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Eisblumen

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Het
Jack Frost Jamie North OC (Own Character)
18.11.2015
16.01.2021
30
37.236
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08.07.2016 1.177
 
„Das ist ja mal ein riesen Päckchen, dass du da auf deinen Schultern trägst, mein kleiner, eiskalter Freund…“, murmelt der Hase, während er gedankenverloren an seinem Bumerang spielt. Wir sitzen jetzt bestimmt schon seit über ner Stunde auf dem Boden im Lagerraum und ich merke, wie gut es mir tut mit jemanden zu reden, der mich nicht ständig verwirrt.
„Ich weiß wirklich nicht, was ich tun soll…“, antworte ich. Kleine Eisblumen fliegen um meine ausgestreckte Hand und lassen mich an Bell denken. Tief in meinem Herzen zieht es sich schmerzhaft zusammen. Ich habe sie schon eine Ewigkeit nicht gesehen, jedenfalls kommt es mir so vor. Ich denke an ihre Wärme, als wir gemeinsam in ihrem Bett lagen und ich sie in meinen Armen halten durfte.
Freude umschlingt mein Herz und ich merke, wie sich ein Lächeln in meinem Gesicht breitmacht.

„Ich kann dir zumindest eins sagen, wenn du weiter so bekloppt lächelst, dann ist das was du für die Kleine fühlst bestimmt nicht nur irgend so ein Gefühl- Dich hats ziemlich erwischt, Frostbeule!“, sagt der Hase mit einem Grinsen im Gesicht. „Hm? Ich weiß gar nicht was du meinst…“, antworte ich und schaue schnell in eine andere Richtung.
Plötzlich seufzt der Hase traurig. „Kleiner… Ich glaube, wir sollten uns mal über das „Buch der Hüter“ unterhalten.“, sagt er und in seiner Stimme schwingt Sorge und Traurigkeit mit.
Ich atme hörbar aus und schaue ihn an. „Warum müssen wir denn jetzt über dieses alte verstaubte Ding sprechen…?“, frage ich und schaue mich langweilig um. „Ich hör dem Weihnachtsmann ja auch nicht wirklich zu, wenn er anfängt drüber zu reden.“, erkläre ich, aber ein Blick in die Augen des Osterhasen, lassen mich verstummen. Ich sehe eine Entschuldigung und Sorge.
Ich ziehe eine Augenbraue in die Höhe und warte. „Du weißt, dass wir so lange leben, wie es den Glauben an uns gibt. Solange irgendein Kind auf dieser Welt an uns glaubt und unsere Hilfe braucht, werden wir da sein. Es ist schon sehr… speziell… dass Bell dich sehen kann. Sie ist, zumindest was ich bis jetzt gehört habe bestimmt kein Kind mehr. Vielleicht liegt es daran, dass Beths Seele in ihr lebt, aber vielleicht hat es auch ganz andere Gründe, die wir noch nicht verstehen können.
Aber Jack… Bell ist ein Mensch… Und du bist ein Hüter. Du hast Aufgaben und Verpflichtungen um du dich kümmern musst.“, sagt er Hase, während er seine Hände betrachtet. „Aber Hase… Nur weil ich Bell besuche oder sehen will, heißt das doch nicht, dass ich.-“, beginne ich, aber der Hase unterbricht mich. „Jack… Wie alt bist du?“, fragt er leise. Ehe ich antworte wird mir plötzlich klar, was er mir da sagen will. Sie ist ein Mensch… Sie altert mit jedem verdammten Tag, während ich für immer jung bleiben werde.
„Sie stirbt mit jeden Tag ein bisschen mehr… Und deswegen sagt das Buch, dass wir uns nicht in Sterbliche verlieben sollten…“, sagt der Hase traurig und plötzlich frage ich mich, ob dieser alte, grimmige Hase nicht auch ein gebrochenes Herz in sich trägt.  
Verzweifelt fasse ich mir in die schneeweißen Haare. Verdammter Mist!

