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Brot und Spiele

von ProjektX
GeschichteHumor, Fantasy / P12 / Gen
Frederick Colon Karotte Eisengießersohn Lady Sybill Deirdre Olgiwanna Käsedick Lord Havelock Vetinari Nobby Nobbs Sir Samuel Mumm
19.11.2015
31.08.2017
30
63.490
12
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Dieses Kapitel
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19.11.2015 1.030
 
Hallo ihr Lieben,

noch ist das Wetter herbstlich und wir beginnen mit einer neuen Geschichte.

Dieses Mal finden wir uns auf der Scheibenwelt wieder.
Die Scheibe ruht auf den Rücken von vier Elefanten, die auf dem Rücken von Groß-A’Tuin stehen, der Sternenschildkröte, die sich in den astralen Sphären fortbewegt.
Die bevölkerungsreichste Stadt auf der Scheibe ist Ankh-Morpork, wo unsere Geschichte startet.

Unser Hochladerhythmus ist dieses Mal zweiwöchig, immer am Donnerstagabend. Das erste Kapitelchen nach dem Prolog kommt aber schon nächste Woche :)

Viel Spaß beim Mitfiebern wünscht Euch
Euer Projekt X - aka Kelara und Caramba


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Prolog

Samuel Mumm starrte auf sein Spiegelbild und konnte es nicht fassen. Wie hatte es so weit kommen können?

Die Antwort war so einfach, wie sie kompliziert war. Er war verheiratet und als verheirateter Mann unterlag man einfach gewissen Naturgesetzen. Zum Beispiel, zu wissen, wann etwas ein böses Ende nehmen würde, und trotzdem grenzdebil zu nicken, obwohl man lieber schreiend davon rennen wollte.

Es hatte harmlos angefangen. Sam Junior hatte begonnen, sich in einer Fußballmannschaft einzugliedern und Sybil hatte von ihm verlangt, Sonntags auf der hölzernen Tribüne zu sitzen und seinen Junior anzufeuern. Momentan spielten in der Stadt mehrere Jugendmannschaften, und die Hälfte der Zeit davon gingen für Prügeleien drauf. Die meisten fanden neben dem Spielfeld statt, zwischen den Eltern, die in der Regel nicht mit einigen Entscheidungen oder Zwischenrufen konform gingen. Es wäre nicht Ankh-Morpork, wenn nicht mindestens sechs Eltern nach einem Spiel einen Igor brauchen würden. Auch deswegen wollte er eigentlich nicht als Kommandeur der Wache bei so einem Spiel anwesend sein.
Er hatte nicht unbedingt die Geduld, stoisch Beleidigungen zu ertragen, aber wenn Sybil neben ihm saß, konnte er auch schlecht Knut Hammerklau eine überziehen, weil er die Mannschaft seines Sohnes beleidigte. Die Sonntage wurden zu einem nervlichen Tauziehen um seine Contenance.
Allerdings ging es mittlerweile auf dem Spielfeld auch so zu, da immer mehr der Schiedsrichter sich weigerten, Sonntags zu kommen. Trollschiedsrichter wurden von Zwergen bedroht, Zwergenschiedsrichter von Trollen, Menschen bekamen es von allen Seiten, wenn sie sich den Eltern in den Weg stellten, und mittlerweile weigerten sich immer mehr, diese Aufgabe auszuführen. Sogar die Golems waren nicht mehr bereit, sich mit Steinen bewerfen zu lassen.
Der einzige, der diese Aufgabe noch mit Begeisterung wahrnahm, war Reg Schuh. Dem schien keine Anfeindung etwas auszumachen, und da er schon tot war, hielt sich seine Furcht vor Repressalien ziemlich in Grenzen. Und wenn er mit Steinen beworfen wurde, nahm er einfach seine kleinen Visitenkarten, band sie darum und warf sie fröhlich den Angreifern wieder zu.
Allerdings war nur ein Schiedsrichter zu wenig für die ganzen Mannschaften, die wie Pilze aus der Erde schossen.

Ganze Zwergenfamilien hatten sich schon in unterschiedliche Lager gespalten, Trolle redeten nicht mehr mit ihren Verwandten, wenn der Sohnemann bei der falschen Gesteinsschicht mitspielte, und bei den Menschen war es nicht besser.

