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TopSecret - Engelsflügel

GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
OC (Own Character)
24.11.2015
29.08.2016
34
19.977
3
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Dieses Kapitel
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29.08.2016 1.107
 
Kapitel 33 – Jiaying



Ben brachte sie in Bibliothek, zu dieser Tageszeit war es dort still, da kaum einer da war. Sie entdeckte einen Kreis von Sesseln und einen blonden Kopf, den sie sofort als Leon identifizierte, Bens Zwillingsbruder, aber er war nicht allein. Chloé erkannte das Mädchen sofort, sie war also doch kein „Geist“. Als sie sie sah, stand sie auf.



„Hallo, Lù.“



Nein, es war kein Zufall, dass das Mädchen sie mit ihren zweiten Namen angesprochen hatte. Er bedeutete auf chinesisch Reh und war der Spitzname, den Stephanie und Xuen ihr gegeben hatten, da sie selbst Cassy nicht mochte. Sie hatten eine ältere Tochter, die wegen herausragender Fähigkeiten ein Stipendium an einer englischen Sonderschule erhalten hatte, obwohl sie damals erst 12 war.



„Bist du Jiaying?“, ungläubig starrte Chloé sie an und das Lächeln des Mädchens war Antwort genug.



Irgendwie hatte sie also auch eine Schwester bekommen.



„Ja, ich war auch zur Befragung in Washington. Die Polizei dort scheint nichts zu haben, Mac ist sich aber sicher, dass es nichts mit CHERUB zu tun hatte. Seit ich vom Tod meiner Eltern weiß, habe ich ihn angefleht, dich auch zu rekrutieren. Erst war er kritisch, aber irgendwie hast du sein Interesse geweckt. Er stimme zu, dir eine Chance zu geben, aber unter der Bedingung, dass ich mich erst nach deiner Grundausbildung zu erkennen gebe. Als ich damals zwölf war, bin ich hinter eine Mission von CHERUB gekommen. Mac war ziemlich beeindruck, dass ich zwei seiner besten Agenten auf die Schliche gekommen war und als ich auch noch die Mission für sie beendete, indem ich die belastenden Beweise gegen die Drogenbosse lieferte, ließ er mich, obwohl ich ja noch Eltern hatte, den Aufnahmetest machen."

"Stimmt, Schatz, du hast Ben und mich damals ziemlich dumm dastehen lassen. Da hatte ein kleines Mädchen und doch echt den Erfolg weggeschnappt."

"Jedenfalls musste Mac sich was einfallen lassen, er täuschte vor, dies hier wäre eine Sonderschule für Begabte. Alle wurden angewiesen zivile Kleidung zu tragen, alle CHERUB-Logos wurden abgedeckt und meinen Eltern wurde nur das Hauptgebäude gezeigt."

"Und der ganze Aufwand für eine Rekrutin?", sprach Chloé laut ihre Gedanken aus, die Bewunderung stand ihr ins Gesicht geschrieben.

Diesmal war es Ben, der antwortete, "Du weißt doch, dass CHERUB dem MI5 untersteht, und die waren es damals, die Jiayings Wissen über den Drogenring, gegen den mein Bruder und ich ermittelt hatten, für zu gefährlich hielten. Schon allein, um sie vor möglichen Angriffen zu schützen, wurde sie aufgenommen."

"Und außerdem ist sie genial, ich meine, ein echtes Genie. Keine drei Einsätze und sie hatte das schwarze Shirt."

"Jungs, jetzt übertreibt ihr...", aber Leon ließ sich von Jiayings Einwand nicht stoppen.

"Sie steht sogar unter Beobachtung des MI5, sobald sie hier aufhört, wird sie dort anfangen. Und,", er setzte ein verschmitztes Lächeln auf, "sie ist meine Freundin."

"Ok, Leon, Alter, wir habens alle verstanden. Du hast ein Genie an der Angel, herzlichen Glückwunsch."

Chloé musste über Bens sarkastische Bemerkung lachen.

"Schön, ihr Clowns, lasst mich mal kurz mit Lù allein, ok?"

