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Eisblumen

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Jack Frost Jamie North OC (Own Character)
18.11.2015
16.01.2021
30
37.236
29
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Dieses Kapitel
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14.04.2017 1.174
 
Bell

Die Flure in dieser Schule wirken grau und viel zu kalt. Kalt… und wieder fallen mir seinen Augen ein.
Ein Blau von solcher Intensität, dass es mir schon beim ersten Mal den Atem verschlagen hat und mein Herz schneller schlagen ließ. Auch wenn seine Haut kalt wie Eis war, berührte er mein Inneres und brannte die Traurigkeit fort.
Ich hatte Angst nie wieder glücklich zu sein und plötzlich konnte ich an nichts Anderes mehr denken, als an ihn.
„Bell! Hörst du mir überhaupt zu?“, fragt mich Benn, bestimmt nicht zum ersten Mal. Wir stehen vor meinem Schließfach und wollten eigentlich die Bücher für die nächste gemeinsame Stunde holen.
„Entschuldige bitte, Benn… Ich war in Gedanken…“, antworte ich leise und krame ihm Schrank nach meinem Buch, ohne ihn anzusehen.
Ich weiß genau was ich sehen werde. Benn, mit seinen endlos grünen und wachen Augen, die jede meine Stimmungen zu erfassen scheinen. Benn, der mich seit meinem ersten Tag hier an der Schule begleitet und ganz offen sein Interesse an mir zeigt. Benn, der mit allen Mitteln versucht, dass ich ihn vergesse.
„Du hast schon wieder an ihn gedacht, hab ich Recht?“, fragt er und ich sehe aus den Augenwinkeln wie er die Arme vor seiner Brust kreuzt. Ich weiß nicht, was ich ihm darauf antworten soll, deswegen sage ich nichts und ziehe endlich das gesuchte Buch aus dem Schrank.
„Du hast immer diesen Blick drauf, wenn du an ihn denkst.“, fährt er fort und ich wünschte er würde aufhören. Ich kann nicht anders. Schon seit dem Moment in dem er plötzlich vor mir auftauchte und ich fest an ihn glauben wollte, kann ich an nichts mehr denken außer an ihn.
Es ist als wäre er ein Teil von mir, ein Teil, den ich vor sehr langer Zeit verloren und endlich wiedergefunden hatte.
Endlich schaue ich auf und schaue Benn in die Augen. „Was willst du von mir hören, Benn?“, frage ich herausfordernd, weil ich genug habe von diesen albernen Gedanken, an Jemanden der mich verlassen und zurückgelassen hat.
„Ich wollte nur wissen, ob du dir heute Abend einen Film mit mir ansehen willst… Meine Eltern sind nicht zu Hause…. Und es ist Freitag, also haben wir noch das ganze Wochenende um Hausaufgaben zu machen…“, erwidert er und wendet plötzlich den Blick ab.
Ich hole tief Luft und gebe ihm dieselbe Antwort wie immer. „Nein, aber Danke für die Einladung, Benn…“, sage ich tonlos und wende mich ab. Ich spüre wie er mir folgt. „Komm schon, Bell!“, schmollt er und versucht mir in den Weg zu treten. „Du musst endlich aufhören, an diesen Jack zu denken!“, fügt er lauter hinzu. Mein Herz bleibt stehen beim Klang seines Namens.
Jack… Warum zum Teufel, hatte ich Benn auch seinen Namen verraten? Ich vermisse ihn… Vorsichtig lasse ich den Blick aus dem Fenster gleiten, vor dem eine weiße Winterwunderwelt erstrahlt und mich genau wissen lässt, wer dafür verantwortlich war. Ob er da war? Ob er nach mir gesehen hat? Der Gedanke, dass er mir womöglich nah war lässt mein Herz schneller schlagen und ein leiser Anflug von Hoffnung macht sich in mir breit. Doch viel zu schnell greift die Einsamkeit ein und erinnert mich schmerzhaft an den Moment in dem er mein Zimmer verließ und nicht wiederauftauchte.
