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Eisblumen

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Jack Frost Jamie North OC (Own Character)
18.11.2015
16.01.2021
30
37.236
29
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13.11.2016 1.231
 
Als ich dieses Mal die Augen öffne sehe ich das der Himmel bereits graut und ich spüre in meinen Gliedmaßen, dass ich viel zu lange geschlafen habe.
Schnell werfe ich die weichen Decke von mir und schwinge die Beine aus dem Bett.
„Sie ist schon lange fort. Der Osterhase hat sie nach Hause gebracht.“, sagt eine leise Stimme, nach der ich mich umdrehe. Die Zahnfee steht an der Tür und schaut mich traurig an. „Warum Jack… Warum musstest du sie wieder wählen…?“, fragt sie leise und kommt auf mich zu. Ich trete einen Schritt zurück und greife nach meinem Stab, der neben dem Bett lehnt.
„Als ob man sich aussuchen kann, wen das Herz wählt, Fairy!“, sage ich und meine Stimme bebt vor Wut.
„Du wusstest doch, dass Pitch sie getötet hat, nicht wahr? Wer wusste es noch?“, frage ich sie und meine Stimme überschlägt sich.
Sie schüttelt den Kopf. „Damals war noch alles anders, Jack! Wir haben gerade erst damit begonnen Hoffnung und Licht in den Kindern zu sähen. Wir konnten sie nicht vor Pitch retten. Dein Tod hat sie völlig zerstört. Wir waren machtlos…Sie wollte nicht mehr träumen, sie trug keine Hoffnung mehr in sich. Sie war kein Kind mehr!“, flüstert sie. „Also wusstet ihr alle davon…?“, frage ich leise und drücke den Stab fester an mich. „Nein, nur der Weihnachtmann und ich wussten davon…“, antwortet sie mir und hebt den Blick. „Jack, bitte ich flehe dich an. Denk darüber nach. Wir müssen Pitch aufhalten. Das letzte Mal ist es ihm fast gelungen den Kindern den Glauben an uns verlieren zu nehmen. Auch Bell wird bedroht sein… und mit ihr die ganze Welt. Bitte Jack, du musst sie vergessen. Du kannst keinen Menschen lieben. Du bist ein Hüter, Jack.“, sagt sie mit fester Stimme und schaut mir in die Augen.
Ihre Augen flehen mich an. Ich kann es nicht standhalten und wende den Blick ab.
„Ich muss sie beschützen, Fairy… Ich muss einfach!“, antworte ich ihr und balle meine freie Hand zu einer Faust. Ich spüre wie die Zahnfee näher kommt und ebendiese Hand in ihre nimmt. „Dann tue es, um sie zu beschützen. Wenn Pitch euch wieder zusammen sieht, wird er denken sie sei dir wichtig genug, um ein Druckmittel aus ihr zumachen…“, flüstert sie und öffnet meine Hand sanft, aber bestimmt.
Ich schaue ihr in ihre mir so vertrauten Augen und sehe wie sehr sie kämpft. Wenn der schwarze Mann Bell wirklich benutzt, um durch mich an die anderen Hüter zu kommen, könnte ich mir das nie verzeihen. Und ich könnte nicht damit leben, sie in Gefahr gebracht zu haben, nur weil ich nicht die Kraft hatte mich von ihr zu entfernen und sie loszulassen.
Langsam erreichen ihre Worte mein Herz, das sich schmerzhaft zusammenzieht und ich seufze. „Dann lass mich wenigstens mit ihr reden… Ich muss es ihr erklären…“, sage ich leise und winde meine Hand aus ihren.
Ich muss mich von ihr fernhalten, darf nicht zulassen, dass sie in diesen Krieg mit hineingezogen wird.
„Sag den Anderen, ich bin bald zurück…“, sage ich tonlos, während ich das Fenster öffne und den Wind rufe.
Ich kann nicht zu ihr, denke ich immer wieder, als der Wind an meinen Haaren und der Kleidung zerrt und mich weit in den erwachenden Himmel trägt. Mit rasenden Gedanken überlege ich, was ich nun tun soll. Was ich sagen könnte. Doch alles was ich sagen möchte, wäre eine Lüge. Und alles was ich sagen sollte, wäre die Wahrheit…
Sanft setzt der Wind mich auf einen dicken Ast mitten in einen noch verschneiten Wald. Ich sehe, wie ein kleiner Teich bereits wieder aufgetaut ist. Ich sollte mich bald mal wieder, an meine Arbeit machen…, denke ich und hebe die Arme.
Lass es schneien, lass es frieren, lass mich vergessen!, flehe ich stumm und der Schnee rieselt leise auf den weißen Boden. Ich fliege zum Teich und wandere über das Wasser, dass bei meiner Berührung gefriert. Der Wind streift mein Gesicht und ich schaue hinauf in den Himmel. Der Mond ist auch am Tag deutlich zu erkennen. Ich stelle ihm keine Fragen mehr, er antwortet mir eh nicht.
„Wind, bring mich nach Hause!“, rufe ich und hebe in die Lüfte. Sanft zieht mich mein alter Freund weiter ins Land. Ich fühle die Freiheit und genieße sie in vollen Zügen. Der Stress der letzten Tage und Stunden fallen von mir ab und ich sehne mich nach einem langen Tag Schlaf.
Als ich mein Haus betrete, denke ich sofort an unseren Kuss und den Wunsch sie zu berühren. Heiß, glühend heiß frisst sich die Liebe in meine Eingeweide und mein Herz. Ich spüre wie die Sehnsucht nach ihr wächst und ich zittere bei dem Gedanken daran sie gehen lassen zu müssen.
Sie muss mich vergessen… Sorgfältig verschließe ich jedes einzelne Gefühl an sie in mein kleines, kaltes und gefrorenes Herz, dass gerade begonnen hatte zu schmelzen.

