Nyarlathotep

von Mephisto
GeschichteHorror, Übernatürlich / P16
Haruhi Suzumiya
27.11.2015
27.11.2015
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Mahlzeit liebe Freunde
Haruhi fanfics bestehen meistens aus irgendwelchem Kon x Yuki oder Kon x Itsuki. Ab und an ganz nett, aber was mich an Haruhi immer fasziniert hat ist was sie eigentlich ist. Eine interessante Frage, auf die ich hier meine Interpretation einer Antwort gebe.
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Haruhi Suzumiya. Brigadeführer, Mysterienjäger und eine weithin bekannte Kuriosität. Haruhi, mit ihren schulterlangen, braunen Haaren und dem typischen gelben Band darin war bekannt dafür, etwas seltsam zu sein. Sie suchte konstant nach dem Mysteriösen und schien die reale Welt, als langweilig, ja unter ihrer Würde wahrzunehmen.

Diese Einstellung und ihre Umgang mit anderen Menschen war es, der dazu führte, dass sie, trotz ihres attraktiven Äußeren, zeitlebens ein recht einsames Mädchen gewesen war.

Sie war laut, sehr bestimmt und wenig mitfühlend und hatte die Tendenz andere in ihre seltsamen Pläne und fast gefährlichen Vorhaben mit hineinzuziehen. Außerdem hatte sie überhaupt kein Konzept von Diskretionsabstand oder Scham.

Eine sehr ungünstige Kombination, die dazu führte, dass sich die Menschen an ihrer Schule nur wunderten, wie es die vier Personen, die trotz allem das Unglück hatten in ihrer SOS-Brigade zu sein es mit ihr aushielten.

Eben diese Haruhi Suzumiya war an diesem doch recht warmen Abend im Spätfrühling ungewöhnlich still. Sie war zwar für gewöhnlich laut und bestimmt, aber wie das mit Menschen mit einem Hang für das Mysteriöse so ist hatte auch sie eine nachdenkliche Seite, die herauskam wenn sie alleine war.

Dennoch war es seltsam dieses Mädchen, welches doch sonst so im Chaos aufging, welches Menschen wie ihre Spielzeuge behandelte und weder einen Sinn für Moral noch für Scham hatte so nachdenklich auf einer Parkbank sitzen und die Sterne beobachten zu sehen.

Obwohl es für sich nichts Ungewöhnliches war. Viele Menschen waren stets fasziniert vom Nachthimmel, von den hellen Lichtpunkten, die die Finsternis zischend den Welten erleuchteten. Haruhi jedoch nahm die Sterne anders war. Für sie waren sie Störfaktoren, gerade jene Dinge die verhinderten, dass die Dinge im Raum dazwischen offen gelegt wurden.

Das Licht der Sterne strahlte hell und überstrahlte die Geheimnisse die dahinter lagen. Jene finsteren Geheimnisse die im leeren Raum zwischen den Sternen und in den schwarzen Löchern im Zentrum des Universums.

Haruhi schnaubte und warf einen letzten finsteren Blick zu den Störenfrieden hinauf, doch als sie ihre Aufmerksamkeit vom Himmel abwendete, stellte sie fest, dass sie nicht mehr alleine war.

An dem Baum neben der Bank lehnte ein Mann, dessen Aussehen ebenso fehl am Platze wie seltsam war. Er war sehr groß und türmte über Haruhi auf, wie ein gewaltiges Monument. Seine Haut war schwarz wie Ebenholz und schien vollkommen haarlos, sodass das Sternenlicht sich auf dieser Oberfläche spiegelte, die mehr wie ein Ebenbild der nächtlichen See als einer menschlichen Haut wirkte. Zerzaustes, schwarzes Haar stand von seinem Schädel ab und zwei verschiedenfarbige Augen waren auf Haruhi gerichtet. Diese Augen, eines davon blau und das andere von einem beunruhigenden orange, waren furchteinflößend, wie tiefe höllische Brunnen, doch ebenso faszinierend.

