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Die Bürde Jesse Pinkman's Sohn zu sein

LeseprobeDrama, Familie / P16
Jesse Pinkman
23.11.2015
29.11.2015
2
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23.11.2015 1.089
 

Es würde Ärger geben... großen Ärger. So viel stand fest.
Nun hieß es, das Beste aus der Situation zu machen.
Doch versuch' das einmal auf einem Polizeirevier?
Am Ärmel meines roten XXL Pullovers der eigentlich viel zu groß für meine eher kleine Schlanke Figur war, stand ein Faden ab an dem ich etwas nervös zupfte. Schon jetzt hatte ich keine Lust mehr auf dieses Albuquerque in das wir diesmal gezogen sind.

Jetzt stellt sich die Frage, wie kam es denn zu dieser misslichen Situation?

Das wäre ganz einfach zu beantworten…


Eigentlich bin ich für ein paar Tage, in denen mein Vater Arbeitet, bei meinem Onkel Badger zu Besuch. Er sieht vieles gelassener als mein alter Herr. Aber als ich ihn fragte ob ich denn feiern gehen dürfte, wurde auch dieser etwas angespannt. Dennoch brauchte ich ihm nur zu versichern vor zwölf Uhr wieder bei ihm zuhause zu sein, nur ein Bier zu trinken, sofern ich einen Erwachsenen fand der mir eines Ausgab und keine Drogen zu nehmen.

Nun lässt sich schon fast eins und eins zusammenzählen, nicht wahr?

Natürlich blieb es nicht bei einem Bier und nach Zwölf Uhr war es dann auch.
Das viel mir aber reichlich zu spät auf und die Polizei musste gerade heute genau in dieser dämlichen Diskothek die ich mir rausgesucht hatte vorbei schauen und eine Kontrolle durchführen.

Mein Plan mich heimlich aus dem Laden zu schleichen wurde durch meine eigenen Klamotten vereitelt. Leicht angetrunken rempelte ich eine junge Frau an, hob die Hände entschuldigend und wollte mich dann wieder zur Ausgangstüre wenden. Viel ich doch über mein Hosenbein und genau vor die Füße zweier Beamter.
Man merke sich also: Übergroße Oberteile ja, übergroße Hosen… nein.

Die beiden viel zu muskulös wirkenden Kerle sahen also von oben auf mich herab als wäre ich eine abartige Attraktion im Zirkus. Einer der beiden packte nach der Kapuze meines Pullis und zog mich daran mit einem Ruck auf die Beine. Ich bedankte mich auch noch dafür und wollte nach draußen huschen. Doch griff der andere meinen Oberarm und zwang mich zum stehen bleiben.  

"Ausweis." forderte er harsch.

Es musste einfach so kommen dachte ich mir noch sarkastisch. Meinen Arm von dem einen Bullen losreißend und ihn grimmig ansehend klopfte ich meine Hose ab und zuckte mit den Schultern.

"Hab ich nich'." und selbst wenn, bekommst du ihn sowieso nicht zu sehen. Als ob ich nicht wüsste dass Minderjährige um diese Uhrzeit die gerade mal ungefähr 1 Uhr sein musste nicht mehr in Diskotheken sein dürfen. Lediglich mein Kopf hatte ein anderes Zeitgefühl. Doch das zählte dann sicher nicht als Ausrede.

Der größere von diesen beiden Kerlen griff in meine hintere Hosentasche und fischte geschickt meinen Geldbeutel heraus. "Yo, Homo!" zischte ich, denn bevor ich auch nur irgend etwas anderes dagegen machen oder tun konnte hielt er auch schon meinen Ausweis in seiner Pranke. Kurz überflogen seine Augen das kleine Plastikkärtchen und er grinste mich schmierig an.

So kam es also dazu, dass mich die beiden zum Polizeirevier fuhren und dort abluden. Sie nahmen mir mein Handy ab und meinen Geldbeutel sah ich bis dahin auch nichtmehr.
Dafür wurden mir viele Zettel mit den unmöglichsten und möglichen Fragen in die Hände gedrückt. Ich starrte nur verzweifelt auf das Papier.
Mein Vater hatte mir eingebläut, sollte es einmal zu so einer Situation kommen, ihn sofort anzurufen. Nicht mit den Polizisten zu reden, keine Fragen beantworten.

