The Sax of Life

von - Leela -
GeschichteAllgemein / P12
Apparitia Brat-A-Rat Eddie Futura Prime Evil Spenser sr.
06.11.2015
06.11.2015
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Vorwort der Autorin

Lisa Simpson, Cyril Sneer, Eddie Spenser Sr. … Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie spielen Saxophon; und damit erobern sie mein Herz in der TV-Welt per definitionem. Für mich als einen leidenschaftlichen Musikliebhaber der Sorte, der jedes einzelne Stück danach beurteilt, ob es ihm gefällt oder nicht – ganz gleich, welchen Genres, welches Interpreten und welche Instrumente zum tragen kommen, ist das Saxophon das Meisterstück und Königin aller Musikinstrumente, und Jazz & Swing die musikalische Stilrichtung, die mit einem gut gespielten Saxophon am meisten die Seele einzufangen vermag. Kein Wunder also, daß heute ein Tag ist, der es würdig ist, gefeiert zu werden, denn heute hat Saxophon-Erfinder Adolphe Sax Geburtstag. Diese Geschichte ist also ein Tribute an den Mann, welcher der Welt das Saxophon - und damit ein Musikinstrument mit Seele - geschenkt hat. – Und nicht nur ich gedenke diesem Tag. Mal sehen, was Spenser sich so ausgedacht hat…


6. November
The Sax of Life

Eddy verdrehte die Augen und stöhnte. „Ist das wirklich nötig?“
      Jake schmunzelte, als er mit seinem Vater zusammen Tische in die kleine Halle schleppte. Dies war jedoch nicht der Umstand, der dem jungen Brünetten zu schaffen machte. Auch nicht das Saxophon, das auf der kleinen Bühne auf einem Ständer stand und darauf wartete, gespielt zu werden. Nein, es war sein Vater, der ihn langsam aber sicher zur Weißglut brachte.
      „Ein bißchen Wissen hat noch niemandem geschadet!“ belehrte Spenser seinen Sohn. „Und da du bislang anscheinend dem Glauben verfallen warst, das Saxophon hätte aufgrund seines erotischen Klanges seinen Namen von einer Aktivität anstatt des Namens seines Erfinders, dachte ich mir, ein bißchen Aufklärung könnte angebracht sein!“
      „Dann müßte es aber »Sexophon« heißen!“ raunte Tasha ihrem Freund zu, als sie kurz hinter ihm stehenblieb und die Hände so untermittelt auf die Schultern legte, daß er zusammenzuckte, bevor sie weiterging, um Futura bei der Bar zur Hand zu gehen.
      Eddy spürte, wie ihm die Hitze in die Wangen stieg und versuchte, sich schnell aus der Verlegenheit zu katapultieren, als er forsch erwiderte: „Meinetwegen, aber was interessiert es mich, wo dieser Alphonse Sax geboren wurde?“
      „Adolphe Sax!“ berichtigte Spenser mißbilligend. „Genau genommen sogar Antoine Joseph Sax! Ein bißchen mehr Interesse würde dir gut zu Gesicht stehen!“
      Eddy atmete gepreßt durch. „Ich höre einem Saxophon lieber zu, anstatt seine Lebensgeschichte auswendig zu lernen!“
      „Oh, ich finde die Geschichte dahinter schon sehr interessant!“ ließ sich Futura vom Tresen her vernehmen, wo sie gerade die Arbeitsfläche abwischte.
      „Ich wette, dieses Dörfchen – wie hieß es noch mal…?“ begann Eddy.
