Graw Glawar – in eine fremde Welt gefallen

GeschichteFantasy, Übernatürlich / P12
05.11.2015
02.02.2016
3
11038
 
Alle
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
Sämtliche Namen von realen (anderen) Personen wurden umgeändert. Lediglich den Pferdenamen hab ich nicht übers Herz gebracht zu ändern.
Außerdem hoffe ich, dass ich Serie und Buch nicht zu sehr vermische, Serie ist schon lange her, als ich gesehen hab und das erste Buch zwar noch nicht ganz so lange, aber trotzdem schon ne halbe Ewigkeit ;)
Die Story gliedert sich aus Umfanggründen in mehrere Teile, nur der erste ist der Beitrag zum Wettbewerb, die anderen Kapitel rein Ergänzung zur Geschichte

Beitrag zum LotS-Wettbewerb http://forum.fanfiktion.de/t/33307/1
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Ich eilte zum Reitstall. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich wohl die Letzte sein werde. Ich hatte mich mit Ben und Katja zu einem Ausritt verabredet. Wir wollten rechtzeitig zur Sonnenfinsternis auf der Anhöhe nahe dem Stall sein, um eine gute Sicht auf das Geschehen zu haben.
Beim Stall angekommen wurde ich herzlich von meinen Freunden begrüßt. Schnell holten wir unsere vierbeinigen Freunde aus dem Laufstall. Seit knapp einem Monat ritt ich nun schon Smoky. Einen schwarzen Wallach mit einem weißen Stirnfleck. Auch wenn er eigen und oftmals stur war, hatte ich mich ab der ersten Minute in das elegante Vollblut verliebt.
Ich striegelte das Pferd, das ich liebevoll Spatz oder auch Spatzl nannte. Ich kratzte die Hufe aus, holte Sattel und Trense und kaum eine Viertelstunde später ritten wir auch schon zur Hofeinfahrt hinaus.
Ben voraus. Früher war ich immer vorausgeritten, als ich noch Leander, einen Friesenmix, geritten hatte. Doch mit Smoky klappte das nicht mehr, immer wenn ich an erster Stelle war, breitete sich Panik in dem Pferd aus. Also übernahm Ben die Führung und ich setzte mich ins Mittelfeld ab.
Ich redete mit Katja über den letzten Ausritt, die anstehende Geburtstagsfeier, eigentlich über alles Mögliche. Wir trabten einen Feldweg entlang, überquerten die Teerstraße. Nur noch eine kurze Galoppstrecke trennte uns von dem Aufstieg zur kleinen Anhöhe. Kaum jemand kam dort hinauf. Wir hatten lange einen Weg gesucht, der nicht zugewachsen war.
Vor wenigen Wochen hatten wir ihn dann entdeckt und uns zur Sonnenfinsternis dort verabredet. Oben ist man vor Blicken von unten dank der Bäume gut geschützt, von der Anhöhe aus konnte man jedoch gut in die Ferne blicken, da am oberen Rand die Bäume sehr rar wurden.
Der Wind wehte durch meine Haare als wir das letzte Stück galoppierten. Ich fühlte mich so frei. Schließlich machten wir uns an den Aufstieg zur Anhöhe. Vorsichtig suchten die Tiere den sichersten Weg hinauf, machten jeden Schritt mit Bedacht.
Als wir oben angekommen waren holten wir die Schutzbrillen raus, immerhin wollten wir ja auch von der Sonnenfinsternis etwas sehen können. Um uns rum wurde es ganz still, nur wenige Vögel konnte man pfeifen hören.
Ich blickte gen Himmel, die Sonnenfinsternis fing gerade an. Ich rückte die Schutzbrille zurecht und beobachtete das Spektakel. Die Sonnenfinsternis erreichte gerade den Höhepunkt, als plötzlich ein Reh aus dem Gebüsch hüpfte. Smoky erschrak, sprang zur Seite, ich konnte mich nicht halten und fiel. Alles um mich rum verschwamm und Finsternis kehrte ein.

„Wach auf.“, hörte ich schließlich eine Stimme. Langsam nahm ich die Geschehnisse um mich rum wieder wahr. Ich ärgerte mich, dass ich so unaufmerksam auf dem Pferd gesessen war. Ich öffnete die Augen, hielt mir aber sofort die Hand davor, da die Sonne blendete.
Wie lang war ich wohl bewusstlos? Hatte ich etwa die halbe Sonnenfinsternis nicht mitbekommen, nur weil ich vom Pferd gefallen war?
