If you don't fight, you die

von penitence
GeschichteDrama, Romanze / P18
Daryl Dixon Merle Dixon Negan OC (Own Character) Rick Grimes
16.11.2015
11.11.2019
94
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,,Eyes open.
Where there's is one, there's more.‘‘


- Alpha -






Wie lange sie alle gewandert waren, bis sie letztendlich auf die ersten wandelnden Toten getroffen waren, konnte keiner so genau sagen; nur, dass an ihnen nichts Außergewöhnliches festzustellen war.
Die langsam verwesenden Körper taumelten mehr vor sich hin, als das sie wirklich gingen; setzten umkoordiniert einen Fuß vor den anderen.
Daryl, der jede Bewegung jedes Beißers, der ihm vor die Augen kam, genauestens studiert hatte, verengte seine Augen zu zwei schmalen Schlitzen, als ihm etwas auffiel, das tatsächlich als äußerst ungewöhnlich betitelt werden konnte.
Normalerweise — natürlich entsprechend dem jeweiligen Gelände auf dem sie sich befanden — hatten Beißer den Drang, ihre sture und nicht enden wollende Reise so lange fortzusetzen bis man ihr Ende mit Gewalt erzwang oder etwas geschah, das ihre wenigen, noch verbliebenen niederen Instinkte anderweitig ansprach.
Sie bildeten Horden, weil das eben einfach manchmal geschah.
Sie stagnierten, wenn sie nicht genügend Nahrung bekamen.
Aber nicht einmal, nicht ein einziges Mal, hatte Daryl miterlebt, dass sie eine Art Formation bildeten. Das war nicht nur neu und ungewöhnlich, sondern vor allem überaus besorgniserregend.

,,Hey’’, erregte Daryl Ricks Aufmerksamkeit. Sie waren alle beisammen geblieben, aber jeder von ihnen hatte eine andere Stelle des Waldes erkundet und Daryl war derjenige gewesen, der die Beißer auf dem offenen Gelände beobachtet hatte. Ohne eine weitere Aufforderung dazu zu erhalten, folgten auch die anderen dem Armbrustschützen und konnten, ebenso wie dieser, nur Spekulationen darüber anstellen, was sie hier zu sehen bekamen.
,,Das habe ich noch nie gesehen’’, sprach Helen das aus, was jeder einzelne von ihnen gedacht hatte. ,,Dass sieht aus, wie…’’
,,...eine Formation’’, schloss Daryl den Satz für sie, woraufhin die kleine Amazone zustimmend nickte.
Anders konnte man die Bewegungen dieser Walker, wenn sie denn auch welche waren, nicht beschreiben.
,,Wir müssen näher ran’’, merkte Rick an und niemand widersprach.
Sie mussten es.
Daran führte kein Weg vorbei.
Sie mussten wissen, mit welcher Gefahr sie es hier zutun hatten oder ob diese Walker vielleicht doch nur eine grausame Laune der Natur waren.

,,…ihr seid schon nah genug…’’
Es war eine Stimme, vielmehr ein sanftes Flüstern und es war aus der Richtung eines Beißers gekommen, der, wie aus dem Nichts, aus dem Dickicht heraustrat.
Und dann überschlugen sich die Ereignisse.
Der Beißer zückte ein Messer und griff ohne zu Zögern Ricks Gruppe an.
Weitere Walker kamen hinzu und taten es ihrem Artgenossen gleich.
Sie waren in einen Hinterhalt geraten.
Man hatte auf sie gewartet.
Oder man hatte zumindest damit gerechnet, dass jemand kommen würde, der versuchen würde, ihren vermissten Freund aufzuspüren.
Klingen flogen durch die Luft, trafen auf echtes, blutendes Fleisch; auf Menschen, die schrien, als sie verletzt oder getötet wurden.
Das hier waren Menschen, daran gab es nicht einen Zweifel.
Auch wenn sie wie Walker aussahen, verbargen sich darunter echte lebendige Menschen, die vielleicht nicht so geschulte Kämper wie Ricks Leute waren, aber zumindest welche, die Waffen besaßen, um sich zu verteidigen.
Dennoch trugen die vermeidlichen Walker nicht den Sieg davon.
Sie unterlagen, und waren diejenigen, die an diesem Tag starben.

