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Feuer

KurzgeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
08.11.2015
08.11.2015
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„Leb wohl, Arman! Leb wohl!“ Mit diesen Worten verschwand Garwins Spiegelbild und überließ uns den lodernden  Flammen. „Mama, Papa Hilfe! Hört ihr mich nicht, hilfe!“, begann Milosch zu schreien. „Ich hab Angst“, rief Jaron.  Argos versuchte die beiden zu beruhigen: „Hey, ganz ruhig, sie werden das Feuer sicher schon bemerkt haben. Ihr werdet sehen, wir sind in Null komma nix hier raus.“  „Als ob! Die schlafen doch alle tief und fest. Wenn wir nichts unternehmen sind wir bald Pferdesteak der Sorte angebrannt!“ rief Timon ärgerlich und verssuchte seine Boxentür auf zu brechen. Natürlich ohne Erfolg.  „Hör auf, Timon. Es bringt nichts und du verletzt dich nur! Alleine können wir hier nicht raus. Uns bleibt nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass sie das Feuer bemerken.“, rief ich verzweifelt. Mich überkamen wieder Schuldgefühle. Das ist alles meine Schuld, ich hab sie alle da mit reingezogen. Wäre ich nicht gewesen wären wir jetzt nicht hier, gefangen in Pferdekörpern in einem brennendem Stall, dem Untergang geweiht. Nichts von alle dem wäre geschehen. Sie würden jetzt alle friedlich schlafen. Nicht in Gefahr und völlig Sorglos. Es ist allein meine Schuld, dass dies nicht der Fall ist. Es ist meine Schuld, wenn ihnen etwas passiert. Ich bin Schuld. Allein Ich. Wenn ich doch nur irgendwie zu Charlie Kontakt aufnehmen könnte. Bei dem Gedanken an sie wurde mir das Herz schwer. Noch eine Person, die wegen mir in Gefahr geriet und dazu noch eine, in die ich mich verliebt hatte. Der Gedanke an sie schmerzte in meiner Brust. Charlie. Doch sie war die einzige, die uns helfen könnte. Immerhin gehörte sie zu Mick. Ich musste es versuchen. Charlie, du musst uns helfen. Beeil dich! Uns bleibt nicht viel Zeit! Hilfe Charlie! Hilfe! Ich konzentrierte mich mit aller Kraft auf sie und versuchte zu ihr durchzudringen, während ich im Kopf immer wieder diese Worte wiederholte. Es musste einfach klappen, es war unsere einzige Chance. Doch als nach einer Minute immer noch nichts passierte überkam mich Angst. Was, wenn Garwin ihr auch etwas angetan hatte? Ich mochte gar nicht daran denken. Es tat zu weh. Mine Augen füllten sich mit Tränen. Wenn ihr etwas passiert ist, dann… Ich bringe alle bloß in Gefahr! Es tat so weh, doch es war die Realität. Ich spürte, wie mir eine Träne über die Wange lief. Charlie… Plötzlich riss mich ein lautes Geräusch aus meinen Gedanken. Jemand rüttelte an der Stalltür, die Garwin mit einem Holzscheit blockiert hatte. Augenblicklich waren auch die anderen verstummt und alle starrten auf die Tür und den Holzscheit, der in diesem Moment zerbrach. Ich sah, dass die anderen ungläubig auf die Tür starrten und alle das gleiche dachten: „Holt uns hier raus. Bitte!“ Hoffnung keimte in mir auf. Es bestand die Chance gerettet zu werden. Sie hatte mich also doch gehört. Augenblicklich schlug mein Herz schneller. Der Gedanke, dass wir diese enge Verbindung hatten ließ mein Herz Achterbahn fahren. Eine Achterbahn der Gefühle. Die Tür schwang auf und Charlie kam hereingestürzt. Beim Anblick des Feuers breitete sich Entsetzen auf ihrem Gesicht aus, vermischt mit einem Hauch von Angst. Ich schluckte bei dem Anblick, unsicher ob es so eine gute Idee war sie zu holen, doch eine andere Chance hatten wir nicht. Außerdem war es jetzt zu spät und ein bisschen Stolz war ich auch auf mich, immerhin hatte ich es geschafft mittels Gedanken Kontakt zu ihr aufzunehmen. Sie rannte auf die Boxen zu und befreite zuerst Timon und  Jaron, dann  Argos und Milosch. Alle rannten aus dem Stall, immer noch in Panik, aber weg von den Flammen. Ein Glück, sie sind in Sicherheit. Als Charlie jedoch zu meiner Box rannte löste sich über ihr ein brennender Balken. „Charlie pass auf!“,  wollte ich schreien, doch aus meiner Kehle kam nur ein Wiehern. Ihr Blick ging trotzdem nach oben und sie konnte im letzten Moment zur Seite springen, blieb aber irgendwo hängen und fiel. „Charlie!