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The truth about Varia and Eve Part 8 - Die finale Schlacht

GeschichteDrama, Angst / P18 / MaleSlash
13.11.2015
15.08.2017
8
19.001
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
24.05.2017 3.416
 
Nach langer Zeit des Wartens, muss es endlich auch mit unseren Frauen weitergehen :o)

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen :o)

LG Blue
O=====)==============>




Noch 5 Tage bis zum Seelensterben...


(xxx)

Erschöpft erreichten Varia, Sahlia und Gabrielle den hölzernen Steg. Calypso hatte sie weit vom Ufer aus ihrer Obhut entlassen, selbst für geübte Schwimmer ein langer Weg. Gabrielle hatte Mühe ihren Kopf an der Wasseroberfläche zu halten, da der Sack mit dem Gold schwer an ihrem Gürtel hing. Es war Varia, die Gabrielle packte und dafür sorgte, dass sie beide schließlich von Sahlia, die auf dem Steg bereits wartete, nach oben gezogen werden konnten.

Nach Atem ringend lagen sie minutenlang dort...

Als Gabrielle sich dann schließlich umsah, bemerkte sie die Blicke der vielen Fischer. Einige sahen sie mit großen, ängstlichen Augen an, wieder andere hatten die Köpfe zusammengelegt und tuschelten aufgeregt miteinander. Aus den Augenwinkeln sah sie den kleinen Jungen wegrennen, der sie zuvor noch erschrocken angestarrt hatte.

„Wir sollten gehen...“, auch Varia hatte die Veränderung ihres Umfelds wahrgenommen und zog Gabrielle auf die Beine.

„Unfassbar, wie groß Higuchi ist...“, Sahlia starrte mit offenem Mund nach vorne.

Vor ihnen breitete sich ein riesiger Hafen aus, mehrere Schiffe lagen vor Anker und überall liefen dutzende Menschen in bunter Kleidung umher. Sie riefen sich Worte in den verschiedensten Sprachen zu, die Sahlia nicht verstand. Dahinter konnte man das ganze Ausmaß der Stadt nur erahnen. Hunderte Häuser, in unbekannter Art gebaut, säumten die vielen Straßen, hinter ihnen ragten große, vom Nebel verschleierte Umrisse in den Himmel. Higuchi war prächtiger und schöner als Gabrielle es in Erinnerung hatte. Die Stadt war neu erblüht, vergessen schienen das Leid und all die Brände, die diesen Ort früher heimgesucht hatten.

„Wie sollen wir hier jemanden finden, der uns helfen kann?“, Sahlia schien Mühe zu haben ihr Gleichgewicht zu halten angesichts des Reichtums und der Fülle an Leben, der sich ihr bot.

„Dank der Nereiden haben wir das hier.“, Gabrielle zeigte auf das Gold an ihrem Gürtel, „...wir sollten versuchen, die nassen Sachen loszuwerden und uns Kleidung besorgen, es ist kühl hier. Higuchi liegt nahe der Berge.“

„Nicht nur Sachen. Ein paar Waffen wären auch sehr vorteilhaft...“, Varias Blick galt einigen stämmigen Männern, welche die Frauen gefährlich ansahen.

(xxx)

Es war mühevoll sich durch die Masse an Menschen zu bewegen, überall stießen sie mit den Fremden zusammen, als sie versuchten sich einen Weg durch die überfüllten Straßen zu ebnen. Hin und wieder riefen ihnen Händler zu oder packten sie an den Armen, um sie zu ihrem Stand zu zerren, an denen exotische Fische, Obst und andere Dinge angeboten wurden, die Varia noch nie gesehen hatte. In mehren Gassen erkannte sie etliche Frauen, seltsam weiß bemalt im Gesicht, jede trug ihr schwarzes Haar kunstvoll frisiert, ihre Körper waren verhüllt von einer Art Mantel, der in mehren Farben schillerte. Sie brauchte nicht lang um zu bemerken, welchem Geschäft sie nachgingen. Diese unbekannte und doch faszinierende Kultur blendete Varia und überreizte ihre Sinne. Hier war alles vollkommen anders, als sie es gewohnt war. Schnell, hektisch und unberechenbar. Hinzu kam, dass sie weder die Sprache verstanden, noch die unbekannte Schrift lesen konnten. Dennoch schien es einige Ausnahmen zu geben. Zielstrebig ging Gabrielle auf eines der kleineren Häuser zu. Darüber hingen mehrere, hölzerne Schilder. Eines zeigte ein aufgemaltes Gewand, daneben waren wieder die unleserlichen Schriftzüge zu sehen. Als Varia das dritte Schild sah, staunte sie nicht schlecht, es waren griechische Buchstaben, die verkündeten, dass es hier Kleidung zu erwerben gab.

