Definitiv nicht einfach (Ghost Recon Futur Soldier)

KurzgeschichteHumor, Romanze / P12 Slash
13.11.2015
13.11.2015
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Definitiv nicht einfach
Autor: Feendrache
Fandom: Ghost Recon : Futur Soldier
Pairing: 30K x Kozak

Vorwort:
Guten Tag ihr Lieben,
So lange ist es her, dass ich dieses Spiel das allererste Mal gespielt habe und schon damals dachte ich mir, dass ich diese beiden einfach shippen MUSS! Tja, Jahre später habe ich es getan und ich muss sagen, dass ich meinen Spaß dabei hatte. Es ist deutlich mehr Text geworden, als ursprünglich geplant und da ich mir sogar sicher bin, dass es auch Leute lesen werden, die das Spiel nicht gezockt haben, kommt als erstes eine Charakterbeschreibung. Ich hoffe doch das es hilfreich sein wird.
Und gewidmet ist dieser OS natürlich meiner zukünftigen Ehefrau Miss Superflausch

Ich hatte einige Tage vorher auch ein Fanart zu dem Pairing geschmiert:
http://chlorophyllappen.deviantart.com/art/Ghost-Recon-FS-30KxKOZAK-570885650

Liebe Grüße
Feendrache


Charaktere:
(Hinweis: Das Game spielt im Jahre 2024)

Team "Hunter":

Ghost Lead: Cedric Ferguson; 38 Jahre alt, Captain und Team-Leader / -Kindergärtner.
Pepper: Robert Bonifacio; 39 Jahre alt; Master Sergeant und Sniper, Thirty´s bester Freund.

Kozak:
John Dimitri Kozak; 26 Jahre alt
Ghost Recon-Mitglied, Rang des Staff Sergeant
Geboren 1998 in Brooklyn, Little Odessa, New York
Russische Herkunft, er spricht fließend Russisch
Aussehen: Durchtrainiert und groß, braune kurze Haare, dezent russisches Aussehen, offenes und freundliches Gesicht, leichter Bart

Beschreibung: Kozak ist das jüngste Mitglied im Team. Er ist sehr gewissenhaft in seiner Arbeit, tut was man ihm sagt und ist in mancher Hinsicht eine Art Wunderknabe. Zudem ist er weitestgehend technikbegabt und kann zudem auch auf Solomissionen geschickt werden. Wenn es um Informationsbeschaffung geht, schreckt er hin und wieder auch nicht davor zurück, auf unkonventionelle Methoden zurück zu greifen. So schlägt er im Verhör einen gefangen genommenen Speznas zusammen, um von ihm die notwendigen Infos zu erhalten. Den Ghosts gegenüber ist er absolut loyal und Teamarbeit ist für ihn essenziell. (Er ist der spielbare Charakter im Game)


30K:
James Grant Ellison, allgemein nur als Thirty bezeichnet; 28 Jahre alt
Ghost Recon-Mitglied, Rang des Sergeant First Class
Geboren 1996 in Alma, Arkansas
Amerikanische Herkunft
Aussehen: Groß, Muskulös und sehr durchtrainiert, leicht gebräunte Hautfarbe, kantiges Gesicht, dunkle Haare und 3-5 Tage-Bart. Er trägt immer eine beigefarbene Capy.

Beschreibung: Thirty ist der zweitjüngste im Team und sehr gut mit Pepper befreundet. Er gehört zu den Menschen, die pausenlos andere verarschen und schreckt nicht davor zurück, die Leute mit Geschichten über seinen Roten Mustang Cobra zu nerven. Zudem erzählt er jedem eine andere Version darüber, wie er zu seinem Spitznamen gekommen ist. Am bekanntesten ist jene in der er behauptet, er habe einem afghanischem Warlord 30.000 $ gestohlen. Wobei 1000 davon in Alkohol geflossen sind. Am liebsten jedoch zieht er das Nesthäkchen der Gruppe (Kozak) mit dessen Herkunft auf, sieht sich andererseits aber auch als dessen großer Bruder, wahlweise auch Mentor und benimmt sich in einer Kampfsituation hin und wieder wie Kozak´s Cheerleader.
Thirty hat eine mehr als selbstverliebte Ader und ist der Inbegriff des Matcho-Soldaten. Sein (meist schwarzer) Humor, ist oft extrem schlecht getimed und kommt meistens dann zum Einsatz, wenn die Ghosts sich unbemerkt und leise ins Feindeslager schleichen sollen. Im Team ist er der Mann fürs grobe und ein notorischer Capy-Träger.


***


Dass James "Jimmy" Grant Ellison, also know as 30K, Thirty oder auch the Hardass, nicht immer alle Schaltkreise im System hatte, war für John Dmitri Kozak, kurz Kozak, nun wirklich nichts was allgemein auf Verwunderung gestoßen währe. Thirty war ein technophober, besserwisserischer, egozentrischer Angeber. Auch das war keine Neuheit. Der zwei Jahre ältere Kollege liebte es andere mit seinem furchtbar schwarzem Humor aufzuziehen, den Leuten mit stundenlangen Vorträgen über sein Auto auf den Zeiger zu gehen, andere zu verarschen, oder sich weitere völlig abstruse Geschichten darüber ausdenken, wie er zu seinem Spitznamen gekommen war. Kozak, als jüngstes Mitglied des Teams, wusste es bis heute nicht und auch wenn Pepper immer so tat, als wäre er die einzig erleuchtete Person auf diesem Planeten, so wusste Kozak ganz genau dass dies nur Show war und auch Pepp keinen Plan davon hatte, wo genau dieser Name eigentlich her kam. Im Grunde hat das auch nichts mit der gesamten Geschichte zu tun und soll im allgemeinen nur verdeutlichen, dass John es nicht unbedingt immer leicht hatte mit dieser Truppe und ganz im Besonderen mit einem bestimmten Mitglied ihres Teams.
Allen voran Thirty setzte ihm die meiste Zeit einfach nur zu. Gut, die Ghosts waren eine militärische Spezialeinheit und als solche war das nun einmal auch kein Kindergarten – auch wenn sie sich hin und wieder wie einer benahmen – und ein Sonntagnachmittagsspaziergang erst recht nicht! Er konnte selbst gut genug austeilen, aber hin und wieder nervte es ihn tierisch, dass James ihn pausenlos damit aufzog, dass Kozak nun einmal Russe war und als solcher auch russisch aussah. Er hatte es schon als Kind gehasst, wenn er in der Nachbarschaft und in der Schule immer nur als der Quoten-Russe angesehen wurde. Ein Zustand der nicht selten zu Prügelein und kleineren Wutausbrüchen geführt hatte. Frei nach dem Motto: »Lege dich niemals mit einem Russen an!«
Thirty aber ignorierte diese Warnungen – die Kozak wirklich oft genug in den Missionen verdeutlichte – in der Regel völlig und stichelte munter weiter. Ein Umstand der alles nur noch schlimmer machte und letztlich auch dazu geführt hatte, dass der gestandene Amerikaner mit russischem Blut, sich völlig in seinen komplett selbstverliebten Kollegen verschossen hatte.Und DAS wurmte Kozak nur noch mehr. Erstens war er Russe – wie bereits erwähnt – zweitens war er ein Militär und drittens war er ein Mann! Ende der Beweisführung.
Außerdem war Thirty eben Thirty und als solcher ein Playboy und Frauenheld wie er im Buche stand. Eine günstige Grundlage um eine Beziehung auf die Beine zu stellen? Wohl eher nicht. Kozak würde lieber freiwillig ein zweites Mal durch ein sibirisches Gefängnis robben, um einen Präsidenten zu retten, als auch nur irgendjemandem davon zu erzählen, dass er sich hin und wieder in einigen nicht gerade jugendfreien Träumen verirrte, in denen die Hauptrolle ausschließlich von einem muskulösen, dunkelhaarigen und braun gebranntem Frauenheld mit unordentlichem 3-5 Tage Bart besetzt war. Ja, sein Leben verlief gerade richtig super. Ironiemodus off.

