Vergangenheit und Zukunft

von -Malyn-
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12
15.11.2015
03.02.2016
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"So Frau Bergmann, Ihr Blutdruck ist etwas erhöht, aber nicht besorgniserregend. Sie können sich wieder anziehen." Alle acht Wochen machte Dr. Martin Gruber einen Hausbesuch bei der älteren Dame, denn er hatte sie von Dr. Roman Melchinger übernommen, als er sich vor einigen Jahren entschloss,dessen Praxis weiterzuführen. Eigentlich hatte Martin damals geplant, nur zum Geburtstag seiner Mutter, Elisabeth Gruber,  in Ellmau zu bleiben, weswegen er aus Amerika angereist war und danach zurück nach New York zu gehen, wo er lebte und arbeitete.
Doch als er erfuhr, dass Lilli seine leibliche Tochter sei, änderte sich sein Leben komplett und Martin blieb letztendlich in Ellmau. Sehr zur Freude von Roman und vor allem seiner Mutter. Zu dieser Zeit war Martin mit seiner Partnerin Julia Denson verlobt. Doch er konnte seine Tochter, von welcher er immer gedacht hatte, sie sei die Tochter seines Bruders Hans, nicht einfach im Stich lassen. Zu alledem war das Verhältnis zu seinem Bruder durch diese Tatsache schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Das konnte und wollte Martin nicht akzeptieren. So kam es, dass er nie nach New York zurückkehrte.

"Ich danke Ihnen Herr Doktor, ich weiß, der Weg hier her ist immer recht weit." "Sie sind meine Patientin, Frau Bergmann, und als Arzt möchte man, dass es den Patienten gut geht.
Also nehme ich einen weiteren Weg gerne in Kauf. Und sei es kreuz und quer durch die Berge." Martin lächelte.
Frau Bergmann freute sich immer sehr über Besuch und sei es auch nur der Hausbesuch eines Arztes. "Also ich kann Ihnen sagen, dass sie kerngesund sind. Wie immer", resultierte Martin aus seinen durchgeführten Untersuchungen. "Das hört man mit sechsundsiebzig Jahren gerne Herr Doktor. Auch wenn die alten Knochen nicht mehr so wollen wie sie sollen und mir das Laufen schwerer machen, als noch vor zehn Jahren", lachte Frau Bergmann. "Zum Glück habe ich noch meine Tochter, sie hilft mir sehr, wissen sie? Sie erledigt die Einkäufe und hilft mir im Haushalt." Martin packte seine Tasche und Utensilien sorgfältig zusammen, während er den Worten seiner Patientin lauschte.

"Das hört man doch gern. So, ich schreibe Ihnen noch ein Rezept für ein leichtes blutdrucksenkendes Mittel und damit sollten Sie wieder bestens versorgt sein. Bis zum nächsten Mal Frau Bergmann", Martin reichte ihr die Hand und machte sich wieder auf den Weg in die Praxis. Während seiner Abwesenheit hatte Roman übernommen, was Martin immer etwas Freiraum schaffte. Damit hatte sich mittlerweile auch Frau Bornholm, welche die nach Fräulein Schneider freigewordene Stelle als Sprechstundenhilfe in der Praxis angenommen hatte, abgefunden. Auf dem Weg zum Auto wählte Martin Roman's Nummer. "Roman? Kannst du noch eine Weile übernehmen?
Ich möchte nochmal nach Anne schauen. Susanne hat mir erzählt, dass sie noch im Wilden Kaiser wohnt und da dachte ich, ich seh mal ihr. Danke Roman." Martin beendete das Gespräch und stieg in seinen Wagen. Auf dem Weg nach Ellmau dachte er darüber nach, wie er Anne, Arthur Distelmeier's Tochter, der vor ein paar Wochen verletzt durch einen schweren Brand und letztendlich durch Herzstillstand im Krankenhaus verstarb, helfen konnte.