Am Ende hatte Sybil ihn in eine harmlose Unterhaltung verstrickt, während er die Dienstpläne der nächsten Woche geprüft hatte.
„Sam?”, hatte sie gesagt, und als liebender Ehemann hatte er ein brummendes Geräusch von sich gegeben, um ihr zu signalisieren, dass er seine Aufmerksamkeit auch auf sie richtete.
„Findest du nicht, die Kinder bräuchten ein Vorbild?”
„Mhm”, brummte er und überlegte, wer einen Troll zur Verkehrsregelung auf eine der engsten Kreuzungen der Stadt einteilte. Er allein würde dort den Verkehr zum Erliegen bringen.

Und Korporal Knuddel Winzig sollte Patrouille in den Schatten laufen? Das würde keinem Gefallen, am wenigsten den Bewohner der Schatten. Schon gar nicht, wenn er mit Dorfl unterwegs war, der wirklich alles wörtlich nahm. Er würde eine ganze Hundertschaft benötige, um die Verletzten ins Gratishospital zu befördern! Was hatte Karotte sich dabei nur gedacht ausgerechnet Colon und Nobbs den Dienstplan aufstellen zu lassen? Es wurde immer schwieriger, die zwei Polizei-Dinosaurier in die moderne Wache zu integrieren.

„..Havelock meint auch, nur eine wirkliche Stütze der Gesellschaft könnte den Frieden wieder herstellen und die Eltern im Zaum halten …”, hörte er Sybil sagen und seine Aufmerksamkeit legte sich schlagartig auf die Ausführungen seiner Gattin.
Wenn diese mit dem Patrizier was bei einer gesellschaftlichen Begegnung ausbrütete, war er zumeist der Leidtragende. Ob diplomatische Missionen in Überwald oder Urlaub auf dem Lande, seine Frau und das Stadtoberhaupt hatten keine Skrupel, ihm das Leben zur Hölle zu machen. Und jedesmal wurde sein Schicksal in einem Nebensatz besiegelt.

„Sybil, egal was ihr geplant habt, ich mache da nicht mit. Ich habe schon genug Arbeit!”
Seine Frau schaffte es, ihn entrüstet anzusehen.
„Ich weiß, Sam. Du brauchst eigentlich mal ein wenig mehr Zeit für Sam Junior und die Familie”, sagte sie und er nickte betätigend.
Besser mehr Zeit mit Frau und Kind verbringen, als wieder auf irgendeine bescheuerte Mission im Namen des Friedens in und um Ankh-Morpork geschickt zu werden.
Seine Frau nahm ihre Tätigkeit wieder auf - wie immer stopfte sie seine Socken, obwohl er jeden Tag neue kaufen konnte, aber die Käsedicks waren so sparsam, wie nur wirklich reiche Leute es sich leisten konnten - und schwieg.

Als er sich gerade wieder in den Dienstplan vertiefte, seufzte Sybil leise.
„Wäre schön, wenn du wenigstens ab und an etwas mit Sam Junior gemeinsam unternehmen würdest.”
Er nickte abwesend und gab einen Brummlaut von sich.
„Sonntags zum Beispiel”, hörte er sie sagen.
„Sonntag ist gut”, stimmte er abgelenkt zu.

Jetzt stand er hier, in kurzen Hosen und sah aus wie ein Pfarrer, dem die Hosenbeine abhanden gekommen waren. Irgendwie hatte Sybil es geschafft, ihn zum Schiedsrichter der Jugendfußball-Liga zu ernennen. Er hatte nicht im klassischen Sinn zugestimmt, aber Sybil war wie eine Naturgewalt, der man sich besser nicht in den Weg stellte. Schon gar nicht, wenn man in Hosen steckte, die weiße dünne Hühnerbeine offenbarten. Er war ein Nachtwächter! Kein Kommandeur, kein Herzog und schon gar kein Schiedsrichter.

Willkins kam herein und zum ersten Mal, seit Sam ihn kannte, gab er einen erstickten Laut von sich, der irgendwie nach Erheiterung klang.

Dann reichte er Sam eine rote und eine gelbe Pappkarte.
„Sir, ich fürchte, die Kutsche wartet”, sagte er und schaffte es nicht, seinem Arbeitgeber in die Augen zu sehen.
„Dann auf in den Kampf”, brummte Sam Mumm und straffte die Schultern.
Wie schlimm konnte es schon werden?
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