Auf dem Weg zur ihr, lege ich mir meine Worte sorgfältig zu recht. Ich werde nicht zulassen, dass die verschlossenen Gefühle hochkochen…
Ich muss sie beschützen.
Am Haus der Bennets erwartet mich bereits Jemand, mit dem ich nicht mehr gerechnet habe.
„Hat Tooth mit dir geredet, Kleiner?“, fragt mich der Osterhase, als ich mich neben ihm im Garten niederlasse, in dem der Schnee immer noch meterhoch ist.
Ich hole tief Luft und versuche meine Gedanken zu ordnen.
„Ja, allerdings gefällt es mir nicht besonders, dass ich nicht selber entscheiden konnte, was ich tue. Sie wird mich hassen…“, sage ich und das Gefühl zu Ersticken macht sich in mir breit. „Tief durchatmen, Frostbeule. Mach es einfach kurz und schmerzlos. So wird auch für dich am leichten. Glaub mir…“, sagt der Hase traurig, was mich zu ihm aufblicken lässt. „Du kennst das hier bereits, oder?“, frage ich leise und mein Blick wandert zum Haus. Ich kann im Fenster Umrisse sehen, doch ich weiß nicht wer es ist. „Ja… Als Hüter kannst du nicht mal eben so Jemanden lieben, Kleiner. Nur musste ich sie nicht verlassen, weil uns Pitch bedrohte, sondern eher weil ich es nicht ertrug sie mit jedem verdammten Tag sterben zu sehen. Es war so schwer, sich nicht jeden Augenblick mit ihr befassen zu wollen, weil die Zeit so rannte. Nicht, dass ich nicht den Mond an gefleht habe aus ihr ein Hüter zu machen… Aber du kennst den alten Heeren ja… Er redet nicht viel und keiner weiß, warum er manches tut wie er es tut.“, erklärt er und wendet den Blick ab.
„Ist sie da?“, frage ich und starre hoch zu ihrem Fenster. Es brennt kein Licht. „Ja, sie ist vor etwa 5 Minuten hochgegangen… Ich glaube sie wartet auch dich…“, sagt er und klopft mit der hinter Pfote fest auf den schneebedeckten Boden. Ein tiefes Loch erscheint und er wendet sich mir noch mal zu. „Es ist gleich vorbei… Du schaffst das schon, Frostbeule… Glaub mir, nach ein paar Jahren spürst du den Schmerz kaum noch.“, sagt er leise und springt. Es erscheint eine kleine Frühlingsblume, die viel zu sehr rot strahlt als dass sie in diesen Winter passen könnte.
Ich starre sie an und hole schwer Luft. Der Hase hat Recht. Ich habe noch nicht einmal mit ihr geredet und der Schmerz raubt mir schon den Atem. Aber ich muss. Fest schließe ich die Augen und sehe sie vor mich.
Gleich ist es vorbei , denke ich und lasse mich auf ihre Fensterbank fallen.
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