Erst waren wir nur Freunde, dann kam die Realität

von kuyami
GeschichteRomanze / P16 Slash
Klaas Heufer-Umlauf Mark Tavassol
16.11.2015
16.11.2015
1
3.022
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16.11.2015 3.022
 
Titel: Erst waren wir nur Freunde, dann kam die Realität
Fandom: Gloria
Pairing: Mark Tavassol / Klaas Heufer-Umlauf
Rating: P16-Slash
Beta und Dank an: Ria & Sammy-Chan <3

Inspiration: Die Liebe der beiden, die einen auf jedem Konzert anspringt <3 Und der Song: „Sehnsucht Nr. 7" von Radio Doria, der seit dem BuViSoCo nicht mehr aus meinem Kopf will  :)


Viel Spaß bei diesem kleinen One-Shot und haut gerne in die Tasten für eine Rückmeldung :)




Erst waren wir nur Freunde, dann kam die Realität



Die Tour… es lag definitiv an der Tour. Und an der Promotion-Tour davor und den vielen Stunden Feinschliff am Album davor. Das musste es sein. All diese Momente, in denen Klaas permanent an seiner Seite gewesen war.
Anders konnte Mark sich nicht erklären, wieso er sich plötzlich so nach Klaas sehnte.
Normalerweise war er auch gar nicht so. Klar, er war ein Mensch mit Gefühlen. Und er war durchaus auch ein Mensch mit Gefühlen für Klaas. Aber er war dennoch ein erwachsener Mann über 40, der schon lange darüber hinaus war, sich teenagerartigen Schwärmereien hinzugeben. Eigentlich.
Nur bei Klaas, da konnte er manchmal einfach nicht anders.

Gedankenverloren starrte er in seine halb leere Kaffeetasse, setzte sie an und stellte sie dann aber doch wieder zurück auf die kleine Ablage neben dem Mischpult, wo sie einen weiteren Kaffeerand verursachte. Irgendwann sollte er vielleicht doch einfach Mal wieder sauber machen hier. Irgendwann. Vielleicht.
Aber nicht heute. Denn heute vermisste er Klaas und nichts ging.
Dabei war es so idiotisch, dass er sich kaum traute, es sich einzugestehen.
Sie hatten die letzten Wochen unfassbar viel Zeit miteinander verbracht und jetzt war Klaas einmal wieder in Berlin, wo er nun Mal arbeiten musste. Und schon saß er hier und hatte nicht mal mehr Lust, seinen Kaffee zu trinken. Aber der war eh schon kalt, also auch egal.

Seufzend streckte er sich und sein knacksender Rücken war kurz das einzige Geräusch im Raum. Dann setzte er sich wieder aufrecht hin, fest dazu entschlossen, sich anzuhören, was er vor zwei Tagen nach einer spontanen Eingebung einfach fix aufgezeichnet hatte. Vielleicht war es ja ganz brauchbar und man konnte daraus – oder zumindest aus einigen Teilen – einen neuen Song für Gloria basteln.
Doch schon nach den ersten Tönen schaltete er wieder ab.
Nein, das war es nicht.
Zumindest nicht heute.
Weil gerade einfach nichts stimmte.
Er schämte sich sogar vor sich selbst, aber in seinem Kopf war doch nur Klaas. Dem würde er jetzt gerne seine Tonaufnahme zeigen, damit der sie dann schlecht reden konnte, weil sie nicht zu seinem neuen Text passte, den er sich ausgedacht hatte. So, wie es immer war.

Nachdem er doch wieder nach seiner Kaffeetasse gegriffen hatte und in die Schwärze seines Kaffees gestarrt hatte und kurz versunken war, stellte er die Tasse dann doch wieder beiseite und seufzte. Ließ seinen Blick dann aus dem Fenster seines Tonstudios gleiten und fragte sich, wohin das alles wohl führen sollte.
Es war doch nur eine kleine Affäre. Wenn überhaupt.
Angefangen hatte es im Tourbus, in dem sie unendliche Stunden aneinander gequetscht verbracht und sich danach ein Hotelzimmer geteilt hatten. Dabei war es doch gar nichts Besonderes gewesen. Nichts, was er nicht schon mit seinen Bandkollegen von 'Wir sind Helden' gemacht hätte. Denn jetzt waren es Gloria und jetzt war es Klaas. Und mit Klaas war alles anders.