„Geht’s dir gut?“, fragte nun eine andere Stimme. Ich schnaufte einmal übertrieben aus. „Ihr wisst doch, Unkraut vergeht nicht!“ grinste ich den Stimmen entgegen.
Ich hatte mit vielen möglichen Reaktionen gerechnet, doch dass gar keine kam, machte mich stutzig. Ich gab mir einen Ruck, setzte mich auf und sah meinen Begleitern ins Gesicht. Als ich sie erblickte, lief es mir eiskalt den Rücken hinunter.
Als hätte man mir einen Eimer kalten Wassers übergeschüttet, war ich plötzlich hellwach. „Wer seid ihr?“, ich blickte mich um, meine ganze Umgebung hatte sich verändert. Ich geriet in Panik, was war hier los?
Die zwei, eine junge dunkelhaarige Frau und ein alter grauhaariger Mann, blickten sich verdutzt an. „Aber Richard, wir sind’s doch, Kahlan und Zedd.“, redete die Frau auf mich ein, doch die Worte drangen nur wie durch einen dichten Nebel an mich ran.
Wie hatte sie mich gerade genannt? Wer sind Kahlan und Zedd? Sollte ich sie etwa kennen? Ich fasste mich an den Kopf, versuchte meine Gedanken zu sortieren.
Die Schwarzhaarige kniete sich vor mir nieder, packte mich liebevoll an den Handgelenken. „Geht es dir nicht gut? Was ist los?“, fragte sie. Ich riss meine Hände zurück. Ich kannte die Frau doch gar nicht, wieso berührte sie mich so vertraut?
Kahlan blickte mich verwirrt an. „Aber Richard…“
Wieso zum Teufel nannte sie mich Richard, als ob ich mit meinen blonden langen Haaren wie ein Mann aussehen würde. Meine Füße fühlten sich wie Wackelpudding an, als ich aufstand. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich andere Klamotten anhatte und zu meinem Erstaunen hing sogar ein Schwert an meinem Gürtel.
„Was zur Hölle ist hier los?“ murmelte ich, begutachtete aber dennoch das Schwert, immerhin war ich doch ein Mittelalterfan und Schwerter interessierten mich. Vorsichtig zog ich es aus der Scheide, begutachtete die Klinge. Obwohl es eine beachtliche Länge hatte, lag es doch gut in der Hand.
Ich blickte von dem Schwert hoch in die zwei fremden Gesichter. Wieso war ich nur hier, wieso war ich von Smoky gestürzt? Wieso waren die beiden Fremden hier, was hatten sie mit Ben und Katja gemacht? Wut stieg in mir auf, ich spürte, wie sich meine Gesichtszüge veränderten, spürte, wie mich der Zorn packte und ich mit dem Gedanken spielte, die Beiden anzugreifen. Ich sah es bereits vor meinem geistigen Auge.
Erschrocken lies ich das Schwert fallen. Was war nur mit mir los? Ich machte ein paar Schritte zurück, blickte verzweifelt um mich. Ich stolperte über meine eigenen Füße und landete im Matsch. Auf allen Vieren kroch ich zum nahen Wasser, wollte mich mit ein paar handvoll vom kühlen Nass erfrischen. Die Hoffnung, dass alles nur ein Traum war, gab ich nicht auf.
Ich streckte meine Hände in das Wasser, wollte mir gerade eine Ladung davon ins Gesicht spritzen, als ich mein Spiegelbild im Wasser erkannte und inne hielt. Vorsichtig tastete ich mein Gesicht ab, konnte kaum glauben, dass ich das war.
Ich war nicht mehr ich selbst. Jetzt ergab alles langsam Sinn. Die kurzen braunen Haare und der Dreitagesbart, ich sah wirklich aus wie ein Mann. Mein Blick wandert vorsichtig an dem ungewohnten Körper hinunter. Ein muskulöser Oberkörper ohne Oberweite, verdammt ich war wirklich ein Mann.
Meine Gedanken überschlugen sich, ich brauchte Antworten. Ich blickte zu den beiden Fremden, die bis jetzt schweigend das Spektakel beobachtet hatten.
„Ok Leute. Was ist hier los, wer seid ihr, wo sind wir und vor allem, wieso bin ich ein Mann?“ Ich wollte noch viel mehr fragen, doch ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte.
Diesmal ergriff der Mann das Wort, während die Frau mich musterte.