Mit grimmiger Miene, wollte Daryl sich den letzten Beißer vornehmen.
Schließlich wollten sie noch an Informationen kommen; danach würde der Tod eine willkommene Erlösung sein. Doch als Daryl nah genug an den Beißer herangekommen war, warf dieser sein Messer fort, warf sich auf die Knie und bat darum, ihn zu verschonen.
Die Stimme, die zu vernehmen war, klang zwar gedämpft, aber eindeutig weiblich.
Daryl stutzte, ebenso wie seine drei anderen Gefährten.
Denn diese Stimme klang nicht nur weiblich, sondern sehr viel jünger, als sie es erwartet hatten. Noch immer um ihr Leben bangend, schrie die Umzingelte kurz auf, als Daryl einen Schritt nach vorn trat und ihr die Walker-Maske, die ihre menschlichen Züge verbarg, vom Gesicht riss.

Es war tatsächlich ein Mädchen, ein sehr junges Mädchen — sie war vielleicht in Carls Alter — , dessen blasses Antlitz nun zum Vorschein kam; mit dunklem Haar und hellblauen Augen, mit denen sie unter Tränen um Gnade bat.
,,Sind hier noch mehr von eurer Sorte?’’, hakte Rick mit erhobenen Revolver nach.
Er war nicht zum Spaßen aufgelegt.
Die Drohung, die unausgesprochen in der Luft hing, war sein voller Ernst.
,,Nein…nein, ihr habt sie alle getötet. Ich schwöre es.’’
,,Bullshit!’’, spukte Daryl aus.
Auch Rick war nicht so wirklich davon überzeugt, dass dieses Mädchen die Wahrheit sagte, aber sie hatten nicht die Zeit dafür groß herum zu diskutieren.
,,Wir nehmen sie mit’’, entschied er, obgleich er Michonnes skeptischen Blick durchaus bemerkte.
Im Grunde gefiel Rick sein eigener Entschluss ebenso wenig.
Aber welche Wahl hatten sie schon?
Welche hatte er?
Was wenn noch mehr von ihren Leuten kamen?
Was wenn sie bereits auf dem Weg waren?
Würden sie auch ein zweites Mal obsiegen?

Rick wusste, dass es häufig unausweichlich war, ein bestimmtes Risiko einzugehen.
Aber jetzt ging er lieber das Risiko ein, dass fremde Mädchen mitzunehmen, als jenes, wohlmöglich noch weiter die Aufmerksamkeit echter oder falscher Beißer auf sich zu ziehen.
Er blieb bei seiner Entscheidung.
Man fesselte dem Mädchen die Hände, verband ihre Augen, damit sie nicht sehen würde, wohin sie gebracht wurde und dann nahm sie vor Rick auf seinem Sattel Platz.
Es war bereits spät geworden, die Gefahr noch keinesfalls gebannt, da wollte Rick sicher gehen, dass die Rückkehr nach Alexandria schnellen Schrittes geschah und nicht noch mehr Zeit als nötig in Anspruch nahm.
Sie verbrachten noch ungefähr fünf Minuten damit, sicherzustellen, dass zumindest die nähere Umgebung Walker frei war, ehe sie, mit der jungen Gefangenen im Schlepptau, die Heimreise antraten.


                                                           ~~~*~~~


Fast auf die Sekunde genau, nachdem der letzte Sonnenstrahl den Kampf gegen die hereinbrechende Nacht verloren hatte, erreichte das kleine Grüppchen die Tore Alexandrias.
Die meisten Bewohner hatten sich bereits in ihre Häuser zurückgezogen und Rick war der Meinung, dass es vorerst nicht nötig wäre, sie in Alarmbereitschaft zu versetzen.
Das junge Mädchen wurde in eine Scheune gesperrt.
Kurz notdürftig versorgt und dann für diese Nacht in Ruhe gelassen.
Man wollte ihr eine kleine Schonfrist gewähren.
Eine Möglichkeit, damit sich die beiderseitigen Gemüter beruhigen konnten.
Bevor sie, am nächsten Tag, verhört werden sollte.
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