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The truth about Varia and Eve Part 8 - Die finale Schlacht

GeschichteDrama, Angst / P18 / MaleSlash
13.11.2015
15.08.2017
8
19.001
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15.01.2017 2.266
 
Zur selben Zeit in Griechenland...

(Noch 6 Tage bis zum Seelensterben)


„Kinder, geht nicht zu nah an den Fluss!“

„Wenn ich groß bin, werde ich ihn überqueren. Nur mit der Kraft meines Körpers.“, der kleine Junge fuchtelte mit seinem Holzschwert vor der Nase seiner Schwester herum.

„Du kannst ja kaum deine Spielzeugwaffe halten.“, lachte sie und gab ihm eine leichte Kopfnuss, was ihn schmollend weiter rennen ließ.

„Du wirst schon sehen!“, mutig ließ er die hölzerne Waffe kreisen, bevor er sie durch das Schilf am Ufer schlug, „...furchtlos und stark“, faselte er weiter, „...ich werde ein Krieger sein. Kraftvoll wie Herkules und schlau wie Perseus.“, plötzlich stieß das Ende des Schwertes gegen etwas Weiches. Vorsichtig ging er näher heran, das Schilf zu Seite biegend.

Mit einem lauten Schrei ließ er es im selben Moment fallen, lief an seiner Schwester vorbei, in die Arme seiner Mutter...

„Pericles, was hast du denn?“, alarmiert sah die Mutter in Richtung der Wasserpflanzen.

„Da... da liegt jemand.“, flüsterte er und vergrub sein Gesicht in ihrer Schürze.

„Lycea! Komm sofort hierher!“, schrie sie, doch das Mädchen trat mutig an die leblose Gestalt heran.

„Komm schnell, Mama! Ich glaube, sie lebt noch!“

„Lycea!“, eilig war sie bei ihrem Kind und zog es von der Stelle weg.

„Es ist wirklich eine Frau!“, sie wies auf den Oberkörper.

„Wartet hier. Wehe ihr bewegt euch!“, das Mädchen packte ihren ängstlichen Bruder am Arm und hielt ihn fest, während die Mutter langsam auf das Schilf zuging. Erst als sie sich einen Überblick verschafft hatte, beugte sie sich herab und befühlte den kalten, nackten Leib. Kaum hatte sie das Gesicht erreicht, hörte sie ein lautes Ausatmen. Seufzend, so als hätte sie große Schmerzen, bewegte sich die Gestalt. Behütend stellte sie sich vor ihre Kinder und wartete...

Helle, blaue Augen blickten schließlich in ihre...

Der kraftvolle, unbedeckte Leib war übersät mit Blättern und Sand. Das dunkle, lange Haar lag nass, wirr und verklebt von Uferschlamm auf ihren Schultern und verdeckte einen Teil ihres Gesichtes. Das kleine Mädchen hielt seinem starrenden Bruder die Hand vor die Augen, was dieser nur mäßig zuließ. Zitternd stellte sich die große Frau auf die wackligen Beine.

„Wer... wer seid ihr?“, fragte die Mutter vorsichtig, doch sie erhielt keine Antwort. Wie in Trance bewegte die Frau ihre Hände, drehte sie ein paar Mal und blickte sich mit erschrockenen Augen um.

„Was...“, brachte sie nur hervor.

„Ihr macht mir und meinen Kindern Angst! Nennt mir bitte euren Namen!“, doch sie wurde weiterhin nur angestarrt.

Vorsichtig setzte die unbekannte Frau einen Schritt vor den anderen, was Mutter und Kinder weiter zurückweichen ließ.

„Ich kann das Wasser riechen. Den Sand... das Gras... sogar den... Wind.“

„Mama, ich glaube sie ist dem Wahnsinn verfallen.“, flüsterte das Mädchen, während die Unbekannte die Rinde des Baumes fühlend abtastete.

„Mein Name ist Demetria, nennt mir bitte euren.“

„Ihr... ihr könnt mich sehen?“

„Natürlich. Mein Sohn fand euch bewusstlos im Schilf liegend, hier. Nehmt das!“, die Frau warf eine alte Decke herüber.

„Mein... mein Name ist Xena...“

„Ich bin Pericles, ich habe dich gefunden!“

„Und ich bin Lycea, ich habe auch geholfen!“

„Kinder!“, mahnte Demetria erneut.

„Könnt ihr mir sagen... wo ich bin?“

„Euch muss etwas schreckliches passiert sein, Xena. Ihr seid in Griechenland...“

„Das ist nicht möglich... ich bin... schon lange...“, doch als Xena die Gesichter der Kinder sah, schwieg sie.

