Leseprobe: Im Tiefflug über die Milchstraße

von Chiron
LeseprobeAbenteuer / P16
06.11.2015
18.11.2015
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Ein großes Danke an Invisible Ink, dass ich mein Buch hier vorstellen darf. Erschienen ist es im  Sarturia Verlag, ISBN:978-3-940830-63-0 http://sarturia.com/buch-shop/index.php?kat=Science-Fiction  und ist bei Amazoon auch für's Kindle zu haben: https://www.amazon.de/dp/B00W31IVY6/?_encoding=UTF8&camp=1638&creative=6742&linkCode=ur2&site-redirect=de&tag=sarturia-21


Waren Sie schon einmal auf Eden? In diesem angeblichen Paradies, wo man alles haben kann, wenn man nur genug dafür zahlt?
  Vergessen Sie alles, was Sie über diese Welt zu wissen glaubten! Man hat Sie belogen. Tausende schwer bewaffnete Polizisten und noch mehr fliegende Spione machen aus Eden die Hölle! Und überall schwirren diese schwabbeligen Kraken umher, die mit ihren zwölf glitschigen Tentakeln jeden Verdächtigen sofort zu einem soliden Paket verschnüren können. Glauben Sie mir, diese Erfahrung macht man nur einmal, danach verlässt man freiwillig den Planeten!
  Wenn man kann. Wenn man das nötige Kleingeld aufbringt. Und genau darin bestand mein Problem: Ich besaß gerade noch genug Credits, um die nächsten drei Tage nicht zu verhungern, danach waren meine letzten Reserven endgültig aufgebraucht. Außerdem hatte mich so ein kleiner, blauhäutiger Silone schon zweimal ausgeraubt und mir so ziemlich alles abgenommen, was er brauchen hatte können. Zu meinem Glück reichte er mir nur knapp bis zur Hüfte und hatte daher keine Verwendung für meinen Overall. Wahrscheinlich wäre es auch aufgefallen, wenn ich mich plötzlich mitten auf der Straße splitternackt ausgezogen hätte. Nun ja, die Motegriner tragen auch nichts außer ihrer Ketten und Multifunktionsgürteln, aber ihnen ist wenigstens ein Fell gewachsen, und das macht schon einen erheblichen Unterschied.
  Ich marschierte also in düsteren Gedanken versunken den Boulevard entlang, als mich eine schweineschnäuzige Marsianerin anrempelte. Kaum zu glauben, dass diese Leute von Menschen abstammten! Angeblich waren ihre Vorfahren die ersten Siedler auf einem kleinen, unwirtlichen Wüstenplaneten mit magerer Atmosphäre und noch magereren Ressourcen gewesen, und man hatte ihnen daher große Lungen und einen siebförmigen Filter verpasst, den sie nun für alle Zeiten in ihren Gesichtern herumtrugen. Nicht gerade mein Fall, und ich wandte mich auch sofort ab.
  „Hallo Süßer“, näselte sie und hielt mich am Ärmel zurück.
  „Kein Geld“, knurrte ich und hoffte, damit hätte sich unser Kontakt erledigt.
  „Ich weiß“, antwortete sie jedoch und hakte sich bei mir unter. „Ich habe Arbeit für dich.“
  Auch wenn ihre Brust hauptsächlich durch die übergroßen Lungen geformt wurde, hatte sie etwas Obszönes an sich. Ich überlegte, welche Art von Beschäftigung sie mir bieten konnte, und alle Möglichkeiten, die mir dazu einfielen, wollten mir nicht gefallen. Ich versuchte daher, mich aus ihrem Griff zu befreien, doch sie erwies sich als anhänglicher als erwartet.
  „Kein Interesse“, keuchte ich, als sich ihr Rüssel wieder einmal meinem Handrücken, den bereits die Abdrücke ihrer Zähne zierten, näherte.
