erledigt, ich kann dir die lästigsten Verwaltungsarbeiten auch für die Hölle abnehmen! Und das werde ich jetzt tun! Und bevor du irgendwie...“   In diesem Moment flimmerte es und Sandalephon stand in der Küche. Er lachte leise. „Es ist schon erstaunlich wie viel Loyalität man dir entgegenbringt, Lucifer. Aber ganz offiziell: Unser Himmlischer Vater sendet seinen Segen und lässt dir ausrichten, dass Euangelion nur seinem Wunsch entspricht. Er ist vertrauenswürdig und treu und du kannst auf ihn bauen. Du wirst in wenigen Wochen genug Neues um die Ohren haben wenn Luciano dein Leben bereichert.“ „Seid ihr da oben jetzt total verrückt geworden? Euangelion ist ein Engel, ein netter, fleißig schaffender, ja, aber er ist ein Engel und...“ „Na und? Gadreel, Armaros und Samyaza waren auch mal Engel!“ unterbrach Euangelion ihn ein wenig trotzig.  Belial seufzte. „Ja – aber die sind wegen ganz anderer Vergehen bei mir... verdammt, Euangelion! Ich will dich als Sekretär behalten, mit deinen Flügeln und deinem Heiligenschein und allem und nicht in den Rängen meiner niedereren Dämonen oder gefallenen Engel!“ „Chef, ich hoffe nicht, dass das die Aufforderung war mir eine menschliche Freundin zu suchen und mit ihr Unzucht zu treiben!“ meinte Euangelion fast empört. „Ich erledige deinen Schreibkram und den höllischen nehme ich dir auch ab – und ehrlich gesagt, langsam auch gegen deinen Willen! Du bist so verflixt bockig! Du brauchst doch nicht mal um meine Hilfe bitten, ich dränge sie dir auf! Sei nicht so störrisch!“ Hilflos sah Belial zu Sandalephon, der sichtlich sein Lachen unterdrücken musste. „Euangelion tut es nicht allein auf Geheiß und Wunsch unseres Vaters, Lucifer, sondern auch auf eigenen. Er hat schon lange gemerkt, dass du Hilfe brauchst und zu stolz bist darum zu bitten. Also hat er bereits alles geregelt um dir helfen zu können. Unser Vater wird und will sich nicht über Euangelion in die Geschäfte der Hölle einmischen.“   Mathilde reichte Belial einen großen Becher Kaffee. „Trink erst mal.“ meinte sie aufmunternd. Er nickte ihr dankbar zu und seufzte. „Na gut... probieren wir es, Euangelion. Aber du versprichst mir, dass du jederzeit sagst, wenn du etwas nicht erträgst! Und wir werden einen „Rundgang“ durch die Hölle machen müssen... Wenn du den erträgst, dann bin ich einverstanden dir einen Teil der Verwaltungsarbeiten zu übergeben. Bist du damit einverstanden?“ „Natürlich, Chef! Jederzeit!“ stimmte der Engel zu. Sandalephon lächelte, dann wandte er sich Metatron zu: „Und zu dir, Bruder: Unser Vater sieht voller Gnade auf dich und dein Wille ist stärker als zuvor. Unser Vater weiß, dass du trotzdem in seinem Dienst bleiben und nicht aufbegehren wirst wie Lucifer. Er bittet dich, deinen Gefühlen zu vertrauen, denn er hat sie dir nicht umsonst geschenkt...“  Metatron sah ihn erstaunt an. „Was meinst du damit? Ich... ähm...“ „Mademoiselle SaintCyr, soweit ich weiß, schwärmen Sie für Volksfeste? Die Fêtes à Neuneu findet gerade statt... und ehrlich gesagt, wollte Metatron schon immer wissen was Menschen so an Volksfesten, einer Kirmes oder ähnlichem so fasziniert.“ Cassandra errötete erneut. „Ja... natürlich... wenn... gerne...“ stotterte sie. Metatron räusperte sich. „Das wäre sehr schön... wollen wir dann aufbrechen, meine Liebe?“ Sie sah zu Belial, der ihr mit einem aufmunternden Lächeln zunickte.   Sie biss sich nachdenklich auf die Lippen. „Fürst Sandalephon... ich würde gerne... ich möchte, dass die Erinnerungen an die Zeit mit Kylian... verblassen und Sie haben gesagt, dass ich die Begebenheit in der Küche... also ich meine... dass es als Unfall...“ murmelte sie. Sandalephon lächelte. „Dein Himmlischer Vater sieht mit Liebe auf dich, Cassandra SaintCyr. Er wird es richten.“ „Nein! Cassie, ich will nicht, dass an deinen Erinnerungen...“
Sie legte Metatron sanft eine Hand auf die Lippen. „Bitte! Das ist meine Entscheidung. Ich werde nicht vergessen, es wird nur nicht mehr so deutlich sein. Gönne mir doch wenigstens das – und die Freude einen... einen Men... einen Freund zu haben, dem ich vertrauen kann.“ Nachdenklich sah er Cassandra an, dann lächelte er ein wenig traurig. „Ich wünschte, ich wäre... wäre da gewesen und hätte dich... dich beschützen können und ich wünschte, ich hätte mich... in der Küche...“ „Psst, in der Küche, das war ein Unfall, Metatron.“ antwortete Cassandra liebevoll. Entsetzt sah Metatron zu Sandalephon. „Cassandras Wunsch war der Wille unseres Vaters und es ist geschehen. Akzeptiere es und genieße den Tag oder die Tage  – und die Nächte...“ „Nächte?! Bist du verrückt?!“ rief Metatron entsetzt. Cassandra errötete tief und sie wirkte ein wenig verletzt. „Willst du mich in der Hölle sehen, Sandalephon?!“ fragte Metatron derweil. „Nein... das will er nicht und das will Vater nicht. Und ich denke, für die Nächte... nun ja... das Ergebnis könnte ein ähnliches sein wie bei Selvi und mir... Vater hat offenbar erkannt, dass er sich nach... „Enkeln aus erster Hand“ sozusagen, seht...“ meinte Belial mit einem Grinsen. Cassandra räusperte sich. „Belial... ich kann doch keine... wenn es nur darum geht... es wäre mein sehnlichster Wunsch, aber es ist unmöglich und wenn er... ich meine... wenn Metatron anders in der Hölle bei dir landen würde, dann verzichte ich auch auf Kinder...“ Sie sah scheu zum himmlischen Botschafter, dann zu Boden und murmelte dann: „Ich... muss noch arbeiten. Tut mir leid, ich...“ Sie wollte sich abwenden und aus der Küche huschen, doch Sandalephon griff nach ihr. „Wieso weist du zurück, was du ersehnt hast, Bruder?“ fragte er überrascht. Traurig sah Metatron Cassandra an. „Weil ich weiß, dass ich ihr nicht geben kann was sie sich wünscht...“  Er ging zum Fenster und kniete nieder. „Vater, du hast Cassandras Erinnerungen verschwimmen lassen und daher sieht sie mich in einem positiven Licht, was ich nicht richtig finde, aber dadurch hat sie genug Vertrauen zu mir gefasst... genug Vertrauen um zu sagen, was ihr sehnlichster Wunsch ist. Vater, lass Sariel oder Raphael in deinem Namen handeln und gib ihr die Fähigkeit wieder eigene Kinder zu bekommen und schicke ihr einen Gefährten der sie glücklich macht und ihr die Familie schenkt, die sie sich immer gewünscht hat.“ betete er. Im nächsten Moment standen Sariel und Raphael in der Küche des Boulevard. Said-Angelo rief vergnügt „Dada!“ als er seinen Adoptivvater erblickte. Die beiden Engel begrüßten die Anwesenden. „Dein Papa kommt gleich, mein Kleiner.“ sagte Sariel liebevoll zu seinem Sohn und blickte Raphael an, der kopfschüttelnd zu Metatron blickte. „Warum sollte Vater noch jemanden schicken um Cassandra glücklich zu machen?“ fragte er den Seraphen. Metatron erhob sich. „Du weißt selbst wieso es nicht geht!“ sagte er energisch. Er schloss Cassandra in die Arme. „Verzeih, aber es geht nicht.“ flüsterte er und wollte gehen, doch Selvaggia hielt ihn zurück. „Wieso fragst du deinen Vater nicht um Rat?“ Er lächelte ihr zu. „Danke, du bist sehr weise, Selvaggia.“ dann gab er Cassandra einen zarten Kuss auf die Wange. „Ich bin bald wieder da. Währenddessen werden Sariel und Raphael dich heilen – vollkommen.“ raunte er ihr ins Ohr. Er verschwand und kam innerhalb kürzester Zeit zurück. Er sah Cassandra wie ein Wunder an. „Was ist... passiert?“ fragte die junge Frau ein wenig ängstlich. Er lächelte. „Wie schnell wolltest du eine Familie gründen, mein Schäfchen?“ fragte er zärtlich. Sie errötete. „Du würdest in der... der Hölle landen – ich kann ohne...“ „Ich würde in der Hölle landen wenn ich ohne die ausdrückliche Erlaubnis des Himmlischen Vaters so handeln würde, Cassandra...“ Er kniete vor ihr nieder. „Cassandra SaintCyr, erweist du mir die Ehre meine Frau zu werden? Würdest du mich... ergänzen und könntest du dir vorstellen mich so zu lieben wie ich bin? Manchmal sicher arrogant, im vollen Bewusstsein dessen, dass ich ein Seraph bin, manchmal vielleicht auch noch ein wenig weltfremd, da ich das Leben auf der Erde in seinen vielen Facetten erst kennen lernen muss, aber geliebt und geschätzt von mir. Würdest du mir Kinder schenken?“ Tränen des Glückes liefen über Cassandras Wangen. „Ja, ja natürlich – aber... Kinder... wenn das Nephi... dingens werden, dann...“  Metatron erhob sich und lachte leise. „Wie sollten es Nephilim werden? Vater will Enkelkinder, mein scheues Reh, er will keine Monster. Er will seine Söhne glücklich sehen und nicht mit der Sünde des Mordes beladen. Ein Nephilim würde dich töten wenn er zur Welt kommt, aber ein Kind ähnlich wie Luciano es sein wird, wird das nicht tun... Wobei Selvaggia ein wenig als Dämonin gelten könnte, immerhin kommt sie aus Lucifers Reich. Du würdest dagegen so stark zum weiblichen Engel werden wie es notwendig ist. Wir wären ein perfektes Gegengewicht zur Familie des höllischen Botschafters.“ erklärte er liebevoll. „Habe keine Angst davor, Cassie, Vater hat mir versichert, dass alles gut werden wird und da du dir eine klassische Traumhochzeit wünscht, mit weißem Kleid und allem drum und dran... ich würde mit deinem Einverständnis den Erzbischof bitten, dass er uns traut... wobei Vater das eigentlich schon getan hat, aber... es wäre ein weltliches Zeichen.“  Zwei Tage später tauchten Selvi und Lucifer in der Küche auf. Mathilde,  Metatron, Cassandra, Euangelion und Graphiel saßen bereits am Frühstückstisch an dem noch zwei Gedecke frei waren. "Ende der Diskussion Selvi! Ich kann das nicht machen! Ich kann es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren." fauchte er seine Frau an. Selvaggia biss sich auf die Lippe und warf ihrem Mann einen verärgerten Blick zu während sie sich neben ihn setzte. Mathilde stellte ihrem Herrn eine große Tasse Kaffee hin. "Weshalb streitet ihr denn?" erkundigte sie sich besorgt. Selvaggia und Lucifer schwiegen. Sie aß sichtlich gestresst ihr Croissant, während er einen Schluck seines Kaffees nahm. "Ich kann mir schon denken worum es geht." sagte Euangelion leise und sah seinen Chef dabei intensiv an. Dieser starrte jedoch schweigend auf seine Kaffeetasse und tat als hätte er den Kommentar seines Sekretärs überhört.  In diesem Moment traten Kat und Julien in die Küche. "Hallo zusammen." grüßten die beiden jungen Leute. Julien setzte sich auf den noch einzig freien Stuhl neben Lucifer. Kat setzte sich auf den Schoß ihres Freundes und umarmte ihren Lieblingsonkel, der ihre Umarmung sehr genoss und erwiderte. "Lernen wir heute Nacht wieder?" wollte sie wissen. Er lächelte das erste Mal an diesem Morgen. "Ich freu mich drauf Käthchen." "Als ob du momentan nicht  schon genug zu tun hättest." murmelte Selvaggia. Er schloss die Augen, biss sich auf die Lippe und atmete zweimal tief ein. "Habt ihr euch schon wieder in der Wolle?" erkundigte sich der Student besorgt. "Ach Lucifer ist einfach nur stur!" erwiderte Selvaggia schmollend und fuhr dann ihren Mann an: "Spring endlich mal über deinen Schatten und nimm Hilfe an, wenn sie dir schon angeboten wird! Du hast dich seit dem Vergiftungsfall noch nicht einmal mit Sealthiel und Seraphiel unterhalten, wie es dein Vater wünschte um dir mal alles von der Seele reden zu können! Du stürzt dich in Arbeit und bist vollkommen überlastet! Und dann soll ich mich nicht aufregen?"  Lucifer fuhr sich mit der Hand über die Stirn und schlug anschließend wütend mit der Faust auf den Tisch. "Ihr nervt! Lasst mich doch einfach endlich in Ruhe!" brüllte er in die Runde und verließ die Küche. Sie zuckten zusammen als er die Tür seines Arbeitszimmers zuknallte. So sah er nicht, dass eine Träne über Selvaggias Wange rann. Kat setzte sich auf den freien Platz und nahm sie in den Arm. "Er meint es nicht so, Selvi." sagte sie tröstend. Belial setzte sich an seinen Schreibtisch, stellte seine Kaffeetasse ab und holte zum wiederholten Male die Listen hervor, die er seit Tagen zu bearbeiten versuchte.  Unterdessen verabschiedete sich Euangelion in der Küche. "Ok, jetzt reicht es! Ich  werde mir das nicht länger mit ansehen, wie er sich überarbeitet. Ich beobachte das schon seit Wochen und er schiebt immer wieder etwas vor um nicht mit mir den Rundgang durch die Hölle machen zu müssen oder mir sonst etwas seines Verwaltungskrams zu überlassen. Ihr entschuldigt mich." Der Engel löste sich auf. Alex erschrak als Euangelion plötzlich neben ihr auftauchte.  "Guten Morgen, Mrs Moreau-Boyle. Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie erschreckt habe und die Störung, aber ich muss unbedingt mit Samyaza sprechen. Es geht um Lucifer. Er braucht dringend Hilfe und ich dachte, dass..." "Sicher, wenn es um Lucifer geht, reden Sie mit Samyaza er ist mit Hamaliel bei Samantha." Der Engel dankte ihr mit einer angedeutenen Verbeugung und ging leise ins Zimmer des kleinen Mädchens, das fröhlich lachend mit seinen beiden Patenonkeln spielte. Er begrüßte die beiden leise und wandte sich an Samyaza. "Darf ich dich in einer dringenden Angelegenheit mal sprechen?" "Was ist denn so wichtig, Euangelion?" fragte der gefallene Engel. "Es geht um deinen Herrn, also Lucifer. Du hast sicher schon gehört, dass ich jetzt für ihn den Papierkram im Boulevard erledige." Samyaza nickte. "Wir machen uns seit Wochen Sorgen um ihn. Er ist nur noch am arbeiten und ist völlig überlastet. Er hat ständig Kopfschmerzen und ist die letzten Tage sogar richtig... aggressiv. Ich habe ihm angeboten bei seiner höllischen Buchführung zu helfen. Aber unser Chef gibt sich arrogant und lehnt jede Hilfe ab. Ich mag ihn mittlerweile sehr und..." Samyaza unterbrach den Engel. "Er gibt sich nicht arrogant - er ist arrogant. Schon immer gewesen - selbst als er noch ein Engel war, und
mal ehrlich, dass er den Höllenkram an keinen von euch abgeben will ist verständlich. Du hast nicht die geringste Ahnung was in der Hölle abgeht, kleiner Engel! Welche Gräueltaten, Lucifer dort jeden Tag begeht, ja begehen muss und im nächsten Moment mit euch im Boulevard auf Familie macht, mit euch lacht und alles. Du hast nicht die geringste Ahnung! Es würde dich ebenso wie jeden anderen Engel und Erzengel schockieren und anwidern. Lucifer ist den Höllenkram gewohnt, er ist stark genug um nicht an diesen Taten zu zerbrechen. Du hingegen... wärst schon nach zehn Minuten ein seelisches Wrack."  Der Engel stutzte. "Ist es so schlimm? Weshalb sind dann Selvaggia und Mathilde, ich meine weshalb scheinen die beiden das nicht zu wissen? Sie waren doch in der Hölle und sind an sich von Lucifer zu tätiger Reue im Boulevard verdonnert worden." Samyaza nickte. "Ja, das sind sie, aber er hat die beiden aus dem Grund weil sie von Anfang an... nicht so verdorben waren wie viele andere, Euangelion, nicht in die Räume der eigentlichen Hölle vorgelassen und sie... weil er sie sehr mag - vor allem natürlich seine Frau, die sich aber mit Mathilde in der "Vorhölle" sozusagen, angefreundet hatte -  zu dieser angenehmen Arbeit im Boulevard "verbannt" um sie vor eben diesen Grausamkeiten zu schützen. Ich werde mich darum kümmern!" versprach der gefallene Engel. Kurze Zeit später tauchte er in Lucifers Arbeitszimmer auf. Dieser zuckte vor Schreck zusammen und fuhr ihn barsch an: "Samyaza. Verschwinde und lass mich endlich diese verflixte Liste fertig machen! Ständig werde ich unterbrochen!" "Lucifer..." Der Höllenfürst schrie wütend auf, fegte mit einer Handbewegung sämtliche Unterlagen vom Schreibtisch und donnerte los: "Jetzt reicht es! Mir steht es bis hier!" Er hielt eine Hand auf Augenlinie. "Lasst mich alle... verdammt nochmal endlich in Ruhe! Ich kann es nicht mehr hören, dieses ständige Gebettele ich solle mit jemandem reden mir helfen lassen und...!"  Der sonst so gefasste Samyaza atmete einmal tief ein. "Nein ich werde dich nicht in Ruhe lassen und zusehen wie du dich total fertig machst! Du hörst jetzt mir zu! Du bist jetzt nicht so arrogant und stur und lässt dir jetzt sofort zumindest einen großen Teil der Buchführung von mir, Gadreel, Armaros und Paymon abnehmen! Du weißt, dass wir dazu in der Lage sind! Die Dinge die du selbst erledigen musst, oder nur du als Höllenfürst entscheiden kannst, machst  du natürlich weiterhin selbst, aber du bist entlastet! Und rede mit Seraphiel, Sealthiel und Sariel und besorg dir bitte irgendetwas um deine aufgestauten Aggression endlich mal komplett abzubauen! Du gibst und gibst, du hilfst von Anfang an immer allen im Boulevard und denkst nicht an dich, dabei hast du eine schwangere Frau und bist bald Vater und... du weißt was ich sagen will. Ich mag dich, du bist zwar mein Chef, aber auch mein Freund und ich werde jetzt was für dich tun: Du weißt selbst, dass du nervlich so gut wie am Ende bist weil du keine Hilfe annimmst. Sei nur ein einziges Mal einsichtig und nimm die Hilfe an die wir und auch Sealthiel und Seraphiel, ja selbst der liebe, nette, treue Euangelion dir anbieten. Denn so viel ich gehört  habe, hat Seraphiel dir seine Freundschaft genauso wie Sariel angeboten und letzterer ist immerhin - sozusagen offiziell - dein Schwager! Also nimm sie an! Wir sehen uns Chef." sagte Samyaza und verschwand um Sekunden später in der Küche aufzutauchen.  "Nun gut... ich habe mit ihm geredet und..." "Wir haben jedes Wort gehört... ihr wart ja laut genug." sagte Julien. "Gut dann brauche ich gar nichts mehr erklären, ich hoffe er ist jetzt endlich mal einsichtig. Er wandte sich an die beiden Schutzengel von Kat und Julien die mittlerweile auch sichtbar anwesend waren. "Mein Chef ist... ich habe ihn noch nie so... gesehen. Bitte kümmert euch um ihn, bringt ihn - wie auch immer es möglich ist - dazu seine negativen Gefühle und Aggressionen endlich mal herauszulassen. Klar er ist von Haus aus arrogant und ein wenig brutal und aggressiv aber..." Die beiden Engel nickten. "Wir versuchen es, Samyaza. Wir mögen Lucifer mittlerweile ja auch." lächelten die beiden Seraphim.  Metatron räusperte sich. "Ich würde ja anbieten mich mit ihm zu prügeln... aber ehrlich gesagt..." Cassandra gab ihm einen ärgerlichen Rippenstoß. Selvaggia keuchte auf. "Du wirst meinen Mann nicht schlagen!" fuhr sie Metatron an. Der Seraph grinste. "...aber ehrlich gesagt, habe ich angefangen ihn zu mögen und brächte das nicht über mich..." Consuela Fernandez betrat die Küche. "Guten Morgen, ich versuche schon seit zwei Stunden telefonisch Monsieur Rayne zu erreichen, es geht um den Kindergarten." Selvaggia stöhnte. "Was ist denn los? Warum seid Ihr alle so bedrückt und ist Lucian Ra..." weiter kam sie nicht. "Ich bin hier. Ich hoffe mal es ist wichtig... ich..." er beendete seinen Satz nicht und wies die Personalchefin mit einer unmissverständlichen Geste an ihm in sein Büro zu folgen. Er setzte sich in seinen Stuhl an den Schreibtisch, stützte die Ellenbogen auf den Tisch und rieb sich die Stirn und die Schläfen. "Was gibt es?" fragte er sichtlich gestresst. Señora Fernandez war überrascht ihren sonst so locker, charmant und gut gelaunt wirkenden Vorgesetzten in solch schlechter Verfassung zu sehen. "Geht es Ihnen nicht gut Monsieur Rayne?" Er schüttelte den Kopf. "Sagen Sie mir einfach was sie wollen." er musste sich sichtlich beherrschen sie nicht anzufauchen. "Da die Gruppen im gesamten Kindergarten komplett voll sind, wären ein paar Praktikantinnen und  Praktikanten nicht schlecht. Sie wären eine große Hilfe und..." Er unterbrach sie. "Genehmigt!" Sie lächelte erfreut und zog einen Stapel Bewerbungen aus der Tasche. "Ich habe hier ein..." Er stöhnte laut hörbar auf und ließ seinen schmerzenden Kopf in die Hände fallen. "Legen Sie sie auf den Tisch ich werde mir die Bewerbungen ansehen und mich melden." "Die Ausbildungen haben schon angefangen Monsieur und sie sollten schnell..." Gereizt fuhr er sie an: "Ich sagte doch ... ich sehe sie mir an und melde mich!" Er seufzte, bat leise um Verzeihung, die sie ihm sichtlich besorgt gewährte und fuhr dann milder fort: "Bitte, Señora Fernandez... ich habe seit Tagen Kopfschmerzen... entschuldigen Sie aber... ich brauche einfach mal einen Tag... einen einzigen Tag Ruhe. Ich melde mich Morgen oder Übermorgen bei Ihnen." versprach er. Sie nickte und verabschiedete sich da sie merkte, dass er momentan nicht in der Lage war sich weiter konstruktiv mit ihr zu unterhalten.  Sie betrat die Küche und trank noch eine 'Tasse von Mathildes Kräutertee. Dort erklärten sie der jungen Frau, dass Lucifer momentan etwas überarbeitet war. "Die Seraphim, was auch Lucifer immer noch ist - besitzen zwar Selbstheilungskräfte, die er auch einsetzt, nur... nützt es ihm nichts, wenn er die Ursache nicht bekämpft und da unser großer Bruder sehr stur ist und sich eigentlich seit Monaten schon vehement weigert, Hilfe, die ihm angeboten wird, anzunehmen, bekommt er jetzt die Quittung dafür, da auch wir in unseren menschlichen Körpern nicht gegen zu viel Arbeit und Belastung immun sind. Daher wird er jetzt eben gezwungen, sich helfen zu lassen." erklärten Sealthiel und Seraphiel der Personalchefin.  "Michael!" rief Seraphiel. Der Erzengel erschien sofort. "Wir brauchen mal deine Hilfe wegen Lucifer. "Sicher ich weiß worum es geht. Kommt mit wir gehen gleich zu ihm, ich rede selbst noch mit ihm." Der Höllenfürst stöhnte genervt auf als die drei Seraphim in seinem Arbeitszimmer erschienen. "Hallo Lucifer." "Was willst du, Michael?" fragte der Fürst der Hölle gereizt. "Dich zur Einsicht bringen. Ist ja schon mal gut, dass du jetzt wenigstens Hilfe bei deinem Papierkram hast himmlisch und höllisch. Und jetzt großer Bruder, wirst du Hilfe annehmen, deshalb bin ich hier! In Zukunft, Befehl unseres himmlischen Vaters, wirst du nicht mehr alles in dich reinfressen! Du sollst dich gleich an Seraphiel und Sealthiel wenden, da die beiden als Schutzengel von Katherine und Julien sozusagen immer anwesend sind." Der Höllenfürst seufzte. "Und du sollst dir etwas überlegen um deine Aggressionen abzubauen. Ebenfalls Vaters Befehl!" Er hielt kurz inne und rief in den Raum: "Raphael!" Der Erzengel erschien. "Michael? Was brauchst du?" fragte Raphael. "Begleite Lucifer bitte in eines seiner Häuser in dem er sich wohlfühlt und eventuell etwas findet um seine angestaute Frustration loszuwerden und anschließend, sorge bitte dafür, dass er... da wir an sich ja nicht schlafen... dennoch schläft, da er nur so mal richtig abschalten kann."  Belial seufzte. "Und was wenn ich mich weigere?" Michael schüttelte den Kopf. "Ist keine Option mehr, Großer, denn dann greift unser Vater ein. Lucifer, du bedeutest ihm noch immer sehr viel, das weißt du! Du leistest ausgezeichnete Arbeit im Boulevard! Du wirst bald Vater! Und unser Vater braucht keinen Botschafter der irgendwann zusammenbricht weil er zu stur ist  Hilfe anzunehmen! Und Luciano wird dich in naher Zukunft manchmal auch einiges an Nerven kosten! Aber was tust du, wenn diese jetzt schon fast am Ende sind?"  Belial seufzte. "Also gut, in meinem Blockhaus in den Bergen Kanadas könnte ich mich beim Holzhacken mal so richtig abreagieren. Und meinetwegen auch ausschlafen, wenn es sein muss." "Oh ich bin erfreut! Eine erste Einsicht." grinste Michael. "Und du wirst dich in Zukunft öfter mit Seraphiel und Sealthiel zusammen setzten!" setzte er gleich nach.  Belial verdrehte genervt die Augen. "Wenn ihr meint." Er klang jetzt sichtlich gereizt. "Du solltest auch an Selvi denken, sie macht sich - wenn du endlich mal vernünftig würdest - völlig überflüssige Sorgen wegen dir in letzter Zeit und Aufregung sollte sie momentan eigentlich vermeiden." erklärte ihm Raphael streng. Zwei Tage später, hatte Belial einen Teil seiner Höllenarbeit tatsächlich an seine vier treuesten Diener
abgegeben und fühlte sich tatsächlich etwas entlastet und dadurch auch  etwas wohler. Nachdem er seinen ersten Kaffee getrunken hatte zauberte er sich zu Consuelas Büro. "Herein", rief die junge Frau als er anklopfte. "Guten Tag, Señora Fernandez. Ich komme wegen der Praktikanten. Diese hier kommen für mich nicht in Frage und diese hier - suchen Sie sich welche davon aus. Im übrigen möchte mich für mein unfreundliches  Auftreten bei unserem letzten Gespräch entschuldigen. Mir ging es an diesem Tag tatsächlich nicht gut und..." Sie nickte. "Ich weiß, Monsieur Rayne, ich war danach noch in der Küche und mir wurde dort berichtet, dass Sie die letzte Zeit ziemlich übelastet waren. Ich nehme ihre Entschuldigung an . Sind die Kopfschmerzen mittlerweile weg?" "Noch nicht ganz, aber sie sind besser, danke der Nachfrage." „Sie wirken entspannter als vor ein paar Tagen.“ Belial grinste verlegen. „Ich habe die Ruhezeit zu der ich verdonnert worden bin... konstruktiv... oder destruktiv... genutzt. Je nachdem wie man das sieht...“ „Konstruktiv? Destruktiv?“ fragte die Personalchefin des Boulevard verwirrt. Der höllische Botschafter lachte leise. „Ich will es mal so ausdrücken: Wenn Selvi und ich uns im Winter nach Kanada zurückziehen haben wir definitiv genug Brennholz für den Kamin...“ Sie lachte erleichtert auf. „Mit Verlaub, das ist wesentlich besser als wenn Sie sich mit ihrem Kollegen prügeln.“ Er zog eine Augenbraue hoch. „Wobei meine Patentochter mir erzählt hat, dass er es angeboten habe... worauf seine Verlobte und meine Frau ihm die Leviten gelesen hätten.“ Consuela Fernandez seufzte. „Ich muss gestehen, ich verstehe nicht wie Cassie sich in ihn verlieben konnte – und das so schnell. Er hat sie schließlich zusammengeschlagen und jetzt trägt er sie praktisch auf Händen...“ Belial lächelte ein wenig traurig. „Der Himmlische Vater hat dafür gesorgt, dass ihre Erinnerungen an ihre furchtbare Ehe verblassen – und er wollte die beiden zusammen sehen... also hat er ihre... ja Wahrnehmung vielleicht... was diesen Vorfall betrifft, ein wenig verschoben. Wenn Sie mit Cassie reden, werden Sie feststellen, dass sie es als Unfall in Erinnerung hat. Aber das war ihr eigener Wunsch, eigentlich gegen Metatrons Willen... Und ich habe das Gefühl, dass sie ihm gut tut – und er ihr auch. Falls letzteres nicht der Fall sein sollte, wird er mich kennen lernen!“ Es klopfte und Metatron sah um die Ecke. „Ah, Lucifer, da bist du ja. Ich habe dich gesucht!“ Er nickte der Personalchefin zu. „Hola, Señora Fernandez.“ begrüßte er sie. Belial grinste sie an. „Wen man vom Teu... Seraphen spricht...“ murmelte er, und Consuela Fernandez konnte das Lachen nicht mehr unterdrücken. „Was gibt es denn, Metatron?“ fragte Belial mit einem Zwinkern zur Personalchefin und wandte sich seinem Kollegen zu. „Ich wollte dich nur auf den neusten Stand bezüglich des Falles mit den Monstranzen bringen.“ „Darf ich... zuhören? In meiner Heimatstadt Sevilla ist ebenfalls... die Monstranz aus meiner Taufkirche ist verschwunden gewesen und ohne die Hostie... wieder aufgetaucht.“ fragte Consuela Fernandez. Die beiden Botschafter sahen einander kurz an, dann lächelte Belial mild. „Señora, ich verspreche Ihnen, die Kirche bekommt die Hostie zurück, aber lassen Sie Metatron und mich das erst mal alles regeln.“ Sie nickte sichtlich enttäuscht. Mit einem letzten aufmunternden Blick verschwanden die beiden Botschafter und tauchten in Metatrons Büro wieder auf. Überrascht sah Belial sich um. Die Wände  zeigten eine friedliche Berglandschaft und den Triberger Wasserfall – allerdings ohne Touristen. „Nett... vielleicht sollte ich mir ein paar Höllenszenen ins Arbeitszimmer zaubern...“ „Sei doch nicht so sarkastisch. Cassie mag die Berge und ich beginne die Erde mit anderen Augen zu sehen – und du weißt aus eigener Erfahrung wie viele wir Seraphim haben.“ Belial musste lachen. „Oh ja...“ „Würde es dich übrigens stören, wenn ich Cassie dazu hole? Sie hat mich in den letzten Tagen unterstützt und die Kommunikation mit Erzbischof Pasquieu übernommen – und auch mit dem Bischof in Reims... Ich frage mich wirklich, wie du es schaffst mit diesen Leuten normal zu reden. Haust du ihnen einfach um die Ohren wer du bist und hinderst sie dann mit einem Bann daran wegzulaufen?“  Belial sah seinen Kollegen verblüfft an. „Natürlich habe ich nichts dagegen wenn du Cassie beteiligt hast. Aber... Was soll ich? Nein... gut, ich meine Pierre weiß wer ich bin, ja, in Ordnung... aber bei den anderen Kirchenmännern stelle ich mich eigentlich mit Lucian B. Rayne vor... als Historiker und Wirtschaftswissenschaftler, der oft mit seinem Cousin Derek Rayne, dem Theologen und Anthropologen auftaucht... Ich gebe mich möglichst menschlich, was mir durch Selvi und die Raynes wesentlich leichter fällt als je zuvor.“  Um die Mundwinkel Lucifers zuckte es. „Wieso? Was hast du gemacht?“ Metatron ließ sich mit einem Seufzen in einen bequemen Schaukelstuhl fallen. „Darum! Ich bin nach Reims – mit Cassie – und habe mich dem dortigen Erzbischof Jolier als der vorgestellt der ich bin: Metatron, Seraph im Dienste des Himmlischen Vaters, Himmlischer Botschafter im Boulevard Haussmann 13. Der Kerl hat kein Wort mehr gesagt. Ich hatte fast das Gefühl als hätte ich mich als „Lucifer, Fürst der Hölle“ vorgestellt. Er hat sich mit Erzbischof Pasquieu und Cassie unterhalten und möglichst Abstand gehalten zu mir.“ Belial lächelte. „Als Seraph kannst du genauso viel Furcht verbreiten wie als Teufel... Sowohl mir als auch dir gegenüber werden die meisten Menschen vor Ehrfurcht oder Angst erstarren. Vielleicht solltest du mal mit Vater diskutieren und dir auch einen menschlichen Namen zulegen – wie Sariel und ich. Wobei – er hat ihn geschenkt bekommen, ich habe ihn selber gewählt, aus Verbundenheit, Liebe, Zuneigung zu den Raynes.“ „Aber können sich die Menschen nicht denken wer da vor ihnen steht? Immerhin stellst du dich als Botschafter vor, oder nicht?“ „Manchmal ja, manchmal nein. Aber ich überlasse es meist meinem Gegenüber zu entscheiden welcher der beiden Botschafter des Boulevards ich bin – bis ich sie einschätzen kann, meist ohne ihre Gedanken zu lesen. Wobei die meisten natürlich falsch liegen.“ Er grinste. „Vielleicht ist das wirklich eine Idee... wobei ich so ungeschickt im Umgang mit den Menschen bin, dass sie mich wahrscheinlich dann immer für dich halten werden...“ „Was auch seinen Reiz haben kann...“ antwortete Belial kryptisch. „Aber jetzt ruf endlich deine Cassie, wir wollen diesen langweiligen Fall beide hinter uns bringen.“   Es klopfte und Cassie huschte ins Arbeitszimmer. „Hallo mein Engel, hallo Chef!“ begrüßte sie die beiden Botschafter. Sie setzte sich auf Metatrons Schoß. Liebevoll schloss der sie in die Arme. „Lucifer braucht ein „Fall-Update“, mein Herz.“ Sie grinste. „Und da du den Fall totlangweilig findest darf ich das jetzt geben?“ lachte sie. „So in etwa...“ gestand er seufzend. Sie wandte sich Belial zu: „Also: In Reims ist die Monstranz wieder aufgetaucht – ohne Hostie natürlich. Metatron ist auf die Idee gekommen die restlichen Monstranzen und Ostensorien zu markieren und so verfolgbar zu machen. Hamaliel und Hagiel haben mit der himmlischen Wissenschaftsabteilung eine Methode entwickelt, die für Menschen unsichtbar ist. Anschließend wurden in diversen Ostensorien die Reliquien ausgetauscht und die somit an sich wertlosen Kultgegenstände zur „Bebetung“ frei hingestellt... Die falschen Reliquien wurden ebenfalls markiert. Gestern wurde eine dieser markierten Ostensorien im Erzbistum Tours entwendet. Wenn die markierte falsche Reliquie entnommen und in das Versteck gebracht wird – wobei in mehreren Ländern und nicht nur in Europa diese Markierungen stattgefunden haben - dann erwischen wir die gesamte Bande – sozusagen.“ „Sie übertreibt – die Idee mit dem markieren war ihre Idee. Ich habe bei Vater nur die Erlaubnis für das magische Austauschen der Reliquien und das markieren eingeholt, beziehungsweise die "Wissenschaftsabteilung" angefordert. Graphiel überwacht wann die falsche Reliquie von dem Ostensorium getrennt wird."  Belial nickte. „Wow, ihr seid aktiv gewesen... dann kann ich mich ja...“ „Oh nein, Lucifer! Du wirst dich nicht drücken!“ unterbrach Metatron ihn. Ein belustigtes Grinsen schlich sich auf das Gesicht des Höllenfürsten. „Schade. Ihr beide macht das gerade so ausgezeichnet.“ „Mag ja sein, aber Juliens Onkel, der Erzbischof, hat ganz klar gesagt, dass er lieber mit dir zu tun hat, Chef.“ meinte Cassandra. „Der Bischof aus Berlin möchte dir übrigens persönlich danken, dass du die Monstranz hast reparieren lassen. Dr. Meyer vom Legat in Deutschland hat ihm dieses Ding wieder zukommen lassen. Ich glaube, der Bischof ahnt irgendwie, dass nicht ich dafür zuständig war... sondern du...“ Belial stöhnte auf. „Und im Dezember werden wir zwei dann mit Selvi und Cassie und den Raynes in Rom sein – als Pierre Pasquieus „Familia“, während seiner Kardinalsweihe.“ „Wobei – Chef... hast du daran gedacht, dass die Einweihungsfeier der Kita und der Botschaftsempfang am gleichen Tag stattfinden?“ fragte Cassandra plötzlich. Belial stöhnte auf. „Verdammt! Ich hatte diese Kindergarten-Einweihung wieder völlig verdrängt...“ Cassandra stand von Metatrons Schoß auf, ging zu Belial und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Euangelion und ich haben schon mal angefangen, dir je eine Rede für die Feierlichkeiten zu schreiben. Du brauchst dann nur noch sozusagen deine „persönliche höllische Note“ einzufügen – wenn du willst.“ Er lächelte. „Danke, das ist nett von euch zweien. Ich denke, das hilft mir wirklich...“ Sie grinste. „Wenigstens lässt du dir endlich mal helfen, Chef –
