The truth about Varia and Eve Part 8 - Die finale Schlacht

GeschichteDrama, Angst / P18 Slash
13.11.2015
15.08.2017
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„Das ist nicht möglich!!“, der verzierte Tonkrug flog an Varia vorbei und zerschellte laut an der Wand des Tempels, „...das würde er nicht...wie kann er es wagen??“, ein weiterer folgte, dem Varia gerade so ausweichen konnte.

„Aphrodite, beruhige dich!“

„Ich soll mich beruhigen?? Ich soll mich beruhigen!!“, als nächstes griff sich die Göttin die kupferne Schale mit Obst, dieses Mal war es Sahlia, die hinter einer Säule in Deckung ging. Bevor sie noch etwas zu fassen bekam, hielt Gabrielle sie fest.

„Bitte hör auf.“, sanft legte sie ihre Hand auf die Aphrodites. Deren Schnauben verwandelte sich langsam in ruhige Atemzüge. Sahlia lugte mit großen Augen hinter ihrem Schutz hervor, während Varia nur den Kopf schüttelte.

„Wir verschwenden hier unsere Zeit, Gabrielle sie kann nicht helfen.“

„Doch sie kann, nicht wahr Aphrodite?“

„Was kann ich?“

„Varia meint, wir würden unsere Zeit verschwenden?“, etwas irritiert musterte Aphrodite die Amazone.

„Sie redet?“

„Naja so ähnlich...“, Aphrodite ging zu Varia und musterte sie mit zusammengekniffenen Augen.

„Was macht sie da?“

„Sie fragt, was du vor hast?“, übersetzte Gabrielle.

„Ares hat wirklich Nerven, doch jetzt hat er den Bogen überspannt. Es muss sehr weh getan haben, als er dir die Stimme genommen hat, Königin der Amazonen. Für Sterbliche ist dies eine wirkliche Qual. Gib mir den Kristall, Gabrielle.“

„Woher weist du davon?“

„Diese Kristalle wurden von Hades geschaffen. Ein weiterer Beweis, dass es im Tartarus drunter und drüber geht. Es ist Ares Aufgabe sich darum zu kümmern, er vertritt die dunkle Seite. Hades schuf sie um den Schrei der Harpyien einzufangen, es ist eine lange Geschichte...jedenfalls waren sie für mystische Wesen, nicht für Menschen bestimmt. Wenn ich deinen Worten glauben kann, nahm er Varia die Stimme, damit sie niemanden von der weißen Statue erzählen kann, ist das richtig?“

„Ja...“

„Das heißt, das die Amazonen noch in großer Gefahr sind und die Bestien noch hier im Lande. Und Eve...ich mag mir nicht ausmalen, was geschieht, sollte er einen Tausch vollziehen. Die ganze Welt könnte aus den Fugen geraten. Ich werde Ares umbringen...“

„Kannst du helfen?“

„Ich bin zwar an den Tempel gebunden, habe jedoch Wissen, das kein Sterblicher hat. Zuerst deine Stimme Varia. Ich werde dir den Kristall wieder einsetzen, denn nur Götter können dies bewirken. Du musst mir jetzt vertrauen, egal was passiert und darfst nicht zurückweichen. Auch das Einsetzen wird schmerzhaft sein.“

„Ich bin bereit, Aphrodite...“

„Sie ist soweit.“, Gabrielle gab den grünen Kristall an die Göttin weiter, sofort begann er hell zu strahlen.

„Seine Macht ist sehr stark.“, Aphrodite nickte Varia zu und steckte den Kristall in ihren Mund. Nahe trat sie an die Königin und legte ihre Arme fest um sie. Sahlia wäre vor Erstaunen fast umgefallen, als sich das Gesicht der Göttin Varias näherte. Diese schien ebenso überrascht, als sie ahnte, auf welche Weise der Kristall den Weg in sie finden sollte. Weiche Lippen berührten Varias und forderten sie auf ihre zu öffnen. Varia gewährte ihr Einlass, sie konnte spüren, wie Aphrodite den Kristall mit Hilfe ihrer Zunge in ihre Kehle drückte. Das gespenstische grüne Leuchten schien durch Varias Körper und machte ihr Innerstes sichtbar. Gabrielle erkannte das schlagende Herz, jedes Organ im Körper der Königin wurde sichtbar. Man konnte gut sehen, wie der Stein der Unterwelt langsam in ihre Kehle glitt. Varia krampfte sich zusammen, während er sich weiter den Weg durch ihr Fleisch schnitt. Ihr schmerzvolles Stöhnen zerriss Sahlia das Herz, doch Aphrodite hielt sie fest. Tränen rannen aus den Augen der starken Frau, als der Kristall seine Position erreicht hatte.