„Richard, wir waren gerade auf dem Weg nach Kernland zu deinem Bruder, als sich die Sonne verfinsterte. Du bist vom Pferd gefallen und hast dir scheinbar den Kopf gestoßen. Kannst du dich wirklich nicht erinnern?“
Auf den Weg nach Kernland? Wir sind doch zur Anhöhe geritten und ein Kernland kenne ich auch nicht. Kahlan, Richard, Zedd, Kernland. Ich hatte noch nie etwas zuvor von diesen Sachen gehört. Ich schüttelte den Kopf, wusste nicht mehr weiter, das Chaos in meinen Gedanken war perfekt.
War ich etwa so schwer gestürzt, dass ich nun in einem Traum gefangen war, oder war das gar der Himmel? Ich wusste nicht, was ich denken sollte.
Kahlan blickte mich besorgt an. „Geht es dir nicht gut? Was ist los mit dir?“ Ich schluckte schwer, was sollte ich tun? Ihr sagen, dass ich gar nicht Richard sei? Ich kann mich ja wohl kaum als ihren Begleiter ausgeben, sie würde es wohl ziemlich schnell bemerken, dass etwas nicht stimmte.
Ich blickte auf meine Hände oder besser gesagt Richards starke Hände. Ich atmete tief ein und entschied mich schließlich alles zu erzählen, ohne ihnen in die Gesichter zu blicken, denn das konnte ich nicht.
„Ich weiß nicht, was hier passiert ist. Ich bin nicht Richard. Ich heiße Franzi und ich war gerade mit zwei Freunden ausreiten und die Sonnenfinsternis beobachten, als ich vom Pferd stürzte. Das Nächste was ich weiß ist, dass ich hier aufgewacht bin und scheinbar nicht mehr in meinem eigenen Körper steckte.“
Vorsichtig hob ich meinen Kopf und blickte in die beiden Gesichter. Kahlan wirkte unschlüssig, was sie von meiner Erzählung halten sollte, Zedd hingegen wirkte nachdenklich. Glaubten sie mir etwa die Geschichte, die mir so unwirklich vorkam? Ich hatte damit gerechnet, dass ich jeden Moment ausgelacht werden würde oder sie mich für Irre hielten. Doch nichts von beidem geschah.
„Ist das denn möglich?“ wollte Kahlan von Zedd wissen. „Oder hat sich Richard vielleicht nur am Kopf verletzt?“
„Glaub mir, wäre ich nicht im Körper eines Anderen würde ich das auch denken. Entweder das alles hier ist nur ein großer Traum und ihr seid nicht real, oder irgendetwas ist gerade gehörig schief gelaufen und ich bin in einer völlig fremden Welt gelandet.“, entgegnete ich.
Zedd legte seinen Kopf schief. Er murmelte: „Graw Glawar“. Kahlan und ich blickten ihn fragend an.
„Graw Glawar könnte dahinterstecken. Es ist ein alter, schon fast in Vergessenheit geratener Zauber. Er beruht darauf, dass viele Welten zur selben Zeit existieren. Es heißt, dass am Tag, der zur Nacht wird, zwei Seelen weltenübergreifend vertauscht werden können. Nur ein Zauberer der ersten oder zweiten Ordnung kann den Seelentausch heraufbeschwören.“
Zedd lies die Worte kurz sacken, blickte zuerst mich, dann Kahlan an. Die Frau schien den Ernst der Lage bereits erkannt zu haben. Ich hingegen blickte verdutzt Zedd an.
„Zauberer?“ Ich dachte mich verhört zu haben. Als ob es Magie wirklich gab. Diese Leute verspotten mich doch!
Zedd blickte mich einen Moment lang an. „Ja Zauberer. Sie existieren hier in dieser Welt, selbst in den kleinsten Dingen herrscht Magie.“ Zedd verzog das Gesicht und wandte sich mehr an Kahlan, als an mich: „Möglicherweise hat Giller im Auftrag Darken Rahls den Zauber beschworen. Ich bin mir nicht sicher, ob man den Zauber rückgängig machen kann“
Ich blickte Zedd mit offenem Mund an. „Soll das heißen, ich sitz in diesem Körper hier fest und es ist ungewiss, ob ich jemals wieder in meinen eigenen zurückkomme?“ Das konnte doch nur ein Scherz sein, ein schlechter Traum.
