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Die verschwundenen Reliquien

GeschichteMystery / P16 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne Rachel Corrigan
27.11.2015
27.11.2015
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Euangelion betrat die Küche. "Der Erzbischof Pierre Pasquieu hat eben angerufen. Er meinte Sie sollen bitte so schnell wie es Ihnen möglich ist in die Kathedrale Notre Dame kommen. Sie könnten in der Sakristei auftauchen, meinte der Erzbischof, dort sei heute keiner mehr." berichtete der Engel. Lucifer seufzte. "Ich hatte heute eigentlich keine Lust mehr in die Kathedrale zu gehen." "Ach das macht nichts, ich würde gerne mitgehen und ein paar Kerzen anzünden und ein kleines Dankgebet sprechen, während du dich mit Pierre unterhältst." erklärte dagegen Selvaggia mit einem liebevollen Lächeln. "Wieso kann ich dir nie etwas abschlagen, meine kleine Hexe?" fragte Belial liebevoll. Belial verabschiedete sich herzlich von der Personalchefin des Boulevard, die noch versprach ihn rechtzeitig zu unterrichten, wenn der Benimm-Coach für Metatron eintraf und auch wenn es Zeit war die Bewerbungen für die Kindergarten-Kräfte zu sichten. Zärtlich legte Belial daraufhin einen Arm um seine Frau und tauchte mit ihr in der Sakristei von Notre Dame auf. Vorsichtig und unbemerkt verließen die beiden den Raum und betraten die eigentliche Kathedrale. Der Erzbischof fiel ihnen sofort auf. Pierre Pasquieu war wie ein einfacher Priester gekleidet und stand mit zwei Männern vor einer Monstranz, die auf einem der Altäre stand. Als er Belial und Selvaggia erblickte sah er die beiden lächelnd an, nickte den beiden Männern entschuldigend zu und kam dem höllischen Botschafter entgegen. „Herzlich willkommen ihr zwei. Danke, dass du es so schnell möglich machen konntest zu kommen.“ Belial zog belustigt die Augenbraue hoch. „Euangelion hat keinen Zweifel daran gelassen, dass es dringend sei. Also: Worum geht es, Pierre?“ „Das kann ich dir vielleicht besser erklären wenn ich es dir zeige. Aber vorher werde ich wohl mal die Duftkerzen für deine Frau holen.“ Er zwinkerte Selvaggia freundlich zu und eilte in einen Nebenraum aus dem er mit drei kleinen Päckchen zurückkehrte. „Kerzen mit Weihrauch, Sandelholz und Rose.“ sagte er freundlich als er ihr alle drei Schachteln reichte. Selvaggia errötete und dankte dem Erzbischof. „Die Kerzen hat dein Mann bezahlt, Selvi.“ Er lächelte als Selvaggia ihrem Mann einen zärtlichen Kuss auf die Wange drückte und sich dann mit einem Nicken dem großen Gebetsleuchter zuwandte – dem neuen, den ihr Mann entworfen hatte, wie sie genau wusste. Belial folgte dem Erzbischof zu den zwei Männern. „Das sind die Kommissare Pascal Morleaux und Bernárd Courier.“ stellte er die beiden vor. „Und dies meine Herren ist...“ Er zögerte sichtlich. „Lucian B. Rayne, einer der Botschafter des Boulevard Haussmann.“ stellte Belial sich selbst vor. „Ah, wahrscheinlich der Himmlische Botschafter. Haben die also endlich mal einen Menschen ernannt?“ meinte Kommissar Courier. Belial zog belustigt eine Augenbraue hoch. „Lucian B. Rayne ist der Name den ich benutze wenn ich menschlich erscheinen möchte...“ erklärte er belustigt und abwartend, ob die beiden Männer die Botschaft verstehen würden. Pascal Morleaux schluckte als erster. „Das heißt... Sie sind...?“ Er bekreuzigte sich. „Genau... wobei... Momentan bin ich wahrscheinlich derjenige der beiden Botschafter mit dem Sie überhaupt reden können. Mein himmlischer Kollege steht gerade etwas neben sich... Aber der Erzbischof hat um die Mithilfe der Botschaft gebeten und da bin ich. Also dürfte ich erfahren worum es geht?“ Pierre Pasquieu wies auf die riesige Monstranz auf dem Seitenaltar. „Darum.“ murmelte er. „Okay... ein selten hässliches Ding von... „Restetonne“... für alte Tierknochen und benutzte Zahnstocher...“ antwortete Belial mit einem angewiderten Blick darauf. „Luci...an, bitte! Da war die Hostie des Blutwunders drin! Das ist eine Monstranz, kein Ostensorium!“ Belial schnaubte. „Blutwunder? Pierre, für die Rotfärbungen ist meist ein Bakterium namens Serratia marcescens verantwortlich, aber kein Wunder! Wobei... normalerweise ist da ja so eine Backoblate drin...“ spottete er. Der Erzbischof seufzte. „Bitte nimm das doch etwas ernster. Ich glaube daran, auch wenn du... vorgibst Protestant zu sein, Lucian, wäre es höflich so zu tun, als ob du meinen Glauben respektierst!“ „Ah, ja... klar... Blutwunder-Hostie... also du sagtest sie WAR da drin? Und wo ist sie jetzt?“ fragte Belial mit mäßigem Interesse. „Das ist die Frage... Botschafter...“ murmelte Kommissar Morleaux. Belial lächelte belustigt. „Angst vor mir, Kommissar?“  fragte er. Die beiden Polizisten sahen einander an, dann nickten sie. „Glauben Sie mir, ich bin friedlich. Außerdem habe ich meine „Böse Buben“-Liste ganz gut im Kopf und Sie stehen nicht drauf. Also können Sie ganz beruhigt sein.“ Verblüfft über die nette und unkomplizierte Art des Höllenfürsten verloren die beiden Polizisten schnell ihre Angst. „Gut... du rufst mich sicher nicht weil irgendeine Hostie verschwunden ist – also was ist konkret vorgefallen, Pierre?“ wollte Belial wissen. „Vor einer Woche ist diese Monstranz verschwunden. Wir haben natürlich sofort die Polizei eingeschaltet, aber heute Morgen stand dieses Teil wieder auf seinem Platz – nur ohne die Hostie. Stattdessen ist das neue Ostensorium mitsamt der Reliquie verschwunden, das mit dem Knochen der Heiligen Agnes.“ „Heilige? Reliquie?! Also bitte! Entschuldige bitte, wenn ich...“ „Seit Kat und Julien mit dem Reliquienverifizierer hier in der Reliquienkammer gewesen sind, wussten wir schließlich, dass es eine echte Reliquie ist und ein edler Spender hat dieses Ostensorium anfertigen lassen!“ unterbrach Pierre Pasquieu Belial ein wenig verärgert. Der Höllenfürst seufzte. „Nun gut... Knochen, Heilige Agnes... in Ordnung. Wobei diese Monstranz für mich unbeschädigt aussieht.“ „Ja, das wundert uns ja auch. Daher dachte ich, dass es mit Magie passiert sein kann...“ erklärte der Erzbischof. Belial trat näher und ließ die Hand vorsichtig über das monströse, edelsteinverzierte Gebilde aus Gold gleiten. „Also: Es ist aus hochkarätigem Gold und etwa zweihundert Jahre alt, die Edelsteine und Halbedelsteine auf dem Ding sind echt – aber das Glas ist neu. Das hat nichts mit Magie zu tun. Da hat jemand Hand angelegt und sehr genau und sehr ordentlich gearbeitet um es wieder einzupassen. Das Glas dürfte etwas kleiner sein und die Goldhalterung wurde etwas dünner gemacht, damit es... sagen wir mal wie „mit Magie gemacht“ wirkt.“ „Sind Sie sicher, Botschafter?“ fragte Kommissar Courier. „Da ich ein paar Fähigkeiten habe, die Sie nicht haben, Kommissar, bin ich mir sehr sicher.“ „Aber wozu sollte jemand die Hostie entnehmen und die Monstranz wieder wie unbeschädigt erscheinend zurückbringen? Ganz offensichtlich ging es dem Dieb nicht um den rein materiellen Wert dieses Stückes.“ „Nein, das ist klar. Es ging augenscheinlich um die Hostie.“ stimmte Belial zu. „Wer kann so was brauchen?“ fragt der zweite Polizist. „Sata...“ begann Pierre Pasquieu, doch er verstummte, als der Höllenfürst ihm einen scharfen Blick zuwarf. „Sei bitte nicht so kleingeistig! Sonst stelle ich dir die drei satanischen Angestellten des Boulevards demnächst mal vor, damit du dich mit ihnen unterhalten kannst. Schwarze Messen sind das eine, Pierre, das was ich darin inzwischen dulde ist etwas ganz anderes! Auch wenn du dir das vielleicht nicht wirklich vorstellen kannst: Mein Verhältnis zum Himmlischen Vater ist sehr gut! Immerhin hat er mir sogar Sariel und Raphael zur Seite gestellt als ich vergiftet werden sollte und Sariel wird immerhin der Pate von Selvis und meinem Sohn werden! Ich habe es nicht nötig meine Anhänger alte Backoblaten klauen oder Menschenopfer darbringen zu lassen!“ „Entschuldige, Belial, aber ich... ich weiß sonst keine Tätergruppe.“ gestand der Bischof. Belial seufzte. „Typisch... Kleingeister... Aber nun gut, ich werde dir eine Einladung schicken lassen...