Anne hatte nichts mehr, kein Zuhause und keinen Vater. Als sie von Arthurs Unfall, bei dem Haus und Hof abbrannten, erfuhr, war sie gerade in Frankreich gewesen. Doch sie schaffte es nicht mehr rechtzeitig, denn kurz nach ihrer Ankunft im Krankenhaus starb er. Seit dem wohnte Anne im Wilden Kaiser und hatte sich nur selten bei Martin gemeldet, woraus er schloss, dass es ihr noch immer nicht gut ging. Anne hatte in der letzten Zeit kein gutes Verhältnis zu ihrem Vater gehabt. Grund war sein starkes Alkoholproblem und seine ständigen Versuche, sie und Martin auseinander zu bringen, was er letztendlich auch schaffte.
Trotz allem wollte Martin so gut es ging für Anne da sein.
Als Freund oder Partner, das wusste er nicht, die Situation war zu kompliziert, doch er liebte sie noch immer.

Martin bog auf den Dorfplatz vor Susanne's Gasthof ein und parkte seinen Wagen neben dem kleinen Brunnen, welcher den Platz zierte.
Schon von dort sah er Anne, die sich an einen der für Gäste aufgestellten Tische gesetzt hatte, die Stirn in Falten gelegt,
der Blick noch immer voller Trauer und auch Angst, wie Martin es einschätzte. Er ging zu ihr hinüber und nahm auf einem zweiten Stuhl Platz. "Hallo Anne, na wie geht es Dir? Ich hatte gerade etwas Zeit und dachte ich schau
mal nach Dir." Erst jetzt schien Anne seine Anwesenheit wahrzunehmen, war sie doch tief in Gedanken versunken.
Sie rang sich zu einem Lächeln durch, was ihr offensichtlich doch noch recht schwer viel. "Hallo Martin, schön das Du da bist. Naja es muss irgendwie weiter gehen. Vier Wochen sind vergangenen und trotzdem kann ich es noch immer nicht ganz begreifen. Warum musste das passieren, Martin..Warum?", eine Träne floss über Annes Gesicht. "Ich weiß es nicht. Aber der Hauptgrund für seinen Tod waren nicht die Verletzungen durch den Brand, sondern seine gesundheitlichen Probleme. Er wusste, dass er so nicht weitermachen konnte. Er hat ja nicht einmal auf Dich gehört." Anne versuchte in seinen Worten etwas Trost zu finden, denn sie wusste, dass er Recht hatte, trotzdem tat es ihr so unglaublich weh, wenn sie an ihren Vater dachte. "Anne, ich..." , Martin suchte nach den richtigen Worten, "...ich weiß, dass Du Zeit brauchst, um Dir klar zu werden, wie es weitergehen soll. Aber ich will Dir helfen. Wir alle wollen das. Bei uns auf dem Hof ist genug Platz und etwas Ablenkung tut Dir gut." Wieder zeichneten sich die Sorgenfalten auf Annes Gesicht ab, die eben für eine Weile verschwunden waren.

"Ich weiß nicht, Martin. Ich..." "Anne, Du kannst nicht auf deinen Hof zurück und auf Dauer hier zu wohnen, halte ich auch nicht für eine gute Lösung. Bitte lass mich dir helfen." Anne zögerte. War sie schon bereit für eine weitere Veränderung in ihrem Leben? Konnte sie jetzt schon wieder nach vorn blicken? Gerade als sie zum Sprechen ansetzten wollte, funkte Martins Handy dazwischen. "Martin Gruber?", meldete er sich wie üblich. "In Ordnung, ich fahre hin, danke Frau Bornholm." Martin beendete das Gespräch. "Wir reden später nocheinmal, ja? Ich muss dringend weg. Bis dann." Mit einem Kuss auf die Wange verabschiedete sich Martin, um sich auf den Weg zu einem Patienten zu machen. "Bis dann, Martin", erwiderte Anne sanft. Sie ertappte sich nunmehr dabei, wie gut ihr seine Anwesenheit tat...

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Soo, das war das erste Kapitel dieser Story. Ich hoffe es hat euch gefallen. Lasst es mich einfach wissen ;)
Über Reviews würde ich mich sehr freuen :)
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