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Sherlock Holmes:  Spiegel der Vergangenheit

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Dr. John Watson Inspektor Lestrade Mycroft Holmes Sherlock Holmes
11.11.2015
30.01.2016
6
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16.11.2015 878
 
Sherlock Holmes saß gerade im Schneidersitz vor der Wanduhr und starrte bedächtig auf das bronzeeiserne Pendel, das gleichmäßig hin und her schwang. Vor sich eine Glasplatte, mit kleinen glänzenden schwarzen Krümeln darauf, auf einem schmalen Weinglas drapiert. Gleichmäßig hielten seine Augen das Pendel im Blick, hin und her, wie auf einer Schaukel. Als Watson in das fein säuberlich verwüstete Zimmer gestürmt kam, fragte er sich wie so oft, ob sein Freund nun vollends den Verstand verloren hatte, ob es nun daran lag, das die Krümel auf dem Glas aussahen wie Bartstoppeln, die er sich passender Weise mit der daneben liegenden Käsereibe abgerieben haben zu schien oder an dem Dutzend Nikotinpflastern auf seinen Armen, die diese zu übersähen schienen wie Sommersprossen.            
„ Watson, würden sie bitte so freundlich sein und ihre Schuhe von der Zeitung nehmen“
Watson schaute immer noch wie ein Briefkasten auf den starrenden Holmes hinab und fasste sich dann.
„ Wissen sie Holmes, eine Tatsache verblüfft mich immer noch“ er hielt kurz inne, um zu prüfen ob der immer noch unveränderte Holmes ihn gehört hatte
„ Die da wäre?“ antwortete dieser reglos
„ Die Tatsache, dass sie sich die Arme wortwörtlich mit diesen Drogen bepflastern, aber noch nie daran gedacht haben, einfach pfeife zu Rauchen“
„ Natürlich habe ich daran gedacht, ich habe es nur nicht in Erwägung gezogen. Außerdem brauche ich es zum Denken“ erwiderte er eine Sekunde aufblickend.
“Sie brauchen ärztliche Hilfe!“,
„ Die brauche ich ihrer Meinung nach doch sowieso schon“ sagte Holmes gedankenverloren. Eigentlich wusste Watson sehr wohl, dass diese Diskussion nichts brachte und er im Endeffekt dasselbe erreichen würde, wie wenn er ihm vom Mond aus zuwinken würde, aber trotzdem trieb ihn sein ärztlicher Instinkt dazu, es nicht dabei zu belassen.
„ In Anbetracht der Tatsache“ sagte er kühl „Dass sie hier vollkommen zugedröhnt in ihrer Schlafbekleidung vor einer Wanduhr hocken und geraspelte Bartstoppeln auf einer Glasplatte studieren, ziehe ich das tatsächlich in Erwägung“
„ Bartstoppeln.“ dem analytischen Detektiv stiehl sich tatsächlich ein belustigtes Lächeln auf die Lippen.
„Mein lieber Watson“, mit diesen Worten wandte er sich dem immer noch stehendem Militärsarzt zu „ Ich schätze ihre Einschätzungen in vielerlei Hinsicht wirklich sehr, aber in diesem Falle muss ich sie nun wirklich auf ihren eigenen Rat hinweisen. Bartstoppeln. Wann waren sie gleich noch einmal zu letzt bei einem Augenarzt? Bartstoppeln.“ Tatsächlich amüsiert wandte er sich der gläsernen Platte zu und hob sie griffig aber bedacht zu ihm hoch
„ Das, mein lieber, ist Revolution“
„ Für sie ist doch alles Revolution, erinnern sie sich an die Staubmäuse von letztens?“
Holmes Blick wurde ein wenig getrübt, doch seine ungewöhnlich optimistische Einstellung konnte durch den verärgerten Watson nicht zu Nichte gemacht werden. Im Gegenteil, das seltsame Genie fühlte sich durch diesen ironischen Kommentar gerade zu angeregt, seine Gedanken in Worte zu fassen.
„ Ein berechtigter Einwand, in der Tat bin ich bei diesem Versuch nicht zu dem vorgesehen Ergebnis gekommen, es hat mir eine neue Sichtweise offenbart, die ich gerade eben, hier mit bestätigt habe“
Watson musste wahrlich an sich halten, um nicht ironisch auf die Bartstoppeln zu deuten.
„ Sie haben also ihren Horizont erweitet?“ Eine leichte Spur spöttischer Anstacheleich floss doch unverhinderlich mit ein.
„ Exakt, Watson, präzise, ich habe das Umfeld jeder Sache erweitert.“
Nun wirkte Watson tatsächlich interessiert. Egal ob vollkommen verrückt oder wirklich bedeutend, langweilig würde Holmes Bericht sicher nicht werden.
„ Um ihnen ein Gesamtbild über den Stand der Dinge zu ermöglichen, haben sie mir ja hilfreicher Weise gerade eben einen Anhaltspunkt gegeben. Die Staubmäuse. Es ist mir nicht gelungen, ihre Existenz mit meiner vorherigen Theorie, nämlich das sie durch kleinste Lebewesen entstehen, nachzuweisen, dennoch habe ich durch sie eine Entdeckung gemacht. Wie ich beobachtet habe, werden sowohl Haare, als auch Dreck, Hautschüppchen, anderer Staub und jegliche Art kleiner beweglicher Teile von ihnen, im wahrsten Sinne des Wortes, angezogen. Dadurch bin ich auf die Idee gekommen, dass eine art magnetische Kraft nicht nur von Magneten, sondern auch von anderen Dingen ausgehen kann. Meine Theorie: Alles auf der Erde besitzt ein individuell großes Magnetfeld um sich, hat also eine Anziehungs- und Abstoßungskraft.“
„ Und was hat das jetzt mit den Krümeln für einen
gemeinsamen Zusammenhang?“ unterbrach Watson während eines Atemzuges, besorgt vor einer endlosen Erklärung von Holmes über seine Theorien für Gott und die Welt.      
„ Die Krümel, sind Späne von verschiedenen Metallen, manche sind auch in unserem Blut vorhanden.“ Der immer noch stehende Watson schaute ihn ungläubig an
„ Haben sie noch nie diesen metallenen Geschmack geschmeckt, wenn sie sich in den Finger schnitten.“
„ Ich denke aus dem alter des Daumen-Nuckelns bin ich heraus, obwohl, es soll ja auch noch Leute die wie Kinder den ganzen Tag in ihren Schlafsachen vor sich hin vegetieren“ Watson war mittlerweile redlich genervt von den Anspielungen des Detektivs
„ Kinder vegetieren nicht, sie renne eher herum. Aber nun um zu dem Knackpunkt des ganzen zu kommen“
„ Danke heilige Maria“ murmelte Watson leise.
„Wie bitte“ Holmes musterte ihn von unten.
„ Nichts, fahren sie fort“
„Um zu dem eigentlichen Punkt zu kommen. Das Experiment, welches ich hier akribisch verfolgte, geht auf das Pendel im inneren der Uhr zurück, die aus Bronze besteht. Bronze ist ein Metall, welches nicht magnetisch zu verwenden ist, dennoch, beobachten sie die Eisenspäne.“ Holmes schob das Tablett zu der Uhr hin und Watson beugte sich zu ihm hinunter. In dem Moment klingelte es an der Tür.
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