auch wenn Euangelion ein wenig enttäuscht wirkt seit du Samyaza, Gadreel, Armaros und König Paymon mit diversen Höllenangelegenheiten betraut hast und nicht auch seine Hilfe angenommen hast.“ Belial lächelte ein wenig belustigt. „Ach, ich muss mal schauen, vielleicht kann ich die lästige Buchhaltung für die Hölle auf ihn abwälzen. Da hat er nur statistisch und wirtschaftlich mit der Hölle zu tun, aber nicht mit der Grausamkeit.“ Auf dem Weg in sein Arbeitszimmer fiel ihm auf dass Euangelion ein wenig schmollte, als er das Vorzimmer betrat in dem sich Euangelions Schreibtisch befand. "Guten Morgen, Euangelion." sagte er freundlich. "Morgen Chef." kam ein knappe Antwort. "Komm bitte mit, ich muss mit dir reden." Der Engel erhob sich und folgte seinem Chef in dessen Arbeitszimmer, er schloss die Tür hinter sich wie er es immer tat. "Setz dich. An den Schreibtisch, ich möchte dir etwas zeigen. Der Höllenfürst setzte sich ihm gegenüber und kramte in seinen Unterlagen während er sich mit seinem Sekretär unterhielt. "Du bist enttäuscht, dass ich dich nicht für einen Rundgang in die Hölle mitgenommen und die Arbeit an Samyaza abgegeben habe. Ich habe das aus dem Grund gemacht, weil er und auch Gadreel, Armaros und Paymon... schon damit vertraut sind und alle mit dem ganzen Höllenkram klar kommen. Denn du und jeder andere Engel und Erzengel, würde daran zerbrechen. Was glaubst du, warum ich nie auch nur ein Wort über die Hölle verliere? Manche Höllenangelegenheiten sind so grausam, so brutal, dass es selbst mir manchmal schwer fällt. Ich erledige meinen Höllenkram und bin im nächsten Moment wieder hier, oder im Legat auf Angel Island. Dort sind dann meine Patenkinder - Kat die  mich freudig umarmt und mittlerweile sofort merkt wenn mich etwas bedrückt. Ich kann aber nicht mit ihr darüber reden. Die Zwillinge die noch nichts von Himmel und Hölle wissen - was sollte ich denen erzählen? Was glaubst du wie schwer das ist, das umschalten im Kopf, von einer auf die andere Sekunde? Ich mag dich Euangelion und aus diesem Grund kann und will ich dich nicht mit dem grausamen Höllenalltag in Kontakt bringen." Euangelion nickte. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort. "Du könntest dir das aber mal ansehen, ob du damit zurechtkommst, Samyaza und die anderen machend die Buchhaltung auch nicht so gerne. Das ist bisher noch mein Ding, aber wenn du möchtest kannst du das für mich übernehmen." Der Engel lächelte wieder etwas besser gelaunt. "Danke Chef, freut mich, dass du dir jetzt helfen lässt, ich mache das gerne."  Er erhob sich und wollte das Arbeitszimmer verlassen. "Schau es dir bitte gleich an, falls du Fragen hast." Euangelion nickte und setzte sich mit den Unterlagen an seinen Schreibtisch. Belial betrat die Küche in der Kat und Julien mit den quengelnden Zwillingen Matilde und Selvaggia am Tisch saßen "Lufi!" rief das kleine Mädchen lachend, während ihr Bruder im Wechsel weinte und jammerte. Er lächelte die Zwillinge liebevoll an. "Was macht ihr denn hier? In San Francisco ist es doch grad mal zwei Uhr und soweit ich weiß habt ihr beide Morgen und Schule und Uni?" Kat nickte und musste gähnen, während Julien antwortete. "Schon aber die Zwillinge bekommen Zähne und  Lucas hat zudem noch Bauchschmerzen und schreit die ganze Zeit. Vor allem wenn man ihn wieder hinlegt. Derek und Rachel schlafen schon länger nicht mehr richtig und da wollten wir sie mal ausschlafen lassen, da wir ohnehin schon wach sind." erklärte Julien dem Höllenfürst. "Ach Lucas, jetzt hör doch auf!" sagte Julien leise und müde zu dem kleinen, weinenden Jungen, auf seinem Arm. Lucifer trat neben Julien. "Gib mir den kleinen Schatz mal her." Er nahm ihn auf den Arm und massierte sanft den Bauch des Kleinkindes. Lucas wurde sofort etwas ruhiger und jammerte nur noch ein wenig. habt ihr es schon mal mit Wärme versucht?" Kat nickte ebenfalls müde. "Dort drüben liegt ein Wärmkissen, sobald es abgekühlt ist..." sie gähnte.  Der Höllenfürst sah seine zwei Hexen fragend an. "Legt euch ein wenig hin, notfalls bitte ich Sariel euch eine Krankmeldung zu schreiben. Tilly, Selvi und ich, wir könnten sie euch abnehmen, dann könnt ihr auch noch schlafen gehen."  "Aber schreibt einen Zettel wo die Zwillinge sind für den Fall dass Rachel und Derek aufwachen ." schlug Selvaggia vor. Die jungen Leute verschwanden sichtlich dankbar durch das Portal.  "Selvi, ich..." Er schluckte und atmete einmal tief ein. "Entschuldige dass ich vor ein paar Tagen hier in der Küche so... aufbrausend und laut geworden bin, aber mir war das in diesem Moment... alles zu viel." "Ich weiß, du hättest einfach auf deinen Vater hören sollen, als er dir befohlen hat mit Seraphiel und Sealthiel zu reden." Der Höllenfürst lächelte seinen kleinen Patensohn an, der sich jetzt beruhigt hatte seit sein Patenonkel in am Bauch massierte. Metatron betrat mit Cassandra die Küche. "Wie immer schweigst du, wenn..." er unterbrach seine Frau. "Lass es gut sein Selvi, bitte!" "Streitet ihr schon wieder?" erkundigte sich der Erzengel. "Nein tun wir nicht, streiten sieht anders aus Metatron." "Cassandra und ich streiten uns nicht." Selvaggia und Lucifer sahen sich fast belustigt an. "Wartet`s nur ab, keine Beziehung verläuft ohne Streit." erklärte die Hexe. "Ähm Chef... ich will dich ja jetzt nicht erschrecken, aber vielleicht sollte auch übermorgen Abend bei dem Empfang einer der Botschafter, ein... paar Worte sagen." druckste Cassandra ein wenig. Er räusperte sich. "Also... ich muss am Nachmittag schon eine halten, dann könnte doch... Metatron hast du Lust eine Rede zu halten? Mit reicht eine am Tag."  Der Erzengel grinste seinen höllischen Kollegen an. "Was denn? Ihr sagt doch ich soll mir nicht alles selbst aufhalsen, also darfst du. Zu Pressefragen und Fotos und was auch immer dazugehört stehe ich dann selbstverständlich auch zur Verfügung." "Das will ich hoffen, denn vor dem Empfang drücken ist nicht." antwortete der himmlische Botschafter. Lucifer lächelte. "Na Lucas-Lucian, kommst du mit in mein Arbeitszimmer? Ich habe noch zwei Reden zu lesen und... nun ja ..." Der kleine Junge lächelte.  Er nahm das Wärmekissen mit das Mathilde ihm noch in die Hand drückte, als er sich erhob um die Küche zu verlassen.  Etwa zwei Stunden später, klopfte es an der Tür. "Herein!" rief er. Euangelion trat zu ihm in die gemütliche Sitzecke und ließ sich auf die Knie neben seinen Chef nieder, da dieser neben seinem nun schlafenden Patensohn kniete. "Ist er endlich eingeschlafen." stellte der Engel fest. "Ja, hat lange gedauert, aber... ich hoffe, dass er jetzt mal zwei Stunden Minimum schläft." Sein Sekretär lächelte. "Lucifer, ich habe die Unterlagen mal soweit bearbeitet und würde es jetzt beim ersten Mal gerne mit dir durchgehen und ein paar Fragen klären." flüsterte er. "Sicher, wir machen es hier auf dem Tisch." Euangelion breitete die höllische Buchhaltung auf dem Tisch aus. Und sie begannen mit der Arbeit. "Danke für das Schreiben einer Rede, ich habe sie durchgelesen und ebenfalls die von Cassandra. Ihr habt wirklich gut geschrieben." Der Engel lächelte erfreut. "Bitte, ich helfe dir gern Chef."  Sie saßen beide da und beobachteten den schlafenden Jungen. "Der ist schon total süß!" flüsterte Euangelion. "Ja, das ist er. Irgendwie sind die Kleinen alle total süß. Ich kann es irgendwie noch gar nicht richtig glauben, dass ich auch bald Vater werde. Ich hätte das bis vor kurzem nie für möglich gehalten." Der Engel lächelte. "Du wirst ein wundervoller Vater sein, Lucifer. Du gehst so liebevoll mit den Zwillingen, Said-Angelo und der kleinen Samantha um wenn sie mal hier ist." Er lächelte und strich Lucas zärtlich über die Wange. „So, ich werde den kleinen Süßen mal ins Bettchen bringen. Notfalls kontaktiere ich Sariel, wenn Lucas weiterhin Bauchschmerzen hat, dann lasse ich „meinen Schwager“ mal schauen. Vielleicht gibt es auch irgendwelche Tropfen oder so.“ „Soll ich Dr. Bragi anrufen?“ erkundigte Euangelion sich. Belial lächelte. „Du hast dich so schnell an seine menschliche Identität gewöhnt, wieso nennst du mich immer noch Lucifer?!“ fragte er interessiert. Euangelion sah ihn überrascht an. „Das... ich habe mit dir mehr zu tun und irgendwie ist nie zur Sprache gekommen, dass dir Lucian oder Dr. Rayne lieber wäre. Aber ich versuche es gern, wenn du willst.“ Belial zwinkerte ihm zu, hob seinen Patensohn auf den Arm und verschwand um kurz darauf mit einem Babyfon wieder aufzutauchen. Euangelion räumte gerade noch die Unterlagen zusammen, als es klopfte und der himmlische Botschafter um die Ecke sah. „Lucifer... hast du einen kurzen Moment Zeit?“ Metatron wirkte verlegen, was den Höllenfürsten überraschte. „Ja... wenn es wichtig ist und sein muss...“ Der Engel räusperte sich. „Für mich ist es wichtig – und ich weiß nicht wen ich sonst fragen soll...“ Belial runzelte die Stirn. Die Sache kam ihm seltsam vor und er hatte die Befürchtung, dass er seine Gesprächsbereitschaft irgendwie bereuen würde. „Komm rein und mach die Tür zu!“ Metatron gehorchte. Mit einer Handbewegung forderte der höllische Botschafter ihn auf Platz zu nehmen während Euangelion leise den Raum verließ. „Also, worum geht es?“ wollte Belial wissen. „Also... hm... wie erkläre ich das... Ich meine... du hast ja Erfahrung mit... mit Lilith gesammelt und auch sonst... wie... also Cassandra... ich meine... kannst du mir...“ „Halt! Stopp!“ unterbrach Belial ihn energisch. „Du willst doch jetzt wohl nicht ernsthaft Sexualunterweisung von mir haben?!“ Metatron errötete. „Ähm... doch... ich glaube, so könnte man das ausdrücken...“ Mit einem verzweifelten Seufzen verbarg Belial sein Gesicht in den Händen. „Das ist jetzt nicht wahr!“ murmelte er, sah dann hoch und rief: „Wenn du ihn schon mit Cassie zusammenbringst, Vater, wäre es auch nett ihm vielleicht das Kamasutra
ins Hirn zu pflanzen!“ Er wandte sich an Metatron: „Du gehst jetzt hoch in die Bibliothek und bittest die Nacht-Bibliothekarin Frau Hartenstein dir eine Ausgabe des Kamasutra auszuhändigen! Das wirst du dir dann zu Gemüte führen und ich bin sicher, danach wird dir das eine oder andere einfallen, was du mit Cassandra machen kannst! Falls nicht, dann frag bitte Vater um Rat! Mir ist ja wenig peinlich, ganz ehrlich, Metatron, aber dir so was zu erklären, nein danke!“ Metatron nickte verlegen, bedankte sich hastig und stürmte aus dem Arbeitszimmer – das Euangelion betrat – dem Botschafter erstaunt nachblickend. „Darf ich fragen was...“ „Besser nicht. Ganz ehrlich, Euangelion.“ Der Sekretär nickte und meinte: „Cassandra hat sich gerade gemeldet, Lucian, Chef. Die falsche Reliquie und dies Ostensorium aus Tours – das ist getrennt worden. Jophiel – unser himmlischer Wissenschaftler erwartet dich schon um dir das Tracking-Modul – wie er es nennt – zu geben, damit du sowohl nach „Reliquie“ als auch nach Ostensorium schauen kannst.“ „Sehr schön, dann werde ich mal ins Labor gehen. Willst du mitkommen? Metatron ist gerade... anderweitig beschäftigt...“  Sein Sekretär nickte sichtlich begeistert.   Jophiel erwartete sie bereits. „Da bist du ja, Lucifer, hallo Euangelion!“ begrüßte er die beiden. „Vater hat mir schon berichtet, dass Metatron verhindert ist.“ Er kicherte leise. „Ich möchte dich in seiner Situation mal sehen!“ Belial fühle sich irgendwie verpflichtet seinen Kollegen zu verteidigen. Jophiel zog die Augenbraue hoch. „Ich hätte wohl Samyaza oder Armaros und Gadreel interviewt, die beiden haben immerhin mit sterblichen Frauen „rumgemacht“ - du hast deine Erfahrung mit anderen... weiblichen Geschöpfen gemacht – vor deiner Selvaggia...“ Belial sah ihn finster an. „Wenn du so schlau bist, Jophiel, dann schicke ich Metatron nachher mit der Kamasutra-Ausgabe zu dir. Vielleicht willst du ja mit ihm üben?!“ fragte er sarkastisch. Der Wissenschaftler sah belustigt zurück. „Ich? Sicher nicht. Aber gib mir zwei Minuten und ich habe dir die Adressen der drei oder vier besten Sextherapeuten der Welt besorgt – oder du kümmerst dich darum, dass er eine... kompetente erfahrene Lehrkraft aus dem ältesten Gewerbe der Welt kriegt...“ „Halt den Mund, oder ich sorge dafür, dass...“ drohte Belial. „Schon gut, schon gut! Wir sind nicht darum hier sondern wegen dieses Kleinkram-Falles, oder?“ Immer noch finster dreinblickend sah Belial ihn an. „Ich höre... Du hast irgendwas von Tracking gefaselt – meinte Euangelion...“ „Ja – dieser Sender ist mit dem Knöchelchen verbunden und dieser mit dem Ostensorium. Allerdings wird das Knöchelchen gerade zum Flughafen gebracht, wie es aussieht. Ich würde daher vorschlagen, dass du dich Morgen getrennt mit Metatron auf den Weg machst – der eine schaut nach dem Behältnis, der andere nach der Fake-Reliquie. Ich würde ja ihn nach den Reliquien schauen lassen – für Pretiosen hast du einen besseren Blick und du hast mehr Erfahrung was Schmuck und überhaupt handwerkliche Arbeit betrifft. Das ist zwar nur meine Meinung, aber... tja...“ Euangelion räusperte sich. „Ich kann das auch übernehmen... Unsichtbar machen kann ich mich ebenso gut und die Kräfte eines Seraphen sind dazu ja wohl nicht notwendig...“ Belial lächelte seinem treuen Sekretär zu. „Sicher nicht, aber was soll es bringen in einem Flugzeug nach – wahrscheinlich Italien – zu sitzen wenn wir genau so gut gemütlich bei einer Tasse Tee oder Kaffee abwarten, ein paar Kekse dazu genießen und die Zeit in angenehmer Gesellschaft von Selvi, Tilly und Cassie verbringen können? Ich habe darauf keine Lust – und Metatron hat heute Abend noch ein Buch zu lesen...“  Er grinste, nahm die beiden Tracking-Chips und die Lesegeräte und meinte: „Ich erledige das mit Euangelion... danke Jophiel – und zur Not... such ruhig mal die Therapeutinnen raus und gib Graphiel, Metatrons Sekretär, die Liste.“ Er wandte sich an Euangelion, legte ihm freundschaftlich eine Hand auf die Schulter und sagte: „Lass uns gehen. Wir sind hier für heute fertig.“  Als er in die Küche kam, erwartete Selvaggia ihn bereits. Auf ihrem Schoß wimmerte der kleine Lucas-Lucian. „Mist, ich habe... verzeih, Selvi... aber...“ „Schon gut, Cassie hat ihn gehört und hergebracht. Sie hat auch erklärt, dass ihr wohl bei Jophiel seid. Und ich habe Sariel gebeten sich den kleinen Schatz mal anzusehen... Er ist gerade wieder weg und hat gemeint, wir sollten ihm Kamillentee, ganz stark verdünnt, geben.“ Belial lächelte seine Frau liebevoll an. „Du wirst eine so phantastische Mutter sein, meine süße Hexe.“ Sie lachte. „Mach mir nur Komplimente, mein Teufelchen, hilft alles nichts, du wirst dich genauso um unseren Sohn kümmern wie ich!“ Er grinste. „Was gibt es von diesem Fall – der dich und Metatron gleichermaßen langweilt?“ fragte sie dann. Euangelion setzte ihr kurz auseinander was geschehen war und sagte dann stolz: „Und der Chef und ich erledigen das Morgen.“ Unbemerkt vom treuen Sekretär sah Selvaggia ihren Mann belustigt an. Der vorher so scheue Engel war unter ihm sichtlich aufgeblüht und strotzte nun vor Selbstbewusstsein. Belial setzte sich neben seine Frau und lächelte. „Was war eigentlich mit Metatron? Cassie war erstaunt... Sie meinte, sie hätte ihn geküsst und ihm vorgeschlagen zu kuscheln und das habe ihn irgendwie völlig verstört aus dem Raum laufen lassen.“ fragte Selvaggia. Belial versuchte ein Lachen zu unterdrücken – doch erfolglos. „Darum war er also bei mir... ich habe mich schon gewundert, was das ausgelöst hat, dass er plötzlich etwas über... derartige Dinge wissen wollte...“ Selvaggia lachte leise. „Ich will Einzelheiten, Schatz...“ forderte sie. Mit einem belustigten Seufzen erzählte Belial was kurz zuvor vorgefallen war. „Da bist du aber böse gewesen. Der arme Kerl. Cassie hat schon Angst, dass er sie nicht mehr will und... wobei es gibt doch noch zwei oder drei Dämoninnen außer dieser verräterischen Schlange die... egal... Aber kann er nicht mit einer von denen...“ „Selvi! Bitte! Das wäre für ihn der ultimative Verrat an Cassandra!“ unterbrach Belial sie fast entsetzt. Am nächsten Morgen brachen Euangelion und Belial in aller Frühe auf. Sie hatten beschlossen beide Teile des Ostensoriums – Inhalt und Ostensorium selbst – gemeinsam zu suchen. Sie tauchten in Turin auf. Vor einem altehrwürdigen Haus stehend, sahen sie einander an. „Das Elternhaus des Camerlengo?“ fragte Belial. Euangelion nickte. „Dann sollten wir mal schauen, dass wir uns Innen umsehen, Fotos machen und schauen, was wir an Reliquien und Hostien hier so finden...“   In einem der Kellerräume wurden sie fündig. Fein säuberlich beschriftet lagerten hier in fest verschlossenen durchsichtigen Döschen die bereits entwendeten Reliquien und Hostien. „Es ist inzwischen ja schon Oktober... und wie ich dich einschätze würdest du gern dafür sorgen, dass während Pierre Pasquieus Weihe zum Kardinal die „Bombe“ platzt... sozusagen, um auch ihm einen gewissen Teil des „Ermittlungs-Ruhms“ zu gewähren... Wobei die Weihe erst in sieben Wochen wäre...“ murmelte Euangelion, während er Notizen machte. „Da alle wirklich wichtigen Krimskramse ausgetauscht sind.... macht das doch eh nichts... und es wird Pierre auf jeden Fall einen guten Start als Kardinal geben...“ antwortete Belial nachdenklich. „Sind wir hier fertig? Dann könnten wir nach dem Behältnis, dem Ostensorium, schauen...“ Euangelion stimmte zu und kurz darauf erschienen sie in der Werkstatt von Monsieur Lafyett. „Sieh an, er ist offenbar der Meister für alle in Frankreich entwendeten Behältnisse...“ „Wobei dies aus der Wallonie – also aus Belgien – kommt, Lucian...“ sagte Euangelion und zeigte auf eine eher schlichte Monstranz neueren Datums. „Interessant... nun denn... großen Schaden kann dieser Club des Camerlengo aber ja nicht mehr anrichten. Laut Jophiel ist ja alles ausgetauscht worden – und das wertvolle sind ja nicht die Ostensorien...“ Belials Stimme klang spöttisch. „Obwohl einige – wie dieses belgische – sehr schön sind...“ Sie kehrten in den Boulevard zurück. Im Vorzimmer seines Büros wartete bereits Cassandra. Sie wirkte bedrückt. „Cassie, Kleines, was ist denn?“ fragte Belial überrascht. „Ähm... Metatron, er war gestern total komisch, Chef... Ich wollte doch nur, dass er mich in den Arm nimmt und mich vielleicht mal küsst, aber er ist weggelaufen wie der Teufel vorm Weihwa... oh, entschuldige... aber...“ Belial lachte leise. „Abgesehen davon, dass ich vor Weihwasser nicht weglaufe, Cassie, ich kann dir versichern, dass alles in Ordnung ist – oder zumindest kommt. Ist dir mal in den Sinn gekommen, dass dein Zukünftiger keinerlei Erfahrung hat? Er hat Angst dich zu enttäuschen und war gestern bei mir um sich Rat zu holen. Wobei er sich den bitte bei unserem Vater holen soll! Und ich hoffe...,“ er sah zur Decke... „dass er den inzwischen bekommen hat!“ Ein leises Lachen erklang, bei dem Cassie leicht zusammenzuckte. „Aber natürlich. Ich würde meine jüngste Schwiegertochter doch nicht enttäuschen... und meinen Sohn Metatron natürlich auch nicht blamieren... Übrigens... er hat sich für einen menschlichen Namen entschieden... lasst euch überraschen, meine Kinder.“   Beschützend legte Belial einen Arm um Cassandras Schulter. „Na, das ist ja mal eine Neuigkeit...“ Cassandra grinste. „Ich glaube, er hat beschlossen den Nachnamen SaintCyr zu behalten...“ murmelte die Pressesprecherin. „Cassie?“ rief in diesem Moment Metatron auf dem Korridor. „Ruf ihn, sonst macht er sich unnötig Sorgen...“ murmelte Belial. Sie lächelte und konzentrierte sich – im nächsten Augenblick stand Metatron im Vorzimmer seines
