Nichts verraten

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
08.11.2015
08.11.2015
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Das ist mein zweiter Beitrag zum Legend of the Seeker Wettbewerb

Viel Spaß^^
Daisy♥


~ ~ ~  


Nach einem langen, anstrengenden Tag lag ich in meinem Bett und schaute abwechselnd auf mein Handy und in mein neuestes Buch. Ich war so versunken in mein Tun, dass ich gar nicht bemerkt hatte, wie meine Mutter das Zimmer betreten hatte.
„Nia?“, begann sie wie aus heiterem Himmel zu reden und ich erschrak fürchterlich, als ich plötzlich unerwartet jemanden reden hörte.
„Gott, musst du mich so erschrecken?“, beschwerte ich mich gespielt empört, woraufhin sie nur lachte.
„Du darfst mich ruhig ‚Mama‘ nennen“, neckte sie mich, was mich die Augen verdrehen ließ, „Ich wollte nur Bescheid sagen, dass wir jetzt dann in circa fünf Minuten losfahren“, denn heute wollten meine Eltern auf die Silberhochzeit von irgendwelchen Freunden und hatten vor dort auch ziemlich lange zu bleiben, also mussten wir zuhause bleiben.
„Deine Geschwister übernachten bei Oma, das heißt, du bist allein Daheim, bis wir wieder kommen“, erinnerte sie mich zum wiederholten Mal.
„Ja, ich weiß“, antwortete ich geduldig.
„Bitte zünde nicht das Haus an und geh nicht an die Haustür“, ermahnte mich meine besorgte Mutter, als hätte ich das nicht schon oft genug gehört und ich nickte brav.
Gespannt wartete ich, bis das Auto außer Sichtweite war und rannte dann förmlich durch die ganze Küche, um mir alles für einen gelungenen Serien Marathon zusammenzusuchen. Am Ende saß ich mit einer frisch gebrühten Kanne Tee, etwas Obst, einer Tüte Chips und einer Tafel Schokolade auf dem Sofa im Wohnzimmer und schaltete in eine Decke eigewickelt meine absolute Lieblingsserie Legend of the Seeker ein. Ich hatte diese Serie schon ewig nicht mehr gesehen und freute mich deshalb umso mehr darauf.
Voller Vorfreude startete ich die allererste Folge und versank in der Handlung, während ich die Chips vernichtete.
Ich weinte als Dennee starb, obwohl ich ja wusste, dass sie eigentlich noch am Leben war, seufzte als Richard das erste Mal auf der Bildfläche auftauchte aus und ich fieberte gespannt beim ersten Kampf mit Kahlan und Richard mit. Danach war meinen überstrapazierten Emotionen eine kurze Pause gegönnt und ich freute mich schon darauf, dass Kahlan endlich zu Zedd fand.
An der Stelle, an der die Konfessor den Zauberer endlich finden würde, tastete ich blind, ohne den Blick von Bildschirm abzuwenden, nach meinem Pfirsich und wollte gerade hineinbeißen, als mir plötzlich, vom einen Moment auf den anderen schwindelig wurde. Alles um mich herum drehte sich und ich konnte kaum mehr Konturen erkennen. Benommen wollte ich zu Telefon greifen, um Hilfe zu rufen, doch ich konnte nicht verhindern, dass meine Augen zufielen und alles schwarz wurde.
Eine Zeit lang fühlte ich nichts außer vollkommener Schwerelosigkeit und ich war mir sicher, so musste sich Fliegen anfühlen. Meine Sinne waren wie betäubt und selbst das Denken fiel mir schwer, ich konnte weder sehen, noch hören, noch meinen eigenen Körper spüren, was mir am meisten Angst machte. Ich fühlte mich so hilflos und wollte nur noch aus diesem schrecklichen Zustand entkommen. Aber anstatt dass es besser wurde, wurde es nur noch schlimmer und inzwischen hatte ich keine Zweifel mehr daran, dass ich flog. Dann verlor ich endgültig die Kontrolle und mein Denken schaltete sich aus.

