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Eisblumen

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Jack Frost Jamie North OC (Own Character)
18.11.2015
16.01.2021
30
37.236
29
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12.12.2016 745
 
Ihr Fenster ist nur angelehnt, so als hätte sie tatsächlich nur auf mich gewartet.
Sie sitzt mit angewinkelten Knien auf ihrem Bett und starrt gedankenverloren auf die Seiten eines Buches. Ich hole tief Luft und drücke den Fenster auf.
Sie schaut sofort hoch und unsere Blicke begegnen sich. Ihre Augen schimmern im sanften Licht und ich kann tausend Fragen in ihnen sehen. Das Gefühl zu ersticken und in ihren Augen zu ertrinken erdrückt mein Herz, dass plötzlich rasend schnell schlägt.
Ich betrete das Zimmer vorsichtig und lehne meinen Stab gegen das Fenster, ich werde ihn jetzt nicht brauchen.
„Bell…“, flüstere ich heiser. Ich hasse meine Stimme dafür, dass sie in so einem Augenblick nachgibt und sich verflüchtigt. Wie gerne würde ich auch einfach verschwinden. Ich räuspere mich in der Hoffnung, dass meine Stimme nun fester klingt.
„Jack!“, ruft sie und springt plötzlich auf. Viel zu schnell, ohne dass ich reagieren konnte, liegt sie in meinen Armen und drückt sich an mich.
„Ich hatte so gehofft, dass du noch kommst. Der Osterhase hatte zwar gesagt, dass du auf jeden Fall mit mir reden wirst, aber ich wusste nicht wann du kommen würdest. Ich hatte etwas Angst, dass du nicht kommst!“, sagt sie leise und drückt sich fester an mich.
Unentschlossen was ich mit meinen Armen machen soll, fasse ich den Entschluss es kurz zu machen. Ich lege ihr die Hände auf die Schultern und spüre wie sie unter meiner Berührung kurz zittert. Ihre Haut ist heiß und ihre dünnen Träger lassen viel Raum für meine Hände. Vorsichtig, aber bestimmt schiebe ich sie zurück. Ich hole wieder Luft und bete, dass mein Herz mich jetzt nicht im Stich lässt.
„Wir müssen reden, Bell.“, sage ich tonlos. Meine Stimme klingt einsam, kalt und verloren. Genauso fühle ich mich, aber ich wollte eigentlich stark und unnachgiebig sein.
Ich schaue in ihre Augen und sehe wie sie mich überrascht anschaut.
„Was ist los…?“, fragt sie und tritt einen Schritt nach hinten. Ich schaue zur Seite um ihre Augen nicht zu sehen, stattdessen starre ich zu Blue, der kleine Vogel springt seit meiner Ankunft völlig verrückt auf dem Schreibtisch herum. Es fällt mich leichter mich auf ihn, statt auf sie zu konzentrieren.

„Wir können uns nicht mehr sehen…!“, sage ich nach einem kurzen Moment der Stille.

Es ist raus. Ich habe es gesagt. Ich spüre, wie mein Herz sich zusammenzieht und schmerzt. „Was? ...“, flüstert die Frau vor mir leise.
„Ich glaube, ich habe dich nicht verstanden, Jack…!“, sagt sie etwas lauter. Ich schaue auf und sehe in ihre blauen Augen, die voller Verzweiflung mich anschauen. „Das mit uns wird keine Zukunft haben…! Ich bin ein Hüter und du bist bloß ein Mensch. Wir können uns nicht mehr sehen. Du solltest mich so schnell wie möglich ver-“ – „KLATSCH“ Erschrocken halte ich mir die linke Wange, die sich unangenehm heiß anfühlt und schmerzt. Bell stellt mit erhobener Hand vor mir und keucht. „Ist das dein Ernst? Du kommst fast jeden Abend hier her. Du schaust mich ständig mit diesem seltsamen Blick an. Du bringst mich dazu an dich zu glauben! Und dazu küsst du mich! Du bringst mich dazu, dich zu - Was glaubst du eigentlich wer du bist, dass du jetzt hierherkommst und das alles mit so lächerlichen Ausreden beenden willst!“, ruft sie laut und schaut mich mit leuchtenden Augen an.
„Bell… Bitte… Ich will das nicht- aber es ist das Beste…“, sage ich leise und wünschte es wäre vorbei. Sie lässt sie Hand sinken und schaut mich plötzlich unendlich traurig an. Sie dreht sich von mir weg und hält sich am Bett fest. „Geh! Verschwinde Wintergeist!“, sagt sie leise und ich kann die Tränen hören. Ich will einen Schritt auf sie zu machen, sie trösten, meine Worte zurücknehmen, aber ich muss sie verlassen.
Mein Herz blutet und ich hasse mich selbst. „Blue!“, sage ich und der kleine Vogel fliegt in meine geöffnete Hand. „Schlaf kleiner Freund…“, flüstere ich und Blue verschwindet in meiner Hand.
Langsam gehe ich zum Fenster und greife nach meinem Stab.
„Wenn du Hilfe brauchst… Ruf nach mir. Ich werde immer kommen…“, flüstere ich so laut, dass ich genau weiß, dass sie mich hören wird.
Ich höre wie sie laut Luft holt und verziehe schmerzhaft das Gesicht. Das hier ist schlimmer, als alles andere was ich mir vorgestellt habe. Vorsichtig trete ich durchs offene Fenster.
„Auf Wiedersehen, Bell…“, sage ich und lasse mich fallen. Ehe der Wind mich davon trägt höre ich wie sie lauter in Tränen ausbricht.
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