  „Idiot“, fauchte sie und sah sich argwöhnisch nach Kraken um. „Mein Kapitän heuert eine Mannschaft an!“
  Mein Widerstand erstarb so plötzlich, dass wir das Gleichgewicht verloren und gemeinsam auf dem glitzernden Pflaster des Stargazer-Boulevards landeten. „Warum hast du das nicht gleich gesagt?“
  „Was hast du denn gedacht?“, erkundigte sie sich stöhnend und winkte eine Erst-Hilfe-Drohne herbei, die pflichtschuldigst eine klebrige Schicht Kunsthaut über ihre abgeschürften Knie sprühte. „Willst du auch versorgt werden?“
  Ich schüttelte den Kopf. Mein Overall hatte sich wieder einmal bewährt, auch wenn mir manchmal das Kitzeln der vielen flinken Diebeshände in den unzähligen Taschen ziemlich auf den Nerv ging.
  „Ich bin angezogen“, rügte ich mit einem vorwurfsvollen Blick auf ihr wirklich recht enges Kleidchen.
  „Ein Unfall?“, erkundigte sich einer dieser kleinen Blechspione und kurvte um uns herum, während er Lichtblitze zur Retinaerkennung in unsere Augen schickte. Wahrscheinlich wurde unser Missgeschick nun bereits auf sämtlichen Überwachungsmonitoren von Eden angezeigt.
  „Nein. Nur menschliches Liebesspiel“, entgegnete die Marsianerin geistesgegenwärtig und ersparte uns damit ein peinliches Verhör.
  „Da es sich um Ihren ersten Verstoß gegen das Sittengesetz handelt, belege ich Sie mit einer Verwarnung“, schnurrte die gepanzerte Drohne. „Bei einer Wiederholung müssen Sie mit einer Haftstrafe von zwei Tagen und einer Geldbuße von zehn Credits rechnen.“ Sie umrundete uns noch einmal, legte eine halsbrecherische Kurve ein und verschwand im Gewühl der Menge. Na, großartig! Von wegen Eden!
  Ein aufdringliches Werbeholo baute sich vor uns auf und pries die Vorzüge von ochotischem Eintopf an – ein angeblich stark wirkendes Aphrodisiakum, das Kaltblüter so richtig auf Touren bringt, für Menschen jedoch völlig ungenießbar ist. Meine schweineschnäuzige Bekanntschaft marschierte gelassen hindurch, ich blieb jedoch unbeweglich stehen.
  „Was ist los?“, fragte die Marisanerin nach ein paar Schritten und drehte sich nach mir um. „Möchtest du kosten?“
  „Welches Schiff“, sagte ich langsam. „Welche Bedingungen, und was springt für mich dabei heraus?“
  Sie sah mich prüfend an und verzog ihren Rüssel. „Die Brauner Zwerg natürlich “, grinste sie.
  Dann ging die Welt unter.

  Ein gefühltes Jahrtausend später erwachte ich in einem dunklen Raum. Das schwache grüne Licht der Notbeleuchtung reichte nicht aus, um etwas zu erkennen, doch dem Geruch nach befand sich mindestens ein Ochoter in unmittelbarer Nähe.
  „Er isssst endlich aufffgewacht“, zischte eine Stimme und bestätigte meinen Verdacht. Normalerweise gingen sich Humanoide und Kaltblüter aus dem Weg, es war mir daher schleierhaft, was diese Echse von mir wollte. „Du hasssst zzzu viel Traumssssirup verwendet!“
  „Was hätte ich machen sollen? Er wollte nicht einmal zuhören!“ Also war mein marsianisches Schweinchen auch mit von der Partie. „Außerdem ist er schwer zu dosieren, wenn man sich damit die Zähne einreiben muss!“
  Ich nahm mir vor, die Gute umzubringen, sobald meine Kopfschmerzen erträglich geworden waren.