Als ich wieder erwachte lag ich eindeutig auf etwas weichem, allerdings fühlte es sich verwirrender Weise nicht an wie unser Sofa. Langsam öffnete ich die Augen, um mich ein wenig zu orientieren, aber was ich sah, ließ mich auf der Stelle aufspringen und ich kreischte kurz hysterisch auf.
Ich stand mitten in einem Wald.
Das konnte nicht sein, schließlich war ich bei mir Zuhause umgekippt und der nächste Wald war ein wenig entfernt. Außerdem müsste es stockdunkel sein, denn es war bereits nach neun gewesen, als ich den Fernseher eingeschaltet hatte. Hier schien die Sonne taghell durch das dichte Blätterdach und es war, der Temperatur nach zu urteilen, anders als bei uns, nicht Winter.
Das musste ein Traum sein, oder ich war in irgendeiner sehr tiefen Trance bis nach China gewandert.
Langsam zweifelte ich gewaltig an meinem, zugegeben nicht wirklich klarem, Verstand. Ich schloss die Augen fest in der Hoffnung, es würde sich etwas ändern und öffnete sie erneut, allerdings stand ich noch immer auf rotem Laub irgendwo in den Tiefen irgendeines Waldes.
Erst jetzt fiel mir auf, dass ich keine Ahnung hatte, wie viel Zeit zwischen meinem Zusammenbruch und jetzt vergangen war, es könnten Sekunden wie auch Jahre gewesen sein. Nach irgendeinem Anhaltspunkt suchend blickte ich mich um, doch ich konnte weit und breit nichts als Bäume erkennen.
Langsam stiegen mir die Tränen in die Augen. Ich wusste weder wo ich war, noch wie ich hierhergekommen war. Was zur Hölle sollte ich jetzt tun? Meine Familie würde mich bestimmt vermissen und wie sollten sie mich hier finden? Was, wenn ich sie nie wieder sehen würde? Meine Freunde?
Kraftlos sank ich zurück in das weiche Laub, wo ich zuvor gelegen hatte und schloss die Augen erneut. Als ich sie wieder öffnete, entdeckte ich neben mir auf dem Boden einen Pfirsich, der, den ich ursprünglich hatte essen wollen, bevor ich hier gelandet war. Bedächtig hob ich ihn auf, er erschien mir in diesem Moment als ein kleines Stückchen Realität und auf eine bizarre Art und Weise machte mir das Hoffnung. Die Frucht sah genauso aus wie sie auch ausgesehen hatte, als ich noch Zuhause auf dem Sofa gesessen hatte, das musste heißen, dass nicht allzu viel Zeit vergangen sein konnte.
Mit neuer Kraft stand ich auf, noch war nicht alles verloren, ich musste es nur irgendwie bis zum Waldrand und von dort aus ins nächste Dorf schaffen, wo ich mir Hilfe holen könnte.
Entschlossen entschied ich mich für eine Richtung und folgte meinem Instinkt.

Ich war noch nicht weit gekommen, da hörte ich aus der Nähe eine Stimme. „Hilfe!“, schrie ich so laut ich konnte, während ich in die Richtung rannte, aus der die Stimme mutmaßlich kam, „Helfen sie mir, ich hab mich verlaufen!“
Niemand antwortete mir, also lief ich weiter dorthin, wo ich die Stimme vermutete und tatsächlich kam bald schon ein alter Mann in Sicht, der einen Korb mit Pilzen in der Hand trug und sich anscheinend mit dem Huhn unterhielt, das neben ihm herlief wie ein Hund seinem Herrchen. Entgeistert blieb ich stehen und versuchte mich zu entsinnen, warum zum Geier mir dieser Mann bekannt vorkam. Der Mann hatte langes weißes Haar, das ihm bis über die Schulter ging und er trug einen langen orange-braunen Umhang.
Jetzt fiel es mir wieder ein, dieser Mann sah genauso aus wie Zedd aus Legend oft he Seeker. Aber das konnte ja nicht sein, schließlich war das ja nur eine Serie und Zedd ein erfundener Charakter. Wahrscheinlich sah er ihm einfach nur verdammt ähnlich. Dennoch verwirrte mich die Sache mit dem Huhn doch sehr.  
„Hallo, können sie mir bitte helfen? Ich weiß nicht wo ich bin“, nahm ich all meinen Mut zusammen und sprach diesen fragwürdigen Mann an.
