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Eisblumen

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Jack Frost Jamie North OC (Own Character)
18.11.2015
16.01.2021
30
37.236
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30.09.2016 1.191
 
Ich zucke kurz zusammen und werfe Bell einen schnellen Blick zu, die mehr als interessiert zur Tür starrt. „Wer ist das?“, fragt sie leise und lehnt sich zu mir rüber.
Tief Luftholend gehe ich langsam zur Tür und öffne sie, ohne auf ihre Frage einzugehen. „Hase… Komm doch rein…!“, sage ich zu meinem mehr als unwillkommenen neuen Gast und mache ihm Platz. „Jack! Dafür haben wir jetzt keine Zeit!“, ruft der Osterhase aufgeregt und verschränkt die Arme vor der Brust, während er mit einer Pfote ungeduldig auf den Boden klopft.
„Jack…?“, höre ich Bell leise hinter mir sagen und sehe wie der Hase nun auch bei Bells Entdeckung die Augen aufreißt.
„Ist das…?“, fragt er und wirft mir einen nicht deutbaren Blick zu. Ich nicke. Bell nährt sich uns und starrt den Osterhasen an. „Ist das…?“, fragt sie unsicher. Wieder nicke ich und gehe zu ihr.
Der Hase seufzt und verbeugt sich spöttisch vor ihr. „Darf ich mich vorstellen. Ich bin der Osterhase!“, sagt er und schaut sie an. „Und du bist wohl Bell… Ich hab einiges von dir gehört… Und ich würde so gerne hören, was du im Haus von diesem kleinen Eisperversling zu suchen hast, aber wir haben echte Probleme…“, sagt er mit einem belustigten Blick auf mich.
Ich will gerade was erwidern, etwas nicht besonders Nettes, aber Bell unterbricht meinen Gedanken. „Was ist am Nordpol passiert?“, fragt sie besorgt und wirft mir einen schnellen Blick zu. Der Osterhase betrachtet sie einen Augenblick lang und wägt ab, wie viel er ihr sagen kann. Er seufzt und schließt die Augen.
„Pitch…“, sagt er leise und ich reiße erschrocken die Augen auf.
„Was… Das kann nicht sein, Hase…!“, murmele ich aufgeregt und greife fester nach meinem Holzstab. „Wir haben schwarzen Sand von seinen Alpträumen bei den kranken Yetis gefunden… Wir sind uns relativ sicher. Und wir sind uns sicher, dass er sich rächen wird…“, fügt er leise hinzu. Er wirft Bell einen kurzen Blick zu und ich verstehe. Er war hier. Er hat uns beobachtet.
Er weiß von ihr… Verdammt!
„Wer ist Pitch?“, fragt Bell unsicher und wirft uns beiden einen langen Blick zu, während wir schweigen. „Du kennst ihn sicher besser unter dem Namen: Der schwarze Mann…“, erklärt der Osterhase und geht zur Tür. „Wir müssen nun aufbrechen, Jack…!“, sagt er zu mir gewandt und ich nicke. „Der schwarze Mann? Das ist doch albern! Den gibt es nicht! Das ist nur eine Geschichte, die man Kindern erzählt!“, sagt Bell und folgt uns.
„So wie auch wir nur eine Geschichte sein sollten, gibt es ihn auch.“, sage ich traurig. Ihre Worte haben mir einen Stich ins Herz versetzt. Schnell bildet sich in meinem Inneren das vertraute Gefühl von Zurückweisung und des Nichtgesehenwerdens. Ich kenne das Gefühl, wenn niemand an einen glaubt. Ihre Worte haben mich verletzt. Sie versteht nicht, dass es mich auch nur gibt, weil man an mich glaubt. Weil sie glaubt. Sonst wäre ich auch nur eine Geschichte, die man den Kindern erzählt.
„Jack… Ich meinte es nicht so…“, sagt sie leise und greift nach meiner Hand. Ihre Wärme durchzuckt mich und ich denke an ihre sanften Lippen. Ich schaue in ihre Augen, in denen die Entschuldigung glänzt und das schlechte Gewissen scheint. Vorsichtig lächle ich sie an, sie kann nicht wissen wie es ist diese Gefühle zu haben.
Sie ist ein Mensch…
„Ich unterbreche nur ungern, aber was machen wir jetzt mit ihr?“, fragt der Osterhase und starrt uns an. Ich wende mich erneut ihm zu, während ich noch immer ihre warme Hand halte.
„Sie muss nach Hause…!“, sage ich entschlossen und überlege schon fieberhaft wie ich sie nach Hause bringen kann, ohne viel Zeit zu verlieren.
Eine von diesem dämlichen Zauberkugeln wäre jetzt genau richtig.
„Ich komme mit!“, sagt Bell entschlossen und sie schaut mich ernst an. „Was?!“, frage ich überrascht. „Das geht nicht!“, sage ich aufgeregt und drehe mich endgültig zu ihr um. „Warum nicht? Es würde zu lange dauern mich nach Hause zu bringen. Und desto länger du hier mit mir diskutierst, desto später kommen wir zum Nordpol!“, sagt sie und verschränkt die Arme vor der Brust. „Jack… Ich sage es nur ungern… Aber bei uns wäre sei wenigstens sicher…“, murmelt der Hase und tretet einmal fest auf den Boden, wo sich augenblicklich ein Loch bildet.
Ich schaue Bell in die blauen entschlossenen Augen und versuche eine Lösung zu finden. Nach einem Augenblick gebe ich nach und nicke. Der Hase hält ihr die Hand hin und deutet ihr ins Loch zu springen. „Nach dir!“, sagt er, während sie seine Hand nimmt und sich ans Loch stellt. Ich sehe wie sie das Loch einen Moment lang ungläubig anstarrt und sie vor Angst kurz erstarrt.
Sie holt tief Luft und springt. Als ich nähertrete, fasst er mich an die Schulter. „Weiß sie es? Weiß sie von Beth?“, fragt er leise und ich schüttle den Kopf, ehe ich springe.  