“ versprach der dem Erzbischof mit etwas spöttischem Lächeln, dann wandte er sich wieder an die Polizisten: „Das muss ein ausgezeichneter Goldschmied gemacht haben. DNA-Spuren oder Fingerabdrücke dürften Sie allerdings vergeblich suchen. Doch vielleicht sollten Sie mal durchgehen wer Interesse daran haben könnte Monstranzen und Ostensorien leer zu räumen und eine entsprechende Ausbildung hat.“ Die Kommissare dankten ihm. „Wenn in etwa einer Woche dieses Agnes-Ostensorium wieder auftaucht, Pierre, sag Bescheid. Dann schaue ich mir das an. Vielleicht gibt es dann ja schon Untersuchungsergebnisse. Falls bis dahin etwas vorfällt, wende dich an Euangelion, der weiß wo er mich erreicht. Ich werde mit Sariel und den anderen darüber reden. Mal schauen ob die „netten“ Engelchen Ideen haben was mit dem Inhalt dieser Schaugefäße passieren könnte.“ Der Erzbischof nickte und schüttelte ihm die Hand. „Danke Belial.“ Die Polizisten verabschiedeten sich ebenfalls und verließen die Kathedrale.   Belials Blick fiel auf seine Frau, die vor dem Altar kniete und andächtig betete. In dem Kerzenleuchter brannten 18 Kerzen und er konnte das Aroma von Weihrauch, Sandelholz und Rose riechen. „Die Kerzen sind sehr... intensiv. Meinst du, deine Lieferanten nehmen auch private Aufträge an, so mit beruhigenden Kräuteraromen oder so?“ fragte er. „Natürlich. Die Klöster heutzutage müssen auch sehen wo sie bleiben.“ Belial nickte nachdenklich. Gemeinsam setzten die beide Männer sich in die erste Reihe vor dem Altar. „Betest du nicht?“ erkundigte Pierre Pasquieu sich. Belial lächelte. „Ich bete meine Frau an und habe ab und zu eine Unterhaltung mit meinem Vater – vor allem wenn er mich herbeizitiert...“ antwortete er belustigt, wurde dann jedoch ernst: „Meine Gebete sind stille Gebete. Ich weiß, dass mein Vater mich überall hört. Selvi ist... sie ist in einer erzkatholischen Zeit aufgewachsen und braucht
diesen Budenzauber... Kirche, Altar, Kerzen. Das ist ihr wichtig und das akzeptiere ich.“   In diesem Moment erhob Selvaggia sich und sah die beiden an. Belial stand auf und kam ihr entgegen. „Wollen wir dann gehen?“ fragte er. Sie nickte errötend. Mit einem Nicken in Richtung Pierre Pasquieus verließ Belial mit seiner Frau die Kathedrale. Gemächlich schlenderten die beiden durch die Stadt bis sie irgendwann am Boulevard ankamen. "Wann kommen eigentlich Rachel, Derek, Julien und Kat zurück?" wollte Selvaggia von ihrem Mann wissen. "Ich glaub in ein paar Tagen. Sie haben noch ein paar Tage drangehängt bevor das neue Schuljahr losgeht." antwortete er und wirkte sehr nachdenklich was seiner Frau nicht entging. "Über was denkst du nach?" Er seufzte. "Alles Mögliche, ist so viel im Moment, worum ich mich kümmern muss." Sie sah ihn verwundert an. "Der Fall und das mit dem Kindergarten?" "Ach Selvi, Metatron, höllische Geschäfte, höllischen Papierkram, den lasse ich Euangelion nicht machen. Ich bin ja schon froh, dass er mir den vom Boulevard abnimmt. Jetzt kommt sogar wieder ein neuer Fall dazu. Das mit dem Kindergarten... ich hätte nicht gedacht dass Señora Fernandes mich damit so einspannt. Ich und Bewerbungen wälzen und Vorstellungsgespräche führen, kannst du dir das vorstellen? Bei den meisten Menschen bricht doch schon der Angstschweiß aus, wenn ich mich vorstelle..." Seine Frau küsste ihn liebevoll. "Wenn die dich erst mal kennen lernen, dann sind sie ganz begeistert von dir, mein Teufelchen." neckte sie ihn lachend. "Das duftet ja, was gibt es denn Tilly?" fragte Selvi ihre Freundin als sie zusammen mit Lucifer die Küche des Boulevard betrat. "Ratatouille." antwortete die Köchin vergnügt. "Ein Rezept von Chantal Boutreil aus dem Archiv." Euangelion kam in die Küche. "Setz dich zu uns Euangelion, du hast dir eine kleine Stärkung verdient, nachdem du so fleißig meinen Papierkram erledigst." lud der Fürst der Finsternis den Engel ein. "Ähm... ja gerne, wobei eigentlich brauchen wir das gar nicht." grinste er, setzte sich aber dennoch. "Ich weiß, aber wer kann bei so leckerem Essen schon wiederstehen?" meinte Lucifer mit einem theatralischen Seufzen. Sie lachten. "Der durchgeknallte Engel schon, der glaubt ernsthaft Selvi und ich würden das Essen und den Tee vergiften." "Ach der spinnt doch Tilly! Und außerdem bleibt dann mehr für uns!" Sie lächelte. "Danke Sire, das freut mich sehr, dass mein Essen wenigstens bei Ihnen und den anderen so gut ankommt. Euangelion meldete sich zu Wort: "Ein Michael Bryce hat angerufen - der Erzbischof von San Francisco. Er meinte Sie kennen ihn und er bat um Rückruf. Aber erst morgen da er heute noch etwas vor hat." Lucifer stöhnte. "Nicht der auch noch! Dieser  verrückte Pfaffe mit seinen bescheuerten Taufsprüchen... Christina-Luciana wird ihr Lebtag darunter leiden! Bestimmt auch wegen der Monstranzen. Gut, danke Euangelion." Er nickte dem Engel zu und füllte sich eine große Portion des Ratatouille auf. "Das ist ausgezeichnet, Tilly!" lobte er die Köchin nach dem ersten Bissen. Nachdem die Teller später abgeräumt waren, besprach Lucifer noch kurz die wichtigsten Angelegenheiten mit Euangelion.  "Wenn ihr Probleme mit der höllischen Buchführung habt... also ich kann euch da auch zur Hand... ich meine... " Belial winkte entschieden ab. "...ansonsten weiß doch vielleicht König Paymon jemanden aus Ihren Reihen, Lucifer, der für höllische Angelegenheiten die Arbeiten für Sie übernehmen kann die ich für Botschaftsangelegenheiten erledige." Der Höllenfürst nickte überrascht. "Danke für die Anregung, Euangelion." Selvaggia wandte sich an ihren Ehemann: "Schatz, was hältst du davon, wenn wir die Nacht in dem gemütlichen Blockhaus in Kanada verbringen?" fragte sie liebevoll. "Du willst nach Kanada? Weshalb? Du fühlst dich doch in Italien am wohlsten und..." "Und du in dem Blockhaus in Kanada. Wir können doch zwischendurch auch mal dorthin gehen wo du dich wohlfühlst. Ich weiß, dass Italien nicht dein Lieblingsland ist und du nur wegen mir dort Zeit verbringst. Dann ist das doch auch mal das Mindeste was ich für dich tun kann. Dank deiner Fähigkeiten können wir uns ja jederzeit überall hin zaubern." Er lächelte glücklich. "Danke, du bist ein Schatz Selvi! Dann freue ich mich auf nachher." Mathilde sah etwas bedrückt aus. "Was ist denn Tilly?" wollte ihre Freundin wissen. "Ich verstehe ja, dass Ihr die Nächte allein mit Selvaggia in einem Eurer Häuser verbringen wollt, aber ich fühle mich unwohl wenn Sie weg sind Sire und dieser... Engel da... anwesend ist." Lucifer wirkte nachdenklich. "Hagiel!" rief er. Wenige Sekunden später erschien der gerufene Engel. "Lucifer, was gibt es denn?" "Selvi und ich wollen uns nachher zurückziehen und Tilly könnte Gesellschaft gebrauchen in der sie sich wohlfühlt." Hagiel lächelte. "Ja gerne, hallo alle zusammen. Es ist schön euch wieder hier zu haben. Das Essen duftet aber wieder, Tilly." lobte er die Küchenhexe. Als er sich setzte und sie ihm einen Teller mit Löffel hinstellte. "Danke Hagiel, der Metatron ist so unheimlich, da bin ich froh, wenn ich jemanden wie dich bei mir habe." Hagiel nickte während er aß. "Euangelion wie läuft deine Arbeit als Sekretär von Lucifer?" erkundigte er sich. Der Engel schluckte sein Essen hinunter bevor er antwortete. "Gut, ich denke ich... hab schon eine Menge geschafft und bin bald auch mit dem Vergiftungsfall durch." Hagiel nickte. "Ich kann Euangelion nur loben, er leistet wirklich gute Arbeit." "Danke Lucifer!" antwortete der etwas verlegen. "Eine gute Nacht wünschen wir euch. Euangelion wir erscheinen Morgen in aller Frühe wieder, nach Pariser Zeit. Dann teile ich dir kurz mit was in Notre Dame besprochen wurde. Bis dann!" Er zog seine Frau an sich und verschwand mit ihr.  Er schnippte mit den Fingern und  ein herrlich loderndes Feuer flackerte im Kamin auf. Beim zweiten Schnipsen ging der CD-Player an. Er zog sie ganz dicht an sich und küsste sie zärtlich. Er löste sich etwas von ihr, ohne jedoch ihre Hand loszulassen. Mit weiteren Handbewegung zog er das Sofa vor dem Kamin zu einem Schlafsofa aus. Sie setzten sich und begannen sich zu küssen. Ihre Küsse wurden immer intensiver bis sie schließlich kuschelnd unter einer Decke lagen. Sie genossen ihre Zweisamkeit, bis Selvaggia irgendwann einschlief. Lucifer beobachtete seine schlafende Frau und versuchte etwas zu entspannen. Was ihm aber nicht wirklich gelang. Er konnte einfach seinen Kopf nicht frei bekommen.  