„Guten Tag junges Fräulein“, antwortete der Alte und kam näher auf mich zu, „Nun, ich weiß nicht, ob ich ihnen damit helfe, aber wir befinden uns in den Wäldern Hartlands.“
Ich dachte, ich hätte mich verhört. Ich dachte, das wäre alles nur ein Scherz. Vielleicht hatte ich jetzt wirklich komplett den Verstand verloren. Das war einfach nur unmöglich.
„Hartland?“, fragte ich unsicher nach.
„Ja, Hartland in Westland“, wiederholte der Mann seine Aussage. Entsetzt erstarrte ich. Ich musste träumen, eine andere Erklärung gab es nicht.
„Oh, wie unhöflich von mir“, setzte der Mann erneut an, „Ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Zeddicus Zu’l Zorander und wer sind sie, wenn ich fragen darf?“
Diese Worte gaben mir den Rest. Meine Beine versagten unter mir und meine gesamte Umgebung verschwamm erneut. Nur am Rande bekam ich mit, wie sich der Mann, der auf keinen Fall der Realität entsprechen konnte, sich erkundigte, ob er etwas Falsches gesagt hatte.
Alles woran ich denken konnte, was ich hoffte war, dass ich, wenn ich wieder aufwachen würde, wieder auf meinem Sofa liegen würde und das alles nur ein schrecklicher Traum war.
Zum zweiten Mal an diesem Tag wurde alles um mich herum schwarz.

Irgendwann wachte ich erneut auf und schaffte es nicht, mich zu überwinden, meine Augen zu öffnen, in der Angst, ich wäre überall nur nicht Zuhause. Doch tief in meinem Inneren wusste ich, dass das noch nicht vorbei war, also öffnete ich letzten Endes doch meine Augen und konnte erst einmal alles nur verschwommen sehen. Verwirrt tastete ich in mein Gesicht und bemerkte, dass meine Brille verschwunden war. Dennoch konnte ich erkennen, dass ich anscheinend auf einem Bett in einer Holzhütte lag. Langsam schaute ich mich um und entdeckte meine Brille auf einem kleinen Tischchen neben dem Bett. Erleichtert setzte ich sie mir auf die Nase und sofort sah ich alles schärfer. Wahrscheinlich hätte ich geschockter sein müssen, aber mich konnte anscheinend nichts mehr erschrecken. Ich lag genau auf dem Bett, auf dem auch Richard gelegen hatte, als Zedd ihn vom Stich dieser komischen Pflanze aus den Midlands geheilt hatte. Alles hier sah genauso aus wie in der Serie. Die Tatsache, dass ich mich wirklich hier befand war immer noch unglaublich schwer zu glauben und wenn ich ehrlich war hatte ich auch ein wenig Angst davor, es zu glauben, aber ich begann, es als möglich zu betrachten.
Neugierig setzte ich mich auf. Wenn ich hier schon nicht wegkam, konnte ich mich genauso gut umsehen. Aber gerade als ich ein paar Schritte gegangen war, kam der Zauberer wieder durch die Tür, in der Hand ein paar Kräuter.
„Du bist wieder wach“, stellte er erfreut fest, „Das ist gut, dann können wir gemeinsam essen. Setzt dich doch.“
Fast als wäre durch meinen erneuten Zusammenbruch all meine Angst und mein Misstrauen hinfort geblasen worden, setzte ich mich, wie aufgefordert, an den Holztisch, auf dem bereits ein Topf mit Suppe stand. Zedd holte noch aus einem Schrank ein Stückchen Brot und setzte sich dann mir gegenüber. Schweigend schöpfte er etwas von der Suppe in meinen Teller und reichte mir ein Stück Brot. Schüchtern nahm ich es an und murmelte ein leises „Danke“.
„Sie sind vorhin ja nicht mehr dazu gekommen, also frage ich am besten nochmal, wie heißen sie?“, begann er, sobald auch er zu essen hatte und das war mir auch ziemlich recht so, denn ich hätte mich nie im Leben getraut mit reden anzufangen.
„Ich heiße Niara, aber sie können mich ruhig Nia nennen, das tun alle“, antwortete ich, froh, dass ich wusste, was zu sagen war.
