Ein unerwartetes Wiedersehen

von rastou
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
Andrej "Tschick" Tschichatschow Maik Klingenberg
09.11.2015
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Rastou labert…




Heeey,


Diesesmal gibt es einen One Shot von mir, einfach nur um wieder mal etwas anderes zu schreiben. ^^


Ich habe dieses Buch im Unterricht gelesen und dieser Text hier ist eine der Zusatzaufgaben des dazugehörigen Portfolios. :)


Der OS kann als leichter Slash interpretiert werden, aber so ist es eigentlich nicht gemeint. :D


Viel Spaß beim Lesen, ich freue mich über Rückmeldungen aller Art. ^^




LG rastou


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Maik lag auf dem Sofa im Wohnzimmer, die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Es war ungefähr sieben Uhr morgens, zumindestens glaubte Maik, dass es das war, und er konnte einfach nicht wieder einschlafen. Obwohl es wahrscheinlich noch relativ früh war, knallte die Sonne bereits mit ungewöhnlicher Kraft für diese Uhrzeit durch die Fenster und erwärmte den Raum bis auf gefühlte ekelige 40 Grad.

Maik war mal wieder alleine und es waren ein weiteres Mal Sommerferien. Im Grunde genommen also ein Jahr nach dem großen Abenteuer, das Tschick und er erlebt hatten.

Ein Sonnenstrahl blendete den 15-jährigen Teenager, sodass er das Gesicht verzog und sich auf den Bauch drehte. Die kratzige Decke kitzelte unangenehm durch das hochgerutschte T-Shirt an seinem Oberkörper, aber es war besser, als sich die heiße Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen.

So ging es eigentlich schon die ganze Woche lang. Maik tat den ganzen Tag nichts. Er wachte morgens früh auf, konnte durch die Hitze nicht mehr weiterschlafen und verzog sich dann ins Wohnzimmer auf die Couch, um dann den halben Tag auf den Pool zu starren. Die andere Hälfte des Tages verbrachte er dann meistens im Wasser. Aber was hatte er schon anderes zu tun? Niemand war da, bis auf die Vietnamesin, die alle paar Tage zum Putzen kam. Der Teenager hatte sich nicht die Mühe gemacht, sie rauszuschmeißen, so wie letzten Sommer.

Seine Mutter war wieder einmal in der Entzugsklinik und sein Vater war vielleicht höchstens einmal im Monat zuhause. Er hatte zusammen mit seiner Assistentin Mona einen Job im Ausland begonnen, worüber Maik eigentlich ganz froh war. Sein Vater hatte im Moment zwar Urlaub und hätte auch eigentlich auf Maik aufpassen sollen, allerdings war das Verhältnis der beiden ziemlich schlecht seit letztem Sommer. Auch wenn es so etwas wie ein gutes Verhältnis nie gegeben hatte.

Außerdem war sein Vater sowieso der Ansicht, dass Maik mit seinen 15 Jahren auch mal gut einen Sommer alleine bleiben könne. Dass er mit dieser Behauptung schon einmal falsch gelegen hatte war ihm entweder egal oder er vergaß es, so sehr wie er damit beschäftigt war Maik aus dem Weg zu gehen.

Bevor der 15-jährige einen weiteren Gedanken daran verschwenden konnte, wurde es zu heiß im Wohnzimmer. Maik fühlte sich wie ein Spiegelei, dass in einer Pfanne gebraten wird und war sich ziemlich sicher, dass die Temperatur nun wirklich die 40 Grad-Marke überschritten hatte. Wenigstens aber die 30er, wenn er damit falsch lag.

Er setzte sich auf und strich sich mit einer Hand aus dem Gesicht, bevor er aufstand und zur Terassentür lief. Als er diese öffnete und die draußen liegenden Holzdielen betrat, schlug ihm eine Welle aus Hitze entgegen. Das würde hundertprozentig der heißeste Tag dieses Sommers werden.

Um dem warmen Wetter wenigstens für einen Moment zu entgehen, sprang Maik mitsamt Jogginghose und T-Shirt in den Pool. Beim Eintauchen in das kalte Wasser reduzierte sich die Temperatur um gefühlte 30 Grad. Ein paar Momente blieb Maik am Grund des Pools, bevor ihm die Luft ausging und er wieder auftauchte.