Die Sonne ist schon längst wieder untergegangen und der Mond strahlt hell.
Ich sitze auf dem Haus gegenüber und kann wenigstens zum Teil in ihr Zimmer schauen. Sie sitzt schon eine ganze Weile an ihrem Schreibtisch und schreibt in ein kleines blaues Büchlein. Der kleine Vogel sitzt neben einem Becher mit kaltem Tee.
Ich würde gerne zu ihr gehen, sie in den Arm nehmen und vergessen was dieser Tag alles in mir hervorgebracht hat.
Nach meinem Gespräch mit dem Osterhasen war ich ständig abgelenkt, aber es hat mir gutgetan. Die anderen haben bestimmt bemerkt, dass was nicht stimmt. Aber sie ließen mich in Ruhe und gaben mir besonders simple und einfache Aufgaben, bei denen ich nicht viel denken und nicht viel falsch machen konnte.
Ich war dankbar, auch wenn sie mir damit die Möglichkeit gegeben haben ständig daran zu denken, dass ich bei Bell Herzflattern bekomme, sie mit jedem Tag, mit jeder Stunde, die vergeht stirbt.
Sie hebt den Kopf und starrt gedankenverloren zum Fenster, ehe ihr Blick zu dem kleinen Vogel wandert. Ich sehe wie sie seufzt und die Augen schließt.

Bell steht plötzlich auf und geht in den Teil des Zimmers, den ich von meiner Position aus nicht sehen kann. Ich stehe auf und nehme mir meinen Stab. Ein kurzer Gedanke reicht aus, damit mich der Wind auf das Dach von Jamies Haus weht. Vorsichtig versuche ich ohne ein Geräusch zu verursachen mich von Dach herunterhängen zu lassen und in das Zimmer zu schauen. Sie sitzt auf dem Bett und starrt das Bild in ihren Händen an. Doch es ist nicht das Bild von ihren Eltern, das steht auf seinem Platz neben der Lampe auf dem Nachttischchen. Es ist das Bild von uns.
Gedankenverloren streicht sie mit ihren Fingern drüber.

„Blue…? Wo bleibt er…? Hab ich ihn verschreckt mit dem was ich gesagt habe?“, fragt sie leise und erst einen kurzen Moment später wird mit klar, dass Blue der kleine Vogel ist, der neben ihr auf dem Bett hockt.  Sie denkt wirklich, dass sie mich verschreckt hat und ich deswegen nicht kommen mag. Der Gedanke bringt mich ein bisschen zum Lächeln.
Vorsichtig lasse ich mich auf die kleine Fensterbank vor ihrem Fenster fallen und öffne das Fenster. Ich hebe meine freie Hand und lasse kleine Eisblumen in das Zimmer fliegen. Sie fallen auf ihre Haare und schließlich auf ihre Hand. Der kleine Vogel flattert aufgeregt mit den Flügeln und kommt direkt auf mich zu geflogen. Freudig empfängt er mich, während ich das gesamte Fenster öffne und in das Zimmer steige.
Bell steht auf und starrt mich an. Ihre langen Beine stecken in kurzen hellen Shorts und sie trägt einen viel zu großen Pullover mit der Aufschrift: „Träumerin“ drauf.
„Jack…“, flüstert sie, lässt das Bild fallen und kommt auf mich zu gelaufen. Sie prallt gegen mich und ich suche einen kurzen Moment nach meinem Gleichgewicht, ehe ich wie von selbst meine Arme um sie lege.  
Sie ist warm und verströmt ihren einzigartigen Duft, den ich so sehr an ihr liebe. Sie presst sich näher an mich und legt ihren Kopf an meine Brust.
„Ich dachte, du kommst nicht mehr…“, murmelt sie leise und vergräbt ihr Gesicht vollständig in meinem Hoddie.
Alles war heute gesagt wurde, alles was mich hat zweifeln lassen, ist in diesem Moment vergessen und nicht mehr wichtig für mich.
Langsam und sachte nehme ich meine rechte Hand und hebe damit vorsichtig ihr Gesicht an. Ihre Wangen schimmern in einem leichten Rot und in ihren Augen schimmert das Licht. Sie schaut mich mit ihren wunderschönen blauen Augen an. „Ich hab den Mond angefleht, dass du kommst.“, flüstert sie und lächelt schüchtern. Ich muss ebenfalls lächeln. Der alte Herr hat mich darüber zwar nicht informiert, aber er wusste eh dass ich herkommen werde.
„Ich hab dich vermisst, Jack…“, sagt sie, ehe sie sich wieder an mich kuschelt.
„Ich habe dich auch vermisst, Bell…“, flüstere ich, ehe ich mein Gesicht in ihren Haaren vergrabe.
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