      Spenser verdrehte die Augen. „Dinant, wenn du seinen Geburtsort meinst. Eine Stadt in Belgien, in der Provinz Namur in der Region Wallonien, wenn du es genau wissen willst.“
      Eddys Gesichtsausdruck sagte, daß er es nicht genauer wissen wollte. „Ich wette, der Ort ist nur durch ihn überhaupt bekannt geworden.“
      „Oh, sag‘ das nicht!“ schmunzelte Futura. „Ein Friedensnobelpreisträger kommt auch daher, Georges Pire! Und André Buzin, ein Maler und Briefmarkenkünstler, nur mal als Beispiel!“
      Spenser nickte mit einem anerkennenden Lächeln zu der jungen, dunkelhaarigen Frau herüber. „Das Mädchen ist klug!“
      „Mach dir nichts draus, Schatz!“ rief Tasha ihm zu, die gerade Gläser durchspülte. „Ich hätte es auch nicht gewußt!“
      Eddy ließ sich seinem Vater gegenüber ein kurzes, überlegenes Lächeln vernehmen, das so viel bedeuten sollte, daß es keine Schande war, nicht über alles Bescheid zu wissen.
      „Du mußt nicht alles wissen!“ erklärte Spenser ungerührt. „Aber du kannst es aufnehmen, wenn es sich dir erschließt! – 1842 ging Sax nach Paris, ohne finanzielle Mittel, aber dafür hatte er eines seiner völlig neu entwickelten Saxophone dabei. Das war übrigens ein Sopran-Saxophon!“ Man merkte deutlich die Euphorie aus der Stimme Spensers heraus, die fast schon die Konsistenz von persönlichem Stolz hatte.
      Eddy rollte erneut die Augen. „Können wir uns nicht einfach einen schönen Abend machen?“ beschwor er seinen Vater mit verzweifelter Geste. „Es ist doch egal, wie die Dinger heißen, Hauptsache, sie klingen gut!“
      „Oh, da ist ein riesiger Unterschied, Eddy!“ belehrte Spenser ihn nun. „Es gibt viele verschiedene Bauformen! Allein Sax baute, nachdem er in Paris ankam, das Saxophon in acht verschiedenen Größen! Und weißt du auch welche?“
      Eddy machte mit zusammengebissenen Zähnen eine einladende Geste, ohne sich die Mühe zu machen, näher darüber nachzudenken. Sein Blick sagte: ‚Du wirst es mir schon gleich sagen!‘
      Und so kam es auch: „Sopranino, Sopran, Alt, Tenor, Bariton, Baß, Kontrabaß und Subkontrabaß. Und das ist für den Klang ausschlaggebend!“
      „Meinetwegen, ja aber wohl nicht für mich als Zuhörer!“ schoß Eddy zurück.
      Spenser maß ihn mit einem abschätzenden Blick. „Weißt du was? Dir hätte es auch gut getan, wenn du, wie Sax, noch zehn Geschwister gehabt hättest! Vielleicht wärst du dann jetzt nicht so überheblich!“
      Eddy sah seinen Vater entgeistert an. Eine abrupte Stille setzte ein, in der die anderen Anwesenden die beiden Spensers anstarrten. Jakes Blick ruhte beklommen auf seinem Freund, als würde er sich fragen, ob der den Kommentar runterschlucken oder in Tränen ausbrechen würde. Keins von beidem geschah. Statt dessen verlor Eddy nun vollends die Beherrschung. „Sagt mal, bin ich hier der einzige, der auf dem Prüfstand steht?“
      Jake wechselte mit seinem Vater einen kurzen Blick, der ausreichte, um sich zu verständigen. Der Blonde räusperte sich. „Ähm, wir könnten hier noch Hilfe mit den Tischen gebrauchen!“
      Eddy nutzte die Chance sofort. „Bin schon da!“ Wie um aus der geschichtlichen Klammer seines Vaters zu entkommen, lief er zu seinem Kumpel herüber, der nach draußen verwies, wo noch mehr Tische standen, die hereingebracht werden mußten. Das kam Eddy einer Erlösung gleich; für einen Moment aus der Reichweite seines Vaters zu kommen. Jake zwinkerte ihm zu, und er wußte, sein Partner hatte verstanden, und es bewußt so eingefädelt.