„Nun denn, Nia, du kannst mich Zedd nennen“, bot er mir ebenfalls das Du an, „Du kommst nicht von hier, nicht wahr?“
„Nein“, antwortete ich unsicher, „Ich komme von ziemlich weit weg.“
„Von wo genau? Ich bin schon viel herumgereist, vielleicht kenne ich den Ort“, hakte der Zauberer neugierig nach.
‚Das glaube ich wohl kaum‘, dachte ich ein klein wenig spöttisch. Dennoch antwortete ich eine Zeit lang nicht aus Angst, ich könnte etwas sagen, was ihn veranlassen würde, mich rauszuschmeißen. Letztendlich beschloss ich jedoch, dass ich nichts zu verlieren hatte.
„Ich komme nicht aus dieser Welt“, hauchte ich so leise, dass es fast an ein Wunder grenzte, dass er mich verstand. „Das kann nicht sein“, murmelte er vor sich hin, während er den Kopf schüttelte.
Von irgendeinem aus dem nichts kommenden Mut gepackt begann ich von neuem zu reden: „Ich weiß, dass du ein Zauberer bist.“ Meine Stimme war schrecklich dünn und brüchig.
Belustigt sah er mich an. „Wie kommst du denn darauf? Zauberer gibt es nicht.“
„Ich kann es beweisen“, behauptete ich, während ich immer noch rätselte, wieso ich plötzlich keine Spur mehr schüchtern war. Ich meine, der Zauberer könnte mich einfach mit einer Bewegung des kleinen Fingers ausschalten, wenn ich ihm zu viel wusste. Aber in diesem Moment war mir das vollkommen egal.
Zedd beobachtete mich gespannt und ich begann zu reden. Sobald das erste Wort meinen Mund verlassen hatte, konnte ich nicht mehr aufhören zu reden, fast als wären diese Worte zu lange gefangen gewesen.
Ich erzählte, dass er in meiner Welt eine erfundene Figur war und davon, wie ich plötzlich hier im Wald gelandet war. Schließlich zählte ich sämtliche Dinge auf, die ich aus Zedds Vergangenheit noch wusste, damit er mir auch wirklich glaubte, dass ich die Wahrheit sagte.
„Woher soll ich wissen, dass du keine Hexe bist, die mich hinters Licht führen will?“, fragte er misstrauisch nach, als ich erschöpft geendet hatte mit meinen Erzählungen. Diese Frage hätte ich erwarten sollen, schließlich saß ich hier Zeddicus Zu’l Zorander gegenüber und nicht irgendeinem Bauern, der mir selbst abkaufen würde, dass ich Gott höchstpersönlich war. Dennoch war ich ein wenig überrumpelt.
„Weil niemand außer dir weiß, dass Richard Cypher der erste wahre Sucher seit tausend Jahren ist“, sagte ich nach langem Überlegen und hoffte, dass das die richtige Entscheidung war.
Ein nachdenklicher Ausdruck erschien auf dem Gesicht des Zauberers. Eine lange Zeit sagte keiner von uns ein Wort und ich zerquetschte vor Aufregung beinahe meine eigene Hand.
„Nun gut, ich werde dir glauben und ich biete dir an, dass du hier wohnen bleiben kannst“, innerlich seufzte ich auf als ich diese Worte hörte, „Vorausgesetzt natürlich du kannst kochen, denn mit einem hungrigen Zauberer willst du wahrlich nicht zusammenleben.“
„Natürlich kann ich kochen, obwohl du das ja auch sehr gut kannst“, lachte ich und deutete auf den leeren Suppentopf, dessen Inhalt nebenbei erwähnt hauptsächlich Zedd vernichtet hatte, „Aber ich habe auch eine Familie dort wo ich herkomme, Freunde, ein Leben. Kannst du mich nicht zurückbringen, schließlich bist du ein Zauberer?“
Ich hatte mich kaum getraut, diese Bitte auszusprechen und mein gesamter Körper vibrierte vor Aufregung, einerseits, weil ich heute schon viel zu mutig gewesen war und viel zu viel erlebt hatte für meinen Geschmack, andererseits, weil ich die Aufregung darauf was Zedd antworten würde kaum aushielt.
