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I still feel for you - Minho und Cassy (2)

GeschichteAbenteuer, Angst / P16
Aris Jones Minho Newt Thomas
22.11.2015
09.01.2016
48
134.759
35
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Dieses Kapitel
26 Reviews
 
 
22.11.2015 2.476
 
So. Nun aber das richtige Kapi :)
Ahhh, ich bin sooo aufgeregt :D Als hätte sich seit gestern Abend ALLES verändert :D Verrückt.
Es ist mal wieder, wie befürchtet, ein Kapi und kein Prolog geworden. Egal.

Danke für die letzten Revis, ich habe mich sehr gefreut! Auch wenn sie quasi "nur" zum letzten Kapi waren, waren sie doch ausführlich und nett und... ach wie immer sehr erfrischend :)
Ich hoffe ihr habt so, bzw. Dank der Danksagung (haha) den zweite Teil hier gefunden! Was ihr natürlich habt, sonst würdet ihr dieses Intro gerade nicht lesen :D Ach herrje... Da war sie Blondine in mir :D

Übrigens ist mir aufgefallen, dass das Wort "Brandwüste" einem echt warme Gefühle beschert, wenn es draußen schneit :D So oft habe ich heute dieses Wort gelesen... Oder auch nur gedacht, ich weiß es nicht mehr ganz genau :D

Genug geredet. Teufelchen3000 hat bereits kommentier: Sehr löblich :P Vielen Dank :)
Viel Spaß - Trommelwirbel - bei dem epischen, spannungsgeladenen, voller Romantik gezierten, lang ersehnten... zweiten Teil von Minho und Cassy!!!!!!!! :D :D :D

Ich liebe euch alle, Küsschen und Drücker,
CasseyCass *-*

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Der Unwissende hat Mut. Der Wissende hat Angst. (Alberto Moravia)


Die Schwärze umfing mich wie einen dunklen Mantel. Ich sah nichts. Kein noch so kleines Licht, nicht einmal meine Fingerspitzen.
Diese ertasteten etwas Weiches, auf dem ich aufgekommen war. Augenscheinlich fand man es ganz witzig mich erst mehrere Meter in schwarze Tiefe stürzen zu lassen und dann auf einem Samtkissen zu betten.
Eigentlich wollte ich aufstehen und erkunden wo ich gelandet war, aber da es stockdunkel war und ich mich am Ende eher verletzte, nur weil ich meine Ungeduld nicht hatte zügeln können, blieb ich sitzen. Zog die Knie an und bettete den Kopf darauf.
Ich lebte noch. Das war grundsätzlich erst einmal gut. Aber wo waren die anderen? Wo war meine Familie?
Ich fragte mich, ob Thomas ihnen schon die Briefe gegeben hatte. Ob Minho meinen Stein trug. Und bitte, Schicksal!, pass auf Wau auf!
Oh... Hoffentlich ging es ihnen gut. Ich sorgte mich schrecklich.
Mit einem Mal ertönte ein Rumpeln und Rattern und dutzende Lichter sprangen an.
Ich kniff die Augen zusammen und hielt automatisch schützend die Hände über den Kopf. Nach und nach gewöhnten meine Augen sich an das gleißende Licht und ich versuchte blinzelnd mich zurecht zu finden. Ich saß tatsächlich auf einer Art Matratze. Über mir ragte der Schlund auf, der mich hier ausgespuckt hatte. Verrückt. Ich hatte immer gedacht die Lichtung sei ebenerdig gewesen.
Ich rutschte von der dicken Matratze und schüttelte meine schmerzenden Glieder aus. Würde ich einmal liegen und schlafen... Ich würde mich danach kaum mehr bewegen können. Die Wunde an meinem Arm brannte, blutete jedoch nicht mehr. Immerhin.
Die dicken Strahler flankierten einen Tunnel. Irgendetwas sagte mir, dass es einem Straßentunnel ähnlich sah, auch wenn meine Erinnerungen an Straßen und deren Tunnel eher weniger präsent waren. Kondenswasser sammelte sich an den Wänden und tropfte zu kleinen Pfützen am Boden zusammen.
Leicht humpelnd ging ich den Gang entlang. Was hätte ich auch sonst tun sollen? Schmollend auf der Matratze hocken bleiben? Eher weniger mein Stil.
Und der Gang war nicht einmal sonderlich lang. Um die nächste Biegung herum war bereits eine Tür zu sehen. Gläsern, getönt und mit dicken schwarzen Buchstaben darauf:

A.N.G.S.T – Abteilung Nachepidemische Grundlagenforschung, Sonderexperimente Todeszone.