Im Inneren des Hauses war es dunkel und es roch süßlich. Ein angenehmer Duft, der rauchend aus mehreren Schalen kam, umschmeichelte die Nase der Amazonenkönigin. Der wenige Platz, den der Raum bot, war bis an die Decken gefüllt mit verschiedensten Trachten. Herrliche Stoffe aus Leder und Wolle, ja sogar Seide, schimmerten im Licht mehrerer runder Laternen. Auf einem kleinen Podest neben dem verwitterten Holztresen, saß ein Mann, der unendlich alt zu sein schien. Als er die Frauen hörte, bewegte sich sein Kopf ruckartig in Varias Richtung. Diese erschrak für einen Moment, als sie in die, von grauem Schleier getrübten Augen sah. Schneller als sie, Gabrielle und auch Sahlia es ihm zugetraut hatten, stand er auf und ging zielsicher auf die Königin zu. Mit seiner Hand, die Varia nicht berührte, zeichnete er mehrfach die Silhouette ihres Körpers nach.

„魂の救い主!! 魂の救い主 !!“, wiederholte er mehrfach, bevor er in ein Flüstern überging.

„Was tut er?“, fragte Varia, als der Alte mit fast flehender Mimik vor ihr kniete. Mehrere Tränen rannen aus seinen blinden Augen.

„祖父!“, sofort wich er zurück und setzte sich wieder an seinen Platz.

„Verzeiht, Fremde des fernen Landes.“, sprach die Frau auf griechisch, verbunden mit ihrer eigenen, regionalen Mundart, „...mein Großvater ist alt und verwirrt.“

„Ihr versteht uns?“

„Viele Menschen aus aller Welt kommen zu mir.“, sie nickte gütig, „...ich kenne nicht jede Sprache, doch Eure ist mir wohl bekannt. Ich kann sehen, dass Ihr Kleidung braucht. Doch diese Art der Gewänder habe ich nicht.“, neugierig ging sie auf Varia zu. Diese war erstaunt, wie klein die Greisin war. Das Klacken ihrer Holzschuhe erregte Sahlias Aufmerksamkeit, die verwundert auf deren Füße blickte.

„魂の救い主”, flüsterte der Greis erneut.

„Was sagt er?“

„Beachtet ihn einfach nicht.“

„Was meint Ihr damit, Ihr hättet diese Art der Gewänder nicht?“

„Ich führe Kleidung für gewöhnliche Frauen und Männer, nicht für Krieger.“

„Ist wohl nicht zu übersehen.“, Varia ließ zu, dass die Verkäuferin sie eingehend musterte.

„Ihr seid sehr stark und kräftig. Seid ihr eine...wie heißt das?“, grübelnd kratzte sie sich am Kopf.

„Amazone?“, hakte Varia nach.

„Ja!“, die Alte nickte mehrfach und lächelte.

„Wir sind alle Amazonen.“

„Oho! Unglaublich, ich habe viel von Euch in alten Schriften gelesen. Ich bin erstaunt, dass es noch welche gibt.“, sie machte große Augen, bevor für einen Moment Stille einkehrte. Eine Stille, die Varia nicht gefiel.

„Das hören wir öfter...“, Varia verzog das Gesicht.

„Was wohl bedeutet, dass noch nicht viele Amazonen hier gewesen sind, oder?“

„Es gab einige Kriegerinnen aus anderen Ländern, doch keine wie Euch.“

„Könnt Ihr uns vielleicht jemanden empfehlen, der uns helfen kann? Wir brauchen dringend etwas, dass hier nicht so auffällt.“, fragte Sahlia leise. Kaum hatte sie das ausgesprochen, begann die Frau zu kichern.

„Menschen wie ihr es seid, fallen immer auf. Euer helles Haar, die Augen.“

„Wir verstehen. Habt dennoch Dank.“, Gabrielle griff in den Sack und reichte ihr eine der Goldmünzen.

„それらを停止します!!“, brüllte der alte Mann plötzlich.