“, wieder nur ein Wiehern. Sie reagierte nicht. Nein. Ihr darf nichts passieren, nicht ihr. Das war alles was ich denken konnte. Wenn ich doch nur irgendwie freikommen könnte! Ich bäumte mich auf und versuchte die Boxentür zu öffnen. Wenn sie hier nicht bald rauskam war sie verloren! Sie war in Lebensgefahr! Ich musste sie retten! Damals im Wald, als ich mich das erste mal nach so langer Zeit wieder verwandelt hatte, da hatte ich mir geschworen, dieses Mädchen zu beschützen. Meine Angst um sie wuchs mit jeder Sekunde der sie den Flammen ausgesetzt war. Ich musste hilflos mit ansehen, wie ihr die Flammen immer näher kamen und drohten sie zu verschlingen. Nein! Das darf nicht das Ende sein. Es darf einfach nicht enden. Nicht für sie. Tränen liefen mir über das Gesicht. Auf einmal spürte ich, wie ich schrumpfte und meine Menschliche Gestalt annahm. Ich konnte es kaum fassen. Danke, danke wer auch immer mir das ermöglicht. Danke! Ich Sprang über die Tür und rannte zu Charlie. Sie bewegte sich immer noch nicht. Ich hob sie hoch und drückte sie an mich. Ich spürte wie meine Augen sich erneut mit Tränen füllten während ich auf den Seitenausgang zu rannte. Wenn ihr meinetwegen etwas passiert ist, dann könnte ich mir das nie verzeihen. Ich stieß die Tür auf und stürzte ins Freie. Dort legte ich Charlie sanft ins Gras und sah sie verzweifelt an. Meine Angst wurde immer größer. Was wenn sie ernsthaft verletzt war? Ich wusste nicht, wie viel Zeit mir noch blieb. Verzweifelt legte ich eine Hand an ihre Wange als sie plötzlich zuckte. Ich zuckte zurück und sah sie halb ängstlich, halb hoffnungsvoll an. Hoffentlich hatte sie das nicht mitbekommen. Charlie begann sich hustend auf zu richten. Erleichterung macht sich in mir breit. Ich strich ihr die Haare aus dem Gesicht und legte ihr vorsichtig wieder eine Hand an die Wange. Was solls. Wenn sie herausfindet, dass ich sie liebe, dann soll es so sein. Ich war einfach viel zu erleichtert, dass es ihr mehr oder weniger gut ging, als  dass ich mir über mein Gefühlschaos im Moment Gedanken machen könnte. „Arman?“, flüsterte sie ungläubig. Für eine Sekunde breitet sich ein Lächeln auf meinem Gesicht aus. Ein Glück, es geht ihr gut. Das war alles was ich in diesem Moment denken konnte. Ich zog sie an mich und hatte nicht vor sie wieder los zu lassen. Ich liebte dieses Mädchen von ganzen Herzen und auch wenn sie diese Gefühle vermutlich nicht erwiderte, so war ich doch überglücklich, sie in diesem Moment in den Armen zu halten. Ich drückte ihr einen kurzen Kuss auf die Lippen ohne es wirklich zu merken. Es fühlte sich in diesem Moment einfach richtig an.  Mein Herz schlug rasend schnell und ich wünschte, jemand würde die Zeit anhalten und sie nie wieder ans laufen bringen. Dieser Moment sollte niemals enden. Ich spürte wie sie sich an mich schiegte und schloss die Augen. Vielleicht hatte ich ja doch noch eine Chance. Ein Hoffnungsschimmer keimte in mir auf und mich durchströmte ein Glücksgefühl, wie ich es schon lange nicht mehr gespürt hatte. Es breitete sich in mir aus und ich war so erfüllt von meinen Gefühlen und meiner Hoffnung, dass ich das Gefühl hatte, niemand könnte uns je trennen. Doch genauso schnell wie es gekommen war, verschwand das Gefühl auch wieder und wich der Verzweiflung. Das waren doch alles bloß Wunschdenken. Träume, die sich niemals erfüllen würden. Ich hätte bei ihr doch nie eine Chance. Sie war ein so wunderbares Mädchen und ich war ein Pferd. Ich könnte sie nie Glücklich machen. Auch wenn ich es noch  so sehr wollte, ich könnte es nicht. Der Gedanke tat unendlich weh, und ich hatte das Gefühl, als würde sich eine kalte Hand um mein Herz legen und es zerdrücken. Dazu kam, dass dieser Nils auch in sie verliebt war. Die Chancen, dass sie sich in ihn verliebt waren so viel höher, als meine. Eigentlich hatte er alle Chancen. Ich war doch nur ein Nichts, dass alle die es liebt in Gefahr bringt. Ich hatte keine Chance. Vielleicht war es besser so. Vielleicht sollte es so sein. Er brachte sie wenigstens nicht in Gefahr. Es musste so sein. Sanft drückte ich sie von mir weg. Gleich darauf bereute ich es. Ohne sie fühlte ich mich so lehr und kalt. Sie schaute mich leicht verwirrt an. In diesem Moment kam Nils angerannt. Ich musste schlucken. Das heißt dann wohl auf Wiedersehen. Er starrte uns an und überlegte vermutlich gerade, wer ich war. Blitzschnell sprang ich auf, warf ihr noch einen letzten Blick zu, in den ich all meine Liebe legte und rannte los, spürte wie ich wieder zum Pferd wurde und gallopierte davon. Ich wusste, dass er sich um sie kümmern würde. Während ich so gallopierte beschloss ich, dass meine vorherigen Überlegungen nicht ganz stimmten. Sie hätte mich weggestoßen, wenn ich gar keine Chance hätte. Der Hoffnungsfunke glühte wieder auf und langsam begann ein Feuerchen daraus zu werden. Ich fasste neuen Mut. Meine Zeit würde kommen. Charlie hatte mich nicht weggestoßen und das hieß, dass ich eine Chance hatte, trotz all meiner Zweifel. Ich würde nicht aufgeben und es weiterhin versuchen. Wer weiß, vielleicht habe ich dann ja eines Tages Glück. Ich klammerte mich an diese Hoffnung, mit dem Wissen, das ich es schaffen konnte und während Richard mich und die anderen wieder einfing und auf die Koppel bracht, musste ich Lächeln. Ich liebe dich Charlie. Ich liebe dich.
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