Am nächsten Morgen um 9:30 Uhr nach Pariser Zeit erschienen sie wieder im Boulevard, wo sie in der Küche bereits von Mathilde, Hagiel und Euangelion zum Frühstück erwartet wurden. Außerdem war Consuela Fernandez mit einer ihnen noch unbekannten Dame anwesend. Sie wirkte etwas streng mit ihrem Dutt und sie wirkte sehr burschikos wie die beiden Neuankömmlinge feststellten. Lucifer und Selvaggia schätzten sie auf Mitte vierzig.  "Guten Morgen, ich bin Selvaggia Bragi Rayne." begrüßte die Hexe die Frau freundlich und stieß ihrem Mann leicht mit dem Ellbogen in die Rippen, da dieser keine Anstalten machte etwas zu sagen. "Guten Morgen, Lucian B. Rayne. Sorry aber ohne Kaffee am Morgen bin ich unausstehlich." murmelte er. Und schon bekam er eine Tasse Kaffee von Mathilde in die Hand gedrückt. "Danke Tilly, du rettest meinen Morgen." lächelte er dankbar. Er setzte sich mit Selvaggia an den Tisch und nahm einen großen Schluck aus seiner Kaffeetasse. "So jetzt bin ich ansprechbar." grinste er nonchalant. Er streckte der Frau die Hand entgegen. "Vorgestellt habe ich mich ja schon. Nennen Sie mich Lucian ich denke das ist, die einfachste Variante. Sie sind bestimmt die Benimmlehrerin?" Sie ergriff die Hand ohne Scheu, da Consuela ihr bereits zuvor erklärt hatte um wen es sich handelte - nicht zuletzt auch bei ihrem zukünftigen "Schüler".  "Monique Lefort, ganz genau die Benimmlehrerin. Es handelt sich um einen... Engel, der mein Schüler sein wird?" fragte sie den höllischen Botschafter nochmals. Dieser nickte. "So ist es. Sehen Sie, der Engel um den es geht... hat aus welchen Gründen auch immer... den netten, höflichen Umgang mit... allen... Menschen, Engeln und so weiter verlernt. Ihre Aufgabe ist es ihm das wieder klar zu machen. Keine Sorge, ihm wurden sämtliche Kräfte entzogen, er kann Ihnen also nichts tun." Sie nickte. "Ich habe keine Angst, vor niemandem!" Er grinste teuflisch. "Sie sollten in Gegenwart des Teufels nicht so leichtfertig mit solchen Äußerungen umgehen. Das wirkt wie eine Herausforderung." Sie blickte ihn starr an. "Also wo ist der Engel ich möchte mit dem Unterricht beginnen!"  Hagiel grinste als er mitbekam wie widerwillig der Höllenfürst sich erhob. Alle Engel wussten mittlerweile, dass man ihn bei seinem ersten Kaffee am Tag besser in Ruhe lassen sollte.  Er klopfte an die Tür des Raumes in dem Metatron sich meistens aufhielt. Ein mürrisches "Ja." war aus dem Raum zu vernehmen. Lucifer trat mit Monique ein. "Metatron, das ist Monique Lefort. Sie ist die Benimmlehrerin." stellte er sie dem Engel vor. "Meine WAS? Bist du jetzt völlig von Sinnen?" schnauzte Metatron ihn an. "Das war Vaters Idee und ein Auftrag von ihm! Wenn du dich beschweren willst, kannst du beten und er ruft dich sicher zu sich." Metatron lacht leise und abfällig und betrachtete die Frau. "Ach du Schande! Wie sieht denn die aus? Was noch hässlicheres habt ihr nicht gefunden?" schnaubte er. "Ihnen werd' ich helfen!" fauchte die Frau. Und Metatron fing sich einen Schlag auf den Hinterkopf von Lucifer ein. "Was soll denn das?" fragte er den Engel barsch. "Sehen Sie, was ich meine? So geht das bei dem in einer Tour. Und du Metatron, wirst der Frau gehorchen. Sollte ich von ihr hören, dass du nicht mitmachst oder dich quer stellst, werde ich mit Zauberei eingreifen! Ich lasse dich mal in Ruhe lernen." verabschiedete er sich grinsend. "Madame Lefort, viel
Erfolg..." sagte er und deutete eine Verbeugung an. "So jetzt erst mal meinen Kaffee genießen." murmelte er als er sich wieder an den Küchentisch setzte. "Wenn Sie mit Ihrem Kaffee fertig sind würde ich gern ihre Zeit für die nächsten Stunden..." Der Höllenfürst verschluckte sich bei ihren letzten beiden Worten und begann heftig zu husten. "...die ersten Bewerbungen sind schon eingegangen." "Stunden? Wie viele sind denn... eingegangen?" erkundigte er sich. "So etwa dreißig bis vierzig, ich habe sie nicht gezählt und ich vermute, das ist erst der Anfang. Die Aussicht auf eine Stelle in diesem Hause scheint begehrt zu sein." Er starrte die Personalchefin entsetzt an. "Dreißig? Vierzig? An einem Tag?" Er stöhnte genervt auf. "Ich sag ja, Sie hätten schreiben sollen: Der höllische Botschafter Lucifer, Fürst der Hölle, sucht für den Boulevard Haussmann... Dann wären noch keine fünf Bewerbungen eingetrudelt!" murmelte er. Consuela Fernandez lachte leise. "Ich habe alle in diesem Korb wir können also in ihrem Büro arbeiten, wenn sie wollen." Er nickte nur während er seinen Kaffee trank.  "Dann plane ich dich mal zum Mittagessen ein Consulea?" fragte Tilly. "Ja gern ich denke in zwei Stunden schaffen wir das nicht. "Sie sollten noch bei dem Erzbischof in San Francisco anrufen." erinnerte ihn Euangelion gewissenhaft. "Warum?" fragte der höllische Botschafter irgendwie verwirrt. "Na wegen des neuen Falles, weswegen Sie gestern auch schon in Notre Dame waren und mit Erzbischof Pasquieu geredet haben." Er seufzte ein weiteres mal. "Ach ja, wegen der hässlichen Dinger da, der Monstranzen und den Ostendingern." Selvaggia grinste. "Leicht verwirrt mein Schatz?" "Da ist gerade so viel auf einmal. Hat er dir eine Nummer hinterlassen?" "Liegt auf Ihrem Schreibtisch." "Danke Euangelion. Dann gehen wir mal in mein Arbeitszimmer. Die junge Frau staunte nicht schlecht, als sie das einladende, helle und sehr freundlich eingerichtete Zimmer betrat. "Nehmen sie Platz Señora Fernandez." sagte er freundlich und bot ihr einen Platz in der Sitzecke an. "Ich bin sofort bei Ihnen, ich muss nur diesen Anruf erledigen." Sie nickte. Er nahm sein Smartphone in die Hand und wählte die Nummer von Michael Bryce. "Hallo, es geht bestimmt um Monstranzen die geklaut wurden, jetzt wieder da sind aber die Hostien sind weg?" "Ähm... Ja woher wissen Sie das." fragte Erzbischof Bryce überrascht. "Von Pierre, er hat mich gestern nach Notre Dame zitiert, da ist das gleiche vorgefallen." "Merkwürdig. Ich habe versucht Derek zu erreichen, aber..." "Der ist in Urlaub in einem meiner Häuser und kommt erst in ein paar Tagen wieder." Kurzes Schweigen entstand. "Ist merkwürdig, dass da bei Ihnen in Paris wieder das Gleiche passiert wie hier...  niemand erreichbar ist und bei Ihnen im Boulevard keiner mich zum Himmlischen Botschafter durchstellt, an den ich mich normalerweise wohl hätte wenden sollen. Stattdessen meldete sich ein Euangelion, Sekretariatsengel in Ihren Diensten, Exzellenz. Aber wo das nun mal so ist, was sollen wir jetzt unternehmen? Ist das ein Fall für den Boulevard?"  "Ist es. Wird hier schon bearbeitet. Ich würde vorschlagen Sie erkundigen sich in Los Angeles und Umgebung, wo so etwas noch vorkommt. Und wenn es Ihnen nichts ausmacht würde ich mich wieder an meine Arbeit machen." beendete Lucifer das Gespräch. "Ja sicher, auf Wiederhören... Exzellenz Lucifer." sagte der Erzbischof und legte auf. "So hier die habe ich schon durchgesehen." sagte Consuela Fernandez und schob ihm einige Bewerbungen zu als er sich setzte. "Wow, sind da ein paar scharfe Frauen dabei!" entfuhr es ihm als er die Bilder von ein paar wirklich gutaussehenden, jungen Bewerberinnen ansah. Consuela starrte in fast entsetzt an.  "Was denn? Ist doch wahr! Als Mann sieht man das wohl anders. Aber dennoch menschliche Frauen sind und bleiben tabu für mich. Wobei Selvi... ist um Längen hübscher." grinste er. "Okay. Ernsthaft an die Arbeit!" ermahnte er sich selbst und machte sich lustlos daran die Bewerbungen mit der Personalchefin zu sichten. "Wobei ich überlege gerade ob die immer noch Lust auf die Stelle haben, wenn sie erfahren wer ihr Arbeitgeber ist?" überlegte er laut. "Sie müssen ja nicht beim Vorstellungsgespräch sagen: Hallo ich bin Lucifer." Mit einem etwas diabolischen Lächeln antwortete er: "Wieso eigentlich nicht... dann wüssten wir wenigstens, dass die Damen und vielleicht Herren die ich einstellen werde Rückgrat haben!" "Bitte sabotieren Sie nicht gleich was Sie aufzubauen gedenken!" entgegnete Consuela Fernandez etwas irritiert. Er seufzte und las weiter die Bewerbungen. Sie waren beide dankbar für die Pause, als Mathilde zum Essen rief. Selvaggia empfing ihren Mann mit einem liebevollen Kuss. „Und, mein Teufelchen, habe ich Anlass zur Eifersucht?