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Abschiedsbrief

GeschichteAllgemein / P12
Augustus Waters Hazel Grace Lancester
03.11.2015
03.11.2015
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Liebste Hazel Grace,
ich glaube, dass es zwei Arten von Schicksal gibt. Das Schicksal, welches unveränderlich ist und all das mit sich bringt, was wir beide tief in unseren Seelen verachten. Dieses Schicksal ist ein mieser Verräter. Und dann gibt es die Dinge, die wir selbst in der Hand haben. Wir haben Krebs, aber wir können entscheiden, ob wir uns davon unterkriegen lassen. Wir werden sterben, aber vorher werden wir leben und wir können bestimmen, ob wir diese Zeit des Lebens dem Tod oder der Liebe widmen. Ich bin unendlich Dankbar dafür, dass wir uns beide für die Liebe entschieden haben. Deine Liebe hat mich gerettet, denn ich muss einen Krieg gegen mich selbst führen, aber auch gegen das Schicksal und das Universum. Wenn ich dich nicht an meiner Seite hätte, hätte ich mich irgendwann vor lauter kämpfen selbst verloren. Ich habe Angst, Hazel, und ich habe Schmerzen. Solche, gegen die kein Schmerzmittel dieser Welt etwas ausrichten kann. Ich habe mein Leben immer als Achterbahn gesehen, die lediglich nach Oben fährt. Die Fahrt endet hier. Denn am Ende sind wir alle nur Opfer des Bedürfnisses des Universums, alles was möglich ist, zu schaffen und wieder abzuschaffen. Wir werden alle Sterben. Und auch wenn diese Erkenntnis im ersten Moment traurig ist, nimmt sie mir dennoch auch die Angst, irgendwann vergessen zu werden. Es tut trotzdem weh, unbedeutend zu sterben. Ich weiß, dass ich vielen Menschen etwas bedeutet habe, im Endeffekt sogar mehr Personen, als ich eigentlich verdient habe. Aber ich hätte so, so, so gerne etwas von all dem, was ich im Kampf gegen den Krebs bekommen habe, zurückgegeben. An die Menschen, die von Außerhalb gegen diese übermächtige Krankheit kämpfen, welche zu der unveränderlichen Sorte des Schicksals gehört. Doch als ich dich in der Selbsthilfegruppe das erste Mal gesehen habe, wusste ich, dass auch du zu meinem Schicksal gehörst. Einerseits zu dem, für das man Kämpfen muss, andererseits aber auch zu der unumgänglichen Seite. Weißt du, was die Ironie am Rauchen ist? Tausende Menschen rauchen tausende Zigaretten und leben länger als ich, obwohl ich noch nie auch nur eine angemacht habe. Unser Schicksal ist stärker als wir. Das durfte ich lernen, nachdem ich „Ein herrschaftliches Leiden“ gelesen habe. Dieses Buch ist wie ein Geschenk, denn du hast mir dadurch einen Teil deines Lebens und einen Einblick in deine Seele gegeben. Wir alle wollen wissen, was nach unserem Tod passiert. Wie es den Menschen ergeht, die wir lieben. Es tut weh, dich verlassen zu müssen, Hazel. Aber ich glaube, es ist besser, wenn ich nicht schon im Voraus weiß, wie es dir geht, wenn ich tot bin. Wir wünschen uns alle, dass unsere Familien und die Menschen, die wir lieben, wieder glücklich werden und sich ein gutes Leben nach unserem Tod aufbauen können. Aber zuerst kommt die lange Zeit der Trauer und was mir die größten Schmerzen bereitet, ist zu wissen, dass dein Leben zu kurz sein wird, um über die Trauer hinaus etwas Neues anzufangen. Ich kann verstehen, dass es einfacher ist, über das Leben eines Hamsters nachzudenken. „Ein herrschaftliches Leiden“ hat uns auch nach Amsterdam gebracht, was ein guter Herzenswunsch war. Es war nicht wirklich mein Herzenswunsch, aber eine Verlängerung unserer beiden Leben durch eine Spontanheilung stand leider nicht zur Debatte. In Amsterdam habe ich gelernt, dass Champagner wie Sterne schmeckt, die in Flaschen abgefüllt werden. Aber viel wichtiger war die Erkenntnis, dass deine Lippen sich wie eine ganze Galaxie anfühlen. Es ist unheimlich schlimm, dich verletzen zu müssen, aber ich hoffe, es ist dir klar geworden, dass sich das so oder so nicht verhindern lassen würde. Deine Angst mich zu verletzen hast du überwunden, bevor du wusstest, dass ich in Wahrheit dich verletzen werde. Ich hatte in den letzten Wochen im Bett oder im Krankenhaus viel Zeit, um über all das nachzudenken. Wenn wir uns nicht kennengelernt hätten, wärst du gestorben ohne jemals gelebt zu haben und ich hätte nie die eine, große Liebe erleben dürfen, von der Isaac immer spricht. Am Ende wären wir beide tot gewesen, aber ohne all das Glück und all die Liebe miteinander geteilt zu haben. Ohne zu erfahren, was es überhaupt heißt, zu leben. Manche Unendlichkeiten sind größer als andere. Natürlich ist mir die Version unserer Zukunft lieber, in der wir zusammen in Schaukelstühlen auf der Terrasse sitzen und unseren Enkeln beim Spielen zusehen. Aber man muss die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Das Leben ist keine Wunscherfüllungsmaschiene. Leider muss ich zugeben, dass mir am Ende vor allem die körperlichen Schmerzen einen Teil des Zaubers genommen haben, welchen unsere gemeinsame Zeit schon immer auf mich hatte. Kürzlich hat mich eine Krankenschwester gefragt, welche Farbe Schmerz für mich hat. Ich habe geantwortet, dass Schmerz farblos ist. Denn wenn Schmerz eine Farbe hätte, müsste ich sie augenblicklich hassen. Aber alle physischen und geistlichen Schmerzen sind es Wert, ertragen zu werden. Ich hoffe, du siehst es genauso, denn ich weiß, dass du diejenige bist, die nach meinem Tod die größten Schmerzen haben wird. Ich liebe dich, Hazel Grace, ich liebe dich, ich liebe dich über alles. Meine größte und gleichzeitig kindischste Angst ist, dass es keinen Himmel für mich geben wird, Nicht, weil ich mir eine Unendlichkeit in einem Paradies wünsche. Sondern weil ich dich von dort beobachten, beschützen und auf dich aufpassen will, damit wir nach deinem Tod dort eine noch größere Unendlichkeit miteinander verbringen können. Okay?
Für immer dein Augustus Waters
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Dieser Brief ist eine Klassenarbeit von mir. Wir haben in Deutsch "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" gelesen. Seither bin ich ein riesiger John Green Fan! Viele der oberen Worte stammen nicht von mir, sondern sind Zitate dieses wundervollen Autors. Der Rest ist jedoch mein Werk. Danke fürs Lesen :)
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