„Jetzt beginnt der eigentliche Schmerz...du musst sehr stark sein.“, Aphrodite zog Varia auf die Kissen und ging ein Stück zurück. Kaum hatte sie das getan begann Varia sich gepeinigt zu krümmen. Aus jeder Öffnung ihres Gesichtes, den Augen, aus Ohren, Mund und Nase, lief widerlicher grüner Schleim, er schien lebendig und umrankte Varias Gesicht wie eine tödliche Pflanze.

„Sahlia, komm her!“, Gabrielle packte die leichenblasse Frau und hielt ihr die Augen zu, damit sie den Kampf ihrer Schwester nicht mitansehen musste. Deren Körper wurde von Krämpfen regelrecht geschüttelt. Nun verstand Gabrielle, warum Aphrodite Varia zu den Kissen gebracht hatte. Sie hätte sich den Kopf aufschlagen können.

Plötzlich wurde es still...

Sahlia riss Gabrielles Hand zur Seite. Ihre Schwester lag auf dem Rücken, die Ranken verdorrten und fielen auf den Boden, bevor sie zu Staub wurden. Das Nächste, das die Stille durchbrach, war Varias Röcheln.

„Sie hat es überstanden.“

Vorsichtig versuchte Varia auf die Beine zu kommen.

„Geht es?“

„Ging...mir...schon besser...“, krächzte Varia.

„Es hat funktioniert!“, rief Sahlia laut und wischte sich eine Träne beiseite.

„Natürlich hat es das!“, erklang es beinahe empört.

„Hab Dank, Göttin der Liebe.“

„Wenigstens etwas das ich tun konnte, doch nun zum eigentlichen Plan.“

„Es gibt einen Plan?“

„Ares unterschätzt mich oft, etwas das ihm übel bekommen wird. Es gibt nur einen Weg schnell in jenes ferne Land zu kommen.“, Aphrodite stellte sich neben ihren Altar und drückte eines der vielen Marmortäfelchen in eine Vertiefung. Der Tempel begann zu beben, als die Steine im Boden weg sackten und eine Treppe bildeten.

„Was ist das?“, entwich es Sahlia.

„Wartet hier...“

Es vergingen etliche Minuten. Minuten die für Varia zur Qual wurden. Nervös lief sie auf und ab. Ihre Seele schien in Aufruhr. Sie wusste, wie sehr sie mit Eve verschmolzen war, beide konnten seelischen Schmerz erfahren, wenn es der anderen schlecht erging und Eve schien unerträgliche Qualen zu erleiden.

„Was ist?“, Gabrielle legte ihre Hand auf Varias Schulter.

„Ich kann es fühlen Gabrielle. Ich kann sie fühlen. Ihre Seele schreit vor Schmerz, ihr wird Leid angetan. Unsagbares Leid. Wir müssen uns beeilen...“

„Da ist er!“, lächelnd hielt Aphrodite ihr Schmuckstück nach oben und blickte kurz darauf in drei entsetzte Gesichter.

„Was bei Zeus ist das?“

„Ein Krug...tata!!“

„Ich glaube, sie ist verrückt.“, flüsterte Sahlia Gabrielle zu.

„Aphrodite, was sollen wir mit einem alten Krug?“, sie hob hilflos die Arme.

„Also ihr  wisst auch gar nichts! Ich gebe dir einen kleinen Denkanstoß. Als ehemalige Bardin müsstest du es eigentlich ahnen. Ich sage nur Nereiden!“

„Das ist der Krug der Nereiden?!“

„Ja, das ist er!“

„Ich dachte, dies wäre nur eine weitere Legende.“

„Es gibt ihn Gabrielle.“

„Unglaublich! Ich dachte, Homer hätte dies nur erfunden.“

„Könnte uns bitte jemand aufklären?!“, rief Varia sichtlich genervt.