  „Nabor-1457, kannsssst du mich hören?“
  Niemand nannte mich nach meiner Chipnummer, daher stellte ich mich taub und unterdrückte den Würgereiz, den der Gestank eines Ochoters regelmäßig bei mir auslöste.
  Doch mein unterkühlter Gastgeber fackelte nicht lange, sondern versetzte mir einen unsanften Klaps gegen die Rippen. „Menssssch!“
  „Was willst du von mir?“, keuchte ich, als ich wieder Luft bekam. „Und sag nie wieder Nabor-1457 zu mir!“
  „Und wie darfff ich dich ansssssprechen?“
  Täuschte ich mich, oder hatte ich da einen Hauch Ironie verspürt? In meiner Lage eigentlich unbedeutend. „Nor“, antwortete ich und merkte erleichtert, dass sich Magen, Schädel und Lungen wieder zu einem Ganzen zusammenfügten. In einer Woche würde ich wieder gehen können. „Nor“, wiederholte ich, um meine Stimme zu prüfen. „Nor – für meine Freunde.“
  Mein angedeuteter Humor prallte wirkungslos am Schuppenpanzer der Echse ab. „Ich heisssse Gelamorich“, stellte sie sich vor, und auch mein Schweinchen ließ sich zu einem kurzen „Styx“ herab.
  Wie passend! Ein neunmalkluger Richter hatte mich einmal zu einem Schnellkurs in Mythologie verurteilt, eine angeblich ‚angemessene Strafe‘ für mein Vergehen, eine uralte, ohnehin aus winzigen Scherben zusammengesetzte Vase einem unfreundlichen Polizisten nachgeworfen zu haben. Styx – der Fluss an der Grenze zwischen den Lebenden und den Toten! Wahrscheinlich wusste nicht einmal das Schweinchen selbst, wie grandios sein Name gewählt worden war.
  „Und was wollt ihr von mir?“
  Das Leben bahnte sich einen Weg in meinen Körper zurück und ich stellte überrascht fest, dass man mich nicht gefesselt hatte. Ich bewegte vorsichtig Arme und Beine, um wieder Gefühl für mich selbst zu erlangen.
  „Wir brauchen deinen Ssschiffssssadapter.“
  Unwillkürlich befühlte ich meinen Nacken, wo eine handtellergroße Vorwölbung bewies, dass man mir so ein Gerät eingepflanzt und ich bereits einmal zur Besatzung eines Raumkreuzers gezählt hatte. Da niemand mit meiner Konsole allein etwas anfangen konnte, hieß das wohl, ich sollte wieder Dienst auf einem Schiff machen – also hatte Styx doch nicht gelogen. Nun gut, dann musste ich eben versuchen, das Beste aus meiner Situation zu machen.
  „Welche Arbeit, welche Bezahlung?“
  Ich musste vorsichtig sein. Bei meiner ersten Heuer hatte ich die Aufgabe gehabt, nur mit einem Lendenschurz bekleidet Getränke zu servieren. Dreihundert lange Lichtjahre weit! Sie können sich nicht vorstellen, wie man dabei friert! Und immer mit dem Schiff verbunden, sodass keine einzige Minute Privatsphäre blieb! Ich hatte mir danach geschworen, künftige Verträge genauer unter die Lupe zu nehmen.
  „Eine Dauerstellung, wenn du Kontakt zum Schiff bekommst“, sagte das Schweinemädchen kühl. „Dreihundert Credits pro Jahr oder eine Gewinnbeteiligung.“
  „Aber nur, wenn du esss schafffffsssst. Wir sssind nämlich Händler“, fügte die Echse an.
  Das klang nicht sehr vertrauenserweckend. Ich musste besonders vorsichtig sein. „Schriftliche Zusage?“
  „Selbstverständlich“, meldete sich jetzt Styx zu Wort. „Steck deinen Adapter endlich an!“
   Ich zögerte meine Überfahrt zu den Toten noch etwas hinaus, atmete tief ein und überlegte.