Insgesamt konnte man allerdings davon reden, dass Kozak seinen 28 jährigen Mitstreiter relativ gut kannte, allen voran seine Macken und gelegentlichen Star-Allüren. Was er nun allerdings tat, hätte der gestandene broklyner Russe ihm nie im Leben zugetraut. Eher hätte er gedacht dass der Mond zu brennen beginnt!
Was genau war passiert?
Das übliche: Krisengebiete und die Ghosts mitten drin, zwischen zerstörten Häusern, brennenden Autos und jeder Menge Kugelhagel. Ein ganz normaler Arbeitstag eben. Sie hatten sich in zwei Grüppchen spalten müssen, als sie mitten ins Visier einer Gruppe Sniper gestolpert waren und nun robbte er mit Thirty zusammen und mit aktivierter optischer Tarnung, durch die Überreste eines Wohnhauses. Die Bewohner waren weg, die Habseligkeiten im allgemeinen noch da, zumindest das was nicht geplündert wurden war. Von hier aus, so hofften sie, würden sie die Scharfschützen vielleicht aus dem Hinterhalt heraus eliminieren können. Kozak richtete die Maskierung in seinem Gesicht ein bisschen und umfasste dann seine eigene Waffe wieder fester mit beiden Händen.
»Man, dieser verdammte Schütze hat mir ein Loch in mein Capy geballert.«, maulte Thirty neben ihm und tatsächlich befand sich im Schild der 30K-typischen Kopfbedeckung, ein hübsches, ausgestanztes Loch.
»Soll ich dir noch ein zweites reinschießen, damit es symmetrisch aussieht?«, stichelte Kozak zurück und erntete einen bösen Blick, den er zum Glück kaum sehen konnte, da das Interface der Tech-Glasses ein bisschen im Weg war.
»Sehr witzig, Kleiner. Ach was haben wir gelacht.« Sie schlichen weiter und Kozak war ganz froh, dass der Staub ihnen eine noch bessere Tarnung verschaffte. Weitere Dates mit den Snipern da draußen, brauchte er heute definitiv nicht!
Plötzlich ein Knacken im Funkgerät und Ghost Lead´s tiefe Bassstimme, die sie anhalten ließ:
»Okay Ghosts, das war´s. Pepper hat die Schützen vom Dach geholt.«
»Na toll, das heißt Kozak und ich sind jetzt ganz umsonst 15 Stückwerke nach oben gewatschelt?!«
»Reg dich ab, Thirty und sieh es als Training.«, wies ihn der Teamleiter zurecht und wandte sich dann per Funk an die Leitstelle: »Overlord, Hunter hier. Wir brauchen die Koordinaten des nächsten, sicheren Sammelpunktes.« Kurze Stille, dann die etwas undeutliche, vom statischen Rauschen verzerrte Antwort:
»Treffpunkt wird euch auf das Interface übermittelt. Ihr solltet euch beeilen, da sind einige Helis im Anflug, das könnte ungemütlich werden.«
»Na super, noch mehr Probleme.« Kozak wusste ja dass Thirty gern mal den Pessimisten markierte, aber heute wirkte er in der Tat ein bisschen angefressen. Sie warteten kurz ab, bis tatsächlich die Markierung im CrossCom erschienen und sie genau wussten: Es ging wieder ganz nach unten. Nun stöhnte sogar Kozak auf, was Pepper und Ghost Lead mit einem amüsierten Lachen kommentierten:
»Ihr zwei jammert herum wie alte Frauen, dabei seid ihr hier die jüngsten.«
»Quatsch nicht, Pepp!«, maulte Thirty zurück und stand nun auf.
»Spinnst du?! Bleib in Deckung!« Kozak war drauf und dran den anderen wieder nach unten zu ziehen, da sich nun Thirty´s optische Tarnung in Wohlgefallen auflöste:
»Magnetscan zeigt dass das Gebäude leer ist.«, antwortete dieser nur trocken und streckte sich ein wenig: »Und das Gekrieche da unten macht mich irre. Lass uns von hier verschwinden und steh gefälligst auf, dass ist albern Kozak.«
Der Russe hielt das zwar immer noch für eine furchtbar dumme Idee, doch wollte er auch nicht als Feigling oder Trottel dastehen und somit erhob auch er sich. Der Funkverkehr war wieder still und auch sonst war es erstaunlich ruhig – wenn man mal vom entfernten Geballer der aufständischen Bürger absah. Kozak ging ein Stück hinter seinem Kammeraden und musterte ihn verstohlen, aber ausführlich. Er wusste genau was für eine Art Körper sich unter der schweren Bekleidung verbarg. Starke Muskeln, straffe Sehnen, beinahe ein Adonis. Etwas was er dem anderen ums verrecken NIEMALS offen sagen würde. Alleine schon um den ausgeprägten Narzissmus Thirty´s nicht noch mehr zu füttern.