Am Nordpol ist es kalt, wie eh und je. Ich sehe wie Bell sich selbst umklammert und versucht möglichst wenig zu zittern. Zum Glück hat der Hase uns relativ nah an das Tor gebracht.
Mit einer geballten Faust schlage ich nun dagegen und warte. Kurze Zeit später, in der ich permanent Angst hatte, dass Bell erfriert, öffnet uns endlich ein Yeti die riesige Tür. Einen Momentlang schaut er Bell irritiert an, ehe er zur Seite tritt und uns endlich ins Warme lässt. Im Inneren ist es angenehm warm und ich kann förmlich sehen, wie die Frau vor mir wieder auftaut und sich wie ein kleines Mädchen mit großen Augen umschaut.
„Ist das hier wirklich das Haus vom Weihnachtsmann?“, fragt sie mich mit leiser Stimme, ehe sie ans riesige Geländer tritt und hinunterschaut. Ihre Augen weiten sich erstaunt und sie beginnen zu leuchten, als sie auf die Werkstatt des alten Mannes herunterschaut.
„Jack!“, ruft die Stimme der Zahnfee nach der ich mich umdrehe. Sie schwebt über der Treppe und starrt uns an. In ihrem Blick kann ich Schmerz sehen und Enttäuschung. Sie schaut zwischen mir und Bell hin und her, es scheint fast so, als würde sie spüren, dass wir uns nähergekommen sind. Als ob sie den Kuss gesehen hätte.
Der Hase schleicht sich an mir vorbei und schwindet, indem er die Treppen hinaufgeht. Auch Bell hat sie gehört und starrt die Zahnfee genauso an, wie sie uns. „Beth…“, murmelt diese und kommt langsam auf uns zu. Ich zucke zusammen als ich diesen Namen höre und werfe Bell neben mir einen beunruhigten Blick zu. „Beth…? Entschuldigung, aber du verwechselst mich. Mein Name ist Bell.“, antwortet die Frau neben mir und verschränkt die Arme vor der Brust. Fairy ist mittlerweile bei uns und schaut Bell eindringlich an.
Diese weicht dem Blick allerdings nicht zurück. „Jack, was macht sie hier?“, fragt schließlich die Fee und richtet ihren Blick wieder auf mich. „Ehm…“, beginne ich, werde aber unterbrochen. „Das kannst du SIE selber fragen!“, sagt Bell und ich höre Wut in ihrer Stimme. Die beiden wechseln wieder einen Blick, ehe die Fee sich abwendet und davonfliegt.
„Was war das denn?“, fragt Bell und schaut mich mit ihren blauen Augen an. Ich zucke mit den Schultern und folge dem Hasen zur Treppe.
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