“ fragte sie belustigt. Er erwiderte den Kuss zärtlich. „Glaubst du wirklich du hättest eine Konkurrentin zu fürchten, mein Hexlein?“ fragte er leise. „Du bist die Schönste und Einzige für mich.“ Selvaggia errötete. „Und du der Einzige für... für mich... ich kann mein Glück immer noch nicht fassen...“ Consuela Fernandez schnaubte leise. „So ein Liebesgesäusel von jemandem der gerade meinte, da wären ein paar scharfe Frauen unter den Bewerberinnen!“ Selvaggia gab ihrem Ehemann einen liebevollen Stoß in die Rippen. „Oh, du Filou!“ Empört wandte Belial sich an die Personalchefin. „Schönen Dank auch! Aber ich habe es gleich relativiert und gesagt, dass meine Süße um ein vielfaches hübscher ist!“ beschwerte er sich. Die Frau lachte leise. „Ich muss zugeben, Selvi, das hat er wirklich gesagt.“   Beim Mittagessen berichteten Belial und die Personalchefin über die Bewerbungen. „Und denk dir, Selvi, dein Mann spielt mit dem Gedanken, den Erzieherinnen und Sozialassistentinnen allen Ernstes gleich zu sagen wer er ist!“ sagte Consuela Fernandez fast entsetzt. Belial zuckte mit den Schultern. „Ach, lass die in Frage kommenden Fachkräfte erst einmal merken, dass er ein wundervoller Mann ist, nett, höflich, zuvorkommend und charmant...“ erwiderte Selvaggia dagegen mit einem liebevollen Blick auf ihn. In diesem Moment krachte die Tür zum Flur ins Schloss. Alle schraken auf. „Oh nein, der Verrückte!“ murmelte Mathilde ängstlich. „Ach Tilly... hab ich erwähnt, dass er keinem was tun kann?“ fragte Belial mit diabolischem Lächeln. „Ich dagegen kann ihn ordentlich in den... A...llerwertesten treten, da seine Selbstheilungskräfte funktionieren...“ Die Köchin kicherte leise. Consuela Fernandez grinste. „Vermutlich will er sich über Monique Lefort beschweren...“ „Dann wird er mich kennen lernen! Ich habe mich dafür verbürgt, dass ihr nichts passiert!“ Metatron betrat sichtlich verärgert die Küche. „Lucifer! Schaff mir diese penetrante Schachtel vom Leib!“ brüllte er. Belial grinste als er Monique Lefort gelassen hinter dem himmlischen Botschafter in die Küche kommen sah. „Madame, mir scheint, die Peitsche schlägt noch nicht an?“ fragte er süffisant. „Er wird es schon noch lernen, Mr. Rayne. Leider habe ich aber wohl kein Zuckerbrot zur Hand wenn er mal eine Lektion gelernt hat.“ antwortete die Lehrerin. Sie wandte sich streng an Metatron, die Stimme schneidend: „Exzellenz, Ihre ausfallende Ausdrucksweise und Ihre unkontrollierten Wutausbrüche sind nicht zu tolerieren! Sie entwürdigen damit sowohl Ihr Amt als auch die himmlischen Mächte! Das sollte Ihnen klar sein!“   „Außerdem möchte unser Vater, dass du in die Gemelli-Klinik gehst – ich bringe dich auch – und dich bei Cassandra SaintCyr entschuldigst!“ teilte Belial Metatron mit. „Wie bitte? Seid ihr jetzt alle vollkommen wirr? Erst kriege ich diese Schnepfe aufgedrückt und jetzt soll ich mich bei einer minderwertigen kleinen Sterblichen entschuldigen?“ fragte er verächtlich. Selvaggia baute sich wütend vor ihm auf. „Cassie ist ein sehr netter Mensch und sie hat genug durchgemacht! Sie sind ein unverschämter Egoist! Cassie ist selbstlos und unglaublich geschickt! Sie ist stellvertretende Chefin der Pressestelle und hat bisher immer vertuscht was für ein mieses Subjekt Sie sind!“ Metatron machte nur eine ausholende Bewegung, als Belials Hand auch schon an seiner Kehle lag und zudrückte. „Wage es nicht!“ drohte er gefährlich leise. „Und ich hoffe für dich, dass ich dich nicht zu Cassandra SaintCyr schleifen muss. Das ist Vaters ausdrücklicher Wunsch, dass du dich bei ihr entschuldigst und ich glaube, du willst nicht erfahren, wie gut er dem Nachdruck verleihen kann! Und nur ein kleiner Rat: Ich wäre höflich und zuvorkommend zu Miss SaintCyr! Sie ist nämlich dazu ausersehen dein mieses Image aufzupolieren falls du dich dessen als wert erweist und Madame Leforts Benimm-Training fruchtet!“ Metatron machte sich los und sah seinen höllischen Kollegen entsetzt an. „Das ist nicht ernst gemeint, oder?“ „Oh doch! Jedes einzelne Wort! Erstick dran! Und jetzt verschwinde, Señora Fernandez und ich haben noch zu arbeiten!“ antwortete Belial. „Du willst ja eh nichts essen – könnte ja vergiftet sein... weil Mathilde ja eine Hexe ist und von mir für den Boulevard eingestellt wurde...“ „Worum geht es? Ich bin immerhin der himmlische Botschafter und von daher geht mich die Arbeit etwas an!“ Belial schnaubte. „Sicher nicht! Es geht um ein Projekt das ich zahle – also geht es dich einen feuchten Dreck an!“   Metatron sah zu Consuela Fernandez. „Wo arbeiten Sie für die Botschaft?“ fragte er barsch. „Ein etwas freundlicherer Ton würde Ihnen gut anstehen, Exzellenz! Im Übrigen: Da ich mit Ihnen wohl nie zu tun haben werde, lecken Sie...“ Monique Lefort räusperte sich. „Madame Fernandez, Sie geben gerade kein gutes Beispiel!“ tadelte sie sanft. „Ja, schon gut, pardon Madame Lefort, aber der Botschafter provoziert das geradezu!“ „Das mag sein, aber Provokation ist kein
adäquates Mittel.“ „Ich habe ein Recht darauf zu wissen, wo du arbeitest, Mensch!“ fuhr Metatron die Personalchefin an. „Recht haben und Recht bekommen, Exzellenz, sind zwei verschiedene Paar Schuhe!“ entgegnete Consuela Fernandez ungnädig. Bevor Monique Lefort noch etwas darauf antworten konnte, sagte Belial süffisant: „Wie ist es... Informationen als Zuckerbrot? Du bemühst dich den Lektionen deiner Lehrerin zu folgen und sie anzunehmen und dafür kriegst du Informationen...“   „Mir stehen die Informationen zu!“ rief Metatron verärgert. „Dir stehen vielleicht die notwendigen Informationen zu, die zur Aufrechterhaltung der Botschaftsarbeit notwendig sind und die lasse ich dir von Euangelion zustellen. Meine Angelegenheiten – sowohl meine privaten als auch höllische – gehen dich nichts an! Was ich mit Señora Fernandez zu klären habe ist vorrangig eine private Angelegenheit, tangiert deine Interessen ergo nicht. Wenn du höflich fragst könnte ich mich allerdings dazu herablassen dir Pläne auseinander zu setzen.“   Ein strenger Blick von Monique Lefort traf ihn. „Du wirst mir...“ Die Benimm-Trainerin räusperte sich energisch. Ein frustriertes Schnauben war die Antwort. „Also gut... Wer bitte ist Señora Fernandez? Und was planst du – privat – hier in der Botschaft, wenn ich fragen darf?“ fragte er mit leicht indigniertem Tonfall. Belial zog sichtlich missbilligend eine Augenbraue hoch. „Dein Ton gefällt mir nicht, Metatron, aber gut... Ich habe einen Projektvorschlag gemacht und brauche dazu Señora Fernandez' Hilfe.“ Der himmlische Botschafter überlegte kurz, dann setzte er sich an den Tisch. „Du hast mich neugierig gemacht, Lucifer. Und so privat kann das Projekt nicht sein, wenn es die Botschaft betrifft. Also, lass hören!“ Belial sah ihn mit einem grimmigen Lächeln an, wandte sich dann an Mathilde und rief ihr freundlich zu: „Tilly, ich hätte gern eine Tasse Kaffee und hast du ein paar Kekse? Und Metatron möchte ja vielleicht auch einen Kaffee – oder einen Tee...“ Metatron räusperte sich. „Nein, danke! Du weißt, dass ich...“ „Du willst einen Kaffee oder Tee und auch ein oder zwei Kekse!“ Belials Stimme war schneidend. „Was soll der Unsinn?“ zischte Metatron. „Ich will, dass du endlich mit diesem Unsinn aufhörst Mathilde oder meine Frau zu verdächtigen und auch zu beschuldigen alles mit Gift zu versetzen!“ fauchte Belial. „Bitte, lass ihn. Er muss es freiwillig lernen, Liebling.“ flüsterte Selvaggia. Ein seltsamer Blick Metatrons traf sie.   Belial zog drohend die Augenbrauen zusammen und legte einen Arm um die Schulter seiner Frau. „Deine Entscheidung... du kannst gern eine Tasse Kaffee haben die ich vorkoste – nur zur Sicherheit... Aber die Kekse sind aus einem Teig...“ Er wandte sich an Monique Lefort. „Was darf es für Sie sein, Madame?“ „Einen Tee, bitte. Wenn Madame Mathilde so freundlich wäre.“ „Gern, aber Mathilde reicht. Welche Art von Tee möchten Sie? Ich habe selbstgemischte Kräuter- und Früchtetees und natürlich schwarzen und grünen.“ „Oh, einen Kräutertee. Das hört sich sehr gut an. Haben Sie etwas mit Entspannungswirkung?“ fragte Monique Lefort. Mathilde nickte. Kurz darauf standen Kekse auf dem Tisch und vor Belial ein großer Becher Kaffee und vor der Benimm-Trainerin ein Kännchen mit Kräutertee samt Tasse. „Also, Metatron: Tee oder Kaffee?