"Ich will Telefonieren!" sagte ich dann.
Keinen schien das zu interessieren. Also wiederholte ich meine Forderung etwas energischer.
Man deutete mir zu einem Telefon an der Wand und mahnte mich nur einen Anruf zu haben.
Ich schluckte etwas nervös und biss mir auf die Unterlippe. Langsam schlurfend strebte ich das Telefon an und hob dann den Hörer von der Wandhalterung an mein Ohr. Dieses prähistorische Teil hatte sogar noch eine Wählscheibe.
Nicht lange musste ich überlegen welche Nummer, Zahl für Zahl, mein Zeigefinger an der Scheibe drehte.
Erstaunlich schnell hatte ich eine Durchwahl und Betroffener hob ab.

"Onkel Badger? Ich hab' Mist gebaut…"

Erleichtert klang die Stimme am anderen Ende. Er war froh endlich von mir zu hören.

"Erzähl das nicht Dad, okay? Er würde ausrasten… Kannst du mich bitte vom Polizeirevier abholen?"

Kurze Zeit war Stille. Ich hatte schon Sorge er hätte aufgelegt. Dann aber mit leisem seufzen bestätigte er mir so schnell wie möglich da zu sein.
Sehr gut, nun musste ich ihn nur irgendwie davon überzeugen dass es eine sehr dumme Idee wäre meinem Vater das jemals herausfinden zu lassen.

Da war nun diese Situation in welcher der dünne rote Faden aus meinem Pulloverärmel von mir mit den Fingern malträtiert wurde. Schlussendlich riss ich ihn ab und ließ ihn zu Boden segeln. Mindestens 20 Minuten vergingen in denen sich niemand um mich scherte ich aber genötigt wurde nur still dazusitzen und zu warten. Auf einem Stuhl der so unbequem aussah wie er sich auch anfühlte. Und jedes mal wenn die Türe vom Eingang des Reviers aufschwang war ich in heller Erwartung dass es mein Onkel war. Die Zeit verging so unsagbar quälend langsam. Die Blicke der Polizisten die dort arbeiteten verrieten mir dass ich ihnen sehr lästig zu sein schien. Dabei saß ich nur da.

An einer der mit Informationen und Anzeigen gespickten Wände dort, hing ein Bild das meine Aufmerksamkeit besonders erregte. Es sah gezeichnet aus auf einem linierten Blatt. Darauf wurde mit schwarzem Filzstift der Kopf eines Mannes mit Sonnenbrille, Hut und Bart skizziert, reduziert, dargestellt. Fast hypnotisch wirkte es auf mich, und ich wollte meinen Blick nichtmehr davon abwenden. Die Geräusche um mich herum versumpften zu einem leisen Mischmasch aus Tönen die keinen Sinn mehr ergaben.
Vielleicht lag es noch am Restalkohol in meinem Blut doch fühlte es sich wie in Trance an.

Eine warme Hand legte sich auf meine Schulter.
Erschrocken und aus meinen Gedanken gerissen starrte ich den Besitzer jener an.
Erleichtert atmete ich aus und lächelte dünn als ich Onkel Badger wiedererkannte.
Er war ein hochgewachsener Mann von mindestens zwei Metern und trug oft eine Mütze unter der er seine strubbligen Haare verbarg.
Doch lag in seinem Blick etwas trauriges, fast schon entschuldigendes. Er machte einen Schritt zur Seite und enthüllte damit die Sicht auf das, was ich in diesem Augenblick am wenigsten gebrauchen konnte.

Dort stand mein Vater. Jesse B. Pinkman.
Und der Ausdruck in seinem Gesicht als er seinen Sohn dort sitzen sah verriet nichts gutes.
Es würde Ärger geben... großen Ärger. So viel stand fest.
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