„Seht euch um. Dort drüben beginnen die Nadelwälder, dahinter liegt das Gebiet der Amazonen. Unser Dorf Thassa liegt südlich von hier und ist etwa eine Stunde zu Fuß entfernt.“

„Ich sollte nicht hier sein...“

„Verzeiht mir die Frage, doch wo solltet ihr dann sein?“

„Sehr weit weg...“

„Ich denke, ihr steht unter Schock. Ihr müsst euch ausruhen. Ihr seht nicht gefährlich aus. Warum kommt ihr nicht mit uns, wascht euch und ruht euch aus, bis euer Verstand wieder klar ist?“

„Ich kann nicht... ich muss...“, Xena hielt sich beide Hände an ihren schmerzenden Kopf. Das Gefühl wieder einen Körper zu haben, den sie spüren konnte, war etwas, woran sie sich erst wieder gewöhnen musste. Irgendetwas war geschehen...

Sie war am Leben, konnte riechen... fühlen... den Wind auf ihrer Haut spüren...

Etwas, dass nicht sein durfte, etwas, dass nicht sein konnte...

Das Letzte an was sie sich erinnerte war, dass Varia lebte und dank Eve ihr Gedächtnis wiedererlangt hatte...

Danach hatte sie eine unwirkliche Dunkelheit umgeben, endlose Finsternis, die verhinderte, dass sie sich, wie sonst auch, für ein paar Stunden lösen konnte, um bei Gabrielle zu sein.

Gabrielle...

Etwas Furchtbares musste geschehen sein...

Antworten konnte sie nur bei den Amazonen erfahren...

„Demetria, ich muss zu den Amazonen...“

„Was!!??“, der Schreckenschrei der Frau ließ Xena aufhorchen, „...ihr könnt dort nicht hin. Ihr würdet es nicht einmal bis in die Nähe der Amazonen schaffen.“

„Wie meint ihr das?“

„Xena, ihr scheint ein gutes Herz zu haben, kommt mit zu mir, wascht euch und wärmt euch auf. Ich werde euch alles erzählen...“

„Einverstanden...“

„Stützt euch auf meine Schulter. Ihr scheint Probleme zu haben, eure Beine richtig zu gebrauchen...“


(xxx)

2 Stunden später

Das Bad in der großen, hölzernen Wanne entspannte Xenas Körper, der langsam zu sich selbst fand. Sich zu bewegen war einfacher, als noch vor ein paar Stunden. Xena stieg aus der Wanne und nahm dankend die Sachen der Frau an.

„Das Kleid gehörte meiner Schwester...“

„Ich danke dir, Demetria.“, ohne dass Xena es beeinflussen konnte, knurrte ihr Magen und ein unglaubliches Hunger und Durstgefühl setzte ein.

„Wir haben nicht viel, doch wir teilen gern.“, sie wies auf den Tisch in der Mitte des Raumes, auf dem ein Korb mit Brot stand, daneben lagen etwas Trockenfleisch, Käse und Obst.

„Es ist so lange her... ich hatte schon vergessen, wie es ist zu essen und zu schmecken.“

„Das klingt, als hättet ihr lange nicht gegessen.“

„Zu lange...“

„Du hast einen guten Appetit...“, Lycea zwinkerte Xena zu.

„Entschuldige...“, die Kriegerin lächelte und reichte dem Mädchen ihr letztes Stück Brot. Nach dem Essen half sie Demetria beim Spülen der Teller.

„Demetria, verzeiht mir meine Eile, doch ich muss wissen, was im Land der Amazonen vor sich geht...“

Die Frau seufzte tief und schickte ihre Kinder ins Nebenzimmer, was Xena klar machte, dass ihr das was nun folgte, sicherlich nicht gefallen würde.

„Seit geraumer Zeit, verschwinden die Menschen nach und nach, die das Gebiet nahe des Amazonenlandes betreten. Mein Mann war zusammen mit meiner Schwester auf der Jagd, wir haben das Land der Kinder der Artemis aus Angst und Respekt nie betreten. Sie sammelte etwas abseits Beeren und Kräuter, plötzlich hörte sie das Brüllen meines Mannes. Meine Schwester sah gerade noch, wie er unter furchtbaren Schmerzensschreien in die Tiefe gezogen wurde...“

Abrupt stand Xena vom Tisch auf und starrte die Frau an...