„Das würde ich liebend gerne, mein Kind“, sagte er und sah mich bedauernd an, „aber es war sehr mächtige Magie nötig, um dich die Welten wechseln zu lassen und ich befürchte diese Magie übersteigt mein Können.“
Sanft griff er nach meiner Hand, während ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten konnte, als ich erkannte, dass ich wahrscheinlich nie wieder nach Hause kommen, geschweige denn meine Familie wiedersehen würde. Ich konnte Ewigkeiten lang nicht mehr aufhören. Die ganze Zeit über heilt Zedd meine Hand.
Schließlich, als meine Tränen dann doch versiegt waren und das wahrscheinlich nur weil mein Körper einfach keine Flüssigkeit mehr übrig hatte, machte ich mich sanft von dem Zauberer los und verließ die Hütte. Ich setzte mich nicht weit entfernt unter einen Baum und beobachtete, wie die Sonne nach und nach am Horizont verschwand. Vielleicht verschwand sie geradewegs dorthin wo gerade meine Eltern und Geschwister waren und noch viel vielleichter beobachteten sie gerade den Sonnenaufgang.

Ich lebte also seitdem bei Zedd. Ich half ihm im Haushalt wo ich nur konnte, ließ mir von ihm Geschichten erzählen und ich erzählte ihm aus meiner Welt, meinem alten Leben.
Er hatte mir verboten, mich den anderen Leuten im Dorf blicken zu lassen aus Angst, ich könnte mich durch mein Verhalten verraten und gefangen genommen werden. Außerdem durfte ich ihm nichts erzählen, das in der Zukunft passieren wird, denn er wurde nicht müde zu sagen, dass es nichts Gutes mit sich brachte, wenn man wusste, was sein wird.
Nichtsdestotrotz hatte ich ihm erzählt, dass bald eine Konfessor kommen würde, weil der Sucher in den Midlands gebraucht wird. Mehr hatte ich mich nicht getraut zu sagen, denn ich hatte wirklich Angst damit irgendetwas Schwerwiegendes zu ändern. Zum Glück war Zedd nicht sauer gewesen deswegen, er hatte nur gesagt, dass er bereit sein würde.
Der Zauberer war mir in der Zeit sehr ans Herz gewachsen und ich konnte es mir beinahe nicht mehr vorstellen ohne seine Geschichten, Witze und Weisheiten zu leben. Und ich glaubte, auch ich war ihm sehr wichtig geworden, oder zumindest hoffte ich das.

Eines Abends ging Zedd mit Clara, seinem Lieblingshuhn, in den Wald, um die Wolkenformationen zu deuten, wie er es oft tat, wenn er Zeit für sich brauchte.
Ich ließ ihn gehen und versprach, Essen gekocht zu haben, wenn er wieder zurückkam. Allerdings hatte ich eine schlimme Vorahnung. Ich wusste nicht, woher sie kam oder warum nicht schon früher, aber ich hatte das Gefühl, dass heute der Tag war, an dem Kahlan kommen würde. Die ganze Zeit während ich kochte konnte ich an nichts anderes denken. Als das Essen fertig war, ließ ich es auf der Feuerstelle vor sich hin köcheln, während ich es vor Neugier kaum noch aushielt und mich in die offene Tür stellte, um sofort mitzubekommen, wenn sich jemand näherte.
Ich musste nicht allzu lange warten, da sah ich wie Zedd und Kahlan den vergifteten Richard auf einem Pferd hierher führten. Ich hielt ihnen die Tür auf und stand etwas abseits, während Zedd den zukünftigen Sucher heilte. Obwohl ich wusste, dass es gut ausgehen würde, litt ich schwer darunter, mitansehen zu müssen, dass Richard wie tot auf dem Bett lag. Bei all dem in echt dabei zu sein war dann doch noch eine Spur heftiger, als es nur im Fernsehen zu sehen. Wiedermal vibrierte mein gesamter Körper vor Aufregung.
Als das endlich vorbei war, begannen Zedd und Kahlan sich zu streiten und ich hielt es einfach nicht aus, nichts zu sagen. Ich wollte so gerne für Zedd Partei ergreifen, der Konfessor erzählen, dass Richard der beste Sucher aller Zeiten werden würde, aber ich hatte solche Angst und irgendeiner Weise die Zukunft zu ändern, dass ich mich ins Nebenzimmer verzog und mir dort so fest es ging die Ohren zuhielt und die Augen schloss.