Kollegen. „Guten Morgen, ich... dürfte ich mit meiner Verlobten reden?“ Belial grinste. „Vater hat erzählt, dass wir dich ab jetzt nicht mehr Metatron nennen sollen?“ Der Engel errötete. „Ja... ich habe über vieles nachgedacht und... Merlin-Tyrone SaintCyr... ich denke... das klingt nicht zu... zu religiös und...“ „Merlin? Wie der Zauberer von König Arthus?“ fragte Cassandra überrascht. Er schüttelte den Kopf. „Wie die Falkenart – ich dachte, da ich Flügel habe... normalerweise... wenn auch zwei Paare mehr, aber... tja... gefällt dir der Name? Und da du dir SaintCyr ausgesucht hattest als Nachnamen, denke ich, den können wir auch behalten... Mir gefällt er.“ Sie nickte und schmiegte sich in seine Arme als er sie an sich zog. Am Morgen der Kindergarteneinweihung war Lucifer sichtlich nervös. Mathilde stellte ihm seinen zweiten Kaffee hin. "Lucifer, du schaffst das schon. Du hast die Reden die Euangelion und Cassie dir geschrieben haben sehr gut miteinander kombiniert und in deinen Stil geändert, da kann gar nichts mehr schiefgehen." Er lächelte liebevoll. "Danke Selvi, aber die Rede an sich ist es gar nicht. Vielmehr... die vielen Menschen. Ich hatte noch nie mit so vielen Menschen auf einmal zu tun. Das macht mir etwas Angst." Sie nahm ihren Mann liebevoll in den Arm. "Sei einfach so charmant wie du immer bist, dann wird alles glatt gehen. Du kannst das und... ich bin bei dir, ebenso wie die Raynes und... der Rest des Boulevards, die Mitarbeiter, die dir mittlerweile vertraut sind." Er lächelte seine Frau dankbar an für die netten Worte. "Danke Selvi, aber... auch wenn ich mittlerweile etwas Erfahrung im Umgang mit Menschen gesammelt habe... empfinde ich es manchmal immer noch als schwierig und... nun ja, bisher hatte ich nie mit so vielen auf einmal zu tun." Sie lächelte und kuschelte sich an ihren Mann. Etwa zwei Stunden vor der Kindergartenfeier trafen die Raynes mit Julien und Seraphiel und Sealthiel im Boulevard ein. "Lucifer, geht es dir gut? Du wirkst etwas nervös." stellte Seraphiel fest. Dieser nickte. "Irgendwie macht mir das Angst... die ganzen menschlichen Mitarbeiter des Boulevards die jetzt ihre Kinder in der Kindertagesstätte haben und ich kenne von denen grad mal eine Handvoll und... die Rede. Wenn Alkohol bei uns eine Wirkung hätte würde ich mir jetzt wohl etwas Mut antrinken." Die Anwesenden lachten." Lucifer ließ die Hand seiner Frau nicht los als sie in der Tagesstätte ankamen. Erst als die Leiterin der Einrichtung ihn als Träger und Projektleiter vorstellte und er seine Rede halten musste, ließ er sie los.  "...in diesem Sinne hoffe ich auf gute Zusammenarbeit, denn das Wichtigste ist das Wohlergehen der Kinder. Ich über gebe jetzt wieder an die Kita-Leitung, denn soviel ich weiß haben die Kinder noch die ein oder andere Überraschung für uns parat." Er übergab das Mikrofon wieder und die Eltern, Freunde und übrigen Angestellten des Boulevards die vorbeigekommen waren klatschten. "Das war richtig gut und du hast dich so verrückt gemacht." flüsterte Seraphiel ihm zu. Euangelion und Cassandra waren beide sehr erfreut, ihr Chef hatte sich nicht für eine der beiden Reden entschieden sondern beide sehr gut miteinander kombiniert und seinen persönlichen Touch mit hineingebracht.  Die beiden Botschafter und die gesamte Wohngemeinschaft des Boulevard Hausmann 13 genossen den Nachmittag in der Kita und waren begeistert von den Vorführungen ihrer vier Kleinsten. Sie waren alle so gelöst und locker wie noch nie.   Die himmlischen und höllischen Paten der Kinder warteten schon im Boulevard, da sie versprochen hatten sich um die Kleinen zu kümmern, während ihre Eltern auf dem Empfang waren.  "Lucifer, ich habe dir ein paar Unterlagen zur Durchsicht und zum Unterschreiben auf deinen Schreibtisch gelegt. Bei einigen musst du auch noch deine Zustimmung geben oder noch selbst beenden, das Wichtigste halt was du dann doch selbst machen musst." Der Höllenfürst lächelte dankbar. "Danke Samyaza, das mache ich dann morgen." Der gefallene Engel nickte. "Es ist auch eine neue Liste mit verlorenen Seelen dabei die auf  Verurteilung warten, das kann ich dir leider nicht abnehmen, du müsstest also morgen selbst..." Er seufzte und nickte kurz. Anschließend verschwand er mit seiner Frau in ihrem gemeinsamen Zimmer in dem sie momentan wohnten, da sich die beiden in letzter Zeit immer mal wieder um die Zwillinge kümmerten, wenn diese vor Schmerzen wegen des Zahnens oder anderen Ursachen nicht zur Ruhe kamen. Er lächelte seine schwangere Frau an und beobachtet sie wie sie ihre dunklen, rotbraunen Haare gekonnt zu einer eleganten Frisur zurecht steckte.  "Was ist denn?" wollte die Hexe wissen. "Nichts, ich... bewundere nur gerade meine wunderschöne Frau." Sie sah ihn belustigt an. "Du Schmeichler, ich bin mittlerweile ganz schön dick und... nun ja , vielleicht auch momentan nicht mehr ganz so attraktiv...?" sagte sie leise. "Ach Selvi... was redest du nur für Unsinn! Du bist schön wie eh und je." Er zog sie in seine Arme und küsste sie leidenschaftlich. Auch Luciano machte seine Eltern auf sich aufmerksam indem er ziemlich heftig gegen die Bauchdecke seiner Mutter trat, sodass selbst sein Vater die Bewegung wahrnehmen konnte. "Lucifer?" sagte sie etwas zögernd. "Was ist denn Liebste?" fragte er sanft als er Besorgnis in ihrer Stimme hörte. "Ich denke... also... ich habe das Gefühl dass Luciano bald schon kommt, ich bin zwar erst in der 28. Woche, das würde menschlich gesehen unter Frühgeburt fallen..." Er lächelte. "Du hast recht, aber mach dir keine Sorgen deshalb, es wird alles passen, ich bin ein Seraph da ist die Sachlage anders und mal davon abgesehen, wird Vater seinen Enkel gesund und wohlbehalten auf die Welt kommen lassen. Außerdem deutete "dein lieber Bruder Sandro-Ariel", beziehungsweise mein Bruder Sariel bereits so was an." Sie nickte dankbar für die beruhigenden Worte ihres Mannes. Während Lucifer und Selvaggia sich fertig machten, war Metatron nebenan bei Cassandra. Er küsste sie zärtlich am Hals als er ihr die Kette ummachte, drehte sie um und zog sie an sich um sie zu küssen, sie erwiderte den Kuss. Als die beiden aus dem Zimmer traten trafen sie im Flur auf Selvaggia und Lucifer.  Der Höllenfürst pfiff kurz, beim Anblick seiner Pressesprecherin. "Höllisch heiß und sexy! Wie es sich für die Pressesprecherin der Hölle gehört! Wobei du ja mittlerweile wohl eher Pressesprecherin beider Botschafter bist." zwinkerte Lucifer ihr und Metatron zu. Sie nickte. "Ja, heute Abend verfasse ich einen schönen Artikel über euch Beide." grinste sie. "Na dann, lasst uns gehen!" sagte Metatron etwas aufgeregt. Die beiden Botschafter betraten mit ihren Begleiterinnen den Festsaal. Belial ließ seinen Blick über die Anwesenden schweifen als er mit Metatron, Selvaggia und Cassandra zur Rednertribüne ging. Mit leichter Belustigung sah er, dass sein Kollege sich in dem eleganten schwarzen Smoking nicht so ganz wohl zu fühlen schien und ein wenig nervös an seiner Fliege zerrte. Liebevoll gab seine Begleiterin Cassandra ihm einen Klaps auf die Hand. „Du siehst sehr attraktiv aus, lass das!“ flüsterte sie mit einem Lachen in der Stimme. Er griff sanft nach ihr und küsste sie auf die Wange. Vor dem Mikrofon schaute er ein wenig irritiert. Belial grinste. „Da sprechen Menschen rein – aber wir zwei kriegen das auch ohne hin...“ murmelte er erklärend. Cassandra grinste als sie das Mikrofon beiseite stellte. „Du kannst mit deiner Rede beginnen...“ raunte sie ihrem Verlobten zu. Metatron räusperte sich, die Anwesenden schwiegen augenblicklich und sahen zu ihm. Metatron begann: „Sehr geehrte Anwesende, sehr geehrter Staatspräsident, sehr geehrter Erzbischof, …“ Es folgten noch einige der „Ehrengäste“, „... mein Kollege, der höllische Botschafter Dr. Lucian Belial Rayne und ich, Merlin Tyrone SaintCyr, begrüßen Sie herzlich zum ersten Botschaftsempfang im Boulevard Haussmann 13."  Er machte eine kurze Pause und fuhr fort: "Seit Gründung dieser Botschaft ist noch nicht so viel Zeit vergangen und doch hat sich einiges getan, was mit Kooperation zwischen Himmel, Hölle und Erde zur allgemeinen Zufriedenheit geregelt werden konnte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten zwischen meinem Bruder Lucian Belial - oder nicht ganz so bürgerlich Lucifer – hat sich in unserer beider Leben letztendlich alles durch den Willen des Himmlischen Vaters zum Guten gewendet. Meine Gemahlin Cassandra SaintCyr hat mir gestern im Beisein seiner Exzellenz, des Erzbischofs von Paris, Pierre Pasquieu und meines... Schwagers Prof. Dr. Sandro-Ariel Bragi, sowie Julien-Noel Dubois, des Neffen des Erzbischofs, die als Zeugen fungierten, auf dem Standesamt die Hand zum Ehebund gereicht und mich damit unendlich glücklich gemacht. Obwohl wir den Segen unseres Himmlischen Vaters natürlich bereits haben, werden wir im Dezember kirchlich heiraten – allerdings im „engsten Familienkreis“, aber da meine Frau die persönliche Pressesprecherin sowohl von mir als auch meinem Kollegen ist, werden Sie davon dann aus der Presse erfahren.“   Belial sah Metatron und Cassandra verblüfft an. „Ihr habt standesamtlich geheiratet? Wieso erfahre ich erst jetzt davon?!“ zischte er ihm zu. Metatron und Cassandra grinsten. „Du kannst alles essen, Chef, aber du musst doch nicht alles wissen, oder?“ Um die Mundwinkel des Höllenfürsten zuckte es. „Wäre aber nett gewesen... vielleicht hätten Selvi und ich euch gern etwas geschenkt...“ Cassandra lächelte ihn an. „Das tut ihr doch schon. Ihr werdet ein wundervoller Onkel und eine wunderbare Tante für unsere Kinder sein...“ Selvaggia gab ihrem Mann einen liebevollen Hieb mit dem Ellbogen. „Nun freu dich endlich für die zwei, mein Sturkopf!“ flüsterte sie belustigt. Im Saal war vereinzeltes Kichern zu hören als man Zeuge der familiären Szene auf der Rednertribüne wurde. „Du bist
dran, „Bruderherz“ - ich habe angefangen...“ schmunzelte Metatron. Belial warf ihm einen undefinierbaren Blick zu, räusperte sich und fuhr mit der Rede fort. „Wie mein – reizender – und zwar jeden der ihn kennt... " vereinzeltes Lachen erklang als einige Gäste den kleinen Seitenhieb verstanden "... -  Merlin Tyrone – einigen unter dem Namen Metatron besser bekannt – bereits sagte: Die Botschaft hat sich etabliert und als wertvoller Partner im Ringen um Frieden erwiesen. Und da auch er uns mit einer überraschenden, familiären Eröffnung überrascht hat, wollen meine Frau Selvaggia und ich freudig die baldige Geburt unseres Sohnes Luciano ankündigen. Wir sind schon ganz aufgeregt.“ Er wandte sich an seine Frau und küsste sie sanft auf die Wange. „Oder, meine Schöne?“  Sie errötete, lächelte ihn aber liebevoll an als sie sich an ihn lehnte. „Jetzt glauben die, ich erwarte den Antichristen!“ flüsterte sie ein wenig ängstlich, als sie das aufgeregte, fast ärgerlich klingende Getuschel der Gäste hörte. Metatron zwinkerte ihr aufmunternd zu und ergriff erneut das Wort. „Unser Himmlischer Vater freut sich ebenso auf sein erstes Enkelkind und hat mit unserem Bruder Sariel bereits einen der Seraphim als himmlischen Paten bestimmt. Zudem wird Luciano im Himmel getauft werden, in seinem Beisein. Da durch seinen Willen weder Selvaggia noch meine Frau Cassandra nicht mehr... rein menschlich sind, werden unsere Kinder – sowohl Lucifers als auch meine – zwar die einen oder anderen Kräfte haben, doch diese nicht zum Schaden anderer einsetzen! Das sollte sie hoffentlich beruhigen!“ Das Tuscheln der Gäste klang jetzt erleichtert. „Danke für das „Situation retten“ - das mit dem „Antichristen-Mist“ hatte ich glatt verdrängt...“ bedankte sich Belial im Laufe des Abends bei Metatron. Der klopfte ihm aufmunternd auf die Schultern. „Wozu hat man „kleine Brüder“, Großer?“ fragte er belustigt. „Wir sollten allerdings Pierre nachher mal zur Seite nehmen und ihn aufklären, dass wir ihn sozusagen als „Retter der Reliquien“ hinstellen wollen – während seiner Weihe zum Kardinal. Nicht, dass er aus falscher Bescheidenheit im Dezember abblockt...“ Belial nickte. „Wie bist du eigentlich dazu gekommen Julien, Sariel und Pierre als Zeugen beim Standesamt zu nehmen?“ „Eigentlich nur Pierre und Julien – Sariel ist kein französischer Staatsbürger. Und die Idee hatte Pierre. Er hat uns eigentlich auch schon den kirchlichen Segen gespendet, aber Cassie hat immer von einer Hochzeit im weißen Kleid geträumt und den Wunsch möchte ich ihr natürlich erfüllen. Aber da die zivilrechtlichen Schritte natürlich auch getan werden müssen... außerdem bist du ebenfalls italienischer Staatsbürger mein lieber Bruder. Sogar ganz offiziell! Und Pierre und Julien haben ihre Namen... du hättest mit Lucifer unterschreiben müssen – irgendwie... und Sariel hätte auch nicht als Sandro-Ariel Bragi unterschreiben können – finde ich... Cassie hat Pierre und Julien-Noel, der gerade zu Besuch war, kurzerhand gefragt... Seitdem duze ich mich übrigens mit den beiden auch... Wobei Julien mir auch das Kompliment gemacht hat, dank Cassie wäre ich wesentlich lockerer geworden als zu meiner Zeit als sein Schutzengel.“ Belial grinste. „Das, Kleiner, kann ich nur bestätigen.“ Sein Blick wanderte zu Selvaggia und Cassandra, dann räusperte er sich als er sah, dass seine Schwägerin zu einem Glas Sekt griff. „Wenn ich du wäre – und weil ich unseren Vater inzwischen wieder recht gut kennengelernt habe... ich würde Cassie den Sekt abnehmen... meine Nichte oder mein Neffe wird es dir danken...“ Metatron blickte ihn fragend an, begriff und materialisierte sich augenblicklich neben seiner Frau um ihr das Champagnerglas aus der Hand zu nehmen. Sie schüttelte den Kopf als er ihr etwas ins Ohr flüsterte und warf dann Belial einen ungläubigen, ein wenig verärgert wirkenden Blick zu.  Er lächelte und trat zu Selvaggia. „Glaub mir, Cassie, Vater fackelt nie lange... und die Anzeichen sind da. Und du brauchst auch gar nicht mit deinem Argument zu kommen, dass dieser Idiot Kylien Empestrier für irgendwas sorgen wollte. Sariel und Raphael sind Heiler und Vater scheint einen Hang zu entwickeln seine Söhne als Familienväter zu sehen... Ich für meinen Teil freue mich schon Onkel zu werden und bin sicher, Luciano wird seinen Spielgefährten schätzen. Und dich als Tante mit den Kräften einer Kyriotes ebenso...“ Verblüfft sah sie ihn an. "Das siehst du?" fragte sie. Belial nickte. "Natürlich. Ich bin mir sicher, die Flügel stehen dir, Cassie. Beim Heiligenschein bin ich mir nicht so sicher, ich kann dir aber gern ein paar Hörner anbieten." fügte er belustigt hinzu. Sie lachte.  Auch die geladene Presse berichtete am nächsten Tag, dass zwei sympathische Botschafter mit ihren Frauen seit kurzem Himmel und Hölle gemeinsam vertraten und einander wie Brüder waren - die sich hin und wieder stritten, sich jedoch auch immer wieder zusammenrauften. Cassandra hatte zwar einiges an Informationen an die Presse gegeben, doch ihr Ehemann hatte sie lächelnd geküsst und gemeint: "Ohne dich, mein süßer Engel, hätte ich nur halb so sympathisch dagestanden wie Lucifer mit Selvi. Weißt du eigentlich wie sehr ich dich liebe?" Sie war errötet.  