Fast rannte er in ihn rein, als James urplötzlich stehen blieb und auf etwas zu seiner Rechten starrte. Kozak folgte dem Blick, sah aber nur eine Wand und das Innere einer zerstörten Wohnung.
»Was ist?«, wollte er wissen, doch irgendwie wurde er heute entweder dumm angemacht oder komplett ignoriert und in diesem Moment wohl vorwiegend Letzteres. Thirty ging kurzerhand in die Wohnung und als Kozak die offenen Fenster sah, wurde ihm ganz anders. Würde sich jetzt ein Schütze auf einem der gegenüberliegenden Dächer befinden, wären sie ziemlich schnell, ziemlich löchrig. Den Älteren schien das aber überhaupt nicht zu kümmern. Denn der fing jetzt an, einige Trümmer eines zerstörten Schrankes weg zu räumen. Kozak wollte erneut fragen, was denn los war, doch da ertönte ein panisches, hohes Quietschen, was definitiv nicht von ihm und erst recht nicht von Thirty selbst kam. Aber es kam aus dessen Richtung und nun sah Kozak auch endlich, was dort in einem zerbeulten Käfig hockte und dabei einen mehr als mageren und elenden Anblick bot.
»Das ist ein Meerschweinchen?«, fragte er und Thirty nickte, ging vor dem verängstigten Tier in die Hocke und betrachtete es:
»Entweder das, oder ein Kurzohr-Hase. Die Bewohner müssen es hier vergessen haben. Das arme Kerlchen muss schon seit Tagen hier sitzen.« Tatsächlich war der Käfig völlig verdreckt und verströmte einen ekelhaften Geruch. Das arme Meerschweinchen tat ihnen in diesem Moment einfach nur leid und plötzlich tat Thirty etwas, was Kozak nicht nur verblüffte sondern beinahe sein gesamtes Weltbild, was er über den selbsternannten Playboy hatte, komplett zum Einsturz brachte. Denn dieser brach den kaputten Käfig auf und griff ins Innere. Natürlich wehrte sich das Schweinchen wie verrückt und zwickte in die dicken Handschuhe. Thirty nahm es auf die Arme und strich ihm über den Kopf.
»Ist ja gut mein Kleiner, wir tun dir doch nichts.«
Es war schon ein eigenartiger Anblick und Kozak kam nun dazu, das Tier einer eingehenderen Musterung zu unterziehen. Es war rotbraun, hatte aber an einigen Stellen einige hübsche, weiße Flecken und ziemlich wilde Wirbel. Die Nase war dafür dunkel und die großen, schwarzen Knopfaugen guckten ängstlich zu den beiden Männern hoch. Im allgemeinen war es doch recht niedlich, auch wenn es wohl wirklich mal wieder eine ordentliche Mahlzeit brauchte.
»Was machen wir jetzt mit dem Zwerg?« Thirty antwortete nicht darauf, er dachte selbst nach, auch wenn man sein Gesicht hinter der Maskierung nicht erkennen konnte. Sie hätten fast ihren eigentlichen Auftrag vergessen, wenn nicht auf einmal das Headset laut geknackt hätte und die hastige Stimme des Einsatzleiters ihnen in die Ohren rief:
»Sofortiger Abbruch! Ich wiederhole: Die Mission wird umgehend abgebrochen!«
»Overlord? Was ist los?« mischte sich Ghost Lead in das Gespräch mit ein und auch Thirty und Kozak warfen einander Blicke zu.
»Das Ding entwickelt sich zu einer internationalen, politischen Krise. Der Befehl zum Rückzug kam von ganz oben. Begebt euch zum gekennzeichneten Sammelpunkt und kehrt sofort zur Basis zurück. Wir schicken euch ein Taxi. Jetzt sind andere Leute dafür zuständig, diese Sache unter Kontrolle zu bringen.«
»So ein Mist! Okay, dann setzt euch in Bewegung Leute, damit wir hier so schnell wie möglich weg können. Thirty, Kozak, wie weit seid ihr?«
»Äh … noch im Wohnhaus.«, gestand Kozak und ihm war es beinahe peinlich, dass sie hier gerade wertvolle Minuten verloren hatten. Thirty ging es genau so. Aber Thirty wäre nicht Thirty, wenn er nicht ebenfalls seinen Senf zu dem Thema geliefert hätte:
»Hey Captain. Könnt ihr uns im Heli noch einen zusätzlichen Platz freihalten? Wir haben einen VIP dabei.« Da die zwei sich vorhin außerhalb des Funkverkehrs unterhalten hatten, hatten der Captain und Pepper natürlich nichts von dem mitbekommen, was sie miteinander besprochen hatten. Ergo wussten sie auch nichts von dem kleinen Tierchen, was sich so langsam aber sicher in Thirty´s Armen wohl zu fühlen schien. Zumindest versuchte es nicht mehr seine Ausrüstung zu fressen.
»Wie bitte?! Was zur Hölle habt ihr beiden schon wieder angestellt?!«
Die Frage stellte sich nicht nur Ghost Lead.
»Bist du bescheuert? Wir können es doch nicht mitnehmen!«
»Ach, sollen wir es hier verhungern lassen? Wie herzlos von dir, Kozak. Ich dachte du bist ein netter Russe.«
»Verdammt noch Mal, Thirty! Ach, mach doch was du willst!« Und tatsächlich manövrierte dieser merkwürdige Schwachkopf, das Meerschweinchen irgendwie in den Bereich zwischen Jacke und Brustpanzerung. Dadurch das es so abgemagert war, passte es dort perfekt dazwischen: »Wenn es dir auf die Klamotten scheisst, dann machst du die gefälligst selbst sauber!« Der Captain würde sie umbringen, so viel stand für Kozak schonmal fest.
»Wen habt ihr dabei, um Himmels Willen?!«, Lead´s Stimme war mehr als mahnend und es würde ein gewaltiges Donnerwetter geben. Thirty aber blieb ruhig und Kozak dachte nicht einmal im Traum daran, ihn für seine blöde Idee auch noch zu verteidigen. Klar, er hätte das Schweinchen auch nicht hier gelassen, aber es gefährdete schon auch irgendwie ihren Auftrag.
»Einen Überlebenden, könnte man glatt sagen. Keine Angst, es wiegt nicht viel.«
»Es?! Schwingt beide eure Ärsche hier her, aber SOFORT!« Oha, das würde nicht nur ein Donnerwetter geben, sondern vermutlich einen ganzen Hurrikan. Pepper konnte sich ein Kichern nicht verkneifen und stichelte:
»Ach lass sie doch, unser Ehepaar hat es sich irgendwo gemütlich gemacht und – Autsch! Man ich mach doch nur Witze.«
»Unpassender Zeitpunkt. Thirty und Kozak, wenn ihr nicht in fünf Minuten hier steht, dann lass ich euch den Rest der Woche die Basis schrubben!« Das diese Drohung Ernst gemeint war, war ihnen beiden durchaus bewusst. Kozak konnte sich nicht daran erinnern, jemals so schnell eine Treppe hinunter geschlichen zu sein. Die kommende Woche hatten sie frei und eigentlich hatte er auch nicht vor in dieser Zeit zu putzen, nur weil der werte Thirty der Meinung war, er müsse sich als Weltverbesserer beweisen … Okay gut, das Meerschweinchen war schon echt süß und es hier zu lassen wäre ein Verbrechen gewesen.

»Sechs Minuten, aber gut, ich will mal ein Auge zudrücken. Was ist jetzt mit eurem VIP? Kommt der noch?« Kozak deutete kommentarlos auf Thirty, der neben ihm auf dem Boden hockte. Über ihnen brachte der Pilot bereits den Heli in die richtige Position, um sie an Bord zu holen. Ghost Lead und Pepper blickten jetzt zu ihrem Team-eigenen Großmaul, doch dieser winkte ab.
»Ich erkläre es euch gleich, lasst uns erstmal von hier verschwinden.«

»IHR HABT WAS?!« Der Pilot setzte den Heli beinahe gegen das nächste Hochhaus, als Ghost Lead hinten einen Tobsuchtsanfall erlitt: »Wegen einem verdammten HAMSTER bringt ihr die Mission in Gefahr?!«
»Es ist ein Meerschweinchen.«
»Das ist mir so was von scheiß egal, Thirty! Ausgangssperre, alle beide und ich lasse euch die Basis so lange putzen, bis man vom Fußboden essen kann, OHNE TELLER!« Normalerweise war der Captain ein wirklich angenehmer Zeitgenosse, aber manchmal gab es eben Dinge, die sogar ihn zum ausrasten brachten. Vor allem dann, wenn er einen Tag vor seinem Urlaub, auf eine Mission geschickt wurde und er deswegen verspätet zu seinem Sohn würde fahren können und das halbe Team der Meinung ist, sich demnächst in PETA umbenennen zu müssen.
»Hey, wieso denn? Ich hab das Raubtier nicht eingepackt!«, beschwerte sich Kozak und warf Thirty einen mehr als giftigen Blick zu. Dieser war gerade dabei den kleinen Passagier aus seinen Klamotten zu holen und das verängstigte Tier auf seinen Schoß zu setzen.
»Das ist ja nur noch Haut und Knochen.«, merkte Pepper an und nun schien auch der Captain die Notlage ihres winzigen VIPs zu verstehen. Trotzdem war er sauer.
»Okay Jungs, ich korrigiere meinen Befehl.«, murrte er dann, nun ein bisschen ruhiger: »Ihr putzt die Basis und päppelt dieses arme Ding wieder auf.«
»Ich verstehe immer noch nicht, warum mich das auch betrifft? Ich habe nix gemacht!«
»Ihr wart zusammen unterwegs, Kozak, das reicht schon aus. Schluss jetzt mit der Diskussion.« Na großartig. Verliebtheit hin oder her, aber in diesem Moment war Kozak einfach nur sauer auf seinen Kollegen. Die Basis war groß ... verdammt groß und es würde ewig dauern die zu putzen. Zudem hatte er überhaupt keine Ahnung wie man ein Tier wieder gesund pflegte. Als er jetzt jedoch zu Thirty schaute, erkannte er dass der andere offenbar deutlich mehr darüber wusste als man ihm zunächst zugetraut hatte. Doch dann erinnerte er sich, dass Pepper den Capyträger hin und wieder auch als Landei betitelte, was so einiges zu erklären schien. Thirty zumindest hob das Tier nun hoch und drehte es ein wenig auf den Rücken, offenbar zur Geschlechtsbestimmung, denn er nickte und setzte es dann rasch wieder auf alle vier Pfoten. Das Meerschwein gab keinen Ton von sich, sondern drückte sich auf den weichen und wohl auch warmen Untergrund, die Augen panisch durch die Gegend huschend. Es hatte wirklich große Angst und vermutlich genau so großen Hunger.
»Ein Weibchen.« meinte James nun und zog sich seine Maske vom Gesicht, da ihm darunter zu warm wurde und Kozak vergaß für einen Moment, dass er eigentlich auf ihn sauer sein wollte. Verdammt, der sah einfach zu gut aus für einen Soldaten!
»An dir ist wohl ein Tierpfleger verloren gegangen.«, scherzte Pepper und dann passierte etwas, was sie alle staunen ließ. Thirty nahm sein heiß geliebtes Capy ab und setzte das Meerschweinchen kurzerhand hinein. Kozak merkte wie ihm der Mund offen stand und schnell schloss er ihn. Es grenzte an ein Wunder und er wusste das es auf der Basis sogar das Gerücht gab, Thirty würde das Capy nicht einmal unter der Dusche abnehmen. Ebenso laut waren auch die spöttischen Stimmen die behaupteten, er trug es nur um seinen kreisrunden Haarausfall zu verdecken. Nun aber zeigte sich das Gegenteil und ihnen wurden volle, dunkle und etwas platt gedrückte Haare präsentiert. Offenbar merkte James, dass er angestarrt wurde und blickte fragend vom einen zum anderen.
»Is was?«, wollte er wissen und erntete nur das dröhnende Lachen von Ferguson, der jetzt die Fassung völlig verlor und auch Pepper konnte nicht mehr an sich halten, womit er letztlich in das Lachen einstieg. Einzig Kozak schwieg und konnte nicht anders, als ein bisschen in sich hinein zu lächeln. Scheinbar war Thirty doch nicht so ein riesen Arschloch, wie er immer vorgab zu sein.