„閉じ込めます!“, rief sie zurück, „...wartet!“, sie hob die Hand, „...ungestüm und waghalsig. Das sind die griechischen Amazonen. Geht die Straße bis zum Ende hinunter. Dort findet ihr einen Fischhändler namens Tadashi. Sagt ihm Ihr kommt von Hanaku. Gebt ihm das.“, sie kramte in den tiefen Taschen ihrer Bekleidung. Als sie fertig war, reichte sie Gabrielle eine kleine Schatulle. Als sie diese öffnete lag darin ein Stofffetzen.

Gerade als sie gehen wollten, packte die Frau Varias Handgelenk.

„Passt gut auf Euch auf, Amazone. Ihr tragt das Schicksal aller in Euren Händen...“


(xxx)

Unterdessen in Griechenland...

Die Nacht wich bereits dem Morgen als Xena den Tempel erreichte. Ein ungutes Gefühl breitete sich in ihrer Magengegend aus, als sie ihre Umgebung näher betrachtete. Hier schien schon sehr lange mehr niemand der Göttin der Liebe Tribut zu zollen. Er schien von Wind und Regen gezeichnet und die einst prächtigen Statuen waren von den Pflanzen der Umgebung überwuchert.

Ohne weiter zu zögern ging Xena voran und klopfte laut, doch sie bekam keine Antwort.

„Aphrodite!“, sie legte ihr Ohr an das schwere Tor und lauschte eine Weile. Im Inneren konnte Xena, dank ihrer starken Sinne, ein leises Schlurfen vernehmen. Jemand war mit absoluter Sicherheit dort drinnen. Sie klopfte ein weiteres Mal, doch wer immer im Tempel war, blieb stumm.

„Ich kann dich hören! Aphrodite bitte öffne das Tor. Ich brauche deine Hilfe!“, als wieder nichts passierte hämmerte Xena mit voller Kraft mehrfach gegen das massive Holz, sodass sich einige Stücke des Steins aus den Mauern lösten.

„Geh weg! Lass mich in Ruhe!!“, erkannte Xena die vertraute Stimme.

„Aphrodite! Ich bin es, Xena!“

„Wer?!“, dieses Mal klang es beinahe schrill, so als hätte man der Liebesgöttin die Hände um die Kehle gelegt.

„Xena!“, wiederholte die Kriegerin ihren Namen.

„Oh bei Zeus! Dann hat es begonnen...“, vorsichtig wurde das Tor zu einer Seite geöffnet und der blonde Schopf lugte ängstlich hervor, „...du...du bist es wirklich!“

Aphrodite trat zurück und ließ Xena ihr Heiligtum betreten. Stumm standen sie sich gegenüber...

„Oh nein...“, flüsterte sie.

„Ich hatte schon schlimmere Begrüßungen.“

„Das darf nicht sein...“, Aphrodite ging langsam auf Xena zu und legte ihr behutsam die Hände auf die Wangen bevor sie ihre alte Freundin in den Arm nahm.

„Aphrodite...“

„Ich ahne es. Xena, du solltest dich besser setzen...“

(xxx)

1 Stunde später...

Als die Göttin ihre Erzählung beendet hatte, konnte sie erkennen wie Xenas Kiefer sich gefährlich bewegte. Die Hände der starken Frau waren vor Wut zur Fäusten geballt und sie zitterte leicht.

„Wenn ich Ares in die Finger bekomme, schwöre ich dir...“, sie schloss die Augen und atmete tief durch.

„Das ist noch nicht alles...“, Xena kniff die Augen zusammen, „...es ist nicht nur der Ring, der mich an meinen Tempel bindet, Varia, Gabrielle und Sahlia waren hier.“

„Was?“, Xena war so schnell auf den Beinen, dass Aphrodite erschrocken mehrere Schritte zurückwich.

„Ja. Sie sind nicht, wie du vermutet hast, bei den Amazonen. Xena, ich weiß nicht, wie sie vor den Unterirdischen fliehen konnten, doch Gabrielle und Varia wussten um Eves Gefangenschaft. Varias Seele ist mit Eves verbunden, genau wie deine mit Gabrielles. Sie glaubten, dass Ares es irgendwie geschafft hat, dich gegen Eve einzutauschen, ohne, dass die Götter des Landes etwas bemerkten. Und ich denke, nein ich weiß, dass sie nicht Unrecht hatten...“

„Aber das ist nicht möglich, nur meine Seele allein ist befähigt, all die 10.000 davor zu bewahren, in die Unterwelt abzusteigen, um dort zu leiden. Ihr verschwinden würde auffallen.“