      Jack ging indes zu dem anderen Altghostbuster herüber und nahm ihn zur Seite. Kameradschaftlich legte er dem Arm um den Jazzliebhaber. „Spense, bei allem Respekt, hör auf damit. Das, was du erreichst ist, daß du es Eddy nur noch mehr verleidest, als daß du ihn dafür begeisterst. Er muß das Interesse ganz von allein entwickeln, dann macht es Spaß, und dann behält er auch etwas. Wenn du ihn vor allen anderen abfragst wie einen Schuljungen, erreichst du nur, daß er von vorneherein dichtmacht, weil er sich vor uns bloßgestellt fühlt. Was du damit erreichst ist, daß er nichts von dem schönen Abend hat, und wenn es ganz schlimm kommt sogar, daß er die Freude am Saxophonhören verliert. Und das willst du doch nicht, oder?“
      Spenser hielt nachdenklich inne. „Natürlich nicht. Aber war es denn so schlimm, bei der Gelegenheit ein bißchen Wissen einzuwerfen?“
      „Sicher ist es eine schöne Sache, wenn man sich zu so einem Anlaß wie dem Geburtstag eines großartigen Instrumentenbauers mit der Geschichte des Instrumentes und des Erfinders auseinandersetzt. Aber nur, solange es ein allgemeiner, lockerer Austausch ist, und du nicht von deinem Sohn erwartest, daß er als Vorzeigebeispiel alle Antworten parat hat und vor Interesse übersprudelt. Nimm es mir nicht übel, aber mich interessiert jetzt auch nicht so wahnsinnig, ob Sax nun in Frankreich oder Belgien gestorben ist.“
      „Paris!“ sagte Spenser automatisch.
      „Am 7. Februar 1894, ich weiß!“ Jack schmunzelte. „Darüber hast du uns ja schon aufgeklärt. – Wie auch immer, rede mit jedem darüber, der sich mit dir darüber unterhalten will, aber laß Eddy in Frieden. Er möchte heute nichts weiter, als sich einen schönen Abend bei Saxophonmusik zu machen. Wenn er sich irgendwann mal dafür interessieren sollte, daß Sax 1857 Saxophon-Lehrer am Pariser Konservatorium wurde, dann wird er sich schon von ganz allein mit der Geschichte auseinandersetzen. Und wenn nicht, dann eben nicht! Das ist dann auch okay!“
      Spenser sah Jack staunend an, was aber eher der Tatsache geschuldet war, wieviel der andere pensionierte Ghostbuster sich aus seinen Erzählungen gemerkt hatte. Er ließ sich ein kleines, anerkennendes Schmunzeln vernehmen, bevor er zum eigentlichen Thema sagte: „Du hast ja schon Recht. Ich dachte nur, ich könnte meine Begeisterung an ihn weitergeben.“
      „Das kannst du. Aber nicht so!“ brachte Jack es auf den Punkt. „Aber schau mal, vielleicht ist deine Möglichkeit, etwas von deiner Begeisterung weiterzugeben, gar nicht so weit entfernt!“ Er nickte mit dem Kopf zu den beiden Mädchen, die verstohlen von der Theke zu den beiden älteren Herren herübersahen, als hofften sie darauf, noch mehr über die Geschichte des Saxophons zu erfahren.
      Spenser lächelte verschlagen. Dann ging er zu den Mädchen herüber, während Jake und Eddy im Hintergrund Tische ausrichteten.
      Jack sah indes auf die Uhr. Tracy mußte bald mit den Getränken hier sein! Er beschloß, draußen auf dem Hof nach dem Gorilla Ausschau zu halten.