Fort Bragg war nicht unbedingt die schönste Basis der Welt, aber zumindest bot sie alles, was die Herzen der Elitesoldaten als notwendig erachteten. Okay, das Essen war lausig, aber das war auf anderen Stützpunkten, egal welcher Armee der Welt, auch nichts besonderes. Sie sahen ein paar Soldaten die ihre Trainingsrunden liefen, einen hochrangigen Mann der einen anderen Kerl zur Sau machte, einige Soldaten die fröhlich vor sich hin rauchten und Leute die mit dem Beladen und Entladen der Fahrzeuge beschäftigt waren. Es hatte sich also wie immer nichts besonderes ereignet oder verändert, wie sie allesamt feststellten, als sie aus dem Heli stiegen und endlich wieder festen Boden unter den Füßen spürten. Okay, sie waren nur zwei Tage weg gewesen, hatten also auch nichts anderes zu erwarten gehabt.
»Home, sweet Home.«, säuselte Thirty, der sein Meerschwein im Capy nach wie vor auf den Armen trug. Das Tierchen hatte zwischenzeitlich – wohl aus Erschöpfung – ein bisschen geschlafen. Nun aber war es hellwach und schnupperte in die frische Luft. Plötzlich kam ein älterer Mann auf sie zugeeilt und Kozak erkannte dass es sich dabei um Major Scott Mitchel handelte, ihr "Auge am Himmel" wie er intern ganz gern mal genannt wurde und der Mann der pausenlos mit ihnen in Kontakt stand. Sie blieben stehen und salutierten, nun ja, bis auf Thirty, der absolut keine Hand frei hatte. Der Major war davon nur kurzzeitig irritiert, bemerkte dann allerdings den Grund für die fehlende Etikette und hob eine Augenbraue:
»Bekomme ich dafür noch eine Erklärung, oder soll ich das hier einfach nur durchwinken, Sergeant?«
»Durchwinken wäre super, Sir. Twenty-K hat Hunger.«
Mitchel war nicht der einzige, dem die Gesichtszüge entglitten.
»Twenty-K?!«, fragte Kozak halb lachend und halb fassungslos: »Wann hast du dir das denn ausgedacht?!«
»Um Heli. Ich bin Thirty und das hier ist Twenty. Logisch, oder?«
»Total!«, kam es nur mit einem sarkastischen Schnauben und auch der Major rang nach Fassung:
»Ich gehe mal stark davon aus, dass Sie dieses Meerschweinchen nicht zur Bombenfahndung ausbilden lassen wollen, Sergeant?«, fragte er und erntete ein rasches Kopfschütteln von Thirty.
»Nein, Sir. Es wird einzig und allein zur Teammotivation und psychologischen Unterstützung benötigt. Anordnung vom Captain, Sir!« Im Hintergrund schüttelte Ferguson eilig den Kopf und Pepper reckte grinsend beide Daumen in die Luft. Man sah Mitchel an, dass er soeben am allgemeinen Geisteszustand der Truppe zweifelte. Er schickte sie kurzerhand zur Waffenabgabe und krallte sich dann den Captain für die Nachbesprechung.
»Wow, hätte nicht gedacht dass Mitchel dich einfach mit dem Schweinchen durch lässt.« Thirty kommentierte Kozak´s Worte mit einem Schulterzucken.
»Was hätte er auch anderes machen sollen? Ich kann es ja schlecht wieder zurück bringen.« Sie gaben die Waffen ab und Pepper verabschiedete sich plötzlich von ihnen, mit den Worten er müsse eben mit seiner neuen Flamme telefonieren.
»Der hat schon wieder eine Neue?« Kozak gab sich nicht einmal Mühe, sein Missfallen dies bezüglich zu verbergen. Pepper und Thirty waren beide gleichermaßen Schwerenöter.
»Ja, seit letzter Woche. So ne Tussi von der Navy. Keine Ahnung was er an der findet. Na ja, nicht mein Problem. Komm jetzt schwing die Hufen, Kleiner. Nicht nur ich hab Hunger.«