Sie waren eigentlich nicht zusammen und waren es doch irgendwie. Hatten eine stille Übereinkunft getroffen, dass sie niemals ein Wort darüber verlieren würden und hatten sich nicht einmal getraut, diese Abmachung laut auszusprechen.
Vielleicht weil alles zwischen ihnen zu fragil war. Vielleicht, weil sie selbst nicht so ganz wussten, was das da zwischen ihnen überhaupt war. Oder vielleicht auch einfach nur, weil sie es nicht so ganz wahr haben wollten.
Was es auch war… Mark würde es nicht ändern. Er wollte es nicht ändern.
Nur irgendwie. Nur manchmal. An Tagen wie heute, an denen er Klaas vermisste und ihn einfach nur bei sich haben wollte. Da wollte er gerne alles über den Haufen werfen, alles riskieren was er hatte und das, was da zwischen ihnen war, einfach aussprechen. Allein schon, es in Worte zu fassen, könnte alles zerstören. Dessen war er sich bewusst. Und manchmal, da wollte er genau das. Alles zerstören. Das zwischen ihnen in Schutt und Asche legen, damit sie es wieder neu aufbauen konnten. Vielleicht auch, damit sie etwas anderes daraus machen konnten. Damit sie mehr daraus machen konnten.
Mehr, als da jetzt war und mehr als er sich eingestehen wollte. Mehr, als sie sich beide eingestehen wollten.
Aber Mark war nicht dumm und trotz aller rosaroten Gefühle, die so gar nicht in sein momentanes Weltbild passten, war er sich der Realität nur allzu bewusst. Die Realität trug die Namen Doris und Anna, hatte ihnen beiden wunderbare Kinder beschert und irgendwie dafür gesorgt, dass ihr Bandprojekt es plötzlich auf richtige Bühnen geschafft hatte.
Und das war gut so. Irgendwie.
Aber irgendwie… eben auch nicht. Denn irgendwie gab es da eben diese Momente wie heute, wo er alles hinschmeißen und seine heile Welt einreißen wollte. Für Klaas. Mit Klaas.
Und dann hatte er einen schalen Geschmack im Mund, wenn er daran dachte, seine Frau zu verlassen und das Herz tat ihm weh, wenn er sich nur vorstellte, welch bittere Verhandlungen er mit ihr über das Sorgerecht ihrer Kinder würde führen müssen. Gleichzeitig fühlte er sich auch ein wenig frei, wenn er davon träumte, vielleicht doch nochmal seine Doktorarbeit zu schreiben und wieder ein wenig Forschungsluft zu schnuppern. Dann fühlte sich sogar der Gedanke, Gloria doch wieder aus der Öffentlichkeit zurück zu nehmen und wieder zu einem privaten Hobby zu machen, richtig und gut an. Dann träumte er davon, einfach bei Klaas sein zu können.
Ohne diesen seltsam angespannten Unterton zwischen ihnen, der die ganze Zeit mitschwang. Weil sie beide das gleiche fühlten und eben doch nicht darüber sprachen.
Denn Mark war nicht blind und er war alt genug, um zu merken, dass es Klaas genauso ging. Und er merkte, wenn es Klaas doch einmal passierte, dass er einen gefühlsbetonten Vorschlag für einen Songtext machte. Und dann war er selbstbewusst genug um zu wissen, dass Klaas dabei nicht von Doris sprach.
Doch noch war er nicht mutig genug, all das zu tun. Vielleicht war er für so ein Abenteuer auch schon zu alt. Aber vielleicht auch noch lange nicht alt genug. Wer wusste das schon?
Gut, Mark wusste es. Aber er wollte nicht darüber nachdenken.

Jetzt wollte er lieber sein Zeug zusammen packen und dann vielleicht doch einfach nach Hause fahren. Dort würde er sich eine Pizza in den Ofen schieben und das Ärzteblatt aus dem Briefkasten fischen, in dem er dann etwas gedankenverloren blättern würde. Dabei könnte er sich noch ein wenig mehr seinen Träumereien hingeben.
Zurückziehen aus der Öffentlichkeit. Doktorarbeit. Vielleicht eine eigene Praxis. Und Klaas.