Kahlan schüttelte den Kopf. „Selbst wenn der Zauber gebrochen werden kann, bis wir das geschafft haben, könnte womöglich Darken Rahl bereits alle drei Kästchen der Ordnung gesammelt und zusammengesetzt haben!“
„Und dann bleibt Franzi auf Ewig in Richards Körper. Ich bezweifle, dass Darken Rahl den Zauber wieder rückgängig machen lässt, wenn er einmal die Weltherrschaft hat.“, ergänzte Zedd Kahlans Worte.
Na toll, nun bin ich nicht nur im Körper eines Fremden, sondern muss womöglich noch mein ganzes restliche Leben so verbringen. „Und ihr wisst wirklich keinen Weg mich sofort wieder in meinen Körper zu schicken?“ Meine Stimme klang verzweifelter, als von mir beabsichtigt.
Eine gefühlte Ewigkeit lang war Stille. Ich sank in die Hocke, hielt meinen Kopf fest. Na toll, ich war hier in einer anderen Welt gefangen, musste das Leben eines vollkommen Anderen führen und möglicherweise sogar hier sterben.
Ich wollte zurück, zu meinen Freunden, wollte wieder mein eigenes Leben. Erst jetzt merkte ich, wie sehr ich daran hing.
Zedd schüttelte den Kopf, Kahlan nahm mich fürsorglich in den Arm. „Ich wünschte, es gäbe einen Weg, doch ich wüsste nicht wie. Ich kenne auch den Zauber zu wenig, um eine Diagnose abgeben zu können, wann du zurück kannst. Wenn wir Pech haben, können wir erst zur nächsten Sonnenfinsternis den Zauber brechen.“
Zedds Worte trafen mich hart. Dennoch baute sich wieder ein kleiner Funken Hoffnung in mir auf. Ich wusste zwar nicht, wann die nächste Sonnenfinsternis war, aber sie würde kommen und ich könnte dann vielleicht zurück in meine Welt. Ich klammerte mich so fest wie möglich an den einen Funken.
„Was können wir tun, um herauszufinden, wie wir den Zauber rückgängig machen können?“, wollte ich wissen.
Kahlan lies mich los und blickte zu Zedd. „Ohne Richards Seele und ohne sein Wissen können wir Darken Rahl nicht aufhalten. Wir müssen schnell handeln.“ Zedd blickte von Kahlan zu mir und wieder zurück. Er wirkte nachdenklich.
Schließlich hob er das fallengelassene Schwert auf, hielt es in seiner Hand und begutachtete die Klinge. Schließlich wandte er sich an mich: „Das hier ist das Schwert der Wahrheit. Es gehört Richard, dem wahren Sucher. Da du nun in Richards Körper steckst, gehört es dir.“ Er machte eine lange Pause, während meine Augen gebannt auf das Schwert blickten.
„Es ist mit Magie durchtränkt. Es verstärkt deinen Zorn. Lass dich nicht vom Zorn leiten, sondern denke klar, wenn du es ziehst.“ Der Zauberer blickte mich an. „Vielleicht lässt du es einfach am Besten in der Scheide stecken und benutzt einen Dolch um dich zu verteidigen.“
„Mich verteidigen?“ Ich hatte mich noch nie verteidigen müssen und außer im Schützenverein hatte ich noch nie mit Waffen zu tun und ich bezweifle, dass es in dieser Realität eine Pistole oder ein Gewehr für mich gab.
Kahlan durchbohrte mich mit ihrem Blick. „Ja dich verteidigen. Darken Rahl setzt alles daran, dich zu töten und er hat viele Anhänger.“ Ich schluckte schwer. Langsam gefiel mir das hier ganz und gar nicht mehr.
„Und was ist jetzt euer Plan? Ich zieh als Richard durch diese Welt, bemühe mich, mich nicht töten zu lassen. Und dann?“ Ich musste einfach das Beste aus der Situation machen, auch wenn sie mir Angst machte.
Zedd überlegte kurz, hatte aber trotzdem schnell eine Antwort parat. „Ihr reitet weiter nach Westland, dort solltet ihr in Sicherheit sein. Ich bringe derweil alles Wichtige über den Zauber in Erfahrung und komme dann nach.“
Das hörte sich vernünftig an, vor allem, dass ich dort in Sicherheit sein sollte. Umso weniger ich in Gefahr geriet, umso eher konnte ich heil in meine gewohnte Umgebung zurückkehren.