  „Wenn er passt, unterzeichnen wir sofort!“, drängte das marsianische Rüsselding.
  Unüblich, aber verständlich. Falls ich mich nicht abstimmen konnte, war ich als Besatzungsmitglied nutzlos. Wenn nur nicht diese höllische Finsternis geherrscht hätte!
  „Wie wäre es mit ein bisschen Beleuchtung? Man sieht ja seine eigene Hand kaum vor den Augen!“
  „Sssstromprobleme“, zischte die Echse und drückte mir den Stecker für den Funkadapter in die Hand. „Aktiviere das Sssschiff und mach essss hell!“
  Na traumhaft, dieses Schiff war ja der reinste Schrott! Da brauchte ich ja gar nicht erst versuchen, es zu fliegen! Denn dass sich meine Kenntnisse über Raumschiffe auf das Anbieten von Cocktails beschränkten, schien meinen beiden Gastgebern völlig entgangen zu sein. Nun gut, alles, was ich brauchte, war anständiges Licht für den Vertrag. Dreihundert Credits auf die Hand und alles Weitere würde sich später ergeben.
  Ich fummelte eine Weile an meinem Nacken herum, fluchte ein wenig und schürfte mir zu allem Überfluss noch ein Stück Haut ab. Endlich schaffte ich es, das Ding richtig zu halten, um Kontakt zu bekommen. Noch ein kleiner Ruck - und eine disharmonische Kakophonie aus sämtlichen falsch gebrüllten Liedern der Galaxis überschwemmte mich wie ein Sonnensturm.
  „Die ‚Brauner Zwerg‘ ist nämlich wahnsinnig“, schrie mir das Schweinemädchen hämisch in mein linkes Ohr, bevor ich von einem wilden Strudel in bodenlose Tiefen gezogen wurde.
  Wider Erwarten erwies ich mich sogar für die Hölle als unverdaulich, und obwohl das Schiff mein Gehirn fest in seinem Griff hielt, wurde ich auch nicht verrückt. Ich versuchte, den unbeschreiblich hässlichen Tönen irgendwie zu entkommen, doch im eigenen Kopf ist es ziemlich schwer, sich zu verstecken. Gerade, als ich wieder um eine meiner Hirnwindungen kurvte, trat mir ein hünenhafter, grellbunt gekleideter junger Mann mit einem unförmigen schwarzen Gerät auf den Schultern entgegen, aus dem die wirre Musik ertönte. Ein Barbar. Oder etwas noch schlimmeres.
  „Was tust du denn hier?“, fragte er erstaunt und mit einem Mal schwächten sich die Geräusche zu einem leisen Hintergrundraunen ab.
  Eine gute Frage. Wieso lief ich wirklich durch mein eigenes Gehirn, als wäre eine Horde Raubsaurier auf meinen Fersen? Hatte ich nicht gerade in einem finsteren Raum gelegen und mir einen Schiffsadapter in den Nacken gebohrt?
  „Keine Ahnung“, murmelte ich, noch immer halb betäubt vom vorhergehenden infernalischen Getöse. „Eigentlich sollte ich mit der ‚Brauner Zwerg‘ Kontakt aufnehmen.“
  Mein Gegenüber reagierte überrascht. Vorsichtig stellte er den nur noch verdrießlich vor sich hin jaulenden Kasten ab und musterte mich von oben bis unten. „Sag bloß, du hast dir den Adapter angesteckt!“ Seine braungebrannten Züge wandelten sich von Erstaunen zu einem breiten Grinsen. „Du bist entweder ein sagenhaft guter Pilot oder vollkommen übergeschnappt! Hast du denn nicht gesehen, dass das ganze Schiff auf Störung läuft?“
  Also deshalb die Dunkelheit. Ich schickte einen herzhaften Fluch gen Himmel, wünschte dem Schweinemädchen alle erdenklichen und kaum vorstellbaren Krankheiten an Hals, Herz und sonstigen Organe – und dem Ochoter mangels anatomischer Kenntnisse einen baldigen Tod.