“ fragte der höllische Botschafter ruhig. „Okay, ich nehme einen... einen Kaffee. Das Zeug trinkst du schließlich  nur.“   Consuela Fernandez nippte an ihrem Früchtetee, während Mathilde mit leicht zitternder Hand einen Becher Kaffee für Metatron auf den Tisch stellte. Der probierte und verzog das Gesicht. „Das ist bitter wie Galle!“ Die Köchin räusperte sich leise. „Ich kann Ihnen Milch holen und Zucker... Katherine bevorzugt ihren Kaffee damit...“ einen Moment später stand beides auf dem Tisch. Spöttisch sah Belial zu, wie sein himmlischer Kollege seinen Kaffee verdünnte und süßte. „Okay, so ist es genießbar. Hm... danke... Mathilde.“ Überrascht sah die Köchin ihn an und murmelte: „Gern geschehen, Exzellenz.“ Zögernd griff er nach einem Keks und biss ab. Er runzelte die Stirn. „Die sind... schmackhaft...“ gestand er.   Belial wandte sich an Monique Lefort. „Hat er Zuckerbrot verdient, Madame?“ Die Trainerin sah zur Seite und nickte. „Aber übertreiben Sie es bitte nicht, Exzellenz Rayne!“ Er nickte ihr zu und erklärte: „Consuela Fernandez ist die Leiterin der Personalabteilung. Da ich etwas plane – was genau wäre wohl zu viel „Zuckerbrot“ für heute, das hebe ich mir auf bis du dich bei Cassandra SaintCyr entschuldigt hast! - brauche ich ihre Hilfe. Wobei ich dich warnen sollte: Sariel besteht darauf dabei zu sein, wenn du mit Cassandra SaintCyr redest um notfalls eingreifen zu können falls du handgreiflich wirst.“ Metatron seufzte frustriert. „Du weißt genau, dass ich das nicht mal kann! Und er sollte das wohl genauso gut wissen!“ schnaubte  er, fuhr dann jedoch ungehalten fort: „Ja gut, ich vereinbare einen Termin für einen Besuch! Also bitte: Was planst du?“ „Wie gesagt: Nach dem Besuch und nach der Entschuldigung! Aber was dich interessieren könnte: In Notre Dame und in San Francisco verschwinden Monstranzen und Ostensorien. Die tauchen etwa eine Woche später allerdings wieder auf – nur ohne die Hostie oder die Reliquie die darin enthalten war. Hast du Ideen wer dahinter stecken könnte? Pierre Pasquieu und Michael Bryce – die beiden Erzbischöfe haben mich deswegen kontaktiert.“   Überrascht blickte Metatron ihn an. „Die Erzbischöfe wenden sich an DICH?“ fragte er fast entsetzt. Belial zuckte mit den Schultern. „Ja, wieso? Gut, die beiden wissen wer ich bin, und dass ich recht umgänglich bin. Außerdem bin ich Kats Patenonkel und Kat ist die Seelengefährtin von Julien, Pierres Neffen und Michael Bryce hat meine anderen beiden Patenkinder getauft – in dem genauen Wissen auf wessen Arm Christina-Luciana über das Taufbecken gehalten wurde. Er hat es sogar gewagt mich mit ihrem Taufspruch herauszufordern. Beide haben einen gewissen Respekt vor mir, das sicher, aber beide fürchten mich nicht wirklich... Außerdem haben sie mit meinem „Cousin“ und mir schon zusammengearbeitet...“ „Deinem Was?“ „Cousin – Derek Rayne ist – laut Datenbanken und so weiter – offiziell mein Cousin. Du solltest mitbekommen haben, dass ich mir eine menschliche Identität zugelegt habe – wie auch Sariel eine von Vater bekommen hat. Ich bin laut meines Passes Dr. Dr. Lucian Belial Rayne – oder Lucian B. Rayne. Ich habe – um Derek ein wenig zu ärgern – einen akademischen Titel als Historiker und einen als Betriebswirt eintragen lassen. Ich bin Unternehmer und dadurch natürlich Multimillionär.“ „Und Sariel? Was braucht der eine menschliche Identität?“   „Meine Güte! Du hast immer noch nicht mitbekommen, dass Sariel einen Adoptivsohn namens Said-Angelo hat und Leiter der Chirurgie an der Gemelli-Klinik in Rom ist? Was meinst du, wieso er dir nicht einfach selbst eine reingehauen hat? Er wollte für seinen Sohn ein Fläschchen warm machen und da hast du Cassandra zusammengeschlagen! Dir dürfte doch wohl klar sein, dass er Angst um sein Kind hatte! Als Sandro-Ariel Bragi – laut Unterlagen Selvaggias älterer Bruder - lebt er in Rom – ganz in der Nähe von meinem Palazzo!“ Metatron schwieg vollkommen konsterniert. Er schüttelte ein wenig verwirrt wirkend den Kopf. „Das muss ich erst einmal verarbeiten...“ „Lass dir ruhig Zeit – aber wie gesagt, vielleicht hast du ja Ideen was mit den Inhalten der Monstranzen und Ostensorien geschieht oder wozu jemand so was brauchen könnte – vor allem weil die Teile praktisch makellos wieder auftauchen. Allerdings wurde die Hostie aus der Monstranz in Notre Dame ohne Magie entfernt. Dazu ist großes handwerkliches Geschick notwendig.“ Metatron überlegte. Er schüttelte den Kopf. „Hast du mal in deiner „Anhängerschaft“ nachgeforscht? Vielleicht werden die Hostien und Reliquien für schwarze Messen benötigt?“ „Ich habe Armaros darauf angesetzt. Der hat bis jetzt noch nichts gefunden. Außerdem habe ich nichts gespürt was auf meine „Anhängerschaft“ - wie du es nennst – hinwiese.“ Metatron nickte bedächtig. „Gut... ich werde einen meiner... dienstbaren Engel daran setzen. Ich denke, über diesen Fall werden wir uns austauschen müssen?“ Belial nickte. „Ich lasse dir über Euangelion alle notwendigen Informationen zukommen. Wer ist dein Sekretär?“ „Euangelion? Ist das nicht Gabriels...?“ Belial zuckte mit den Schultern. „Normalerweise schon, aber momentan ist er mir zugeteilt. Scheint, die Arbeit hier macht ihm auch Spaß. Ich werde mal schauen, vielleicht werbe ich ihn ab.“ "Ich habe keinen Sekretär und das weißt du ganz genau." fauchte Metatron.  "Dann wirst du das wohl selbst erledigen müssen." grinste Lucifer. "So Mr. Engel! "Wir beide gehen jetzt wieder an die Arbeit! sie haben noch zwei Benimm-Stunden vor sich heute. Danach können Sie dann mit Mr. Raynes Sekretär reden." Sie wandte sich an die beiden Hexen. "Vielen Dank, für die Kekse und den Tee, beides war vorzüglich." Sie sah Metatron auffordernd an. "Na los, da können Sie gleich praktisch üben." Er sah Madame Lefort böse an. "Danke für die Kekse und den Kaffee." murmelte er und verließ sichtlich schlechtgelaunt die Küche. Die Benimm-Lehrerin folgte ihm.  "Wenn Blicke töten könnten, dann wäre Madame Lefort jetzt tot." meinte Señora Fernandez. Lucifer und die zwei Hexen mussten lachen. "Na, jetzt wird er aber wenigstens gemerkt haben, dass er von meinem Essen nicht stirbt!" gab Mathilde beleidigt von sich. Lucifer umarmte die Küchenhexe freundschaftlich. "Ach Tilly, nimm dir das dumme Geschwätz von Metatron nicht zu Herzen, dein Essen ist fantastisch und alle
anderen wissen das zu schätzen, das weißt du. Und das ist das einzige was zählt." "Danke Sire, das ist sehr nett von Ihnen!" Er lächelte die Küchenhexe an. "Lucifer, oder Belial, ganz wie du willst. Freunde siezen mich nicht!" Mathilde nickte etwas verlegen. "Und wir sollten uns auch wieder an die Arbeit machen, dass wir die letzten Bewerbungen noch durchbekommen, ich denke die nächsten Tage werden wir damit beschäftigt sein. Deshalb sollten wir keine vom Vortag überlassen. Also auf geht's Mr. Rayne." forderte die Personalchefin ihn auf. Er seufzte, gab seiner Frau einen zärtlichen Kuss und verließ zusammen mit Consuela Fernandez die Küche.  "Wie viele haben wir jetzt die wir zum Gespräch laden wollen?" erkundigte er sich als Consuela die letzte Bewerbung auf den Stapel für die Vorstellungsgespräche legte. "Zwölf." antwortete sie höflich als sie nachgezählt hatte. "Ich kümmere mich um die aussortierten, dass sie wieder zurückgeschickt werden. Ich komme dann morgen wieder mit den neuen Bewerbungen vorbei... obwohl, ich habe mich ja schon um die Räumlichkeiten gekümmert. Kommen Sie doch morgen um .. sagen wir zehn Uhr in meinem Büro vorbei und wir begehen die Räumlichkeiten, damit sie auch eine Vorstellung davon haben wo der Kindergarten sich befindet, zumal sie ihren Sohn dann ja selbst dorthin bringen werden. Außerdem müssen wir auch einen Sandkasten anlegen lassen und das eine oder andere an Spielgeräten auswählen. Und am Nachmittag könnten wir schon die ersten Gespräche führen." er seufzte und wollte Ausreden erfinden, willigte dann jedoch ein, da er sich im Klaren war, dass Señora Fernadez nicht nachgeben würde. Sie verabschiedete sich für heute von dem höllischen Botschafter und verließ mit allen Bewerbungen in ihrem Aktenkoffer sein Büro. Madame Lefort und Metatron traten ein. "Mr. Rayne, wir machen Schluss für heute ich kommen dann morgen um die gleiche Zeit wieder." Er nickte der Dame freundlich zu. "Ist recht Madame, bis Morgen dann."  "Und kann ich jetzt mit Euangelion reden wegen des Falles?" fragte er unwirsch. "Euangelion!" rief der Höllenfürst. "Dieser trat sofort ein. "Ja, Lucifer?" Metatron möchte über den aktuellen Fall der Botschaft informiert werden. Könntest du  das bitte übernehmen?" Der Engel blickte ihn etwas ängstlich an. "Gerne, aber... können wir... " Lucifer fiel seinem Sekretär helfend ins Wort als er merkte, dass der nicht mit Metatron allein reden wollte. "Ihr könnt euch dort in die Ecke zurückziehen. Ich habe noch persönlichen Kram zu erledigen." Er holte das Grimoire aus dem Schließfach in dem er die Worte diesmal in Gedanken sagte - die Tür des Tresors sprang auf. Nachdem Euangelion mit seinem Bericht geendet hatte und Metatron soweit informiert war, verließ Euangelion das Arbeitszimmer Lucifers und widmete sich im Vorzimmer wieder seiner Arbeit.  Metatron trat neben seinen höllischen Bruder. "Was machst du da?" fragte er barsch. "Geht dich nichts an! erwiderte dieser ebenso unhöflich. Und schlug das Grimoire zu, da er ohnehin Feierabend machen wollte um den Abend mit seiner Frau zu genießen. Metatron wurde von der Neugier getrieben was in diesem Zauberbuch stand und griff danach. Er schrie auf und ließ es entsetzt fallen. "Was hast du damit gemacht? Das war als ob mich etwas gebissen hätte." stellte er erschrocken fest. Lucifer lachte herzhaft. "Das ist mein Buch und das meiner ältesten Patentochter - ich habe es verfasst vor vielen Jahren - für Selvaggia und Kat habe ich es geschenkt zum Lernen und lesen, zudem sie an mich und das Buch gebunden ist. Ansonsten geht das Buch niemanden etwas an, es sein denn ich gestatte es!" sagte er ruhig, aber streng.  "Du hast es mit einem Zauber belegt." Er nickte. "So ist es! Und jetzt bitte ich dich mein Arbeitszimmer zu verlassen, da ich jetzt meinen Abend mit Selvi verbringen werde." befahl er scharf und deutete eine Geste an er solle verschwinden. Der Erzengel verließ schnaubend den Raum. Lucifer schloss das Grimoire wieder in den sicheren Wandsafe und lief in die Küche.  Er lächelte die beiden Hexen an und begrüßte Hagiel, freundlich: "Hallo Hagiel, und danke, dass du Tilly Gesellschaft leistest wenn wir weg sind." Er nickte. "Das mache ich doch gerne!" Lucifer und seine Frau grinsten und verschwanden. "Bis morgen Tilly!" rief der Fürst der Finsternis noch.  "Was wollen wir hier?" fragte Selvaggia ihren Mann als sie in der Tiefgarage des Boulevards wieder auftauchten. "Du wünschtest dir doch einmal einen normalen Abend. Ein teilweise menschliches Leben. Heute Abend sind wir ausschließlich Mr. und Mrs. Rayne, die sich einen schönen Abend gönnen... ohne Zauberei, deshalb..." Er zog einen elektronischen Türöffner aus der Tasche seines Abendanzuges und drückte drauf. Das Geräusch eines Autos erklang dessen Türen geöffnet wurden. Sie erblickte einen schwarzen Porsche nicht unweit von sich entfernt. Die Hexe strahlte ihn glücklich an und ließ sich auf dem Beifahrersitz des Sportwagens nieder. "Und was haben wir jetzt vor?" fragte sie aufgeregt, als er auf dem Fahrersitz Platz nahm. Er lächelte sie liebevoll an. "Hast du Hunger?" "Ja aber Mathilde... " Die weiß Bescheid, sie genießt ihr Essen mit Hagiel und vielleicht bietet sie auch Euangelion etwas an - das  meinte sie zumindest." zwinkerte er. "Euangelion hat sich ziemlich geändert. Er ist jetzt umgänglicher, finde ich und auch viel netter." Lucifer nickte. "Ja, ich fange an ihn zu mögen. Er ist mir eine große Hilfe und ich rechne es ihm hoch an, dass er sich um Said-Angelo gekümmert hat als Metatron... Cassandra angegriffen hat."  Sie nickte. "Und wo gehen wir essen?" fragte sie aufgeregt als er über die beleuchtete Avenue des Champs-Élysées fuhr. "Lass dich überraschen! Das Restaurant wird dir gefallen." Nach einer Weile bog er auf die Rue du Colisee ab und hielt vor dem Allegria, einem italienischen 5-Sterne Restaurant. "Lucifer! Wir gehen italienisch essen? Im Allegria? Das soll eines der besten italienischen Restaurants in Paris sein!" Er nickte. "Genau deshalb sind wir hier. Er stieg aus lief um seinen Wagen, öffnete die Beifahrertür und hielt Selvi seine Hand hin. "Ich wusste gar nicht dass du so romantisch sein kannst." kicherte sie fast. "Was man nicht alles tut, für die Liebe seines Lebens." hauchte er ihr liebevoll ins Ohr und geleitete sie in das Restaurant.  "Bonsoir Monsieur. Sie hatten bestellt?" wurden sie empfangen. "Ja, auf den Name Rayne. " Der Italiener sah in das Reservierungsbuch, nickte. "Zwei Personen, folgen Sie mir bitte."  Das Paar wurde an einen romantischen Tisch geführt. Sofort trat ein Kellner an ihren Tisch. "Darf ich ihnen einen unserer Hausweine anbieten Monsieur?" "Mir gerne, die Dame würde gern etwas anderes Trinken." Selvaggia nickte. "Ich hätte gern ein Wasser mit etwas Zitrone." Der Kellner nickte freundlich. Kurze Zeit später kam er wieder mit den bestellten Getränken und der Speisekarte. Selvaggia und Lucifer ließen sich das leckere, italienische Essen schmecken. Anschließend genossen sie den lauen Sommerabend mit einem Spaziergang an der Seine. "Ein Abend ganz ohne Magie? Dann schlafen wir heute im Boulevard?" grinste Lucifer. Sie lächelte und nickte, "Ja, dann bist du morgen früh wenigstens gleich da und kannst deinen Kaffee noch genießen bevor du dich mit Consuela triffst." Er nahm sie in den Arm und küsste sie leidenschaftlich.  Am nächsten Morgen saßen die beiden Hexen und Hagiel, der momentan bei Mathilde blieb wenn Lucifer nicht in der Nähe war, zusammen mit Lucifer und Euangelion in der Küche. "Euangelion, gefällt dir die Arbeit die du gerade machst?" fragte er seinen Sekretär. Der Engel sah ihn überrascht an, da er mit dieser Frage nicht gerechnet hat. "Ähm... ja, ich habe Freude daran und es ist hier... interessanter als im Himmel. Warum fragen Sie?" Der Höllenfürst nahm dankbar den Kaffee von Mathilde entgegen und nahm einen Schluck. "Weil ich dich gerne behalten möchte, wenn du willst. Du leistest ausgezeichnete Arbeit und bist mir eine große Hilfe und... ich vertraue dir." Euangelion errötete, nahm einen Schluck seines Tees und eines der Croissants.  Metatron betrat die Küche. "Was gibt es Neues wegen des Falls, Lucifer?" fragte der Engel barsch. Der Höllenfürst atmete tief ein. "Guten  Morgen, Lucifer - so heißt das erst mal wenn man einen Raum betritt. Das brächte selbst ich fertig dich zu grüßen wärest du hier, und das noch bevor ich meinen  Kaffee habe! Aber reizen sollte man mich trotz allem nicht." antwortete der Höllenfürst, wie stets morgens etwas gereizt.  "Guten Morgen Lucifer, was macht der Fall?" sagte er gezwungen höflich aber hörbar genervt. "Na also, geht doch! Aber an deiner Glaubwürdigkeit musst du echt noch arbeiten, Metatron. Wobei... gut... mich anlügen..." Er grinste spöttisch. "Aber gut, zum Fall: Die Polizei untersucht die Monstranzen nach Fingerabdrücken und so. Und Pierre wollte sich melden sobald es etwas neues gibt. Die Untersuchungen dauern aber ein paar Tage - also musst du dich in Geduld üben." sagte Lucifer ruhig und nahm sich ebenfalls ein Croissant. Er seufzte als er auf die Küchenuhr sah. Sie zeigte 9:55 Uhr an. "Du solltest dein Benehmen etwas aufpolieren, Madame Lefort ist gleich da und du solltest überlegen, wann du dich bei Cassandra SaintCyr entschuldigen willst!" bemerkte er.  "So schnell wie möglich! Und dann kann diese Knigge-Mamsell verschwinden!" fauchte Metatron "Du weißt, das entscheidet Vater!" ließ Lucifer ihn freundlich wissen. "Gleich heute Abend will ich diesen Klinik-Besuch hinter mich bringen!" stellte der Himmlische Botschafter klar - und sein höllischer Kollege zuckte mit den Schultern. "Wegen meiner - kein Problem... aber das mit dem "hinter dich bringen" solltest du nochmal überdenken!"  Metatron schnaubte und wollte die Küche verlassen, doch Selvaggia rief ihn zurück. "Ihnen auch einen Guten Morgen, Sie haben vergessen sämtliche anderen
