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Führt den Toten dem Tod zurück

von Ivenna
Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Horror / P16 / Gen
OC (Own Character)
13.11.2015
13.08.2018
5
3.448
 
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13.08.2018 677
 
Tja, nun war ich wohl für meine Klasse nicht existent. Und das auch noch, bevor ich für sie wirklich existierte.
So saß ich nun auf meinem Platz und wurde weiter ignoriert.
Mir würde wohl auch keiner die anderen Unterrichtsräume zeigen oder überhaupt das Schulgelände. Mich würde aber auch keiner vermissen, wenn ich nicht zum Unterricht kommen würde...
Ich hörte noch ein wenig Chibiki-sensei zu, der gerade die kommenden Inhalte der Unterrichtsreihe erklärte, aber dann packte mich die Neugier.
Ich packte leise meine Sachen und schlich zur Tür, um keinen zu stören. Dort blieb ich kurz stehen. Warum sollte ich mich leise und ruhig verhalten? Ich existierte für diese Langweiler eh nicht. Ich öffnete die Tür und schlug sie hinter mir zu.
Bei dem Gedanken wie meine Klasse zusammen gezuckt sein müsste, fing ich an zu kichern.
Das Schuljahr könnte vielleicht doch prima werden.
Zu aller erst verließ ich das Schulgebäude. Ich könnte nach diesem stickigen Zimmer etwas frische Luft gebrauchen.
Das Schulgelände bestand aus 3 Gebäuden, dem Schulhof und einem Sportplatz. Zwei der drei Gebäude kannte ich schon (in etwa): die Aula und das Gebäude, in dem mein Klassenraum untergebracht war.
Ich schaute mich ein bisschen um und beschloss erst einmal ein wenig spazieren zu gehen.
Mein Weg führte mich Richtung Hintertor. Ich kam an einen kleinen etwas abgelegen Platz hinter einem der Gebäude an.
Es sah hier wunderschön aus. In der Mitte gab es einen relativ kleinen runden Asphaltkreis mit 2 sich gegenüberliegenden Bänken an dem Rand. Dahinter bahnten sich Blumenbeete überfüllt mit Blüten in allen möglichen Farben.
Vor allem aber gelbe Mohnblumen dominierten die Beete.
Von diesem Anblick überwältigt ging ich im Kreis herum um die Beete, betrachtete jede Blume einzeln und war mehr als fasziniert von dieser Blumenpracht. Ich war mit meiner Runde fast zu Ende da stoß ich auf eine ganz besondere Blume.
Eine für mich ganz besondere Blume.
Eine einzelne Spinnenlilie wuchs inmitten des gelben Mohns.
Langsam beugte ich mich zu der Blume runter. Noch waren keine Blüten zu sehen, nur Blätter.
Und sie werden einander auch nie sehen.
Ich wusste viel über Spinnenlilien und ihre Geschichte. Schließlich waren es meine Lieblingsblumen.
Die Blätter und die Blüten sind nie zur selben Zeit an der Pflanze.
Es gibt so viele Geschichten, die sich um diese Blume ranken.
Die Blume des Todes.
Diese Legende war bei weitem meine Liebste.
In der Unterwelt soll es einen Fluss geben, den die Toten überqueren, um ins Reich der Toten zu gelangen. Der Fluss des Vergessens. Er heißt so, weil der Verstorbene all seine Erinnerungen vergisst während er ihn durchschreitet. Allein die Spinnenlilien, die am Ufer dieses Flusses wachsen, fangen die verlorenen Erinnerungen ein letztes Mal auf. Ihr wunderschöner Duft, soll alle schönen Erinnerungen ein letztes Mal zurückbringen.
Das letzte Mal, als ich eine Spinnenlilie sah, war auf dem Grab meiner Mutter. Als die Blume in voller Blüte stand, kam ich jeden Tag zu ihr, in der Hoffnung, dass ich alle Erinnerungen von meiner Mutter so auffangen könnte. Ich ließ mich von ihrem Duft vollkommen einnehmen wie als wäre ich im Rausch.
Aber so sehr wie ich diese Blume liebte, wunderte es mich doch diese Blume hier zu finden. Ich meine, es ist schließlich eine Grabes Blume. Und so wie ich meine Klasse kennengelernt habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand an dieser Schule hier so eine Blume einpflanzen würde.
Ein starker Windstoß riss mich aus meinen Gedanken.
Wankend stand ich auf, um nicht auf den Boden zu fallen, und musste meine Augen schließen, weil der aufgewirbelte Staub in meinen Augen brannte.
Woher kam auf einmal dieser starke Wind?
Als ich blinzelte, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Die Luft um mich herum hatte sich in ein Blütenmeer aus gelben Blütenblättern verwandelt.
Und hinter diesem Blütenmeer erschien ein Junge, der auf mich zukam.
Es kam mir alles so magisch vor, dass ich vor Bewunderung und vielleicht auch aus Verwunderung, dass so eine filmreife Szene überhaupt real sein konnte, einen Schritt nach hinten ging, über meine eigenen Füße stolperte und mit einem “platsch” zu Boden fiel.
 
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