„Normalerweise müsste es das. Eves Seele hat niemals jene Kraft, die du besitzt, auch wenn sie vom selben Blute ist. Er hat in Kauf genommen, die Balance der gesamten Welt in Gefahr zu bringen. Eve war das Beste, was er bekommen konnte, denn sie ist deine Tochter. Deshalb brachen Varia und alle anderen nach Higuchi auf. Um zu retten, was zu retten ist...“

„Wie? Wie sind sie nach Higuchi gereist? Es dauert Monate mit dem Schiff.“

„Auch dessen waren sie sich bewusst und ich half...“

„Wie hast du geholfen?“

„Ich kann zwar meine Kräfte nicht mehr gebrauchen, doch hütete ich das Geschenk der Nereiden.“

„Den Meeresnymphen des Poseidon?“

„Ja. Der Krug befand sich gut versteckt unter dem Altar. Sie müssten längst im Land der aufgehenden Sonne sein. Ares plante gut in dem er mich mit diesem verfluchten Ring hier eingesperrte, doch er hatte seine Rechnung ohne die Klugheit seiner Schwester gemacht.“

„Ich muss unbedingt dorthin...“, Xena blickte die Göttin hilfesuchend an.

„Ich weiß nun mit Sicherheit, wer dich in die Welt der Sterblichen zurücksandte, er plante gut dich nicht in jenem Land auf freien Fuß zu setzen. Nach der Abreise Gabrielles und den anderen, hatte ich viel Zeit, um über alles nachzudenken. Ich war damals so blind, Xena. Ich hätte es sehen müssen, verhindern müssen...“

„Was meinst du damit?“

„Er wollte verhindern, dass du rechtzeitig dorthin kommst, verstehst du? Er hat es sehr eilig, dass zu vollziehen, wofür Eve gedacht ist.“

„Er?“

„In jeder Kultur gibt es das obere Reich für all die guten Menschen, hier sind es die elysischen Gefilde, das untere Reich ist der Tartaros. Deine Seele hielt all die Unschuldigen dort wo sie das Böse des dortigen Landes nicht erreichen konnte. Es gibt nur einen, neben den oberen Göttern, der in der Lage ist, ein derartiges Geschäft mit Ares zu machen.“, Xena blickte Aphrodite wartend an, „...Yama.“, antwortete sie traurig.

„Der Gott der Unterwelt?“

„Du kennst ihn?“

„Ich habe ihn nie gesehen, doch als diese eine besondere Seele, war es mir möglich, damals als Varia tot geglaubt wurde, alle Unterwelten zu bereisen auf meiner Suche nach ihr. Ich war auch dort, ein schrecklicher Ort, dagegen ist der Tartaros ein Spielplatz.“

„Yama ist schlau und sehr gefährlich. Er zeigt sich nur wenigen. Seine Kraft übersteigt die des Hades bei Weitem. Ich glaube er und Ares ziehen die Fäden in diesem erbarmungslosen Spiel. Wie ich es dir sagte, sie müssen einen Weg gefunden haben die Götter zu täuschen, sodass ihr Treiben unbemerkt bleibt. Gabrielle, Varia und Sahlia sind dorthin gereist, um mit Izanagi und Izanami Kontakt aufzunehmen. Ares ist wirklich wahnsinnig, ihm ist es egal, was mit den Menschen passiert, setzt er sich etwas in den Kopf, führt er es aus. Er war es auch, der damals die Amazonen fast ausgelöscht hatte, weil er die Macht der Unterirdischen an Sahlias Vater weitergab. Es ist ein gut durchdachter Plan, ich vermute, er war es dieses Mal auch, der dafür sorgte, das jene Wesen wieder im Amazonenland sind.“

„Das denke ich auch.“

„Ja. Er schickte den Tod zu den Amazonen, um diese durch Unterwerfung ruhig zu stellen. So glaubte er Varia und alle anderen in Schach zu halten zu können, um an Eve zu gelangen. Er entführte sie, brachte sie zu Yama, dem es irgendwie gelang Eve zu missbrauchen und zwar so, dass kein anderer Gott bis jetzt etwas bemerkte. Es gibt immer eine Lücke im Gesetz der Götter, selbst Zeus war nicht unfehlbar. Das Böse findet immer ein Schlupfloch.“

„Einiges passt jedoch nicht zusammen...“, Xena massierte sich grübelnd die Schläfen.