Anwesenden zu begrüßen. Und weder Tilly noch ich sind dazu gekommen Sie zu fragen, ob Sie mit uns frühstücken möchten." Metatron drehte sich zu ihr um. Aus dem Augenwinkel sah er wie Lucifer sich zum Eingreifen bereit machte. "Madame... Auch wenn Lucifer vorgibt menschlich zu sein, ich habe das nicht nötig! Einen Guten Tag noch!" "Ich esse weil Tillys Essen einfach phantastisch schmeckt!" rief Belial dem Engel sichtlich genervt hinterher, als dieser die Küche verließ. Er bat die Küchenhexe ihm zwei Kaffee zu machen. Hastig trank er den Rest seines ersten Kaffees mit einem Schluck aus, stellte die Tasse auf den Tisch und küsste Selvi. "Pass bitte auf meine Hexen auf!" sagte Lucifer in Gedanken freundlich an Hagiel gerichtet. "Klar mach ich."  Er gab seiner Frau einen Kuss und strich zärtlich über ihren kleinen Babybauch. Ein paar Sekunden später stand er mit dem Kaffee und spanischem Gebäck vor der Tür der Personalchefin. Er klopfte an. "Guten Morgen Señora Fernandez. Verzeihen Sie dass ich ein paar Minuten zu spät erscheine, aber ich wurde von... Metatron aufgehalten. Ich habe Ihnen Kaffee und... spanisches Gebäck, diese Churros mitgebracht. Als kleine Wiedergutmachung meiner Verspätung." grüßte er freundlich als er eintrat.   "Das ist ja nett von Ihnen, danke, ich hätte Ihre Entschuldigung aber auch so angenommen. Ich würde aber vorschlagen, dass wir uns erst kurz die Räume ansehen wo der Kindergarten dann eingerichtet wird." Er folgte ihr zum Aufzug, während sie weiterredete. "Ich finde die Räume sehr schön und das Beste ist: Sie liegen im Erdgeschoss, so dass die Kinder auch mal raus können zum Spielen und Toben." "Guten Morgen Consuela, guten Morgen Monsieur. " Lucifer erwiderte den Gruß des ihm unbekannten Mannes mit einem bemüht freundlichen, aber auch knappen. "Morgen." "Schon vormittags im Haus unterwegs?" Sie lächelte. "Ja, ich schaue mit... unserem Botschafter Mr. Rayne die Räume für unseren Kindergarten an und anschließend führen wir die ersten Vorstellungsgespräche." Der Mitarbeiter wandte sich an den Höllenfürst. "Dann sind Sie... unser... höllischer Botschafter?" Dieser nickte belustigt. "Genau, der Teufel höchstpersönlich!" bestätigte er mit einem teuflischen Grinsen. Der Mann starrte ihn erschrocken an. "Mr. Rayne!" ermahnte sie ihn. "Keine Angst Matthew, er ist eigentlich ganz charmant und umgänglich, aber leider vormittags immer etwas gereizt und heute wohl noch mehr als sonst wie mir scheint." sie warf ihm einen scharfen Blick zu. "Wenn man schon vor seinem ersten Kaffee genervt wird und den dann noch nicht mal in Ruhe trinken kann, wie soll man da gute Laune bekommen?"  Sie näherten sich dem Stockwerk in dem der Mann austeigen musste. "Hat mich gefreut Sir... ähm... ich finde Ihr Projekt Kindergarten toll. Ich habe selbst drei kleine Kinder. Aber ich muss jetzt... " Er hob die Hand zum Gruß und verschwand eilig. Der Höllenfürst lachte laut auf während sich die Tür des Aufzugs schloss. "Das musste jetzt sein?" fragte Consuela Fernandez mit leichtem Tadel in der Stimme. "Was? Ich hab doch gar nichts gemacht. Hätte ich ihn anlügen sollen? Und außerdem sind Sie bei unserem ersten Zusammentreffen auch erschrocken, wie jeder Mensch." stellte er sichtlich belustigt klar. Die Türen öffneten sich, als sie im Erdgeschoss ankamen.  "Die Räume sind sehr schön und hell, ich wusste gar nicht, dass es hier unten so freundlich wirkende Räume gibt." stellte der höllische Botschafter fest. Sie grinste. "Tja, Sie wissen so wenig über ihre Botschaft, aber das wird sich ja in Zukunft weiterhin ändern."  Sie begaben sich wieder in das Personalbüro um den Kaffee und die Bewerbungen für die Vorstellungsgespräche zu holen und machten sich in einen der Besprechungsräume des Boulevards auf. Die erste Bewerberin betrat den Raum. "Guten Morgen, Jana Cortier." stellte sich die junge Frau vor. "Guten Morgen, Consuela Fernandez und das ist der Botschafter Lucian B. Rayne." stellte die Personalchefin beide vor. "Oder Lucifer, ganz wie Sie wollen." Die junge Frau erstarrte - wie fast jeder, dem er mitteilte wer er wirklich war.  "Sind Sie verrückt?" fauchte sie ihn an. Consuela Fernandez warf ihm einen warnenden Blick zu, dann wandte sie sich an die Bewerberin: "Das stimmt natürlich, er ist der höllische Botschafter, ja. Lucian B...." Sie wandte sich an den Botschafter: "Steht das B. für  Beelze..." "Für Belial." unterbrach er die Personalchefin freundlich. Sie nickte und fuhr an die junge Frau gewandt fort: "... aber es war seine Idee mit dem Kindergarten und ich kann Ihnen versichern, dass er keine Gefahr für Sie darstellt. Ich würde wohl kaum mit ihm zusammenarbeiten wenn ich Angst vor ihm hätte. Setzten Sie sich bitte, Mademoiselle Cortier."  Zögernd setzte sich die junge Frau gegenüber an den Tisch, warf Belial jedoch ab und zu nervös einen Blick zu. "Sie sind ausgebildete Erzieherin?" fragte Lucifer charmant mit einem freundlichen Lächeln. Sie nickte zuerst nur und begann dann, jedoch etwas verängstigt zu reden. "Ich habe an der Akademie für Erziehung meinen Abschluss gemacht und bin jetzt auf der Suche nach einer Stelle." "Sie kommen also direkt von der Schule?" hakte der Höllenfürst nach. "Ja, ich hoffe das ist kein Problem?" "Nein, natürlich nicht ich wollte es nur wissen." antwortete er. "Warum haben Sie den Beruf der Erzieherin gewählt?" fragte die Personalchefin. "Ich mag Kinder sehr gerne und die Arbeit mit Ihnen macht mir sehr viel Spaß. "Haben sie außer der praktischen Arbeit bei der Ausbildung schon mal mit Kindern gearbeitet?" erkundigte sich der Botschafter. "Ich habe in einem Sommerzeltlager gearbeitet und habe zwei kleine Nichten, fünf und zwei Jahre, mit denen ich viel Zeit verbringe." "Das ist eine Neueröffnung des Kindergartens. Sie müssten sich im Team vorab zusammensetzen und den Einzug mit planen. Spielzeug, Bastelmaterialien und so weiter. Eventuell würden wir uns auch vorab nochmal mit ihnen und ihren zukünftigen Mitarbeitern treffen wegen der Innenausstattung, also Möbel und dergleichen..." Könnten Sie sich das vorstellen und Ideen in dieser Beziehung mit einbringen?" wollte Consuela Fernandez wissen. "Ja, das kann ich, es würde mich sogar sehr freuen, wenn ich von Anfang an dabei sein dürfte." kam die spontane Antwort." Lucifer und Consuela warfen sich einen kurzen Blick zu. "Also gut Mademoiselle Cortier. Wir melden uns bei Ihnen, sollten wir uns für Sie entscheiden." schloss Consuela das Gespräch und streckte ihr ihre Hand entgegen. Jana ergriff sie und reichte anschließend etwas zögernd dem höllischen Botschafter die Hand. "Sind Sie verrückt, ihr zu sagen wer Sie wirklich sind? Das können sie doch nicht machen! Das arme Mädchen war ja total verängstig und verunsichert." ermahnte ihn die Personalchefin. "Aber sie war ehrlich. Und ich fand sie hatte eine gewisse... Energie. Die junge Dame hat Lust auf die Arbeit." meinte er. "Haben Sie Gedanken gelesen?" er schüttelte den Kopf. "Musste ich gar nicht. Sie war viel zu schockiert um sich etwas zum Präsentieren auszudenken." grinste er diabolisch. "Und ich mache so etwas ungern, bei Menschen, wenn es nicht dringend notwendig ist." Sie sah ihn scharf an. "Aber unterlassen Sie es in Zukunft bitte zu erwähnen wer Sie sind und stellen sich mit ihrem menschlichen Name vor."  Er seufzte. "Schade."  Die nächste Bewerberin betrat den Raum und  Lucifer stellte sich diesmal nicht als Lucifer vor. "Sarah Parker? Klingt ... amerikanisch?" stellte Lucifer fest. "Ja, ich bin in New York City geboren, mein Freund ist Franzose und lebt in Paris. Ich bin gelernte Kinderpflegerin und möchte total gern auch hier mit Kindern arbeiten." "Erzählen sie mal etwas über sich, wo sie bisher gearbeitet haben, wo Ihre Stärken liegen und auch Schwächen?" forderte Señora Fernandez die Bewerberin auf. "Das Basteln liegt mir besonders, das mache ich auch privat sehr gerne. Ich kann gut auf Kinder zugehen und habe Spaß an meiner Arbeit. Eine Schwäche ist eindeutig das Singen. Während der Ausbildung habe ich in einer Vorschule in San Francisco gearbeitet und um mir etwas dazu zu verdienen habe ich als Babysitterin gearbeitet, mit Kindern verschiedenen Alters, von Baby bis Grundschulalter."  