If only

von Feera
GeschichteDrama / P16
08.11.2015
08.11.2015
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Hallo an alle Leser. Dies ist mein zweiter Beitrag zum LOTS Wettbewerb. http://forum.fanfiktion.de/t/33307/4
Es ist aus der Sicht einer jungen Frau geschrieben, die durch ein Unglück auf der Straße gelandet ist und nun vom Betteln leben muss. Am Anfang spielt es in unserer Welt.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.



Dieser Hunger. Er war unerträglich. Ich hatte seit Stunden nichts mehr gegessen. Vor nicht allzu langer Zeit musste ich nur rufen und mir wurde Essen gebracht. Mein Leben war so perfekt. So vollkommen. Und nichts konnte es zerstören. Das dachte ich zumindest. Das war das schlimmste was mir wiederfahren konnte. Dabei wusste ich nicht einmal wie. Plötzlich war alles weg. Und ich saß hier. Zwischen schlecht riechenden Menschen, denen ich früher nur mit gerümpfter Nase begegnet war. Nun roch ich genauso. War das ab so sofort mein Leben?
Ich war so in Selbstmitleid versunken, dass ich nicht merkte wie eine alte Frau sich näherte. Am liebsten hätte ich sie mit meinem Parfum eingesprüht. Doch wo es jetzt wohl war? Das hatte sich bestimmt eine zickige Bitch unter den Nagel gerissen.
„So schlimm ist das Leben hier nicht. Es ist einfach, aber immerhin sind wir am Leben. Versuche nicht ein Leben leben zu wollen, das dir nicht zusteht, denn dann bist du dem Untergang geweiht.“, sagte die alte Frau. Ich verzog das Gesicht. Sie wusste doch gar nicht was Leben bedeutete. Sie hatte nie gelebt. Ich hatte gelebt, bis mir mein Leben genommen worden war. Nun hatte ich nichts mehr. Und was sollte das mit dem ich wäre dem Untergang geweiht? Das war doch Schwachsinn.
Zum Glück ging sie genauso schnell wieder, wie sie gekommen war. Noch länger hätte ich ihren Anblick nicht ertragen. Ein verfaultes Lächeln. Konnte sie sich nicht mal eine Zahnreinigung leisten?
Unzufrieden betrachtete ich den Becher vor mir. Er war leer. Die Nacht brach bereits über der dunklen Gasse herein. Er legte sich wie ein unheilvoller Schleier über uns und verkündete eine Nacht voll Leiden und Kälte. Was sollte ich heute Nacht machen? Sollte ich etwa auf der Straße schlafen? Sie war so hart. Und so dreckig. Und in dieser Kälte? Ich würde bestimmt erfrieren. Ich vermisste meinen teuren Mantel. Er hätte mir jetzt so viel Trost gespendet. Jetzt wo ich nichts mehr hatte. Ich wollte hier nicht mehr sein. Wollte zurück in mein altes Leben. Nur noch fort von hier.
Ich erinnerte mich an eine alte Serie, die ich früher mal gesehen hatte. Als ich noch einen Fernseher besaß. Als ich noch irgendetwas hatte. Diese Welt erschien mir jetzt so perfekt. Selbst als Bauerntochter hätte ich es besser als hier. Alles wäre besser. Das hier war das schlimmste was mir jemals passieren konnte. Ich wünschte ich wäre in dieser Welt. Ich würde alles dafür geben. Doch es würde eh nie eintreffen. Langsam schloss ich die Augen. Was hatte die alte Frau noch einmal gesagt? Immerhin sind wir am Leben. Das sollte ein schlechter Scherz sein. Ich würde alles gegen dieses Elend eintauschen. Was bedeutet schon Leben, wenn man nichts hat?
Gequält öffnete ich die Augen. Noch immer lag ich auf hartem Boden. Doch er war irgendwie anders. Etwas weicher. Wenn auch nicht zu vergleichen mit meinem Bett. Ich spürte Gras unter meinen Fingern. Wo war ich? Wie war ich hier her gelangt?
Langsam öffnete ich die Augen. Vor mir erstreckte sich eine weite Ebene. Sie war von einem wunderschönen Grünton und die Blumen, die man bis zum Horizont sehen konnte, leuchteten in den schönsten Farben. Ich war raus aus der modrigen Gasse. Mich interessierte nicht mehr, wie ich hier her gekommen war. Denn ich war im Paradies. Es war zwar nicht mein altes Leben, aber es war um einiges besser als zwischen diesen stinkenden Menschen zu sitzen.
Vorsichtig stand ich auf. Mein ganzer Rücken tat weh. Wie konnten Menschen nur auf dem Boden schlafen? Es war der Horror. Dann schaute ich an mir herunter und ekelte mich. Ich war voller Dreck und stank. Ich brauchte dringend eine Dusche. Wo auch immer ich sein mochte, sollte es doch eine Dusche geben. Vielleicht sollte ich mich einfach auf den Weg machen. Und so ging ich los. Hinein ins Ungewisse. Hinein in ein besseres Leben.