Es war als sähe Haruhi den Sternenhimmel selbst in diesen Augen. In ihrem Inneren wusste sie einfach, dass die meisten Menschen in diesem Moment vor Furcht starr gewesen wären. Gleichzeitig wusste sie aber auch, dass dieser Mann die Antworten auf all die Fragen die sie sich ihr Leben lang gestellt hatte und wahrscheinlich noch so viel mehr.

Haruhi starrte buchstäblich in den Abgrund. Und Nietzsche hatte Recht gehabt. Der Abgrund starrte zurück.
Und er lächelte süffisant.

„Sie sind im Weg, nicht wahr?“
Für einen Moment registrierte Haruhi die Worte nicht, so sehr war sie auf die Stimme konzentriert. Die Stimme war wie die Augen, wie die Leere zwischen den Sternen. Sie schien eine Tiefe in sich zu tragen, die aus allen Emotionen gleichzeitig zusammengesetzt schien und Freude, Trauer, Hass und Wut vibrierten in der dunklen Stimme.

Erst dann realisierte sie, dass ihr eine Frage gestellt wurde. „Ähh was?“ gab sie eine, zugegebenermaßen nicht gerade intelligente Antwort.

Der Mann deutete zum Himmel hinauf. „Die Sterne. Sie verbergen den Blick auf das was dazwischen liegt.“ Er hob dann jedoch einen Finger als ei ihm ein Gedanke gekommen und Haruhi, die sich immer noch nicht von seinen Augen abwenden konnte, hatte keine Zeit zu antworten.

„Aber hast du jemals darüber nachgedacht, dass sie aus einem Grund da sind? Dass die Dinge hinter den Sternen für sterbliche Geister nicht zu begreifen sind?“ Er grinste. „Dass es gar gefährlich für die Menschheit wäre zu viel zu wissen?“

Und wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben war Haruhi Suzumiya tatsächlich sprachlos. „Wer sind Sie?“, flüsterte er.

„Wer ich bin?“, lachte er. „Das ist noch so eine Frage. Wer bist du, Haruhi Suzumiya? Die die immer auf der Suche ist und doch nicht findet was direkt vor ihrer Nase liegt. Die sucht und doch nicht findet…“

Er hielt inne und grinste noch breiter. „Ein netter Titel, glaubst du nicht? Etwas moderner als diese ganzen spooky Hokuspokus Namen, die der Rest trägt. Für den Anfang gar nicht mal schlecht.“
Haruhi wusste mit Sicherheit, dass die Suche, die sie ihr ganzes Leben lang geführt hatte endlich Früchte getragen hatte. Aus irgendeinem Grund fürchtete sie sich nicht. Sie fühlte nur Aufregung und etwas wie Vertrautheit?

Sie entschied sich ihre Verwunderung zu verbergen und auf den Fremden, Nein die Kreatur einzugehen. „Aber ich habe doch etwas gefunden“, antwortete sie. „Und ich möchte dennoch wissen was ich fand“, sagte sie, mit mehr Selbstvertrauen als sie fühlte.

Aber sie schien das richtige getan zu haben, denn der Mann? Die Kreatur? Lachte.

„Hast du das? Aber habe ich nicht dich gefunden? Man könnte sagen unsere Positionen sind nun dieselben, wenn wir von unseren beiden Suchen ausgehen. Denn auch ich bin ein Suchender. Und beide haben wir etwas gefunden, aber ist es was wir gesucht haben?“

Haruhi zuckte mit den Schultern. Inzwischen war sie in der Konversation so gefangen, dass sie beinahe vergessen hatte dass sie mit einem Fremden, möglicherweise nichtmenschlichen und höchstwahrscheinlich gefährlichem Individuum nach Einbruch der Dunkelheit in einem Park war.
„Ich nehme an das kommt darauf an was man sucht.“

„Richtig, richtig. Aber die Frage ist ob das was man findet ist was man suchte oder ob man, obwohl seine Wünsche erfüllt sind eigentlich etwas anderes findet als man suchen würde.“
„Nun das kommt auf das Gefundene an“, entgegnete Haruhi.

