Held in strahlender Rüstung

KurzgeschichteRomanze / P6
18.11.2015
18.11.2015
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Nina und Flo waren Freunde seit sie denken konnten.

Also so ab dem 4. Lebensjahr, denn davor verschwamm alles in einem Wirrwarr aus Farben und Stimmen. Das 4. Lebensjahr war das erste Jahr, an das sich Nina wirklich erinnern konnte. Nicht nur Bruchstückhaft, sondern tatsächlich detailliert.

Beide wohnten in der selben Straße, zwei Häuser auseinander.

Sie waren Kindheitsfreunde. Jugendfreunde. Schulfreunde.

Himmel, sie hatten in ihren 15 Jahren so ziemlich jede Stufe der Freundschaft hinter sich die es überhaupt gab.

Und dann trat das Klischee auf und scherte sich nicht darum, dass sie eigentlich nur Freunde waren.

So war nun mal das Leben.

Flo merkte es als Jeremia aus der Parallelklasse zu nah bei Nina stand.

Was nicht wirklich näher war als er auch immer stand, aber er wollte Jeremia lieber ein paar Meter, wenn nicht sogar Kilometer, von Nina sehen.

Also machte er, was man als guter Freund nun mal tat, nämlich legte Nina einen Arm um die Schultern, sandte Jeremia einen Komm-nicht-näher-Blick und quengelte, dass sie endlich gehen sollten, sonst würde der Bus ohne sie fahren.

Nina merkte es, als Caroline Flo ihre Valentinskarte überreichte und dann mit hochroten Kopf davonstürmte. Dieses kleine stechende Ding in ihrem Herzen, was da eindeutig nicht hingehörte. Deshalb tat sie, was man als gute Freundin eben so tat, und hielt Flo ihre Karte hin. Und sie schaffte das ganze ohne rot zu werden und davonzulaufen.

Sie war nie stolzer auf sich.


Flo hatte sich geprügelt.

Mann musste kein Meisterdetektiv sein um das zu erraten.

Immerhin kamen eine geschwollene Lippe und ein blaues Auge nicht von alleine.

Nina schlug in.

Leicht, aber sie zielte genau auf einen blauen Fleck an seiner Schulter.

"Autsch, Nina, du bist eine Sadistin!" knurrte Flo während er sie anfunkelte.

"Und du bist ein Idiot. Du hättest wissen müssen das er stärker war."

Jeder Mensch mit etwas Verstand konnte sich ausrechnen, dass ein 15 Jähriger gegen einen 17 jährigen wenig ausrichten konnte.

Flo grummelte nur leise während Nina seine Lippe verarztete und zuckte nur einmal kurz zusammen.

"'Tschuldige. Aber du musstest ja unbedingt den Helden spielen. Wir hätten einfach weitergehen können, aber nein, Florian Schneider musste ja unbedingt einen Streit anzetteln."

"..."

"Nächstes Mal lasse ich dich einfach lieben."

"Er hat dir auf den Hintern gestarrt. Und er hat es nicht mal versucht zu verbergen."

Überrascht hob Nina eine Augenbraue. Dann lächelte sie und tätschelte Flo's Wange.

"Dann herzlichen dank mein strahlender Ritter."

Beide Freunde verfielen in schweigen, nur das leise quietschen der Couch war zu hören, sowie das tikken der Wanduhr.

"Hey, wenn ich der strahlende Held bin, bist du dann nicht die Jungfrau in Nöten. Autsch, wofür war dass denn?" Genervt rieb sich Flo die Schulter, schien so als hätte Nina einen neuen Lieblingspunkt entdeckt. Zweimal auf die gleiche Stelle. Das tat weh!

"Nenn mich nie wieder so." funkelte ihn seine sogenannte beste Freundin an. Sie sah wirklich süß aus mit dem leicht roten Schimmer auf ihren Wangen und den Funken sprühenden Augen.

Flo grinste breiter. Als ob er jemals aufhören würde Nina aufzuziehen. Wofür hatte man Freunde denn sonst?

"Ich denke du solltest mich jetzt küssen!" "Nein." "Aber die geretteten -Frauen küssen den Helden immer am Ende, also sei keine Spielverderberin und gib mir einen Kuss Nina."

Fast erwartete er einen erneuten Schlag gegen seine malträtierte Schulter, doch dieser blieb aus.

Stattdessen fand er sich gefesselt von dem Anblick seiner knallroten Freundin.

Nina wusste nicht was sie tun sollte. Im Moment schien ihr Gehirn unfassbar leer zu sein. Flo hatte gesagt sie sollte ihn küssen. Florian Schneider, ihr bester Freund hatte sie nach einem Kuss gefragt.

Und das Klischee rannte lachend im Kreis.

Aber Nina war das egal, denn irgendwo in ihrem Strudel aus zusammenhanglosen Gedanken wisperte diese kleine Stimme, dass sie es endlich tun sollte.

"Nina, tut mir leid, ich hätte das ..." nicht sagen sollen wollte Flo den Satz vollenden, wurde jedoch effektiv von den Lippen seiner Freundin unterbrochen.

Vielleicht hatte Nina ein bisschen zu viel Elan in ihre Kurzschlussreaktion gelegt, denn beide verloren das Gleichgewicht und sie konnte den Schmerz fast hören, den Flo's Kopf beim Aufschlagen an die Sofalehne erleiden musste.

So hätte ihrer erster Kuss nicht sein sollen, so wurde er nie in Filmen oder Büchern beschrieben. Es fehlten die Rosen, die aus unerklärlichen Gründen vom Himmel fielen, oder die Band, die sich wahrscheinlich unpassend fühlte.

Aber als sich ihre Augen trafen, kümmerte sie das nicht wirklich.

"Weißt du, ich hätte mich schon viel früher verprügeln lassen sollen."
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