      „Gab es nicht eigentlich auch Saxhörner?“ fragte Tasha indes den alten Ghostbuster und Saxophonspieler, der jetzt freudig über das Interesse seiner angehenden Schwiegertochter lächelte. „Oder ist das dasselbe?“
      „Oh, Saxhörner umfassen ein bißchen mehr!“ erklärte Spenser. „Obwohl du auch nicht ganz Unrecht hast – das Saxhorn gibt es auch. Als Sax mit den Saxophonen experimentierte, übertrug er seine Erfahrungen in Bezug auf die beste Resonanz der Röhren zum Beispiel auf die Konstruktionen von Trompeten, Hörnern und Tuben.“
      Futura lachte. „Da hast du deine Saxhörner! Und das andere sind wahrscheinlich Saxtrompeten und Saxtuben!“
      Spenser biß sich amüsiert auf die Unterlippe. „Fast! In ihrer neuen Gestalt erhielten die Trompeten und die Tuben von Sax die Namen Saxtromba und Saxtuba.“
      Futura entglitten die Gesichtszüge. „Das war eigentlich ein Witz!“
      Spensers Lächeln zeigte an, daß ihm das wohl bewußt gewesen war. „Für Giuseppe Verdi baute er übrigens auch einige Aida-Trompeten.“
      „Was, um Himmels Willen, sind Aida-Trompeten?“ fragte Tasha nach.
      „Kennt ihr die Oper »Aida« von Verdi?“ erkundigte sich Spenser.
      Futura nickte, während Tasha etwas ausweichend bemerkte: „Schon mal von gehört…“
      „Diese Trompeten wurden speziell für die Aufführungen von der Oper gefertigt.“ erklärte Spenser. „Sie sind Bildern von altägyptischen Trompeten nachempfunden, weil die Oper ja auch in Ägypten spielt, und Verdi ein möglichst authentisches Bild haben wollte.“
      „Ha, ein Perfektionist!“ stellte Tasha fest.
      Jake und Eddy hatten gerade den letzten Tisch ausgerichtet und schauten zu den dreien herüber. „Heute Nacht, wenn wir nach Hause fahren, ist Tasha bestimmt wesentlich besser informiert über Saxophone und Herrn Sax als du!“ lachte Jake.
      Eddy machte eine wohlwollende Geste. „Das ist in Ordnung, solange er mich in Ruhe läßt.“
      „Aber es ist doch ganz interessant!“ bemerkte Jake einlenkend.
      „Wenn ich nur zuhören, und nicht anschließend einen Fragenkatalog beantworten muß, ja!“ stimmte sein Kumpel zu.
      Jakes Blick sagte, daß er das verstand. In dem Moment wurden sie abgelenkt, da Jack und Tracy gerade mit den ersten Getränkekisten hereinkamen. Der Gorilla stemmte gleich drei auf einmal, während Jack sich mit einer abmühte. Jake und Eddy verständigten sich mit einem Blick und gingen helfen.
      „Ob Sax wohl mitbekommen hat, wie berühmt sein Saxophon heute geworden ist?“ sinnierte Futura gerade.
      „Naja, vielleicht nicht in vollem Maße. Aber immerhin hat er 1846 ein Patent erhalten.“ erzählte Spenser. „Das war am 21. März in Frankreich. Dadurch gelangte er schon schnell zu großer Berühmtheit. Reich geworden ist er dadurch aber trotzdem nicht. Im Gegenteil, er ging mehrfach Bankrott, und als er starb, war er völlig verarmt.“
      Tasha und Futura sahen ihn groß an. Das hatten sie offensichtlich nicht erwartet. „Bei so einem tollen Instrument…?“ entfuhr es der blonden Studentin.
      „Naja…“ Spenser lachte hilflos. „Was willst du machen? Manche Dinge brauchen ihre Zeit! Im Jazz ist das Saxophon jedenfalls erst später berühmt geworden. Ursprünglich kam es in der Militärmusik zum tragen, bevor Sax die Konzert-Saxophone in verschiedenen Größen baute.“
      Die Mädchen schauten ungläubig; fast ein wenig entzaubert aus der Wäsche.
      Neben Tasha knallte eine Getränkekiste auf den Tresen, so daß sie zusammenzuckte, als Tracy sich von dem Gewicht befreite. „1845 wurde es bei der königlichen französischen Armee eingeführt!“
      Die Mädchen fielen von einem Erstaunen in’s nächste.
      „Woher weißt du das denn, Tracy?“ entfuhr es Futura.
