Stummer Schrei

von Silke90
GeschichteDrama, Freundschaft / P16 Slash
Aaron "Hotch" Hotchner Dr. Spencer Reid
19.11.2015
29.05.2020
19
28.974
16
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Dieses Kapitel
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23.05.2020 1.400
 
Wow, danke für all die Reviews
Also keines Zuckerl gibt es gleich das nächste Kapitel!

Ich dachte ja, dass einige von euch vermuten, dass Spencer Tony anruft... aber leist selbst


18.

„He, Pretty Boy. Ich hab schon gehört, was du für Sachen machst“, begrüßte ihn die besorgte Stimme am anderen Ende der Leitung. „Gehts dir besser?“

„Wie läuft euer Fall?“ fragte Spencer.

„Kalt, kälter, dieser Fall. Zum Verzweifeln. Kümmert sich Hotch gut um dich?“

Spencer biss sich fest auf seine Lippen.

„Spencer? Alles okay?“

„Steht dein Angebot noch?“

Auf der anderen Leitung war es ruhig.

„Willst du reden?“

„Ich will bei dir wohnen...“, brach es aus Spencer lauter als beabsichtigt heraus.

Morgan atmete hörbar durch den Hörer.

„Was ist mit Hotch?“

„Nichts ist mit ihm!“, sagte Spencer schnell. Zu schnell.

„Bist du in ihn verliebt?“ fragte die besorgte Stimme.

„Ich... nein... Keine Ahnung. Ich glaube ich bin dabei...“ Spencer biss sich fest auf seine Lippen, als er die Wahrheit nicht ganz aussprechen konnte. „Ich muss da raus! Ich komme mit diesen Gefühlen nicht klar. Außerdem muss Jack durch mich nur leiden und Hotch geht es ohne mich bestimmt auch viel besser!“

„Ganz ruhig. Jetzt atme mal tief durch... Du irrst dich. Jack geht es super und Hotch tust du gut. Er ist ganz anders, seit du bei ihm wohnst. Der Mann lächelt! Er lächelt die ganze Zeit! Garcia und ich vermuten schon, dass ihn Aliens entführt und von seinem Körper Besitz ergriffen haben...“

„...Das ist wissenschaftlich vollkommen unmöglich....“, wandte Spencer ein.

„Letzte Woche hat er richtig gelacht, als Rossi einen Witz erzählt hatte. Und der war nicht mal witzig. Du tust ihm gut und er ist froh, dass du für Jack da bist. Er hat erzählt, dass er jetzt Morgens Zeit zum trainieren hat. Hörst du hin? Das ist das Nächste: er erzählt etwas von sich! Freiwillig! Wann hat der Kerl das zuletzt gemacht?“ fragte Morgan und Spencer musste zustimmen, dass das alles gar nicht nach ihrem Vorgesetzten klang. War das wirklich wegen Spencers Anwesenheit? Morgan musste sich irren. „Und Jack liebt und vergöttert dich. Das haben wir alle vorletzte Woche gesehen.“

„Das heißt, ich kann nicht bei dir wohnen“, stellte Spencer müde fest.

„Ich nehme dich auf, bevor du unter eine Brücke schlafen musst. Aber ich habe mich geirrt. Du gehörst in diese Wohnung. Du und Hotch tut euch gut. Wann hast du zuletzt an deinen Ex gedacht? Du heilst und er wird zu einem richtigen Menschen! Mach das nicht kaputt...“

Spencer lächelte sanft. Diese Bestätigung tat gut.

„Du solltest mit Hotch über deine Gefühle sprechen.“ Spencer wusste, dass Morgen nicht seine Unsicherheit bezüglich Jack meinte.

„Mal schauen...“ Sie wussten beide, Spencer würde es nicht tun. Trotzdem war er dankbar für den Vorschlag.

„Bleibst du also dort?“

Spencer dachte nach. Die aufkommenden Gefühle verwirrten ihn und es war dumm und aussichtslos und doch wusste er, dass es ihm hier gut ging. Er kam über Tony hinweg. Er verarbeitete das Geschehene. Er liebte Jack und genoss die Stunden mit ihm. Und Hotch war durch seine Art einfach genau der richtige Mitbewohner. Er half, stellte nicht zu viele Fragen und gab seine Stärke an Spencer weiter.

„Ich bleibe“, sagte Spencer entschlossen.

„Ich bin stolz auf dich... darf ich jetzt schlafen? Es ist mitten in der Nacht!“

Geschockt stellte Spencer fest, dass Morgan recht hatte. „Gute Nacht!“ Er legte auf und dachte noch lange über Morgans Worte nach.


Spencer erwachte am nächsten Morgen, als seine Tür versucht leise geöffnet wurde. Müde blickte Spencer hoch in Hotchs Gesicht, der sanft lächelte und mit einem Tablett in der Hand zu dem Bett kam.

„Guten Morgen... Ich wollte dich nicht wecken.“ Hotch wirkte unsicher, als Spencer sich an die Wand lehnte und das Tablett auf seine Beine stellte, während er selbst sich ebenfalls auf das Bett setzte. Spencer nahm die Tablette, die er als sein Antibiotikum erkannte und schluckte sie schwer hinunter. „Ich hoffe du magst Croissants. Ich habe sie geholt, als ich Jack in die Schule gefahren habe“, erklärte Hotch.