„Was sagst du da?!“

„Ja, er verschwand einfach im Boden...“

„Das kann nicht sein, Demetria!“

„Es ist wahr, Xena. Meine Schwester wurde auch angegriffen, sie schaffte es, wie auch immer, aus dem Wald zu fliehen und brach blutend in meinen Armen zusammen. Sie erzählte von weißen Wesen mit langen Klauen und dem Tod meines Mannes. Sie überlebte noch drei Tage... Danach starb sie an Wundbrand...“

Xena lief wie ein wildes Tier auf und ab...

„Jeden Tag verschwinden dort Menschen, niemand betritt das Land von Artemis Schützlingen. Aus unserem Dorf verschwanden neben meinem Mann und meiner Schwester, sechs weitere Menschen. Aus den Nebendörfern noch mehr...“

„Warum sind die Unterirdischen wieder im Amazonenland?“, wütend schlugen ihre Fäuste auf das Holz des Tisches, was Demetria zusammenzucken ließ.

„Die wer?“

„Demetria, etwas ist ganz und gar nicht mehr in Ordnung. Das einstige Gleichgewicht stimmt nicht mehr, verzeih. Ich kann es dir nicht besser erklären, doch ich muss gehen...“

„Du musst sehr viel gesehen habe, Xena. Du bist nicht wie andere Frauen. Ich hoffe, du findest, was du suchst...“, sie nickte gütig.

„Du kannst mir helfen. Wo ist der nächste Tempel der Aphrodite?“

„Ihr prunkvollster Tempel liegt eine Tagesreise von hier in westlicher Richtung.“

„Ich danke dir...“

„Warte! Du willst jetzt gehen. Es ist bereits dunkel draußen und sehr gefährlich.“

„Ich muss, ich habe keine Zeit mehr. Sag, hatte dein Mann Waffen? Einen Stab vielleicht oder sogar ein Schwert?“

„Er besaß zwei. Eines trug er am Leib, eines verwahrte er hier. Ich denke, du kannst es besser brauchen, als wir. Es gehörte seinem Vater.“, als Xena die Klinge gekonnt in der Hand balancierte, staunte Demetria nicht schlecht, „...nun weiß ich, dass du keine gewöhnliche Frau bist, sondern eine Kriegerin.“

Ein plötzlicher dumpfer Aufprall an der Tür ließ die arme Frau erneut zusammenzucken...

„Was war das?“, flüsterte sie und blickte Xena ängstlich an.

„Das werde ich herausfinden.“

Ohne zu zögern öffnete Xena die schwere Holztür, doch sie sah niemanden. Erst als ihr Augenmerk auf den Boden fiel, erblickte sie den großen Bastkorb, dessen Inhalt von einem Tuch verdeckt wurde. Als sie sicher war, ihren alten und doch neugewonnenen Sinnen wieder vertrauen zu können, nahm sie ihn mit ins Haus.

„Wo kommt der her?“

„Ich weiß es nicht, Demetria...“, vorsichtig zog Xena das dunkle Tuch beiseite, „...das ist unmöglich!“

„Was ist das?“

„Das sind... meine Sachen.“, Xena starrte auf das braune Leder, bevor sie danach griff und es behutsam mit ihren Fingern befühlte. Kalt und doch vertraut lag es in ihrer Hand, es roch sogar wie damals. Als hätte jemand das Leder gepflegt, ebenso den Brustpanzer, dessen Metall im Licht des Feuers schimmerte. Selbst ihre Armschoner und Stiefel sahen aus wie neu.

„Wie ist das möglich?“

„Es ist ein Geschenk, ein göttliches Präsent...“, zischte Xena mit dunkler Stimme.

„Ihr meint ein Gott hat euch eure Sachen geschickt?“, Demetria verzog argwöhnisch das Gesicht.

„Nicht irgendein Gott, jetzt weiß ich sicher, dass etwas nicht stimmt und ich weiß auch wer dahinter steckt...“

„Ihr seid eine mysteriöse Frau, Xena.“

„Selbst das hat er nicht vergessen...“, Xena griff unter die Sachen und zog ihre Klinge hervor.

„Er?“, fragte Demetria ängstlich, „...ihr meint doch nicht Ares, den Kriegsgott?“, flüsterte sie vorsichtig.

„Ich befürchte leider ja. Und es bedeutet, dass mir eine schwere Reise bevorsteht...“


(xxx)

Um sie herum herrschte absolute Schwärze. Varia, Sahlia und Gabrielle saßen dicht beieinander und lauschten dem Rauschen und Gurgeln des Wassers. Wie lange sie schon unterwegs waren, wussten sie nicht, die andauernde Dunkelheit ließ keine Orientierung zu.