      Tracy grinste blitzend. „Habe viel von Spense gelernt!“
      „Offensichtlich…“ staunte auch Tasha, während Spenser gewinnend lächelte. Sie schenkte dem Älteren ein verschmitztes Schmunzeln. „Vielleicht solltest du Tracy adoptieren…?“
      Spenser erwiderte ihren Blick, als würde er eine Sekunde ernsthaft darüber nachdenken, lächelte dann aber, und blieb eine Antwort schuldig.

In der Zwischenzeit, an einem anderen Ort: Auch Prime Evil war nicht verborgen geblieben, was in dem alten Club vor sich ging, der eigentlich schon seit einiger Zeit nicht mehr betrieben wurde, und nur dank Spensers Connections für ihre kleine private Tribute-Veranstaltung genutzt werden konnte. „So. Ein Saxophon-Abend. Sehr interessant.“ murmelte er, als er die Szene auf dem Bonetroller beobachtete.
      „Was ist daran so interessant?“ ließ sich Bratarat vernehmen. „Ich dachte, die Bonetroller-Orgel wäre das Nonplusultra, mit all ihren Funktionen…“
      „Idiot!“ unterbrach der Herr des Bösen seinen kleinen Helfer unwirsch. „Weißt du denn nicht, daß das Saxophon lange als Teufelszeug galt?“
      „Hm. Scheint aber heute nicht mehr der Fall zu sein.“ bemerkte Bratarat scharfsinnig, während er das Treiben auf dem Bildschirm beobachtete. „Im Gegenteil, anscheinend erfreut sich das »Teufelswerk« großer Beliebtheit!“
      „Mittlerweile haben sich die Menschen daran gewöhnt und Gefallen daran gefunden, das stimmt.“ Prime Evil wirkte ein wenig ärgerlich darüber, ließ sich seine miese Stimmung dadurch aber nicht verderben. „Aber immerhin, es hat Geschichte! Und das gilt es zu würdigen!“
      „Und wie willst du das tun, Boss?“ erkundigte sich die kleine Flugratte ratlos.
      Die Augen des Dämonenfürsten verengten sich in der stahlblauen Maske. „Ich denke, ich werde dieser kleinen Veranstaltung einen Besuch abstatten!“
      „Oh, gut gut gut gut!“ Das moosgrüne Wesen an seiner Seite überschlug sich förmlich vor Freude. „Das wird diesen Saxophonliebhabern noch lang ein Erinnerung bleiben!“
      „Saxophon?“ Die überraschte, gehauchte Stimme aus dem Hintergrund gehörte zu Apparitia, einer hübschen Geisterlady in einem roten, knappen Cocktailkleid, die gerade zufällig durch die Halle schwebte und auf das Gespräch aufmerksam geworden war. „Sagte da jemand… Saxophon?“
      „Allerdings!“ In Prime Evils dunklen Augen blitzte es voll hämischer Vorfreude.
      Apparitia schnappte atemlos nach Luft und schwebte näher, ohne auch nur auf die Geisterratte oder den Großbösemeister zu achten. Ihr Blick war längst auf den Bonetrollermonitor gefallen, und wie gebannt dort haften geblieben. „Oh mein Gott, sie feiern den Geburtstag von Adolphe Sax! Ich hätte nie gedacht… daß ich das erleben würde…“ Der Geisterlady standen förmlich die Tränen in den Augen. „Ich muß dort unbedingt hin!“
      „Komisch, der Gedanke kam mir auch gerade!“ grummelte Prime Evil, der genau wußte, daß seine Untergebene etwas anderes mit dem Instrument verband als er: Apparitia war zu Lebzeiten eine leidenschaftliche Jazzsängerin gewesen, und die Liebe zum Jazz hatte ihr auch der Tod nicht verleiden können.
      „Dann laßt uns doch zusammen gehen und das Teufelswerk »feiern«!“ Bratarat malte mit den Fingern Anführungszeichen in die Luft, der gar nicht verstanden hatte, was hier gerade vor sich ging.