Gedankenverloren rieb er sich über seinen Drei-Tage-Bart und die Stoppeln kratzten unter seinen Fingern. Darüber sollte er jetzt wirklich nicht nachdenken. Denn das war alles keine Option. Ja, in seinen Gedanken vielleicht. Aber nicht in der Realität.
Also beschloss er, es für heute gut sein zu lassen.
Zum einen seine Arbeit im Studio und zum anderen auch die Grübeleien über Klaas. Brachte ja doch nichts. Beides nicht.
Gerade als er sich streckte, um den Strom im Studio abzudrehen, klingelte es an der Tür.
Sein erster Gedanke war Ingo und er blickte sich suchend um, ob sein Freund wohl vorhin etwas vergessen hatte, als er bei ihm im Studio gewesen war. Doch er sah nichts, das nicht ihm selbst gehörte. Kein Autoschlüssel, kein Handy, nichts. Nur seine eigene Jeansjacke, die er achtlos über die Ledercouch in der Ecke geworfen hatte.
Da er seinen Besucher jedoch nicht länger warten lassen wollte, stand er auf und ging zur Tür. Er öffnete sie, während er sich den schmerzenden Nacken rieb und sich darüber ärgerte, dass er nicht auf Anna hörte, die ihm immer wieder in den Ohren lag, er solle sich doch einen bequemeren Stuhl für sein Studio kaufen.
Doch Anna war das Letzte, an das er jetzt denken wollte.
Denn vor ihm stand Klaas.
Und all seine Träume von eben, von einem Leben zu zweit mit seinem besten Freund, platzten.
Weil Klaas hier war und er nichts anderes wollte als das, was sie jetzt gerade hatten.
Er wollte, dass Klaas ihn schelmisch angrinste, als hätte er etwas ausgeheckt und dann seine Zigarette achtlos in die Erde unter dem kleinen Busch neben der Eingangstür warf.
Er wollte, dass sein bester Freund nur mit einem Zucken der Achseln auf seine erstaunte Frage, was er denn plötzlich hier mache, antwortete.
Er wollte es. Wollte all das. All diese Selbstverständlichkeiten zwischen ihnen. Wie Klaas an ihm vorbei ging und seine kleine Reisetasche achtlos neben die Couch warf.
Wie Mark ihm ungefragt eine Tasse Kaffee einschenkte und Klaas dann mit seinen Fingern auf dem Mischpult trommelte, bis Mark sich neben ihn setzte und ihm seinen „neusten ausgedachten Quatsch, der sowieso nicht zu den neuen Songtexten passte“ zeigte. Zumindest nannte Klaas es so. Und Mark freute sich darüber, wie er sich immer darüber freute.
Weil er ihre Freundschaft nur manchmal für das 'Mehr' riskieren wollte. Vielleicht nicht heute, aber vielleicht morgen. Doch lieber noch nicht darüber nachdenken. Lieber noch ein wenig mehr all das zwischen ihnen genießen. Weil es genau so verdammt gut war.
Zumindest versuchte er sich das einzureden. Doch so ganz wollte ihm das nicht gelingen. Nicht einmal, als Klaas lachte und versuchte, seine Text-Ideen, die er im Kopf gehabt hatte, schlecht zu reden. Dabei funktionierte es da eigentlich immer. Aber heute…