Belial hatte gleich am Tag nach dem Empfang in der erzbischöflichen Residenz angerufen und Pierre Pasquieu mitgeteilt, dass Metatron und er mit ihm sprechen müssten, doch diverse Termine des Erzbischofes ließen ein so zeitnahes Gespräch nicht zu und so hatte man sich auf eine Woche vertagt. Mathilde war fast ein wenig beleidigt gewesen, dass Cassandra und Metatron nichts von ihrer heimlichen, wenn auch nur standesamtlichen Hochzeit erwähnt hatten. Erst als die beiden sich bei ihr entschuldigt und erklärt hatten, dass es eine kurzentschlossene Handlung war, verzieh sie den beiden und machte sich mit Selvaggia, Consuela Fernandez, Euangelion, Graphiel und auch Belial daran eine kleine Überraschungsfeier für die beiden zu organisieren. So verging eine recht ruhige Woche. Es war Samstag - Pierre Pasquieu betrat die Botschaft durch das Portalsystem. In seinem Büro hatte er den Zugang, da er nicht immer so offensichtlich kommen wollte, zumal Euangelion, Metatron und auch Belial ihm Hilfe beim Schreiben seiner Predigten angeboten hatten, sollte er sie brauchen. Er war an diesem Abend außerdem zur kleinen Feierlichkeit eingeladen.  Als er den Salon betrat, begrüßte er die Botschafter und ihre Frauen herzlich, ebenso die wenigen menschlichen Angestellten und die zwei Engel, die als Sekretäre in der Botschaft waren - neben Samyaza, Gadreel und Armaros. König Paymon begrüßte er ein wenig zurückhaltender, denn ihm war er noch nie zuvor begegnet. Es wurde ein sehr gemütlicher Abend in dessen Lauf Metatron und Belial plötzlich den Erzbischof beiseite nahmen, mit ihm in das Arbeitszimmer des Höllenfürsten materialisierten und ihm erklärten, dass sie mit ihm reden müssten. Irritiert sah Pierre Pasquieu beide an. "Was gibt es denn?" "Wir wissen wer die Reliquien und Hostien zu welchem Zweck hat entwenden lassen, Pierre." begann Metatron. "Wunderbar! Dem Himmel sei Dank! Wer ist es und wieso? Und vor allem: Was hat dieser Teu... Unmensch damit gemacht?" "Dieser Teufel?" fragte Belial belustigt, wurde dann jedoch ernst. "Er ist kein Teufel, Pierre, ganz im Gegenteil... er ist einer der einflussreichsten Gestalten im Vatikan und er will zu seinem eigenen Vorteil gegen die Interessen des Papstes handeln." "Das heißt, die Reliquien und Hostien existieren noch?" Metatron und Belial nickten. "Ja, dieser Mann hat sie in seinem Elternhaus gehortet, wohl verwahrt. Er plant noch weitere Diebstähle um seinen Einfluss zu vergrößern und will - nach unseren Erkenntnissen - am Ostersonntag handeln. Das sind noch sechs Monate - so etwa..." sagte der himmlische Botschafter. "Dann handelt! Entlarvt diesen Heuchler!" rief der Erzbischof.  Belial seufzte. "Damit haben wir aber ein Problem... Viel von der Ermittlungsarbeit haben Euangelion und ich gemacht... und mal ehrlich, Pierre... das kommt irgendwie nicht so gut, wenn der Papst eine Brief vom Teufel persönlich bekommt - auch wenn ich mit meinem menschlichen Namen unterschreibe unter dem du mich ja auch als Mitglied deiner "Familia" zu deiner Weihe angemeldet hast... Metatron und ich wollten dir sozusagen ein Geschenk machen. Von dir erwarten wir eigentlich nur Schweigen - zustimmendes Schweigen... Und bevor du auf "dumme Gedanken" kommst: Die Idee kam von Metatron, nicht von mir!" Verwirrt sah der Erzbischof von einem zum anderen. "Inwiefern?" "Es geht darum, Pierre, dass wir beide mit dir ausgezeichnet arbeiten können. Du hast gegen Lucifer keine Vorbehalte, zählst ihn sogar zu deinen Freunden - und inzwischen dankenswerterweise auch mich. Du wirst als Kardinal auch Erzbischof bleiben, Pierre, aber wenn der Plan von Lucifer und mir aufgeht, wirst du mehr Einfluss in Rom haben als viele andere Kardinäle. Deine Stimme wird Gewicht haben, du wirst mäßigend, vermittelnd im Sinne des Himmlischen Vaters wirken können. Das ist mir wichtig, das ist Lucifer wichtig, das ist vor allem jedoch unserem Himmlischen Vater wichtig." Pierre Pasquieu sah zu Boden. "Metatron - oder Merlin..., Lucian... mir ist bei dem Gedanken daran nicht wohl... Das ist Betrug!" "Nein, Pierre, das ist göttlicher Wunsch." sagte Metatron sanft. "Wir werden dich am Tag deiner Weihe aufklären, über das wer, zu welchem Zweck und über den Verbleib der entwendeten... Stücke..." fuhr Belial fort. Der Erzbischof sah sie beide an, dann nickte er. "Wenn es des Herrn Wille ist, so möge er geschehen." Metatron legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Danke für dein Vertrauen, mein Freund. Lass uns zurückgehen. Ich möchte meine wunderschöne Frau nicht so lange allein lassen." Gemeinsam kehrten die drei zurück um den Abend
nett ausklingen zu lassen. Lucifer saß an seinem Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer im Boulevard und arbeitete am Grimoire. Es klopfte und Kat trat ein, lief auf ihn zu und umarmte ihn. "Hallo, Onkel Belial. Alles klar?" Er nickte. "Hallo Käthchen, setz dich du kannst gleich anfangen, das Grimoire liegt schon hier." Kat warf einen Blick auf das Buch und holte es mit Hilfe von Magie zu sich. Nebenbei beobachte sie ihren Patenonkel, wie er sich an seinen Höllenunterlagen zu schaffen machte. "Ich dachte das übernehmen jetzt Samyaza und die anderen für dich?" fragte sie besorgt. Sie wusste wie sehr er den Papierkram hasste. Er lächelte. "Samyaza hilft mir schon viel. Ich habe ihm einiges überlassen, nachdem er es mir fast befohlen hat. Er teilt es sich dann mit Gadreel, Armaros und Paymon ein. Aber er kann nicht alles machen, Käthchen. Es gibt einige Sachen die ich selbst erledigen muss." Sie nickte und machte sich an die Arbeit.  Nach zehn Minuten unterbrach sie ihre Arbeit und fragte: "Onkel Belial?" Er seufzte. "Käthchen, kannst du nicht einmal deine Arbeit fertig machen und dann reden?" Der Teenager schüttelte den Kopf. "Mir ist das aber jetzt eingefallen und... sonst vergesse ich es wieder." Er legte seinen Kugelschreiber hin und fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht, faltete sie dann vor dem Kinn. "Also was gibt es so Wichtiges?" Sie lächelte liebevoll. "Ich habe mir Gedanken gemacht. Ich, das heißt Julien und ich wollten doch noch etwas zusammen  mit dir und Selvi unternehmen, bevor euer Baby kommt und ich dachte ... wir könnten nach Orlando in den Sea World Park gehen. Da kann Selvi sich auch die ganzen Shows mit ansehen und wir können ja die paar Achterbahnen fahren. Was denkst du, habt ihr am Samstag Zeit?"  Er lachte herzhaft. "Ach Käthchen das hatte jetzt keine Zeit bis nach dem Unterricht? Aber ja... das könnte gehen. Ich rede nachher mit Selvi. Aber jetzt wieder an die Arbeit und zwar sofort... Käthchen!" befahl er streng. Sie lächelte und gehorchte. Sie wusste mittlerweile, dass ihr Patenonkel manchmal streng war wenn es um das Arbeiten am Grimoire ging.  Am Samstagmorgen um sieben Uhr nach kalifornischer Zeit trafen Belial und Selvaggia mit Raphael, der hauptsächlich als "ärztliche Begleitung" für die schwangere Hexe mitging, im Legat auf Angel Island ein um sich mit Hilfe von Magie nach Orlando zu zaubern, weil in Florida schon 10 Uhr war und die Fahrt zu weit gewesen wäre, war auch Selvaggia mit der Zauberei ihres Mannes und der beiden Schutzengel der jungen Leute einverstanden.  Bevor sie aber aufbrachen genoss Belial noch den frischen Kaffee den ihm Rachel schon hinhielt als er die Küche betrat.  Er nahm ihn dankbar an und umarmte die hübsche Blondine liebevoll. Seraphiel und Sealthiel saßen auch mit am Frühstückstisch. Der Höllenfürst und Selvaggia begrüßten alle freundlich. "Freut uns Lucifer!" begrüßten ihn auch die beiden Seraphim freundlich. Er nickte ihnen höflich zu. "Ich nehme mal an ihr beide kommt auch mit?" fragte er freundlich als er sich an den  Tisch gesetzt hatte und einen Schluck seines Kaffees nahm. "So ist es Bruderherz." scherzte Seraphiel. "Willst du uns wohl lieber unsichtbar dabei haben?" fragte Sealthiel freundlich. Der Fürst der Hölle schüttelte den Kopf. "Nein, ihr könnt sichtbar mit. Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt." Etwa eine halbe Stunde später brachen sie auf. Sie sahen sich gemeinsam die interessanten Shows an. Während sie die Fahrgeschäfte fuhren wartete Raphael - wobei er sich mit Belial abwechselte - mit Selvaggia in einem kleinen Café innerhalb des Parks. Kat hatte darauf bestanden dass auch ihr Patenonkel ab und zu mitfuhr, da Raphael schließlich bei Selvaggia bleiben konnte. Sie genossen den Tag in vollen Zügen. "Das war ein tolle Idee von dir Kat. Ich sehe Lucifer an solchen Tagen immer so... gelöst und fröhlich. Im Boulevard ist er meistens zu ernst." freute sich die Hexe. In der Nacht lagen Selvaggia und Lucifer beide wach im Bett. "Selvi? Geht es dir gut?" fragte Lucifer seine schwangere Frau besorgt, als er merkte, dass sie sich nur hin und her wälzte, leise stöhnend. "Ja Schatz, ich hatte das heute schon mal als ich mit Raphael im Café saß, als ihr Achterbahn gefahren seid. Er hat kurz nachgesehen und meinte das sind Senkwehen. Unser kleiner Luciano wird wohl nicht mehr so lange auf sich warten lassen." Er rückte näher an sie, nahm sie liebevoll in den Arm und streichelte zärtlich über ihren Bauch. "Ich kann es noch gar nicht glauben, dass ich doch noch Mutter werde. Noch vor ein paar Monaten hätte ich mir das nie zu träumen gewagt." Sie blickte ihren Mann an. Er sah sehr nachdenklich und etwas besorgt aus. "Lucifer? Machst du dir Sorgen, wegen der Geburt und... wie unser Leben danach verlaufen wird?" Er nickte. "Ehrlich gesagt ja. Du weißt ja, dass ich eigentlich noch warten wollte und Vater so voreilig war. Ich freue mich, aber es ist doch etwas anderes sich um seine Patenkinder zu kümmern als... selbst Vater zu sein. Und du weißt wie aufbrausend und aggressiv ich manchmal sein kann."  Sie lächelte. "Na und? Ich weiß, dass du bei deinem Sohn die Ruhe bewahren wirst. Und wenn es dir doch mal zu viel wird dann hast du immerhin deinen Vater der uns viele Brüder schicken kann und die Raynes die sich sicher gerne mal kümmern, was sie auch schon angeboten haben und so werden wir auch mal Zeit für uns haben." Er lächelte. "Ja, Derek hat schon mal angedeutet, dass er sich gerne revanchieren möchte, da ich ihnen mit den Zwillingen schon so viel geholfen habe und immer noch helfe." Na siehst du. Rachel hat etwas ähnliches zu mir gesagt. Wir schaffen das schon Lucifer." sagte die hübsche Hexe selbstbewusst.  Er nahm sie in den Arm und flüsterte zärtlich: "Weißt du eigentlich wie sehr ich dich liebe, mein Hexlein?" und bettete sie sanft an seine Brust, so dass sie sich an ihn kuschelte und schließlich einschlief. Drei Tage später war Lucifer mit Derek im Berliner Legat, Dr. Meier hatte darauf bestanden sich bei beiden persönlich für die Hilfe zu bedanken. Derek, der genauso wenig Lust hatte, der Einladung zu folgen hatte seinen Freund überredet ihn zu begleiten. "Der könnte auch mal Benimm-Unterricht nehmen." meinte Derek trocken als sie wieder dieser schrullige, alte Mann unfreundlich ins Haus ließ. Belial musste lachen. Der Bedienstete von Dr. Meier führte die beiden in das Wohnzimmer, in dem der Hausherr schon mit einem anderen Herrn wartete. Belial der schon ahnte wer der zweite Mann war, zumal die Kleidung des Geistlichen mehr als offensichtlich war, wäre am liebsten wieder umgekehrt. "Dr. Derek Rayne, Dr. Lucian Rayne, es freut mich sie beide wieder zu sehen. Meine Herrn, das ist der Erzbischof Dr. Boch." Er grinste, die beiden an, während Belial kaum hörbar seufzte. "Es freut mich sie kennenzulernen, und Ihnen Dr. Lucian Rayne, vielen Dank für die Reparatur der Monstranz. Sie wissen gar nicht wie wichtig dieses Relikt für uns ist. Es bedeutet mir sehr viel, dass sie das gemacht haben, denn Berlin ist nicht gerade eine reiche Erzdiözese." bedankte er sich sofort und reichte ihm ebenfalls wie schon zuvor Derek die Hand. Der Höllenfürst ergriff sie etwas zögernd. "Setzen sie sich meine Herren, es gibt Kaffee und Tee zu den Keksen, ganz wie wollen." lud Dr. Meier seine Gäste ein Platz zu nehmen. "Hast du gewusst, dass der Oberpfaffe von Berlin da ist?" fragte Belial seinen Freund in Gedanken. "Nein, ich schwöre es!" antwortete Derek. "Der weiß wer ich bin." Derek, der das auch vermutete stimmte zu. "Ich hab Sie mir ganz anders vorgestellt Dr. Lucian Rayne." sagte der Erzbischof nach einer Weile. "Als Monster mit Hörnern, Huf und Schwanz, ein aufdringliches Aroma von "Eau de Sulfur" verströmend?" fragte Lucifer belustig. "Nun ja... zumindest habe ich mir Sie nicht so menschlich vorgestellt. Auch vom Verhalten wirken Sie wie ein Mensch, wenn man nicht weiß wer Sie wirklich sind."  Er nickte grinsend. "Darf ich fragen woher Sie wissen wer ich bin?" Dr. Boch lachte. "Ich habe Dr. Meier solange traktiert bis ihm rausgerutscht ist, dass der Teufel persönlich unsere Monstranz reparieren lässt. Aber das ist am Ende uninteressant, für die Gemeinde zählt nur, dass sie wieder unversehrt auf dem Altar steht. Ich danke Ihnen nochmals... vielmals." Der Höllenfürst nickte. "Kein Problem, dafür hat es uns bei den Ermittlungen geholfen." Sie unterhielten sich noch eine Weile - zu Belials Überraschung auch sehr angenehm. "Ich würde Sie beide gern zum nächsten Gottesdienst einladen in dem wir die Rückkehr unserer Monstranz gern feiern wollen, aber..." Erzbischof Boch sah Belial zweifelnd an. Der grinste. "Sie können sich bei Ihren Kollegen in Paris und San Francisco erkundigen - und an sich auch in Venedig... wobei da der Erzbischof es nur von seinem einen Prediger weiß... - ich kann Kirchen betreten, ich bin meinem Vater auch im Himmel jederzeit willkommen und bin Taufpate von allen drei Rayne-Kindern - von Katherine durch ihre Taufe in der Himmlischen Kathedrale und von den Zwillingen wurde ich es bei ihrer Taufe in San Francisco, die Michael Bryce persönlich vorgenommen hat." Der Erzbischof war - überraschenderweise - darüber sehr erfreut. "Dann kommen Sie doch bitte beide mit Ihren Familien am kommenden Sonntag in unsere Kirche." Belilal sah verlegen aus. "Das ist so eine Sache... An sich würde ich ja sagen, aber meine Ehefrau Selvaggia ist hochschwanger... und Vater hat es mit seinem ersten Enkel offenbar eilig... Aber wenn Derek kommen möchte... Mein Kollege Merlin-Tyrone SaintCyr würde ihn mit seiner Frau Cassandra sicher begleiten - und Sealthiel und Seraphiel würden Katherine und Julien, deren Freund... wobei... die beiden können mit himmlischem Einverständnis auch allein kommen... Aber ich würde mich melden..." Der Erzbischof nickte freundlich. "Ich würde mich freuen, das meine ich ernst." Zur gleichen Zeit im Boulevard Hausmann in
Paris saß Metatron in seinem Arbeitszimmer und versuchte sich ein wenig in die Unterlagen des Boulevards Hausmann 13 einzulesen, obwohl er wenig Lust auf den Botschafterjob hatte, wollte er seinem Vater beweisen dass er es schaffen würde. Ebenso wollte er ihm beweisen, dass er gut mit Lucifer, seinem gefallenen Bruder zusammenarbeiten konnte. Er musste sich außerdem eingestehen, dass er den Höllenfürst inzwischen wirklich mochte und ihn bewunderte, wie er das bisher alles zum größten Teil allein geschafft hatte und wie gut er mit den Menschen umgehen konnte. Und er hatte Respekt vor ihm, nach dem kurzen nervlichen Wutausbruchs seines Bruders vor ein paar Wochen, war ihm erstmals bewusst geworden mit welcher Doppelbelastung der eigentlich zurecht kommen musste. Einmal als Fürst der Hölle und dann als Botschafter im Boulevard. Er würde versuchen ihn in Zukunft so gut wie möglich zu unterstützen, das hatte sich der Erzengel fest vorgenommen. Er wollte auch daran arbeiten, dass Lucifer in auch mochte. Er wusste ja nicht wie sein höllischer Bruder mittlerweile zu ihm stand. Er hatte ihm die letzte Zeit sehr geholfen, war freundlich zu ihm und half ihm sogar dabei sich besser in die Arbeit als Botschafter einzugewöhnen. Manchmal trank er sogar am Abend wenn alle menschlichen Bewohner und Freunde des Boulevards in ihren Betten lagen ein Glas Wein mit ihm.  Selvaggia saß in der Küche am Tisch vor einer Tasse Tee und atmete in regelmäßigen Abständen immer wieder gegen den Schmerz an wie sie es im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hatte. Metatron wollte sich etwas zu Trinken aus dem Kühlschrank holen. Als er die Küche betrat sah er seine hochschwangere Schwägerin etwas schwer atmend, mit scherzverzerrtem Gesicht am Tisch sitzen. Erst stand er starr vor Schock da, bis er zu ihr eilte und ihr helfen wollte. Die Hexe  stieß ihn jedoch von sich und brüllte ihn in ihrem Schmerz an. "Ich will dir doch nur helfen!" rechtfertigte er sich etwas betroffen. "Das kannst du nicht, oder bist du Arzt?" fragte sie schroff, als sie kurzfristig wieder schmerzfrei war. "Nein, das bin ich nicht. Sind Cassandra und Mathilde immer noch beim Einkaufen?" fragte er. Selvaggia nickte und schon wieder ging der Schmerz, nach noch nicht mal einer Minute wieder los. Diesmal schien er jedoch schlimmer zu sein, stellte der hilflose Erzengel fest, da die hübsche, jung aussehende Frau - Metatron musste sich in Erinnerung rufen, dass sie mehrere Hundert Jahre alt war und zudem auch eine Hexe -  sich plötzlich krümmte und vom Stuhl zu fallen drohte. Metatron war sofort bei ihr, hielt sie fest und legte sie sanft auf den Boden. "Warum hast du Lucifer nicht gerufen?" erkundigte er sich. "Ich... ich weiß nicht. Ich habe nicht... gedacht,  dass es so schnell... " Und wieder folgte eine Schmerzattacke. Ganz automatisch und unbewusst gab Selvaggia dem Drang nach und begann zu pressen. Sie griff automatisch nach Metatrons Handgelenk und krallte ihre Fingernägel hinein. Dieser schrie auf vor Schmerz und rief nach Lucifer.  