Nach meiner Ausbildung war ich zwei Jahre in Santa Monica in einer Vorschule, mit Hort." "Vielen Dank das war sehr aufschlussreich, Miss Parker. Sie hören dann von uns." verabschiedete diesmal Lucifer die junge Frau. Consuela sah ihn zufrieden an. "War das besser so?" fragte er mit sarkastischem Unterton. "Viel besser! Hatten Sie damit bezweckt, dass ich Sie von der Leine lasse was die Vorstellungsgespräche angeht?" wollte sie von ihrem Vorgesetzen wissen. "Einen Versuch war es wert." grinste er. Bei der siebten Bewerbung erlebten Sie ein Vorstellungsgespräch wie zuvor noch keines. "Wer ist die nächste?" Sie blickte auf die Bewerbung. "Kreszensia Bouvier."  "Guten Tag, ich bin Señora Fernandez und das ist der Botschafter Mr. Rayne." Die Frau nickte und setzte sich, schwieg aber. "Und sie sind?" fragte Consuela höflich. "Kreszensia Bouvier." "Sie sind gelernte Erzieherin? Wie ich ihren Unterlagen entnehme." Die Bewerberin nickte. "Erzählen sie uns bitte etwas über sich!" forderte Lucifer sie auf. "Ich bin Erzieherin und möchte in Ihrem Kindergarten arbeiten." war alles was sie sagte. Die beiden sahen sich fragend an. Lucifer biss sich auf die Lippe um ein Lachen zu verhindern und sagte stattdessen. "Ich meinte eigentlich: Was sie auszeichnet, ihre Qualitäten, Stärken, Schwächen und was Ihnen an der Arbeit mit Kindern gefällt - so was in der Art." Sie nickte und schwieg. Nach einer Weile sagte sie: "Ich mag Kinder." Abermals Schweigen. Consuela seufzte. Lucifer ließ seinen Kopf in die rechte Hand sinken und rieb sich über die Augen. "Vielen Dank, Madame Bouvier, sie hören von uns." Mit einem Nicken verabschiedeten sie die Bewerberin. "Was war dass denn bitte? Und
außerdem sieht die auf dem Bild ganz anders aus!" stellte der höllische Botschafter fest und schob ihr die Bewerbung hin, kaum das die junge Frau den Raum verlassen hatte. Entgeistert starrte sie auf das Bild. "Ich habe ja als Personalchefin schon viele Vorstellungsgespräche geführt, aber so etwas ist mir noch nie untergekommen!" Er lachte belustigt. "Nun ich denke mal... die kommt nicht in Frage!" Consuela schüttelte energisch den Kopf. "Die restlichen fünf sind erst in eineinhalb Stunden angesetzt. Möchten Sie zum Mittag mit hoch kommen und mit uns Essen? Ich bin überzeugt Selvi und Tilly werden begeistert sein." Sie nickte dankbar. "Gerne, ein Essen von Tilly schlage ich nie aus und ich kann die Stärkung gebrauchen nach dem Gespräch eben." Er lachte und machte sich mit ihr auf den Weg in den Wohnbereich. Sie hörten begeisterte Stimmen aus der Küche als er die Tür öffnete. "Mailand war herrlich, wir haben neben diversen Ausflügen und Stadtbummeln, das Leben in Onkel Belials Haus in vollen Zügen genossen." schwärmte Kat. "Und das Faulenzen am Pool war besonders schön." fügte Julien hinzu. "Sie haben Besuch, wie es scheint." meinte Consuela und stellte fest, dass er mit einem mal total glücklich aussah.  Er stürmte fast in die Küche. "Käthchen!" rief er sichtlich erfreut. Er umarmte sie und drückte sie fest an sich. "Ich hab dich so vermisst!" flüsterte er. "Ich dich auch Onkel Belial." Er ließ sie wieder hinunter und begrüßte Julien ebenfalls sehr erfreut.  "Endlich kommt wieder positive Stimmung ins Haus!" "Selvi und Tilly haben uns schon alles berichtet. Von Metatron und der Benimm-Lehrerin." Die beiden jungen Leute grinsten fast schon diabolisch. "Euangelion als dein Sekretär und deinem Projekt: Kindergarten. Das ist eine tolle Idee!" Sie ließen sich das Essen schmecken während Kat und Julien weiter von Mailand berichteten und Consuela und Lucifer von dem verrückten letzten Gespräch. Die Anwesenden fingen an zu lachen, als die beiden mit erzählen fertig waren. "Belial, ich würde Sealthiel gerne als Schutzengel behalten! Meinst du das wäre möglich? Sealthiel gefällt die "Arbeit" als mein Schutzengel auch sehr gut." Der Höllenfürst lächelte. "Ich denke das dürfte eigentlich kein großes Problem darstellen. Rede mit dem himmlischen Vater, bitte ihn darum. Wenn ich es entschieden dürfte... ich würde sofort ja sagen." Julien nickte.  "Mr. Lucian Rayne, erheben Sie sich! Wir müssen wieder los, die letzten fünf Gespräche für heute führen." forderte ihn die Personalchefin auf. Er seufzte und erhob sich sichtlich lustlos. Zuvor holte er sich aber noch einen Kuss bei Selvaggia ab und einen sanften Tritt seines Sohnes gegen seine Hand, als er seiner schwangeren Frau über den Bauch streichelte. Die letzten fünf Gespräche verliefen an sich recht angenehm. Ganz überrascht waren Consuela Fernandez und er allerdings gewesen als eine junge Muslima mit Hijab, dem traditionellen Kopftuch erschien. Farida Mahmouri erklärte rundheraus, dass ihr an sich klar sei, dass die Botschaft sicher nur christliche Kräfte suche, aber sie sei nicht bereit sich zu verbiegen! Belial grinste. „Señora Fernandez – hatten Sie irgendwas von einer notwendigen Religionszugehörigkeit in der Anzeige erwähnt, was ich überlesen habe?“ Die Personalchefin schüttelte überrascht den Kopf. „Nein, gar nicht!“ „Ich finde es gut, dass Sie zu ihrer Religion stehen, Mademoiselle. Da ich aber Ihr Gehalt zahlen würde... und dies keine Christliche Botschaft sondern die Himmlisch-Höllische Botschaft ist – muss ich sagen, dass es mich nicht interessiert welche Religion Sie haben. Sie könnten wegen meiner auch Satanistin sein.“ Er grinste, als die junge Frau zusammenzuckte. „Sie sind...“ Sie sah ihn scharf an. „Sie sind der Schejtan!“ murmelte sie betroffen. Belustigt zog er eine Augenbraue hoch. „Genau... Also vielleicht wollen Sie sich doch noch überlegen ob Sie wirklich hier arbeiten wollen... zumal sie in eineinhalb Jahren meinen Sohn in der Krippe hätten...“ Sie wirkte überrascht – allerdings ganz offensichtlich positiv. Als sie nach dem folgenden restlichen Gespräch den Raum verlassen hatte, nickte Belial der Personalchefin zu. „Die junge Dame hätte ich gern...“ Sie lächelte. „Das wird einigen Mitarbeitern gut gefallen... und mir hat sie auch imponiert. Sie wird sich nicht verbiegen um irgendwem zu gefallen.“ Doch Belial merkte, dass es ihm gegen den Strich ging, dass die zukünftigen Angestellten nicht von vorn herein wussten wer ihre Gehälter zahlen würde. „Señora Fernandez... ich würde Ihnen für die folgenden Interviews an sich gern meinen Sekretär Euangelion zur Seite stellen.“ „Wieso?“ fragte sie nur. Er erklärte ihr seine Probleme mit der Situation – und sie nickte verstehend. „Wobei... wir haben hier einen Verhörraum – mit verspiegelten Wänden... Sie können uns hören und sehen, werden aber selber nicht gehört oder gesehen. Und falls Ihnen jemand vollkommen ungeeignet oder absolut  geeignet vorkommt, dann kommen Sie einfach dazu.“ Er überlegte kurz, dann nickte er. Euangelion kam ihm bereits entgegen. „Lucifer, der hiesige Erzbischof hat sich gemeldet. In einigen anderen Kirchen in Paris sind ebenfalls Monstranzen verschwunden. Die Polizei hat sich der Diebstähle schon angenommen. Das Ostensorium ist noch nicht wieder aufgetaucht. Von der Pariser Kriminalpolizei hat ein Kommissar Courier angerufen und bittet um eine Unterredung mit Ihnen. Ich habe mir erlaubt ihm einen Termin für Morgen um 15 Uhr zu geben. Den Himmlischen Botschafter habe ich bereits auf den neusten Stand gebracht, konnte ihn jedoch gerade noch davon abhalten mit Pierre Pasquieu reden zu wollen.“ „Ausgezeichnete Arbeit, Euangelion. Würdest du bitte Morgen auch gleich Derek Rayne von den Vorkommnissen und Ergebnissen unterrichten? Und außerdem... Consuela Fernandez wird mit dir die nächsten Bewerberinnen interviewen. Ich werde mir das im Verhörzimmer hinter dem Spiegel ansehen und zuhören und nur wenn ich absolut für oder gegen eine Kandidatin oder einen Kandidaten bin dazukommen.“ Der Engel sah ihn überrascht an. „Die Leute haben Probleme damit, dass Sie... der höllische Botschafter sind?“ „Dass du..., Euangelion, ich dachte, darauf hatten wir uns geeinigt.“ sagte er freundlich. Euangelion errötete, nickte jedoch als Belial fortfuhr: „Und nein. Es ist vielmehr so, dass ich Probleme damit habe die Bewerberinnen im Unklaren zu lassen wer ich bin.“ Der Engel nickte. „Verstehe, ich darf dann ih... deine Interessen wahrnehmen und soll erst am Ende mit rausrücken, dass du die Gehälter zahlst?“ Belial nickte. „So in etwa, ja.“
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