„Und das wäre?“

„Warum der ganze Aufwand? Ares ist ein Gott, er hätte Eve einfach selbst entführen können. Warum das Unterfangen mit den Unterirdischen, warum machte er aus Varia die Bestie, die fast ihr Volk ausgelöscht hätte? Warum der ganze Verrat unter den Königinnen? Er hätte es viel einfacher haben können.“

„Das stimmt nicht ganz...“, gab die Liebesgöttin kleinlaut zu.

„Aphrodite...“, Xenas Stimme hatte einen warnenden Klang angenommen.

„Ich will es dir ja erklären. Xena, nach der Götterdämmerung brach das Gleichgewicht. Du hast in deinem Sinne gehandelt und alle Götter getötet, um Eve zu retten, nur Ares und mich nicht. Er symbolisiert das Dunkle, ich das Licht. Zwei Götter, die die Waage des Schicksals hier in Griechenland mit Mühe halten müssen. Eine schwere Bürde. Das Göttersterben drang zu jedem Gott dieser Erde durch, so schlossen sie alle mit uns ein Abkommen. Jeder spendete mir und Ares einen winzigen Teil seiner Stärke, damit unsere Welt bestehen bleibt. Allein hätten mein Bruder und ich niemals die Kraft dazu aufbringen können. Doch sie beobachten uns, nicht immer, doch ich kann sie spüren, wenn sie dieses Land ungesehen betreten. Sie prüfen, ob wir Wort halten und unseren Pflichten nachkommen. Es ist uns untersagt mit unseren Fähigkeiten Unheil zu säen. Für mich keine schwierige Pflicht, doch für Ares war es als würde man ihm die Hände in Fesseln legen. Wie oft setzte er in früherer Zeit seine Energie ein, um die Menschen zu täuschen und zu manipulieren. Doch wie ich schon sagte, das Böse findet immer ein Schlupfloch.“

„Ich verstehe...“

„Ares ist gerissen und zum Kriegsgott geboren, es ist sein Gemüt. Er beschaffte ungesehen die Statuen und gab die Schwarze einem Sterblichen. Er hätte sie nicht selbst benutzen können, denn nur ein Mensch kann die Unterirdischen befehligen, ein uralter Fluch. Doch warum sollte ein Gott das auch wollen? Er ließ dem Schicksal seinen Lauf, denn er wusste nur zu gut, das Macht Euch Menschen blind und skrupellos macht. Mit Sicherheit versprach er Sahlias Vater einiges. Der Zeitpunkt war gut gewählt, denn du, Eve und Gabrielle wart in der Gegend. Es war der Tag, an dem ihr aus Mogador zurückgekehrt seid. Ares plante alles sehr genau, er verließ sich auf dich, ahnend, dass du den Amazonen helfen würdest.“

„Aber warum? Er hatte nichts davon, denn Varia...“

„Varia schaffte es, die weiße Statue in ihren Besitz zu bringen. Ich gebe zu, dass Ares, Varia unterschätzte und damit nicht gerechnet hatte. Und dennoch hat er geschafft, was er erreichen wollte, denn nachdem eines der Wesen Sahlia verletzt hatte, kam diese zu Gabrielles Schwester in die Obhut, dort wo sich auch Eve befand...“

„...........“

„Xena, jede Seele hat auf der Welt ihre Verwandte, doch oft begegnen sich beide nie. Diese Zusammenkunft ist sehr selten und baut auf Liebe auf. Wenn zwei Menschen zueinanderfinden, sorgt die Liebe, also ich dafür, dass sie zusammenkommen. Dies passiert unendlich oft an nur einem einzigen Tag. Wenn sich zwei spezielle Seelen nahe beieinander befinden, jene, die perfekt harmonieren, so setzen diese ein Signal, einen Ruf, dem ich als Göttin der Liebe Folge leisten muss, denn sie erhalten meine Göttlichkeit und geben mir Kraft, mehr als die einfachen Seelen. Ich bin ratlos wie Ares mitbekam, um welche besonderen Seelen es sich handelte...“, traurig sah Aphrodite zur Seite.

„Varia und Eve...“, in Xenas Gesicht spiegelten sich Fassungslosigkeit und Entsetzen wider.

„Ja...“

„Unfassbar...“

„Die Unterirdischen waren nur ein Ablenkungsmanöver, so konnte er das erste Treffen zwischen Varia und Eve arrangieren, ohne dass die anderen Götter auch nur einen Verdacht schöpften. Er überließ alles, aber auch alles Euch Menschen.“

„Ich erinnere mich daran, Varia war Eve gegenüber noch immer voller Hass.“

„Aber Eve war es nicht, sie spürte bereits damals, dass ihr Herz ihr einen Weg wies, den sie nicht verstand.“

„Deshalb ging sie fort...“, Xena musste sich setzen.