Der Höllenfürst zuckte zusammen. "Derek, wir müssen gehen. Im Boulevard wird dringend unsere Hilfe benötigt. Es tut mir leid die Herren aber... es geht um einen... Notfall!" sagte er so ruhig wie es ihm möglich war, da er genau wusste warum sein Bruder ihn so panisch rief. Sie verabschiedeten sich höflich und verließen das Zimmer. In der Eingangshalle ergriff der Höllenfürst Dereks Hand und zauberte sich mit ihm in die Küche des Boulevards. Im ersten Moment blieb ihm die Luft weg: zu sehen wie seine geliebte Frau vor Schmerz zusammengekrümmt  auf dem Küchenfußboden lag, schmerze ihn ein wenig. Er eilte sofort zu ihr und rief nach Raphael und Sariel. Raphael erschien sofort. Sariel ließ ihn in Gedanken wissen, dass er in ein paar Minuten vor Ort wäre. Raphael untersuchte Selvaggia so gut es eben ging in den paar schmerzfreien Sekunden. "Falls ihr euer Kind in Rom bei Sariel im Krankenhaus zur Welt bringen wolltet, vergesst es. Wir haben keine Zeit mehr uns ins Krankenhaus zu zaubern, wo wir womöglich erst noch auf einen Kreißsaal warten müssten, es bestünde die Gefahr, dass du dein Kind im Wartebereich zur Welt bringen müsstest." Selvaggia starrte den Erzengel entsetzt an und schüttelte energisch den Kopf. "Lucifer dann zaubern wir sie nach oben in eines der Zimmer. Lucifer materialisierte sich zusammen mit seiner Frau und Raphael wieder in Selvis altem Zimmer. Er legte sie sanft auf das frisch bezogene Bett, nach dem Raphael eine Rettungsfolie, auf der ein frisches Laken lag aus einem der Verbandskästen im Haus auf das Bett gelegt hatte. Sariel erschien. "Ich habe schon nachgesehen und konnte feststellen, dass es wohl jeden Moment richtig losgeht ich, denke, dass es nichts mehr mit dem Krankenhaus wird, wenn ihr keinen Kreissaal frei habt. "Sind alle belegt." bestätigte Sariel.  Nach einer weiteren kurzen Untersuchung stellte er fest, dass sein Bruder recht hatte. "Euer kleiner Luciano wird ein Franzose werden wie es aussieht. Die Geburt hat an sich schon begonnen da Selvi im Sekundentakt Wehen bekommt und auch schon selbstständig mit Pressen angefangen hat. Wir können ihr noch nicht mal mehr etwas gegen die Schmerzen geben. Jetzt krallte Selvaggia ihre Fingernägel in die Arme ihres Mannes, dieser stöhnte leise vor Schmerz und strich seiner Frau beruhigend über den Kopf. "Seit wann hast du schon Wehen?" wollte Lucifer wissen, bevor die nächste Wehe einsetzte. "Eigentlich seit heute Morgen, da hat es angefangen." gestand die Hexe. "Warum hast du denn da nichts gesagt? Dann wäre ich gar nicht erst mit Derek nach Berlin gegangen und wir hätte uns ohne Probleme..." Eine weitere Wehe unterbrach ihn. " ...und du hättest mich sofort rufen können..." "Ich dachte nicht dass es beim ersten Mal so schnell gehen würde und dann... konnte ich nicht mehr, weil die Schmerzen plötzlich schon so heftig waren und..."  Etwa eine Stunde später hielt Selvaggia ihren kerngesunden Sohn im Arm. Lucifer lag neben seiner Frau in dem französischen Bett schloss die Augen und fuhr sich kurz mit der Hand darüber und versuchte so seine Freudentränen zu verbergen. Was ihm aber vor seiner Frau nicht gelang. "Versuch es gar nicht erst!" flüsterte sie liebevoll selbst mit feuchten Augen. "Wir lassen euch noch ein paar Minuten bevor wir ihn noch eingehend untersuchen. Die anderen können unseren jüngsten Bewohner dann heute Abend besuchen wenn euch das recht ist. Dann kann Selvi sich bis dahin noch etwas ausruhen. Die beiden nickten und schlossen liebevoll ihren Sohn in die Arme. Am Abend bekamen sie nach und nach Besuch von ihren Mitbewohnern und auch den Mitarbeitern der Nachtschicht und wurden  beglückwünscht und mit Geschenken für Luciano überhäuft. "Lucifer, dir ist schon klar, dass die nächsten Tage sämtliche Mitarbeiter des Boulevards mit denen wir befreundet sind oder zu tun haben, hier auftauchen werden um unseren Zuwachs zu bewundern?" fragte sie etwas belustigt, da sie wusste, dass das ihrem Mann nicht ganz so recht war, schon wieder so viel Kontakt mit Menschen zu haben. Dieser seufzte und nickte zustimmend.  Am nächsten Morgen betraten Sariel, Metatron und Cassandra den Raum. Die junge höllische Pressesprecherin kicherte. „Glaub mir, das ist genial!“ hörte Belial sie flüstern. Sariel grinste, lediglich der himmlische Botschafter sah zweifelnd aus. „Cassie, was hast du ausgeheckt?“ fragte Belial belustigt. „Wir haben ein kleines Geschenk für euch... - oder besser für euren kleinen Süßen...“ Sie reichte Selvaggia ein recht schmales Päckchen. „Mach auf, ich bin gespannt, wie es dir gefällt.“ forderte sie die frischgebackene Mutter aufgeregt auf.   Überrascht gehorchte Selvaggia. Ein kleines blaues Langarm-Shirt kam zum Vorschein – und dann entdeckten sie und ihr Mann die Schrift darauf und mussten beide im gleichen Moment loslachen. „Das ist nicht dein Ernst, Cassie!“ prustete Belial. Sariel lachte mit, meinte jedoch: „Wieso? Es stimmt doch!“ Auf dem Shirt stand: „Als Opa mich schuf, wollte er nur meinen Papa beeindrucken.“ Said-Angelo war auf dem Arm seines Vaters und sah am Daumen nuckelnd auf Selvaggia, Belial und den kleinen Luciano, der den Blick sehr wach und ruhig erwiderte. „Ich fürchte, lieber „Schwager“ und „Schwesterherz“, dass euer kleiner Sohn sich sehr viel schneller entwickeln wird... vermutlich wird er in einem halben Jahr etwa die Rayne-Kinder und Said-Angelo eingeholt haben...“ warnte Sariel die beiden schon vor als er den fast forschenden Blick bemerkte. „Du meinst  also, Vater hätte nicht nur die Geburt ein wenig beschleunigt?“ fragte Belial auf dem mentalen Pfad der Seraphim besorgt. Sariel nickte nachdenklich. „Aber ich denke nicht, dass ihr beide euch irgendwelche Sorgen machen müsst. Vater wollte den kleinen Luciano und hat sich auf ihn gefreut.“   Metatron nahm vorsichtig seinen kleinen Neffen auf den Arm. Selvaggia sah zwar besorgt aus, doch sie atmete erleichtert auf, als sie sah, wie behutsam der Botschafter mit dem kleinen Luciano umging. „Vater wollte euch gestern nicht mehr stören und bat mich jedoch dir, Lucifer, mitzuteilen, dass er die Taufe in der himmlischen Kathedrale für den Heiligen Abend angesetzt hat. Vorher solltet ihr aber die irdische Taufe vollziehen lassen. Und er... möchte auch Selvaggia bei der Taufe sehen. Sie wird durch seine Gnade das Licht Seiner Erhabenheit ertragen.“ Die Hexe griff zur Hand ihres Mannes und sah ihn ein wenig ängstlich an. Belial lächelte. „Mach dir keine Sorgen, mein Hexlein. Wenn Vater dich dabei haben möchte, dann wird es so sein und du brauchst dich nicht zu ängstigen.“ beruhigte er sie und nahm sie liebevoll in den Arm. „Sariel... wir hatten ja schon gesagt, dass wir dich als Paten haben möchten.“ wandte Belial sich an seinen „Schwager“. Der Seraph lächelte. „Ja, und ich fühle mich geehrt.“ Selvaggia gab ihrem Mann einen leichten
Hieb und wies auf Metatron, der den kleinen Luciano auf dem Arm hielt und sichtlich fröhlich mit Cassandra auf das Baby sah, das den Blick aufmerksam und sabbernd erwiderte. Belial räusperte sich. „Metatron?“ Der Botschafter sah auf. „Lucifer?“ „Selvi meint, dass sie dich und Cassie gern auch als Paten hätte... Dich als zweiten... himmlischen Paten und deine Frau... na ja... als menschliche Patin... wobei sie ja an sich jetzt auch... ein Engel ist... aber... Ich glaube neben Derek und Rachel, die meine Wahl wären... und neben Paymon und Armaros... Also du bist inzwischen ganz in Ordnung und hast uns auch beigestanden als unser Liebling zur Welt gekommen ist und dafür möchten wir dir damit auch danken!“ erklärte Belial mit etwas barschem Ton. „Wow... ich danke herzlich für die Lorbeeren, aber ich habe gern geholfen und an sich nicht wirklich etwas gemacht. Außerdem will ich euren kleinen Luciano nicht damit schockieren wenn ich ihm erzählen muss, dass ich nur sein Patenonkel bin, weil ich mir von seiner Mutter praktisch das Fleisch von den Handgelenken habe schälen lassen.“ antwortete Metatron belustigt. Selvaggia lachte leise. „Du bist ein Spinner! Ganz ehrlich!“ Die nächsten Tage ging es in Lucifers Büro zu wie in einem Taubenschlag – so kam es ihm zumindest vor. Bekannte und unbekannte menschliche Angestellte der Botschaft kamen vorbei um ihn zu beglückwünschen, ihm etwas für Luciano zu überreichen. Jeden Abend stapelten sich in einer Ecke seines Büros Geschenke. Es waren zwei Tage vergangen. Gerade saß der höllische Botschafter mit der „Familie“ in der Küche. Auf dem Tisch stand eine Kiste mit den Geschenken des Vormittags die Selvaggia mit Cassandras Hilfe auspackte. „Oh schau mal, Schatz, ist die Schnabeltasse von Haley nicht niedlich?“ rief die frischgebackene Mutter erfreut, zeigte ihm kurz darauf das hübsche Kinderbesteck von James und Roberta aus der Postabteilung oder die Kollektion von Lätzchen von verschiedenen Mitarbeitern der Botschaft. Es klopfte und die Leiterin des Kindergartens schaute um die Ecke der Küche. „Mademoiselle Brissac, was gibt es? Ist irgendwas im Kindergarten vorgefallen?“ fragte Belial alarmiert, doch die Erzieherin lächelte. „Ich wollte nur fragen, Dr. Rayne, ob Sie und Ihre Frau in zwei Stunden mit ihrem Sohn bei uns im Kindergarten vorbeischauen würden. Die Kinder haben gehört, dass Sie Eltern geworden sind und würden den kleinen Luciano sehr gern begrüßen. Sie haben auch etwas gebastelt und die eine oder andere kleine Überraschung vorbereitet.“ "Ja... wir sind in zwei Stunden unten." antwortete er höflich. Die junge Frau lächelte. "Sehr schön. Bis dann. Wir freuen uns!" Sie drehte sich um und verschwand. Der Höllenfürst ließ etwas genervt von den vielen Menschen in den letzten Tagen den Kopf in die Hände sinken und seufzte. "Lass uns danach bitte mit Luciano nach Florenz verschwinden. Ist ja echt nett die vielen Glückwünsche und so, aber ich brauche echt mal etwas Abstand von dem ganzen Trubel. Nur ein oder zwei Tage." bat er seine Frau. Sie nickte verständnisvoll. "Sicher, ist besser als, dass es dir wieder zu viel wird und  du nichts sagst." Er lächelte die schöne Hexe dankbar an. Er zauberte sich zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn vor den Eingang der Kita. Die Leiterin öffnete ihnen die Tür und bat sie herein. "Schön, dass sie kommen konnten. Nehmen Sie doch bitte auf den zwei großen Stühlen Platz, die Kinder sind gleich soweit." sagte sie freundlich und verschwand. Selvaggia lächelte ihren Mann aufmunternd an. "Dir ist das ganze etwas peinlich oder?" Er nickte. "Irgendwie schon, ...ich bin das nicht gewohnt, ...dass mir so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird und die vielen Geschenke, gut die sind für Luciano, aber... es ist trotzdem etwas..." Die Tür öffnete sich und die Kinder betraten zusammen mit ihren Erzieherinnen singend die Turnhalle. Sie sangen Lieder, führten einen einstudierten Tanz vor und sagten Gedichte auf, für Lucifer, Selvaggia und den kleinen Luciano. Anschließend sagte die Leiterin ein paar Worte und bat zwei Vorschulkinder zu sich die ihr halfen das Geschenk aller Kinder zu übergeben. Selvaggia zog das Leintuch herunter, zum Vorschein kam eine große Collage mit Bildern, Fotos, Blättern, Gräsern und Blumen die die Kinder bei einem Spaziergang extra für dieses Geschenk gesammelt hatten. "Oh ist das schön!" rief die Mutter von Luciano begeistert. "Vielen Dank, das ist ein sehr schönes Bild." bestätigte Lucifer seine Frau.  "Wenn sie vielleicht noch einen kurzen Moment hätten? Ich würde Sie beide gerne noch kurz in meinem Büro sprechen." fragte die Leiterin der Kita freundlich, nachdem die Kinder mit ihren übrigen Erzieherinnen die Turnhalle wieder verlassen hatten. Die frischgebackenen Eltern stimmten zu und folgten ihr. "Ich wollte fragen ob sie den kleinen Luciano gleich anmelden wollen? Wir haben ab April schon einen Platz frei und da die Mitarbeiter und Sie natürlich auch als Botschafter und besonders als... Chef des Kindergartens selbstverständlich zuerst einen Platz bekommen... könnten Sie gleich eine Anmeldung mitnehmen und ausfüllen. Normalerweise werden Kinder erst ab einem Jahr genommen, aber... der Platz wäre sonst weg und da Professor Dr. Bragi andeutete, dass Luciano sich schneller... ähm... entwickeln wird, weil Sie Dr. Rayne ja... kein... Mensch sind - ich meine das nicht negativ... ich..." Belial unterbrach sie. "Ich weiß." Er lächelte seiner Frau fragend zu. Die beiden nickten dann unisono zur Leiterin. "Das wird vermutlich nicht mehr viel auffallen, da es bei mir etwas anders ist, da ich ja... ein gefallener Engel und immer noch ein Seraphim bin... und das sind immerhin schon recht mächtige Engel, also wird sich Luciano wohl auch tatsächlich etwas schneller entwickeln. Sariel - oder Sandro-Ariel irrt sich da höchstwahrscheinlich nicht..." erklärte Lucifer der jungen Frau. "Dann ist das ja vielleicht sogar ganz gut, so ist er wenigsten mit seinen Cousinen und Cousins in der Gruppe." sagte die Erzieherin lächelnd. Selvaggia und Belial nahmen das Anmeldeformular und die anderen Unterlagen mit, bedankten sich nochmal und verabschiedeten sich wieder.  Sie materialisierten sich in der Küche, wo alle gerade zum Tee zusammensaßen. Mathilde stellte Belial unaufgefordert sofort einen Kaffee hin. Sie berichteten was die Kinder vorgeführt hatten und zeigten ihnen allen die Collage, die sie für Luciano geschenkt bekommen hatten.  "Metatron, Euangelion: Selvi und ich werden uns für ein bis zwei Tage zurückziehen um mal ein wenig Zeit in aller Ruhe mit unserem kleinen Schatz zu verbringen. Der Fall ist ja an sich schon so gut wie abgeschlossen und was anderes liegt nicht an." Die beiden Engel nickten verständnisvoll. "Klar, das ist  verständlich, erholt euch und genießt die zwei Tage mit dem süßen Schatz." antwortete Metatron freundlich.  Sie tranken noch ihren Tee und Kaffee aus und verschwanden dann mit den Geschenken und dem kleinen Luciano. Die letzte November-Woche brach an. Belial vermutete, dass Metatron und Cassandra mit den Angestellten der Botschaft geredet hatten, denn als er mit Selvaggia zurückgekehrt war, hatten sie ihn in Ruhe gelassen. Entweder waren Glückwünsche schriftlich mit Geschenken bei Euangelion abgegeben worden oder sie waren direkt zu Selvi gegangen, hatten Luciano bei Gelegenheit bewundert und er sah erst abends was wieder angekommen war – und das auch nicht nur von den Mitarbeitern, sondern auch von diversen Politikern, Wirtschaftsgrößen und anderen, die – soviel war Belial klar – sich bei ihm einschleimen wollten. Einige Geschenke und Grüße derjenigen, die dieses vorhatten, hatte Belial durch Euangelion umgehend zurücksenden lassen. Es war gerade Sonntag – der erste Advent, als ein Bote klingelte. Überrascht führte Graphiel ihn in die Küche wo gerade das familiäre „Adventskaffeekränzchen“ stattfand. Es war ein Geistlicher. „Gott zum Gruße, ich bin Renaldo Batista, Bote des Heiligen Stuhls und überbringe die Glückwünsche Seiner Heiligkeit zur Geburt Ihres Sohnes... Exzellenz Rayne.“ Belial blickte vom Boten zu seiner Frau. „Ja... herzlichen Dank an den Papst... Wie kommen meine Frau und ich zu dieser... Eh... Aufmerksamkeit?“ Der Mann lächelte. „Erzbischof Pasquieu hat Sie immerhin als Mitglieder seiner „Familia“ bei der Kardinalsweihe nächste Woche bestimmt...“   Belial räusperte sich. „Ich bin... ein einfacher Diener des Himmlischen Vaters und nur weil ich einer der Botschafter bin...“ Renaldo Batista lächelte. „Exzellenz, dem Heiligen Vater ist durchaus bewusst, welcher der Botschafter Sie sind – und wer Sie sind. Da Ihr Kollege auf dem Botschaftsball verkündet hat, dass Ihr Sohn auch im Himmel getauft werden soll... der Heilige Vater würde Luciano gern am zweiten Advent im Petersdom „irdisch“ taufen, sozusagen.“ „Ich bin... eher protestan...“ „Ich bin aber katholisch, mein lieber Ehemann!“ unterbrach Selvaggia ihn sichtlich erfreut. Belial sah seine Frau an. „Du würdest also... wollen, dass unser Sohn...?“ fragte er zweifelnd. Sie nickte. Belial seufzte. „Sie haben meine Frau gehört, Reverendo Batista... Und wer wäre ich, dass ich meiner Frau das abschlage... Eigentlich hatten wir vor, die irdische Taufe von Pie... Erzbischof Pasquieu vornehmen zu lassen – bevor unser Sohn am Heiligen Abend in der Himmlischen Kathedrale getauft wird, aber wo Luciano nun schon in Paris zur Welt gekommen ist und nicht in Rom... wäre das vielleicht... besser... zumal Selvaggia Italienerin ist und ich... ebenfalls die italienische Staatsbürgerschaft habe...“ Der Priester lächelte erfreut. „Ich werde dem Heiligen Vater umgehend die freudige Nachricht überbringen.“ Metatron grinste. „Reverendo Batista, dürfen wir alle Sie zu einem Kaffee oder Tee und einem Stück Kuchen einladen? Mathilde, unsere
