Hold my Hand

von Hannah19
GeschichteAllgemein / P12
Niccolo Spini Nugua
06.11.2015
06.11.2015
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Es musste kurz vor Mitternacht sein, der Mond war ein großes Stück über den Himmel gewandert, seit sie sich zur Rast gelegt hatten. Nugua war dran die Wache zu übernehmen. Aufrecht saß sie auf dem weichen Waldboden und blickte in die Sterne. Unendlich viele Gedanken strömten durch ihren Kopf.
Die anderen schliefen, Nugua konnte Niccolos leises Atmen neben sich hören. Schlief er wirklich oder tat er nur so?

Er lag neben ihr unter der Decke, sie hatte ihm weißgemacht, sie wüsste nicht, warum sie das nicht tun sollten. Beim heiligen Drachengott, er war einfach viel zu leichtgläubig. Nugua lebte seit acht Monaten ab und zu unter Menschen. Sie hatte mitbekommen, dass manche sich mehr mochten als andere, und das war auch bei ihr der Fall, sie mochte Niccolo mehr, als ihr lieb war. Liebe. Sie hatte sie nicht gekannt, unter Drachen gab es keine Liebe. Zuneigung und Freundschaft ja, aber keine Liebe.
Sie brachte auch nur Probleme, oder? Der Junge, der friedlich neben ihr schlief, war der Grund für all ihre Gedanken. Alle Schmerzen, die sie seinetwegen erlitten hatte, ohne das er etwas dafür konnte. Und trotzdem hätte sie sich nicht in tausend Jahren von seinem Anblick gelöst. Seine schwarzen Haare waren durcheinander, vollkommen verfilzt, und Dreck klebte ihm über der linken Augenbraue. Aber sein entspannter, gelöster Gesichtsausdruck ließ ein Lächeln über ihr Gesicht gleiten.
Da schlug Niccolo seine Augen auf, seine goldenen Drachenaugen und Nugua erschrak ein wenig.
„Ich kann nicht schlafen...“, sagte er leise, verwundert über die Tiefe, die in ihrem Blick lag. Schnell sah Nugua zur Seite.
„Woran denkst du?“, fragte sie. Nicht, dass es Nugua interessiert hätte.
„Ich... ich weiß nicht...“, sagte er, verwirrt durch die Frage und unfähig die Wahrheit zu sagen.
„Du denkst an Mondkind“, stellte das Mädchen leise fest, traf ins Schwarze.
Schweigen. Nugua verstand nicht warum, aber es verletzte sie, ein unangenehmes Gefühl machte sich in ihrem Magen breit. War es etwa Eifersucht?
Niccolo sah hinüber zu Feiquing und Li, beide schliefen tief und fest. Der Wald rauschte leise, im Unterholz knackte es.
„Liebst du sie?“, ein winziger Hoffnungsschimmer glomm in ihr auf. Er könnte noch „Nein.“ sagen. Dann wäre alles gut. Aber tief im Innern kannte sie die Antwort bereits.
„Ja“, seufzte Niccolo. Nugua zuckte kurz zusammen. Was sollte sie sagen? Das, was sie sich selbst einzureden versuchte?
„Nein. Du... du liebst sie nicht wirklich. Sie hat dich nur verzaubert, du stehst unter ihrem Bann“, erklärte sie, obgleich sie sich ihrer Worte nicht sicher war, „Ich weiß nicht, was sie mit dir gemacht hat, aber...“ Weiter kam sie nicht, obwohl sie sich alles schon so wunderbar zurecht gelegt hatte. Niccolo unterbrach sie schroff.
„Hör doch endlich auf damit! Warum kannst du nicht einsehen, dass ich sie liebe? Das es mir egal ist, wer sie ist und was sie getan hat...?“, auf einmal war Niccolo wütend geworden. Immerzu musste sich Nugua in die Sache mit Mondkind einmischen! Warum eigentlich?
„Und woher willst du überhaupt wissen, was Liebe ist? Du bist doch eine Drache, oder etwa nicht?“, dieser Satz von Niccolo hatte gesessen. Nugua sah zu Boden um ihr Gesicht vor ihm zu verbergen, obwohl die Dunkelheit sowieso alles versteckte. Auch die Tränen, die in Nuguas Augen standen. Niccolo schämte sich für seine Worte. Unbewusst hatte er sich hingesetzt und versuchte Nugua in die Augen zu sehen. Er musste wissen, warum sie so plötzlich schwieg. Wie immer wich sie dem Blick seiner Drachenaugen aus.
Er hatte sie mehr verletzt, als sie zugeben wollte. Er liebte Mondkind. So war es nun mal und sie konnte es nicht ändern.

„Weißt du, ich...“, ihre Stimme hatte brüchig geklungen, aber sie hatte sich schnell wieder im Griff, „Ich war auch schon mal verliebt. Und ich bin vielleicht ein Drache, aber warum kann ich nicht mehrere Dinge gleichzeitig sein? Ich bin doch trotzdem ein Mensch, oder? Und mein Drachenherz, ach, das macht doch sowieso was es will.“ Sie schniefte leise, wischte ihre Tränen aus den Augenwinkeln. Niccolo wusste wovon sie sprach. Für einen kurzen Moment sah sie auf, direkt in seine Augen. Wie flüssiges Gold schimmerten sie im Mondlicht. Er schien ihr bis in die Seele zu blicken. Und doch war es für ihn nur ein Augenblick, in dem sie ihm ihre wahren Gefühle zeigte. Ein magischer Augenblick zwar, ein Augenblick voller Freundschaft und Wahrheit, aber nicht mehr.
Weil Niccolo nicht wusste, was er sagen sollte, nahm er sie in den Arm. Sie lehnte sich an ihn und seufzte.
„Tut mir Leid“, murmelte er. Sie so traurig und unglaublich verletzbar zu sehen, bereitete ihm beinahe Unbehagen. Er wollte nicht wissen, in wen sich einmal verliebt hatte. Oder noch verliebt war. Er konnte es verdrängen.
In seiner Umarmung fühlte sich Nugua wohl, auf eine seltsame Weise. Als sie daran dachte, dass er niemals ihr gehören konnte, schlich sich noch eine Träne aus ihrem rechten Augenwinkel. Und noch eine. Er würde sie niemals so lieben, wie sie ihn liebte. Nugua sehnte sich nach seiner Nähe. Ihm kam es seltsam vor, ihr so nah zu sein.

Und obwohl sie wussten, dass es eigentlich falsch war, blieben sie so sitzen, eng umschlungen auf dem weichen Waldboden, umwickelt von der wärmenden Drachenhaut, bis Nugua ihre Tränen getrocknet hatte, und noch viel länger.


Hey, hat es euch gefallen? Hab mir sehr viel Mühe gegeben mit meinem ersten OS über die Wolkenvolktriologie, deswegen würde ich mich sehr über ein Review freuen :)
Daankeschön im Voraus!

lg Hannah
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