Das begann ihr Spaß zu machen. Wegen solcher Konversationen hatte sie die Brigade gegründet, aber die Mitglieder waren da nicht all zu enthusiastisch. Sei es das widerspenstige Maskottchen, der langweilige Vizekommandant oder der stille Bücherwurm, keiner schien irgendeine Art von Enthusiasmus für die Suche nach dem Übernatürlichen zu zeigen. Von Kyon ganz zu schweigen.

Ihr Gegenüber jedoch schien diese Konversation ebenso zu genießen wie sie. Haruhi wählte den Fakt zu ignorieren, dass er offenbar ihre Gedanken lesen konnte und zu viel wusste. Es war besser darüber nicht zu viel nachzudenken.

„Wohl wahr“, sagte der Mann. „Und ich denke wir haben heute beide gefunden was wir gesucht haben, nicht wahr, Haruhi Suzumiya?“
Sie nickte langsam. „Ich bin mir nicht sicher was Sie gefunden haben, aber ich auf jeden Fall“.
„Und was hast du gesucht?“

Sie sah hinauf zu den Sternen, diesmal auf das Licht. „Hoffnung, dass meine Suche nicht vergebens ist.“ Sie drehte sich um und sah dem Mann wieder in die Augen. Aber ich würde immer noch gerne erfahren was ich gefunden habe.“

Der Mann lächelte nun fast unnatürlich breit und seine Augen funkelten bösartig. Er ging allerdings nicht auf ihre Frage ein.  
„Ich weiß auf jeden Fall was ich gefunden habe. Du bist eine chaotische Person, nicht wahr, Haruhi Suzumiya? Eine Person, der Ordnung und das Ordinäre zuwider sind, deren Geist stets zwischen den Sternen schwebt.“

Haruhi zuckte mit den Schultern. „Das ist wohl wahr. Ordinäre Menschen sind so langweilig und so zufrieden mit ihren erbärmlichen, unwichtigen Leben.“
Der Mann stand nun direkt vor ihr und ragte über ihr auf wie ein schwarzer, drohender Turm. „Sie langweilen dich nicht nur“, flüsterte er. „Sie machen dich wütend. Wie sie so zufrieden mit ihren absolut unwichtigen Leben sind, am Besten wäre es doch wenn irgendetwas diese Abscheulichkeiten zerstört und nichts als reiner Wahnsinn bleibt.“

Haruhi trat einen Schritt zurück.
„Was meinen Sie?“. Fragte sie nun doch wieder angsterfüllt.
Er seufzte tief und sein Grinsen verschwand. Stattdessen wurde sein Gesicht von einer Ernsthaftigkeit erfüllt, die noch gefährlicher schien als sein bedrohliches Lachen.

„Chaos,, meine Liebe. Reines und ungefiltertes Chaos.“
Er lachte wieder und drehte die Hand in kleinen Kreisen. „Spiralen in Kreisen in Spiralen, die wiederum in Kreisen liegen. Der absolute Feind der Logik, so wahnsinnige, lebensfeindliche Elemente dass der menschliche Verstand sie nicht einmal begreifen kann ohne in die Schlünde des absoluten Wahnsinns abzugleiten.“

Haruhi wich noch einen weiteren Schritt zurück und versuchte  die Gesichtszüge des Mannes zu erkennen, doch diese schienen zu verfließen und immer neue, teils menschliche Gesichter aber teils abstrakte Konstrukte, die schreckliche Bilder von Blut und Schrecken in Haruhis Geist heraufbeschworen.

Mit einem Keuchen stolperte sie zurück und stützte sich an der Bank ab.
Der Moment ging vorüber, das kalte Lächeln war wieder auf dem Gesicht, als er sie durchdringend ansah. „Ordinäre Menschen sind so furchtbar langweilig, nicht wahr? Deshalb brauchen sie Leute wie uns um etwas Chaos in die Sache zu bringen.“

Haruhi durchlief eine seltsame Mischung von Emotionen, die zusammen etwas neues ergaben, etwas ebenso schreckliches wie aufregendes. Nagende, nackte Angst, ein Urinstinkt der Menschheit vermischte sich mit etwas wie Aufregung. Dazu kam diese seltsame Vertrautheit.