Es war wirklich erstaunlich, wie schnell der Mann, der sich eigentlich als Herzensbrecher und Playboy einen Namen gemacht hatte, auf einmal von einem Rudel Frauen belagert wurde. Im Allgemeinen war der Großteil der Soldaten auf dem Stützpunkt, nach wie vor männlich. Trotzdem wurde Kozak erst jetzt so recht bewusst, wie viele Damen sich eigentlich in den Teams tummelten. Und alle waren völlig hin und weg von der kleinen Twenty, die sich nun endlich über einen ganzen Berg Salat her machen konnte – wobei sie noch immer in dem Capy hockte.
»Oh Gott, ist die süß! Schaut euch mal diese Augen an. Richtig niedlich.«
»Wo haben Sie die Kleine eigentlich her, Sergeant?«
»Darf ich sie mal streicheln?«
»Hier, sie kann meine Tomaten haben.«
»Mögen Sie Tiere?«
»Sie müssen ja richtig tierlieb sein. Hätte ich gar nicht von Ihnen gedacht.«
»Und Sie haben sie wirklich vor dem Hungertod gerettet?«
»Wow, also das nenn ich mal richtig sexy.«
Kozak war kurz davor sich kopfüber in seine eigene Gabel zu stürzen. Er hatte ja wirklich nichts gegen Frauen, aber das hier war ihm zu viel Weiblichkeit an einem Tisch. Er konnte nicht einmal flüchten, weil diese Fangirls wie eine Traube um sie herum standen und jede wollte entweder Twenty streicheln, oder Thirty schöne Augen machen. Na großartig! Und dieser Spinner genoss die Aufmerksamkeit sichtlich und in vollen Zügen. Dass er dabei von allen männlichen Kollegen böse angeschaut wurde, interessierte ihn herzlich wenig. Lieber badete er sich in der Bewunderung seiner neuen Fans. Auch Kozak wurde völlig ignoriert und das obwohl er nur in Ruhe hatte essen wollen. Ihn wurmte es dass hier jede Frau ganz offen mit dem Matcho flirten durfte. Und er selbst? Man war das unfair! Thirty machte das Ganze auch noch schlimmer, indem er auf jeden Satz und jeden sexy Blick ausführlich einging. Es war zum kotzen!
Irgendwann wurde es Kozak zu dumm und er ging einfach. Sollte James sich doch mit seinem Meerschweinchen und diesen ganzen Weibern herum schlagen, er selbst hatte auf diesen ganzen Unfug keine Lust und wollte auch endlich seine Ruhe haben. Erst lief die Mission schief, dann wurde sie auch noch abgebrochen und jetzt durfte er sich mit Thirty herum schlagen, der an keiner Frau vorbei gehen konnte, ohne sie anzugraben. Vielen Dank Leben, den Tritt zwischen die Beine, hättest du dir echt sparen können! Zumal er sich eigentlich auf seinen Urlaub gefreut hatte und sogar mit dem Gedanken spielte, seine Eltern zu besuchen. Das konnte er jetzt vergessen, denn Thirty hatte ihm diese Suppe gehörig versalzen! Und es wurde auch nicht besser, als er in das Zimmer von Team Hunter trat und gerade sah, wie Pepper überschwänglich einige Klamotten zusammen packte:
»Ach komm, sag mir nicht das ich die ganze Woche alleine mit diesem Weiberheld verbringen darf!« rief er und hob anklagend die Arme. Pepper grinste nur und gab ihm einen Schlag gegen die Schulter:
»Ach komm schon, Kleiner. Sieh es als Chance an. Jetzt seid ihr endlich mal unter euch.« Irgendwie wurde Kozak das Gefühl nicht los, das Pepper genau Bescheid wusste! Trotzdem dementierte er, allein schon aus dem Grund, dass er damit auch seine eigene Männlichkeit zu verteidigen versuchte.
»Ich kann mir echt schöneres vorstellen. Hast du gesehen, wie der von den ganzen Hühnern belagert wird? Der wird seinen Urlaub doch nur damit verbringen, durch die Betten der Mädels zu turnen und ich darf mich nachher ganz allein um Forty kümmern.«
»Sie heißt Twenty.«
»Mir doch egal wie die Fellkugel heißt! Kannst du nicht hier bleiben, Pepp? Auf dich hört er wenigstens.« Aber der Sniper ließ absolut nicht mit sich reden und schüttelte den Kopf, während er die Tasche schulterte:
»Tut mir leid, aber ich habe eine Verabredung mit einer hinreisenden Dame von der Navy und das werde ich nicht aufgeben, nur weil du nicht mit ihm alleine sein kannst. Er ist echt kein so übler Kerl, Kozak.«
»Aber er nervt! Und wenn er noch einmal sein beschissenes Auto erwähnt, dann erschieße ich ihn mit seiner eigenen Dienstwaffe!« Das meinte er sogar absolut ernst!
»Die Basis ist groß genug. Wenn er dich nervt dann geh einfach. Ich mache es nicht anders. Aber glaube mir Kozak, Thirty ist nicht immer der Matcho-Arsch, den du in ihm siehst.« Pepper grinste und irgendwas daran erschien dem Russen ziemlich eigenartig. Wie viel wusste Pepp? Hatte Kozak sich verraten, oder hatte er sogar mal erwähnt dass er James gar nicht so abgeneigt war? Vielleicht hatte der Sniper auch einfach einen sechsten Sinn für so etwas. Nun aber klopfte ihm dieser wieder auf die Schulter und meinte:
»Wie auch immer. Macht euch trotzdem eine schöne Woche und sag ihm, dass er es mit mir zu tun bekommt, wenn er dich die ganze Arbeit alleine machen lässt. Viel Spaß noch.« Und damit verschwand der Kollege einfach und ließ einen ziemlich verzweifelten Kozak zurück. Wie sollte er diese Woche nur überleben, ohne wahnsinnig zu werden?!

Die Antwort darauf kam relativ schnell. Er hatte sich auf sein Bett gelegt und war irgendwann eingeschlafen und ihm war als wären erst fünf Minuten vergangen, da wurde er auch schon wieder wach gerüttelt. Gerade als er die Augen öffnete, sah er Thirty, der sich über ihn beugte und ihn fett und breit angrinste.
»Hey Johnny-Boy. Hier du musst mal auf sie aufpassen.«
»Was?« Ohne große Erklärung, wurde ihm ein fett gefuttertes Meerschweinchen auf die Brust gesetzt und Thirty erhob sich, ehe er mit einem Winken in Richtung Tür verschwand. Dort wartete eine der Tussen vom Abendessen auf ihn und kicherte, als er seinen Arm um ihre Hüfte schlang und sie auf den Gang dirigierte. Die Tür schloss sich und Kozak blieb in schweinischer Gesellschaft zurück, völlig überfahren von der Situation:
»IST DAS DEIN VERDAMMTER ERNST!«, schrie er ihm noch nach, doch Thirty war längst über alle Berge verschwunden. Und Twenty hatte nix besseres zu tun, als ihm auf´s Shirt zu pinkeln. Na großartig. Das perfekte Ende eines beschissenen Tages. Kozak nahm das Tier hoch, setzte sich auf und ging kurzerhand zum Spind seines unsozialen Kollegen, um diesem sein Handtuch zu klauen und das Raubtier darauf abzusetzen. Anschließend wollte er zwar sein eigenes Oberteil wechseln, entschied sich dann aber doch dagegen und saß nun mit freiem Oberkörper auf Thirty´s Bett, zusammen mit einem kleinen, vollgefressenen Meerschweinchen, was erstmal das Handtuch des anderen einsaute. Kozak grinste schadenfroh und streichelte dem Biest über den flauschigen Kopf:
»Ich sehe, wir verstehen uns meine Kleine.«
Twenty quiekte.

Er hoffte, als er alleine in dem kühlen Raum zu Bett ging, dass der morgige Tag sich eventuell zum Guten wenden und ihm etwas freundlicher gesinnt sein würde. Doch das dies nicht der Fall war, ist an dieser Stelle selbstredend.
Ein lautes Krachen weckte ihn und seiner militärischen Ausbildung sei Dank, fuhr er erschrocken auf, bereit sich im Falle des Falles zu verteidigen. Als Kozak jedoch sah, was der Auslöser für diesen frühmorgendlichen Psychoterror war, sank er stöhnend wieder ins Bett zurück und rieb sich über die Augen:
»Alter, ich hasse dich.«, murrte er an Thirty gewandt, der halb nackt und nur in Unterhose bekleidet, soeben versuchte die Tür zuzuhalten und sie irgendwie zu verriegeln. Von der anderen Seite hörte man das Geschrei einer Frau und Kozak verwettete seine Hoden darauf, dass es sich dabei um die Bettgespielin von gestern Abend handelte. Sie schien wirklich nicht besonders begeistert zu sein und er ahnte auch bereits woran das lag: »Kannst du die Damen nicht auch mal ordentlich und wie ein Gentleman behandeln? Ach, was frage ich eigentlich?«, murrend drehte er sich auf die Seite und grub die Arme unter sein Kopfkissen. Selbst nach all den Jahren, in denen er bereits als Soldat diente, war er noch immer ein furchtbarer Morgenmuffel. Vor allem dann, wenn man lautstark von einem rammelwütigen Teamkameraden geweckt wurde. Dieser trat nun endlich von der Tür weg und sah zu ihm herüber. Verflucht noch eins. Irgendwie musste Kozak sich schon eingestehen, dass ihm dieser Frisch aus dem Bett-Look ziemlich zusagte. Na gut, bis auf die roten, teils blutigen Kratzer, welche auf der Brust des anderen prangten. Autsch, das sah schmerzhaft aus.
»Sorry für´s wecken. Schlaf weiter.« Das mit dem weiterschlafen war allerdings einfacher gesagt als getan. Immerhin tobte die hintergangene Dame vor der Tür immer noch und der Lärm war beinahe unerträglich.
»Geht nicht. Dein Betthase brüllt mir zu laut.« Trotzdem drehte er sich nun auf den Bauch und legte das Gesicht tief ins Kissen hinein.
»Sie ist nur sauer, weil ich so früh gegangen bin. Ich dachte es wäre mittlerweile allgemein bekannt, dass ich nicht vor habe mich fest binden zu lassen.« Kozak schnaubte auf diese Worte hin, sagte aber nichts weiter.