Küchenzaubererin, hat sich mit Stollen und ihren unvergleichlichen Lebkuchen wieder selbst übertroffen.“ Ein wenig verlegen nahm der Priester die Einladung an und war schon bald darauf in ein angeregtes Gespräch mit allen vertieft.   Mit einem etwas merkwürdigen Gefühl betrat Belial am Samstag vor dem zweiten Advent an Selvaggias, Dereks und Rachels Seite den Petersdom, wo ihm von den Angehörigen der Schweizer Garden und den Priestern ihre Plätze zugewiesen wurden. Der eine Gardist war sichtlich nervös als er die Einladung entgegennahm und die Namen las. Belial grinste innerlich. Er hatte Luciano auf dem Arm und flüsterte dem Mann mit beruhigender Belustigung zu: „Keine Sorge, Sie stehen nicht auf meiner Liste, Urs Ruedi...“ „Dann... stimmt das Gerücht also? Sie sind wirklich... ähm...“ „Ja, aber ich habe heute mal auf Hörner und den Rest verzichtet.“ antwortete Belial mit einem Zwinkern, was einen guten Teil der Spannung für den Gardisten nahm.   Die Raynes – beide Familien Rayne – nahmen neben Cassandra und Metatron Platz. „Lufi! Elvi, Luio!“ begrüßten die Zwillinge ihren Paten, die Tante und den Cousin. Belial lachte leise als er den beiden durch die Haare wuschelte und zufrieden beobachtete, wie Christina-Luciana und Lucas-Lucian fröhlich auf Luciano einbrabbelten, der die beiden anlächelte und glücklich lachte.   Erzbischof Boch kam mit einem Lächeln auf Derek und Belial zu. „Wo Sie uns ja – völlig verständlich, wo ihr Sohn zur Welt gekommen ist – beim Dankgottesdienst versetzt haben, darf ich Sie und ihre Familien zur Christmette einladen?“ Verlegen schüttelte Belial den Kopf. „Heilig Abend wird unser Sohn im Beisein des Himmlischen Vaters in der... Kathedrale da oben getauft... Und Vater ist jemand dem man nicht absagt...“ Der Erzbischof lächelte. „In dem Fall... die Gemeinde würde Ihnen trotzdem sehr gern danken – vielleicht am Jahresende?“ Belial sah belustigt zu Derek, Rachel und Selvaggia, die einander ansahen, doch dann nickten. „An Silvester kommen wir, Exzellenz.“ versprach Derek belustigt. „Dies ist übrigens der Berliner Erzbischof Hartwin Boch, mein Hexlein.“ erklärte Belial seiner Frau. „Und dies ist meine Ehefrau Selvaggia und meine... Schwägerin Rachel Corrigan Rayne, Dereks Frau, meine Patentochter Katherine mit ihrem Seelengefährten Julien-Noel Dubois-Pasquieu, Pierres Neffen, meine Patenkinder Christina-Luciana und Lucas-Lucian und da sehe ich gerade meinen... offiziell Schwager Sandro-Ariel Bragi mit seinem Sohn Said-Angelo kommen – Sariel ist Leiter der Chirurgie in der Gemelli-Klinik.“ Der Erzbischof begrüßte die Familienangehörigen freundlich, dann eilte er zu seinem Platz. Sariel ließ sich neben Selvaggia nieder, nickte den anderen zum Gruß, während die Worte telepathisch kamen. Die Kardinalweihe begann. Belial war auf die Zwillinge und seinen Neffen Said-Angelo genauso stolz wie auf seinen eigenen Sohn, denn die vier schienen den ernsten Charakter der Feierlichkeit zu spüren und verhielten sich ungewöhnlich ruhig. „Pia neu Hut?“ fragte Lucas-Lucian seinen Onkel leise. Belial nickte belustigt und legte einen Finger auf die Lippen. Sein Patensohn nickte und wiederholte die Geste mit verschmitztem Lächeln. Kaum waren die Weihen der zwölf neuen Kardinäle vollzogen, bat der Papst um einen Moment der Ruhe. „Zwei Ereignisse habe ich noch anzukündigen: Gestern wurde mir große Gnade zuteil: Es erschien mir der Erzengel Gabriel mit einer Botschaft des Herrn: Sein von ihm entsandter Botschafter, der Erzengel Metatron, der sich mit Merlin-Tyrone SaintCyr ebenfalls einen menschlichen Namen gewählt hat und auf Wunsch und mit dem Einverständnis des Herrn unseres Schöpfers bereits standesamtlich geheiratet hat, soll auch vor ihm in den heiligen Stand der Ehe treten. Dieses wird – wie auch das zweite würdevolle und wohl auch... nicht vermutete Ereignis – in der morgigen Messe geschehen. Das zweite Ereignis – wie ich gestern erfuhr, sieht der Herr auch auf dieses voller Wohlwollen und Zustimmung am morgigen Tag  – ist die Taufe des kleinen Luciano Rayne. Lucian-Belial Rayne – so der bürgerliche Name des zweiten Botschafters des Boulevard Haussmann 13 in Paris – besser bekannt als Lucifer...“ Ein Raunen ging durch den Petersdom. Der Papst hob um Ruhe bittend die Hand. „...besser bekannt als Lucifer – und seine vom Herrn persönlich angetrauten Ehefrau Selvaggia, geborene Bragi, die eine gläubige Katholikin ist, haben vor zwei Wochen ihr erstes Kind bekommen.“ Cassandra saß starr neben ihrem Ehemann. „Wie kann er nur! Wieso kann dein Vater nicht uns selbst entscheiden lassen wann wir heiraten wollen, kirchlich, meine ich!“ flüsterte sie dann jedoch empört. Metatron lächelte besänftigend. „Mein Engel, du solltest doch inzwischen wissen, dass Vater handelt und nicht groß diskutiert. Und wir haben doch so gut wie jeden aus unserer „Familie“ hier – zumindest jeden der uns wichtig ist. Und das S-Trio, wie Katherine mal so belustigt meinte, sprich Sandalephon, Seraphiel und Sealthiel werden morgen genauso wie Gabriel, Michael und Raphael sichtbar bei uns sein wie auch die Boyles mit denen sicher Hamaliel kommen wird – und  Katherines himmlischen Paten Hagiel und Kerubiel werden sicher dabei sein – und Vater wird ebenso mit uns sein wie im Geiste die ganze „Familie“ in die du hineingeheiratet hast: Die himmlischen Heerscharen, mein Engelchen. Fürchte dich nicht, ich meine...“ Sie lächelte ein wenig gequält. „Fürchte dich nicht, Papa ist mit uns?“ fragte sie belustigt. Er grinste. „Genau das.“ In diesem Moment fiel ein breiter Lichtstrahl auf – jetzt Pierre Kardinal Pasquieu – im Kardinalsgestühl und die Raynes in der Kirchenbank. Kurz vor der Weihe hatte Metatron es übernommen den Pariser Erzbischof aufzuklären, wer – und zu welchem Zweck – hinter den Diebstählen steckte. Metatron erhob sich langsam. „Pierre, es ist an der Zeit die Sünden eines Menschen aufzudecken der gegen den Willen des Himmlischen Vaters handelt.“ Alle Augen richteten sich auf den Pariser Erzbischof.  Der räusperte sich und begann laut: „Verehrter Heiliger Vater, liebe Brüder und Schwestern, geehrte Gäste, seit mehreren Monaten verschwinden Monstranzen und Ostensorien aus den Häusern unseres Herrn um nach einiger Zeit wieder aufzutauchen – allerdings ohne die vorher in ihnen verwahrten Hostien oder Reliquien. Manche dieser Behältnisse sind so aufwändig wieder hergestellt, wie in Notre Dame – um nur ein Beispiel zu nennen – dass wir dort zunächst angenommen hatten, dass es nur mit Magie möglich gewesen sei. Diesen Verdacht hat Botschafter Rayne – und ja, Lucifer, der Fürst der Hölle kann durch die Gnade des Herrn unseres Gottes die Häuser des Himmlischen Vater betreten und das Licht des Herrn leuchtet momentan auch auf ihn - jedoch gleich ausgeräumt als ich ihn – immerhin ist er einer der Paten der zukünftigen Frau meines Neffen Julien-Noel – hinzu bat, denn sein Amtskollege SaintCyr war noch nicht so... geübt im Amt. Ihr und Sie alle mögen sich darüber wundern, dass ich ausgerechnet den höllischen Botschafter Rayne um Hilfe bat, doch dieses liegt sicher in der sehr erfolgreichen Zusammenarbeit während des Kampfes gegen die Apokalyptischen Reiter begründet. In anderen Gegenden – vor allem in jenen, die nicht vorwiegend katholisch sind – wie beispielsweise Berlin – kamen die Behältnisse zerstört zurück.“ Er sah zu Metatron, der fortfuhr: „Lange hat es wenige Spuren gegeben, da - auf Beschluss unseres Himmlischen Vaters – Lucifer und ich möglichst ohne unsere Kräfte agieren sollen, die wir als Seraphim – und das sind wir beide – natürlich haben. Lucifer ist da sicher etwas... offensiver als ich, das gebe ich inzwischen neidlos zu, aber schließlich haben wir mit der „Himmlischen Wissenschaftsabteilung“ eine Falle gestellt für die wir übrigens auch – diesmal mit Magie – weißer Magie, wohlgemerkt – die richtigen Reliquien und Hostien ausgetauscht und sicher in den Kirchen verwahrt haben. Die Monstranzen und Ostensorien wurden ebenso wie ihre Inhalte präpariert – derart, dass wir sie verfolgen konnten. Das Checken - wann ein solcherart präpariertes Gefäß verschwindet und wann eine Trennung erfolgte, das haben meine Frau und  mein Sekretär übernommen.  Mein Kollege und sein Sekretär sind dann den Spuren gefolgt...“ Metatron sah zu Belial, der sich mit einem Seufzen erhob, seinen Sohn auf dem Arm, der gerade kicherte. Er lächelte seinen Vater an. Belial lächelte zurück, dann fuhr er fort: „Euangelion, mein mir vom Himmlischen Vater zugewiesener Sekretär und ich landeten in einer Werkstatt, einer privaten Werkstatt eines Goldschmiedemeisters der normalerweise für ein sehr bekanntes Unternehmen arbeitet, als wir uns zuerst um die Monstranz kümmerten. Anschließend verfolgten wir die – falsche, aber präparierte – Reliquie und landeten vor einem Haus in Turin. Euangelion und Graphiel, der Sekretär von Metatron, haben sich  erkundigt zu wem dieses Haus gehört  - diese Anfrage ging über  Pierre Kardinal Pasquieu – da Notre Dame und der Boulevard Haussmann 13 in den vergangenen Monaten wiederholt sehr gut zusammengearbeitet haben. Der Erzbischof von Paris fand heraus, wem dieses Haus gehört...“ Kat machte Julien darauf aufmerksam, dass ein Mann in Priesterornat sich unauffällig verdrücken wollte. Mit einem finsteren Blick verschwand ihr Freund von ihrer Seite um vor diesem Priester aufzutauchen.  Pierre Pasquieu übernahm wieder: „Heiliger Vater, liebe Brüder und Gäste: das Haus in Turin ist das Elternhaus von Cesare Petrucci, dem Camerlengo. Was ist sein Motiv? Diese Frage stellt sich selbstverständlich... Und wieso hat er die Hostien und Reliquien aufgehoben und geschützt? Wäre es nicht logischer gewesen sie zu zerstören und unserer Heiligen Mutter Kirche so
einen empfindlichen Schlag zu versetzen?“ Aufgeregtes Murmeln und Tuscheln füllte die Stille des Petersdoms. Auf einen fast unauffälligen Wink des Kommandeurs der Schweizer Garde wurde der Camerlengo – denn den hatte Julien aufgehalten – von zwei Gardisten in die Mitte genommen und vor den Papst geführt.  Pierre sah zu ihm. „Ich habe mich mit Cesare Petrucci unterhalten um irgendein Motiv zu erfahren und im Laufe des Gespräches hat er Äußerungen von sich gegeben die uns ins finsterste Mittelalter zurückwerfen würden! Weit hinter die letzten Konzilen! Die Diebstähle hätten Euch, Heiliger Vater, in Misskredit gebracht, was ja ansatzweise bereits geschehen ist. Welches Oberhaupt der Römisch Katholischen Kirche hätte je hilflos mit ansehen müssen wie Reliquien und Hostien auf unerklärliche Weise verschwinden? Cesare Petrucci wollte am Ostersonntag, also in etwa fünf Monaten, nach etlichen weiteren Diebstählen, die entwendeten Hostien und Reliquien in päpstliche Gemächer geschafft haben und dann Euch, Heiliger Vater, als Dieb hinstellen und sich selbst als Retter und Wiederbeschaffer der – angeblich Eure – Pläne durchkreuzt hätte.“ „Das hat dir der Teufel persönlich gesagt!“ kreischte Cesare Petrucci Pierre an. Metatron lachte leise. „Nein – zufällig war ich es der Pierre Kardinal Pasquieu auf Ihre Spur gesetzt hat...“ sagte er laut vernehmlich und grinste Belial an. „Die gestohlenen Reliquien und Hostien finden Sie übrigens in einem geheimen Kellerraum hinter dem Weinkeller im Elternhaus von Cesare Petrucci...“ merkte Belial an. Tumult drohte auszubrechen, was der Papst mit einigen beruhigenden Worten verhinderte. „Danke, sowohl an Pierre Kardinal Pasquieu als auch an die Botschafter und ihre Sekretäre. Der Kommandant der Schweizer Garde wird sich mit der italienischen Polizei umgehend darum kümmern die entwendeten Dinge an die rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben und Pater Petruccio wollte schon immer seinen Lebensabend friedlich und geruhsam in einem abgelegenen Kloster verbringen, ganz in Gebet und stiller Andacht versunken...“ Ein strenger Blick traf den mit diesen Worten bereits abgesetzten Camerlengo, der nur hilflos nickte, bevor er abgeführt wurde. Nach der Kardinalsweihe trafen sich alle geladenen Gäste in einer noblen Location in Rom zu einer kleinen Feier.  Lucifer trat zwischen Metatron und seine Verlobte, nachdem er die beiden eine Weile beobachtet hatte. Er legte Cassandra freundschaftlich den Arm um die Taille und sagte: "Sei nicht so böse mit Metatron, er hat nichts damit zu tun. Du kennst unseren Vater nicht. "Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden ..."  Dieses Zitat dürfte dir bekannt sein, diesen Satz habe ich zu ihm gesagt als Selvi mir gebeichtet hat, dass sie schwanger ist. Ich wollte wenigstens noch zwei Jahre warten da hätte ich mich von Selvi zu überreden lassen, aber unser himmlischer Vater hat eingegriffen und... jetzt bin ich Vater. Er möchte euch mit der morgigen Hochzeit seinen Segen geben Cassie, den Segen, den er auch Selvi und mir gab. Nur mit dem Unterschied, dass wir nicht irdisch geheiratet haben, da das für mich absolut nicht in Frage kommt. Also sei nicht so giftig mit Metatron und freu dich einfach auf Morgen."  Sie sah ihren Chef genervt an. "Toll, danke auch... ich habe weder ein Kleid noch eine Feier organisiert! Das sollte alles geplant werden - absolut perfekt... aber jetzt..." antwortete sie wütend. "Ach süße Cassie... da unterschätzt du uns aber alle: Deinen Schwiegervater, deinen Ehemann und die Familie in die du hineingeheiratet hast... glaubst du wirklich, dass du morgen in schlichten Klamotten vor den Altar schreiten wirst und anschließend mit deinem Mann nach Hause gehst und das war es dann?" Er schüttelte belustigt den Kopf. "Dann kennst du uns aber schlecht. Metatron darf nicht, der ist in diesem Fall außen vor." Sie blickte von Lucifer zu Metatron. "Vertrau ihm, wenn einer über Nacht eine Hochzeitsfeier organisieren kann dann Lucifer und Selvi." lächelte der Erzengel. "Danke für dein Vertrauen, Brüderchen." antwortete Lucifer frech. "Und jetzt genießt den Abend." Er zwinkerte seiner Pressesprecherin zu und verschwand wieder zu seiner Frau und seinem Sohn. Metatron und Cassandra wurden nach der Feier in ihr Zimmer in Lucifers Palazzo in Rom geschickt. Während die anderen sich im geräumigen Wohnzimmer trafen um eine Hochzeitsfeier zu organisieren, nachdem der kleine Luciano und die anderen Kinder eingeschlafen waren.  "Tilly mach dir bitte Gedanken für ein angemessenes Hochzeitsessen. Hagiel wenn du Lust hast... hilf Tilly doch dabei. Du kannst ihr die Zutaten herzaubern, denn mit einkaufen, das wird wohl nichts mehr." zwinkerte er dem Engel zu. "Ja klar gerne." "Ich könnte mich um die Dekoration kümmern?" schlug Selvaggia begeistert vor. "Und ich helfe dir? Wo und viele Leute, wären das?" fragte Rachel begeistert. Belial überlegte: "Mmm, nun ja... Die Erzengel, alle die hier mit uns zu tun haben und hatten... Samyaza, Gadreel und Armaros... ihr alle mit Julien, Nick, Alex und Samantha... und... Selvi, falls Cassie noch Freundinnen unter den Mitarbeitern des Boulevards hat?" Die beiden Frauen sahen sich an. "Ich glaube wir machen erst mal eine Liste und zeigen sie dir dann." schlug Rachel vor. Belial nickte zustimmend. "Wo wollt ihr eigentlich feiern? Für Tische zum sitzen und Tanzen und dem Drumherum wird es hier etwas eng." fragte Julien den höllischen Botschafter etwas verlegen. Der Höllenfürst grinste den jungen Mann gelassen an. "Im Kellergeschoss, rechts die erste Türe auf der rechten Seite ich denke das dürfte Metatrons und Cassandras Ansprüchen gerecht werden." er wandte sich an seine Frau und an Rachel: "Seht es euch an macht die Liste wie viele Plätze und dann wegen Tischen, Stühlen  und so weiter. Käthchen du kannst mir helfen, ich brauche den Rat einer Frau mit gutem Geschmack." zwinkerte er seiner Patentochter liebevoll zu.  Den beiden Frauen blieb fast die Luft weg als sie den Raum im Keller betraten. Sie befanden sich in einem großen Partykeller, im Stil einer alten Schlossschenke wieder. "Das ist ja ... ich wusste gar nicht dass sich hier im Haus so ein toller Raum befindet." staunte Selvaggia. "Belial steckt voller Überraschungen. Als wir beim letzten Fall hier waren, haben wir uns ja immer nur in den oberen Räumen aufgehalten." antwortete Rachel. Sie setzten sich an einen der Tische um mit ihrer Liste zu beginnen. "Für was brauchst du jetzt meine Hilfe?" wollte Kat wissen und trank einen Schluck ihrer Cola. Ihr Lieblingsonkel und Mentor nahm einen Schluck aus seiner Kaffeetasse, machte eine Handbewegung und zauberte ein weißes, figurbetontes Hochzeitskleid herbei, das die Schultern frei ließ und minimale angeschnittene Ärmel hatte. "Hierbei, ich dachte an ein schlichtes Kleid mit schönen Verzierungen im oberen Bereich und eventuell unten an der Borte? Lass dir was einfallen und zaubere ein wenig." Die sechzehnjährige strahlte, ihn freudig an. "Oh, ich darf ein Hochzeitskleid entwerfen!" Während Kat aus dem Kleid nach und nach ein schönes Hochzeitskleid zauberte, beobachte der Höllenfürst ihre Arbeit, während er sich seinen Kaffee schmecken ließ. "Irgendwas fehlt noch... der gewisse Kick für Cassandra." stellte sie fest als sie ihre Arbeit beendet hatte. Belial betrachtete das Kleid und überlegte. Nach einer Weile erhob er sich und machte ein paar Handbewegungen mit denen er etwas silbernen Glitzer an manchen Stellen über das Kleid rieseln ließ. In dem Moment betrat Selvaggia das Arbeitszimmer des Palazzos in Rom. Sie blieb wie angewurzelt stehen. "Meinst du das gefällt Cassie?" richtete er seine Frage an Selvi.  