Moment, Experimente? Vielleicht wäre die Matratze doch eine bessere Alternative gewesen.
"Minho, Newt, bitte holt mich hier heraus", murmelte ich und versuchte meine Angst unter Kontrolle zu bringen.
Hinter der Tür waren Schemen zu sehen. Nein. Nur ein Schemen, der immerzu von links nach rechts huschte. Er war groß – andererseits war dies für mich kein gutes Kriterium. Faktisch alles und jeder war größer als ich. Ich hatte zwar keine Ahnung ob dieser jemand hinter Tür gut oder Böse war, aber es schien ein Mensch zu sein. Und nach den Griewern und Smilies hatte ich ein ziemliches Bedürfnis nach menschlicher Gesellschaft.
Zuerst wollte ich klopfen. Meine Hand schwebte zur Faust geballt vor dem Glas. Dann überlegte ich es mir anders. Ich war nicht zur Höflichkeit erzogen worden. Ich war Realistin. Und da ich mich geradezu allein aus dem Labyrinth befreit hatte, schien mein Können etwas über dem demütigen Anklopfen zu liegen. Eine kleine Stimme in meinem Innern flüsterte mir zwar zu, dass ich mich nicht vollends allein befreit hatte, aber ich kämpfte sie nieder. Wenn ich eines nicht gebrauchen konnte, dann war es Unsicherheit.
Meine Hand schloss sich um den Türgriff und drückte ihn ohne mein Zutun einfach nach innen hin auf.
Der Raum maß vielleicht drei mal drei Meter. Er war geradezu winzig und erinnerte mich an den Raum, in den mich Luke gesperrt hatte. Nur das dieser hier weiß und sauber war. Und das ich nicht allein war.
Bei meinem Eintreten hatte die Gestalt sich zu mir umgedreht und starrte mich, mit einer Hand am Kinn aus eiskalten Augen an. Nein, sie sah mich nicht an. Sie starrte und musterte mich. Es war eine Frau mit blonden, straff zurückgebundenen Haaren. Ein enges, weißes Kittel umschlang ihren dürren Körper. Schmallippig glitten ihre Augen über mich. Dann nahm sie die Hand vom Kinn, nickte zufrieden und deutete auf einen Stuhl. "Setzt dich."
"Nein, danke."
"Das war keine Bitte. Das war ein Befehl."
"Ich mag Befehle nicht."
Sie lachte leise. "Nein. Tust du nicht. Cassandra. Oder soll ich dich lieber Blume nennen? Doch eher Cassy?"
Ich verzog keine Miene. "Sie gehören zu den Schöpfern."
"Ohja. Ich bin, wenn du so willst, die Schöpferin der Schöpfer. Bei mir laufen die Fäden zusammen." Erneut deutete sie auf den Stuhl. "Setz dich."
Diesmal tat ich wie geheißen.
"Mein Name lautete Ava Paige. Ich bin die Direktorin der Abteilung für nachepidemische Grundlagenforschung. Eine Sonderabteilung des Weltkatastrophenschutzes."
Ich zog eine Augenbraue hoch und applaudierte langsam. "Herzlichen Glückwunsch." Ich schlug die Beine übereinander und beugte mich nach vorn. "Was interessiert es mich?"
Paige lächelte überheblich. "Eine Menge. Denn du bist mein Eigentum. Dank... Thomas."
Meine Wangenmuskeln mahlten. "Was hat mein Bruder damit zu tun?"
"Nun, im Grunde, hat er dich verraten. Deine Mutter hat uns angefleht dich zu verschonen, aber du wurdest zu interessant. Und Thomas, der treue Kerl, hat dich uns überschrieben, sobald er das Forschungsalter einer Schöpfer-Variable von 14 Jahren erreicht hatte. Nett, nicht?"
Schöpfer-Variable. Ja. Das kannte ich. "In Ordnung, dann hat er mich eben verraten. Er würde es nicht erneut tun."
"Oh nein, würde er nicht", stimmte Paige mir zu. "Diesmal bist du an der Reihe." Sie verschränkte die Arme vor der Brust und schritt vor mir auf und ab. Ihre Schuhe machten nervtötende Geräusche auf dem gefliesten Boden. "Meine Abteilung existiert nur, weil ein paar Leuten in der Regierung ein Fehler unterlaufen ist. Ein Virus wurde freigesetzt. Wir nennen ihn Den Brand. Erinnerst du dich an all die gestochenen Lichter bei euch? Dabei handelte es sich um eine abgeschwächte Form des Virus'. Es raubt den Betroffenen den Verstand, bis sie nur noch... unmenschliche Raubtiere sind. Und dieses Virus droht die gesamte Menschheit zu dezimieren, weshalb wir ein Heilmittel finden müssen."
"Warum fiel die Wahl auf uns?", fragte ich mit gerunzelter Stirn. Zumindest nahm ich an, dass wir irgendetwas damit zu tun hatten.
"Weil ihr, liebste Cassandra, zu 70% immun seid." Ava lächelte erneut. "Und niemand weiß warum. Wir haben alles erforscht. Ob eure Eltern bereits infiziert waren, bevor sie euch zeugten. Oder ob eure Mutter erst während der Schwangerschaft infiziert wurde. Wir erforschten, wo ihr geboren wurdet, welche Berufe eure Eltern hatten, ob ihr irgendwelche Genmutationen oder chronische Krankheiten in euch tragt. Alles. Meist gab es eine 99-prozentige Übereinstimmung und dann.. fiel einer aus der Reihe. Irgendwann gingen uns die Ideen aus und wir begannen tiefer zu forschen. Eure Gehirne gaben und plötzlich mehr Aufschluss. Ein Enzym arbeitet anders. Und wir wollen, dass dieses Enzym vererbbar ist."
"Das ist es bisher nicht?"
"Nein. Bisher müssen wir es aus eurem Blut herausfiltern und den Infizierten pur spritzen. Allerdings nimmt die Wirkung mit jeder Anwendung ab. Ein Beispiel? Sollte ein Infizierter 50 Jahre alt werden und er wurde mit 20 infiziert verbräuchte er bis zu seinem Tod circa 10 Immune. Und trotzdem wäre er nicht geheilt. Er würde nur eben mit 50 den Verstand verlieren."
"Wie wollen sie ein Enzym vererbbar machen?"
"Das wissen wir noch nicht. Weshalb wir euch noch immer testen. Die erste Phase ist abgeschlossen. Die Zweite steht kurz bevor."
"Ich bin kein Objekt, was man testen und am Ende verschachern kann", flüsterte ich wuterfüllt.
"Oh, liebste Cassandra, und wie du das bist!" Ava stützte sich auf die Armlehnen meines Stuhls und zwang mich damit zurückzuweichen. "Erinnere dich an den lieben Ben. Oder an Alby... Stell dir vor, einer aus deiner Familie würde Den Brand haben. Würdest du nicht helfen wollen?"
Wie zur Unterstreichung ihrer Worte sprang hinter Ava ein Bildschirm – den ich bis dahin kaum wahrgenommen hatte – an und zeigte meine Familie. Thomas, Minho, Newt, Teresa, Chuck, Gally... alle saßen sie verdreckt, erschöpft, aber lebend in einem Helikopter, der sich in das dunkler werdende Sonnenlicht des frühen Abends schraubte.
"Sieh sie dir an, Cassandra", flüsterte Ava. "Sehen sie nicht höchst lebendig aus? Aber Minho... Er und sein Temperament, wer weiß, vielleicht ist es das Virus? Oder doch eher Newt und seine Depressionen? Man weiß nie. Vielleicht ist es doch eher Chuck? Er quasselt so viel, wahrscheinlich kann er sein Sprachzentrum im Kopf nicht mehr steuern..."
"Was wollen Sie?", fragte ich mit zitternder Stimme. Eine Gänsehaut, kalt und klamm, zog sich über meinen Rücken.
"Ich will Informationen. Und zwar hat dein Bruder einen kleinen Fehler gemacht, bevor wir ihn ins Labyrinth stecken mussten. Er hat A.N.G.S.T, wie dich zuvor, verraten. Unsere Einrichtungen werden überfallen, Immune entführt, wichtige Datenbanken zerstört. Ich will, dass du herausfindest, wer es ist. Ich will, dass du mir sagst wo derjenige sich aufhält, was seine weiteren Pläne sind und wie ich ihn zerstören kann." Ihre Stimme wurde hasserfüllt, sie zischte wie eine Schlange.
"Was bekomme ich als Gegenleistung?", fragte ich emotionslos.
Sofort erlosch der Hass in Avas Augen und sie grinste vor Vorfreude. "Du bist so durchschaubar! Ich ahnte bereits, dass du dein eigenes Leben nicht als wertvoll genug erachtest, als dass es dich zu helfen anregen würde. Deine einsame Flucht aus dem Labyrinth hat es nur bestätigt. Also biete ich dir diesen hier an..." Sie hob die rechte Hand. Zwischen Daumen und Zeigefinger glänzte ein Chip, nicht größer als mein kleiner Fingernagel. "Ich war nicht ganz ehrlich. Es gibt zwar kein Heilmittel, aber hast du dich nicht gefragt, wie ein Infizierter allein drei Jahre lang, auf der Lichtung leben konnte, ohne dass er verrückt wird?"