"Oje, Bruderherz, du hast eine neue Konkurrentin wenns um ihre Aufmerksamkeit geht."

"Quatsch, halt die Klappe."

Ihre Stimmen wurden immer leiser, je weiter sie sich entfernten.

"Ein Rat, such dir niemals einen Freund oder eine Freundin mit einem Zwilling, man hat immer das Doppelpack an der Backe.", sie lachte.

"Du wirst also in zwei Jahren zum MI5 gehen?"

"Voraussichtlich. Ich könnte mir ein Leben ohne die Missionen gar nicht mehr vorstellen."

"Ich hoffe, ich werde bald eine erhalten."

"Da bin ich mir sicher, Mac war von die ziemlich begeistert. Die Story mit Noah hat schnell die Runde gemacht und das mit dem Huhn... Wenn du keine hervorragende Agentin wirst, weiß ich auch nicht weiter."

"Erzähl mir von deiner ersten Mission. Also, soweit es erlaubt ist."

"Meine erste Mission? Die war am gefühlt langweiligsten Ort der Welt, Mallorca, Urlaubsparadies. Gerade weil die wenigsten dort irgendwelche gefährlichen Banden vermuten, war es für die Leute, hinter denen ich her war, ein perfekter Ort. Ursprünglich wurde vermutet, es handele sich um ein Drogenkartell, aber das war nur Tarnung, eigentlich ging es um die Sicherheit eines Terroristenanführers aus dem Nahen Osten. Er wurde alle paar Tage woanders versteckt, seine Berater waren über die ganze Insel verstreut. Es gab mehrere abgefangene E-Mails, codiert. Meine Aufgabe war es, bei einem der Berater den sie ausfindig gemacht hatten, im Haus nach dem Code zu suchen, dafür sollte ich mich mit seiner Tochter anfreunden. Wie gesagt, damals glaubte die Polizei noch an ein Drogenkartell und keine internationale Terroristen. Leider habe ich nach einem Monat noch immer keinen Hinweis auf den Code gefunden. Nächtelang brütete ich über den Mails, hab sämtliche Möglichkeiten ausprobiert, bis mir endlich eine Sache aufgefallen ist, die Buchstaben gingen nicht über J hinaus. A stand für 0, B für 1 und so weiter. Es waren Koordinaten und der Anfangsbuchstabe des Namens des Landes, wurde benutzt."

"Und weiter?", sie war ganz gebannt von ihrer Erzählung.

"Nun wusste ich also, was in den Mails stand, aber das Sicherheitsnetz war so dicht, dass wir den Anführer nicht einfach hätten verhaften können, ohne, dass keine 48 Stunden später eine Kurzstreckenrakete auf Mallorca eingeschlagen wäre. Es war nicht ganz einfach, aber mithilfe des MI5 wurden die Mails zurückverfolgt und auf der ganzen Insel gleichzeitig wurden Razzias durchgeführt und keiner der 14 Berater und 49 Sicherheitsleuten war danach noch ein freier Mann."

"Und der Rest der Terrororganisation?"

"Ich weiß nicht. Mein Auftrag hat geendet und damit auch meine Informationen. Der MI5 war zuständig. Ach, ich weiß noch, als meine Eltern mich letztes Jahr anriefen, weil sie mich fragen wollten, ob es für mich in Ordnung wäre, dass sie ein Pflegekind bei sich aufnehmen. Ich muss zugeben, wirklich begeistert war ich nicht, dass die mich irgendwie ersetzen wollten, aber dann dachte ich, hey, wenn man damit jemandem helfen kann... Ich glaube, sie waren sehr glücklich darüber, dass du bei ihnen warst. Oh, bevor ich es vergesse...", sie kramte etwas auf der kleinen Tasche, die sie über die Schulter trug, "Angeblich haben die Polizisten das hier gefunden, eine der wenigen Sachen aus dem Schlafzimmer, die nicht verbrannt sind. Ich nehme an, die wollten sie uns zu Weihnachten schenken oder so."

In der Hand hielt sie eine silberne Kette mit einem kleinen Anhänger in Form eines Flügels. Eines Flügels eines Engels. Jiaying hatte eine identische um den Hals.
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