„Was tun wir, wenn wir in Higuchi sind?“, fragte Varia, „...haben wir einen Plan, Gabrielle?“

„Nun, ich weiß nicht viel über die Sitten und Gebräuche dieser Kultur, dafür war Xenas und mein Aufenthalt dort zu kurz. Doch wenn ich eines gelernt habe, dann, dass es auch hier nicht leicht ist, mit den Götter Kontakt aufzunehmen. Wenn meine Vermutung richtig ist, tauscht Ares Eve gegen Xena. Wenn das geschieht, dann wird Eve nie wieder zurückkommen.“

„Hast du mal darüber nachgedacht, dass Xena bereits wieder auf der Erde ist?“, Sahlia seufzte leise.

„Ja...“

„Ich verstehe. Doch Gabrielle... was tun wir nun?“

„Ich denke, dass die Götter hier nichts von dem Tausch wissen. Ares muss es geschafft haben, sie zu täuschen oder zu blenden und ich glaube, dass er dabei nicht alleine handelt. Wir müssen mit den Göttern dieses Landes irgendwie Kontakt aufnehmen, sie warnen und sie von dem Plan in Kenntnis setzen. Xenas Seele hütete 10.000 weitere, nämlich jene die damals in Higuchi starben, durch ihr verschulden. Wenn sie lebt, haben die Seelen keinen Schutz mehr. Das muss doch auffallen.“

„Nicht, wenn Ares es gut plant, wir alle wissen, wozu dieser Bastard fähig ist...“

„Ich befürchte, Varia hat Recht. Damals, als wir gegen Yodoshi kämpften, gab es hier einen Geistertöter, ein tapferer Mann namens Harukata. Er war bewandert mit den Seelen, konnte sie sehen und mit seinem Schwert erlösen. Vielleicht gibt es die Tradition des Geistertöters noch. Wenn wir jemanden finden, der so ist wie Harukata, haben wir gute Karten.“

„Seht mal, es wird wieder heller.“

Um sie herum wich die Finsternis einem tief dunklen Blau, das langsam in ein helles überging. Die Fische um sie herum wurden wieder zahlreicher, überall tummelten sich die verschiedensten Bewohner in Poseidons einstigem Reich.

„Wir steigen...“, Varia trat an die geleeartige Hülle heran.

„Was ist das?“, fragte Sahlia, als neben der Außenhülle eine Art schwimmender Kokon sichtbar wurde, der näherkam.

„Unsere Ausstiegsmöglichkeit...“, antwortet Gabrielle knapp. Kaum hatte das Gebilde, die äußere Wand berührt, verschmolz diese mit ihm zu einer Einheit und bildete eine Öffnung.

„Wir sollten gehen...“, Gabrielle betrat als Erste die maritime Kapsel, gefolgt von Sahlia und Varia. Hinter der Amazonenkönigin verschloss sie sich wieder.

Mit einem heftigen Ruck löste sie sich und schoss nach oben...

„Bei Artemis...“; Sahlia wies auf den dunklen, massigen Leib seitlich von ihnen, der kein Ende zu nehmen schien, „...Calypso ist wahrlich riesig. Seht doch!!“

Vor ihnen erschien das breite Gesicht es Meeresungeheuers, dessen Augen sie musterten.

„Sterbliche... das Ziel der Reise ist erreicht...“, dröhnte die tiefe Stimme Calypsos, „... vergesst nicht Amphitrites Worte und übergebt das Artefakt wieder den Wellen des Meeres damit der Wächter es holen kann. Nehmt das. Es ist ein Geschenk der Nereiden selbst. Ihr werdet es in der irdischen Welt brauchen.“, unter ihnen formte sich ein Teil der schleimigen Masse zu einem Säckchen, welches Gabrielle annahm. Als sie es öffnete, sah sie die Goldmünzen darin.

„Sprecht den Nereiden unseren tiefsten Dank aus, Calypso.“, kaum hatten ihre Worte ihren Mund verlassen, löste sich die Kapsel auf. Ehe sie reagieren konnten umgab sie das salziges Wasser des Ozeans. Gabrielle blickte Calypso nach, bevor der massige Leib wieder unter ihr in der Schwärze verschwand. Mit wenigen Zügen erreichte sie die Oberfläche, an der Varia und Sahlia schon warteten.

„Sie hätte uns ja wenigstens warnen können...“, japste Sahlia und spukte das Wasser aus ihrem Mund zurück in die See.

„Wir sind da...“, Varia wies nach vorne.

„Ja...“, sprach Gabrielle leise, „...wir haben Higuchi erreicht...“
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