Sie schluckte, zwang sich aber zu antworten. „Was aber wollen Sie dann mit mir?“
Der Mann warf den Kopf in den Nachen und lachte ebenso laut wie schrecklich. Das Lachen schien von den Bäumen um sie herum wiederzuhallen, sich mit leisem Sirenengesang und Klageschreien zu mischen, wobei noch eine Million andere Geräusche erklangen die das menschliche Gehirn nicht einmal als solche erkennen konnte.

Es war ein Lachen, bei dem sich jedes Haar an Haruhis Körper aufstellte.
„Ein einzelner ordinärer Mensch ist langweilig, doch insgesamt ist das Potential der Menschheit für Chaos eines der größten im Universum. Und nun stell dir vor dieses Potential in einem einzigen Gefäß vereint.“

Ein seltsam pulsierendes Schaudern lief durch seinen Körper.
„Was habe ich damit zu tun?“, fragte Haruhi, nicht verstehend oder vielmehr nicht verstehen wollend was die Kreatur ihr zu sagen versuchte. Wie konnte es sein, dass sie, die sie ihr ganzes Leben gesucht hatte selber nicht ganz normal war?

„Zeit bedeutet im kosmischen Maßstab nichts und menschliche Zeitrechnung noch viel weniger als nichts. Aber dennoch kommt es selbst in komischen Maßstäben extrem selten vor, dass wir jemand neuen in unserer kaputten kleinen Familie aufnehmen können.“

Haruhi verstand nun gar nichts mehr und ihr fehlten die Worte, was eigentlich schon ein Wunder an sich war.
Der Mann sprach weiter. „Aber du musst erst sehen, du musst verstehen.“ Er hielt inne und sah Haruhi noch einmal direkt in die Augen. „Denkst du es gibt ein kugelförmiges Rechteck?“

„Natürlich nicht“, antwortete Haruhi noch immer verwundert, aber auch seltsam ruhig, wie sie es seit langer Zeit nicht gewesen war. Die Rastlosigkeit in ihrem Inneren war vergangen.

„In einer ordentlichen Welt bestimmt nicht“, stimmte der Mann ihr zu. „Aber wenn du eines gefunden hast, werden wir uns wieder sehen, Haruhi Suzumiya.“
Der Mann drehte sich um und ging ein paar Schritte in die Finsternis hinein, wobei seine Form zu verschwimmen schien.

„Warte!“, rief Haruhi ihm nach. „Wer bist du?“

Der Mann hielt kurz inne, dann jedoch verschmolz er mit der Nacht. Haruhi sah sich um, doch nirgendwo war auch nur eine Spur des Mannes zu entdecken.
Nur ein unheiliges Flüstern in furchtbaren, uralten Zungen blieb zurück, wie ein übler Geschmack.
Ein Flüstern aus dem ein Wort deutlich herauszuhören war. Nur ein einziges Wort:
Nyarlathotep.

Haruhi bleib stehen und sah noch eine Weile auf die Stelle an der er verschwunden war.
„Chaos, Hmm?“, murmelte sie. Es galt weiter zu suchen.

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Nagato Yuki war ein sehr schlankes, äußerst zierliches Mädchen, mit porzellanweißer Haut und schmutzig, grauem Haar. Sie war keine umwerfende Schönheit, nicht wie Mikuru, die die meisten männlichen Schüler nur als „Granate“ bezeichnen würden oder Haruhi, die eine Art aggressiver Attraktivität ausstrahlte, der nicht einmal ihre zweifelhafte Persönlichkeit im Weg stand. Sie hatte eine gewisse Niedlichkeit an sich, aber da nicht nur ihr Aussehen, sondern auch ihr Benehmen einer Porzellanpuppe ähnelte ging der Großteil davon verloren.

Nicht dass sie es brauchte und auch ihre Emotionslosigkeit war kein Charakterzug.
Nagato Yuki war kein Mensch.

Sie wahr ein Computerprogramm, in eine Hülle aus synthetischem Fleisch gesteckt und die Charakterzüge und Verhaltensweisen eines Menschen imitierend. Die gewaltigen Datenbanken der Integrated Data Entity hatten sie erschaffen um eine Anomalie zu beobachten, eine Anomalie die eine Gefahr für ihre Server darstellen konnten, wie es die Mi-Go oder die älteren Wesen darstellten.