Spencer schluckte beschämt, dass er Jack vollkommen vergessen hatte. Er musste bei Jessica übernachtete haben und Hotch hatte ihn vermutlich in die Schule gefahren, weil sie selbst noch nicht ganz gesund war. Wieder erinnerte sich Spencer, was der Junge in den letzten beiden Tagen wegen ihm erlebt hatte und danach nicht einmal in seinem eigenen Bett schlafen durfte. Obwohl Jack Jessica liebte, war es noch immer Hotch, der er nach solchen Erlebnissen brauchte, doch dieser war für ihn da gewesen.

„Spencer?“, Hotchs warme Hand auf seinem Arm ließen Spencer zucken. Schnell löste Hotch die Verbindung und suchte besorgt Spencers Blick.

„Ich liebe Croissants“, sagte Spencer schnell, doch sein versuchtes Lächeln misslang.

„Was ist los?“

„Du solltest für Jack da sein, nicht für mich“, flüsterte Spencer.

„Ich kann für euch beide da sein!“ versicherte Hotch.

„Und warum musste er bei Jessica schlafen, nachdem was er gestern mitansehen musste?!“

„Wovon sprichst du? Er hat fast nichts mitbekommen. Bis ich in die Wohnung kam, dachte er du schläfst! Er bekam erst Angst, als ich deine Wange geschlagen habe, damit du zu dir kommst“, erklärte Hotch und Spencer versuchte ihm zu glauben. „Er wollte, dass ich auf dich aufpasse. Es ging ihm gut bei Jessica. Sie ist seine Tante und liebt ihn.“

„Trotzdem ist sie nicht seine Mutter“, erklärte Spencer und bereute die Worte augenblicklich. Hotch hatte es schon schwer genug, musste er ihn tatsächlich daran erinnern, dass Haley sich nicht mehr um Jack kümmern konnte?

„Ich gebe mein Bestes...“ sagte Hotch traurig. „Ich versuche ihm immer gerecht zu werden. Ich weiß, dass Jessica kein Ersatz für seine Mutter ist, aber Jack liebt sie.“

„Es tut mir leid, Hotch. Ich wollte das gerade nicht sagen. Natürlich versucht ihr euer Bestes.“

„Ich habe Angst, dass mein Bestes nicht gut genug ist. Aber Jack ist glücklich, dass du hier bei uns wohnst. Er liebt dich. Bitte geh nicht weg...“

Spencer erwiderte Hotchs flehenden Blick und erkannte, dass er etwas von dem Telefonat mitbekommen hatte, das Spencer mit Morgan geführt hatte. Was hatte er noch gehört? Panik breitete sich in Spencer aus.

„Ich wollte nicht lauschen. Ich habe nur gehört, dass du gesagt hast, dass du zu jemand anderen ziehen willst. Ich vermute Morgan?“

„Ich...“

„Du musst Jack nicht betreuen, wenn du nicht willst. Jessica kann sich kümmern, wenn ich einen Fall habe!“ sagte Hotch, bevor sich Spencer erklären konnte.

„Das ist es nicht“, versicherte Spencer schnell. „Ich bin gerne für ihn da!“

„Ist es wegen etwas, was ich gemacht habe? Bin ich dir zu Nahe getreten?“ Spencer hörte die Angst in Hotchs Stimme. „Erinnere ich dich an Tony? Habe ich eine Grenze überschritten und mich unangemessen verhalten?“

„Nein!“ Hotch dachte eindeutig in die falsche Richtung. Der Ältere würde sich nie unangemessen verhalten!

„Geht es um die Gespräche, die wir geführt haben?“ Spencer biss sich auf die Lippen und Hotch musste erkennen, dass er die Spur wärmer wurde. „Vergiss meine Andeutungen!“

„Wieso? Ich liebe diese Gespräche, die wir geführt haben. Ich mag es, mehr von dir zu erfahren“, erklärte Spencer ehrlich. „Ich bin froh, wenn du mir deine Probleme und Sorgen anvertraust und ich will für dich da sein!“

„Und warum willst du dann weg?“ fragte Hotch verwirrt, doch Spencer konnte ihm nicht antworten. „Wenn das wirklich dein Wunsch ist, finden wir eine Lösung“, sagte Hotch mit trauriger Stimme.

„Ist es nicht!“, brachte Spencer schließlich heraus. „Ich dachte, ich will es, aber Morgan hat mir geholfen zu erkennen, dass es besser ist, wenn ich hier bleibe. Für uns beide. Für uns alle drei...“

Spencer konnte Erleichterung in Hotchs Augen sehen und auch er selbst war glücklich, Hotch insoweit die Wahrheit gesagt zu haben, wie er konnte. Vorsichtig riss er das Croissant auseinander und gab Hotch lächelnd die Hälfte.

Er genoss es, schweigend im Bett zu frühstücken, während Hotch neben ihm saß und angenehme Wärme ausstrahle. Spencer fühlte sich sicher und beschützt. Er konnte diese Gefühle nicht aufhalten, oder vor ihnen fliehen, denn sie halfen ihm. Vermutlich würden sie ihn irgendwann verletzen, doch im Moment waren sie gut und wichtig. Er brauchte Hotch und das, was er ihm gab.



Ich hoffe euch hat das Kap wieder gefallen

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, ist bald weihnachten (haha, mitten im Sommer). Ich bin gerade dabei, das Weihnachtskapitel zu schrieben, aber irgendwie fallen mir keine guten Geschenksideen ein (wie in echt :D). Vielleicht hat ja jemand eine gute Idee?

Habt noch ein schönes Wochenende!
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