So nagte auch dann noch das Bedürfnis nach dem 'Mehr' und der Drang, das zwischen ihnen endlich zu benennen an ihm, als Klaas irgendwann aufstand, um eine rauchen zu gehen.
Vielleicht konnte er damit ja entschuldigen, dass er auch plötzlich von seinem Stuhl aufsprang und Klaas hinten am Shirt packte. Er zog ihn zurück, zog ihn an sich und drückte ihm einen harten Kuss auf.
Seit Klaas hier war hatten sie sich noch nicht geküsst. Seit Stunden waren sie nur beste Freunde gewesen. Doch das hielt er jetzt einfach nicht mehr aus. Jetzt wollte er wieder mehr und konnte sich nicht mehr kontrollieren.
Er registrierte Klaas' überraschtes Keuchen und erstickte es doch nur in einem weiteren Kuss; sanfter dieses Mal. Weniger hart, aber genauso verlangend. Keine Zeit mehr wollte er verlieren und keinen Zentimeter Abstand mehr zwischen ihnen wissen. Also drängte er Klaas vor sich her gegen die Wand, bis der mit dem Rücken dagegen prallte. Sie küssten sich, ganz unkontrolliert, keuchend und ganz ohne Worte. Bloß nicht sprechen. Jedes einzelne Wort konnte das Falsche sein, das sie wieder an die Realität erinnerte. Nicht jetzt, bloß nicht jetzt. Lieber genoss er Klaas' Bart, der schon wieder viel zu lang war und der über seine Haut kratzte. Ungestüm zerrte er Klaas das Shirt über den Kopf und wurde dann seinerseits von Klaas gegen die Wand gedrängt. Hart griff Klaas in seinen Nacken, zog ihn zu sich nach unten für einen Kuss und Mark erwiderte ihn mit einem sanften Lächeln.
Er liebte es, wenn Klaas die Kontrolle ergriff. Und er liebte es, wenn er selbst die Kontrolle übernehmen konnte. Er liebte all das zwischen ihnen, weil es ausgeglichen war und nicht einseitig. Weil jeder sein konnte, wie er war und sich nicht für den anderen klein oder groß machen musste. Sie waren ebenbürtig, egal was sie taten.
Auch, als sie sich einige Zeit später zusammen auf die Ledercouch fallen ließen, die Hosen und Shorts achtlos in die Knie geschoben, die Lippen zu angestrengtem Keuchen und nicht minder lustvollem Stöhnen verzogen. Hände auf die nackte Brust gepresst, die sich vor Anspannung schnell hob und senkte. Klaas Hände, die sich in seinen Rücken krallten, ihn näher zogen und keine Anstalten machten, ihn wieder gehen zu lassen.
Seine eigenen Händen, die Klaas heißen, bebenden Körper fest an seinen eigenen pressten.
All das war gut. So verdammt gut und doch nicht genug.
Es war besser, wenn Klaas und er ganz entspannt waren, wenn er sich vorsichtig in ihn schieben und Klaas' Muskeln, die sich jäh wieder um ihn anspannten, genießen konnte. Es war besser, wenn Klaas ihm mit seiner Mimik und seinen Bewegungen das Tempo vorgab, das er haben wollte.
Es war auch besser, wenn Klaas irgendwann genauso wie er die Kontrolle verlor und mit einem lauten Stöhnen kam und ihn dann festhielt, wenn er selbst kam.
Es war besser, aber eben doch nie genug.

Weil er wusste, wie es danach weiter gehen würde.
Er wusste, dass er sich verschwitzt und mit nicht nur vor Anstrengung hochrotem Gesicht neben Klaas fallen lassen würde. Und dass Klaas und er sich einen kurzen Moment lang schweigend in die Augen sehen würden. Nur einen Herzschlag lang. Vielleicht auch zwei. Bis die Realität sie dann einholte und sie beide beschämt ihren Blick abwandten und hastig ihre Hosen nach oben zerrten. Dann griff er nach Klaas' Shirt, das achtlos und zerknittert auf dem Boden lag. Um Klaas nicht ansehen und nichts sagen zu müssen, drehte er das Shirt wieder auf die richtige Seite und reichte es Klaas, der sich mit einem kurzen Nicken bei ihm bedankte, bevor er es sich wieder über den Kopf zog.
Klaas wich seinem Blick aus und Mark wich Klaas' Blick aus, während er sich sein Hemd wieder zu knöpfte.
„Ich geh eine rauchen. Kommste mit?“, fragte Klaas und klang dabei, wie immer danach, ganz kratzig und tief. Und genau so, wie es Mark gefiel.
Ein unlustiger Witz über die 'Zigarette danach' blieb ihm im Hals stecken und er nickte nur wortlos, folgte Klaas nach draußen.

Sie brauchten diesen Moment jetzt. Die kalte Luft, bei der sich Gänsehaut auf Klaas' nackten Armen ausbreitete, die ihn selbst dazu brachte, die Hände in den Hosentaschen zu vergraben und seine Arme fest an den Körper zu pressen.
Der kühle Wind sorgte dafür, dass ihre erhitzten Gesichter abkühlten und auch dafür, dass sie sich langsam wieder in die Augen sehen konnten. Es war immer die gleiche dämliche Situation, in der Mark sich wieder vorkam wie nach seinem ersten Mal damals. Doch das gerade war nicht sein erstes Mal gewesen und das neben ihm war jetzt einfach nur Klaas.
Nur sein bester Freund Klaas, der den Rauch aus seinen Lungen stieß und seinen Blick zum Himmel gleiten ließ, bevor er anfing, Mark ganz unverfänglich von seinem heutigen Dreh mit Joko zu erzählen.
So, als wäre nichts passiert.
Und wenn sie sich genug anstrengten, dann war auch nichts passiert. Dann konnte Mark so tun, als wären sie einfach nur beste Freunde und hätten nicht gerade miteinander geschlafen. Dann konnte er kurz verdrängen, dass bei ihren Höhepunkten nicht nur ihre Körper, sondern ihre ganze heile Welt gezittert hatte. Weil sie jedes einzelne Mal drohte, aus den Angeln zu reißen.
Doch damit das nicht passierte, lachte Mark jetzt mit Klaas und hörte ihm zu. Sah ihm dabei zu, wie er sich die zweite, später die dritte Zigarette anzündete und lachte. Lachte einfach mit, ganz befreit und unbefangen. Weil er auf bizarre Art und Weise froh war, dass ihre heile Welt der Realität noch immer irgendwie existierte.