Einige Minuten lang war nur das Geraschel von Thirty zu hören, dann ein leises Quieken, als er anfing Twenty zu streicheln und plötzlich ein empörter Aufschrei:
»Du hast das Biest auf mein Handtuch scheißen lassen?!« Und Kozak grinste in sich hinein.
»Geschieht dir recht.« Jetzt setzte er sich doch auf und musste sich wirklich zusammen reißen, dass er nicht anfing wie ein hirntoter Affe zu sabbern. Sein Kollege trug mittlerweile eine Jeans, aber sein muskulöser Oberkörper war nach wie vor entblößt und es sah einfach nur heiß aus!
»Was ist dein Problem, Kozak?! Was interessiert es dich, ob ich mich durch die Basis vögel oder nicht?! Nur weil du abstinent bist wie ein Mönch, muss ich mich doch nicht genau so verhalten! Dabei hast du genau so viele Verehrerinnen … ich glaub sogar einige Kerle stehen auf dich.« Okay, das war ihm neu. Allerdings wurde nun auch Kozak ein bisschen sauer:
»Vielleicht will ich ja keine männliche Hure sein, so wie du?«
»Sag das noch mal!«
»Du hast mich schon richtig verstanden, James.« Wenn er Thirty beim richtigen Namen nannte, dann war das immer ein Zeichen dafür, dass er seine Aussage tatsächlich ernst meinte.
»DU betitelst mich nicht als Hure!«
»Ach, und wie soll ich dich dann nennen? Du turnst dich wie eine männliche Schlampe, vom einen Bett ins andere und es interessiert dich einen Scheißdreck, wie sich andere dabei fühlen! Hast du mal die Frauen gefragt, die du dafür benutzt? Kennst du auch nur einen einzigen Namen? Los, frag doch mal die Dame der du gerade das Herz gebrochen hast und die sich irgendwo gerade die Augen ausheult, weil dein scheiß Ego mal wieder viel zu groß für diese Welt ist!« Man konnte richtig dabei zusehen, wie Thirty mehr und mehr in Richtung Ausrastmodus rutschte und seine Gesichtszüge sich immer mehr verhärteten. Jeder andere htte sicherlich Angst bekommen, bei dem Ausdruck in seinen Augen. Aber Kozak war Russe und hatte bereits Mitglieder der Speznas verdroschen, nur um an Informationen zu kommen. Ihn schüchterte so schnell nichts ein. Sein einziges Problem war nur, dass er in diesem Mann verknallt war, der gerade auf ihn zukam und ihn am Kragen seines Shirts packte, welches Kozak zum Schlafen benutzte. Thirty zerrte ihn regelrecht aus dem Bett heraus und drückte ihn an die Wand daneben.
»Nenn.mich.nie.wieder.eine.Schlampe!«, knurrte er drohend und seine sonst so schelmischen Augen wurden eisig und hart wie Stahl: »Oder ich zeige dir mal, wozu ich fähig bin, Mister Super-Russe.« Wo waren Pepper und Ferguson, wenn man sie einmal brauchte?! Einerseits war die Situation fürchterlich angespannt und auch allarmierend und andererseits genoss er diese Nähe – Was stimmte nur nicht mit ihm?! Kozak nahm sich vor, eventuell mal einen Neurologen hinzu zu ziehen und sein Hirn auf Schäden untersuchen zu lassen. Sie starrten sich einfach nur feindselig an und es hätte bestimmt auch nicht mehr viel gefehlt, damit einer von ihnen anfing zu knurren. Plötzlich wurde er losgelassen und Thirty sah so aus, als würde er sich auf einmal vor ihm ekeln. Er wand sich ab, schnappte sich kurzerhand Kozak´s Handtuch – sein eigenes wurde nach wie vor von einem dicken Meerschweinchen besetzt – und verschwand aus dem Raum, nicht ohne die Tür lautstark zu zuschlagen. Zurück blieb ein mehr als verwirrter und angepisster Russe.

Den Rest des Tages sah er Thirty nicht wieder. Vermutlich hatte dieser sich an seinen Lieblingsplatz verzogen, um dort die Stunden mit rauchen und schlafen zu verbringen. Dieser Platz befand sich hinter der Funkvorrichtung auf dem Dach und Kozak wusste genau, dass man Thirty lieber nicht stören sollte, wenn dieser da oben hockte und schmollte. Das er schmollte war absolut klar und auch Kozak hatte keine Lust, sich mit ihm weiterhin auseinander zu setzen. Statt dessen hatte er sich endlich mal darum gekümmert, dass Twenty einen ordentlichen Käfig bekam und genug Futter, um sich kugelrund zu fressen. Im Gegensatz zu Thirty, hatte Kozak es sich nämlich noch nicht mit allen Frauen hier verscherzt und so bekam er einiges an Hilfe – auch wenn er sich ziemlich doof vorkam, wie er hier mit vier Damen hockte und einem Meerschweinchen dabei zusah, wie es sein neues Reich erforschte.
»Gott, die Kleine ist so niedlich. Aber wie kommt es, dass sie sich um sie kümmern, Kozak, und nicht der Sergeant?«, fragte ihm Mary – die frisch von der Air Force zur Ghost Recon-Einheit gekommen war. Weiter anwesend waren Sue, von der Navy; Kim, ebenfalls von der Navy; und Angelina, eine Engländerin die zuvor beim SAS gedient hatte.
»Der Idiot schmollt schon wieder und hat keine Lust darauf.«
»Pha! Das sieht ihm ähnlich!«, maulte Kim und verschränkte die Arme: »Dieser Arsch ist doch eh nur für eine Nacht zu haben. Mit der armen Gwen ist er letzte Nacht genau so verfahren. Hat sie erst flach gelegt und ist dann einfach gegangen. Die kommt seit Stunden nicht aus unserem Zimmer raus und heult die ganze Zeit. Ich musste heute Nacht bei Angie schlafen, wegen diesem Aas.« Oha, da hatte sich ja jemand richtig Freunde gemacht.
»Aber wenigstens sind Sie in Ordnung, Kozak.« Irrte er sich, oder lächelte ihn Sue gerade mehr als nur süß an? Verdammt, Thirty hatte ja keine Ahnung was er hier eigentlich gerade verpasste! Es lohnte sich eben doch, Frauen gegenüber immer höflich und respektvoll zu sein – okay, und ein niedliches Meerschweinchen zu besitzen.
»Ähm, danke.«, antwortete er und schaute lieber schnell zu Twenty, die sich gerade über ihren Paprika her machte und dabei die halbe Welt verzauberte: »Na ja, aber eigentlich ist er gar kein so schlechter Mensch.«
»Ha! Ja klar. Er mag vielleicht ein guter Soldat sein, aber als Mensch ist er eine Vollkatastrophe.« meckerte Kim weiter: »Keine Ahnung was er hier zu kompensieren versucht, aber der soll endlich mal seine sexuelle Frustration behandeln lassen und nicht uns Frauen dafür verantwortlich machen.«
»Wie meinen Sie das?«, nun war Kozak doch etwas verwirrt. Mary verdrehte die Augen und stöhnte:
»Man, euch Männern fehlt echt das weibliche Einfühlungsvermögen. Thirty vögelt sich durch die Gegend und lässt trotzdem keinen an sich heran, das sieht doch ein Blinder! Wer weiß, vielleicht ist er ja auch eigentlich schwul und versucht es zu verbergen, indem er uns alle der Reihe nach flach legt.« Zum Schluss grinste sie und machte damit deutlich, dass sie das selbst nicht einmal glaubte und es nur zum Scherz gesagt hatte. Auch ihre Kolleginnen lachten:
»Ha ha ha, stellt euch das mal vor! Thirty im pinken Kleidchen, der uns von der Schwulenparade aus zuwinkt.« Das Lachen schwoll immer mehr an und nur Kozak blieb stumm. Er dachte nach. Natürlich glaubte auch er nicht, dass sein Kollege homosexuell war, das passte einfach nicht zu ihm. Aber was wenn er tatsächlich versuchte irgendwelche Probleme zu überdecken, oder zu vergessen, indem er sich so verhielt? Klar, er ließ pausenlos den Macho raushängen. Aber Kozak hatte ihn bereits völlig anders erlebt. Zum Beispiel während der letzten Mission, als sie Twenty gefunden hatten. Er hatte ihn noch nie derart fürsorglich und sanft erlebt. War es das was Pepper meinte? War Thirty vielleicht ganz anders, als sie ihn sahen?