Haruhi Suzumiya könnte sich tatsächlich als noch viel größere Gefahr erweisen, denn ihre Kräfte waren ebenso schwer zu erforschen wie mächtig. Dazu kam die Tatsache, dass es der Entität, die fähig war sogar die Realität wie Programme zu behandeln sie in keinster Weise beeinflussen konnten.
All dies ließ die Server der Entität schreckliche Wahrscheinlichkeiten errechnen, die mit jeder Sekunde der Beobachtung des Subjekts wahrscheinlicher wurden.

In diesem Moment aber spürte, wenn das das richtige Wort war, die Programmkonstellation die als Nagato Yuki bekannt war eine winzig kleine Datenveränderung an der Position Haruhi Suzumiyas, eine Datenveränderung die dazu führte dass sie sofort mehrer Alarmcodes an die Server der Entität schickte, die alle Alarmstufen einer Farbe gleichzusetzen waren, die dem menschlichen Spektrum nicht einmal bekannt war.

Wäre sie fähig zu Emotionen gewesen, dann würde Nagato Yuki in eine schreckliche Panik ausbrechen, die ihren Verstand als Menschen wohl gebrochen hätte. So jedoch lief ein Schauder durch ihren aus komprimierten Daten bestehenden Körper, als mehrere Programme durch allein das Buchstabieren des Namens in Codefragmenten ausfielen. Nagato Yuki musste sich für den Bruchteil einer Sekunde abschalten und neu starten.

Ein Sekundenbruchteil, der der Person neben ihr nicht entging.

Itsuki Koizumi war zwar ein Mensch, aber einer dessen Gehirn auf höheren Ebenen funktionierte als das eines normalen Menschen, was ihm übernatürliche Fähigkeiten gab. Ob man es eine Bürde oder ein Geschenk nennen mochte, die Entität hatte schon oft mit den so genannten Espern zusammengearbeitet um Mi-Go und andere Wesen von der Erde fernzuhalten, mehr oder weniger erfolgreich.

„Nagato-san?“, fragte er besorgt. „Was stimmt nicht?“
Nagato Yuki öffnete die Augen als sich die letzten Codes reparierten.

Ihre Stimme war, als sie sprach, emotionslos wie immer, doch sie war schwächer, da noch nicht alle Programme wieder vollständig geladen waren. „Vor exakt 3 Minuten und 32 Sekunden hat Haruhi Suzumiya Kontakt mit einem äußeren Gott gehabt. Die Entität versucht einen Konsens zu erreichen was nun zu tun ist.“

Koizumi, der nicht den Vorteil von Yukis Emotionslosigkeit hatte verschluckte sich heftig an seiner Tasse Tee und hustete wild. Es dauerte ein paar Minuten bis er sich beruhigt hatte und der Ausdruck von Horror auf seinem Gesicht passte so gar nicht zu dem sonst so gefassten Esper. „Was ist geschehen?“, flüsterte er, seine Stimme schwach und mit Angst durchzogen.

„Bis jetzt noch nichts“, antwortete Yuki. „Das wandernde Chaos scheint unsere Sensoren geblockt haben und sich ein paar Minuten lang mit Haruhi Suzumiya unterhalten zu haben. Als es verschwunden ist konnte ich seine Energiesignatur messen.“

Koizumi ließ die Schultern hängen. „Das wandernde Chaos, hmmm? Weiß sie was es war?“
„Es hat ihr seinen Namen genannt. Das ist der Grund warum mehrere meiner Programme abgestürzt sind.“

Koizumi sog scharf die Luft ein. „Ausgerechnet es. Wenn der König in gelb sie zuerst gefunden hätte, hätte es sie entweder vernichtet oder versklavt. Das wandernde Chaos ist gefährlich und ebenso unberechenbar wie sein Meister.“ Er schauderte. „Wer weiß, was es mit Haruhi vorhat.“