Als ich einige Zeit gewandert war, traf ich auf einen kleinen See. Am Rand lag ein Kleid und weit und breit war keiner zu sehen. Es war ein wunderschönes weißes Kleid. Ich würde gerade alles dafür geben es anzuziehen. Und so schlich ich mich näher heran. Ich griff das Kleid, doch schon hörte ich eine Stimme hinter mir. Ich lief so schnell ich konnte. Ich würde entkommen. Ich würde es schaffen. Wer auch immer mich verfolgte, konnte sich nicht zwischen das Kleid und mich stellen. Dann bekam ich einen Schlag auf den Kopf. Als ich nach hinten fiel, konnte ich nur rotes Leder erkennen. Wer trägt heutzutage schon rotes Leder? Und ein weißes Kleid? Warte mal….dann wurde ich ohnmächtig.

Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf dem Bauch. Ich richtete mich langsam auf und ein pochender Schmerz, wie ich ihn noch nie zuvor gespürt hatte, bahnte sich den Weg in meinen Kopf. Nach mehreren Versuchen schaffte ich es doch mich aufzurichten. Ich brauchte ein paar Sekunden, bis sich meine Sicht klärte, doch dann blickte ich in das Gesicht eines alten Mannes, einer Frau in dem weißen Kleid, was ich so gerne wollte und eine Frau in rotem Leder. Sie musste mich niedergeschlagen haben. Das war doch nicht möglich. Sie sahen aus wie…nein das konnte nicht sein. Meine Fantasie musste mir einen Streich spielen. Diese Charaktere gab es nicht in Wirklichkeit. Sie waren erfunden. Doch sie sahen so echt aus. Und dieser Schmerz war auch so real….
„Was machen wir mit ihr? Sie wollte Kahlans Kleid stehlen. Sie ist eine Diebin.“, das war Cara. Ich hatte die Serie schon lange nicht mehr gesehen, aber an sie erinnerte ich mich. Doch wo war Richard? Er war bestimmt in der Nähe.
„Sie wollte bestimmt nichts Böses. Sie brauchte bestimmt nur neue Kleidung. Ich sage wir lassen sie laufen.“, die mitfühlende Kahlan. Sie war wirklich so nett wie in der Serie. Doch es war NUR eine Serie. Vielleicht träumte ich doch. Das war die einzige Erklärung.
Auch Zedd schien etwas sagen zu wollen, doch ich musste gar nicht hin hören um zu wissen, dass es sich um Essen drehte.
„Sie kommen“, das hörte sich nach Richard an. Ich drehte den Kopf und da stand er wirklich. Genauso muskulös wie in der Serie. In welchen Zeitpunkt der Serie war ich geraten? Ob er schon mit Kahlan zusammen war? Denn wenn nicht….Er hatte mich immer noch nicht bemerkt. Hoffentlich würde er bald auf mich aufmerksam werden.
Warte was hatte er gesagt? Sie kommen? Wer kam? Wieso klang seine Stimme so unheilvoll? Und wieso griffen alle zu ihren Waffen? Wenn Cara dabei war, war ich wahrscheinlich in der zweiten Staffel gelandet. Vielleicht griffen Beinlings an?
Und tatsächlich. Wenige Augenblicke später kamen sie. Ihre toten Augen verzehrten sich nach unseren Leben. Cara stürzte nach vorne. Sie schlug den ersten Beinling mit einer schnellen Bewegung nieder und ging auf den nächsten zu. Das war meine Chance. Ich konnte fliehen. Keiner interessierte sich mehr für mich. Ich hätte weglaufen sollen. Jetzt sofort. Doch ich war zu gefesselt. Es erschien mir alles zu unwirklich. Zedd, wie er Beinlings mit seinem Zauberer Feuer verbrannte. Er verzog dabei genauso das Gesicht wie in der Serie. Und Kahlan wie schnell sie ihre Dolche schwang und unzählige niedermetzelte. Es war so unglaublich. Ich wollte nicht weg. Ich wollte weiter Richard zusehen, wie er einen Beinling nach dem anderen mit seinem Schwert niederstreckte.
Ich war so fasziniert, dass ich gar nicht merkte, wie sich  mir ein Beinling von hinten näherte. Erst als ich seine verrostete Axt in meinem Körper spürte, merkte ich was geschah. Dies war kein Traum. Es war die Realität. Die Realität in den ich sterben würde. Ich sank zu Boden. Vor meinem Inneren Augen verwandelte sich die alte Frau aus meiner Welt in Shota. Ich konnte nicht erklären, wie das möglich war, doch ich war mir ziemlich sicher, dass sie es war. Sie hatte mich gewarnt. Und ich hatte sie innerlich verspottet. Hatte nicht auf sie gehört. Hatte mich in ein Leben hineingewünscht, das nicht für mich bestimmt war. Ich wünschte ich wäre wieder zuhause. In der dunklen Gasse. Da war alles was ich brauchte. Doch nun starb ich hier. Hier in dieser scheinbaren perfekten Welt, zu der ich so gerne dazugehören wollte. Doch es war nicht meine Welt. Deshalb war dies mein Schicksal….wenn ich mir das nur nicht gewünscht hätte….
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