Klatschnass kletterte der Teenager auf die angrenzende Wiese, die durch einen Baum auf der anderen Seite der Hecke zum Glück im Schatten lag. Er schüttelte das überschüssige Wasser wie ein Hund aus seinen Haaren, auch wenn das bei ihm aufgrund seiner Haarlänge nicht besonders gut funktionierte, bevor er sich in das weiche Gras setzte. Die Klamotten klebten ihm zwar unangenehm am Körper, dafür war es nicht mehr so verdammt warm.

Maik ließ sich rücklings auf die die Wiese fallen und streckte Arme und Beine von sich. Die Halme kitzelten sanft in seinem Nacken und er spürte wie das Gras unter ihm feucht wurde. Es war besser als die kratzige Decke. Maik hätte den ganzen Tag so daliegen können.

Im Grunde genommen hatte alles hier angefangen. Er erinnerte sich noch, wie vor fast einem Jahr im Vorgarten stand und mit dem Gartenschlauch das Wasser nassspritzte. Das Wasser hatte er voll aufgedreht, sodass der Strahl auch fast bis in die hintersten Ecken des Gartens reichte. Und dann traf er auf Tschick, der bei ihm vorbeifuhr. Mit dem geklauten Lada, einfach so, als wäre es etwas völlig Normales mit so einer geklauten Schrottlaube am helligen Tag durch die Straßen zu fahren.

Seit fast einem Jahr hatten sich die beiden nicht mehr gesehen. Ein paar Mal waren sie sich noch begegnet, hatten sich heimlich getroffen und irgendwelchen  Mist zusammen gemacht. Doch dann verloren sie sich nach und nach immer mehr aus den Augen. Tschick musste die Schule wechseln, da er mit seinen Noten komplett abstürzte. Maik glaubte, dass er inzwischen auf eine Gesamtschule ging.

Was Tschick jetzt wohl machte? Ob er auch nichts mit sich anzufangen wusste wie Maik oder ob er wieder ein Auto geklaut hatte?

Maik schloss die Augen und versuchte sich die Geschehnisse von vor einem Jahr zurück ins Gedächtnis zu rufen.

Plötzlich hupte ein Auto auf der Straße vor dem Haus.

Der Teenager schreckte bei dem lauten Geräusch zusammen. Als der Wagen ein weiteres Mal hupte, rappelte Maik sich auf, um zu sehen, was auf der Straße vor sich ging. Vielleicht hatte  jemand einen Unfall oder so gebaut. Vielleicht könnte er dann ein bisschen gaffen, dann hätte er wenigstens etwas Spannendes erlebt.

Noch bevor er den Vorgarten überhaupt erreicht hatte, wurde eine Autotür aufgemacht und wieder zugeknallt.

Als der 15-jährige endlich erkennen konnte, was auf der Straße vor sich ging, blieb er wie versteinert stehen. Tschick stand mit verschränkten Armen grinsend an einen zerbeulten roten Golf gelehnt, der schlampig auf dem dampfenden Asphalt geparkt war.

Tschick schien ein ganzes Stück gewachsen zu sein, Maik war sich sicher, dass er ihn ein paar Zentimeter überragen würde. Außerdem waren seine Haare kürzer geschnitten und seine Klamotten sahen nicht mehr so abgetragen aus. Bis auf die braunen Schuhe, die aussahen wie Ratten – die hatte er immernoch.

„Willst du da noch lange rumstehen und mich anstarren? Steig endlich ein“, riss Tschick Maik aus seinen Gedanken und öffnete ihm wie ein Gentleman die Tür. Es sah einfach nur bescheuert aus.

„Ladies first“, fügte der Russe grinsend hinzu und deutete mit einem Arm in das Innere des klapprigen Wagens.

Maik musste nun ebenfalls grinsen und kam Tschicks Aufforderung nach. Ihm war es egal, dass er alles stehen und liegen gelassen hatte, sollte er doch Ärger von seinem Vater bekommen. Jetzt war es an der Zeit ein neues Abenteuer zu erleben.

„Hast du mich denn wenigstens vermisst?“, wollte Tschick wissen, während er den Wagen anließ und in gemächlichem Tempo losfuhr. Als Antwort lachte Maik auf und legte seinem Freund einen Arm um die Schultern.

Kurz darauf sah man den Golf am Horizont verschwinden.
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