»Würden Sie sich kurz um die kleine Twenty kümmern, meine Damen? Ich werde mal unseren beleidigten Cowboy suchen gehen.«, fragte er in die Runde und erhob sich. Vielleicht sollte er wirklich mal einen Versuch wagen und die Höhle des Löwen betreten. Natürlich gaben die anwesenden Frauen nur bissige Antworten, versprachen dann aber, auf das Schweinchen aufzupassen. Kozak richtete seine Hose ein wenig, die vom Sitzen verrutscht war, und begab sich dann zum Treppenhaus. Es wurde im allgemeinen nicht gern gesehen, wenn sich die Soldaten da oben tummelten. Aber er wusste genau dass es Thirty komplett egal war. Im Grunde war ihm vieles völlig schnuppe. In den Missionen hielt er sich an die Regel, aber außerhalb dessen war er das sarkastische, unbelehrbare Arschloch, welches alle in ihm sahen. Thirty gab einen Dreck auf Regeln und Vorschriften, tat was er wollte, interessierte sich nicht für die Gefühle und Meinungen anderer und Kozak kannte niemanden, der sich selbst so sehr vor der Welt verschloss, wie sein Kollege. Er hatte es immer als gegeben hingenommen und gedacht, dass James eben genau so war, wie er ihnen allen erschien. Nun aber glaubte er verstanden zu haben, dass der andere eine Rolle spielte. Irgendwas war da, hinter dieser unnahbaren Fassade und Kozak hatte gestern einen kurzen Moment die Chance gehabt, einen Blick auf den wahren James zu erhalten. Was er gesehen hatte das mochte er und er wollte endlich mehr davon haben. Schluss mit diesem Versteckspiel.

Ein kalter Wind blies ihm mitten ins Gesicht und trieb ihm die Tränen in die Augen. Zudem stieg ein leichter Geruch von Öl und Treibstoff zu ihm hinauf. Kein Wunder, denn der Wind kam direkt aus Richtung Landebahn. Kozak schloss die Tür hinter sich und trat auf die schwarze Dachpappe. Der Himmel war verhangen, aber hin und wieder gab es offene Stellen, durch die Säulen aus Sonnenlicht auf die Erde fielen und die Welt mit einem fleckigen Teppich überzogen. Kurz hielt er inne und bewunderte dieses Schauspiel, besann sich dann aber und machte sich auf zum Funkturm, der hier oben auf einem Betonsockel stand. Rund um das Dach war ein drei Meter hohes Gitter aus Draht gespannt, damit auch bloß keiner herunter fallen konnte – auch wenn der Aufenthalt hier oben, im Grunde verboten war. Kozak brauchte nicht lange, um seinen Kollegen zu finden. Tatsächlich war es so wie er gedacht hatte. Windgeschütz hinter dem Betonklotz und rauchend, lag Thirty da, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und scheinbar schlafend. Kozak grinste ein wenig, setzte sich dann aber und lehnte sich mit einem Seufzen an den Funkturm. Wenn Thirty ihn bemerkt haben sollte, dann ließ er es nicht durchblicken. Um ihn herum lagen jede Menge abgebrannte Zigarettenstummel. Aber Kozak wusste genau, dass sein Kamerad niemals mit der Zigarette im Mund eingeschlafen wäre. Und so herrschte eine ganze Weile lang Stille, in der er selbst entweder Thirty betrachtete, oder dem Rauch bei seinem Tanz im Wind zuschaute.

»Du bist ein echter Vollidiot.«, sagte er schließlich und nahm die Zigarette an sich, um selbst einmal kräftig daran zu ziehen. Er rauchte wirklich nur sehr selten, aber jetzt und hier brauchte er einfach auch mal etwas von dieser verdammten, ekelhaften und verlockenden Droge. Endlich schlug James die Augen auf und sah zu dem Mann hoch, der neben seinem Kopf auf dem Dach saß und ihm zweifelhafte Gesellschaft leistete.
»Was willst du hier?«, fragte er und nahm Kozak die Kippe wieder aus dem Mund. Fingerspitzen berührten seine Lippen und ein Schauer lief ihm durch den Körper. Ehe er antwortete, legte er sich einfach neben ihn, Kopf an Kopf und die Beine in die entgegen gesetzte Richtung.
»Die Weiber sind stink wütend auf dich.« Anstatt die Zigarette wieder an sich zu nehmen, wurde sie ihm einfach vor die Lippen gehalten. Kozak genoss den Zug, Thirty nahm sie wieder zurück, sog daran und sprach:
»Ist mir egal.«
»Wie immer?«
»Wie immer.«
Eine Aussage, klar und ehrlich – wie immer eben.
»Warum bist du hier, Kozak?«
»Weiß nicht. Mit dir reden? Pepper meinte du bist kein so übler Kerl. Ich wollt mir einfach selbst mal ein Bild davon machen.« Das Ganze war fast schon meditativ und irgendwie auch sehr intim. Die Art wie sie hier lagen und James ihm immer mal wieder die Zigarette hinhielt, damit er davon einen Zug nehmen konnte, versprach ein ganz eigenes Gefühl der Vertrautheit. Thirty war wirklich niemand mit dem man immer reden konnte. Entweder er quatschte den ganzen Tag, oder aber er schwieg und zeigte der Welt die kalte Schulter. Aber irgendwie hatte der junge Russe das Gefühl, hier gerade einen ganz anderen Menschen zu erleben. Der nachdenkliche und fast schon tiefentspannte Thirty, war etwas was nur wenige Personen jemals zu Gesicht bekamen.
»Du hast mich vor ein Paar Stunden noch als Hure bezeichnet. Wie kommt´s dass du deine Meinung auf einmal änderst?« Der Zigarettenstummel wurde weg geworfen und wieder schwiegen sie. Zumindest so lange, bis Kozak sich auf den Bauch drehte und nach der Schachtel griff, um eine weitere heraus zu nehmen und sie sich anzuzünden.
»Du hast einen Grund dafür, dass du dich so benimmst.«
»Hab ich nicht, ich mache das nun einmal gern.«
»Du bist vielleicht ein Frauenheld, aber du bist echt ein furchtbarer Lügner, Thirty.« Der Andere brummte nur widerwillig und nahm ihm die Zigarette weg, um mehrere Male ausgiebig daran zu ziehen.
»Und wieso sollte das so sein? Kannst du plötzlich Gedanken lesen?«
Kozak grinste und beschloss einfach mal ein bisschen weiter zu gehen und zu gucken was dann passierte. Er robbte etwas vor, nahm die Hand, welche die Zigarette hielt und gönnte sich einen tiefen Zug. Genießerisch atmete er aus und lachte dann leise.
»Ich bin in der Lage einen Speznas zum reden zu bringen. Und da denkst du, ich würde es einem Mann nicht ansehen, wenn er mich anlügt?« Er lehnte sich wieder ein Stück zurück und stützte den Kopf jetzt auf eine Hand, während er Thirty musterte und auf eine Antwort wartete. Man konnte ihm ansehen dass er wieder über irgendwas nachdachte und Kozak entschied sich dazu, ihn einfach ein bisschen in Ruhe zu lassen. Irgendwie hatte er das Gefühl gerade mit dem Thirty zu reden, der sich hinter der Fassade des Mistkerls und Egoisten versteckte und er hatte keine Lust diesen Zustand zu ändern. James rauchte weiter, die Augen in den Himmel gerichtet, aber auf irgendeinen Fleck zwischen Diesseits und Jenseits gerichtet. Irgendwo erklang das ferne Rattern von Hubschraubermotoren und die Stimmen einiger Soldaten. Jetzt und hier aber,waren sie so weit weg, dass sie keine wirkliche Präsenz für die zwei Männer hatten, die nebeneinander auf dem Dach lagen und philosophierten.