„Tut mir leid, Benn… Aber ich mag jetzt nicht mehr davon reden. Ich muss nochmal wo hin!“, sage ich schnell als meine Augen gefährlich anfangen zu brennen. Schnell wende ich mich ab und verschwinde in die Damentoilette. Mit einem entschlossenen Tritt öffne ich die erstbeste Kabine und lasse mich auf den Toilettensitz fallen. Das Buch drücke ich mir fest an die Brust und versuche gleichmäßig zu atmen. Ich dachte, ich hätte mich unter Kontrolle, aber die Tränen, die über meine Wangen rinnen strafen meine Lügen.
Tief Luft holend sitze ich auch nach dem Klingeln in der engen Kabine.
Vorsichtig richte ich mich auf und trete hinaus vor die Spiegel. Meine Augen sind gerötet, aber der Anblick wird niemanden sonderlich auffallen. Seit ich hier bin sind meine Augen ständig rot, vom Schlafmangel oder vom Weinen. Mit zittrigen Fingern öffne ich den Wasserhahn und spitze mir das kalte Wasser auf die geröteten Wangen. Erst als ich wieder halbwegs normal aussehe, wage ich mich aus der Toilette.
„Was wurdest du davon halten, wenn ich dich nach Hause fahre?“, fragt mich plötzlich eine vertraute Stimme neben mir. Vor Schreck lasse ich das Buch fallen, doch ehe es auf den Boden fällt fängt Benn es geschickt auf.
„Hast du wirklich die ganze Zeit hier auf mich gewartet?“, frage ich leise, ohne ihn anzuschauen. Ich schäme mich. Ich schäme mich dafür, dass ich Benn nicht das geben kann, was er von mir möchte. Einfach aus dem Grund, weil es vielleicht das Beste sein könnte.
„Klar… Hör mal, ich hätte nicht davon anfangen dürfen. Ich weiß ja, dass du noch Zeit brauchst.“, sagt er und beugt sich vor, sodass er mir ins Gesicht sehen kann. Ich wende meine Augen ab und blicke erneut auf die grauen Fliesen. Benn richtet sich auf und seufzt. „Komm, ich hab uns eh schon für den Unterricht entschuldigt!“, sagt er und greift nach meiner Hand.
Ohne mich zu wehren, lasse ich mich vom ihm aus der Schule ziehen, bis zu seinem Auto. „Hast du eigentlich von unserem Winterball gehört?“, fragt er mich, als wir vom Schulparkplatz fahren. Mein Blick wandert aus dem Fenster und ich antworte mit einem Nicken. Meine Tante hat mich bereits über die ganzen Bälle, die meine neue Schule jedes Jahr abhält, informiert. Ich kann dem allen noch nicht wirklich was abgewinnen. „Hättest du vielleicht Lust mit mir dahin zu gehen. Und bevor du Nein sagst, einfach als Freunde und nicht mehr. Versprochen!“, fügt er noch schnell hinzu und reiht sich hinter einem blauen Wagen ein.
„Benn, ich weiß nicht… Da gibt es doch sicher weitaus interessantere Mädchen als mich, die dich begleiten könnten…“, antworte ich ihm möglichst ausweichend. Auf der einen Seite bin ich seltsam verlegen, dass Benn mich gefragt hat, aber ich möchte ihm wirklich keine Hoffnungen machen. „Ja, vielleicht, aber ich möchte trotzdem mit dir dahin… Bitte!“, sagt er leise und wendet in meine Straße. Ich hole tief Luft und will ihm gerade wieder absagen, als plötzlich etwas Weißes vom Himmel rieselt. Es schneit!
Wie ein Schlag in Gesicht wird mir plötzlich bewusst, was das bedeuten muss.
Er ist hier! Er kann nicht weit sein! Bis jetzt habe ich immer geschlafen, wenn der Schnee fiel. „Benn, lass mich hier raus!“, rufe ich aufgeregt und beginne an meiner Tür zu rüttelt. „Bell, hör auf! Das ist gefährlich!“, ruft Benn, ehe er mit quietschenden Reifen anhält und ich aus dem Auto springe.
„Ich ruf dich nachher an!“, rufe ich noch, ehe ich an unserem Haus vorbei in den Garten laufe. Meine Tasche schlägt immer wieder gegen meine Seite, aber ich ignoriere alles und renne so schnell meine Beine mich tragen können in den Wald. Erst als ich mir sicher bin, dass das Haus weit hinter mir liegt und mich so niemand hören kann schreie ich los:
„JACK!!“
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