Diese nickte zu Anfang nur. "Oh jaaa... das ist wunderschön!" seufzte sie ein wenig verträumt. "Das entspricht genau ihrem Geschmack, denke ich. Hast du...?" "Ich habe nur die Grundform gezaubert und den Glitzer, das andere ist Kats Werk." Die Hexe lächelte. "Das habt ihr zwei toll gemacht. Und... Lucifer der Raum im Keller ist ja... perfekt für eine derartige Feierlichkeit. Ich habe hier die Liste aller die dabei sein werden... schau mal bitte ob wir alle haben. Und dann bräuchten wir Hilfe... Tische, Stühle, Dekoration herzaubern." Er lächelte, nahm seine Frau in den Arm und gab ihr einen zärtlichen Kuss. Nun griff er nach Kats Hand und tauche Sekunden später mit den beiden Frauen im Keller auf wo Rachel noch wartete. Lucifer zauberte und die Damen dekorierten.  "Na endlich!" rief er erleichtert als die drei Frauen am Ende zufrieden waren.   Sie gingen in ihre Schlafzimmer um sich am nächsten Morgen zum Frühstück in der Küche wieder zutreffen. Lucifer griff nach Mathildes Hand und zog sie zu sich als diese ihm seinen ersten Kaffee hinstellte und sich wieder umdrehen wollte. "Wie lange hast du gestern gekocht?"  Sie sah verlegen zu Boden. "Bis 4:30 Uhr." "Oh Tilly, und so willst du den Tag durchstehen? Du schläfst ja fast im Stehen ein." Er erhob sich, stellte sich vor sie und fuhr mit seiner Hand sanft über ihre Stirn und Schläfen.  "Was hast du gemacht? fragte die Kräuterhexe, die sich jetzt wesentlich besser fühlte, überrascht. "Nur ein wenig gezaubert, du willst die Hochzeit und die Taufe doch genießen und nicht einschlafen vor lauter Müdigkeit." lächelte er freundschaftlich.  "So aber jetzt werde ich erst mal meinen Kaffee trinken, damit meine Laune steigt und ich dem kirchlichen   Brimborium gelassen entgegen sehen kann." grinste er. "Onkel Belial, Selvi, ...ich habe eine kleine Überraschung für euch. Auch wenn ihr sagtet, dass ihr erst eine kleine Tauffeier macht wenn ihr die himmlische Taufe macht um Cassandra und Metatron ihre Hochzeit richtig feiern zu lassen... habe ich... wir... also es war Juliens Idee..." Kat stellte eine selbstgemachte Taufkerze auf den Tisch. "...damit ihr wenigstens eine Kerze habt die von Herzen kommt und ihr könnt sie ja vielleicht bei der
himmlischen Taufe auch nochmal verwenden." Selvaggia kullerten ein paar Freudentränen vor Rührung über die Wangen. Der Höllenfürst stand auf, drückte Kat und Julien und flüsterte: "Danke, das ist lieb von euch." Nach dem Frühstück nahmen die Frauen Cassandra, die immer noch nicht richtig glücklich wirkte, da sie die Hochzeit so kurzfristig aufgezwungen bekommen hatte, was sie ihrem Schwiegervater offensichtlich wirklich übel nahm, mit um sie für ihren großen Tag vorzubereiten. Ihr stockte der Atem als sie das weiße, traumhaft schöne Hochzeitskleid erblickte. "Wo... kommt dass denn her? Ich meine... es hat doch..." Kat unterbrach sie. "Onkel Belial und ich haben gestern Abend noch ein Wenig gezaubert." Sie strahlte vor Glück. "Du und Lucifer? Ihr habt mir so ein schönes Kleid gezaubert?" Kat nickte. Die Braut fiel dem Mädchen um den Hals. "Danke Katherine, vielen, vielen Dank."  Alex zog eine weiße, wunderschöne Perlenkette mit passenden Ohrringen aus ihrer Tasche und reichte sie der Braut. "Etwas Geliehenes, ich habe die Kette bei meiner Hochzeit mit Nick getragen." Sie legte den Schmuck an. "Und wir haben etwas Blaues!" sagte Selvaggia und reichte ihr mit Tilly zusammen ein blaues Strumpfband." Während sich die Braut das Stumpfband anzog kam Rachel mit einem wunderschönen weißen, bestickten Schal, den  sie sich vor kurzem in einem Geschäft in San Francisco gekauft hatte. "Und etwas Neues." Sie nahm ihn dankbar. Ihr seid alle so nett, vielen Dank. Ihr kennt mich doch alle kaum außer Selvi und Tilly und ihr mögt Metatron nicht, aber..." Kat unterbrach sie. "Na ja... er ist netter als vorher und außerdem... ist es doch am wichtigsten, dass du ihn magst."  Lucifer suchte nach Metatron der sich den ganzen Morgen noch nicht hatte blicken lassen. "Lucifer." sagte dieser leise als er den anderen Seraphen im Raum wahrnahm. "Sag mal kleiner Bruder willst du so auf deine eigene Hochzeit gehen?"  fragte der Höllenfürst fast entsetzt als er seines Kollegen ansichtig wurde. Der Erzengel sah ihn verwirrt an. "Nicht gut? Ich meine... du hast auch eine Jeans an und... du bist eigentlich gekleidet wie immer... aber... du bist ja irgendwie immer schick... und lässig zugleich, aber es sieht gut aus und an mir sieht heute alles doof aus." Der Höllenfürst lachte laut. "Du musst noch viel lernen über das Leben der Menschen. Das ist auch alles unpassend, du bist der Bräutigam, da trägt man eher so was. Er zauberte ein wenig und Metatron trug einen eleganten Smoking mit Fliege, ein Seidenhemd und eine dezent bestickte Weste. Er betrachtete sich im Spiegel und nickte, zerrte aber an der Fliege. "Das schnürt einem ja die Luft ab muss ich das tragen?" Der Fürst der Hölle warf ihm einen grinsenden Blick zu. "Wenn du auch eine trägst dann..." "Mach sie nach der Trauung weg! Wobei... es gibt Alternativen..." sagte Lucifer sofort und sorgte dafür, dass die Fliege lockerer saß. "Aber der Anzug sieht gut aus." während er ebenfalls plötzlich im eleganten Anzug dastand. Die Trauung und die darauffolgende Taufe im Petersdom waren in eine gelungene Messe eingebunden; der Papst und Pierre hatten schöne und auch recht private Predigten geschrieben und die Messe nicht ganz so lange gestaltet wie üblich, sehr zur Irritation der Bischöfe und Kardinäle die anwesend waren - allein wegen der fünf  kleinen Kinder unter den Hochzeits- und Taufgästen. Nach der Messe fragte Lucifer den Papst auf Selvis Drängen: "Eure Heiligkeit, darf ich Sie in mein Haus zur anschließenden Feier einladen?" Der Papst nickte freundlich. "Auf einen Kaffee kann ich wohl noch mitkommen, aber dann muss ich wieder an meine Arbeit gehen." Das Brautpaar war sichtlich überrascht was ihre Freunde und "Familie" in nur einer Nacht alles auf die Beine gestellt hatten. Für Metatron und Cassandra war es ein gelungenes Hochzeitsfest. Später am Abend forderte Lucifer die Braut zum Tanz auf. "Ich wollte mich noch bei dir bedanken für das wunderschöne Kleid. Katherine sagte, dass du mit ihr zusammen, das Kleid gezaubert hast. Und auch für das Organisieren der tollen Feier in deinem Haus." Er zog sie an sich und umarmte sie freundschaftlich und küsste sie auf die Wange. "Gern geschehen." Nach dem Tanz führte er sie charmant zu Metatron zurück.  Irgendwann klopfte Belial mit einem Löffel gegen sein Glas um eine Rede zu halten. "Nachdem Selvaggia und ich schon haben lernen müssen, dass Vater... nicht zu den Geduldigen gehört, hat nun auch mein kleiner Bruder Metatron dies lernen dürfen." begann er. Allgemeine leise Belustigung war die Antwort. Belial wünschte dem Brautpaar alles Gute und meinte zum Schluss: "Natürlich haben wir, eure Freunde und eure Familie - im und um den Boulevard herum - auch noch ein paar Überraschungen für euch. Zum einen ist es eigentlich üblich - inzwischen - eine schöne Hochzeitsreise zu machen. Selvaggia und ich haben lange überlegt, wohin wir euch schicken. Ich hatte an eine meiner Privatinseln gedacht, aber meine Frau hat dem widersprochen. Sie meinte, du, Metatron, solltest unbedingt unter Menschen sein. Also werdet ihr gleich am ersten Januar auf eine schöne Kreuzfahrt durch die Karibik gehen und anschließend in meinem Haus auf Bali noch eine Woche für euch haben. Damit ihr auch wisst, was ihr miteinander anfangen könnt, habe ich Susan Montgomery, unsere eine Bibliothekarin, gebeten mir eine gute Ausgabe eines Buches zu empfehlen - und auch das wollen wir - eure Freunde euch mitgeben..." Unter allgemeinem Gelächter zog Belial eine Luxus-Ausgabe des Kamasutra hinter dem Rücken hervor, das er den beiden überreichte.  Julien-Noel hatte Luciano auf dem Schoß. Da sein Onkel nicht wusste und auch nicht unbedingt wissen sollte, dass sein Neffe ein Engel geworden war, ein Dynameis, um seiner zukünftigen Frau Kat irgendwann halbwegs das Wasser reichen zu können war er einer der „menschlichen Paten“ - neben Kat selbst, Derek und Rachel und Sariel – allerdings als Dr. Sandro-Ariel Bragi – und Cassandra.   Mit einem Lachen nahm Metatron das Buch entgegen. „Da ich deinen Hang zur Dekadenz kenne, bin ich mir sicher, dass Cassie und ich uns in deinem Haus auf Bali sehr wohl fühlen werden und einiges hiervon...“ er hielt das Buch hoch, „werden ausprobieren können.“ Cassandra errötete als ihr Mann sie liebevoll küsste. Gemeinsam mit ihr dankte er allen für die Feier und die ganze Mühe – vor allem Mathilde, die sich um das Festmenü gekümmert hatte und Belial, aber auch Rachel und Selvaggia für die ganze Organisation. Erst spät in der Nacht waren die Feierlichkeiten zu Ende. Im Boulevard wurde es zunehmend weihnachtlich. Hamaliel hatte die Kinderzimmer der Botschaft – immerhin gab es davon wenn alle Kinder der Familienangehörigen da waren – inzwischen fünf – in kleine Winterwunderländer verwandelt durch die am Himmel der Weihnachtsstern leuchtete, oder Santa Claus Schlitten durch die Wolken zog. Manchmal sah man auch die drei Weisen aus dem Morgenland durch die Landschaft ziehen. Die Kinder im Kindergarten hatten Papierketten, -sterne und -ornamente gebastelt und Strohsterne gebunden – sogar je einen Adventskalender für die Botschafter hatten sie vorbereitet. Mathilde und Silvie Perrault backten mit den Hortkindern Kekse – einerseits für die Familien, die Angestellten der Botschaft und natürlich auch für den Kindergarten, aber auch für die Seniorinnen und Senioren des nahegelegenen Altenheims, denen sie kleine Tütchen zum Dritten Advent brachten. Das Leben in der Botschaft verlief in geordneten, geruhsamen Bahnen. Es war der vierte Advent. Selvaggia war ein wenig nervös. Immerhin sollte sie mit ihrem Mann und ihrer gesamten Familie in die Himmlische Kathedrale kommen. Auch Derek und Rachel sollte – ähnlich wie bei Kats Wiedertaufe – diese Ehre zuteil werden. „Was soll ich denn anziehen?“ fragte sie besorgt. Belial lächelte. „Mein süßes Hexlein, in der himmlischen Kathedrale ist das unwichtig. Unser Himmlischer Vater sieht dein Herz, deine Liebe, er sieht dich – nicht deine Kleidung.“ Es war der Heilige Abend. Selvaggia hatte den lächelnden Luciano auf dem Arm, der interessiert um sich sah. „Beruhige dich, Liebe meines Lebens, schau nur wie gelassen unser kleiner Liebling das nimmt.“ redete Belial beruhigend auf seine Frau ein. Sie seufzte erleichtert, als er sie in den Arm nahm und auch Sariel mit seinem kleinen Sohn auftauchte, den er allerdings bei Mathilde ließ, die ihn lachend auf den Arm nahm und sich freute, als er „Ta Ti!“ rief. Kat und Julien waren mit Seraphiel und Sealthiel gekommen, die Boyles blieben ebenfalls in der Botschaft – und so hatte sich auch Hamaliel entschieden mit Hagiel bei den Kindern zu bleiben. In der Himmlischen Kathedrale wurden sie bereits erwartet. Michael empfing sie mit Sandalephon. Das fröhliche Lächeln und Glucksen Lucianos verriet seinem Vater, dass die beiden Seraphim den Kleinen schon besucht hatten. „Du solltest noch drei Engel wählen – neben Sariel – hast du dich entschieden, Lucifer?“ fragte Sandalephon leise. Der nickte. „Ja, Michael, Sealthiel und Raphael...“ die beiden Seraphim sahen ihn erstaunt an. „Wieso gerade uns?“ fragte Sealthiel überrascht. Lucifer lächelte. „Michael weil ich ihn schätze und respektiere – und als praktisch ebenbürtig achte, dich, Sealthiel, weil ich gemerkt habe, dass du ein guter Freund von Kat und Julien geworden bist – und glaube bloß nicht, dass ich nicht mitgekriegt hätte, dass du Luciano schon zwei, drei Mal gewickelt hast! Du hast bei den Zwillingen geübt, es dir von Rachel zeigen lassen und auch von Sariel! Du hast damit nie angegeben, dich damit nie gebrüstet und das fanden Selvaggia und ich sehr sympathisch... und Raphael natürlich weil er mit Sariel unseren kleinen Schatz auf die Welt gebracht hat.“ Sealthiel wirkte verlegen. Er sah zu Selvaggia. „Ich dachte, ihr hättet das gar nicht gemerkt...“ murmelte er.
Belial schnaubte leise. Als Selvaggia das Taufbecken mit den reinigenden Flammen sah, schrie sie entsetzt auf. „Da wird mein Sohn...!“ begann sie, doch dann erfüllte sie plötzlich Frieden – innerlicher tiefer Frieden. Sie spürte die Gegenwart von IHM, die sie beruhigte. Auf Sariels Arm wurde Luciano in die Flammen getaucht aus denen er fröhlich kichernd wieder emporgehoben wurde. Michael sagte laut: „Im Namen Unseres Vaters, des Schöpfers, der voller Gnade auf dich, Luciano-Sandro-Raphaele-Miguel-Amadeo sieht wirst du getauft mit dem Himmlischen Feuer der Reinigung auf das du niemals der Finsternis anheim fallest. Dir stehen deine Paten – irdische wie himmlische – zur Seite. Der Friede des Himmels sei mit dir.“   Er wandte sich Selvaggia zu und neigte den Kopf. „Dein Kind, Selvaggia, Schwägerin, Schwester, ist das Erste Enkelkind, das wir willkommen heißen und über dessen Geburt große Freude herrschte. Und auch du bist uns willkommen. Daran zweifle nie. Auch auf dich sieht dein Himmlischer Vater, dein Schwiegervater voller Liebe.“ Er nahm Luciano aus Sariels Arm und legte ihn feierlich in Selvaggias zurück.   Im Boulevard Haussmann 13 fand eine Feier anlässlich der Taufe statt – mit sämtlichen Paten, irdischen und himmlischen. „Übrigens... während Metatron und Cassandra – oder die SaintCyrs – ihre Hochzeitsreise machen, soll ich mit dir die Stellung halten, Lucifer.“ meinte Seraphiel beiläufig. Er sah belustigt, wie Graphiel leise – und erleichtert – aufseufzte. Nach den geruhsamen Weihnachtstagen saßen die Raynes – komplett – mit Cassandra und Metatron SaintCyr am Silvesterabend in Berlin in der Kirche um der Messe zum Jahresende beizuwohnen – wie Belial es Hartwin Boch, dem Erzbischof versprochen hatte. Es wurde eine sehr bewegende Messe, da die Dynameis auf Geheiß des Himmels dafür gesorgt hatten, dass auch die Hostien und Reliquien wieder in den Monstranzen und Ostensorien waren. Auf den Protest beider Botschafter hatte die himmlische Antwort lediglich gelautet: „Sie brauchen den Halt des Glaubens und den finden sie in den Ritualen und im Vorbild derer die sie Heilige nennen.“ Nach der Messe hatte Pierre Kardinal Pasquieu sie in den Sitz des Erzbischofs von Paris eingeladen – und sie hatten den Berliner Erzbischof kurzerhand mitgenommen. Der Mann war sichtlich eingeschüchtert, als er registrierte, das mit Raphael, Michael, Gabriel, aber auch Sealthiel, Seraphiel und Sandalephon, Hagiel, Hamaliel und Kerubiel einige der hochrangigsten Engel anwesend waren. Sariel sah er dagegen „nur“ als Leiter der Chirurgie der Gemelli-Klinik, zumal dieser von Mathilde – die ebenfalls anwesend war – seinen Sohn in Empfang nahm. Es war kurz vor Mitternacht. Kat und Julien standen mit ihren Schutzengeln, Metatron, Cassandra, Belial und Selvaggia, auf deren Arm Luciano neugierig um sich sah, auf dem Balkon der erzbischöflichen Residenz. „Du hast dich wirklich zum positiven verändert, Metatron... wobei, jetzt wo ich Sealthiel als Schutzengel habe und du Botschafter bist und bleibst...“ murmelte Julien. Metatron lachte. „Ja, ich habe die Botschaft begriffen, Julien – du behältst deinen Schutzengel! Ich will den Job gar nicht mehr. Du bist mir viel zu aufmüpfig!“ antwortete er belustig. Belial lachte. „Ja, wer hätte gedacht, dass Paps, so schnell Nägel mit Köpfen macht. Meine Güte... jetzt sind Selvi und ich Eltern, Luciano wird schon bald in die Krippe gehen und sich auf seinen Cousin oder seine Cousine freuen und meine – und ich betone MEINE – Pressesprecherin darf dir in den Hintern treten wenn du wieder ein Ekelpaket zu werden drohst.“ „Never ever, versprochen. An sich bin ich froh, dass wir es geschafft haben dir das Leben zu retten – wer weiß, wer sonst die Hölle übernommen hätte und diesen lästigen Fall mit den Hostien und Reliquien haben wir ja auch... vorteilhaft... das denke ich, kann man sagen... zum Ende gebracht.“ meinte Metatron. Belial nickte. „Ja, genauso wie die Geschichte mit den Büchern im Legat auf Angel Island... wobei du da ja noch nicht so involviert warst... aber alles in allem war es wieder ein erfolgreiches Jahr – immerhin das zweite Jahr der Botschaft...“ Die Uhr Notre-Dames begann zu schlagen. Es war Mitternacht. „Möge auch das dritte Jahr der Botschaft von Erfolg gekrönt sein. Möge es das Vertrauen der Menschen und ihren Glauben stärken. Friede sei auf der Erde – und den Menschen ein Wohlgefallen...“ Seraphiel und Kat grinsten einander an, denn sie hatten dieses gemeinsam gesagt.
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast