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Eisblumen

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Jack Frost Jamie North OC (Own Character)
18.11.2015
16.01.2021
30
37.236
29
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13.03.2017 1.217
 
„Hör mir doch erstmal zu, ehe du mich unterbrichst!“, antworte ich dem Sandmann auf seinen stillen Protest. Die Sonne geht bald auf und wir sind noch immer auf dem Dach von Jamie.
Egal, womit ich mich ablenken wollte, der Wind hat mich immer wieder zurück auf dieses Dach getragen. Es sollte mich nicht wundern, dass er meinen wahren Wunsch erkannt hat und mich dorthin gebracht hat, wo ich am liebsten sein will.
„Versteh mich doch! Ich will doch nur wissen, wer dieser Typ ist von dem Jamie mir erzählt hat!“, erkläre ich und reiße die Hände hoch, als er Sandmann mich mit einer hochgezogenen Augenbraue anschaut.
„Ich weiß… Ich hab sie verlassen und eigentlich hab ich kein Recht ihn mir näher anzusehen, aber… aber… Ach, ich weiß auch nicht.“, sage ich schließlich und setze mich an den Rand.
Der alte Herr neben mir beugt sich zu mir runter und seufzt lautlos. Schließlich zuckt er mit den Schultern und legt sich einen Finger an die Lippen. „Versprochen! Das bleibt unter uns!“, rufe ich aufgeregt, während ich wieder hochspringe.
Er zeigt mit dem Finger auf sich und dann auf das Dach. Ich schaue ihn nervös an. „Du willst auch hierbleiben?“, frage ich vorsichtig mit einem unguten Gefühl in der Magengegend. Er nickt eifrig und setzt sich neben mich. Mit einem tiefen Seufzer lass ich mich neben ihm nieder und gemeinsam warten wir, dass Bell von dem seltsamen Unbekannten abgeholt wird.
Die ersten Strahlen der Sonne scheinen auf meine kalte Haut und der frischgefallene Schnee funkelt auf den Dächern der Stadt. Ich höre wie im Haus unter mir langsam ein Bewohner nach dem anderen aufsteht und sich fertigmacht. Hin- und wieder glaube ich ihre Stimme zu hören und mein Herz beginnt schneller zu schlagen. Egal, was ich tun wollte - mit einem Mal scheint mir die Idee, sie zu verlassen unendlich dumm.

„Sag mal… Meinst du es war die richtige Entscheidung sie zu verlassen?“, frage ich so leise, dass ich mir nicht sicher bin ob der Sandmann, neben mir mich wirklich verstehen wird. Ich schaue ihn an und sehe, dass auch er den Schnee betrachtet. Er zuckt mit den Schultern und über ihn erscheint ein gebrochenes Herz. „Ja… Es tut immer noch weh. Aber der Hase und die anderen waren der Meinung es sei das Beste für uns. Wenn Pitch sieht, dass sie mir wichtig ist, wird sie verletzt.“, sage ich schnell und versuche das ungute Gefühl zu übertönen. Er schaut mich an und zieht die Augenbraue hoch. Über ihn erscheint die Silhouette von dem schwarzen Mann der sich über ein Bett beugt, dann eine Eisblume und ein gebrochenes Herz.
„Du meinst also, dass er mich immer noch mit ihr verletzten kann und ich es so vielleicht gar nicht mitbekomme?“, sage ich nachdenklich. Der Sandmann nickt aufgeregt und schaut plötzlich auf die Straße vor uns. Ich folge seinem Blick und sehe einen dunkelblauen alten Ford, der an einigen Stellen bereits zu rosten beginnt.
Der große Geländewagen hält vor dem Haus auf dessen Dach wir sitzen und plötzlich wird mir eiskalt. Die Tür öffnet sich und ein großer, breitgebauter blonder Typ steigt aus. Auf seiner Nase sitzt eine Sonnenbrille und er trägt eine dieser Collegejacken, die wirklich jeder Arsch trägt, der Sport macht.
Er fährt sie mit der einen Hand durch die Haare und nimmt die dämliche Brille ab. Ein Blick in sein Gesicht schürt den Hass in mir. Er sieht viel zu gut aus, muss ich mir eingestehen. Von meinem Aussichtspunkt aus, kann ich erkennen, dass er strahlend grüne Augen hat und ein freundliches und offenes Gesicht. Er dreht sich kurz um und betrachtet sich um Seitenspiegel. Er lächelt und dreht sich plötzlich schuldbewusst um, ehe er langsam auf die Haustür zu schlendert.
Ich höre wie er die Klingel betätigt und es einen kurzen Ruf im Haus gibt- ehe mein Herz aussetzt, als ich ihre Stimme höre. Schnell beuge ich mich über die Dachrinne und starre auf die Stelle, an der die beiden sich gegenüberstehen. Bell trägt erneut den langen Schal um ihre Schulter und lächelt den Typ vor sich vorsichtig an, was mir die Galle hochkommen lässt.
„Guten Morgen Benn! Ich hab doch gestern gesagt, du brauchst mich nicht abzuholen… Ich wollte Jamie noch rumfahren…“, sagt sie leise und streicht sich eine Strähne hinters Ohr. „Und ich habe dir erklärt, dass ich ein bisschen eher komme, sodass ich euch beide mitnehmen kann!“, erwidert er gutgelaunt und schaut an ihr vorbei ins Haus. „Jamie! Bist du soweit?!“, ruft er ins Haus und wirft Bell ein Grinsen zu, die kopfschüttelten ihren Rucksack schultert. „Hör mal Benn… Ich hab doch schon gesagt, dass ich dir nicht geben kann, was du wohl bei mir suchst.“, sagt sie so leise, dass ich Schwierigkeiten habe sie zu verstehen.
Und dann tut der Typ etwas, was mich fast vollständig die Kontrolle verlieren lässt. Er hebt die Hand und hält sie gegen Bells Wange. Sie reißt überrascht die Augen auf und starrt ihn an. Ich spüre wie die Wut in meinem Inneren anfängt zu brodeln und die Rinne plötzlich anfängt unter meinen Händen zu gefrieren.
„Und ich hab dir gesagt, dass ich verstehe, dass dein Ex dich sehr verletzt hat und ich warten kann, bis zu wieder bereit bist. Ich werde dich einfach immer mal wieder daran erinnern, dass ich hier bin. Und bis dahin, lass mich dich wenigstens mit zur Schule mitnehmen und dein Freund sein!“, antwortet er und grinst sie schief an, ehe er endlich seine Hand fallen lässt.
„Hey, guten Morgen Benn! Nett, dass du mich auch mitnimmst!“, sagt plötzlich Jamie und unterbricht, sehr zu meinen Wohlwonnen das Gespräch. „Aber gerne doch, Kleiner!“, sagt Benn und tritt einen Schritt zurück.
Jamie springt an ihm vorbei und rennt zum Wagen.
Bell folgt ihm zögernd, nachdem sie mit einem Abschiedsgrüß an ihre Tante die Tür hinter sich zu zieht. Der Typ strahlt sie immer noch an und setzt sich neben sie ans Steuer.
Erst als das Auto hinter der nächsten Ecke verschwindet, merke ich die Hand vom Sandmann an meiner Schulter. Er schaut mich wieder besorgt an und schüttelt den Kopf.
Doch ich habe genug gesehen und erhebe mich. In mir ist es kalt und leer. Die Wut hat sich in endlose Traurigkeit verwandelt.
„Sandy… Ich muss sie vergessen. Sie ist ein Mensch und er wird ihr besser tun, als ich!“, sage ich tonlos und lasse mich vom Dach fallen. Der Wind reißt an meiner Kleidung und zieht mich nach Hause.

Tief im Wald vor der einsamen kleinen Hütte, die ich die letzten Tage immer bewusst umgangen hab, lässt der Wind mich nieder.
Der Schnee gefriert unter meinen nackten Füßen und der Wind um mich herum weht heftig um die Bäume. Die Leere in mir lässt mich ziellos um herwandern. Doch immer wieder stehe ich vor der verschlossenen Tür. Das letzte Mal, als ich hier war, war sie an meiner Seite.
Vorsichtig öffne ich die Tür und trete ein. Der Raum sieht genauso aus, wie ich ihn verlassen hab. Die riesige Weltkugel dreht sich langsam um sich selbst, lautlos. Sie starre einen Augenblick lang auf die Stelle an der wir gestanden haben, an der ich sie endlich geküsst habe. Es scheint mir, als wären Monate vergangen seit diesem winzigen Augenblick. Rastlos schaue ich mich um und lasse mich mit einem tiefen Seufzer ins Bett fallen.
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