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Die Folgen der Schwelle

von Phine
GeschichteDrama, Familie / P12 / Gen
Der Doktor Harry Kim Kathryn Janeway OC (Own Character) Tom Paris
20.11.2015
23.02.2021
16
29.059
7
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23.02.2021 1.350
 
Diesmal ist das Kapitel etwas kürzer geraten.


„Wer ist Captain Proton?“, fragte Jaro verwundert. Heute fand das dritte Mittagessen von Nylos, Emina, Jaro und ihren frischgebackenen Eltern statt. Zu Anfang herrschte, wie bei den beiden Treffen zuvor, größtenteils betretendes Schweigen. Allerdings begann Tom dann, nach einem Gesprächsthema ringend, über das Holodeck und besonders Captain Proton zu sprechen.
„Er ist der Beschützer des Universums! Kämpfer gegen das intergalaktische Übel!“ Die Augen des Piloten begannen vor lauter Begeisterung zu strahlen, als er Jaros Interesse erkannte. Janeway hingegen unterdrückte nur mit Mühe ein genervtes Stöhnen. Denn das schwarz-weiß projizierte Holoprogramm, war nicht gerade etwas, woran sie mit Freude zurückdachte. Besonders dieser egozentrische und schmierige Chaotica war ihr einfach zu anstrengend gewesen.
*Nie im Leben werde ich noch einmal diesen Fummel anziehen!*, dachte sich Kathryn, als ihr wieder das extravagante Kostüm in den Sinn kam.
„Und dann gibt es noch Arachnia. Königin des Spinnenvolkes. Sie stammt von… “ Janeway warf Paris ihren berühmt berüchtigten Blick zu. Sofort stoppte er mit seiner Erzählung. Nylos musste sich ein Grinsen verkneifen. Er wusste nicht welches Problem Kathryn mit dieser Arachnia hatte. Aber es war für den jungen Mann äußerst amüsant zu sehen, wie der Captain ihren Piloten mit nur einem Blick zum Schweigen bringen konnte.

„Genauso sieht Emina aus, wenn sie sauer ist“, platzte es aus Jaro heraus. Verblüfft von dieser Aussage, sah Paris abwechselnd zu dem Mädchen und zu seiner Vorgesetzten. Als der Pilot erkannte, dass Jaro recht hatte, fing er an zu lachen.
„Tom!“, sagte Janeway ernst.
„Verzeihung Ma´am“, räusperte er sich und wandte sich wieder seinem Essen zu.
„Ist das wahr, Mister Nylos?“, fragte Kathryn und verzog dabei keine Miene. Auch wenn Eminas zickiger Blick noch lange nicht so einschüchternd wirkte, wie der des Captains, konnte er nicht leugnen, dass sich Mutter und Tochter unglaublich ähnlich sahen. Der einzige wirkliche Unterschied bestand in den hellbraunen Streifen auf Eminas Stirn. Ein Merkmal, dass alle drei ehemaligen Amphibien nach der Transformation beibehalten hatten.
„Ich ähm… also eine gewisse Ähnlichkeit ist schon zu erkennen, Captain.“ Janeway sah zu Emina. Ihr gekonnt ernster Gesichtsausdruck verschwand und sie begann leise zu lachen. Kathryn beugte sich zu dem Mädchen hinüber.
„Eine besondere Fähigkeit. Behalte diesen Blick unbedingt bei!“, flüsterte sie ihr zu, woraufhin die Kleinste lächelnd nickte.
„Doktor an Mister Nylos!“, ertönte die Stimme des MHNs.
„Sprechen Sie!“
„Ich sollte Sie informieren, wenn Tira dabei ist aufzuwachen. Ich denke, es ist so weit!“ Völlig überrascht von dieser Neuigkeit, erhob sich Nylos ruckartig vom Stuhl.
„Ich bin auf dem Weg!“
„Ich komme mit!“, verlangte Jaro. Doch sein Ziehvater lehnte ab.
„Das geht leider nicht. Tira wird noch zu sehr geschwächt sein.“ Missmutig verschränkte der Junge seine Arme und sackte tief in seinen Sessel.


Auf der Krankenstation angekommen eilte Nylos sofort, den Schiffsarzt ignorierend, zu dem Biobett der jungen Frau. Behutsam strich er über ihre Wange. Tiras Haut war immer noch etwas kalt und blass.
„Hey meine Große“, flüsterte er ihr zu. Sie öffnete blinzelnd die Augen.
„Nio“, hauchte die Patientin verschlafen.
„Ich bin hier!“, entgegnete ihr Ziehvater. Tiras Blick wurde zunehmend klarer und sie erkannte, dass dies hier nicht Ossats Schiff war.
„Wo sind wir?“
„In Sicherheit“, antwortete Nylos mit ruhiger Stimme.
„Mini und Jaro?“ Der junge Mann lächelte. Irgendwie verwunderte es ihn nicht, dass ihr erster Gedanke ihren Geschwistern galt.
„Den beiden geht es gut.“ Momentan befanden sich die Kinder, unter Neelix Aufsicht, in ihrem Quartier. Das Vertrauen zu ihren Eltern war bisher einfach noch zu gering, um sie allein mit ihnen zu lassen. Daher beschlossen die Erwachsenen gemeinsam, dass es das Beste wäre, wenn Neelix so lange auf die beiden aufpassen würde.
„Das muss ein Traum sein.“ Tira schloss wieder ihre Augen und weigerte sich diese erneut zu öffnen.
„Das ist kein Traum. Erinnerst du dich an unsere Flucht?“ Vor ihrem inneren Auge blitzten vereinzelt Bilder auf. Sie sah austretende Gase, Trümmer, Nylos, Ossat und eine Waffe, die sie in der Hand hielt.
„Ein wenig. Ich kann mich an kaum noch etwas erinnern“, log die junge Frau. Sie hielt ihre Augen weiterhin geschlossen. Tira konnte sich an alles erinnern, was geschehen war und auch an das, was sie diesem Widerling antun wollte. Sie erinnerte sich wieviel Wut, Verzweiflung und Hass, der sich in den letzten Jahren angesammelt hatte, begann sich auf einen einzigen Punkt zu konzentrieren: Dem Auslöseknopf der Waffe. Die Verlockung war in diesem Moment so unfassbar groß gewesen. Sie hätte nur auf sein Herz zielen und einen Schuss abgeben müssen und alles hätte endlich ein Ende gehabt. Tira schämte sich für diesen Gedanken. Nur zögernd öffnete sie ihre Augen und sah zu Nylos. Die junge Frau erkannte etwas in seinem Gesicht, das sie nicht beschreiben konnte. Er wirkte so verändert, irgendwie so voller… Hoffnung!
„Wir sind Ossat tatsächlich los?!“, hauchte sie mit zitternder Stimme. Tira wagte kaum diese Frage zu stellen, aus Angst, dass dies hier ein Traum sein könnte. Ihr Ziehvater umschloss mit seinen Händen ihr Gesicht und lächelte.
„Ja!“ Mit diesem einem Wort brach der Damm der Tiras Gefühle zurückgehalten hatte. Unaufhörlich begannen Tränen auf das Biobett zu prasseln. Frei, endlich frei!
„Danke, Nio. Ich danke dir so sehr!“, schluchzte Tira und zog ihn in eine Umarmung zu sich herunter.