„Und sie kam zurück unter dem Vorwand den Amazonen im Namen Roms eine Friedensbotschaft zu überbringen, in dem Wissen, dass sie wahrscheinlich sterben würde, doch es war ihr Herz... ich war es, die Eve dazu veranlasste Varia wiederzusehen, denn ich war gezwungen durch mein Amt als Göttin, zu tun wozu ich geboren wurde. Doch auch das blieb Ares nicht verborgen. Er machte aus Varia eine Bestie, um Eve zu locken, die durch Eli den Weg der Liebe verfolgte. Auch wenn Eli nicht gerade ein Freund von mir war, so stand er auf der richtigen Seite, der Seite der Liebe. Ares wusste auch hier, dass du retten würdest, was zu retten wäre...“

„Und dass ich Varia auf die Seite des Guten zurückholen würde...“

„Genau. Er verließ sich auf dich, wie schon davor. Ab dem Punkt spürte Varia ebenfalls ihre Liebe. Was du nicht weißt ist, dass es zu einem Gespräch der Beiden kam, bevor die Königinnen Eve freisprachen.“

„Einem Gespräch?“

„Dir ist doch aufgefallen, dass Eve vollkommen in Gedanken war, an diesem Tag, oder?“

„Sie schob es auf das Urteil.“

„Ein fataler Irrglauben deinerseits. In dem Gespräch kamen sich beide näher...zu nahe für Varia, die nicht begriff, wie sie sich in ihre einstige Todfeindin verlieben konnte. Varia brach aus und Eve das Herz.

„Und Eve log mich an...“

„Sie sagte...“

„Ich gehe nach Chin und in das Land des Hindus...“, beendete Xena flüsternd den Satz.

„In Wahrheit ging sie wegen Varia. Für Ares, der nur wenig Erfahrung mit der Entstehung und Komplexität er Liebe hattte, drohte der Plan zu scheitern. Er musste Eve wieder ins Spiel bringen, die Griechenland niemals verlassen hatte. Sie konnte es aufgrund ihrer Liebe zu Varia nicht. Er war es, der Bellerophon dazu veranlasste, die Amazonen fast auszurotten, was Varia dazu zwang, Sahlia zu entsenden, um nach den letzten Amazonenstämmen zu suchen, damit sich diese vereinen konnten. Mit Sicherheit lenkte er die Amazonen so, dass sie auf Eve trafen und den Rest kennst du ja.“

„Eve kam zurück, was Varia vollkommen aus der Bahn warf...“

„Doch ihre Seelen hatten einander lange gefunden, nur ihr Verstand wollte nicht folgen. An jenem Abend, als Varia im Regen zurückkam...“

„Ich erinnere mich, wir alle haben sie gesucht, plötzlich stand sie vor uns, durchnässt und schwach.“

„In dieser Nacht trafen beide erneut aufeinander... und vereinigten sich.“

„Vereinigten sich?“, Xena hob die Augenbraue.

„Du weißt schon, was ich meine...“, Aphrodite zwinkerte.

„Oh...ich dachte mir so was. Aber was nützte Ares diese Zusammenkunft? Sich als Gott des Krieges in die Liebe einzumischen macht keinen Sinn.“, lenkte Xena das Gespräch wieder zurück.

„Dass ist das Schreckliche daran. Damals ahnte ich nichts von diesem rücksichtslosen Vorhaben. Xena, du musst wissen, dass die verwandten Seelen, die Stärksten von allen sind und sie gewinnen immer mehr an Kraft solange ihre Hüllen leben...“, weinend hielt die Göttin sich die Hände vor ihr Gesicht.

In diesem Moment schien die Zeit still zu stehen...

Xena war unfähig sich zu bewegen, angesichts der brutalen Wahrheit. Ares hatte sie unbemerkt all die Zeit als Marionette benutzt, um einen Plan umzusetzen, der teuflischer nicht sein konnte...

„Das war sein Plan...“, stöhnte Xena geschockt, „...es ging ihm von Anfang an um die Zusammenkunft beider Seelen...um...“

„Ja, Xena. Um die Seele von Eve durch Varia an Kraft gewinnen zu lassen, damit er sie gegen dich tauschen kann...“
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