Kahlan half mir auf die Beine, ich steckte das Schwert, das mir Zedd reichte, in die Scheide und wir verabschiedeten uns. Kahlan begleitete mich zu meinem Pferd, einen braunen Wallach. Wir stiegen auf und machten uns auf den Weg nach Kernland. Ich ritt Kahlan hinterher, immerhin kannte ich den Weg nicht, doch die Landschaft hier war bemerkenswert.
Die Bäume ragten majestätisch in den Himmel, die Wiesen wirkten so unberührt. Selten nur kamen uns Menschen unter und von Teerstraßen und großen Städten war weit und breit nichts zu sehen.
Im Großen und Ganzen hätte ich mich in die Landschaft wirklich verlieben können, wäre ich nicht in Sorge, dass mich jeden Moment jemand töten wollen würde. Wir ritten ein paar Tage lang, schliefen unter Bäumen, welche Kahlan „Launenfichten“ nannte. Sie schützten uns durch ihre niedrigen Äste vor den Blicken Anderer. Solche Bäume hatte ich noch nie gesehen, doch sie waren wirklich praktisch. Nur dass ich ein Mann war, an das konnte ich mich nicht gewöhnen. Ich wollte meinen eigenen Körper wieder zurück.
Während wir tagsüber unterwegs waren erzählte mir Kahlan viel von dieser Welt. Dass sie eine Konfessor sei und ihr Auftrag es ist, Richard zu schützen. Dass sich die Welt in drei große Länder unterteilte – Westland, Midlands und D’Hara – und dass sich ein Herrscher namens Darken Rahl alle Leute zu seinen Sklaven machen möchte.
Und Richard laut einer Prophezeiung der Sucher war und seine Aufgabe darin bestand, Darken Rahl aufzuhalten. Sie erzählte mir so viel, doch ich konnte mir nur ein paar Fakten wirklich merken.
Wir waren schon den vierten Tag unterwegs, als wir schließlich in Westland angelangt waren. Von hier aus sollte es nur noch ein Zweitagesritt sein, bis wir Kernland erreichten. Wir machten gerade an einem Fluss halt, als mir Kahlan von Richards Bruder Michael erzählte. Viel wusste sie zwar nicht, doch ein paar Informationen waren es immerhin.
Kahlan, Zedd und Richard waren während der Sonnenfinsternis auf dem Weg zu Michael. Sie hatten gehört, dass er Probleme hätte und wollten ihm helfen. Wie würde der Bruder wohl reagieren, wenn sie ihm erzählten, dass ich gar nicht sein Bruder war? Irgendwie hatte ich Angst vor dieser Begegnung.
Wir stiegen wieder auf die Pferde und ritten weiter. Gerade als Kahlan sich umdrehte um mir weitere Informationen über Michael und die Familiengeschichte zukommen zu lassen, stürmte ein bewaffneter Mann vor Kahlans Pferd.
„D’Haraner!“ rief Kahlan und sprang auch schon vom Pferd. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich wusste nur, dass das Richards Feind, mein Feind, war, der angriff. Hinter mir raschelte es im Gebüsch. Sofort brachte ich das Pferd dazu, sich umzudrehen. Noch während der Drehung zog ich das Schwert, die Warnung von Zedd hatte ich total vergessen.
Ich hörte wie Kahlan aufschrie, war wütend, dass ich ihr nicht helfen konnte. Ich schwang das Schwert auf einen weiteren Angreifer, lies mich von dem Schwert leiten. Ich schrie so laut, es war schon mehr ein Brüllen. Ich wusste nicht mehr, was ich tat, ganz so als wäre ich nicht mehr ich selbst.
Das Schwert schwang unaufhaltsam dem Angreifer entgegen. Es war als würde alles in Zeitlupe ablaufen. Das Schwert traf den D’Haraner auf Herzhöhe und zog eine blutige Spur. Meine Gedanken rasten, hatte ich gerade wirklich einen Menschen getötet? Wie konnte ich nur, was hatte ich nur getan?
Noch während meine Gedanken um den Toten kreisten, schwang sich mein Körper bereits aus dem Sattel und lief Kahlan entgegen. Sie schrie mir etwas entgegen, konnte es aber nicht wirklich verstehen. Einen winzigen Augenblick später kam auch schon von der Seite ein dritter D’Haraner auf mich losgestürmt.
Ich bückte mich, hechtete zurück um Abstand zwischen mir und meinem Angreifer zu bekommen. Erst als ich gegen einen Baum stieß, sah ich aus dem Augenwinkel, dass bereits zwei Krieger Kahlan angriffen. Auch wenn ich Angst um mein und sogar um ihr Leben hatte, musste ich bewundern, wie sie kämpfen konnte.