»Ich steh auf Männer.« Dieser Satz kam so plötzlich aus Thirty´s Mund, dass Kozak tatsächlich überrascht war. Allerdings weniger über die Aussage an sich, mehr über die Spontanität mit der dieses Geständnis einher ging: »Also, ein bisschen zumindest.« Wurde zögerlich ergänzt und James sog nun ein ganzes Stück stärker an der Zigarette. Er war nervös, zeigte es aber fast gar nicht. Wahrscheinlich hätte es ein Außenstehender überhaupt nicht bemerkt, aber Kozak sah es und irgendwie war er sogar ein bisschen stolz darauf. Wieder nahm er die Zigarette an sich.
»Du bist bi?« Weniger eine Frage, als viel mehr eine Analyse und als Antwort bekam er ein kurzes Nicken.
»Irgendwie schon. Schlimm?«
»Für mich nicht. Eher für die Frauen die unter deiner sexuellen Frustration zu leiden haben.« Thirty sah ihn an und schnaubte empört, als würde ihn diese Feststellung zutiefst beleidigen:
»Ich bin nicht sexuell frustriert.«
»Doch, natürlich bist du das. Aber das ist okay. Ich kann es verstehen.« Und die Zigarette wechselte ihren Besitzer, als würde er dadurch die eigene Aussage unterstreichen wollen und Thirty zeigen dass er ihn deswegen nicht ablehnte. Dieser inhalierte und reichte sie ihm zurück, verstand die stumme Geste.
»Kannst du das?«
»Ja, das kann ich. Du hast irgendein komplett idiotisches Problem mit dir selbst.«
»Ich habe kein Problem mit mir selbst!« Kozak sagte zunächst nichts, sondern hielt ihm die Zigarette nun seinerseits vor die Lippen, bot sie ihm an und Thirty nahm das Angebot dankbar entgegen. Ob es Absicht war, dass er dabei die Fingerspitzen seines Russen küsste, blieb abzuwarten.
»Und wie du das hast. Soll ich dir sagen was dein Problem ist? Du bist bi, legst aber ausschließlich Frauen flach, weil dein Ego es nicht verkraften würde einen Kerl zu vögeln. Was auch immer in deinem Kopf schief läuft, aber es blockiert dich und deshalb willst du dich lieber dadurch unbeliebt machen, indem du das Arschloch gibst, weil du Schiss davor hast, nachher als Schwuchtel zu gelten.«
»Wichser!«
»Nicht mehr als du auch. Du weist das ich recht habe.« Und aus der Analyse wurde eine Diagnose, eine eindeutige Aussage die vielleicht niemandem gefiel, aber zumindest endlich für Klarheit sorgte. Thirty schnaubte und schnappte sich die Kippe, er war nun tatsächlich unruhig und fahrig, versuchte nicht einmal mehr es zu verstecken.
»Stell dir vor du als Russe würdest auf Männer stehen und darfst es niemandem zeigen, weil man sonst weniger von dir halten würde. Du währst bei allen weniger wert. Also was tust du? Lieber verprügle ich alles und jeden und lege mehr Weiber flach, als diese ganzen heterosexuellen Wichtigtuer. Ich bin besser als die, ich bin nicht weniger wert! Lieg hier also nicht da und schwing dumme Reden, Kozak. Versuch einfach mal dich in meine Situation hinein zu denken, wenn du hier schon den großen Psychologen mimst.« Thirty richtete sich auf und saß nun mit dem Rücken zu ihm, die Kippe nachdenklich zwischen den Fingern drehend.
»Denkst du du bist der Einzige hier, dem es so geht?« Er hörte noch Thirty´s verwirrtes und dann aber verstehendes Keuchen, ehe er sich Rücken an Rücken an ihn lehnte und den Kopf gegen den des anderen legte: »Ich brauche gar nicht erst zu versuchen mir vorzustellen wie ich mich an deiner Stelle fühlen würde. Vielleicht bin ich einer der wenigen hier, die es absolut nachvollziehen können, wie es dir dabei geht. Auch wenn ich mich nicht wie eine Schlampe durch die Gegend ficke.« Zum Schluss lächelte ein wenig, auch wenn der Andere ihn nicht sehen konnte. Thirty schwieg, aber Kozak spürte nur zu deutlich, wie angespannt dieser jetzt war. Dann verschwand der Gegendruck und er musste sich etwas abstützen, um nicht hinten über zu kippen. James rutschte zu ihm herum, die Zigarette wieder zwischen den Lippen. Doch dieses Mal sah er ihm direkt in die Augen und irgendwie hatte er das Gefühl, in diesem Blick mehr zu sehen als den üblichen Schalk. Schließlich inhalierte Thirty den Rauch, blies ihn aber nicht aus, sondern nahm die Kippe wieder weg, und beugte sich zu ihm herüber. Kozak kannte dieses Verfahren. Die Lippen nur Millimeter voneinander entfernt, atmete er das ein, was der andere ausatmete. Es war auf eine ganz eigene Art, einfach unglaublich erotisch und unsagbar intim. Es schürte die Spannung zwischen ihnen, das was bisher unausgesprochen geblieben war, ein leichtes Zittern in der dünnen Luftschicht, die sie voneinander trennte, eine stumme Bitte das zu tun, was sie schon so lange tun wollten. Schließlich war es Kozak, der es nicht mehr länger aushielt und die Luftbrücke endlich überwand.
Was er schmeckte und spürte, das mochte er auf Anhieb. Es war der Geschmack von zu viel Rauch, billigem Kantinenessen, Speichel und eben einfach Thirty. Er konnte nicht von sich behaupten, dass er sich jemals vorgestellt hatte wie der andere wohl schmeckte – dafür mangelte es ihm an Phantasie – aber er hatte sich einen solchen Kuss durchaus in seinen Gedanken ausgemalt. Dass die Phantasie kaum einen großen Unterschied zur Realität aufwies, erleichterte ihn und er konnte nicht anders, als darauf einzugehen.
»Wir hätten das hier auch viel einfacher haben können, Kozak.«, murmelte James in einem Moment, als sie es schafften die Lippen wenigstens ein bisschen voneinander zu lösen.
»Du bist ja vieles, mein Freund, aber einfach bist DU definitiv nicht.«
»Und du bist Russe, also sind wir quitt.«
»Ach halt doch einfach die Fresse.«
»Mit Vergnügen.«
Frauen waren kompliziert? Thirty war noch viel schlimmer, aber mit einem Russen an seiner Seite, war er weitaus pflegeleichter.

***

Ah! GESCHAFT!
Liebe Kinder: Rauchen ist ungesund und geht ins Geld und es ist nicht cool, es dient hier nur als Stilmittel, also Finger weg! ^^
Ach ja und die gute Twenty hat ein reales Vorbild, nämlich mein Pummelschweinchen Palkia:
http://www.directupload.net/file/d/4171/3g2u99xw_jpg.htm

Nun denn, ich hoffe es hat euch gefallen und ich werde hoffentlich auch nicht mehr die Einzige sein, die so sehr in das Pair vernarrt ist.
Liebe Grüße an alle
Feendrache
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