  „Du hast es überhaupt nicht gemerkt“, stellte mein seltsamer Freund trocken fest.
  „Nein“, knurrte ich gereizt. „Es war immerhin stockfinster!“
  Das Grinsen meines Gegenübers teilte beinahe seinen Kopf in zwei Hälften. „Dann willkommen in meinem Irrenhaus!“ Er streckte mir die Hand hin. „Du darfst mich Zwerg nennen!“
  „Der Zwerg?“, fragte ich und kam mir dabei ziemlich dämlich vor. „Du bist das Schiff?“
  An Bord des Kreuzfahrtschiffes war ich nie in derartigen Kontakt geraten. Zwar hatte ich Befehle empfangen und ständig das Wispern und Raunen der Elektronik im Kopf verspürt, doch Halluzinationen in diesem Ausmaß waren mir nie untergekommen.
  „Klar!“ Zwerg gab mir einen freundschaftlichen Schlag auf die Schulter, der mir das Wasser aus den Augen trieb. „Weißt du“, jetzt wurde er wieder ernst, „mein vorheriger Pilot hatte zu lange als Asteroidenschürfer gearbeitet und sich die Strahlenkrankheit eingefangen.“ Nun schien er tatsächlich traurig zu werden. „Er wollte unbedingt weiterleben und sein Bewusstsein in seinem Raumschiff speichern.“
  „Und?“, fragte ich argwöhnisch, obwohl ich schon ahnte, was kommen würde.
  Zwerg schüttelte den Kopf und tatsächlich bahnte sich eine Träne ihre feuchte Spur über seine Wange. „Er hat es leider nicht geschafft. Im Gegenteil, ich war es, der eine eigene Persönlichkeit entwickelt hat.“ Er zwinkerte mir vertraulich zu. „Allerdings mit ein paar von seinen liebenswerten Eigenheiten…“ Nun strahlte er wieder. „Ich mag dich!“, verkündete er.
  Ich schluckte. Diese Stimmungsschwankungen waren gewöhnungsbedürftig, wenn ich auch über das Wohlwollen des Schiffes nicht ungehalten war. Immerhin hätte es mich auch verprügeln können – mit diesem ganz unzwergenhaften Körper sicher kein Kunststück in einer virtuellen Welt.
  „Hast du Erfahrung mit der manuellen Steuerung?“, erkundigte sich  Zwerg erwartungsvoll.
  Ich fühlte, wie Hitze in meine Wangen aufstieg.
  „Nnicht wirklich ...“
  „Nur automatisch geflogen, was?“
  Mein Gesicht brannte. Wahrscheinlich leuchtete mein Kopf rot und hell wie eine Warnleuchte.
  Nnicht wirklich ...“
  Zwerg starrte mich verwundert an. „Wofür, zum Teufel, hast du überhaupt deinen Adapter?“
  Ich senkte den Kopf. Irgendwann hatte es ja so kommen müssen. „Ich habe auf einem Kreuzfahrtschiff Getränke serviert“, flüsterte ich.
  Schallendes Gelächter brüllte mir entgegen. Zwerg schlug sich mit der flachen Hand auf den Schenkel, dass es nur so klatschte, und wieherte, bis ihm die Luft ausging. Endlich kam er wieder zu Atem. „Wir werden ein super Team!“, verkündete er euphorisch. „Du steuerst einfach nach meinen Anweisungen, und wir stellen das Weltall auf den Kopf!“ Er wurde vertraulich: „Und wenn du willst, holen wir dir sogar ein paar Mädchen an Bord!“
  Mit einem Mal fielen mir die schweineschnäuzige Marsianerin und der Ochoter wieder ein.  „Aber …“, begann ich und stockte, da es mir sehr seltsam vorgekommen wäre, wenn die Schiffselektronik auf die beiden vergessen haben sollte.