Erst als ein Schwert auf mich zugerast kam, wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ich zog meinen Kopf ein, das Schwert raste in den Baumstamm hinein und blieb stecken. Ich sprang zur Seite, wollte gerade mit dem Schwert ausholen, als mich jemand von hinten am Handgelenk packte.
Ich schrie vor Schmerzen auf, als mir der Arm verdreht wurde und ich nicht anders konnte, als das Schwert fallen zu lassen. Verzweifelt versuchte ich, mich aus dem Griff zu befreien, doch umso mehr ich mich wand, umso schmerzvoller wurde es.
Ich wurde herumgewirbelt und gegen den Baum gepresst, wo ich zuvor schon dran gestoßen war. Eine widerliche Fratze grinste mich an. „Ich hätte nie gedacht, dass es so leicht sein würde, dich zu erwischen.“, greinte mir der D’Haraner entgegen.
Panik packte mich, ich wollte nicht sterben, nicht so, nicht hier und vor allem nicht in einem fremden Körper! Ich versuchte ich aus den Fängen des Kämpfers zu befreien, hatte aber nicht die Kraft dafür. Aus Reflex stieß ich einfach mein Knie in die Höhe und traf ihn in der Magengegend.
Für einen Moment sog mein Feind scharf die Luft ein und lies von mir ab. Genug Zeit um mich aus seinen Fängen zu befreien. Ich stürzte zu Boden, hob das Schwert auf und fühlte sofort wieder den Zorn in mir aufsteigen.
Ich preschte vor, wollte den D’Haraner mit dem Schwert durchbohren, ihm sein Leben nehmen, doch er sprang zur Seite. Ducken, schlagen, ducken, zur Seite springen. Ich bewegte mich, als ob meine Reflexe nicht mehr mir gehören würden.
Auf einmal kämpften zwei D’Haraner gleichzeitig gegen mich. Ich war total überfordert, mein Ziel war es nur noch den Angreifern auszuweichen, statt selbst anzugreifen. Per Zufall lief schließlich einer der beiden Kämpfer direkt in mein Schwert.
Beinahe hätte mir der unerwartete Gegenprall das Schwert aus der Hand gerissen, gerade noch so konnte ich es festhalten. Noch während ich damit beschäftigt war, meine Waffe wieder in feste Hände zu bringen, sah ich, dass Kahlan ihre Angreifer abgewehrt hatte. Es schien so, als wäre nur noch der eine, der gegen mich kämpfte, übrig.
Sein Schwert kam auf mich zugerast, ich sprang zur Seite, packte seine Hand und konnte ihn mit Mühe entwaffnen. Doch meine Zufriedenheit hielt nur kurz an, denn schon im nächsten Moment traf seine Faust mich volle Kanne im Gesicht.
Ich stolperte orientierungslos zurück und versuchte mich auf das Geschehen zu konzentrieren, meine Fassung wiederzuerlangen. Gerade noch konnte ich den erneuten Schlag kommen sehen und geistesgegenwärtig meinen Arm zum Schutz heben.
Über seine Schultern konnte ich erkennen, dass bereits Kahlan auf uns zu kam. Ich parierte einen erneuten Schlag, holte mit meinem Schwert aus, doch just in diesem Moment verpasste mir der D’Haraner einen Tritt in die Magengrube. Ich fiel zu Boden, das Schwert landete wenige Meter neben mir. Ich krümmte mich vor Schmerzen, doch ich biss die Zähne zusammen und rappelte mich wieder auf die Füße.
Ich sammelte meine gesamte übrige Kraft und lief auf den Feind zu, wollte ihn zu Boden werfen. Noch während ich auf den Mann zulief konnte ich erkennen, wie Kahlan ihre Hand nach ihm ausstreckte. Ich wusste nicht, was sie vorhatte und war irritiert.
Just in diesem Moment packte mich der Soldat und wirbelte mich um ihn rum. Alles ging so wahnsinnig schnell. Ich wusste nicht, wie mir geschieht, als sich bereits Kahlans Hand um meinen Hals legte und ich in ihre schwarz gefärbten Augen blickte.
Alles um mich rum verschwamm, nur Kahlan blieb klar sichtbar. Alles in mir zerriss, ich fühlte mich leer, ausgelaugt. Ich spürte nichts mehr, ich hatte nur noch einen Gedanken: Ihr jeden Wunsch zu erfüllen.
Review schreiben