Langsam näherte sich das MHN den beiden Neuankömmlingen. Er hatte sich bewusst zurückgehalten und aus der Ferne ihre Vitalzeichen überwacht. Nun musste er allerdings näher ran, um ihren Gesundheitszustand exakt bestimmen zu können. Tira bemerkte den Fremden und trennte sich augenblicklich von Nylos. Rasch wischte sie ihre Tränen aus dem Gesicht und versuchte sich aufzurichten.
*Verdammt!*, fluchte die junge Frau in sich hinein, als sie wieder in sich zusammensackte. Ihr fehlte momentan noch die Kraft dazu.
„Wer ist dieser Mann?“ Panik schwang in ihrer Stimme.
„Er ist der Schiffsarzt der Voyager. Keine Sorge, man kann ihm vertrauen.“ Misstrauisch beäugte sie den uniformierten Mann. Vertrauen… das sagte sich so leicht!
„Guten Tag, junge Dame. Ich bin das medizinische Notfallhologramm. Wenn Sie gestatten, würde ich Sie untersuchen.“
„Hologramm?“ Tira sah verwirrt zu ihrem Ziehvater.
„Die Technologie der Menschen ist weitaus fortschrittlicher als unsere. Es ist ihnen möglich Personen aus Licht und Energie zu erschaffen.“ Sie wechselte skeptische Blicke zwischen dem MHN und Nylos.
„Du verlangst von mir, dass ich mich von diesem Lichtdings untersuchen lassen soll?“ Tira hasste Ärzte. Noch dazu war dieses Etwas noch nicht einmal eine Person, sondern… Licht?
„Ich bin nicht irgendein Lichtdings!“, betonte das Hologramm empört.
„Ich bin eine immer weiterwachsende Datenbank bestehend aus…“
„Danke, Doktor!“, unterbrach Nylos ihn und fixierte anschließend den Blick seiner Ziehtochter.
„Müssen wir das jetzt wirklich ausdiskutieren?“
„Na schön…“ Widerwillig ließ Tira den Scan über sich ergehen. Allerdings machten diese fremden medizinischen Geräte sie nervös. Auch wenn sie lange nicht so furchteinflößend aussahen, wie Ossats chirurgische Instrumente.
„Fuchteln Sie nicht so mit diesem Ding vor meiner Nase!“, zischte Tira. Das Hologramm ignorierte seine zickige Patientin und fuhr mit seiner Untersuchung fort. Es dauerte nicht lange, bis ihm die Ergebnisse vorlagen.
„Ihre Vitalwerte haben sich gut stabilisiert. Allerdings empfehle ich Ihnen, noch für vier Tage hierzubleiben, da sich Ihr Zustand bei zu viel Stress und Anstrengung verschlechtern könnte.“, sagte der Schiffsarzt an die junge Frau gewandt.
„Vier Tage? Vergessen Sie’s!“ Tira versuchte nun erneut sich zu erheben. Sie stützte sich mit ihren Ellenbogen ab und konnte so ihren Oberkörper etwas aufrichten. Nylos seufzte leise und rollte mit den Augen. Er hatte bereits mit diesem widerspenstigen Verhalten gerechnet.
„Ich werde es überprüfen“, meinte der junge Mann und nahm einen medizinischen Tricorder in die Hand, um einen erneuten Scan durchzuführen.
„Stellen Sie etwa meine Kompetenz in Frage?“ Erneut war Empörung aus der Stimme des MHNs herauszuhören.
„Ich bin auch Arzt, schon vergessen? Ich kenne die drei besser als jeder andere hier und möchte nur auf Nummer sicher gehen!“ *Sie haben sich auch was Tiras Koma angeht geirrt. Vier Tage… von wegen, es waren neun!* Am Ende kam Nylos allerdings zu demselben Entschluss.
„Ich bleibe auf gar keinen Fall noch länger hier!“, protestierte Tira.
„Danke Doktor. Wir werden sicherlich Ihren Rat befolgen!“, meinte Nylos beschwichtigend und sah daraufhin eindringlich zu seiner Ziehtochter. Kopfschüttelnd kehrte das Hologramm in sein Büro zurück.
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