      „»Teufelswerk«, von wegen!“ Apparitia spukte den kleinen Helfer Ihres Bosses fast an. „Adolphe Sax…“ Sie sprach seinen Namen mit Würde und Stolz aus. „… wollte ein Instrument, das - wie er selber in seinem Patentantrag schrieb - »im Charakter seiner Stimme den Streichinstrumenten nahekommt, aber mehr Kraft und Intensität besitzt als diese«. Und diesen Traum hat er sich um 1840 verwirklicht, als er das Saxophon erfunden hatte!“
      Bratarat verdrehte die Augen.
      Prime Evil lehnte sich lässig an den Bonetroller. „Du weißt, daß das Saxophon einen schweren Stand hatte und sogar verbannt werden sollte, richtig?“
      Nun war es die Geisterlady mit den schulterlangen, grünen Haaren, die die Augen rollte. „Von den Nationalsozialisten blablabla… Ja, das weiß ich! Und daß es ihnen nicht gelungen ist, ist ein Geniestreich! Allein deswegen sollte man vor den Saxophonen einen Kniefall machen. Davon abgesehen zeugt es davon, daß sich Niveau und Qualität nicht unterkriegen lassen. Saxophone haben eine Seele!“
      Bratarat entglitten nun endgültig die Gesichtszüge. „Du meinst, die Dinger leben?“
      „Daran sieht man, daß du keine Ahnung hast!“ Apparitia machte eine wegwischende Geste. Sie wandte sich wieder Prime Evil zu. „Ab den 30er Jahren fand das Saxophon durch den Jazz erst recht eine prägende musikalische Bedeutung, und noch mehr im Swing. Rein musikalisch betrachtet gilt es als gelungene Verbindung zweier Instrumente: Eine Kombination aus dem strahlenden Klang der Trompete mit der Flexibilität der Klarinette. Und gerade im Jazz wurde das Saxophon zu einem stilprägenden Klanggeber. Es hieß sogar schon, der Jazz sei »saxophonisiert«!“
      „Mach so weiter mit deinen Lobeshymnen, und mir wird übel!“ erklärte Bratarat und ließ ein theatralisches, würgendes Geräusch vernehmen.
      „Du mußt ja nicht mitkommen!“ schnappte Apparitia und verbarg auch nicht die Hoffnung, daß er sich den Rat zu Herzen nehmen würde.
      Prime Evils Blick ruhte mittlerweile auf dem Bonetrollermonitor, wo mittlerweile alles hergerichtet war, und sich die ersten Gäste die besten Plätze an den Tischen sicherten. „Macht ihr, was ihr wollt – ich habe jetzt eine Verabredung mit der Geschichte!“ ließ er sich vernehmen.
      Das schreckte die Geisterlady auf. „Ich ebenfalls!“
      Und so blieb der Bonetroller einige Minuten später verwaist zurück, auf dessen Monitor der geneigte Zuschauer den Abend zu Ehren des Erfinders des Saxophons beobachten konnte…

Mittlerweile war Eddy richtig gut gestellt. Er saß mit Tasha, Jake und Futura zusammen an einem Tisch nahe der Bühne. Tracy saß zusammen mit Jack, Jessica und Madame Why am Nebentisch, die ebenfalls schon gespannt warteten.
      Der kleine Saal war schnell gefüllt, und obwohl es nur ein kleines Event für Freunde und Familie sein sollte, kamen viele Leute, die sich auf den kleinen Konzertabend freuten.
      Spenser wirbelte unterdessen auf der Bühne herum, koordinierte die Organisation, begrüßte die Musiker, die eingeladen waren, zusammen mit ihren Familien, vergewisserte sich, daß mit allen Instrumenten alles in Ordnung war und stimmte sein Saxophon.
      „Dein Dad ist ganz schön stolz!“ bemerkte Futura zu Eddy, als sie Spenser auf der Bühne beobachtete.
      „Zurecht! Er ist ein unglaublich toller Spieler!“ bekannte Tasha von Herzen.