  Zwerg nickte. „Du denkst an die Frau und die Echse!“
  „M-hm. Ja.“
  Er sah mich von der Seite her an. „Du bist mir einen Gefallen schuldig.“
  „Und der wäre….?“ Helles Licht blendete meine Augen und der stechende Geruch des Ochoters brachte mich zum Würgen. Verdammt! Das Schiff war tatsächlich wahnsinnig!
  „Er hat es geschafft!“, erklang die überraschte Stimme der Marsianerin.
  „Erssstaunlich!“ Diesmal konnte ich die Echse sehen und meine Antipathie steigerte sich um drei Zehnerpotenzen.
  „Vielleicht ist er ja genauso übergeschnappt wie das Schiff!“
  Ich übergab mich.
  „Eine ekelerregende Sssspezzziess!“
  Da sich mein Magen noch immer zusammenkrampfte, unterließ ich eine Richtigstellung.
  „Widerlich“, stimmte Styx zu und katapultierte sich damit an die Spitze der Liste meiner Lieblingsfeinde.
  Ein gellendes Kreischen übertönte jede weitere Überlegung. Im ersten Augenblick dachte ich an Zwerg und sein brüllendes Kakophon, doch da schwirrten bereits die ersten Drohnen in den Steuerraum herein.
  „Verhalten Sie sich ruhig und bewegen Sie sich nicht!“, befahlen sie in blechernem Chor und heulten dabei, als wären sie aus der tiefsten Hölle ausgebrochen.
  Die Echse, das Schweinchen und ich froren ein. Nicht einmal die Rüsselnase zuckte mehr, nur der Ochoter verbreitete weiter seinen bestialischen Gestank.
  „Verhalten Sie sich ruhig ….“
  Eine unnötige Aufforderung, wenn man direkt in helle, flimmernde Waffenmündungen blickt. Ich spürte, wie mein Magen sich wieder regte und begann zu schwitzen.
  Die Sirenen ebbten ab und bleierne Stille machte sich breit. Ich zählte in Gedanken bis zehn und stellte erfreut fest, dass sich meine Eingeweide unter Kontrolle halten ließen. In Gedanken überflog ich meine Aktivitäten der letzten Tage und fragte mich, wo ich so unvorsichtig gewesen sein könnte, unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Oder hatte mich am Ende dieser schlitzohrige Fisch aus dem Aldebaran-Sektor verraten? Dabei hatte er gar kein so übles Geschäft mit mir gemacht ….
  Ein Polizeikrake schwebte herein und unterbrach meine Überlegungen.
  „Sie sind verhaftet“, schwabbelte er und umfing mit je sechs seiner Tentakel das Schweinemädchen und die Echse. Mit ihrem übergroßen Auge stierte er die beiden streng an. „Sie werden wegen Entführung, Freiheitsberaubung und Nötigung unter Arrest gestellt.“
  Dann wendete er seinen qualligen Körper zu mir, brabbelte ein undeutliches  „Entschuldigen Sie die Verspätung!“ und verließ, das Schweinchen und die Echse im Schlepptau, den Raum, gefolgt von seiner Horde Drohnen.
  Ich fiel in ein tiefes, kreischendes Loch, an dessen Ende mich Zwerg mit seinem unförmigen Krawallkasten erwartete.
  „Wie habe ich das gemacht?“, schrie er, um den Lärm zu übertönen.
  Ich hielt mir die Ohren zu. „Ein elektronischer Hilferuf?“ brüllte ich zurück.
  Er nickte stolz und drosselte die Lautstärke.  „Ich habe jetzt etwas gut bei dir!“
  Ich seufzte. „Nichts Gefährliches, Schmerzhaftes oder Unanständiges!“
  Zwerg wurde ernst. „Nein“, flüsterte er verschwörerisch und beugte sich zu mir. „Ich möchte lernen zu träumen!“