„Entschuldigt. Die Nereiden sind die Töchter des Nereus und der Doris. Meeresnymphen, sie waren einst Poseidons Begleiter. Sie beschützen Schiffbrüchige und unterhalten sie mit Spielen. Der Krug ruft sie aus den Fluten des Meeres. Laut Legende erfüllen sie dem Träger einen Wunsch. Wenn ihr sie ruft, dann bittet Agaue um das Horn des Ketos.“

„Wir reden von dem Seeungeheuer Ketos? Die Ketos, die Andromeda holen sollte, auf Bitte der Nereiden selbst?“

„Ich verstehe gar nichts mehr!“, Sahlia kratzte sich am Kopf.

„Damals behauptete die äthiopische Königin Kassiopeia viel schöner zu sein, als die göttlichen Nereiden selbst, etwas das Agaue und die anderen Meeresnymphen nicht hinnehmen wollten. Sie baten Poseidon ihren Ruf zu rächen und er schickte Keto, die in Gestalt eines Ungeheuers die Tochter der Kassiopeia, Andromeda holen sollte. Dank Perseus, der sie mit dem Haupt der Medusa versteinerte, konnte Andromeda gerettet und Keto getötet werden. Was mich gerade zu der Frage bringt, was nützt uns ein totes Ungeheuer?“, Gabrielle hob die Augenbraue und blickte Aphrodite an. Die schüttelte nur erneut mit dem Kopf.

„Die Überlieferungen von euch Sterblichen ist wirklich schlecht. Und da wundert ihr euch, wenn euch die Götter ihre Gunst versagen?!“

„Aphrodite!“

„Schon gut, schon gut. Was ihr Menschlein nicht wisst ist, das Keto eine Schwester hat. Nachdem sie starb und zu Stein wurde, trauerte Poseidon um seinen Schützling und schwor sich, die Menschen in Zukunft bei Lug und Frevel selbst zu richten. Ihm blieb nur Calypso. Nie hat sie ein Mensch gesehen, doch sie existiert und sie wird euch durch die Tiefen der Meere schnell ans andere Ende der Welt bringen. Sie kennt alle Gewässer, alle Gefahren. Sie ist die Einzige, die euch jetzt noch helfen kann.“

„Wo ist der Haken?“, Varia stellte sich neben Aphrodite.

„Der Haken?“

„Bei euch Göttern gibt es immer einen...“, knurrte Varia, was Aphrodite leicht nervös machte.

„Also, nun ja...ähm...“

„Sag schon!“

„Ein klitzekleines Rätsel...“

„Ein Rätsel?! Geht es auch deutlicher?“

„Die Nereiden lieben Spiele und Unterhaltung, das liegt in ihrer Natur. Jedem, der den Krug bisher nutzte, und das waren nicht viele, wurde ein Rätsel auferlegt. Wurde es gelöst, wurde der Wunsch wahr, wenn nicht...“

„Wenn nicht?“, Varia kroch Aphrodite fast ins Gesicht.

„Gaben die Nereiden dem Besitzer 1000 Dinar und verschwanden.“

„Das ist alles?“

„Ja. Warum fragst du?“

„Kein...“,Varia gestikulierte mit den Händen, „...Tod durch ein Untier. Kein Angriff oder man wird aufgefressen?“

„Nein.“

„Und lass mich raten, sie stellen nie dasselbe Rätsel.“

„Leider nein, Gabrielle. Ihr müsst nun gehen, ich kann nicht mehr tun. Geht zum Meer, taucht den Krug in das Salzwasser und sprecht die Worte: Ihr Nereiden, Nymphen des Meeres, wir erbitten ehrfürchtig den einen Wunsch. Dann lasst das Wasser zurück in die See fließen. Grüßt Agaue von mir, ich habe sie Jahre nicht gesehen.“

„Ich danke dir Freundin.“, Gabrielle nahm die Liebesgöttin in den Arm, Varia und Sahlia verneigten sich demütig. Kurz bevor sie den Ausgang erreichten drehte Gabrielle sich ein letztes Mal um.

„Eine letzte Frage. Wie befreie ich dich vom Ring des Hephaistos?“

„Nur ein Gott vermag es einem anderen den Ring des Schmieds zu entfernen...“


(xxx)

Ohne sich Rast zu gönnen, liefen die Frauen zum Meer. Endlich dort angekommen, füllte Gabrielle den Krug.