Nach nicht allzu langer Zeit spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Nicht sehr überrascht sah ich auf und blickte direkt in Zedds Augen. „Ich hab es nicht ertragen, nichts zu sagen…“, wisperte ich und sah hilfesuchend zu dem großen Zauberer auf. „Ich weiß, ich weiß, aber manchmal müssen wir stark sein, obwohl wir lieber schwach wären“, versuchte er mich zu trösten, „Du hast die richtige Entscheidung getroffen.“
Er nahm mich kurz in den Arm und richtete ich dann zu seiner vollen, beeindruckenden Größe auf.
„Und dennoch musst du jetzt hier bleiben, wenn Kahlan und ich fortgehen, um Richard zu suchen“, erzählte er mir mit entschlossenem Blick, „So ist es sicherer.“
„Ich weiß“, hauchte ich und versuchte meine aufkeimenden Tränen zu unterdrücken, denn mir war gerade eingefallen, dass Richard in weniger als einer Stunde seinem Vater dabei zusehen müsste wie er stirbt.
Ein letztes Mal tätschelte Zedd mir den Kopf und verließ dann schweigend den Raum.
Kaum war er weg, ließ ich meinen Tränen freien Lauf. Ich fühlte mich unglaublich schrecklich. Ich wusste, dass bald ein Mensch sterben würde, Richards Vater. Wahrscheinlich hätte ich es sogar verhindern können, aber ich durfte nicht, weil sonst möglicherweise alles anders ablaufen würde.
Ich war ein schlechter Mensch.
In all meinem Selbstmitleid vergas ich jedoch eine ganz entscheidende Sache: Ranssyn Fane
Diese Tatsache wurde mir allerdings glühend heiß bewusst, als ich schwere Schritte im Haus hörte. Wie konnte ich nur vergessen, dass er und Richard hier kämpfen würden? Wie konnte ich nur so leichtsinnig sein?
Vollkommen überrumpelt und leise schluchzend suchte ich nach einem Versteck, in dem er mich nicht finden würde, aber noch bevor ich eines entdecken konnte, hörte ich auch schon, wie hinter mir dir Tür knarzte. Ich konnte förmlich spüren, wie sich hinter mir ein Schatten aufbaute. Wie erstarrt blieb ich stehen, als ich etwas Hartes in meinem Rücken spürte.
„Wo ist die Hexe?“, sein heißer Atem wehte in meinen Nacken und ließ mich vor Ekel erschaudern, was zur Folge hatte, dass das mutmaßliche Schwert in meinem Rücken nur noch härter dorthin gedrückt wurde.
Kahlan, er meinte Kahlan, aber ich konnte ihm nicht sagen, wo sie war, das würde alles verändern und womöglich würde sie sogar sterben. Das konnte ich unmöglich verraten.
„Nein“, hauchte ich kraftlos und erkannte, dass meine Lage aussichtslos war. Ich würde sterben, daran ließ sich nicht mehr rütteln.
„Wie du willst“, säuselte er unheimlich und das nächste was ich spürte war unbeschreiblicher Schmerz. Gepeinigt schrie ich auf und sackte auf den Boden. Das hämische Lachen des Soldaten nahm ich nur noch am Rande wahr. Der Schmerz war einfach nur unerträglich und ich wünschte mir in diesem Moment einfach nur, dass ich sterben würde.
Aber es schien beinahe unendlich lange zu dauern, fast, als wollte mein Herz nicht aufhören zu schlagen. Ich dachte an meine Familie, betete zu Gott und hoffte, dass es in dieser Welt denselben Himmel gab wie in meiner, damit ich sie wenigstens dort wiedersehen konnte.
In weiter Ferne klirrten Schwerter, aber das einzige woran ich denken konnte war, dass das Leben langsam aber sicher aus mir herausfloss.
Das letzte was ich hörte war Zedds Stimme, die schmerzlich meinen Namen schrie. „Nia!“
Es tat mir so leid, so unendlich leid.
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