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Eisblumen

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Het
Jack Frost Jamie North OC (Own Character)
18.11.2015
16.01.2021
30
37.236
29
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16.10.2019 986
 
Zum ersten Mal in meinem Leben ist mir kalt. Eiskalt. Der Wind ist stumm und der Schnee hat aufgehört zu fallen.
Ich versuche mich zu rühren, aber mein Körper gehorcht mir nicht mehr. Wie festgefroren knie ich auf der schneebedeckten Erde und versuche zu verarbeiten was gerade passiert ist.
Pitch hat Bell entführt… Nein. Sie ist mit ihm gegangen… Freiwillig. Weil ich sie belogen habe.
Der Ausdruck ihrer Augen hat sich in meinem Gedächtnis festgebrannt und wenn ich die Augen schließe, sehe ich immer wieder wie sie mich angesehen hat.
Verrat!
Warum hab ich ihr bloß nichts von Beth erzählt? Warum habe ich ihr nicht gesagt, dass sie mich an eine Frau erinnert, die ich vor meiner Ernennung zum Wächter gekannt und geliebt habe? Selbst ich habe mir ja schon Gedanken darum gemacht, ob ich sie nur lieben kann, weil Beths Seele in ihr lebt… Es war vorauszusehen, dass Pitch das nutzen wird um mich zu verletzten. In meinem Inneren breitet sich das Gefühl von Einsamkeit und des Verlassenseins aus. Ich atme tief ein und versuche meine Gedanken zu ordnen.
Ich muss sie finden! Langsam, ganz langsam richte ich mich wieder auf, als ich neben mir eine Bewegung wahrnehme. Ein Loch bildet sich neben mir und ich erkenne die riesigen Ohren des Osterhasen, die oben herausschauen. Er springt aus dem Loch und bleibt mit erhobenem Bumerang vor mir stehen. Er hält die Nase in die Luft und bemerkt den schwarzen Sand unter dem Schnee, der nicht vollständig verdeckt ist.
„Pitch?”, fragt er mich leise und macht einige Schritte auf mich zu, während er sich bedächtig umsieht. Ich schüttle den Kopf. Ich kann meiner Stimme irgendwie noch nicht vertrauen. Der Osterhase entspannt sich sichtlich und lässt seine einzige Waffe sinken.
Er schaut sich um und entdeckt die Fußspuren.
Lange muss er nicht überlegen, wer hier vor kurzem noch mit mir gestanden hat. Ich folge seinem Blick und sehe ihre kleinen Fußabdrücke in meinem Schnee, direkt neben den Resten von Pitchs Sand.  
„Wo ist sie? Wo ist Bell?”, fragt er mich und schaut sich um. Mein Herz zieht sich bei der Erinnerung daran, was vor wenigen Augenblicken passiert ist, zusammen.
„Sie ist mit ihm gegangen…”, flüstere ich so leise, dass ich mir eigentlich sicher bin, dass der Osterhase mich unmöglich verstehen kann. Doch anscheinend bedeutet es große Löffel zu haben auch, dass man übermenschlich gut hören. „Wie...Sie ist mit ihm gegangen? Wohin?”, fragt er und verschränkt die Arme vor der Brust. „Sie weiß von Beth…”, flüstere ich wieder und meine Stimme bricht, als ich den Namen der anderen Frau nenne.
„Oh verdammt…”, murmelt der Hase und schließt mitfühlend die Augen, während er den Kopf schüttelt. „Ich wette, sie hat das nicht besonders gut aufgenommen…”, schlussfolgert er und plötzlich reißt etwas in meinem Inneren.
Fast augenblicklich wird mir brennend heiß und ich keuche auf. „Nein, Hase!”, schreie ich verzweifelt und wütend. „Stell dir vor! Sie hat das überhaupt nicht gut aufgenommen! Im Gegenteil. Ich kann froh sein, wenn sie auch nur einen Gedanken an mich verschwendet!”, schreie ich lauter und der Wind fängt wieder an, an meiner Kleidung zu zerren.
Der Schnee unter meinen Füßen gefriert und ich spüre, wie die Temperatur nochmal um Gerade fällt. Der Hase macht einen Schritt zurück als er sieht, dass ich mich aufrichte und meinen Stab hochhalte. „Ruhig… Ruhig, Frostbeule. Wenn du einen Schneesturm erschaffst, bringt sie das auch nicht zurück.”, versucht der Hase mich zu beruhigen, aber mich stachelt das nur noch mehr auf.
„Zurückbringen? Sie will nicht zurück! Sonst wäre sie gar nicht erst mitgegangen!”, brülle ich und um uns herum bildet sich harter Frost um die Bäume. Ich spüre wie die Temperatur weiter fällt und der Schnee wieder einfängt starker zu fallen.
Um mich herum wirbelt der Wind den gefallenen Schnee durch die Lüfte. Hagel bildet sich, der meine kalte Haut streift. Ich spüre den Schmerz nicht, spüre nicht wie der Frost meine Hose und meinen Hoddie zerreißt.
Der Hase hebt seine Pfoten hoch und versucht sein Gesicht zu schützen. Ich sehe wie sich Frost an seinen Ohren festsetzt, doch es ist mir egal. Ich spüre die tiefe Wut und ich will sie gar nicht unterdrücken.
Sie hat mich verlassen! Sie hat mich zurückgelassen!
„JACK!”, ruft der Osterhase und ich schaue ihn an. In seinen Augen hat sich etwas gebildet was mir absolut neu ist. Angst...Einer der Wächter hat Angst vor mir. Ich mache unwillkürlich einen Schritt zurück. Mein Kopf sackt nach vorne und ich lasse meinen wertvollen Stab fallen.
Meine Schultern fallen nach vorne und plötzlich schäme ich mich unglaublich für meinen Ausbruch. Der Schnee fällt langsamer, während auch der Wind sich wieder beruhigt.
Ich will sie zurück… Mein Körper bebt noch und das Herz pocht schnell in meiner Brust, aber das einzige woran ich jetzt denken kann, sind ihre traurigen Augen voller Schmerz. Schmerz, den ich ihr angetan habe.
Bitte, Bell… Komm zurück zu mir!, flehe ich stumm. Ich höre wie der Schnee vor mir knirscht und als ich den Kopf hebe sehe ich wie der Osterhase wieder näher kommt.
„Wir holen sie zurück, Jack. Und dann erklären wir ihr alles. Wir hätten euch nicht einfach so trennen dürfen. Wir hätten auch ihr erklären müssen, was gerade passiert.”, sagt er in einem sehr ruhigen Tonfall, der mich seltsamerweise beruhigt. „Komm, Kleiner… Wir müssen die Frau, die du liebst retten. Wir brauchen die anderen dafür!”, sagt er und hält mir seine riesige Pfote entgegen.
Einen Moment lang starre ich drauf und mich ob das alles noch einen Sinn hat. Und plötzlich höre ich sie: „Wir bleiben immer zusammen, oder Jack?“, flüstert sie und schaut mich mit ihren blauen Augen ängstlich an. „Ich werde immer an deiner Seite sein! Ich werde nicht zulassen, dass er dich bekommt!“, antworte ich leise und halte mir ihre warme Hand an die Lippen.
Auch wenn Bell jetzt Beth ist. Ich halte mein Versprechen.
Ich greife nach der Pfote des Hasen.
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