„Seit Ihr bereit?“

„Ja...“

„Ihr Nereiden, Nymphen des Meeres, wir erbitten ehrfürchtig den einen Wunsch!“, es verging nur ein kurzer Augenblick, nachdem Gabrielle den Inhalt des Kruges zurück geschüttet hatte, und das Wasser begann zu brodeln. Die Gischt schäumte auf und kleine Wirbel waren zusehen, die sich rasch zu einem riesigen Strudel formten. Aus seiner Mitte konnten die Frauen Gesang vernehmen, liebliche, wunderbare Musik. Sahlia klappte der Kiefer herunter, als aus dem gurgelnden Schlund drei nackte, wunderschöne Frauen erschienen. Sie lächelten und zwinkerten allen zu, bevor eine von ihnen die Hand hob und der Strudel verschwand. Das Meer hatte sich wieder beruhigt, die Nereiden schwammen durchs Wasser, bevor sie sich aufrichteten. Die See reichte ihnen nur knapp über die Schamesgrenze, doch sie machten keine Anstalten, ihre Oberkörper zu verdecken.

„Bei Artemis...“, Sahlia konnte nicht fassen, welch Augenschmaus sich ihr bot. Varia stupste sie leicht an, ein Zeichen sich zu benehmen.

„Oh Agaue schau, die drei Menschen dort haben unseren Krug, was sie wohl wollen?“, sie wackelte mit ihrem Oberkörper, sodass ihre wohlgeformten Brüste leicht wippten. Selbst Gabrielle staunte nicht schlecht bei diesem Anblick, fing sich jedoch schnell wieder.

„Aktaia, sei nicht so neugierig. Verzeiht, wir haben lange nicht mehr mit Sterblichen geredet. Seit Poseidon tot ist, tun wir unsere Pflicht, mehr jedoch nicht. Aber genug davon. Ihr seid im Besitz eines unserer größten Schätze. Darf ich fragen, wie ihr an das Relikt gekommen seid?“

„Wir überbringen Grüße der großen Aphrodite, sie gab uns den Krug.“, Varia senkt ihr Haupt.

„Seit ihr Amazonen, oder?!“, Aktaia kam auf Varia zu und streckte die Hand nach ihr aus. Varia versuchte nicht auf den nun ganz freiliegenden Leib zu sehen. Eine dritte Frau gesellte sich dazu.

„Bist du sicher, Aktaia?“

„Aber das sieht man doch, Amphitrite!“

„Schluss jetzt!“, mahnte Agaue.

„Es ist in Ordnung, wenn sie mich berühren.“, Varia hielt beiden ihre Wange hin. Die Finger der Nereiden kribbelten auf ihrer Haut. Auch Sahlia hatte sich daneben gestellt und ließ sich von den neugierigen Wasserwesen befühlen.

„Woher kennt Ihr uns?“, fragte Sahlia.

„Wir sammeln eure Werke. Oft wenn Schiffe an Riffen zerschellen, begleiten wir die Überlebenden. In Truhen fanden wir Bücher, doch das Wasser zerstörte sie oft, so haben wir sie in Höhlen gesammelt. Manchmal waren Bilder dabei, einige konnten wir erhalten. Sie zeigen Frauen in Rüstungen. Nur Kinder der Artemis tragen diese.“, kicherte Aktaia.

„Sie ist so niedlich!“, Amphitrite knuffte Sahlia herzlich.

„Ich freue mich, wieder etwas von der Liebesgöttin zu hören, sie ist eine gute Freundin.“

„Ja das ist sie. Agaue, wir haben ein Anliegen und brauchen eure Hilfe, es ist sehr dringend, Menschenleben stehen auf dem Spiel.“

„Ihr wisst um das Rätsel, das zu lösen ist?“

„Ja.“

„Dann hört gut zu, doch zuvor nennt uns euren Wunsch, denn es gibt Grenzen bei der Erfüllung.“

„Sollte es uns gelingen, euer Rätsel zu lösen so wünschen wir das Horn des Ketos...“

„Ihr wisst also von Calypso?“

„Ja und wir brauchen ihre Hilfe.“

„Nie hat ein Sterblicher sie gesehen, eine sehr ungewöhnliche Bitte. Doch es steht mir nicht zu weiter zu Fragen. Nun dann, vernehmt meine Worte, Ihr Sterblichen.“, Amphitrite und Aktaia zogen sich zurück.

„Man findet es überall, in jedem Winkel der Erde. Es hat Form und doch keine Farbe. Und dennoch vermag das Auge es zu sehen, es wiegt nichts, doch jeder Gegenstand wird damit leichter. Was ist es, das ich erfrage?“

Gabrielle, Varia und Sahlia sahen einander stumm an...