Nur nachts konnte er dann nicht schlafen. Wie sollte er auch, wenn Klaas nebenan im Gästezimmer lag? Das hatten sie schon immer so gemacht. Außer im Hotel hatten sie sonst immer in getrennten Betten geschlafen – vor allem, wenn sie zuvor miteinander geschlafen hatten.
Mark fehlte die Nähe danach und er merkte genau, dass sie Klaas auch fehlte. Aber wie immer blieben sie beide stur, taten so, als wäre nichts passiert und legten sich wie ganz normale beste Freunde jeder in sein eigenes Bett.
Normalerweise machte er sich darüber nur nicht so viele Gedanken. Konnte es gar nicht, weil die Realität ihm mit Anna, die an seiner Seite im Bett lag, mit voller Breitseite ins Gesicht schlug. Doch heute… heute war Anna mit den Kindern für ein paar Tage bei ihrer Mutter und nichts und niemand hinderte ihn an seinen Träumereien von einer neuen, anderen heilen Welt. Eine heile Welt mit Klaas.
Nicht einmal er selbst konnte sich davon abhalten.
So versuchte er es noch ein paar Mal, drehte sich und wälzte sich ruhelos von der einen auf die andere Seite und wurde doch immer nur wach gehalten von der einen Frage: Was war das zwischen Klaas und ihm eigentlich?
Eigentlich war er immer ein vernünftiger Kerl gewesen. Nun gut, nicht immer. Aber vielleicht in letzter Zeit. Vielleicht auch, seit er Kinder hatte oder so. Irgendwie war er irgendwo auf seinem Weg vernünftiger geworden. Wäre da nicht dieses leidige 'eigentlich' das sich ihm immer wieder aufdrängte, seit Klaas da war.
Weil er nicht mehr vernünftig sein wollte. Er wollte sich auf ein Abenteuer einlassen, wollte etwas ausprobieren und vielleicht auch damit auf die Schnauze fliegen. Aber dann zumindest mit Klaas zusammen. Immerhin stellte er sich das so vor, während er in Gedanken die Tür zu seiner heilen Welt aus den Angeln hob und aufstand.
Langsam tapste er nur in altem T-Shirt und Boxershorts aus dem Zimmer. Beinahe hätte ihn seine Vernunft doch nur in die Küche getrieben, um sich ganz klischeebeladen ein Glas Wasser zu holen. Aber nicht heute. Nicht jetzt.
Denn jetzt stand er vor der Tür zum Gästezimmer und sah, dass noch ein Lichtschein aus dem schmalen Türspalt drang. Genauso schwach wie seine Hoffnung, aber immerhin anwesend.
Und zumindest hatte er mehr Mut als Hoffnung und klopfte einfach an. Wartete dann, bis Klaas ihn herein bat und ging wortlos zu Klaas' Bett, in dem der sich aufsetzte.
„Klaas“, sagte er einfach nur tonlos und setzte sich neben seinen besten Freund.
„Mark“, antwortete Klaas ganz ernst und sorgte dafür, dass der Situation jegliche Komik fehlte und alles plötzlich trocken und schwer wurde.
Genauso schwer wie seine Zunge, als er nicht mehr länger wartete, jegliche Vernunft bei Seite schob, jedwede mögliche Konsequenz ignorierte und einfach sagte:
„Klaas, wir sollten vielleicht mal reden. Über uns.“
Und genauso schwer wie Klaas' Augenlider, die sich einfach nur senkten, nachdem er Mark kurz angesehen hatte.
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