TopSecret - Engelsflügel

GeschichteAbenteuer / P12
OC (Own Character)
24.11.2015
29.08.2016
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Top Secret – Engelsflügel



Kapitel 1 – Der Brand



Schon von weitem sah sie den Rauch und die Menschenmassen. Das Geheule der Feuerwehrautos war nicht zu überhören, verunsichert stieg sie vom Fahrrad ab und fragte sich, wer der Unglückseelige war, dessen Heim in Flammen stand.

Hier, in dieser Nachbarschaft kannte jeder jeden, deshalb hoffte sie insgeheim, dass es dem alten Mr. Ludwig gehörte. Er war ein Rassist, er selbst bezeichnete sich als Patriot, als einen Helden Amerikas.

Nun wurde sie doch neugierig und lief vorsichtig ein paar Meter weiter, sodass sie um die Ecke sehen konnte, wen es erwischt hatte. Um die Realität zu begreifen, brauchte sie keine Sekunde, denn es war ihr Zuhause, dass lichterloh brannte.



Alles danach war in ihren Erinnerungen verschwommen. Es geschah wie in Zeitlupe. Sie ließ ihr Rad fallen und rannte durch die Straße, sie stieß alle zur Seite, lief durch die Absperrung ins Haus. Mehrere Feuerwehrmänner versuchten sie aufzuhalten, es gab eine Explosion.

Nun saß sie in einem Krankenhausbett, die Beine umklammert, zitternd. Und immer und immer wieder gingen ihr diese Bilder durch den Kopf.

Niemand redete mit ihr, niemand sagte ihr, wie es ihren Eltern ging. Konnten sie überhaupt überlebt haben?

Als die Tür sich öffnete und ein Arzt herein kam, konnte sie sich kaum bewegen, ihren Muskeln gehorchten ihr nur mit Mühe.

„Bist du Cassy Mendel?“

So ein bescheuerter Name.

Sie nickte.

„Deine Pflegeeltern sind Stephanie und Xuen Wang?“

Er musste nicht weiter reden, denn sie wusste, was nun kommen würde.



„Sie sind tot.“

„Ja“, sagte sie nur, „Ja“, dann brach sie in Tränen aus.



Sie wusste nicht ganz, wozu Psychologen eigentlich sind. Normalerweise war ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es ihren Patienten besser ging.  

„Cassy, wie stellst du dir deine echten Eltern vor?“

„Stephanie und Xuen sind meine Eltern!“

„Nein, Cassy, sie waren nur deine Pflegeeltern.“  



Sie hatte nur wenige Stunden schlecht geschlafen, ihr war kalt, da sie noch nichts gegessen hatte und die beiden Menschen, die ihr alles bedeuteten waren gestern plötzlich gestorben. Ihr Geduldsfaden war bis zum Zerreißen gespannt, da dieser Mann nichts Besseres zu tun hatte, als ihr einzureden, Stephanie und Xuen hatten ihr eigentlich kaum etwas bedeutet und nur wegen ihrem tragischen Tod hätte sie plötzlich so starke Gefühle für sie.  



„Sie waren meine Familie.“

„Cassy, du lebtest erst seit einem Jahr bei ihnen.“

Dieser Kerl spielte mit seinem Leben.

„Cassy?“

„Halten Sie den Mund! Halten Sie ihren verfluchten Mund!“

Sie sprang auf, der Stuhl fiel um, sie warf mit einem Arm eine Vase zu Boden, die in tausende Teile zersprang. Sie hob eine der Scherben auf und schleuderte sie gegen das Fenster.

Der Psychologe sah aus, als hätte er einen Geist gesehen und er folgte ihr nicht, als sie hinaus rannte.  



Sie rannte und rannte und rannte, bis sie keuchend stehen blieb. Erst da bemerkte sie, dass ihr Arm blutüberströmt war, die Vase hinterließ ein Rachegeschenk.  

Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, aber sie war trotzdem enttäuscht, als die Polizei sie fand und mitnahm.