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Eisblumen

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Jack Frost Jamie North OC (Own Character)
18.11.2015
16.01.2021
30
37.236
29
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01.04.2020 1.107
 
Anders als ich es mir vorgestellt habe ist der Palast vom Schwarzen Mann kein kleines Loch in dem er sich verstecken muss, sondern ein riesiges Gewölbe. Von den Decken hängen leere Käfige, die nun sanft hin und her schwingen.
Der Schwarze Mann führt mich in einem dunklen Raum in dem ein Kaminfeuer lodert und keine Fenster zu sehen sind. Seltsamerweise konnte ich im ganzen Palast nicht nach draußen schauen.
Nach dem ich Jack den Rücken gekehrt habe und mir seltsamer schwarzer Sand die Sicht nahm, weiß ich nicht wie ich hierher gelangt bin.
„Mach es dir gemütlich, Bell.”, sagt der Schwarze Mann neben mir plötzlich und läd mich mit einer offenen Handbewegung einem der Sessel neben dem Feuer Platz zu nehmen. Ich werfe ihm einen Seitenblick zu und lasse mich schweigend auf den mir zugewiesenen Sessel Platz.
Mein Blick verliert sich in den Flammen und ich spüre wie mir trotzdem kalt wird.
„Jack…”, flüstert die Stimme in meinem Inneren und ich zucke zusammen. „Verschwinde!”, schreie ich sie an. Ich spüre wie die Frau in mir den Kopf schüttelt. „Warum bist du mit ihm gegangen? Er hat mich damals getötet!”, ruft sie mir zu. Ich schließe die Augen und sehe den Wintergeist vor mir. Ich sehe wie seine sanften braunen Augen mich ansehen. Mich lieben. Doch… Das bin nicht ich. „Er liebt dich…”, flüstere ich. „Du bist ich…”, antwortet sie mir und verschwindet.
Pitch tritt näher und schwenkt in einem Glas eine schwarze Flüssigkeit hin und her, ehe er daran nippt.
„Also Bell… Was möchtest du wissen? Anders als der gute Jack Frost werde ich dir alles sagen.”, sagt er und legt seine freie Hand auf die Lehne des Sessels. „Warum hast du Beth getötet?”, frage ich leise und falte die Hände in meinem Schoss. „Angst.”, antwortet er und geht hinüber zu einem anderen Sessel, in den er sich setzt. „Beth verspürte damals die reinste und größte Angst. Und genau diese wollte ich!”, sagt er unverblümt und nippt erneut an dem Glas. „Wofür?”, frage ich weiter und hebe den Blick.
Hier sitze ich, neben dem Schwarzen Mann und unterhalte mich mit ihm beim Kaminfeuer. „Wenn die Menschen an mich glauben sollen, müssen sie Angst verspüren. Deswegen gibt es mich. Und Beth war nun mal ein große Menge an Glaube bzw Angst. Angst um die Liebe, Angst vor der Zukunft, Angst vor dem Alleine sein, in diesem Moment verspürte sie nur reine Angst.”, erklärt er ruhig und stellt sein Glas ab.
„Ich habe leider Dinge zu erledigen, deswegen werde ich dich nun verlassen.”, sagt er und steht auf.
„Warum… Warum ist Beth in mir?”, frage ich in der Hoffnung eine Antwort zu bekommen. „Tja… wer weiß?”, antwortet mir der Schwarze Mann und verschwindet.
Ich bin allein und starre erneut in das Feuer. Seufzend lehne ich mich zurück und schließe die Augen.
„Warum hast du ihn verlassen?”, fragt mich die Stimme. Beth… Ich hole Luft. „Er wollte nicht mich, sondern dich.”, antworte ich wütend. „Du bist doch ich… Und ich bin du…”, entgegnet sie mir und ich kann das Kopfschütteln deutlich spüren. „Wenn du nicht in mir wärst, würde er mich nicht lieben! Ich weiß nicht mal, ob ich ihn wirklich liebe, oder ob das nicht auch nur du bist!”, schreie ich ihr entgegen und halte den Atem an.
„Liebe ich Jack wirklich nicht?”, frage ich mich erschrocken. „Ich sehe in den Herz. Und ich sehe, dass du und zwar nur du ihn liebst. Ich habe ihn gesehen. Der Jack, den ich einst liebte ist nicht mehr da, auch er hat sich verändert. Und ja, seine Seele sucht meine. Aber sehen tut er dich. Bell… Ich wünsche Jack nichts sehnlicher, als das er lieben kann.”, sagt sie und ich spüre ihre Tränen.
Mein Herz zieht sich zusammen und ich spüre wie auch mir die Tränen kommen. „Er wird mich nie so lieben wie dich… Er kann dich nicht vergessen…”, flüstere ich und spüre wie meine Wangen nass werden. „Ich bin immer ein Teil von ihm… Ein Teil seiner Vergangenheit. Aber Bell… Ich bin nicht mehr. Du bist seine Zukunft. Ich wollte ihn nur ein letztes Mal sehen. Ein letztes Mal bevor ich weitergehe. Das war Teil unseres Vertrages.”, erwidert sie leise und ich spüre wie sich mein Inneres zusammen zieht. „Welcher Vertrag?”, frage ich sie und ich spüre, dass ich die Antwort lieber nicht hören möchte.
„Dafür, dass der Schwarze Mann meine Angst und meine Seele bekommt, gab er mir den Schwur, dass ich Jack wiedersehen darf. Ich habe so lange gewartet bis ich endlich in dir wieder geboren wurde. Aber… Ich habe gesehen, dass in dieser Zeit kein Platz mehr für mich da ist und dass ich dich und deine Liebe für ihn alleine lassen muss. Auch wenn ich dich zu ihm geführt habe, gehöre ich nicht mehr zu ihm. Ich muss jetzt gehen…”, antwortet sie mir und ihre Worte ergeben in meinem Inneren seltsam Sinn. „Wohin wirst du gehen?”, frage ich sie. Ein Teil von mir möchte, dass sie geht, dass sie für immer verschwindet. Und der andere weiß wie sehr es Jack verletzten wird, dass sie weg ist. Und dieser Teil will nicht, dass er leidet. „Ich war schon viel zu lange hier. Bell… Ich überlasse dir Jacks Zukunft. Bitte, stoß ihn nicht von dir.”, flüstert sie und ich spüre wie in meinem Inneren sich eine seltsame Wärme sammelt. „Ich bitte dich… Beschütz Jack... Bitte…”, fügt sie hinzu und ich öffne meine Augen.
Vor mir steht in einem hellen Licht das Mädchen, dass mir so ähnlich ist. In ihren Augen sehe ich Reue, Trauer und Schuld. Aber auch Hoffnung und endlose Liebe.
Sie ist nicht mehr in mir und ich horche in mich hinein. Ich sehe Jack, wie sich unsere Hände das erste Mal berühren. Wie ich seine endlos blauen Augen endlich sehen kann und wie sehr mein Herz schlug, als seine Lippen meinen berührten. „Ich liebe ihn…”, sage ich leise und spüre, dass das alles meine Gefühle und meine Empfindungen sind. Ich hebe den Blick und schaue sie an. „Ich werd Jack schon dazu bringen nur noch mich zu lieben! Ich will dass er nur noch mich sieht!”, sage ich und balle die Fäuste fest zusammen. Ihre Lippen verziehen sich zu einem Lächeln und ihr Körper löst sich in einem Schleier aus Licht auf.
Als der letzte Schimmer weg ist und nur noch das Feuer das Zimmer erhellt, fühle ich mich seltsam einsam. „Ich hätte Jack die Chance geben sollen, sich zu erklären.”, gestehe ich mir ein und stehe auf. „Ich muss zu ihm…”, schreit es in mir und ich laufe zur Tür.
Doch als ich sie öffnen will, merke ich, dass sie verschlossen ist…
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