Yuki nickte. „Sollte der äußere Gott Haruhi manipulieren, zu welchem Zweck auch immer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es uns gelingt sie mithilfe von Kyon dazu zu bringen den Schlüssel zu einer höheren Bewusstseinsebene darzustellen um über neunzig Prozent gesunken.“

Sie hielt für einen Moment inne.
„Die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine enorme Bedrohung darstellen könnte hat sich verzehnfacht, je nachdem was der äußere Gott ihr in den Kopf gesetzt hat.“

Ihre braunen Augen bohrten sich in Koizumi und irgendwie schaffte sie es den emotionslosen Blick angsteinflößend wirken zu lassen. „Ohne mehr Informationen kann kein Konsens darüber erreicht werden ob Haruhi Suzumiya eliminiert werden muss.“

Koizumi sah besorgt aus dem Fenster.
„Irgendwie bezweifle ich, dass wir dazu noch in der Lage sind.“
Yuki konnte darauf nichts antworten.

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Noch in derselben Nacht starrte Haruhi angestrengt auf ein Rechteck, welches sie geometrisch perfekt auf ein Stück Papier gezeichnet hatte. Haruhi Kenntnisse in Mathematik waren mehr oder weniger grottig, aber sie hatte sich dennoch durch sämtliche Formeln gekämpft die man auf ein Rechteck anwenden konnte, die sie daneben geschrieben hatte. Die Worte des seltsamen Mannes waren zu verlockend gewesen.

Dennoch frustrierte sie die Aufgabe, die ihr gegeben worden war. Ein kugelförmiges Rechteck? Inwiefern war ein Rechteck wie eine Kugel?

Überhaupt nicht, das war das Problem.

Schon das erste Problem war unüberwindlich. Eine Kugel war ein Körper, ein Rechteck jedoch nicht. Es gab keine Möglichkeit die Kanten eines zweidimensionalen Rechtecks zu der Rundung einer dreidimensionalen Kugel zu machen, durch keine Formel oder kein Gedankenspiel konnte ein Rechteck kugelförmig sein und ein Rechteck bleiben.

Es war unmöglich.
Mit einem frustrierten Aufschrei warf Haruhi ihren Bleistift in die Ecke. Gewiss hatte der seltsame Mann die Sache nicht wörtlich gemeint. Ein Rechteck konnte nicht gleichzeitig eine Kugel sein. Es musste irgendeine seltsame Metapher sein.

Sie hatte alle möglichen Bedeutungen von Rechtecken und kugeln im Internet nachgeschaut und bereits die abstraktesten Theorien entwickelt. Es gab einfach keine Möglichkeit wie das funktionieren konnte.

Frustriert warf sie sich auf ihr Bett.
„So eine unlogische Frage“, seufzte sie.

Als sie die Worte aussprach, sprang sie so hastig auf, dass sie sich den Zeh anstieß und rannte hinüber zum Schreibtisch. Was hatte der Mann noch gesagt? Chaos, der absolute Feind der Logik.
Es gab keinen Weg wie ein Rechteck eine Kugel sein konnte. Das war absolut unlogisch, unbegreiflich und unmöglich. In einer ordentlichen Welt war das nicht möglich.

Haruhi fühlte sich wie in Trance, als sie sich einen Stift nahm und ein Dreieck neben das Rechteck zeichnete.
Keine Logik.
Über das Dreieck malte sie ein Parallelogramm.
Chaos.
Und darüber eine sich um sich selbst windende Spirale. Sie ließ nicht ihren Verstand die Aufgabe übernehmen, sonder sie schloss dabei die Augen, hörte nur auf die innere Stimme, die ihr unaufhörlich zuflüsterte.
Die einzig wahre Antwort.

Als sie die Augen öffnete, da starrte sie. Das Dreieck bestand aus vier stumpfen Winkeln. Sie blinzelte und sah erneut hin. Dort war eindeutig ein Dreieck zu sehen. Sie ergriff ein Geodreieck und maß die Winkel. Sie maß viermal und kam auf eine Winkelsumme von 254°.