Mein Herz begann ungewöhnlich schnell zu schlagen. Diese hinterhältige Schlange hatte aber auch alles durchdacht.
"Der momentane Chip im Kopf des Infizierten läuft in vier Monaten aus. Er löst sich auf und die Viren werden das Gehirn förmlich in die Luft jagen. Aber du, liebste Cassandra, kannst es verhindern. Dieser Chip hier", ihre Augen huschten zu ihren Finger, "würde Den Brand für 60 Jahre aufhalten. Ihr seid alle fast 20, das wären 80 Jahre sehr erfülltes Leben, meinst du nicht auch?"
"Warum duplizieren sie den Chip nicht einfach?", fragte ich.
"Nun, das würden wir gerne, aber die Zutaten für dieses wunderbare Mahl sind leider erschöpft. Wir konnten genau 100 Stück anfertigen. Wir haben sie verteilt. An Regierungsmitglieder, an reiche Barone, an Forscher und, und, und. Natürlich, von den kleineren Chips, die vielleicht 15 oder 10 Jahre andauern gibt es mehr, aber auch sie kosten ein halbes Vermögen."
"Wie viele sind noch übrig?", fragte ich tonlos. Ich ahnte Schreckliches.
"Was denkst du wohl?" Endlich rückte Ava von mir ab und schnipste einmal. Das Bild auf dem Monitor flackerte und ein Raum wurde eingeblendet, wo circa 100 Jungen und Mädchen saßen. "Ihr wart nicht das einzige Labyrinth, Cassandra. Und da ich dich ungern einfach nur bespitzeln lassen will, unterziehe ich dich sogleich einer Variable. Es gab drei weitere Labyrinthe. Zwei mit Mädchen eines mit Jungs. Und aus jedem Labyrinth ist jemand, wie du, allein geflohen und allen habe ich das Gleiche erzählt."
"Sie wollen uns um den Chip kämpfen lassen", nickte ich. Verdammt.
"Ganz genau!", rief Paige erfreut aus. "Dies ist der letzte Chip, der einen Infizierten für segenreiche 60 Jahre vom Brand erlösen kann." Sie steckte ihn in eine kleine Plastiktüte und diese in eine Tasche in ihrem Kittel. "Dieser Raum hat zwei Türen, Cassandra", sagte sie. Ihre Stimme war so neutral und kalt wie am Anfang des Gesprächs. "Beide führen dich zu deinen Freunden. Wähle die Rechte und ich weiß, du wirst kooperieren. Wähle die Linke und ich werde euch zerstören. Dich hebe ich mir bis zum Schluss auf." Ava Paige drückte den Monitor aus und sah mich noch ein letztes Mal aus kalten, abschätzigen Augen an. "Noch Fragen? Nein? Dann lasse ich dich nun mit deiner Entscheidung allein. Ich hoffe, du entscheidest dich richtig."
Ava verließ den Raum durch die rechte Tür. Natürlich. Im Türrahmen drehte sie sich noch einmal um. "Ach, Cassandra? Vergiss niemals: A.N.G.S.T ist gut." Damit ging sie endgültig.
Kaum war sie draußen, schnappte ich nach Luft, als sei ich tagelang unter Wasser gewesen. Meine Finger gruben sich in meine Haare und all die Anspannung, die mich so diszipliniert hatte, verwandelte sich in eine rasende Feuerbrunst der Verzweiflung.
Tränen liefen mir über die Wangen und ich versuchte ihnen wütend Einhalt zu gebieten.
Irgendjemand in meiner Familie war zum Tode verurteilt. Aber ich konnte ihn retten, wenn ich mitspielte. Doch was wäre, wenn derjenige nicht gerettet werden wollte? Wenn ich zu spät war und der Brand sich holte, was ihm zustand, trotz meinen Bemühungen? Newt, MInho, Thomas... selbst Gally! Niemand würde es mir verübeln, wenn ich mich wehren würde.
Und dort lag das Problem. Egal ob es Gally, Thomas, Minho oder Newt war. Ihr Tod würde mich psychisch zerstören. Ich konnte nicht ohne sie leben.
Ava wusste das. Sie wusste, ich würde nur zu 40% aus Mitleid und Liebe mitspielen. Die anderen 60% waren reiner Selbstzweck. Es ging mir mal wieder nur um mich.
Ich sah nach rechts. Und dann nach links. Sah vor meinem inneren Auge den kleinen Chip tanzen.
Konnte ich das?
Konnte ich meine Familie verraten, um sie zu retten?
Konnte ich das?
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