      „Das stimmt!“ pflichtete Eddy mit einem warmen Lächeln bei. „Und ich bin froh, daß er da oben auf der Bühne steht!“
      „Hoffentlich nicht nur, weil er dich so nicht mit seinem Backgroundwissen nerven kann!“ schmunzelte Jake, der seinen Freund durchaus durchschaut hatte.
      Überall wurde sich noch leise und angeregt im Publikum unterhalten. Bratarat war nicht glücklich. Er und die beiden saxophonsympathisierenden Geister hatten sich unbemerkt einen Tisch weiter hinten ausgesucht; hatte Bratarat sich aber schon auf Chaos und Verwüstung gefreut, wurde er jetzt bitter enttäuscht, als sich herausstellte, daß selbst der Dämonenfürst nur hergekommen war, weil er den musikalischen Abend genießen wollte. Spätestens, als Prime Evil der Ratte androhte, ihn postwendend in ein Saxophon zu stopfen, bis die Töne zu dessen Ohren wieder herausgeblasen werden mußten, sah er davon ab, noch einmal nachzufragen, ob er zumindest ein wenig Unfrieden stiften durfte.
      Apparitia wurde derweil immer unruhiger. Schließlich hielt sie es nicht mehr aus und verließ den Tisch in Richtung Bühne. Dort zog sie Spensers Aufmerksamkeit auf sich, der sich etwas erstaunt der Geisterlady zuwandte. Sie wechselten ein paar Worte miteinander, dann nickte Spenser. Als die Geisterfrau an den Tisch zurückkehrte, war sie um einiges gelöster und ausgeglichener.
      Nach einer Zeit wurde es ruhiger im Saal, als es auf die Uhrzeit zuging, die für den Beginn des Konzertes angegeben war. Pünktlich stand Spenser auf der Bühne und begrüßte das Publikum.
      „Hauptsache, jetzt kommt auch Musik, und kein Vortrag über Alphonse Sax!“ raunte Eddy Tasha zu.
      „Adolphe!“ korrigierte sie ihn schmunzelnd, während er aufstöhnte. Dann schlug sie ihm leicht den Ellbogen in die Rippen, da es bald losgehen würde.
      „Meine sehr verehrten Gäste,“ begann Spenser. „Ich freue mich, Sie beziehungsweise euch hier heute Abend begrüßen zu dürfen, um das zu genießen, was uns ein großartiger Mann bescherte, der heute Geburtstag hat. Am 6. November 1814 wurde Antoine Joseph Sax, besser bekannt unter dem Namen Adolphe Sax, geboren. Über dreißig Erfindungen ließ er sich patentieren. Doch in Erinnerung bleibt in erster Linie wohl nur das Instrument, das er nach sich selbst benannte: Das Saxophon.“ Damit machte er eine einladende Geste zur Bühne hin, auf der sich unter dem Applaus der Menge die Musiker verneigten.
      Das schon etwas abgedunkelte Licht im Saal wechselte nun so, daß es direkt auf die Bühne fiel, und zu Liedern wie »The Old Devil Called Love«, »Blue Prelude« und »My One And Only Love«, aber auch »Baker Street«, »Lilly was here« oder »Changes« schwelgten die Besucher in den Klängen von Saxophon und Jazz, und wann immer sich zwischen den Instrumentalstücken die großartigen Lieder von Nina Simone,  Ella Fitzgerald und Billie Holiday, und anderen zahlreichen Jazzsängern einreihten, war die wundervolle Stimme einer besonderen Lady zu hören, die den Abend ganz unvermittelt bereicherte.
      Mittendrin stellte Spenser sein Saxophon zur Seite und nahm sich Zeit, die Musiker dem Publikum vorzustellen. „Und ganz besonders begrüße ich heute Abend an den Saxophonen…“ verkündete er schließlich und machte eine Geste zu seiner rechten. „Lisa Simpson!“
      Tosender Beifall erklang, während sich das junge Mädchen verlegen verneigte. Ihre Familie, die einen Tisch in der ersten Reihe hatte, klatschte am lautesten, und die Frau mit der gewaltigen Turmfrisur hielt einen Bengel gerade davon ab, einen Papierflieger auf die Bühne zu werfen.