Und dennoch war hier ein Dreieck, aber ein Dreieck mit vier Ecken und einer zu hohen Winkelsumme. Absolut unlogisch. Haruhi lachte laut auf als sie sah, dass ihr Parallelogramm nicht parallel war, aber jeder Mathematiker hätte schwören können, dass es eines war. Es war nur nicht parallel.

Die Antwort war so simpel. Winkel, die unmöglich waren, Formen aber auch keine Formen. Im Chaos gab es keine Konstanten, nicht einmal Variablen.

Alles war Chaos und im Chaos gab es nichts als Wahnsinn.
Das war die Antwort.
Die einzige Antwort, auf alles was existierte und auch nicht existierte.

Das war der Grund, warum das Ordinäre langweilig war und gleichzeitig die Lösung. Chaos und Wahnsinn waren es die das Ordinäre in das Außergewöhnliche verwandelten. Im Chaos konnten Geister kreativ werden und nur im Chaos konnten Menschen Dinge erschaffen. Aus Chaos entstand alles und alles kehrte zum Chaos zurück.

Alle sich bewegenden Systeme streben in eine chaotische Richtung.
Ordnung und Harmonie sind Stagnation, eine Verblendung der Geistlosen und derer ohne echte Größe, die nur im Chaos zu finden war.

Die Ecken von Haruhis Zimmer verschwammen vor ihrem Blickfeld. Finsternis begann aus allen Winkeln zu kriechen und fremdartige, wahnsinnige Töne waren zu hören, so schrecklich und furchtbar, dass sie nicht zu beschreiben waren.

Haruhi lächelte leicht, als sie sah, als sie wusste was sie sah.
Sie sah in die Finsternis und blickte in ein einziges, glutflüssiges Auge, von Schatten umrandet, verworren in einer Masse wimmelnden und verfaulendem Fleisches.

Es war schrecklich, schrecklicher als alles was ein Mensch sich vorstellen konnte. Und doch zeigte Haruhi keinen Funken Angst als sie in das Auge des Chaos selbst sah.

Sie lachte.
„Was für wundersame Dinge du zeigst, Nyarlathotep.“

Die Masse schien zu wachsen und die Schatten wurden tiefer als der Name gesprochen wurde. Der Mond vor dem Fenster nahm eine ungesunde grünliche Farbe an und eine Katze auf der Straße starb unter schrecklichen Schmerzen als der Name wie ein unheiliges Flüstern durch die Flure hallte.
Der äußere Gott hob die Hände, die doch nicht Hände waren und er berührte Haruhi, die nicht zurückschreckte als die mitternachtenen Tentakel sie berührten.

„Ich kann dir noch viel mehr zeigen, junge Schwester“, gluckste der äußere Gott. „Das heißt, wenn du bereit bist zu sehen.“

Haruhi nahm einen der Tentakel wie die Hand eines lehrenden älteren Bruders und strich mit dem Daumen zärtlich über die gallertartige Oberfläche.
„Ich bin stets auf der Suche“, sagte sie. „Zu sehen und nicht zu erkennen, zu finden und doch noch weiter zu suchen ist meine Natur. Zeige mir mehr.“

Dunkelheit kam auf und Haruhi folgte ihm in den abscheulichen Friedhof hinter der Welt, nur begleitend vom wahnsinnigen Dröhnen von Trommeln und dem monotonen, leisen Wimmern von Flöten aus den unverständlichen, lichtlosen Kammer jenseits der Zeit.

Es war ein verabscheuungswürdiges Hämmern und winseln, zu dem gesichtslose Schatten langsam tanzten und gigantische, ultimative Götter, die blinden, verstandlosen Gargylen, deren Seele Nyarlahotep war.
Und Haruhi lächelte als sie an der Hand ihres Bruders ging. Sie wusste wer sie war.

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Haruhi als äußerer Gott. Warum nicht? Wie wird ein äußerer Gott geboren? Inwiefern passt sie in die Intrigen zwischen den höheren Wesen. Was tut die Entität jetzt. Alles Fragen ohne Antwort in diesem Oneshot. Aber wer weiß...
   "That is not dead which can eternal lie,
   And with strange æons, even death may die"
Guten Abend, Mephisto
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