      Spenser deutete nun nach links und verkündete: „Mister Cyril Sneer!“
      Diesmal kam der tosendste Applaus aus einer anderen Richtung, wo ein junger Aardvark mit ein paar Waschbären zusammen an einem Tisch saß und rief: „Das ist mein Dad! Das ist mein Dad!“
      „Und zu guter Letzt bin ich stolz, Ihnen einen ganz besonderen Gast vorzustellen!“ fuhr Spenser fort und ging ein wenig zur Seite, um die hübsche Lady präsentieren zu können. „Die Stimme des Abends: Die bezaubernde Miss Apparitia!“
      Der Beifall brandete nun von allen Seiten auf, auch von den Tischen der Ghostbuster, die ihre erste Überraschung schnell verwunden hatten, nachdem die Geisterlady das Publikum mit ihrer Stimme in ihren Bann gezogen hatte.
      An einem der hinteren Tische erfolgte zunächst verhaltenes Klatschen, als wolle der Besitzer der Hände seine Begeisterung nicht zu offen kundtun. Doch schließlich konnte selbst der Dämonenfürst nicht mehr anders, stand auf und klatschte auslassend. Bratarat fiel deutlich irritiert, und eher zögerlich, in den Beifall mit ein, und eigentlich nur, um nicht den Zorn seines Meisters heraufzubeschwören; denn wenn er eines verstanden hatte, dann, daß er es heute Abend war, der im Fokus der Angriffslust des Dämonenfürsten stand.
      „Und nun, zum Abschluß des Abends…“ begann Spenser, schon ein wenig atemlos, weiter kam er aber auch nicht, denn plötzlich sprang Eddy auf und rannte zur Bühne herüber, sprang zur Überraschung von Jake in einer verblüffend sportlichen Leistung auf die Bühne und nahm den perplexen Altghostbuster das Mikrophon aus der Hand.
      „Bevor mein Dad etwas über den Abschluß des Abends sagen möchte, soll hier aber auch nicht unerwähnt bleiben, wem wir diesen wundervollen Abend verdanken! Es ist die Liebe meines Dads zu dem Saxophon, die Inspiration für diesen Gedenkabend gewesen ist. Also bitte ich um Applaus für den Initiator des Events und den großartigen Saxophonspieler Eddie Spenser Senior!“
      War noch eine Steigerung möglich, so entlud sie sich nun in einem erdbebenartigen Applaus, den Spenser so gerührt aufnahm, daß ihm die Worte fehlten. Glücklicherweise dauerte es aber ohnehin einen Augenblick, bis die Menge wieder zur Ruhe kam, so daß es nicht weiter auffiel.
      Eddy drückte seinem Vater mit einem Lächeln das Mikrophon wieder in die Hand und kehrte an seinen Tisch zurück.
      Spenser konnte kaum Tränen der Rührung vermeiden, verneigte sich vor dem Publikum, dann nahm er seinen Faden wieder auf. „Vielen Dank! So, nun wollen wir aber zum Abschluß noch ein paar Songs zum Besten geben und damit die Veranstaltung ausklingen lassen. Genießen Sie weiterhin den Abend, und kommen Sie anschließend gut heim!“
      Am Tisch der jungen Ghostbuster wurde ein kollektives Lächeln getauscht, dann rückte Tasha wieder näher an Eddy und schmiegte sich an ihn, um den Rest des Abends mit ihm zusammen zu genießen. „Weißt du was?“ sagte sie, als sie Spenser verträumt bei einem wundervollen Saxophonsolo auf der Bühne betrachtete. „Wenn ich dich nicht so lieben würde… dann würde ich deinen Dad heiraten!“

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Quellen: Wikipedia, verschiedene aktuelle Zeitungsberichte
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